Ausgabe 
17.9.1899 Zweites Blatt
 
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,, 16, September 1899.

1<e bett , Settweiler.

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Punkte der Beurteilung zu unterziehen. Dettweiler erscheine schuldig, weil er 1) Zettel für das Deutsch-Lateinische von Dr. Schmidt irr Bensheim annahm, aus welchen Worte und Wendungen standen, und durch welche sein Sohn eine un­statthafte Bevorzugung genoß; 2) wegen seiner in zwei Fällen nachgewiesenen unerlaubten Beihilfe bei Uebersetzungen; 3) wegen der unerlaubten Beihilfe des Dr. Ahl heim im Deutsch-Latein, deren Natur er hätte erkennen müssen, und 4) wegen der Annahme der Zettel mit griechischen Vokabeln und der unerlaubten Benutzung derselben zu Gunsten seines Sohnes. Bei der Strafzumessung komme erschwerend in Betracht, daß die Handlungsweise des Angeklagten für die An­stalten schwere Folgen nach sich zog, den Lehrkörper erschütterte, die Disziplin untergrub und das Vertrauen der Eltern, sowie den Glauben der Kinder an Gerechtigkeit und Unparteilichkeit schädigte. Strafmildernd wurde erwogen, daß nicht unlautere Motive den Angeklagten leiteten, sondern daß er als Vater fehlte, daß er sich um das hessische Schulwesen hervorragende Verdienste erwarb und bis jetzt makellos dastand.

Bei dieser Sachlage erscheine die Dienstentlassung als eine zu strenge Ahndung, wohl aber würde das Gericht eine zwangsweise Versetzung in ein anderes Amt in Er­wägung gezogen haben, wenn dies nach Lage der Dinge noch angängig wäre. (Dettweilers bisheriges Amt ist be­kanntlich bereits anderweit besetzt und er zur Zeit ohne ein solches, daher kann er auch nicht versetzt werden).

Auf Grund aller Erwägungen wurde dahin entschieden, daß der Angeklagte die Pflichten verletzt habe, die ihm sein Amt auferlegte und deshalb zu einem Verweis und zur Zahlung von 500 Mk. Geldstrafe zu verurteilen sei. Von den baren Auslagen zahlt er zwei Drittel, der Staat ein Drittel.

Mit diesem Urteil, an welches sich, wie dieN. H. V." schreiben, auch die Pensionierung des Oberschulrats mit gesetzlichem Ruhegehalt reihen wird, ist eine Frage zu Ende geführt, die jahrelang viele Gemüter bewegte. Ob diese Erledigung eine befriedigende ist, darüber zu entscheiden überlassen wir unseren Lesern. Es sei uns jedoch noch ge­stattet, eine schöne Geschichte von Verweisen nachzutragen. Der Gymnasiallehrer Dr. Schrohe von Bensheim, der dem Sohne des damaligen Direktors Dettweiler Stunden gegeben hatte, bekam eines Tages von diesem ein Körbchen Aprikosen geschickt, deren Annahme er jedoch verweigerte. Daraufhin schrieb ihm der Direktor einen Brief, der eine Zurecht­weisung enthielt. Diese wollte sich Dr. Schrohe nicht ge­fallen lassen, da er dachte, er sei doch noch Herr seiner Ent­schließungen und wandte sich beschwerend an Herrn Ministerial­rat Soldan. Dieser prüfte die Sache und erklärte. Sie haben den einen Verweis, den behalten Sie und ich er­teile Ihnen noch einen weiteren dazu. Statt der Aprikosen hatte der Doktor jetzt zwei Verweise. Die Er­zählung dieses Vorkommnisses hat viel Kopfschütteln, bei manchem auch Heiterkeit verursacht.

