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Sonntag den 16 April
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Zweites Blatt
St. 89
Gießener Anzeiger
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Meyers Konversalions - Lexikon
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setzt. Die Zahl der dortigen, in kirchlicher Pflege beflnd- ichen Personen beträgt 5100. In 14 Tagesschulen wird Interricht erteilt. Die Gemeindeglieder in Bluesields beabsichtigen am Jubeltagö den Grundstein zu einem Neubau ihres Gotteshauses zu legen, für dessen Kosten sie selbst aufzukommen suchen. — Die große Missionsschuld der Brüdergemeinde geht allmählich herab, beträgt aber zurzeit
Kieselsteine in den Mund legte und indem er sich übte, am Meeresstrande mit lauter Stimme zu sprechen. Dr. Charvin, der Leiter des Stotterer-Instituts zu Paris, hat nun eine kleine Schrift veröffentlicht, in welcher er nachweist, daß diese Ansicht durchaus falsch ist. Er will nicht nur als gewissenhafter Altertumsforscher die historische Wahrheit wiederherstellen, sondern vor allem als Arzt die schädlichen Heilmethoden der Stotterer aus der Welt schaffen; denn noch jetzt bemühen sich viele Stotterer, nach dem klassischen Beispiel des Demosthenes, Steine oder harte Gummibälle zu „kauen" und sich dadurch das Zahnfleisch zu verderben; denn das fft das einzige Resultat dieser „Heilmethode", Das ganze Unglück hat ein von Plutarch angewandter ungeschickter Ausdruck verursacht. Plutarch hat das gethan, was die meisten Laien thun, er sprach von Stottern, weil man gern mit diesem Wort, das leicht zur Hand ist, alle Fehler der Aussprache bezeichnet. Dr. Charvin zog auch andere Texte zu Rate, und er konstatierte, daß nach dem Zeugnis des Aristophanes und des Cicero das Leiden des griechischen Redners einzig und allein darin bestand, daß er das „r" schlecht aussprach. Demosthenes stotterte nicht, er stieß nur mit der Zunge an. Die Behandlung, welcher er sich freiwillig unterzog, war viel einfacher, als man gewöhn-
und zahlreichen Hebungen, die ihm (Demosthenes) der nut ihm befreundete Schauspieler Satyres auferlegte. Demosthenes mußte Verse aus Euripides und Sophokles hersagen, und wenn die Aussprache und der Vortrag unvollkommen waren, mußte er von vorn beginnen, bis er richtig sprach. Dann ließ sich Demosthenes in einem Keller nieder, wo er unermüdlich seine Stimme schulte: er verbrachte dort mehrere Mouate und rasierte sich die Hälfte seines Haupthaares, um, da er doch in diesem Zustande nicht öffentlich erscheinen konnte, bis zu seiner vollständigen Heilung nicht ausgehen zu müssen. Da aber das Anstoßen mit der Zunge nicht sein einziger Fehler war, vielmehr auch die Schwäche seines Organs seiner Rednerkarriöre im Wege stand, gewöhnte sich Demosthenes daran, in der Nähe des brausenden Meeres zu sprechen, um auch einen starken Lärm zu übertönen, und um sich die deutliche Aussprache zu verschaffen, übte er sich, mit Kieselsteinen zu sprechen, etwa wie junge Pianisten die Tonleiter mit Armbändern aus Blei spielen.
* Kalender. InRußland soll endlich der julianische Kalender abgeschafst werden. Die ersten Schritte sind hierzu kürzlich von der kaiserlich astronomischen Gesellschaft in Petersburg unternommen worden. Das Verkehrsministerium hat der Regierung den Vorschlag unterbreitet, einen allmählichen Ausgleich durch Ausschaltung der Schalttage im Zeitraum von 1900—1948 zu erzielen. Der Antrag wird mit der Wichtigkeit, die der Termin im internationalen
Handel spielt, begründet.
