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16.3.1899 Drittes Blatt
 
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Nr. 64 Drittes Blatt. Donnerstag den 16. März

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Steht ein Konflikt bevor?

Die Verhandlungen über die Militärvorlage in der Ludgetkommission deS Reichstags sind bekanntlich nicht ganz rach dem Wunsch der Regierung ausgefallen. Die letztere behauptet, das in der Vorlage verlangte sei das Mindestmaß besten, was die Sicherheit des Vaterlandes erheische, während die Majorität der Kommission die Ansicht vertrat, die Rück- ficht auf die Reichsfinanzen erfordere einige Abstriche in den llnsötzen der Regierung. Der ganze bisherige Verlauf der NcichStagSverhandlungen berechtigte zu der Hoffnung, daß die Beziehungen zwischen Regierung und Volksvertretung Mmt rhin friedliche bleiben würden ; selbst wenn auch mal die Mögender Debatten ziemlich hoch gingen, wenn auch zuweilen ms beiden Seiten derbe Worte fielen, so war doch an einen Ernstlichen Konflikt nicht zu denken.

Wer die Beratungen in der Budgetkommission auf- utrffam verfolgt und gesehen hat, wie das Centrum der Legierung schon jetzt in vielen Stücken entgegenkam, der braucht eigentlich keine große Sorge zu haben, daß die aus­schlaggebende Partei die Regierung im Stiche lassen wird. Die Erfahrung hat ja gelehrt, daß das Centrum bei seinem «Entgegenkommen stets irgend ein Interesse im Auge hatte, Md -aus seinen Diensten Nutzen zu ziehen suchte. Es liegen Mch jetzt noch eine Reihe von Wünschen vor, die das Cen- irum gern erfüllt sähe. Verschiedentlich hat es bereits eine 'Absage seilens der Regierung erfahren, so u. a. in dem Heilungen nach einer katholischen Abteilung im Kultus- Mnifterium. Aber wenn es auch gar nicht an die Erfüllung fti'nar Wünsche ernstlich denkt, so liegt es doch im Interesse Les Lentrums, ab und zu spröde zu sein, und sich aller Welt al6 gewaltige Partei zu zeigen.

Wie gesagt, wir glauben nicht recht daran, daß das Centrum Iti s-einem Widerstande beharren wird. Es wird sich schon M Modus finden lassen, welcher der Partei eine Brücke gir Verständigung darbietet. Daß es in dieser Beziehung lic Regierung an Bemühungen nicht fehlen läßt, ist leicht «silärlich und darauf sind auch wohl die Verhandlungen won Regierungsvertretern mit dem Centrumsführer Dr. Lieber zurückzuführen. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe M sich sogar in der Angelegenheit persönlich bemüht haben. Betrachtungen darüber anzustellen, ob die Äegi<rung, falls die Militärvorlage einen nicht ihren Wünschen eilsprechenden Gang nimmt, den Reichstag auflösen wird, luschrint müßig. Diese Maßregel ist immer ein zwei- Weidiges Schwert und erregt in weiten Kreisen des Volkes Beunruhigung. Hat auch inzwischen der Reichstag die Vor- llige in zweiter Lesung abgelehnt, so geben wir dennoch die Hoffnung nicht auf, daß es den Bemühungen der Beteiligten gtlingen wird, eine Verständigung über die wichtige Frage hickeizuführen. (xx)

Ausland.

Rom, 14. März. Der italienische Vertreter de Martino, tetr die zweite Note in China entgegen seinen Instruktionen chiindte, wird abberufen. Die italienischen Interessen Betritt der englische Gesandte Macdonald bis zur Ankunft dto Grafen Orsini, des gegenwärtigen Vertreters Italiens m Japan, dem als ausgezeichneten Kenner der asiatischen Aechältnisse wie es heißt die Fortführung der italienischen Angelegenheit in Peking anvertraut werden soll. Hierauf 4 auch die Verzögerung der Abreise des chinesischen Ge- Wdlten in London nach Rom zurückzuführen.

