jVtcitaq den 14 April
Zweites Blatt
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Alle Anzrigen-BermUilungSstellen bei In- und AuslandiD nehmen Anzeigen für den (Siebener Anzeiger entgegen.
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Iteattion, Lxpedition und Druckerei:
Kch»lSr«tze Nr. 7.
Einführung längst versprochener Reformen für verschiedene christliche Provinzen des Türkenreichs erinnern will. -Jeoen» allS hat der Vorgang eine weitgehende politische Bedeutung und ist vielleicht der Ausgangspunkt zur neuerlichen Aufrollung der orientalischen Frage. Die Diplomatie durfte dem Mahnbriefe des Zaren große Beachtung schenkens)
Sind nun die Quellensucher, welche unter mehr oder minder mystischen Gebräuchen als Laien ihr Handwerk betreiben, durchweg Schwindler? Keineswegs! Die zahlreichen unbestreitbaren Erfolge predigen laut das Gegenteil, und daß dem so ist, darf uns nicht wunder nehme«, wenn wir erwägen, daß gewisse geologische Fachkenntnisse dabei oft von den Quellenftndern angewandt werden und sich durch Generationen vom Bater auf den Sohn vererben. Dazu kommt natürlich noch, daß die reiche Erfahrung den Blick für die zur Bohrung am meisten sich eignenden Oertlichkeiten schärft.
Einer der berühmtesten Quellensinder aller Zeiten war Abbs Paromelle, welcher in seinem französischen Vaterlande und weit über die Grenzen desselben hinaus vieltausendmal erfolgreich zu Rate gezogen wurde, und seine vielseitigen Erfahrungen in einem noch heute interessanten Buche ..Quellenkunde" niedergelegt hat, welches von Cotta auch ins Deutsche übersetzt worden ist. Kaum weniger berühmt als der eben genannte war, wenigstens in seiner engeren schlesischen Heimat und im östlichen Deutschland überhaupt, der bekannte schlesische Graf Wrschowetz, und ein bäuerlicher Quellenfinder, der in Schlesien weithin Ansehen genoß, ist ihm vor wenigen Wochen in den Tod gefolgt.
Manchmal freilich geht es dem gelehrten und dem ungelehrten Quellensucher wie dem Goethe'schen Zauber- lehrling, der die Geister, die er rief, nicht mehr los werden kann. Das Wasser sprudelt dann in ungeheurer Mächtigkeit und wirft große Mengen von Sand aus dem sich mehr und mehr erweiternden Bohrloche aus, sodaß im Innern der Erde große Hohlräume entstehen, deren Decken schließlich zusammenbrechen. Dann verwandelt sich der erhoffte Segen in Unheil, wie bei jener noch in aller Erinnerung stehenden Katastrophe in einem posenschen Städtchen, bei welcher in der Ausdehnung ganzer Straßen der unterminierte Boden einsank und die darauf stehenden Häuser tn unbewohnbare Ruinen verwandelt wurden.
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Fernsprecher Nr. 51.
allen größeren I uns immer reichlicher die belebende Wärme spenden. Am ' ’ ' 1. April geht das Tagesgestirn gegen 5»/^ Uhr auf und um
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Vermischtes.
