Ausgabe 
14.9.1899 Zweites Blatt
 
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nn. Darmstadt, 12. September. Heute nachmittag um 3/a2 Uhr stieß der aus dem Odentvald kommende Per- sonenzug auf der Station Rosenhöhe mit einem ihm entgegenfahrenden Rangier-Güterzuge zusammen. Die beiden Lokomotiven wurden stark beschädigt und aus dem Geleise geworfen und mehrere Güterwagen sind um- geftürzt. Von dem Personenzuge wurden mehrere Wagen 4. Klasse stark mitgenommen. Von den Passagieren wurde außer einer Dame niemand verletzt. Die Zugführer sprangen vor dem Zusammenstöße von den Maschinen, doch hat der eine eine Verletzung am Kopfe davongetragen. Der Materialschaden ist bedeutend, und die Geleise sind gesperrt.

P. C. Groß Umstadt, 10. September. Trotz der un­beständigen Witterung ist die hiesige Gewerbe-Aus­stellung am heutigen 50 Pfennig-Sonntag von tausenden von Menschen bevölkert. Besonders sieht man die Land­wirte, welche nach gut eingebrachter Ernte nicht versäumen, die Ausstellung zu besuchen, die zahlreichen, für die Land­wirtschaft wichtigen Gegenstände, landwirtschaftliche Maschinen u. s. w., mit eingehendem Interesse besichtigen. Daß auf der Ausstellung reichlich angekauft wird, dafür ist die Thal- fache Zeugnis, daß die vereinigten Erbacher Elfenbeinschnitzer und Pfeifendreher mit ihren vielbewunderten prächtigen Erzeugnissen für zirka 1000 Mk. Gegenstände bis jetzt ver­kauft haben.

* Seeheim, 11. September. Sein 50jähriges Jubiläum begeht am 15. September Herr Cigarren­macher Georg Berg st räßer dahier. Derselbe trat als Lehrling am 15; September 1849 als Cigarrenmacher in eine Fabrik in Bickenbach ein. Er war kurze Zeit in der Fremde, dann bei Lampe-Darmstadt, Sandmann-Pfungstadt und jetzt bei Seitz dahier, ununterbrochen als Cigarrenmacher, gewiß eine Seltenheit in heutiger Zeit.

Auerbach, 11. September. Der Lehrer-Bezirksverein Bensheim veranstaltete gestern nachmittag im großen Schweizer­saale des HotelsZurKrone" dahier eine Goethefeier, die eine überaus zahlreiche Beteiligung fand, denn bis zur festgesetzten Zeit waren die weiten Räume bis zum letzten Platz besetzt. Die Kreisschulbehörde war durch die Herren Geh. Regierungsrat Kreisrat Gros und Kreisschulinspektor Karg, das Großh. Gymnasium und Lehrer-Seminar zu Bensheim durch die Herren Direktoren Dr. Kieser und Geiger vertreten. Auch der Obmann des Landes Lehrervereins, Herr Landtagsabgeordneter Backes von Darmstadt, sowie Herr Landtagsabgeordneter Euler und das langjährige Mitglied des Lehrer-Bezirksvereins, Herr Kommerzienrat G. Guntrum, erfreuten durch ihre Anwesenheit.

Bensheim, 11. September. Heute nachmittag 2 Uhr entgleiste die Lokomotive eines Güterzugs der Eisen­bahn BensheimWorms und fuhr in das am Uebergange der Kreisstraße nach Schwanheim stehende Reichstelegraphen­gestänge, welches durch die Wucht des Anfahrens abgebrochen wurde. Durch Arbeiter des zurzeit hier anwesenden Tele­graphenbaubeamten wurde diese Verkehrsstörung schleunigst beseitigt, sodaß der Telegraphenbetrieb ungehindert seinen Fortgang nehmen konnte. Irgendwelcher sonstiger Schaden ist glücklicherweise nicht entstanden.