Rom, 14. März. Canevaro sprach sich gegenüber dem Mutierten Torracea über die chinesische Frage dahin aii$, er erwarte durchaus nicht eine schnellere Lösung der Aicnisch-chinesischen Frage, als sie alle anderen Mächte «reichten, deren Verhandlungen ebenfalls nicht leichter von falten gingen. Ein gewaltsames Vorgehen halte er für W|h:unlich, um nicht Verwickelungen mit anderen Mächten schaffen, deren Jntereffen-Sphären noch nicht abgegrenzt ptkn.. In Übereinstimmung mit diesen sei die Okkupation ein Leichtes, und würde China auch keinen Widerstand dann mhr: bekunden. Uebrigens sei Italien der wirksamen Unter» Bhumg einiger Großmächte sicher.

Paris, 14. März. Die Verhandlung über die Ange- lkzemheit Döroulede-Hubert wird in der zweiten As ie des April stattfinden. Der Präsident des Appellhofes M ihn Einverständnis mit dem Justizminister angeordnet, H Mitte April eine außerordentliche Session stattfindet.

In der Esterhazy-Sache, die neuerdings doch mdirr größeres Aufsehen erregte, hat General Pellieux den Mogsminister gebeten, sich über seine Handlungsweise als Mi'ilärrichter gegenüber den Enthüllungen Esterhazys aus­

sprechen zu dürfen. Auch General Gonse richtete eine solche Bitte an Freycinet. Der Minister hat jedoch seine Zu­stimmung nicht gegeben. Er hält eine Rechtfertigung dieser Offiziere den Aeußerungen eines Esterhazy gegenüber nicht für notwendig, wird sie jedoch gleichwohl zur Verantwortung ziehen, wenn die Untersuchungsakten der Kriminalkammer des Kaffationshofes erst amtlich bekannt sind und ihr Inhalt sie notwendig machen sollte.

Den Briten wird, wie vorauszusehen stand, etwas schwül zu Mute bei der Nachricht, daß eine große Ab­teilung russischer Truppen im Fort Murghabi in Sari, in den Pamirs, eingetroffen ist mit der Absicht, Sirikol zu besetzen. Diese Meldung ist, bemerkt der Londoner Globe", gewiß höchst bezeichnend, da sie zeigt, daß die Russen den gegenwärtigen Augenblick für geeignet halten, ihre Faust im äußersten Winkel des ihnen im Pamir-Vertrag zugestandenen Gebietes zu zeigen. Eine russische Truppen­macht, welche in Sirikol steht, befindet sich in nächster Nähe von Kala Pandschab, das dem Emir von Afghanistan gehört und einen Tagesmarsch von Tschitral, dem nördlichen Punkt des britischen Bereiches, entfernt ist. Obgleich nicht sofortige Feindseligkeiten beabsichtigt sein mögen, wird die Anwesen­heit der Ruffen doch, wie jenes Blatt meint, einen höchst beunruhigenden Eindruck auf die britischen Vasallen in Tschitral, den Emir und die Eingeborenen Indiens erzeugen.

Das sogenannte Auf ständi s ch en-H eer" auf Cuba hat sein Haupt verloren. Maximo Gomez ist nämlich von der Vertretung der früheren Aufständischen-Armee auf Cuba deshalb seines Postens als Ober-Kommandierender entsetzt worden, weil ihm Ungehorsam gegen die Vertretung zur Last gelegt wird. Er habe das Angebot von drei Millionen Dollars von den Amerikanern angenommen, ohne sich vorher mit dieser Vertretung ins Einvernehmen gesetzt zu haben. Die Vertretung hält die Abfindungssumme für nicht ausreichend und hat sie bis jetzt auch noch nicht an­genommen. Darauf hat nun Maximo Gomez ein Manifest erlaffen, daß er angesichts dieser Entscheidung sich zurück­ziehe. Einen großen Verlust erleiden offenbar beide Parteien an einander nicht; sie sind beiderseits einander wert.

Vermischtes.

