Freitag den 17. November
1899
Drittes Blatt
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Alle Anzeigen-Dermittlungsstellcn deS In- und AuSlandet nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen
Annahme von Anzeigen zu der nachmittag« für den folgenden Tag erfchrinendrn Nummer bis vorm. 10 Uhr.
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-iedaktion, Expedition und Druckerei:
Achntstraße Nr. 7.
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Telegraphie ohne Draht.
(Nachdruck nur mit Erlaubnis des Verfaffers gestattet).
Bor einiger Zeit, bei Gelegenheit der großen Segel- Wettfahrt im Hafen von New-Aork, hat die drahtlose Telegraphie Marconis neue und glänzende Triumphe gefeiert, die weit die Erfolge übertrafen, die er schon früher zwischen England und Frankreich und noch früher zwischen South- Foreland und dem 19’/2 Kilometer von diesem Punkte entfernt liegenden East -Goodwin« Leuchtschiff erzielte. Der „New-York-Herald", die bekannte amerikanische Zeitung, hatte sich die Dienste Marconis für die Tage der Wettfahrt gesichert, und sie konnte ihren sportliebenden Lesern am Schluß der Wettfahrt an jedem Tage das Resultat durch „drahtlose" Depeschen übermitteln.
kWDer Gedanke, ohne Draht zu telegraphieren, ist nicht neu, denn schon im Jahre 1843 soll der amerikanische Professor Gall auf eine Entfernung von 1500 Meter sich durch Wellentelegraphie verständigt haben. Später haben u. a. Preece in England und Rathenau in Berlin über mehrere Kilometer Entfernung drahtlos telegraphiert, und auch Prof. Staby von der technischen Hochschule zu Char- lottenburg hat mit der drahtlosen Telegraphie große Erfolge erzielt, die aber gegen die Erfolge Marconis zurückstehen müssen. Guglielmo Marconi steht gegenwärtig im 25. Lebensjahr, er wurde am 25.April 1874 zu Gerffone bei Bologna geboren. Schon in frühester Jugend beschäftigte er sich mit elektrischen und elektrotechnischen Versuchen, sein Glücksstern begann eben zu strahlen, als er sich nach England wandte und hier an dem Chef der englischen Telegraphenverwaltung, dem schon genannten Preece, einen eifrigen Förderer seiner Studien fand. Auf South-Foreland, einem Kap an der Südostküste Englands, wurde eine Marconische Station eingerichtet, und von hier aus wurden Versuche zunächst mit dem Leuchtschiff „East Goodwin", dann mit Boulogne an der französischen Küste (52 Kilometer Entfernung) unternommen, die alle zu einem glänzenden Resultat führten.
Unsere heutigen Abbildungen sollen, sogut dies durch bloße Zeichnungen möglich ist, die Art der Telegraphie ohne Draht erläutern. Wie bei einer gewöhnlichen Telegraphie haben wir auch bei der drahtlosen Telegraphie einen Zeichengeber und einen Zeichenempfänger, in unserer^Zeichnung durch Figur 1 und 3 dargestellt. Anstatt nun aber den elektrischen Strom zu verwenden, wie es in der gewöhnlichen Telegraphie geschieht, benutzt man elektrische Wellen, wie sie von dem bekannten Physiker Hertz entdeckt und zuerst benutzt wurden.
Die beiden Hauptapparate, die für die Telegraphie ohne Draht in Betracht kommen, sind der Oscillator (Fig. 1) und der Cohärer (Fig. 3). Durch den Oscillator werden
und Füßen die Adern geöffnet hatte. Man brachte sie ins Krankenhaus, und es gelang auch, sie nach vieler Mühe wieder ins Leben zurückzurufen und zu heilen. Sie mußte eine sehr vornehme Dame sein; denn die Behörden bewahrten das tiefste Stillschweigen über ihren Namen und Stand. Endlich erfuhr die Oeffentlichkeit durch einen Zufall, wer die Dame war, und auch, daß sie bereits im Jahre 1885 in Bologna eine reizende Villa bewohnt und sehr häufig die Besuche eines Hauptmanns vom Geniekorps namens Maccari empfangen hatte. Die Beziehungen des Offiziers zu der Schönen dauerten viele Jahre. Eines Tages aber löste der Offizier das Verhältnis. Darauf erfolgte der oben erwähnte Selbstmordversuch. Nach ihrer Genesung versuchte die Dame von neuem mit dem inzwischen zum Major avancierten Osfizier anzuknüpfen, der in Rom in Garnison stand. Aber vergeblich — es folgte ein neuer Selbstmordversuch in Rom, indem sich die Dame über die Nipethabrücke in den Tiber stürzte. Der Major sprang ihr nach und rettete sie. Dadurch wurde natürlich die Liebesglut der inzwischen 40 Jahre alt gewordenen Dame nicht geringer. Als sich der Major, um sich vor ihr zu retten, endlich nach Tarent versetzen ließ, fuhr die Ver- zweifelte ihm mit einem seiner Freunde, der den Vermittler spielen sollte, nach, um einen letzten Vereinigungsversuch zu machen. — Der Major blieb unerbi tlich. Sie ergab sich nun scheinbar in ihr Schicksal; als sie aber einen Spaziergang durch die Stadt machten, zog die Unglückliche einen Revolver hervor, schoß dem Major hinterrücks auf offener Straße eine Kugel durch den Kopf und richtete dann die Waffe gegen sich selbst; ehe Passanten hinzuspringen konnten, waren beide entseelt.