Offenbach a. M., 11. September. Die französisch - reformierte Gemeinde beging am 9. und 10. das Fest ihres zweihundertjährigen Bestehens. Die Feier begann am erstgenannten Tage mit einem aka­demischen Festakt im evangelischen Vereinshause, wobei der Geistliche der Gemeinde, Herr Pfarrer Lehn, die Be­grüßungsansprache und der Seelsorger der französischen Friedrichsdorfer Gemeinde, Herr Pfarrer Christen, die Festrede hielt, in der er zum Schluß ermahnte, den Ueber- lieferungen der Vorfahren treu zu bleiben. Es folgten Begrüßungsansprachen: des Herrn Dekan Dr. Hager namens des Dekanats, der Dekanatsgemeinden und ins­besondere auch der uniierten Gemeinde Offenbach, des Herrn Geh. Kirchenrat D. Stade namens der theologischen Fakultät der Landesuniversität, des Herrn Oberbürgermeister

einer Brillantnadel geschmückt ist, welche Herrn Meunier verzweifelt bekannt vorkommt. Der Freund erzählt auch ganz freimütig, er habe diese Nadel von einem ihm bekannten jungen Manne sehr billig gekauft, und besagter Jüngling habe auch gar kein Hehl daraus gemacht, daß er diese Nadel von seiner Braut geschenkt bekommen habe. Herr Meunier eilt besorgt nach Hause und stellt mit Bedauern fest, daß aus dem Schmuckkasten nicht nur die Nadel, sondern auch noch mehrere wertvolle Ringe fehlen.Um Himmelswillen! Was wird die gute Eulalie dazu sagen?" Herr Meunier erinnert sich, daß kurz vor Eulaliens Abreise ein Dienst­mädchen entlassen worden war, weil es wegen seiner Lieb­schaften den Dienst zu arg verabsäumt hatte. Wo haust aber der Seladon und dessen freigebige Braut? Auch hier gab der Freund und jetzige Besitzer der Nadel bereitwillig Auskunft. Das Pärchen bewohnte ein kleines Haus in Meudon, das genau bezeichnet wurde. Geleitet von einem Polizei-Offizier, fährt Herr Meunier dte Seine abwärts zu den idyllischen Waldbergen von Meudon und wandert hier zurkleinsten Hütte des liebenden Paares". Die Herr­schaften sind ausgegangen, und die schwatzhafte Wirtin er­zählt, er sei ein hübscher, junger Bursche, sie aber sei schon in reiferen Jahren . . .Uebrigens da sind sie." Herr Meunier glaubt zu Eis erstarren zu müssen. DieBraut", die er erblickt, ist seinegute Eulalie", die er in Trouville glaubte! . . .

* Der Millionär Hatfield übte so wird aus Chicago berichtet unmittelbar vor seinem Tode mit einem Quartett von Sängern, das schon früher engagiert worden war, die Leichengesänge ein, die bei seinem Begräbnis gesungen werden sollten. Dann mußte der Geistliche, dem schon früher das Honorar für seine Funktion beim Begräbnis ausbezahlt worden war, in Gegenwart des Sterbenden seine Leichenrede halten. Nachdem die Trauerzeremonie in voll­

Brink namens der Stadt, des Herrn Direktor D. Weif­fenbach namens des Predigerseminars in Friedberg, des Herrn Professor Bonin in Mainz namens des Hugenotten­vereins u. a. m. In dem Festgottesdienst am 10. hielt Herr Pfarrer Correvon aus Frankfurt a. M. die Predigt über den TextHerr, hilf uns, wir versinken!" Herr Superintendent Waas als Vertreter des Großh. Oberkonsistoriums hielt eine Ansprache unter Zugrundelegung eines Textworts aus dem Buche Hiob, ebenso Herr Dekan Dr. Hager eine solche namens des Dekanats und der Dekanatsgemeinden. Gebet und Segen sprach Herr Pfarrer Lehn. Bei dem Festmahle in der Schlosserschen Liegenschaft brachte Herr Kreisamtmann Valckenberg das Hoch auf Se. Kgl. Hoheit den Großherzog aus. An den Landesfürsten wurde ein Huldigungstelegramm gesandt. Den Schluß der Jubelfeier bildete die Aufführung des Festspiels Die Calvin ist en" von Frau Pfarrer Lehr, welche Aufführung vollen Erfolg davontrug. (Nach d. Off. Ztg.)

