bei betreffe. Malietoa erließ eine diesbezügliche Proklamation. Der deutsche Konsul schrieb an Admiral Kautz und fragte, ob zwei große christliche Nationen einen solchen barbarischen Mißbrauch billigten, der gegen die christlichen Gesetze und gegen den Beschluß des obersten Gerichtshofes verstieße. Der Admiral sandte eine spitzige Erwiderung, er sei völlig damit einverstanden, daß der Gebrauch unmenschlich sei, müsse aber darauf Hinweisen, daß, wenn der deutsche Konsul den Beschluß des obersten Gerichtshofes vom Januar aufrecht erhalten hätte, kein Blutvergießen notwendig gewesen wäre, und daß, obschon es ein alter Brauch aus Samoa sei, es doch erst vor zehn Jahren der Welt bekannt geworden sei, als die Köpfe einiger ehrlicher deutscher Soldaten von dem barbarischen Häuptling Mataafa abgeschnitten wurden, welchen der Vertreter der großen christlichen Macht Deutschland jetzt unterstütze. Die Samoaner erzählen, Mataafa sei bei drei Gelegenheiten entschlossen gewesen, sich zu ergeben, aber der deutsche Konsul habe ihm geraten, es nicht zu thun. Jetzt erklärte Mataafa, er werde sich nie ergeben, sondern bis zum Tode kämpfen." Im Gegensatz zu diesem Bericht muß anerkannt werden, daß die Amerikaner mehr der Wahrheit die Ehre geben. In einer Unterredung mit einem Vertreter der „Associated Preß" in London sagte der amerikanische Botschafter Choate bezüglich der gegen die Deutschen in Samoa erhobenen Anklage auf Verrat, daß sich in den aus Samoa eingetrofsenen Nachrichten keine Bestätigung für die Behauptung finde, daß Deutschland in den neuesten Vorfall verwickelt sei. Das Blutvergießen sollte die drei Mächte veranlassen, eine definitive Derstän- digung zu beschleunigen.____________________________
Ausland.
Budapest, 13. April. Hier wurde eine Frau namens Rosa Berthold verhaftet, welche halberwachsene Mädchen dem Laster zugeführt hatte. Die Staatsanwaltschaft soll die Untersuchung in dieser Sache auch auf einen jungen Magnaten, einen Reichstags-Abgeordneten und einen angesehenen Kaufmann ausgedehnt haben.
Pilsen, 13. April. In der Anlage um den jüdischen Tempel wurden Flugschriften in tschechischer Sprache gesunden, welche die Aufforderung enthielten, wie in Nachod, auch hier gegen die Juden vorzugehen. Die Polizei konfiszierte die Blätter.
London, 13. April. Bewaffnete Kutter der englischen Kriegsschiffe „Tauranga" und „Porpoise" haben 46 Rebellen- boote und mehrere Dörfer zerstört.________________________
Lokales und Provinzielles.
Gießen, den 14. April 1899.
** Ordens-Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 12. April dem Oberst und Kommandeur der 14. Feld- Artillerie-Brigade, v. Beck, seither Kommandeur des Großh. Feld-Artillerie-Regiments Nr. 25 (Großh. Artillerie-Korps) das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen geruht.
*• Ordens-Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 16. März dem Bürgermeister Karl Heinrich Koch in Oppenheim das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen.
•* Vom höheren Lehramt. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 12. April den Lehramtsassessor Dr. Karl Hattemer zu Michelstadt zum Lehrer an der Realschule daselbst zu ernennen; ferner an demselben Tage: 1) dem Lehrer an dem Gymnasium zu Gießen Dr. Georg Clemm, 2) dem Lehrer an dem Gymnasium Fridericianum zu Laubach Dr. August Röschen, 3) dem Lehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Worms Wilhelm Sammet, 4) dem Lehrer an der Realschule zu Alsfeld Karl Henkelmann, 5) dem Lehrer an dem Neuen Gymnasium zu Darmstadt Arnold Mendelssohn und 6) dem Lehrer an der Viktoriaschule zu Darmstadt Dr. Adolf Helmsdörser den Charakter als „Professor" zu erteilen.
Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs vom 22. Februar l. I. den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Kostheim Lorenz Thomas, Brandmeister, und Johann Jordann, Brandmeister.
•• Zu Steneraufsehern wurden ernannt am 4. April I. Js. die Steueraufseher-Aspiranten August Beck aus Lützel-Wiebelsbach, Georg Beck aus Kirch-Brombach, Johann Philipp Bertaloth aus Hahn, Anton Engler aus Frei- Weinheim, Johann Peter Gölz aus Wald-Michelbach, Valentin Meffert aus Nordheim, Philipp Weller aus Trebur, mit Wirkung vom 16. April I. I.
•* Eugen Seitz -j-. Am 11. d. Mts., abends, starb in Wiesbaden der Geheime Medizinalrat und frühere Professor in Gießen Eugen Seitz. Geboren 1817 in Vilbel, studierte er in Göttingen, erwarb sich in Gießen 1842 den Doktortitel, war Assistent und Dozent in Tübingen und Gießen, und darauf 1856 Direktor der hiesigen medizinischen Klinik. Es ist hier nicht der Ort, von seinen wiffenschaft- lichen Leistungen zu sprechen. Hervorgehoben aber mag «erden die klare, prunklose und tiefgehende Art, mit welcher er seinem Unterricht oblag. Zahlreiche Schüler sind ihm für die Sorgfalt und Gründlichkeit, mit der er sie anleitete und für ihren Beruf vorbereitete, dankbar, und werden sich seiner mit Pietät gern erinnern. Aber auch viele aus unserer Bürgerschaft haben ihn noch persönlich gekannt. Diese werden ihn noch im Gedächtnis haben, wie er jederzeit mit seinen reichen Kenntnissen und Ersahrungen den Kranken in uneigennütziger Weise zu helfen bereit war. Geräuschlos hat sich seine Wirksamkeit vollzogen, aber darum nicht weniger bedeutungsvoll. Nachdem er Gießen verlaffen, lebte
er einsam in Wiesbaden, und stiftete auch dort als konsultierter Arzt vieles Gute, bis ihn ein Herzleiden zu vollkommener Ruhe zwang. Still und ohne Prunk haben ihn die Verwandten in der Familiengruft zu Darmstadt beigesetzt. Eine noch bei seinen Lebzeiten von srüheren Schülern ins Leben gerufene „Seitz-Stiftung" wird seinen Namen unter den hessischen Aerzten unvergeffen machen. Die Erde ei ihm leicht!
♦* Parlamentarisches. Der Finanzausschuß und der vierte Ausschuß der Zweiten Kammer tagten am 11. d. M. im Ständehaus. Der letztere hatte 12 Gegen- tände auf der Tagesordnung, welche eingehend besprochen wurden, und über welche die Berichte jetzt ausgearbeitet werden können. — Der Finanzausschuß setzte am 12. April eine Sitzungen fort, und lieferte an diesem Tage 42 Beichte zur Drucklegung an die Kanzlei der Zweiten Ständeammer ab.
Wechselstempelsteuer. Im Oberpostdirektionsbezirke Darmstadt ertrug die Wechselstempelsteuer im März d. Js. 15,652 Mk. 50 Pfg., im ganzen Rechnungsjahre 1898/99: 181,146 Mk. 10 Psg. (9319 Mk. 90 Pfg. mehr als in 1897/98).
