Ausgabe 
13.10.1899 Erstes Blatt
 
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Nachmittag wurde der 'er Militär-Intendantur ie am Fuße der Felsen «elmShöhe aufgesunden. war seit längerer Zeit n hiesiger Stadt durch istersteUe soll baldigst n. Das penßonssähige tigend, von drei zu drei stbetrage von 3800 Mk., t pensionsfähigen Werte em find mit der Stelle lenfionsfähige Nebenein« tandeSbeamter kleinerer

blieben sein soll. Aus Verzweiflung hierüber beschlossen die Liebenden, gemeinsam in den Tod zu gehen.

* Spandau, 11 Oktober. Wegen Brandstiftung verhaftet wurden die 24 jährige Verkäuferin Bertha Sarg atz, sowie deren Geliebter, der 25 jährige Photograph und Clavierspieler Schern er. Es bestand von vornherein der dringende Verdacht, daß beide einen größeren Laden­brand angelegt haben, der in der Nacht die Thätigkeit der Spandauer Feuerwehr längere Zeit hindurch in Anspruch Nahm und dessen Verlauf es durch Gefährdung der in den oberen Etagen des Hauses befindlichen Personen zu auf­regenden Scenen kam. Die Sargatz und Scherner haben das Verbrechen begangen, um von der ersteren zu Gunsten ihres Geliebten begangene Unterschlagungen, die gegen 1000 Mark betragen sollen, zu verdecken.

* Münster i. W., 11. Oktober. Die Pianoforte« Fabrik von Knake steht in Flammen. Die Werk­stätten sind zerstört. Zahlreiche Arbeiter werden beschäf­tigungslos. Die Fabrik war erst kürzlich bedeutend er­weitert worden. Der Inhaber befindet sich auf einer Reise in England.

* Dortmund, 11. Oktober. Unter Vorsitz des Pfarrers Lic. Weber tagte hier die Konferenz der deutschen Sitt­lich keil Sv e reine. In der öffentlichen Versammlung wurde u. a. folgender Beschlußantrag angenommen:Die Versammlung spricht ihr tiefes Bedauern über die in der Gerichtsverhandlung gegen den Klub der Harmlosen zutage getretene Leichtfertigkeit der sittlichen Anschauungen aus, und.protestiert mit allrr Entschiedenheit dagegen, daß die sogenannten noblen Passionen der Trunksucht, des Spiels und der Unzucht sich irgendwie mit dem Ehrbegriff eines deutschen ManneS vertragen."

* Stettin, 11. Oktober. Bei einem Duell zwischen einem Artillerie-Leutnant und einem zum2.Art.-Regt. kommandierten chilenischen Hauptmann wurde dem Berl. Lokalanz." zufolge der Leutnant durch einen Schuß in den Hals lebensgefährlich verwundet. Zu dem Duell erfährt genanntes Blatt noch, daß der chilenische Haupt­mann, der Kapitän Larenas sein dürfte. Larenas weilt seit zwei Jahren in Deutschland. Seit einem Jahre be­findet er sich in Stettin, wo er behufs seiner weiteren Aus­bildung dem 2. Artillerie-Regiment zugeteilt ist. Mit ihm zugleich ist ein Leutnant der chilenischen Armee demselben Regiment attachiert worden. Der Berliner Gesandte Chiles, der von dem Duell bisher noch keine Kenntnis gehabt hatte, machte kein Hehl daraus, daß er den Vorfall, was auch immer die Veranlassung gewesen sein mag, schmerzlich em­pfinde und tief beklage. Larenas, ein eleganter, fein gebildeter Offizier, steht im dreißigsten Lebensjahre.

* Trier, 10. Oktober. Der schon mehrere Jahre hier in Garnison liegende Stamm des Artillerie-Regiments von Holtzendorff wurde durch die Vereinignng mehrerer Abteil­ungen aus verschiedenen anderen Garnisonen zu dem Feld­artillerie-Regiment Nr. 44 neu gebildet. Das Re­giment wird fortan unsere Stadt als dauernde Garnison erhalten. Dieser Tage fand nun im Hofe der Maximin- kaserne die feierliche Begrüßung des neuen Regiments sei­tens des Divisionskommandeurs Generalleutnant Freiherr v. Schlotheim und des Oberbürgermeisters de Nys inmitten des anwesenden Stadtverordneten-Kollegiums statt.

* Görlitz, 11. Oktober. Eine zahlreich besuchte Ver­sammlung beschloß die Errichtung eines Bismarckturmes auf der Landeskrone.