* In Amerika verstorbene Hcffen. New-Jork, Maria Reich, geb. Ammon, 77 Jahre alt, aus Lauterbach. Whee- ling, W. Vg., Wittwe Rosa Wöber, 65 Jahre alt, aus Hessen-Darmstadt. Rapids, Erie Co., N. I., Heinr. Stumpf, 62 Jahre alt, aus Kirtorf. Barnes, Jll., Conrad Schäfer, 66 Jahre alt, aus Daubringen.

nn. Verhandlungen der evangelischen tzandessynode. Nachdem gestern die evangel. Landessynode in die Spezialberatung des Gesetz-Entwurfs wegen der Gehalts-Erhöhung der Geist­lichen eingetreten war, und dieses Gesetz nach den Ausschuß­anträgen erledigte und annahm, beschäftigte sich dieselbe heute mit der Vorlage des Oberkonsistoriums, die Aende- rimgen im Pfarrverband und in den kirchlichen Gemeinde- Verhältnissen, sowie die Gründung von neuen Pfarrstellen betr. Oberkonsistorial-Präsident Buchner konstatiert, daß hier alles in Ordnung sei. Oberkonsistorialrat Waas be­gründet die Notwendigkeit der Vorlage in warmer Weise. Die Änderungen seien besonders da hervorgetreten, wo die Vevölkerungsziffer zugenommen habe. Das Bedürfnis nach kirchlicher Versorgung werde lebhafter als je gespürt, und die Wünsche seien in bedeutender Weise gewachsen. Das flutende Leben des Volkes stehe hinter der Vorlage, doch werde die Kirche vor nichts zurückschrecken. Synodale Lic. Eck trägt verschiedene Wünsche bezüglich der Landespfarrei

Axel Oxenstjerna der Königin Christina den Erlaß zur Unterschrift überreicht, der die Gründung der Universität anbefiehlt, und wie Gustav IV. mit seiner Gemahlin Frie­derike Dorothea unter Assistenz der vier Fakultäten die Grundsteinlegung der Universität vollzieht.

Was mir schon in Helsingfors aufgefallen war, das fand ich auch hier in Abo bestätigt: daß die Künstler Finn­lands lediglich Stoffe aus der nationalen Sage und Ge­schichte zu verarbeiten pflegten. Dies thaten sie sicherlich deshalb, weil sie nur für solche Stoffe die volle Teilnahme der gebildeten Gesellschaft und des Volkes ihrer Heimat zu finden sicher waren. Es ist keine Frage, daß die überall in Finnland wahrnehmbare Konzentration aller physischen, moralischen und geistigen Kräfte auf das Nationale den Hauptanteil daran hat, daß das Land einen so hohen Grad von Zivilisation erreicht hat, und weder in Gewerbefleiß und Handel, noch an Unternehmungsgeist und schöpferischer Thätigkeit der Menschenhand, noch in Litteratur, Kunst und Wissenschaft hinter irgend einem abendländischen Kultur­staate zurückgeblieben ist. Dieses Ergebnis der 700jährigen Kulturgeschichte Finnlands wurde mir selbst hier in Abo, also an einem Platze, der gegen früher zurückgegangen war, auf Schritt und Tritt bestätigt. Freilich, die finnländische Kultur, und besonders das geistige und künstlerische Leben der Finnlänaer, zeigt eine gewisse Einseitigkeit, denn wer allzuviel in seinen vier Pfählen sitzt, der verliert leicht den Blick und das Verständnis für die übrige Welt; aber ge­rade in dieser Einseitigkeit, die den Finnländer allen kosmopolitischen Schwärmereien abhold macht, und ihn zu

Offenbach, und insbesondere bezüglich der Kreis-Erziehungs­anstalt zu Mühlheim a. M. vor, worauf Oberkonsistorial- Präsident Buchner versichert, daß die Gründung dieser Landpfarrei nur als ein Uebergang zu betrachten sei. Oberkonsistorialrat Walz weist auf die rasche Entwickelung der Landpfarrei Mainz hin, die besondere Beachtung verdiene. Die Synodalen Jost- Bechtheim, V ö l si n g - Gimbsheim und Gräf-Monsheim beantragen die Aufhebung der bestehenden geistlichen Bauordnung. Der Ausschuß empfiehlt der Synode Schaffung einer neuen und zeitgemäßen geistlichen Bau­ordnung, welcher Antrag Annahme findet. Zur Vorlage wegen anderweiter Regelung der kirchlichen Vermögens- Verwaltung hat der Ausschuß beantragt, an das Ober­konsistorium das dringende Ersuchen zu richten, eine ander- weite Regelung dieser Angelegenheit in die Wege zu leiten. Zu dem Antrag des Synodalen Hallwachs auf Regelung der gesellschaftlichen und materiellen Verhältnisse der Kantoren und Organisten hat das Kirchen-Regiment mitgeteilt, daß zur Zeit noch mit der Regierung Verhandlungen schweben. Die Synode erklärt die Anträge als dringlich und nimmt sodann den Antrag des Ausschusses an. Seitens des Synodalen Weiffenbach ist beantragt unter Beifügung der Dringlichkeit, die Synode möge protestieren gegen die in der päpstlichen Jubiläums-Bulle, vom 11. Mai d. I., ent­haltenen Herabsetzung unserer evanglische Kirche. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Zum Schluß der heutigen Sitzung wird Synodaler Brandt-Mainz in den Synodal-Ausschuß gewählt. Samstag findet der Schluß der Beratungen statt.