♦ Die Pensionierung städtischer Arbeiter, die 10 Jahre bei der Stadt oder in einem städtischen Betriebe beschäftigt waren, ist in Mainz mit Neujahr 1899 durch Statut an- geordnet. Die Pension soll mindestens 20 Prozent des Arbeitsverdienstes betragen und je nach dem Dienstalter bis zu 40 Prozent steigen, unbeschadet der Rentenbezüge, die auf Grund der Reichsgefetze dem Arbeiter zu teil werden. Wittwenpensionen werden mit 20 Prozent des Einkommens des Mannes in der Höhe von 180 Mk. an gewährt, und Waisen erhalten bis zum vollendeten 16. Lebensjahr 10 Prozent des Verdienstes ihres Vaters.
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zehnjährigen Durchschnitte. Auf 1000 der Bevölkerung entfallen 22,55 Sterbefälle gegen 24,27 im zehnjährigen Durchschnitt. Die Zahl der Sterbefälle war also um 42528 größer als in dem ungewöhnlich günstigen Jahre 1896, blieb aber hinter dem zehnjährigen Durchschnitte in ihrer relativen Höhe erheblich zurück. Wie sich die Sterblichkeitsverhältnisse allmählich gebessert haben, geht daraus hervor, daß in den Siebzigerjahren auf 1000 Personen durchschnittlich jährlich 28,8, in den Achtzigerjahren 26,5 und in den letzen 10 Jahren, wie bemerkt, 24,3 Sterbefälle kamen. Der Heberschuß der Geburten über die Sterbefälle betrug im Jahre 1897 784634 gegen 815783 in 1896, 725 790 in 1895, 696874 in 1895 und 669 923 im Durchschnitte 1888 bis 1897. Hinter dem Vorjahre blieb die natürliche Bevölkerungsvermehrung also infolge Der größeren Sterblichkeit um über 31000 zurück, sie übertraf aber die aller früheren Jahre. Auf 1000 Personen kam eine Zunahme von 14,66 Personen gegen 15,47 im Vorjahre und 13,23 im Durchschnitte 1888 bis 1897.
• Hebet einen Tunnel unter dem Cuittnal wird aus Rom berichtet: Der gewaltig gesteigerte Verkehr zwischen dem Mittelpunkt Roms und Den neuen, höher gelegenen östlichen StaDtteilen hat die Hauptverkehrsader, die aus der Gegend der Piazza Colonna kommende enge Via bei Tritone, schon längst als gänzlich unzureichend erscheinen lassen. Namentlich ist der von der Via Dne Nacelli bis zur Piazza Bar- berini reichende Teil oft in beinahe lebensgefährlicher Weise überfüllt. An eine Verbreiterung der Straße war wegen der enormen Gebäude- und Bodenpreise in dieser Gegend nicht zu denken, so daß nur eine Ablenkung des Verkehrs nach der südlicheren Parallelstraße, der breiten Via Nazionale, übrig blieb. Zu diesem Zweck aber muß der zwischen beiden Straßen liegende Quirinalhügel durchbohrt werden, wogegen sich gewichtige Bedenken erhoben, weil sich auf diesem Hügel der königliche Palast erhebt. Aber Not bricht Eisen, und sie hat auch diese Bedenken, sowie die Abneigung des Hofes überwunden. Mit Bewilligung des Provinzialausschusses hat der römische Gemeinderat den Wettbewerb um die Ausführung Der neuen Straßenanlage einschließlich des Tunnelbaues auf den 15. April ausgeschrieben. Zur Teilnahme werden amtlich aufgefordert: die römische Tramway- und Omnibus-Gesellschaft, die Nürnberger Kontinental-Gesellschaft, die Firmen Thompson u. Houston, Siemens u. Halske, Arthur Koppel und Singer in Berlin.
* War Demosthenes ein Stotterer? Man war bis jetzt allgemein der Ansicht, daß Demosthenes ein Stotterer war und daß er sich von seinem Leiden befreite, indem er sich
Vermischtes.
* Sine Huldigungs-Depesche mit bezahlter Rückantwort.
