Ausgabe 
14.5.1899 Viertes Blatt
 
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Sonntag den 14. Mai

1899

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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>4*rHte|e Ar. 7.

Grattsdeilagra: Gießener Fmnilienblätter, Der heWtze Landwirt, Ktätter für hessische Volkskunde.

«dreffe für Depefchm: Anzeiger chletzo« Fernsprecher Nr. 51.

Hessischer Landtag.

Zweite Kammer der Stände.

nn. Darmstadt, 12. Mai 1899.

Die Sitzung wird um Vgll Uhr eröffnet. Am Minister- tiich Illftizminister Dittmar und die Mitglieder des ge- so'Mten Justizministeriums.

Mch Verkündigung neuer Einläufe und Berichtanzeigen -TNMiht Präsident Haas dem Hause die Mitteilung, daß in bi- n verschiedenen Ausschüssen noch eine große Anzahl von rückständig seien. Beispielsweise habe der erste l^tschuß noch 57 Gegenstände zu erledigen. Bei der Ge- i^ochslige der Kammer und des in Bälde stattfindenden ^chussrs des Landtages ersuche er um Beschleunigung der '(Ägelegenheit, sonst könnten diese Gegenstände keine Er- 'c'^igun# mehr finden. Eine Verantwortung für diese Ver- ck>Nlppvng könne er nicht übernehmen. Nach einer Mitteilung »«Grvßh. Staatsregierung ist Staatsminister Rothe bereit, bii'K Don den Sozialdemokraten gestellte Interpellation über di!r: anzeblichen Vorkommnisse am Ludwig Georg- <^v>mn asium in heutiger Sitzung zu beantworten und w:sb bi efdbe noch auf die heutige Tagesordnung gesetzt. Zipn Tagesordnung übergehend, wird mit der Beratung des ?li!i W ungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch fortgefahren unMrl. 82, welcher von der Beschränkung der Vereinigung 'irÄZul-ammenlegung von Grundstücken handelt, ohne Debatte iiregtnoDiinen. Ebenso die Art. 83/85, die Erhöhung einer ^eunmsHaftlichen Mauer und das Hammerschlags- und ve Mrecht betreffend. Art. 86 bestimmt die Entfernung der BcliMpfllanzungen von den Grenzen des Nachbars. Der Ausschuß hat beantragt, daß der Abstand von dem der Gr<eii;e am nächsten befindlichen Rande des Baumstammes obcx Teöle des Strauches gemessen werde. Diese Festsetzung wiriid vom den Abgg. Weidner, Bähr, Brunner und xs cvifr bekämpft, welche die Messung der Entfernung von her-- Mute des Wurzelhalfes bestimmt wissen wollen. Die Aktzg.U lrich und Heidenreich halten die Bestimmungen be& Ausschusses für durchaus richtig und zutreffend, ins- bestPiderL im Interesse der Landwirtschaft. Auch Ober- lan.!dtsgerichtsrat Best tritt den Ansichten der Abgeordneten We?i inte und Köhler-Langsdorf entgegen, die Entfernung von BaiM zu Baum, von der Mitte des Wurzelhalses zu messen, da chieririit eine unbestimmte Begrenzung festgelegt werde. .'lbiiAhLusel und Genossen beantragen, den Art. 86 noch- maiili« an. den Ausschuß zurückzuverweisen, damit Klarheit in )dir Sache gebracht werde. Dem pflichtet Abg. Köhler bet.i. - .Justizminister Dittmar bittet, im Interesse der GeiWtZlage der Häuser dem Antrag nicht stattzugeben, da baA Gesetz auch in dem Ausschuß der Ersten Kammer Be- ratMugfinden müsse. Dieses sei aber bei einer Rückverweisung an tiin Ausschuß nicht mehr möglich, weil dort bereits eine s)iiuiifjiing der Geschäfte eingetreten sei. Bei der Abstimmung ;9trrb« ber Antrag auf Zurückverweisung gegen 6 Stimmen ibgw'.ldjnt und die Debatte fortgesetzt. Die Abg. Erk unbi1 Lichtenstein wünschen eine Erweiterung der Ent- ferrnuing von 2 Mtr. auf 2,50 Mtr. von den Grenzen des Naich^rS. Abg. Häusel beantragt, die Grenzentfernung oomi mlhmetifchen Mittel des Baumes aus zu meffen. Aboh.. K e tz wünscht, daß der Nachbar des Baumpflanzers uorntlkbergriffen geschützt werde, und daher fei es angebracht, die'Rieuze auf 2,50 Mtr. festzusetzen. Abg. David uiltil !iit Antrag des Ausschusses für allein richtig, während er "Stlciig Köhler schablonenartige Zustände schaffen werde. 'Okrlandesgerichtsrat Hangen hält ebenfalls den Stand- vumIveiS Ausschusses für allein richtig. In Frankreich, BadMi. Baden und Elsaß-Lothringen spreche man nicht vom Lflchmn, sondern nur vom Halten der Bäume. Die vom 'luAsW festgesetzte Grenze treffe den Nagel auf den Kopf. %.. Bähr bekämpft die Ansicht des Regierungs- l'erttEÄ; der Ausschußantrag hänge in der Luft und sei für ih Landwirt untauglich. Präsident Haas teilt dem Horch in it, daß zu diesem Artikel noch 14 Redner gemeldet fcleiB uriib bittet um Beschränkung des Redestromes bei einzichm Abgeordneten im Interesse der Fertigstellung des Ges« kMuvurfs. Abg. Weidner besteht darauf, daß egiMiigsseitig Abhilfe geschaffen und die besprochenen Miß- ftänifiK beseitigt werden, wenn man nicht große Unzufrieden­heit »m dim landwirtschaftlichen Kreisen Hervorrufen wolle. WeM dsr Unmasse der eingelaufenen Abänderungsanträge werliba Mt. 86/90 zur Beratung für morgen zurückgestellt. Die v'U 91 108 finden ohne Debatte nach dem Ausschuß- antrtig büie Genehmigung des Hauses. Die Art. 109117, welch« vom der religiösen Erziehung der Kinder handeln, werdvüi lvusgesetzt. Dagegen werden die Art. 118134

