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Sonntag den 17. September
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Politische Wochenschau.
Die Herb st manöver im Süden Deutschlands haben ihr Ende erreicht, manche bedeutsame Rebe ist von dem Kaiser bei den verschiedenen Gelegenheiten gehalten worden, aus der ein herzliches Einvernehmen zwischen ihm und seinen Verbündeten zu erkennen ist. Daß aber auch die internationalen Beziehungen Deutschlands ungetrübt, insbesondere diejenigen zu Rußland recht freundliche find, darf nicht bezweifelt werden. Die Thatsache, daß vor einigen Tagen ein Besuch des Zarenpaares in Potsdam geplant war und nur aus rein äußerlichen Gründen im letzten Augenblick unterblieb, läßt auf ein herzliches Verhältnis zwischen den Höfen von Berlin und Petersburg schließen. — In unserer innerdeutschen Politik gehen die Wogen noch ziemlich hoch. Die Maßregelung der preußischen Landräte und Regierungspräsidenten, welche gegen den Kanal gestimmt hatten, läßt die Gemüter noch nicht zur Ruhe kommen; auch die Minister, reränderungen in Preußen beschäftigen die öffentliche Mei nung noch in hohem Grade, und vielfach will man nicht glauben, daß schon ganze Arbeit gemacht worden sei und nicht noch einige Potefeuille*Inhaber ihren Kollegen Bosse
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Betreffend: Die Maul- und Klauenseuche.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Utphe größeren Umfang angenommen hat, ordnen wir hiermit die Sperre des OrtS Utphe und deffen Feld« gemarkuug an. Danach unterliegt der Verkehr mit Rindvieh, Schweinen, Schafen und Ziegen folgenden Beschränkungen: Das Durchtreiben derselben von außerhalb durch Ort und Gemarkung ist verboten. Die Einfuhr von solchem Vieh über die Gemarkungsgrenze in den gesperrten Ort ist nur zum Zwecke sofortiger Abschlachtung gestattet. Die Ausfuhr ist ebenfalls nur zum Zwecke sofortiger Abschlachtung mit schriftlicher Erlaubnis der Bürgermeisterei Utphe auf Grund einer Aeußerung des Großh. Kreis- veterinärarztes zulässig. Wer ein Stück Vieh an einen auswärtigen Metzger oder ein Schlachthaus liefern will, muß also zunächst die Untersuchung durch den Großh. Kreisveterinärarzt veranlassen und wenn danach der Ausfuhr kein Hindernis im Wege steht, einen Erlaubnisschein der Großh. Bürgermeisterei lösen. Bei dem Transport muß er diesen Schein, der eine dreitägige Gültigkeit hat, mit sich führen und die vorgeschriebenen Transportbedingungen genau beobachten, auch der Polizeibehörde (Bürgermeisterei) des EmpfangSorts Nachricht geben.
Auf Antrag der Bürgermeisterei wird von uns im Bedürfnisfalle angeordnet, daß der Großh. Kreisveterinärarzt sich wegen Ausstellung solcher Bescheinigungen an einem bestimmten Lag wöchentlich, der ortsüblich bekannt zu machen ist, dienstlich einsindet.
Die Spcrrmaßregeln bezüglich verseuchter Gehöfte oder Weiden bleiben daneben bestehen. Im übrigen können Klauentiere aus nicht verseuchten Gehöften innerhalb der gesperrten Gemarkung zur Feldarbeit benutzt oder auf die Weide getrieben werden, nicht aber über die Gemarkungsgrenze hinaus.
Wer Grundstücke oder Anlagen in einer anderen Gemarkung besitzt, muß dieselben entweder durch Pferdegespanne oder aber durch Rindviehgespanne aus dieser anderen Gemarkung besorgen.
Jede Weggabe von Milch aus der gesperrten Gemarkung darf nur nach vorheriger Abkochung erfolgen; ausgenommen, wenn die Abgabe an eine Molkerei erfolgt, welcher das Verbot der Abgabe ungekochter Milch zugegangen ist.
Ausfuhr von Dünger, Rauhfutter und Stroh aus dem Sperrgebiet ist verboten.
Gießen, den 16. September 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.
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Gesunde«: 1 Hammer, Manchetten, 1 Spielzeug (Schäfchen), 1 Schirmgriff, 1 Stuhl, 1 Rock, 1 Betttuch, 1 Kinderstrümpfchen, 1 Päckchen Garn, 1 Lötkolben. (Ein schwarzer Schirm, 1 lederner Geldbeutel, 1 gestrickter Geldbeutel, auf dem Postamt liegen geblieben.)
Gießen, den 16. September 1899. Großherzogliches Polizeiamt.