• Die erste DoMuniverfität in Frankreich. Aus Paris wird berichtet: Hier hat sich jüngsthin eine Gesellschaft zur Gründung von Bolksuniversitäten gebildet, Die sich ver moralischen und intellektuellen Erziehung der Arbelterklasse widmen will, ganz nach dem Beispiel der Gesellschaft, die in London seit längerer Zeit mit großem Erfolge wirkt. Die jungen Leute, die sich an die Spitze dieses Unten nehmens gestellt haben, sind Studenten, die der edle Wunsch beseelt, die Arbeiter den Gefahren der Schänken zu entziehen und ihnen Gelegenheit zur geistigen Fortbildung zu geben. In dem alten Faubourg Saint-Antoine ist die erste dieser Volksuniversitäten eröffnet worden, und hier werden allabendlich Vortäge über Moral, Wissenschaft und Litteratur gehalten. Der Erfolg, den diese Vorträge trotz ihres kurzen Bestehens erzielten, hat die Organisatoren des Unternehmens ermutigt, dasselbe auszudehnen und am 1. Oktober ein veritables Universitätsgebäude im Faubourg Saint-Antoine zu eröffnen mit einem Museum, Vortragssälen, einer Bibliothek, einem Unterhaltungs- und einem Turnsaal, sowie Büreaus für medizinische und lundische Konsultationen. Das wird die erste Volksuniverfität Frank-
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reichs werden. ,
♦ Nordfeebader auf Sylt. Die Seebadedirektion hat
soeben eine ..Beschreibung der Nordseebäder Westerland und Wenningstedt auf Sylt" herausgegeben, welche den Besuchern dieser Bäder einen ebenso wertvollen Führer rote Ratgeber bietet. Das mit hübschen Illustrationen aus- qestattete handliche Werkchen, in welchem sich auch Angaben über die kürzesten und bequemsten Reiseverbindungen von größeren Städten Deutschlands und Oesterreich-Ungarns
betreffenden Angelegenheiten, und ist in r _ Reisebureaus, Ausgabestellen für zusammenstellbare Fahr-
1899
Bezugspreis üitrtciiäbrltd)
2 Mark 20 Pig. monatlich 75 Pig. mit Bringcrlohn.
Bei Postbezug
2 9Jidrl 50 Pfg. vierieliährlich.
Feuilleton.
Huessensinder und Wasserzauöer.
Bon Dr. Kurt Rudolf Kreusner.
(Nachdruck verboten.)
(Schluß.)
Dan einzig sicheren Wegweiser zur Auffindung von urMirdischen Quellen und Wasserrinnsalen bietet natürlich bitt Scwlogie. Das im Regenfall zur Erdoberfläche meder- icchndc Waffer folgt auch weiterhin dem Gesetze der Schwere ui 1. sucht durch Spalten und poröses Erdreich in die Tieft zu j jungen. In weit ausgedehnten Ebenen nun, namentlich mi linjenigcn des Tieflandes, kommt es nicht weit auf di \m Wege. Denn hier ist meistens auf mehrere hundert •lUÜft Tiefe das Erdreich durch diluviale Ablagerungen g,Mell, und alle vorhandenen Zwischenräume sind hier bis zi.r>vhe des Wasserspiegels der benachbarten Ströme, gvtiit und Bäche mit Wasser vollauf gesättigt. Es ist da- h»-Mechaus nicht wunderbar, daß man in solchen Gegenden ntidmiß schon in geringer Tiefe Überall auf reichliches ö&wi’ stößt, und daß das Niveau in daselbst angelegten AKNMM genau nach den jeweiligen Wasserständen der benach- bcicutm Flußläufe steigt und sinkt.