* München, 11. Oktober. DerHochwasserschaden in der Stadt München ist nun amtlich mit 2*/? Mill. Mark festgestellt worden. Davon treffen auf die Schäden, die Privatpersonen erleiden, nur 26000 Mark, das Uebrige fällt der Stadtgemeinde als solcher zur Last. Dazu kommen noch größere Wasserbauten, die als Vorbeugung für spätere Hochwasser nötig sind. Die Kammer der Reichs rät e stimmte einem unverzinslichen Darlehen und einer Zuschußgewährung, vorläufig bis zu 3 Millionen, für die Hochwasserbeschädigten zu.

* Dresden, 11. Oktober. Bei einem Brande in einer Wohnung im dritten Stockwerk des Hauses Hechtstraße 65 sind drei in der Wohnung eingeschlossene Knaben 5, 3 und P/4 Jahre alt, während der Abwesenheit ihrer Mutter erstickt.

* Mannheim, 11. Oktober. Der hiesige Stadtrat hat sich in seiner letzten Sitzung mit der unserer Stadt drohenden Gefahr der Verlegung der Maschinen­fabrik des Geh. Kommerzienrats Lanz beschäftigt und beschlossen, den Wüuschen desselben zu entsprechen, um die Verlegung der Fabrik zu verhüten. Diese Wünsche erstrecken sich in der Hauptsache auf die Verzichtleistung auf Straßen, welche die Stadt durch das Lanz gehörige Fabrikterrain legen wollte, und die bereits zur Ausführ­ung vorgesehen waren. Der Stadtrat beschloß, die Beseitigung dieser Straßen aus dem Ortsbauplan zu ver- anlaffen, jedoch unter der Voraussetzung, daß Lanz seine geplanten Fabrikerweiterungen in Mannheim zur Ausführung bringt.

* Konstanz, 10. Oktober. Eine hervorragende Leistung auf dem Zweirad vollführte die Tourenfahrerin Frau Ingenieur Seifert, Mitglied des Veloklubs Konstanz, am 22. September. Sie verließ Konstanz früh 4 Uhr und fuhr Lber Radolfzell, Stockach, Ueberlingen, Meersburg, Fried­richshafen, Linda, Bregenzg, Rheineck, Rorschach, Romans­horn, Konstanz, Ermatinen, Stein, Mangen, Moos, Radolf­zell wieder nach Konstanz zurück, woselbst sie abends 8,55 ankam; sie fuhr also um den ganzen Bodensee, d. h. 295,3 Kilometer an einem Tage.

* Straßburg (Els.), 11. Oktober. Unter den Mann- fchaften des Infanterie-Regiments Nr. 132 ist der Typhus auSgebrochen.

* Wien, 11. Oktober. Einem bestimmt anftretenden Gerücht zufolge soll die eigene Mutter der Hrnza in Polna ihre Mörderin sein.

* Budapest, 10. Oktober. Demonstrierende Stu­denten. Ein häßlicher Streit in den akademischen Kreisen Budapests, eine Affaire, wie sie in der ungarischen Haupt­stadt nicht gerade zu den seltenen Vorkommnissen gehört, setzt dort jetzt wieder die Gemüter in Erregung. Seit einigen Tagen macht nämlich folgende Affaire hier großes Aufsehen. Gegen den Geschichtsprofessor am Franz Josef- Jnstitut (das Institut ist eine Mittelschule), Otto Varga, machte der Direktor Michael Demeczky Anzeige, daß Varga während des Vortrages vor Schülern sich einer Majestäts­beleidigung schuldig machte. Varga wurde demzufolge vom Unterrichtsminister suspendiert und es ist eine Disziplinär- Untersuchung eingeleitet worden. Mittlerweile wurden gegen Demeczky Angriffe gerichtet, die immer heftiger wurden, des Inhalts, daß dessen Anzeige nicht richtig sei, daß er fünf Schüler insgeheim aufgefordert habe, Spitzeldienste zu leisten und von diesen die Anzeige habe unterschreiben lassen. Zahlreiche ehemalige Schüler Vargas gaben Er­klärungen ab, daß Varga in seinen Vorträgen immer patriotisch und unparteiisch gewesen, und daß die gegen ihn erhobenen Verdächtigungen unwahr seien. Heute versammelten sich zahlreiche Hochschüler im Lehrsaale der Universität, wo Demeczky als Privatdozent höhere Mathematik vorträgt, um gegen ihn zu demonstrieren. Demeczky, der hiervon Kenntnis erhielt, erschien jedoch nicht. Hierauf zogen an 1000 Studenten nach Ofen zum Franz Josef-Jnstitut, wo Demeczky wohnt, brachen vor dem Gebäude in ohren­betäubende Demonstrationen aus, stürmten sodann in den zweiten Stock des Gebäudes, wo sich die Direktionskanzlei befindet, und schlugen dort Fenster ein. Die Zöglinge des Instituts verließen die Lehrsäle, mischten sich unter die Demonstranten und brachen mit diesen in Ovationen für Varga aus. Ein Professor, der für den Direktor sprechen wollte, wurde überschrieen. Die Demonstranten zogen sodann vor die Wohnung Vargas, demselben große Ovationen bereitend. Varga dankte und bat die jungen Leute, ruhig auseinander zu gehen, da eine Demonstration in gewissen Kreisen mißliebig aufgefaßt werden könnte. Nachdem die Jugend ihn ihrer Liebe und Ehrfurcht versicherte, löste sich die Versammlung auf. Der Verein der Mittelschul- Professoren richtete an den Unterrichtsminister eine Eingabe, wonach die unglaubliche Nachricht, daß Direktor Demeczky die Schüler aufgefordert hätte, gegen Professor Varga zu spionieren, Empörung und Unruhe bei den Professoren Hervorrufe. Der Verein ersucht den Minister dringend, in dieser Sache eine beruhigende Erklärung abzugeben.