nach den Ausschußanträgen angenommen. Damit wird die Sitzung um V22 Uhr geschlossen.

Fortsetzung der.Beratung morgen 9 Uhr und Beant­wortung der Interpellation David.

Deutsches Reich.

Berlin. 12. Mai. In der Reichstags-Kommission für die Po st-Novelle wurde heute die Beratung der Fernsprechgebühren-Ordnung fortgesetzt. § 1 wurde in folgender Fassung angenommen: Für jeden Anschluß an ein Fernsprechnetz wird eine Pauschgebühr erhoben. Damit ist die Doppelgebühr beseitigt. In § 2 werden die Sätze der Pauschgebühr bestimmt. Zu demselben wird ein Antrag des Abgeordneten Dasbach mit großer Mehrheit angenommen. § 3 betrifft den Zeitpunkt des Inkrafttretens der Pausch­gebühr unb wird nach einem Vorschläge des Abgeordneten Dasbach angenommen. § 4 setzt die Pauschgebühr für kleine Orte auf 75 Mark fest. Morgen Fortsetzung der Beratung.

Berlin, 12. Mai. Die Landes-Direktoren der Monarchie werden in der Zeit vom 11. bis 14. Juli in Breslau ihre diesjährige Konferenz abhalten.

Berlin, 12. Mai. Aus London wird telegraphiert: In Cowes ist die zuverlässige Mitteilung eingelaufen, daß der Kaiser in diesem Sommer nicht nach Cowes kommen werde. Auch werde des Kaisers Segel-UachtMeteor" nicht an den Wettfahrten in den englischen Gewässern teil­nehmen.