Mainz, 12. September. Tod infolge eines Un­falles. Vor ca. drei Wochen stürzte der 13 jährige Georg Geis im Hause seiner Mutter, Leibnitzstraße Nr. 25 vom Heuspeicher aus in den Hof. Schwerverletzt brachte man den Jungen in das Spital. Leider waren alle angestellten Heilungsversuche vergeblich, und ist der bedauernswerte Junge infolge der schweren inneren Verletzungen gestorben. Unter sehr zahlreicher Teilnahme von Leidtragenden fand gestern um 6 Uhr das Leichenbegängnis vom Spitale aus statt.

A Mainz, 12. September. Von den sozialdemokratischen Gewerkschaften ist geplant, hier eine Spar-, Kons um - und Produktions-Genossenschaft mit beschränkter Hatfpflicht zu gründen, in welcher Gründung man eine starke Schädigung des Mainzer Kleinhandels erblickt. Es ist bereits eine Agitation gegen die Gründung im Gang, die sich vorerst damit begnügt, die Kleinkaufleute und Ge­werbetreibenden im Interesse der Selbsterhaltung zu warnen, mit der Genossenschaft in geschäftliche Verbindung zu treten.

Mainz, 12. September. Zu der schon seit Jahren schwebenden Frage der Erbauung einer Bahnlinie von Mainz nach Wiesbaden vom Zentralbahnhof aus durch die Neustadt mit Ueberbrückung des Rheins vernehmen wir, daß das preußische Ministerium der öffentlichen Arbeiten sich für die Beibehaltung der ursprünglich von der Hessischen Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft festgesetzten Eisenbahnlinie ausgesprochen hat. Bezüglich dieser Eisenbahnverbindung erfahren wir, daß alsbald nach Fertigstellung des neuen Wiesbadener Bahnhofs die direkte Verbindung mit Mainz in Angriff genommen werden soll.

Mainz, 12. September. Ein gräßlicher Unglücks­fall trug sich in der Weisenauer Zementfabrik zu. Der 30jährige Arbeiter Sickinger kam in die Schaufelräder einer Mühle und wurde fast vollständig zermalmt. Die Leiche des Bedauernswerten konnte nur in kleinen Stücken aus dem Maschinengetriebe entfernt werden. Die Staatsanwaltschaft und die Fabrikinspektion begaben sich noch gestern in die Fabrik, um den Thatbestand aufzunehmen.

Kastel, 12. September. Die hiesige Bürgermeisterei hat die Stelle einesSchutzmanns ausgeschrieben mit einem Anfangsgehalt von 1000 Mark, 200 Mark Wohnungsgeldentschädigung und freier Dienstkleidung. Der schriftlichen Meldung sind ein Lebenslauf, Zeugnisse und die Militärpapiere beizugeben. £)te Anmeldefrist ist bis zum 16. d. Mts. erweitert worden.

* Marburg, 12. September. Ein hierorts sehr bekannter und hochgeachteter Lehrer, Herr G. Groll, verläßt dieser Tage Marburg, um eine Lehrer­stelle in Wiesbaden zu übernehmen. Mit Bedauern sehen ihn die vielen kleinen und großen Schüler, die er mit Liebe und vorzüglichem Geschick unterrichtete, von hier scheiden. Der zum Präsidenten des Landgerichts ernannte bisherige Erste Staatsanwalt Bernhardt in Göttingen

kommen zufriedenstellender Weise beendet war, schloß der Millionär seine Augen und starb.