* Das Straßburger Goethe-Denkmal. Aus Straßburg schreibt man derFrkf. Ztg.":Im Reichstag ist gegen die Bewilligung eines Reichszuschusses zum Straßburger Goethedenkmal geltend gemacht worden, daß das Elsaß sich gegen das Unternehmen gleichgiltig, ja ablehnend verhalte. Das ist irrig. Straßburg hat wenigstens 12000Mk. auf­gebracht. In Mülhausen haben wesentlich einheimische Kreise über 2000 Mk. beigesteuert. Eine Sammlung im Landesausschuß ergab 1000 Mk.; der Präsident des Landes- ausschuffes hat seitdem noch 2000 Mk. gespendet. Vorträge und ähnliche Veranstaltungen sind in Straßburg, Metz, Colmar, selbst im kleinen Pfalzburg mit gutem Erfolg ab­gehalten worden. Hätte der Reichstag dem Anträge des Prinzen Schönaich-Carolath ohne weiteres zugestimmt, so wäre der Rest der nicht geringen Kostensumme sicher rasch aufgebracht worden. Lange Zeit war Sprache und Litteratur das innigste und festeste Band, das uns Deutsche zusammen- hielt; jetzt, wo auch die politische Einheit gewonnen ist, wär/ es ein Zeugnis der Dankbarkeit, wenn der Reichstag die deutsche Poesie in ihrem höchsten Vertreter ehren wollte."

» Die Abteilung Frankfurt a. M. des christlichen Kellnerbuudes (Langestraße 16) will eine Bittschrift an den Kaiser richten, für welche sie aus allen größeren Städten Unterschriften sammelt. Der wesentliche Inhalt der Petition ist folgender: Verbot der Anstellung minder­jähriger Knaben. Forderung einer normalen Nachtruhe von mindestens 8 Stunden, für die Lehrlinge 10 Stunden. Deshalb Einführung einer festen Polizeistunde auf 11 Uhr abends (für Lokale mit weiblicher Bedienung 10 Uhr). Strenge polizeiliche Ueberwachung der Schlafstätten. Schließung der Wirtschaften an Sonntagen von vormittags 8 bis 11 Uhr (Bahnhöfe und Hotels ausgenommen). An jedem zweiten Sonntag zweistündige Freizeit für die An­gestellten zum Besuch des Gottesdienstes. In jeder Woche muß dem Kellner ein Nachmittag fteigegeben werden, ohne daß er einen Stellvertreter zu stellen gezwungen ist. In jeder dritten Woche wird ein ganzer Ruhetag gewährt. Regelung des Verhaltens der Wirte gegen ,hr krankes Personal, Verpflichtung zur Versicherung gegen Unfall. Entziehung der Konzession, sobald die Wirte ihr Personal als Vermittler der Unzucht gebrauchen oder sonst irgendwie

der Unzucht im Hotel oder Restaurant Vorschub leisten. Ordnung des Stellen-Dermittelungswesens und zwangsweise Organisation des Gasthofsgewerbes.

* An der Universität in Genf ist ein Aergernis vor­gekommen, welches durch besonnenes Eingreifen der Behörden niedergeschlagen zu sein scheint. Der Vorsteher des Er­ziehungs-Departements in Genf, Favon hat darüber Er­hebungen angestellt und, wie dieNeue Zür. Ztg." meldet, folgendes ermittelt: Ein junger Genfer Schriftsteller, Namens Louis Avennier, wurde beauftragt, drei Vorlesungen über Deutschland zu halten unter den Auspizien des Erziehungs- departements. Schon im ersten Vortrag erging sich der Redner in bösartigen Aeußerungen über die deutschen Ver­hältnisse. Darauf machten die deutschen Studenten ab, sie wollten gestern (9. März) abend nach der Aula der Univer­sität gehen und Pfeifen, wenn der junge Redner fortfahre. Avennier erlaubte sich bei Beginn der Rede sofort wieder unartige Redensarten gegen Deutschland, die deutschen Frauen und die deutsche Armee. Die Folge war ein großer Skandal. Die Gendarmerie mußte einschreiten. Da zahlreiche Zeugen die Aeußerungen Avenniers bezeugten, wurde er aufgefordert, sich zu entschuldigen, was auch geschehen ist. Das Er­ziehungs-Departement mit der Unterschrift Favons läßt eine amtliche Mitteilung an die Presse ergehen, der Redner habe das Programm, das er dem Departement unterbreitet hatte, nicht befolgt. Favon spricht sein Bedauern über den Vor­fall aus und teilt mit, Avennier sei benachrichtigt worden, das Departement werde nicht erlauben, daß sein dritter Vortrag stattfinde. Da die Strafe dem Missethäter auf frischer That angehängt ist, lohnt es kaum, noch viel Worte zu machen, zumal die zuständige schweizerische Kantonsbehörde sich offenbar einwandfrei benommen hat.