I. V.: Roth.
werden, als eines der gefälligsten Bauwerke der Stadt, harmonisch den herrlichen Anlagen angeschmiegt, die mit dem Brückenkopf auf dem rechten Jsarufer ein untrennbares andschaftliches Ganze bildeten. Der Bau hatte einen Aufwand von rund 800000 Mk. erfordert. Die herrlichen Anlagen um den Brückenkopf, dieser selbst mit der erst kürzlich eingeweihten Friedenssäule und das sich an- chließende elegante Bauquartier waren die Freude und der Stolz der Münchener Bevölkerung. Jetzt ist der ganze stolze Bau in den Wellen, aus denen nur noch Trümmer hervorragen, die fest zusammenhaltend einen Beweis von ihrer soliden Bauart geben, denn nur die Fundamentverankerung war dem Anprall der Wogen nicht gewachsen. Die Quaimauern oberhalb der Brücke sind weggespült, die Uferböschungen rutschen fortwährend in mächtigen Erdmassen nach; noch stehen drei von den vier steinernen Brückenkandelabern, aber schon ist auch deren Fundament losgespült und ihr Einsturz unvermeidlich. Herr Bürgermeister v. Borscht, der am Nachmittage das ganze linke Jsarufer beging, den Faschinenarbeiten des Militärs an der Erhardtstraße anwohute und die Elektrizitätswerke besichtigte, war kurz vor dem Einstürze an der Brücke gewesen. Die Bezirkskommissäre Pfretzschner und Uebel hielten die Aufsicht an der abgesperrten Brücke. Gleich nach dem Unfall war Bürgermeister v. Borscht wiederum zur Stelle. Außerdem hatten sich Herr Regierungsrat Dillmann und Herr Polizeiamtmann Steinhäusser eingefunden. Später erschienen auch Generalleutnant v. Popp, Rechtsrat Wolfram und Magistratsrat Wetsch. Auf dem rechten Ufer, auf dem das erst beim Bau aufgeschüttete Erdreich dem Wasser fast gar keinen Widerstand bietet, klaffen bereits sechs Meter von dem Brückenkopf einwärts breite Spalten und zeigen den Abrutsch gewaltiger Massen der Uferböschung an. Während der Teil der Widenmayerstraße von der Maximiliansbrücke bis zur Prinz-Regentenstraße für den Fuhrwerksverkehr abgesperrt ist, bewegt sich eine vieltausendköpfige Menge zu beiden Seiten der Jsarufer, auf der Terrasse und den Treppen des Brückenkopfes.
Noch in später Abendstunde kamen zu Fuß und zu Wagen zahlreiche Neugierige angezogen. Da mit Eintritt der Dunkelheit die Widenmayerstraße von der Maximiliansbrücke abwärts bis zur eingestürzten Brücke gesperrt wurde (man befürchtete infolge Unterspülens auch Dammrutschungen auf dieser Seite), wandte sich alles den auf der Bogenhauser Seite sich hinziehenden Anlagen zu, deren Wege frei standen. Auf der untersten Terrasse stehend, konnte man bei den sich ab und zu durch die Wolkenschleier stehlenden Mondstrahlen den tosenden Strom in seiner unverminderten Wildheit beobachten. Düster ragen die drei noch stehenden Kandelaber der Prinz- Regenten-Brücke in den Nachthimmel. Das Rauschen der Wellen, die sich über den Katarakt hinter der Maximilian- straße herabstürzen, bildet einen grundgewaltigen Naturhymnus. Ab und zu tönt ein dumpfer Schlag zu den Lauschenden empor, — ein Baum mit einer größeren Erdmasse ist im gurgelnden Strudel verschwunden. So nagt das gefräßige, nimmer rastende Element ohne Unterlaß an den Ufern, sie immer weiter in das nasse Grab ziehend. . .
Die Isar beginnt infolge neuerlicher Wolkenbrüche wieder zu steigen. Neue Gefahr ist im Anzuge. — Infolge der andauernden Schwierigkeiten bei den Elektrizitätswerken mußte der Verkehr der elektrischen Trambahn heute abend um 6 Uhr eingestellt werden. Die elektrische Stadtbeleuchtung wird in halbem Umfange durchgeführt. Die Abgabe von elektrischem Licht an Private unterliegt starken Einschränkungen. Aus mehreren Orten Oberbayerns wird der Einsturz mehrerer Brücken und einzelner Häuser gemeldet. Aus Prien am Chiemsee und Rosenheim kommen Nachrichten von großen Verheerungen. Der Eisenbahnverkehr ist auf den Linien nach Süden und Südost von München unterbrochen. Traunstein ist von allem Bahn- und Postverkehr abgeschnitten. Obwohl heute in München und, soweit Meldungen vorliegen, auch im oberbayerischen Gebirge kein Regen niedergegangen ist, ist die Isar im Laufe des Tages doch nicht weiter gefallen.
Paffau, 15. September. Die Hochflut erreichte Passau heute um Mittag. Das Rathaus, das Zollamtsgebäude und mehrere andere öffentliche Gebäude und Privatgebäude stehen unter Wasser. Mehrere Häuser drohen einzustürzen. Die Jnnbrücke ist abgesperrt. Die Brücke zwischen Schärdmg und Neuhaus ist eingestürzt. Viel Vieh ist ertrunken.