* Das Verlöbnis im Lichte des neuen Bürgerlichen Gesetz­buches. Für Brautleute oder solche, die es werden wollen, empfiehlt es sich, das neue Gesetz, das viele neue Bestimmungen enthält, zu studieren. Schon für die Ein­gehung eines Verlöbnisses ist nach dem zukünftigen Rechte nichts weiter erforderlich als das Versprechen und die An­nahme, und es ist nicht einmal erforderlich, daß dies mit ausdrücklichen Worten oder vor bestimmten Personen geschieht. Ein Verlöbnis wird schon dann als vorliegend anzusehen sein, wenn das Paar Abreden bezüglich des künftigen Wohn­sitzes, der Einrichtung u. s. w. getroffen hat, oder wenn gar schon Einrichtungs- und Ausstattungsstücke angeschafft worden sind. Eine Versendung von Verlobungsanzeigen oder ein Austausch von Ringen ist keineswegs Bedingung, die Verlobung ist vielmehr an gar keine bestimmte Form gebunden. Die Möglichkeit, sich als Braut zu betrachten, ist deshalb für ein modernes Fräulein viel leichter geschaffen, als bisher. Hat sich der Gesetzgeber somit ziemlich galant gezeigt, so hat er auch andererseits nicht vergessen, den bitteren Wermuthstropfen in diesen Freudenkelch zu träufeln. Wer nämlich verlobt ist, hat damit auch noch nicht allzuviel gewonnen, denn aus einem Verlöbnis kann man^Hicht auf Ein­gehung der Ehe klagen, und der verlassene Verwöck kann auch den zurückgetretenen Verlobten nicht hindern, eine andere Ehe zu schließen. Er kann auch im allgemeinen nicht andere Rechte aus dem Verlöbnis herleiten. So ist selbst die Ver­einbarung einer Strafe für den Fall des unbegründeten Rücktritts rechtsungiltig. Dagegen können der verlassene Teil resp. dessen Eltern u. s. w. Schadenersatz für die Auf­wendung beanspruchen, welche sie in Erwartung der Ehe gemacht haben. Der ohne richtigen Grund Verlassene kann auch Schadenersatz verlangen, wenn er in Erwartung der

ist am 10. Oktober 1868 als Referendar in den Justizdienst getreten. Am 1. März 1873 zum Gerichtsassessor ernannt, wurde er zum 1. Februar 1874 Kreisrichtcr in Naugard und am 1. November 1877 Amtsrichter in Melsungen. Zum 1. April 1883 erfolgte seine Ernennung zum Staats­anwalt in Altona und zum 1. September 1889 seine Be­förderung zum Ersten Staatsanwalt bei dem Landgericht in Stolp. Zum 1. Februar 1894 wurde er in gleicher Amtseigenschaft an das Landgericht in Göttingen versetzt. Sein neues Amt wird Präsident Bernhard! schon am 2. Oktober d. I. übernehmen. (O. Z.")

*t Frankfurt a. M., 12. September. Unfall. Der Gerichtsschreiber-Aspirant Fischer aus Waldmichelbach, der von einem Dienstmann begleitet wurde, passierte am Samstag Abend in der Nähe des Caf^s Hohenzollern die Kaiserstraße, als, wie versichert wird, im mäßigen Trab ein Postwagen herangefahren kam. Der Postillon rief dem Gerichtsschreiber zu, doch versuchten beide, noch vor dem Wagen über die Straße zu kommen. Dem Dienstmann gelang das noch mit knapper Not, doch vermochte er, da er ebenfalls zu Boden stürzte, nicht mehr seinen Begleiter Hinwegzureißen. Dieser kam vor die Pferde, wurde niedergerissen, und der Wagen fuhr über ihn hinweg. Die schleunigst herbeigerufene Sanitätswache der Kronprinzenstraße konnte ebensowenig mehr helfen als der Arzt. Die Verletzungen waren so schwerer Natur, daß der Unglückliche nach kurzer Zeit seinen Geist aufgab. Wie ein Berichterstatter meldet, soll ihm durch einen Tritt des Pferdes die Schädeldecke zertrümmert worden sein. Die Leiche wurde nach dem Frankfurter Fried­hof verbracht. Der Dienstmann kam mit einigen Haut­abschürfungen davon.

Uerkehr, Zand- und Volkswirtschaft.

Der Hessische Landwirtschaftsrat veranstaltet auch dieses Jahr wieder eine gemeinsame Beschickung der Deutschen Gersten- und Hopfen-Ausstellung zu Berlin (ll. bis 15. Oktober d. Js.), in­dem er die Beschickungskosten größtenteils selbst übernimmt und die Zulaffung zur definitiven Beschickung von einer Vorbesichtigung und Auswahl durch Sachverständige (Landwirte und Vertreter des Brauerei- und Mälzereigewerbes) abhängig macht Mit der Auswahl wird eine Vorprämiierung verbunden; außerdem sollen kleine Proben der zur Beschickung der Berliner Ausstellung ausgewählten Gersten in Frankfurt a. M. gelegentlich der nächsten Sitzung des Klubs der Land­wirte am 2. Oktober ausgestellt werden.

Zahlungseinstellungen.