* Durchschlagskraft leichter Körper. Ein eigenartiges Beispiel für die Gewalt, mit der leichte, mit großer Ge­schwindigkeit begabte Körper festere zu durchdringen ver­mögen, führt derGlobus" nach demEngineering" an. Bei den Versuchen im Royal Arsenal mit Sprenggasen in Minen, wie sie kürzlich vom Kapitän Cooper Key, R. A., vorgenommen wurden, wurde ein Gewehr mit hochexplosiblen Stoffen gefüllt und mit einem gepreßten Cylinder aus trockenem Lehm (3 Zoll lang, l7/8 Zoll im Durchmesser) verstopft. DieseSchüsse" sollten in verschiedenen Mischungen von Luft, Gas, Kohlenstaub :c. ihre Wirkung erweisen. Um den Stopfen abzufangen, wurde eine 1 Zoll dicke gußeiserne Zielplatte in 25 Fuß Entfernung unter einem Winkel von 45® aufgestellt. Nach drei oder vier Schüssen durchschlug der Lehmstopfen, der nur 7«/, engl. Unzen wog, die zoll- starke Eisenplatte. Das berühmte Talglicht, das eine eichene Thür durchschlägt, muß sich vor dem 7'/z Unzen schweren Lehmzylinder verstecken, der eine zollstarke Eisenplatte unter einem Winkel von 45® durchdringt. Zweifellos muß die ihm durch die Explosion mitgeteilte Geschwindigkeit unermeß­lich gewesen sein.

* Wie die Japanerin sich einen Mann sucht. Auch in dem Lande des Chrysanthemum scheint es bereits Sitte ge­worden zu sein, sich auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege des Zeitungs-Inserates einen Lebensgefährten zu suchen, wenn alle anderen Mittel fehlgeschlagen sind. Folgendes Inserat der JapanerinHosuijoshi" prangte kürzlich in dem japanischen BlattKanazawa Shimbun":Ich, Endes­unterzeichnete, bin ein schönes Mädchen mit wolkengleichem Haar, blumengleichem Antlitz, geschwungenen Augenbraue« und biegsamer Statur, als ob ich von Weiden wäre. Ich habe genug Vermögen, um sorgenlos mit einem geliebten Manne Hand in Hand durchs Leben zu wandeln, am Tage in die Blumen und nachts in den Mond zu starren. Findet sich ein Herr, der klug, gebildet, hübsch und geschmackvoll ist, so will ich ihm für das ganze Leben die Hand reichen und dasVergnügen teilen", mit ihm in einem Grabe beerdigt zu werden." Man sieht, die Japanerin preist sich doch wenigstens noch mit etwas Poesie an.

Gin neues Goldlaud in Ostafien. Wie aus Peters­burg gemeldet wird, ist der russische Ingenieur Bogdano­witsch von seiner fast 4jährigen Expedition am Ochotskischen Meere von Nikolajewsk am Amur bis Petropawlosk in Kamschatka nach Petersburg zurückgekehrt. Er hat überall reiche Goldlager entdeckt, auch auf der Halbinsel Kwantung, die er bis Port Arthur erforschte. Die Goldlager am Ochotskischen Meere versprechen ein zweites Klondyke zu werden. Die Expedition war oft sehr beschwerlich, die Kälte stieg bis 50 Grad Celsius. Den russischen Unter­nehmern werden die neuen Entdeckungen ein weites Feld eröffnen. Bogdanowitsch hat viele Quarzstücke mit reichen Goldeinsprengungen mitgebracht.