Inders liegen die Verhältnisse in sandigem oder in hikziligem oder gebirgigem Terrain. In Sandgegenden man oft sehr tief graben müffen, ehe man auf Grund- rotiij« stößt; in Gebirgsgegenden aber hängt die Lokali- ftftmnqi der Quellen lediglich von dem Verlauf der geo- icMrn Schichten ab. Wenn in sanft geneigter schiefer GL-°k eine undurchlässige Erdschicht, wie Thon, Mergel, L ch wder Lette, verläuft, über welche durchlässige Erd- n-iocim streichen, so wird das Regenwaffer bis zu der von b::üni gebildeten Grenzfläfie, dem sogenannten Wasser fii>niiben Horizont vordringen und dort, wo die durch- ISi'lgt Schicht abbricht oder sehr schwach ist, als Quelle zu $ii<t treten oder leicht zu finden sein. Das Waffer folgt
dabei genau dem Gesetze der kommunizierenden Röhren, sodaß, wenn beide Schichten vom tiefsten Punkte des Thales wieder nach der Höhe zu umbiegen, die Quelle durchaus nicht immer tief unten zu Tage tritt, sondern oft in ziemlicher Höhe an der Bergwand entspringt, natürlich aber an einem Punkte, der absolut tiefer liegt, als die Gegend, aus welcher die Quelle gespeist wird. Aus letzterem Umstände allein erklärt sich auch das Vorkommen der sogen. Gipfelquellen, welche entweder direkt auf oder dicht unter einer Bergspitze zu Tage treten, und sehr mit Unrecht als naturqeschichtliche Wunder angestaunt werden, im Grunde genommen aber nichts anderes sind, als natürliche Springbrunnen, deren speisendes Bassin den Blicken verborgen ist. Hierher gehören auch die artesischen Brunnen, welche oft in Gegenden erbohrt werden können, wo der Laie zunächst keine Spur von Waffer vermutet, wie z. B. in großen Teilen der Sahara, welche, soweit sie auf algerischem Gebiete liegt, von den Franzosen durch Anlage von tausenden von artesischen Brunnen der Kultur zurückgewonnen ist, die dank den unterirdischen Wafferschätzen schon vor zweitausend Jahren unter karthagischer und römischer Herrschaft zu hoher Blüte gelangt war.
Wenn man sich demnach von der Vorstellung lossagen muß daß die Quellen etwas wie Ausflußrohre emer natürlichen Röhrenwafferleitung seien, ergibt es sich klar, daß die Auffindung unterirdischer Wasserhorizonte eine genaue Kenntnis der Erdschichten der betreffenden Gegenden zur Voraussetzung hat, weil es von der Lagerung dieser Schichten abhängt, ob das Waffer tn unzugängliche Schichten sinkt oder durch Bohrungen gefaßt werden kann. Der Theoretiker wird nun mit seinen abstrakten Sachkenntnissen allein ebenso hilflos dastehen, wie der volkstümliche Quellen- sucher mit seiner Wünschelrute; er wird diesem aber unbedingt himmelweit überlegen sein, wenn er die geologische Durchforschung der Gegend zu Hilfe nimmt, und zMose erfolgreiche Bohrversuche in allen Thetlen Deutschlands beweisen, daß es dabei ganz mit rechten Dingen zugeht.
schein-Hefte, sowie von der Seebadedirektion in Westerland gratis erhältlich.
• Zeitung in DcutschOstaftika. Die erste Nummer der in Dar-es- Sa laam erscheinenden Deutsch ostafrikaimchen Zeitung ist vom 26. Februar 1899 datiert; als verant- wörtlicher Redakteur und Verleger zeichnet W. v. Roy. In seinem Leitartikel bespricht das Blatt die Ankunft des Gouverneurs, Generalmajors Siebert in Dar-es-Salaam, ferner bringt es Lokales, Personalnachrichten, Vermischtes! uf.tu. Im Inseratenteil ladet der „Gesangverein Dar-es-Salaam xu einem Uebungsabend ein, die Hotels „Deutscher Kaiser und „Fürst Bismarck" empfehlen sich den durchreisenden Fremden, und auch eine Brauerei, die erste deutsch-ostafti- । kanische Bierbrauerei preist ihren Stoff an.
• Dr. med. Theinhardts Hygiama. Die Heilung der Bleichsucht (Blutarmut) ist viel leichter durch eine sorgsam aewählte Diät zu erreichen als man anzunehmeii geneigt ist. Allerdings liegt oft ein großes Hindernis für eine zweckdienliche Ernährung in der Appetitlosigkeit, die diesem Leiden eigentümlich ist und die sich häufig bis zum Widerwillen gegen alle nahrhaften Speisen steigert.. Daher muß I den Bleichsüchtigen und Blutarmen eine möglichst konzentrierte und doch zugleich sehr leicht verdauliche und den Appetit I anregende Nahrung gereicht werden, welche ohne Anstrengung I des Magens möglichst leicht und rasch direkt in den Säste- I ström des Körpers übergeht. In neuerer ZeU wird von I den Aerzten für Bleichsüchtige Dr. med. Theinhardts Hygiama sehr warm empfohlen, da es einerseits sehr reich I ail leichtverdaulichem Eiweiß ist und anderseits einen hohen Gehalt an ebenfalls leicht assimilirbaren anderen wertvollen I Nährstoffen besitzt. Das Präparat ist hierdurch für den I schwächsten Organismus bekömmlich und bewirkt schon nach I kurzem Genuß Hebung des darniederliegenden Appetits, der gesunkenen Kräfte und zu gleicher Zeit ein gesteigertes all- I gemeines Wohlbefinden.