„Wiener Salonblatt" laßt sich aus Berlin schreiben: Kn Akiba hat doch einmal Hnrecht bekommen. Ein an den Los chen Kaiser gerichtetes Huldigungsschreiben mit bezahlter flÜfnntroort ist gewiß noch nicht dagewesen. Diesen Genie- Mich hat vor einiger Zeit ein Frankfurter Verein aus- Miülxrt, der anläßlich des Geburtstages Kaiser Wilhelms I. au bitff en Enkel im königlichen Schlosse eine die tiefste Er- M-rncheit ausdrückende Depesche richtete, die mit den Buchsten R. P. (reponse payee) anfängt. Kaiser Wilhelm stl ttarüber herzlich gelacht und das bezahlte angeheftete Btoett chatsächlich gleich zur Antwort benutzt haben.
* Die Brüdergemeinde hat soeben das 5 0jährige ISib iläum ihrer Mission an der Moskitoküste gefeiert, •k 14. März 1849 landeten die ersten Missionare der Ifribtergemeinbe in Bluesields, und heute ist der ganze tarnte Küstenstrich mit 17 Haupt- und Nebenstationen be-
Deutsches Keich.
Berlin, 14. April. Die Agrarier planen, im Reichstage ■tut Börsen-Interpellation en einzubringen. Wie ii Reichstage verlautete, wollen diese wegen der jetzigen gone des Getreidehandels im Heiliggeist-Hospital in Berlin in) wegen der Kassa-Geschäfte in Industrie- und Berg- MrlL-Aklien an der Berliner Effekten-Börse den Reichstag •(fragen. ______________________________
immer noch 37 026 Mk.
* Bewegung der Bevölkerung im Deutschen Reiche. Heber die Bewegung der Bevölkerung des Deutschen Reiches im Jahre 1897 werden im „Reichsanz." die ersten amtlichen Zahlen veröffentlicht, denen wir unter Vergleichung mit den Angaben Der früheren Jahre Folgendes entnehmen: Die Eheschließungen beliefen sich auf 447 770 gegen 432107 im Jahre 1896, 414218 im Jahre 189d und 406292 im Durchschnitt des Jahrzehntes von 1888 bis 1897. Auf 1000 Personen der Bevölkerung kommen 8,37 Eheschließungen gegen 8,19 im Vorjahre und 8,02 im Durchschnitte der'letzen zehn Jahre. Die Eheschließungen, bereu Zahl anerkanntermaßen einen sehr guten Gradmesser für den allgemeinen Wohlstand bildet, waren feit Mitte Der Siebzigerjahre im Vergleich zur Bevölkerung nicht so zahlreich wie in den letzen beiden Jahren. Die Zahl der Ge- , , Ä-..,
bürten (einschließlich 64436 Totgeborenen) betrug 1991126 lich annimmt. Plutarch beschreibt sehr ausführlich die langen gegen 1 979 747 im Jahre 1896, 1941644 in 1895 und 1 ~-u ------ hsr m.fihm
1899233 im Durchschnitte 1888 bis 1897. Die Steigerung gegen das Vorjahr betrug also nur 11479. Im Vergleich zur Bevölkerung hat ein Abnehmen der Geburten stattgefunden, da auf 1000 Personen 37,21 Geburten kamen gegen 37,54 in 1896, und 37,50 im Durchschnitte 1888 bis 1897. Unter den Geburten befanden sich 184034 uneheliche gegen 185359 in 1896 und 174833 im Durchschnitte 1888 bis 1897. Von 100 Geburten waren 9,24 uneheliche gegen 9,36 im Jahre 1896 und 9,21 im zehnjährigen Durchschnitte. Die Zahl der Sterbefälle betrug einschließlich der Totgeburten im Jahre 1897 1 206492 gegen 1163 964 in 1896, 1215 854 in 1895 und 1229319 im
Ausland.