11 Lich, 15. September. Kirchenkonzert. Nächsten Sonntag, nachmittags 4 Uhr, findet in der hiesigen Stifts­kirche ein geistliches Konzert des Konzertsängers Hrn. Ströbel aus Marburg statt. Herr Gnöll aus Marburg (Violine) und Herr Organist Schmidt aus Wetzlar (Orgel) wirken dabei mit. Das Programm ist mit gutem Geschmack zu­sammengestellt. Hoffen wir, daß den Künstlern ein schöner Erfolg beschieden wird.

+ 9libba, 15. September. Ein raffinierter Dieb­stahl wurde gestern nachmittag im östlichen Ausgange unserer Stadt verübt. Auf dem daselbst befindlichen Ge­meinde Holzplatz hatte ein hiesiger Bürger das gesamte Stroh seines kürzlich erst ausgedroschenen Hafers aus- geschichtet, weil er hierfür den erforderlichen Platz nicht mehr in seiner Scheune hatte. Gestern abend machte nun der Eigentümer die unangenehme Entdeckung, daß sein ge­dachter großer Strohvorrat, der mittags noch am fragt. Platze sich befand, fort war, also am hellen Nachmittag weggefahren worden sein mußte. Hoffentlich führt der letztere Umstand zur baldigen Ermittelung des ober der Thäter.

Q Vom Lande, 16. September. Die Zwe tschen gehen ihrer vollen Reife entgegen. Aber infolge der feuchten Witterung sind viele Früchte stellenweise mit Pilzen besetzt. Dadurch bildet sich ein Fäulnisherd, der die Zwetschen un­brauchbar macht. Auch die Sperlinge reduzieren die Zwetschenernte beträchtlich. Sie picken neben den Stielen das Fleisch heraus, wodurch die Zwetschen, kaum angefressen, schon zu Boden fallen und verfaulen. Um die gefieberten Diebe von den Bäumen fernzuhalten, umwickele man ihre Kronen mit einigen Zwirnsfäden. Zu dem Zwecke bindet man den Faden an einem Bestehen fest, steckt die Zwirns­rocke auf eine Stange, sodaß sie sich leicht dreht, und geht dann mehrmals um den Baum herum. Der Zwirn rollt sich ab und bleibt auf den Aesten hängen. Die Sperlinge trauen den Fäden nicht und meiden den Baum.

Alsfeld, 15. September. Die hiesige land wirt- schaftlicheWinterschule beginnt ihr diesjähriges Winter- femester den 6. November. An der Schule unterrichten 3 Landwirtschaftslehrer, 1 Kulturtechniker und 3 weitere Hilfslehrer. Die Schule ist zweiklassig; das Lehrpensum kann also in 2 Wintersemestern absolviert werden. In der Regel werden bie jungen Leute im Alter von 16 bis 18 Jahren aufgenommen, jeboch können auch ältere Lanbwirte als Hospitanten aufgenommen werden. Weitere Auskunft erteilt der Schulleiter: Herr Oekonornierat Leithiger in Alsfeld an welchen auch die Anmeldungen zu richten sind.

nüchtern-praktischer Thätigkeit im Interesse des eigenen Landes erzieht, liegen die vornehmsten Wurzeln der Kraft, die auch ein dürftiges Land zu Wohlhabenheit, ja Reich­tum, und hoher materieller und geistiger Blüte bringen können. . . .