Denkmalsenthüllung. In Koburg fand am Mittwoch im herzoglichen Hofgarten die Enthüllung des von Professor Eberlein-Berlin geschaffenen Reiterstandbildes des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Koburg-Gotha statt, zu welcher Herzog Alfred, die Herzogin-Mutter und andere Mitglieder des herzoglichen Hauses erschienen waren. Die Spitzen der Behörden, viele Vereine, sowie eine große Menschenmenge wohnten der Feier bei, welche mit Gesang eingeleitet wurde. Sodann hielt Wirklicher Geh. Rat Dr. Tempeltey die Festrede. Nach der Enthüllung legten der Herzog und die Herzogin-Wittwe am Denkmal Kränze nieder. Das Standbild zeigt den Herzog in der Uniform der Halber- städter Kürassiere.

Zum Fall Arons erhält dieBerl. Wissensch. Korr." Mitteilungen aus Universitätskreisen, wonach sich die philosophische Fakultät der Berliner Universität im Laufe der letzten Monate wieoerholt mit dieser Angelegenheit be­schäftigt hat. Das Ergebnis soll sein, daß die weitaus größere Zahl der Mitglieder der Fakultät sich dagegen aus­gesprochen hat, dem Privatdozenten Dr. Arons wegen seiner Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie die Lehrthätigkeit an der Universität zu untersagen. Maßgebend für den Standpunkt der Mitglieder der Fakultät war der Entschluß, an dem Grundsätze festzuhalten, daß einem Universitätslehrer in Bezug auf seine privaten Anschauungen volle Freiheit ge­sichert werden müsse, und daß Dr. Arons als Lehrer der Physik keinerlei Gelegenheit habe, in seiner Lehrthätigkeit politische Anschauungen zum Ausdruck zu bringen. Die entschiedene, ablehnende Haltung der Fakultät läßt einen Verlauf des Disziplinarverfahrens zu Ungunsten des Dr. Arons in den weiteren Instanzen (Disziplinarhof und Staatsministerium) als nicht wahrscheinlich erscheinen.

Aus Samoa wird gemeldet: Die Pflanzungen Vaitele und Vailele sind wieder im Betrieb. Die Häuser im Umkreis von Apia sind noch vielfach von Tanukriegern besetzt. Tanu hat die samoanische Schatzverwaltung, deren Geschäfte bis zum Eintreffen des neuen Munizipal­präsidenten von den drei Konsuln geführt werden, auf Aus­zahlung von 150 Dollars Monatsgehalt beim Obergericht verklagt, nachdem der amerikanische Generalkonsul, welchem die Kassenführung oblag, die Zahlung verweigert hatte. Der Oberrichter hat auf die von Tanu eingeklagte Summe erkannt.

Glogau, 12. Mai. Graf ckler und der Geschäfts­führer Schliebs von derNiederschlesischen Zeitung" wurden heute von der Anklage der Aufreizung zum Klassenhaß von der Strafkammer freigesprochen. Der Staats­anwalt hatte gegen den Grafen 100 Mark Geldstrafe und gegen Schliebs 30 Mark beantragt.

Bad Kreuznach, 12. Mai. Die Kaiserin Friedrich traf heute mittag 1 Uhr in Münster am Stein zum Besuch ihrer Enkel Waldemar und Sigismund ein, besichtigte sodann das hiesige Viktoriastift und reiste um 5 Uhr nach Cronberg zurück.

Ausland.

Wie«, 12. Mai. Der Ministerpräsident Graf Thun und die Minister Kaizl und Dipauli begeben sich am 17. Mai nach Budapest, um die Ausgleichsverhandlungen fortzusetzen.

Wien, 12. Mai. Die österreichischen Vertreter auf der Friedens-Konferenz reisen am Sonntag nach dem Haag ab.

Teplitz, 12. Mai. Infolge des anhaltenden Regens lösten sich von der Stefanshöhe große Steinmaffen ab, welche ein Wohnhaus in der Prager Straße demolierten. Die Feuerwehr konnte die Bewohner des Hauses retten.