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DipbtheritiS Typhus Lungenschwindsucht Tuberkulose anderer
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Fernsprecher Nr. 51.
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bin, eine Unteroffiziersstelle in einem auswärtigen Heere zu bekleiden. Im Voraus dankend, verbleibe ich mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener Karl Schulze." — Karl Schulze hat nun von seinem ehemaligen Vorgesetzten folgende Antwort erhalten, die den englandfreundlichen Musketier hoffentlich kuriert hat: „Mein lieber Schulze! Eigentlich sollte ich bei Ihnen mein altes Sprichwort anwenden: Wer dumm ist, muß geprügelt werden. Aber Sie wissen doch wohl, daß ich es mit Ihnen, trotz Ihrer Vorstrafen, immer sehr gut gemeint habe und Sie stets für einen anständigen Kerl hielt. So kann ich Ihre jetzigen Ideen Ihnen auch nur als eine thörichte Verwirrung anrechnen, denn sonst würde ich Ihnen, wie ich es hiermit ausdrücklich thue, nicht nur von Ihrem Vorhaben abraten, sondern Ihnen auch mit vollem Recht zurusen: Schulze, schämen Sie sich was! Ihr alter Kompagniechef N. N."
* Der Herr Kollege. Eine hübsche Episode spielte sich am Samstagabend während der Vorstellung von „Jägerblut" bei den Schlierseern im Berliner Bellealliance Theater ab. In diesem Stück giebt Terofal bekanntlich den komischen Dorfbader, der mit witzigen Bonmots gegen die medizinische Wissenschaft loszieht. Geheimrat Virchow wohnte der Vorstellung bei, und als der Schauspieler den Gelehrten in einer Loge bemerkte, apostrophierte er ihn mit folgender Improvisation: „Ich stimme ganz der Theorie meines berühmten Kollegen Virchow bei: So lange der Mensch sich noch rührt, lebt er noch." Virchow stimmte in das Helle Lachen, das sich erhob, herzlich ein und stattete später seinem „Kollegen" in der Garderobe einen Besuch ab.
* Die Liebestragödie eines italienischen Offiziers. Im vergangenen Jahre wurde in einem Garten in Bologna eine elegant gekleidete Dame gesunden, die sich an Händen
Gießener Anzeiger
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Feuilleton.
* Ein Mißverständnis. Man schreibt der „Kleinen Presse" aus der Pfalz: „Zwei Liter Neuen" als Bußübung ist nicht schlecht, echt zeitgemäß. So dachte der Bauer Sepp in Sulzheim, der etwas schwerhörig ist, beim großen Beichttag in den letzten Tagen und begab sich, nachdem er in der Kirche sein pater peccavi beendet, ohne Säumen ins nahe Gasthaus, um sofort seiner Bußpflicht zu genügen. In frommer Betrachtung saß er in einer Ecke des Nebenzimmers und oblag ohne Murren seinem Bußwerke, als plötzlich eine Stimme im Hausgang sich vernehmen ließ. Die Thür flog rasch auf und herein trat sein Weib, das ihn ob seines sträflichen Wandels mit Vorwürfen überschüttete. „Laß mich in Ruhe", rief ihr der eifrige Büßer entrüstet zu, „hadere mit dem Herrn Pfarrer. Er hat mir heute zwei Liter Neuen zur Bußpflicht gemacht." Ob dieser neuen Bußart mißtrauisch, zieht unsere tapfere Hausfrau Erkundigung ein und es ergiebt sich zur allgemeinen Heiterkeit, daß die Bußübung lautet: „Zwei Litaneien!''