Es war gegen Abend, als ich von Abo Abschied nahm, um mich auf dem stattlichen und prächtig eingerichteten DampferJakobstadt" einzuschiffen und durch die ©täten, an den Alanbsinseln vorüber und um bie Südwestecke Finnlands herum auf die Höhe von Hangö und von da weiter bis nach Helsingfors zu fahren; erst hier konnte ich wieder einen Dampfer finden, der mich hinüber nach Esth- lands felsigen Gestaden brachte. Obgleich ich im finn­ländischen Zollgebiet blieb, und obgleich der Dampfer Jakobstadt" als regelmäßiger Post- und Passagierdampfer nur finnländische Plätze anlief, hatte ich doch eine Menge Zollplackereien zu bestehen, bis ich mich in meiner bequemen und eleganten Koje für die nächsten 24 Stunden häuslich einrichten konnte. Endlich es war schon tiefe Nacht ge­worden lichtete das Schiff die Anker, und wir fuhren langsam den Aura-Fluß entlang und dem Meere zu. Die Fahrt durch den Fluß und die Kanäle dauerte sehr lange und war Überaus eintönig; es lagerte ein Heller Nebel über Wasser und Land und ließ die Nacht dunkler erscheinen, als sie um diese Jahreszeit zu sein pflegt; der Dampfer aber fuhr nur mit halber Kraft, weil er erst mit Sonnenaufgang in das gefährliche Skärenwasser im bottnischen Meerbusen auslaufen wollte.

Endlich zeigten ein frischerer Wellenschlag und jene

O Vom Manöver, 15. September. Den besten Beweis, daß es den Soldaten durchgängig in ihren Quartieren ge­fallen hat, liefern die vielen Ansichtspostkarten, welche die Quartiergeber von den von ihnen verpflegten Soldaten empfangen. Verschwiegen darf es auch nicht' werden, daß einzelne Quartiergebcr den Soldaten gegenüber nicht ihre Schuldigkeit thaten, ja es sollen sogar vereinzelte Um­quartierungen nötig gewesen sein. Wo solche Maß­regeln ergriffen werden müssen, da schadet der Quartier­geber sich selber am meisten. Seine Achtung schwindet nicht allein in seinem Wohnorte, sondern auch in der näheren unb weiteren Umgegend. Außerdem setzt er sich der Gefahr aus, für höhere Verpflegungskosten aufkommen zu müffen. Wenn geringe Leute in ihren dürftigen Verhältnissen alles auf« bieten, um den angestrengten Mannschaften ihre kurze Ver­pflegungszeit so erträglich als nur möglich zu gestalten zu suchen, bann kann solches umsomehr von wohlhabenden Leuten, die ja bei anderen Gelegenheiten sich ihres Reich­tums brüsten, erwartet werden, zumal sie im schlimmsten Falle den größten Schutz beanspruchen. Wer also zu der geringen Minderheit gehört, die es bei der Verpflegung an manchem fehlen ließ, der suche jetzt bei den nächsten Ein­quartierungen das Versäumte nachzuholen. ZumGeschäfte­machen" wird das Verpflegungsgeld nicht vergütet, und die Soldaten manöverieren nicht dazu, daß einzelne geizige Naturen Kapital daraus schlagen. Vielleicht kommt ja an ihre Söhne oder Enkel auch einmal die Reihe!