Innsbruck, 15. September. Infolge der Hochwasserschäden ist der gesamte Eisenbahnverkehr auf den Strecken Salzburg-Bischofshofen, Salzthal-Bischofshofen emgestellt.
und Recke nachfolgen werden. Der allgewaltige, Herr Miquel, ist jetzt ans Bett gefesselt, und wer weiß, ob ihn nicht sein Gesundheitszustand zwingt, früher seine Aemter niederzulegen, als er beabsichtigt hatte. Daß die Regierung auch gegen den Bund der Landwirte vorgehen und den politischen Beamten die Zugehörigkeit untersagen will, ist zwar von verschiedenen Seiten gemeldet worden, doch lagert zurzeit über dieser Angelegenheit noch ein gewisses Dunkel, das der Klärung bedarf. Ueberhaupt sind vorläufig alle Nachrichten, welche sich auf die innere Politik beziehen, mit Vorsicht aufzunehmen, da definitive Schritte vor der Rückkehr des Kaisers nach Berlin kaum zu erwarten sind.
Alle Welt ist noch in den Banden des Ereignisses von Rennes, und überall macht sich tiefe Mißstimmung gegen Frankreich bemerkbar. Ob es aber gerechtfertigt erscheint, diese durch einen Abbruch der geschäftlichen Verbindungen mit der französischen Nation zum Ausdruck zu bringen, wie es vielfach vorgeschlagen wird, möchten wir denn doch bezweifeln. Die Richter von Rennes und ihr Anhang sind nicht solidarisch mit dem Nachbarvolke, das ja auch in mancherlei bedeutsamen Kundgebungen seine Unzufriedenheit mit dem Urteil zeigte. Das Schlimmste ist jedenfalls, daß die Dreyfusaffaire noch weiter Beunruhigung verbreitet und den Leidenschaften Raum gibt. Noch eine andere Angelegenheit wird in nächster Zeit manche Erregung verursachen: Die Untersuchung gegen die angeblichen royalistischen Verschwörer. Welche Tragweite diese Verschwörung hatte, werden hoffentlich die am Montag beginnenden Verhandlungen des Senats ergeben.
Besonders in England wird eine lebhafte Agitation gegen Frankreich betreffs des Renner Urteils betrieben, trotzdem John Bull jetzt reichlich mit seinen eigenen Angelegenheiten zu thun hatte. Das britische Vorgehen gegen Transvaal ist nichts weniger als ehrenhaft und nachahmenswert, es stellt sich vielmehr als eine Vergewaltigung ersten Grades dar. Augenblicklich sind die Aussichten dafür, daß es möglich sein wird, den Frieden zu erhallen, etwas besser, doch ist das nicht etwa auf die Rücksicht, Blutvergießen zu vermeiden, zurückzuführen, sondern reine Vernunftgründe dürften Chamberlain bewogen haben, mildere Saiten aufzuspannen.
Einen sehr zu billigenden Schritt hat Oesterreich in Belgrad gethan, indem es die serbische Regierung aufforderte, in dem jetzt sich abspielenden Hochverratsprozesse die politischen Rücksichten aus dem Auge zu lassen und die Gerechtigkeit nicht einzuschränken. Wir nehmen an, daß die europäischen Staaten mit dem Vorgehen der Wiener Regierung einverstanden sind und dasselbe nachdrücklichst unterstützen. Es liegt im Interesse Europas, daß die Ruhe auf dem Balkan nicht gewaltsam gestört werde!____________ (xx)
Hochwassermeldungerr.
Aus den verschiedensten Landesteilen des Deutschen Reiches und unseres Nachbarstaates Oesterreich liegen weitere telegraphische Meldungen vor, welche erkennen lassen, daß teilweise das Wasser eine größere Höhe erreicht hat als im Jahre 1897. Aus München liegt die betrübende Nachricht vor, daß auch die prachtvolle Prinz-Regenten-Brücke von den Fluten fortgerissen worden ist. Wir lassen die eingegangenen Nachrichten folgen:
Leipzig, 15. September. Infolge der starken Regengüsse der letzten Tage ist seit heute mittag hier Hochwasser eingetreten. Die Elster und ihre Nebenflüsse sind im schnellen Steigen begriffen.
München, 15. September. Die schönste Jsarbrücke Münchens, die mit einem Aufwand von Millionen vor sechs Jahren gebaute Prinz-Regenten-Brücke am Friedensdenkmal fiel heute abend dem Hochwasser zum Opfer und versank in den Fluten. r
Die „Münchener N. N." berichten über das mtereffante Schauspiel wie folgt: tm .
Eine der stolzesten Zierden Münchens, dre Prrnz- Regenten-Brücke, der Mittelpunkt eines der schönsten neuen Stadtteile, ist um 5 Uhr 20 Minuten ein Opfer der immer noch nicht gesättigten Jsarwogen geworden. Im Jahre 1891 am 12. April, dem 70. Geburtsfeste des Prmz- Regenten Luitpold, wurden die Pläne zu der stolzen Brücke und das zu den Brücken nötige Gelände, sowie ein namhafter Beitrag aus der Privatkaffe des Prinz Regenten der Stadtgemeinde übergeben und von diesem Tage an der Bau der Brücke fleißig gefördert. Im Jahre 1893 war der Bau vollendet, und die Brücke konnte dem Verkehr übergeben
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