* Gut bedient. Wir haben die Erlaubnis erhalten — so schreibt die „Tägl. Rundschau" — folgenden zeitgemäßen Briefwechsel, der dieser Tage stattgefunden hat, wortgetreu zu veröffentlichen, wobei wir nur — mit Rücksicht auf den Veranlaffer des Briefwechsels — dessen wirklichen Namen durch einen anderen ersetzen. Anfang November erhielt ein preußischer Offizier folgende Zuschrift: „Geehrter Herr Hauptmann 1 Sie werden sich wundern, von Ihrem früheren Musketier und Kompagnieschneider ein Lebenszeichen zu erhalten. Da ich gewillt bin, als Unteroffizier in eines der englischen Kolonial-Regimenter zu treten, so möchte ich Sie bitten, mir ein Zeugnis auszustellen, daß oder ob ich fähig
Erscheint iägllck mit Ausnahme des
Montags
Die Gießener AamitienStätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal brigelrgt.
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Sinnt. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, rote viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gicßen gebrachte Kranke kommen.
die Wellensignale erzeugt, durch den Cohärer werden sie angezeigt und ausgenommen. Der Oscillator erhält seine Bedeutung durch die Jnduktionsströme, welche die elektrischen Wellen hervorbringen. Der sogenannte Zeichengeber (Fig. 1) besteht deshalb auch zur Hauptsache aus dem Induktionsapparat. Drückt man auf den Schlüssel am Induktionsapparat, so werden am Oscillator durch die Jn- duktionsrollcn elektrische Wellen erzeugt, die sich nach allen Seiten hin ausdehnen und auch zu der Empfangsstation gelangen, wo sie im Cohärer (Fig. 2 und 3) einen Strom Hervorrufen, der auf einen Morse-Apparat wirkt und Zeichen (Punkte und Striche) hervorruft. Der schon genannte Physiker Hertz experimentierte mit den von Faraday erzeugten Jnduktionsströmen, aber der Cohärer und seine Einrichtung geben der Wellentelegraphie erst die eigentliche Bedeutung. Der Franzose Brauly entdeckte, daß es einem elektrischen Strom unmöglich sei, pulverisiertes Metall zu durchdringen, daß aber bei elektrischen Wellen das gleiche Metall als guter Leiter diene, da die einzelnen Teilchen sich fest aneinander schließen. Von dieser Anziehung oder Cohärierung der einzelnen Metallteilchen erhielt ein aus dieser Gesetzmäßigkeit aufgebauter Apparat nach dem Engländer Oliver Lodge den Namen „Kohärer".
Nach der jedesmaligen Erzeugung von Wellen am Oscillator vergeht eine kurze Zeit, ehe neue andere Wellen erzeugt werden können, und die größte bisher von Marconi
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Monat Oktober 1899.
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Friedrich Nietzsche.
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renbeit und Gesundheit.
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erzielte Geschwindigkeit betrug 18 Wörter in der Minute. Um die zu überspringende Entfernung möglichst zu vergrößern, machte Marconi die Beobachtung, daß sowohl Abgangs- als auch Empfangsstation mit der Luft und der Erde durch Leitungen verbunden sein müssen. Je höher sich die Luftleitung erhebt, auf eine desto weitere Entfernung kann ohne Draht telegraphiert werden; so genügt z. B. eine 8 Meter hohe Luftleitung für eine Entfernung bis zu 1900 Meter. Auf den beiden Stationen Souta-Foreland und Boulogne sind 50 Meter hohe Masten erricht, welche den telegraphischen Verkehr vermittelten. Zur Verstärkung der Wellen und zum Sammeln dienen besondere Apparate, wie Fig. 4 zeigt.
Die Telegraphie ohne Draht ist zweifelsohne eine Erfindung ersten Ranges, aber sie hat ihre Schattenseiten. Die Wellen lassen sich nicht in einer bestimmten Richtung dirigieren, sondern sie breiten sich im Raum nach allen Seiten aus, und wenn man nicht besondere Vorkehrungen trifft, um die telegraphischen Geheimnisse zu schützen, kann sich jeder in ihren Besitz setzen. Die Telegraphie ohne Draht liegt jedenfalls noch im Anfänge ihrer Entwicklung, und den rastlosen Bemühungen der Physiker wird es zweifelsohne gelingen, sie immer weiter zu vervollkommnen. A. S.
Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gittzen.
45. Woche. Vom 5. bis 11. November 1899.
(Einwohnerzahl: angenommen zu 24 500 (inc 1600 Mann Militär) SterblichkeitSztffer: 8.48, nach Abzug der Ortencmben 4,24°/«.
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