Lemberg, 12. Mai. Die für gestern geplante große Demonstrationin Angelegenheit der 36stündigen Sonntags­ruhe ist vollständig mißlungen.

Rom, 12. Mai. Seit Donnerstag abend hat Italien wieder ein Ministerium. Visconti-Venostas Eintritt als Minister des Aeußern in das neue Kabinett Pelloux und dessen Unterstützung durch Sonnino ist gesichert. Visconti- Venosto stellt die ihm jüngst zugeschriebene grundsätzliche Abneigung gegen jedwede ostasiatische Unternehmung in Ab­rede. Ins Kabinett werden einige Freunde Sonninos ein­treten, der als künftiger Führer der Kammermehrheit be­trachtet wird. Diese wird das Zentrum und die angrenzenden Fraktionen von rechts und links umfassen. Die Gruppen Rudini, Giolitti und Zanardelli bleiben nebst der äußersten Linken in der Opposition.

Rom, 12. Mai. Es verlautet, das Kabinett werde das ostasiatisch. Unternehmen auf die Erwerbung eines Staffel­platzes für ein Kohlenlager einschränken.

Rom, 12. Mai. Die Gruppe Giolitti und Zanar­delli kündigt dem neuen Kabinett den Krieg an.

Paris, 12. Mai. Die heutige Kammersitzung verlief wiederum äußerst stürmisch. Zwei Interpellationen, die eine von dem Sozialisten Viviani, die andere von dem Antisemiten Losies über die Veröffentlichung der Briefe Delcassss an Freycmet, welche heute vornPetit Journal" veröffentlicht wurden, kamen zur Verhandlung. Der Kriegs­minister erklärte, Kapitän Cuignet habe dies heute vormittag eingestanden, daß er einige der Briefe abgeschrieben habe, weshalb er verabschiedet worden sei. Unter ungeheurem Lärm besteigt Delcasss die Tribüne. Die Rechte versucht ihn am Sprechen zu hindern. Delcasss ruft, er werde die Rednertribüne nicht eher verlassen, als bis er fertig ge­sprochen habe. Mehrere Antisemiten, welche Delcasss unter­brachen, wurden zur Ordnung gerufen. Da es unmöglich war, daß sich bei dem Lärm ein Redner vernehmbar machen kann, wurde die Erörterung abgebrochen unb eine Tages­ordnung eingebracht, welche das Vertrauen für die Regierung fordert. Dieselbe wird mit 389 gegen 45 Stimmen an­genommen. Diese Abstimmung bedeutet eine neue Nieder­lage für die Feinde der Revision.

London, 12. Mai. Telegramme aus Shanghai an denDaily Telegraph" melden, daß eine deutsche Firma Dampfschiffe erbaut, welche den Verkehr auf dem Aang- tse-Kiang vermitteln sollen.

Petersburg, 12. Mai. Es verlautet, daß, falls Eng­land den Anschluß an das indische Bahnnetz via Afghanistan gestattet, Rußland auf den Bau der projektierten Bahn nach dem persischen Meerbusen v.rzichtet.

Vermischtes.

* Eisenbahn Unfälle. Nach ber im Reichs-Eisenbahnamt aufgestellten Nachweisung der auf deutschen Eisenbahnen ausschließlich Bayerns im Monat März d. I. vorge­kommenen Betriebsunfälle waren zu verzeichnen:

Entgleisungen auf freier Bahn . 15 (davon 4 bei Personenzügen)

in Stationen . , 17

(davon 3 bei Personcnzügen)

Zusammenstöße auf freier Bahn .

in Stationen . . 10

(bei Güter- und Rangrerzügen) sonstige Vorkommnisse .... 161

zusammen 203

Die Betriebslänge betrug 41 038 Kilometer, an Zug­kilometern wurden geleistet 32317 647, so daß je ein Unfall auf 202 Kilometer Betriebslänge oder auf 159200 Zug­kilometer entfällt. Bei den Unfällen wurden 64 Personen getötet und 96 verwundet.