Büdingen, 14. September. Der M issio ns verein des Dekanats Büdingen feierte heute fein Jahresfest in der Kirche zu Büdingen. In dem Festgottesdienst, der durch gut eingeübte Gesänge des Kirchengesangvereins verschönert wurde, hielt Hofprediger a. D. Stöcker von Berlin die Festpredigt über Matth. 24, 14. An der Hand dieses Textes sprach der Redner über das große Werk der Mission und zeigte in lebendiger, packender Weise, wie dieses große Werk für das evangelische deutsche Volk und die Kirche der Reformation eine große Verheißung, eine große Arbeit, eine große Verantwortung enthalte. Mit gespannter Auf­merksamkeit folgte bie zahlreich versammelte Gemeinde dem Prediger. Die große Stadtkirche war fast bis auf den letzten Platz gefüllt, und von Nah und Fern waren Fest­teilnehmer erschienen, um Stöcker einmal predigen zu hören. Die beim Ausgang des Gottesdienstes erhobene Kollekte für die Heidenrnission betrug 91 Mk. Bei der im Rathaussaale abgehaltenen und gut besuchten Nachversammlung führte zunächst Neiseprediger Seidler vor der Brüdergemeinde die Zuhöhrer im Geiste nach Grönland und schilderte in an­schaulicher Weise das Leben und Leiden der Missionare bei den Eskimos, zeigte aber auch die Erfolge der dortigen Mission. Sodann sprach Hofprediger Stöcker über die Berliner Stadtmission und schilderte an einer Reihe von Beispielen das soziale Elend Berlins, zeigte aber auch, wie gerade die Stadtmission bemüht sei, dem sozialen Elend nach Kräften zu steuern und wie es ihr nicht an Erfolg gefehlt habe. Eine zu Gunsten der Stadtmission veranstaltete Tellersammlung ergab in wenigen Augenblicken die Summe von 82 Mk. die von der dankbaren Missionsgemeinde dem Herrn Hofprediger für die Stadtmission überwiesen wurden. Zum Schluffe sprach noch Vereinssekretär Waldeck von Darmstadt über die eben im Bau begriffene epileptische Anstalt bei Nieder-Rarnstadt. Mit dem Liede:Ach bleib mit deinem Segen" schloß gegen x/27 Uhr abends das in allen Teilen schön und hoffentlich segensreich verlaufene Fest.

cf Aus Rheinhessen, 15. September. In einzelnen Ge­meinden, wie in Niederingelheim, Gaualgesheim, Büdes­heim, Bodenheim hat man bereits mit der Lese der Früh­burgunder trauben begonnen. Durchschnittlich wird nur auf ein Drittel Herbst gerechnet, wogegen man sich von der Qualität sehr viel verspricht.

Hunumstischrs.

* Aus den Fliegenden Blättern. Reklame. Verleger: Im letzten Jahre wurden von Ihrem Roman kaum zehn Exemplare abgesetzt. Sie müssen mehr von sich reden machen lassen Sie sich doch 'mal von der Pferdebahn überfahren!"

* Praktisch.. . . Was stricken Sie denn da schönes, Frau Inspektor?"Ich mache Ueberzüge für unsere gehäkelten Sofa­schoner'"

salzgeschwängerte Seeluft, die die Brust weitet, uns an, daß wir den Schloßfjord durchquerten und in das offene Meer gelangten. Es wurde heller unb. heller, das Auge erblickte wieder ringsum Finnlands Granitinseln, und an das Ohr begann die Brandung des Meeres melodisch zu tönen. Eine Skärenfahrt an der West- und Südwestküste Finnlands ist mitunter zwar gefährlich, aber auch immer schön und reizvoll. Das Auge kommt nicht zur Ruhe, die Szenerie zeigt immer neue Bilder, mag man nun nahe an der Küste sich zwischen den Skären durchwinden, ober weit in bie wogende See hinausfahren, und das Jnselgewirr in feiner Gesamtheit aus der Ferne überschauen. Der Dampfer Jakobstadt" hatte erheblichen Tiefgang, er nahm feinen Kurs also in ziemlich weitem Abstande von der Küste und fuhr nur ausnahmsweise, und erst als er sich gegen Osten wandte, dnrch die eigentlichen Skärenkanäle; ich fand somit Gelegenheit genug, den Reichtum und die Abwechselung der Aussicht bis zur Neige auszukosten.

Vor mir dehnte sich blau das Meer ans, und in der Ferne winkte Schwedens Küste, hinter mir aber versank in Nebeln Suomi-Land, und mir schien es, als stehe auf dem äußersten Felsen des Festlandes eine weiße Gestalt mit wallendem Silberhaare, den Lorbeer im Haar und die Hand mit der Kantele erhoben, und als mischten sich die ein­tönigen Laute finnischer Runen, die den Lippen Wäinä- möinenö entströmten, mit dem gewaltigen Rauschen und Brausen des Jmatra, das mir noch immer in den Ohren tobte, ein Abschiedsgruß desLandes der tausend Seen"!