** Großherzogliche Handelskammer. In den Sitzungen vom 21. und 28. März gelangte der Jahresbericht für 1898, der in aller Kürze im Druck erscheinen wird, zur Verlesung. — In der Sitzung vom 8. l. Mts., in welcher die Herren Koch, Balser, Heichelheim, Katz und Wortmann anwesend waren, beschloß die Kammer, eine Eingabe an den Reichstag gegen den demselben vorliegenden Entwurf betr. die Neuordnung der Fernsprechgebühren zu richten. Die Kammer erachtete zunächst den der geplanten Neuordnung zu Grunde gelegten Berechnungsplan für nachteilig, da er keine zeitgemäße Reform darstelle, sondern den Gebrauch des Telephons einzuengen geeignet sei. Nur eine, auf der Verbilligung des Jahresabonnements beruhende Aenderung der Gebühren mit einem höchsten Satz von 150.— Mk. für Plätze ersten Ranges und mit Zwischensätzen bis 60.— Mk. könne als wirkliche Verbesserung angesehen werden, welche auch dem platten Lande zu gute käme und das Telephon zum Allgemeingut im Dienste des modernen Verkehrs mache. Die Fernsprechgebühr dürfe für Städte mittlerer Große höchstens 100.— Mk. betragen, wie denn auch eine seinerzeit von der Kammer veranstaltete Umfrage gezeigt habe, daß sich in der Stadt Gießen bei Einführung dieses Satzes die Anschlüsse um etwa 50 Prozent vermehren würden. Erhebungen, die auf Veranlassung der Handelskammer Gießen von anderen Kammern veranstaltet worden seien, hätten für andere Städte ein gleich günstiges Resultat ergeben. Dagegen begrüßte die Kammer unter Hinweis auf das glänzende Ergebnis, welches die Einführung des 25 Pfennig - Tarifes im Fernsprechverkehr benachbarter Städte bis zu 50 Kilometer Entfernung im Gefolge hatte, daß die bereits von ihr mehrfach befürwortete Einführung einer Zwischenstufe für Ferngespräche von 50—100 Kilometer, zum Satze von 50 Pfennig im Entwürfe vorgesehen und wünscht, daß dieser Teil der Vorlage zum Gesetz erhoben werden möge. — Eine wertvolle Bereicherung erfuhr die Bibliothek der Kammer durch das ihr von dem Königl. Preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten in dankenswerter Weise gemachte Geschenk: „Berlin und seine Eisenbahnen 1846—1896".
** Lesehalle-Verein. Im Monat März wies die Benutzung der Lese- und Bücherhalle wiederum eine nennenswerte Steigerung auf. Es wurden insgesamt verliehen 1471 Bände (1,329 im Februar). Davon entfielen auf illustrierte Zeitschriften 415, Romane, Novellen ic. 645, klassische Litteratur 90, Gedichtsammlungen 18, Jugendschriften 116, Länder- und Völkerkunde 50, Geschichte und Kriegsgeschichte 62, Naturwissenschaften, Technologie, Gc- sundheitslehre 55, Philosophie 8, fremdsprachliche Litteratur 12 Bände. Auf die einzelnen Berufsklassen verteilten sich die Entleihungen wie folgt: a) an M ä n n e r: Handwerker 530, Arbeiter 230, Kaufleute 150, Schüler und Studenten 140, Beamte 90, ohne Srandesangabe 31 Bände (Summe 1171); b) an Frauen: Hausfrauen und -Töchter 238, Gewerbetreibende 32, Arbeiterinnen und Dienstmädchen 20, Lehrerinnen 10 Bände (Summe 300). Nach auswärts wurden 72 Bände verliehen. Wir bemerken zu der vorstehenden Statistik, daß die geringen Entleihungsziffern aus dem Gebiete der Länder- und Völkerkunde sowie der Naturwissenschaften, Technologie rc. wiederum nur auf die Geringfügigkeit der Bestände zurückzuführen ist, die Nachfrage dürste etwa dreimal so stark gewesen sein. Was die Beteiligung der Frauen betrifft, so ist sestzustellen, daß die dem weiblichen Geschlecht angeborene Schüchternheit manche derselben immer noch von der Benutzung abzuhalten scheint. Möchten sich doch recht viele überzeugen, daß gar kein Grund zur Scheu vor der Entleihung eines guten Buches vorliegt. Auch eine regere Beteiligung der Arbeiter wäre sehr erwünscht.