Paris, 14. April. In französischen Regierungskreisen gibt üch in der Samoafrage die lebhafteste Sympathie jir Deutschland kund. Delcassö, welcher heute nach seinem lltlatlb die Geschäfte wieder übernahm, ließ sich eingehend Bfar den Stand der Samoa-Sache unterrichten, welche Ann'reich nicht allein wegen des Schutzes der dortigen stmz.-'sischen Missions-Anstalten, sondern vornehmlich darum »tei (filiert, weil man hier bestimmt erwartet, daß die friedlich Beilegung des samoanischen Zwischenfalles dem die Vchlßahrt aller Staaten gefährdenden Chamberlainismus in «'glnnd ein Ende bereiten werde. Zu dieser optimistischen Äufsi ssnng der Sachlage tragen die Berichte aus CimieS bei, »ouach in der Umgebung der Königin Viktoria keinerlei Tlufrogung und nicht einmal ein reger Depeschenwechsel »chr^unehmen fei. Nach einer Lissaboner Privatmeldung Rtitb vor Beiern an der Tajo-Mündung ein aus fünf Kriegs- Ifoifüin bestehendes Geschwader erwartet. Man legt diesem Wchche eine gewisse politische Wichtigkeit bei.
London, 14. April. Nach einer Reuter-Meldung aus SWngton erklärte Staatssekretär Hay, wenn auch die Wischen Kriegsschiffe „Goldsinch" und „Wallaroo" nach OSanioa beordert worden seien, so sei die Union doch ge- ■igciib stark vertreten, vorausgesetzt, daß keine neuen Verwickel ungen entständen. Kautz habe auch keine Verstärkung mdamgt. Der Präsident des Militär-Komitees des Dele- gi-ttrnhauses, Hüll, erklärte, ein Krieg sei möglich, falls Mjd)lanb auf feinem gegenwärtigen Vorgehen beharre.
Wonbon, 14. April. Nach einer Meldung hiesiger fflätt'cr soll Deutschland bei einem ferneren Widerstande $ig( n die Abberufung Rose's eine gemeinschaftliche We Englands und Amerikas überreicht werden. Die Lage gilt nls äußerst ernst. Eine starke Straf-Abteilung habe «{jtfal zur Landung auf Samoa erhalten. Nur eine prompte ki!tiv ii beziehungsweise Nachgiebigkeit Deutschlands könne Bit internationale Krisis abwarten. Chambers habe eine Hstruktion von Washington erhalten, was mit dem verketten deutschen Pflanzer zu thun sei. Gemäß dem Ber- thc Vertrage und dem internationalen Recht sei er befugt, Ün erschießen zu lassen. Der Unterstaatssekretär erklärte oaf eine Anfrage im Ilnterhause, daß Verhandlungen xrischen den drei Regierungen schwebten, doch könne er MNiwärtig keine Korrespondenz über £>amoa vorlegen.
Wonbon, 14. April. Englische Blätter bezeichnen die französischen Generalstabe durch die Veröffentlichungen ttij Figaro geschaffene Lage als ein zweites Sedan. Am als sei es eine Niederlage nach begangenem Verrat Meßen, heute sei es die öffentliche nationale Degradation.
Bukarest, 14. April. Die an Statcscu übertragene Neubildung des Kabinetts stößt auf Schwierigkeiten, üiil die konservative Partei alle Hebel in Bewegung setzt, m zu verhindern, daß das neue zu bildende Kabinett einen m liberalen Charakter trägt.
Universitäts-Nachrichten.
— Peking. Hier wurde dieser Tage die erste Universität Chinas feierlich eröffnet. Die Staatswürdenträger, Professoren und Studenten verrichteten zuerst das Kantan, ein neunmaliges Nrederwersen und Berühren ter Erde mit der Stirn vor der Ehrentafel des KonfuciuS. Hierauf erschienen die an die Untverfttät berufenen ausländischen Professoren und erwiesen dem alten Weisen ihre Ehrfurcht durch Verbeugung und Entblößen deS Hauptes. Dann wurden sogleich die ersten Vorlesungen abg«halten. Immatrikuliert find 381 Studenten, unter denen weibliche noch nicht verzeichnet find.
Verkehr, Kmrb «ab Dolkswittschast.
■Wmte 12. April. Frnchtmarkt. Rother W-v«. X 13,98,| weißer Weizen X. 00.00, Kore X 1100, Gerste X 9 30, Hafer X 7 66.