Konkurseröffnungen: Modistin Anna Hartmann, Augsburg; Wirt Karl Haisch, Gereldsau - Liohtenthal (Baden); Fahrradfabrik G. Hecht & Sohn, Berlin; Rittmeister Erik v. "Witzleben, Berlin; Strumpfwarenfabrikant Heiar. Otto Liebers, Claussnitz (Burgstädt); Plantagengutsbesitzer Wilh. Edm. Haacke, Kleinolbersdorf (Chemnitz); Chr. Rohwedder Nachf, Flensburg; Tuchfabrikant Gottl. Kliemann, Forst i. L.; Kaufmann Simon Rosenthal (B. Rosenthal), Frankfurt a. d. 0.; Kaufmann A. Wölk, Graudenz; Wirtschaftsbesitzer Emil Osk. Strassburger, Mobendorf (Hainichen); Sattler Heinr. Beckmann, Hattingen; Kaufmann Alfr. Jecke, Kahla a. S.; Kaufmann Julius Ikenberg, Kassel; WollWarengeschäft G. Th. Ebert, Kitzingen; Nach­lass des Kaufmanns F. O. Kurz, Liebstadt (Ostpr.); Nachlass des Müllers Karl Fischer, Klein-Lübars (Loburg); Schmied A. Grabow, Neuruppin; Delikatessenwarenhändler Franz Herrn. Müller Reichen­bach ; Nachlass der Auszugerin Marianne Pustelnik, Kreutzdorf (Sohrau 0.-8.).

Zur Geschäftslage Im Transvaal. In welchem Maase die politische Unsicherheit schädigend auf das Geschäftsleben in der Südafrikanischen Republik eingewirkt hat, ist daran zu erkennen, dass in den Monaten Juni, Juli und August in Johannesburg 108 Insolvenzen vorgekommen sind gegen nur 36 in den ent­sprechenden Monaten des Vorjahrs.

Die Fahrzeugfabrik in Eisenach hat in Danzig umfangreiche Ländereien erworben und beabsichtigt, den grössten Teil des Be­triebes nach dort zu verlegen, um später ganz nach Danzig über­zusiedeln. Diese Absicht wird damit begründet, dass man seitens der Behörden in Thüringen und dem Grossherzogtum den Unter­nehmungen der Fabrik Schwierigkeiten entgegensetzt.

Ehe Einrichtungen getroffen hatte, welche sein Vermögen berühren, falls er z. B. eine Stellung niedergelegt oder nicht angenommen hatte. Der Schaden ist aber nur dann zu ersetzen, wenn die Haltung des Geschädigten angemessen war. Jeder Verlobte hat, falls die Verlobung nicht zur Eheschließung führte, das Recht, die gegebenen Geschenke, auch die Ringe u. s. w., zurückzuverlangen, nur derjenige, welchen an der Aufhebung des Verlöbnisses ein Verschulden trifft, kann dieses Recht nicht geltend machen. Minderjährige können ohne Einwilligung ihres gesetzlichen Vertreters ein bindendes Verlöbnis nicht schließen, daher kann auch, wenn ein Minderjähriger schuldloser Weise von dem Verlöbnis zurücktritt, der andere Verlobte nicht Schadenersatz für die gemachten Aufwendungen beanspruchen.

* Eine Schreckensszeue hat sich auf dem Bahnhofe Kalau bei Kreuzung der Militärzüge unmittelbar vor dem Stations­gebäude abgespielt, und nnr durch die Geistesgegenwart eines Lokomotivführers ist ein junges Menschenleben vor sicherem Tode bewahrt worden. Nachdem sich ein Militärzug bereits in Bewegung gesetzt hatte, reichte die Buffetmamsell der Bahnhofs-Restauration einem Chargierten des Infanterie-Regiments Nr. 52 noch ein Butterbrod und überschritt dann ein Geleis, um zum Bahnsteig zu gelangen. Hierbei stolperte sie und stürzte zwischen das Geleise, auf welchem in diesem Augenblicke ein Güterzug dahergebrauft kam. Der Lokomotivführer Kathert aus Kottbus gab sofort Kontredampf und verhütete so ein großes Unglück. Das Mädchen wurde zwar von dem Räumer der Maschine er­faßt und eine Strecke fortgeschleift, erlitt aber wunderbarer Weise keine erheblichen Verletzungen. Herr Kathert hat schon einmal eine ähnliche Probe seiner Geistesgegenwart abgelegt.