*• Die Musterriegc des Gießener Turnverein in Hamburg. Nach der soeben in der „Deutschen Turnzeitung" veröffentlichten Zusammenstellung der Ergebnisse der Musterriegen bei dem 9. deutschen Turnsest in Hamburg im vorigen Jahre hat die Musterriege des Gießener Turnvereins für ihre Leistungen folgende Noten erhalten: 6 Turner am Barren: Anmarsch: gut; An- und Wegtreten am Gerät: gut; Ordnungsverhalten der Gesamtheit: recht gut; Ausführung der Hebungen: recht gut; Abmarsch: gut; Gesamturteil: recht gut.
** Der Lokomotivführer Bindewald von hier, von besten Verunglückung wir in voriger Nummer berichteten, ist seinen schweren Verletzungen im Landkrankenhause zu Fulda erlegen.
•* Waldbrand. Während der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten lies dort die Nachricht ein, daß an den Ochsenwiesen ein Waldbrand ausgebrochen sei. Wie sestgestellt wurde, ist der Brand durch die Funken einer Lokomotive der oberhesfischen Eisenbahnen entstanden. Das
Feuer, durch ziemlich starken Wind angesacht, hat sich rü(* über etwa zwei Hektare Eichenhege, rechts an der Rödaener Chaustee in der Nähe des Bahnwärterhauses, verbreitet und auch einige Hausen Wellenholz beschädigt. Zur wältigung des Brandes rückten zwei Kompagnien Militär aus. Den zur Bekämpfung des Feuers getroffenen Maß. nahmen kam der Umstand zu statten, daß die Brandstelle an der die Rödgener mit der Anneroder Straße verbindende» mit ziemlich gefüllten Wastergräben umgebenen Schneise la»' wodurch dem Feuer ein natürliches Hindernis geböte» wurde. Die ebenfalls aufgebotene städtische Straßenarbeiter- Mannschaft brauchte nicht mehr einzugreifen.
H. Fruhjahrs-Gautag des Gauverbandes 9 des Deutsche, RadsahrerBundes. Der gestrigen Besprechung des 8r. rangements und Programms dieser Festlichkeit, welch, Sonntag, den 23. April d. I. hier in Gießen stattfindet, möchten wir heute noch anfügen, daß auch bei dieser legenheit wieder die Kapelle unseres Jnfanterie-Regirnenl, „Kaiser Wilhelm" unter Leitung des Herrn Musikbir^s, Krauße konzertieren wird, wie dies bisher bei allen ftaltungcn der Gießener „Wanderer" der Fall war. - dem abends in Steins Saalbau stattfindenden Festtvwwer» mit Damen hat der Bauer'sche Gesangverein mehrere Vorträge unter Leitung seines Dirigenten, Herrn Polster, in dankenswerter Weise zugesagt, die neben anderen gefang^ lichen und humoristischen Vorträgen auswärtiger, insbesondere Frankfurter, Sportskollegen in bunter Reihe mit den beliebten Darbietungen unserer Regiments-Kapelle abwechsel» werden. Zu dem Festkommerse hat jeder freien Zutun, der mit Eintrittskarten für den Nachmittag (Reigenfahren.c - ! versehen ist; andernfalls wird ein kleines Eintrittsgeld vc» 50 Pfg. erhoben.
□ Vo» nordwestlichen Vogelsberg, 13. April. Lebhch blüht zur Zeit wieder das K a r t o f f e l g e s ch ä ft. Die Aussicht, quelle ist die Wetterau. Da man hierin weiß, wie start die Nachfrage nach neuen Setzkartoffeln im Vogelsberg «ft, so fehlt es keinesfalls an Ausfuhr und Angebot. M wöchentlich kommen Wagenladungen voll Kartoffeln in de» verschiedenen Ortschaften an. Der Preis bewegt sich je nach der Sorte zwischen sechs und sechseinhalb Mark für ben Doppelzentner. Die starke Nachfrage nach neuen Äattofidn wird aber keinesfalls verursacht durch einen vorhandm» Mangel an Kartoffeln, sondern nur durch die Erkenntnis daß der ÄZechsel mit neuen Setzkartoffeln grunbbebingtnb ist für eine gute Kartoffelernte. Das vorjährige überaut naffe Frühjahr, das eine zeitige Kartoffelsetzung unmögliA machte, hat gelehrt, daß man bei später Saat aus keine Spätsorten sehen darf. Diese werden dann nicht genügtnt reif, haben noch grünes Kraut im Herbste, und die Knolle?, bleiben seifig und weniger schmackhaft. Vielleicht mach! man sich diese Erfahrung in diesem Frühjahr, das leide-, wieder eine späte Felderbestellung zu bringen scheint, zu nutze.