* Von den Himmelserscheiuungen im April. Statt des I Frühlingsanfanges brachte uns das Frühjahrsäguinoktium einen verspäteten Winter. Aber die stetig nach Norden I vordringende und höher an unsrem Himmel aufsteigende I Sonne duldet keine Schneedecke mehr. Zu gewaltig ist schon
Zar und Sultan.
Dir Geschichte der Türkei ist eine ungemein wechselst, und besonders in der letzten Hälfte diesesJahr- hualkNj hat das osmanische Reich viele Wandlungen erfreu Eines aber ist sich immer gleich geblieben, ob nw bi( Türken •(« Sieger oder Besiegte aus den zahl- i ciraitn Kämpfen hervorgingen, sie waren stets in aller- ‘i diaMftt r Finanzkalamität. Schon oft ist von Reformen üe'xHochim ivjrben, um die innere Situation der Türkei zu !)c?frn aber es ist immer noch bei dem guten Willen ge» bliteki, und man darf füglich jede Hoffnung aufgeben, daß lirnC:tr den bestehenden Verhältnissen ein Umschwung zu -eiman Leben, eine radikale Besserung eintreten wird.
Di'. Türkei steht noch heute stark in der Kreide bet Rih Klmd». Die Kriegsentschädigung aus dem letzten russisch- tfrbTi^et Kriege sollte in regelmäßigen Raten gezahlt werden, abtet bir immerwährende Finanznot der Pforte brachte es -nulfid), daß diese Raten nur höchst unregelmäßig beglichen i'in.tben, daß ein erheblicher Rückstand sich bildete. Lange Zchß drückte der Zar hierzu ein Auge zu, und erst wenn er be r Wtei gegenüber auf rein politischem Gebiete irgend ei'.i kk Forderung Nachdruck verleihen mußte, dann ließ er oc n kaiserlichen Palais in Konstantinopel die inzwischen rtent «.gelaufene Rechnung präsentieren. Dieses Mittel hinZsch bisher äußerst wirksam erwiesen, und noch immer m iifle die Türkei nachgeben. Die an Rußland zu zahlende SMgSe-tschädigung belief sich auf 32 Millionen Pfund und sollte in WO Jahresraten getilgt werden.
> allgemeinen ist Rußland in Geldangelegenheiten uernlid) tolerant, und es hat ja auch der Pforte gegenüber wi'ilgchlnde Rücksicht geübt; aber es ergibt sich hieraus für Roland eine ausgezeichnete Handhabe, das Abhängigkeits- nec^l.iiiS der Pforte zu verschärfen.
Rauh einer Meldung aus Konstantinopel hat Rußland der T Wki Neuerdings wieder eine scharfe Mahnung bezüglich der A »*oing der Entfchädigungsraten zugehen lassen und besteht ii :Ifkiil. ktlicher Regulierung derselben. Aller Wahrscheinlich- ke it nach hat der Zar wieder eine Forderung in petto, beoi Erfüllung dem Sultan schwer fallen dürfte. Au w'-öchem Gebiete diese Forderung zu suchen ist, entzieht sich Ural btir Kenntnis; aber der Zar hat em fühlendes Herz füfcdn» große Zahl christlicher Untertanen bed Sultans, uiEtttf ist nicht unmöglich, daß er den Padifchah an die
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