§ Aus dem Ohmthal, 13. April. Um die Mitte bei diesjährigen Februar war die Temperatur fast doppelt (j hoch als jetzt um die Mitte des April. Der Schnee if zwar wieder überall gewichen, aber heute morgen warn die Dächer, Wiesen und Fluren weiß bereist. Dazu nic^t ein Frühlingslüftchen, das dafür sorgt, daß das Feuer in den Oefen nicht ausgeht. Die landwirtschaftliche Arbeit, die kaum begonnen, steht wieder still; Pflug und Egg« rasten und rosten. Das Land ist durch die gewaltige» Niederschläge zu Anfang dieser Woche wieder sehr seuch: geworden. Wie stark diese Niederschläge gewesen, konnte man am Stand des Wassers sehen. Die Ohm trat über ihre Ufer und überschwemmte das grüne Wiesenthal; ein Bild, das man sonst nur im Herbst und Winter zu sehr» bekommt. Der seitherige Verlauf des Frühlings läßt befürchten, daß er dem vorjährigen ähnlich werde. Damals gab es auch nichts als Regen, und erst mit Beginn des August stellte sich dauernd schönes und trockenes Wetter ein. Diese Befürchtung gründet sich auf die ungewöhnii^ Trockenheit im Februar und März. Wie die Erfahm.g der letzten Jahre lehrt, fällt unsere Witterung sehr oft aai dem einen Extrem in das andere.
Offenbach, 13. April. Zum Fr ankfurter Brauerstreik. Eine Mitgliederversammlung des Gastwirt-LercinS, die gestern abend im „Rheinischen Hof" tagte, nahm Stellung zu dem durch den Streik hervorgerufenen Bierboykott 7>c Versammlung sprach sich für eine friedliche Beilegung M zwischen ben Brauereien und den Brauern bestehenben aus und faßte in diesem Sinne die folgende Resolutwn'. „Die am 12. April in der Restauration „Zum Hof" hier tagende Versammlung der Mitglieder btt W-- Vereins für Offenbach a. M. und Umgegend erblickt m dem gegenwärtig zwischen dem Verband der Brauereien von, Frankfurt a. M. und den streikenden Arbeitern^bestehenvc« Differenzen eine immer mehr fühlbar werdende Schädigung Insbesondere wirkt der damit verbundene Bierboykott |u viele ihren Beruf noch ernst nehmende Wirte geradezu veu nichtend. Wenn man in Betracht zieht, welche Forderung^ an Miete, Steuern, Heizung, Beleuchtung und sonstrgr Anforderungen an die Wirte gestellt werden, so muß m» sich mit Recht sagen, daß die Existenz vieler Wirtssammc in Frage gestellt ist. Die Versammlung erklärt audbruan weder für noch gegen die eine oder andere Korpora - Stellung zu nehmen, sondern lediglich dahin zu wirken, v. eine beiderseitige Verständigung herbeigeführt wird, ® daher die Absicht der heutigen Versammlung, dem ^eroa^ der Brauereien, sowie den streikenden Arbeitern Der] folgenden Vorschlag zu machen: Die Vertreter vorgenanni« Korporationen zu ersuchen, eine nochmalige gegenseitige Handlung anzubahnen, wodurch die Möglichkeit nicht S- schlossen wäre, eine friedliche Erledigung und Beseitigu g des uns schwer treffenden Mißstandes zu erreichen, o 9 ergeh, di- dringende Bitt- an beide Teile, diesem unser., vorurteilsfreien Ersuchen entgegenzukommen, um uns weiterem Schaden zu bewahren."
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