* Triest, 11. Oktober. Die Polizei verhaftete einen angeblich schwedischen Ingenieur namens Schneider wegen Mädchenhandels. Drei Mädchen wurden srei- gelassen.

Gorichtssaal.

Darmstadt, 12. Oktober. Der heute morgen im Schwurgerichis- saale stattfindenden Verhandlung über die der »Frankfurter Zeitung", dem »Mainzer Journal" und de« »Mainzer Neuesten Nachrichten" bezw. deren verantwortlichen Redakteuren Alexander Giesen, Franz Heribert Koepgen und Botho Heribert Malten zur Last gelegten öffentlichen Beleidigung liegt die Anklage zu Grunde, zu Darmstadt und anderen Orten durch Aufnahme bezw Veröffent­lichung eines Zeitungsartikels, den die Nr. 140 derFrankfurter Ztg." unter der ÜberschriftNeues zum Fall Küchler" im Mai l. I. gebracht hatte, den Justizminister Dittmar, die derzeitigen Mitglieder des Großh. Ministeriums und den Generalstaatsanwalt Dr. Schlippe, Beamte in Beziehung auf ihren Beruf, öffentlich beleidigt zu haben. Wie bekannt ist, will der durch Rechtsanwalt Muser vertretene Angeklagte Giesen den Wahrheitsbeweis für jene gröblichen, weder Maß noch Ziel kennenden Angriffe antreten und hat in voriger Woche umfangreiche Beweisanträge gestellt. Einen im Hinblick auf seinen angeblich schlechten Gesundheits­zustand anfang dieser Woche gestellten Antrag auf Vertagung hat das Gericht abgelehnt. Bisher ist ein neuer Vertagungsantrag nicht eingelaufen, und die Verhandlung wird stattfinden, es müßte denn der Angeklagte Giesen durch sein immerhin mögliches Fernbleiben das Gericht zwingen, die Verhandlung wenigstens soweit sie ihn betrifft zu vertagen. In jenem Artikel derFranks. Ztg.", dessen Verfaffer bisher nicht ermittelt ist, dürfte der der Großh. Regierung gemachte Vorwurf des Verfaffungsbruchs es hieß:Die Regierung sei notorisch gewöhnt, die fundamentalsten Vorschriften der Verfassung schlank und frei zu über­treten" der schwerwiegendste sein. Weiter wurde behauptet, die Staatsanwaltschaft sei durchHöhere Weisung" verhindert worden, eine Anklage wegen Beihilfe zum Bankerott gegen den Landgerichtsdirektor Küchler zu erheben, die sie beabsichtigt habe und die von dem Unter­suchungsrichter und anderen Richtern als notwendig anerkannt worden wäre. Inwieweit nach anderen Behauptungen und Angriffen jenes Artikels die Schwere der Beleidigungen zu bemessen ist, wird sich bei Motivierung der Anklage im Laufe der Verhandlung ergeben Se. Kgl. Hoheit der Großh erzog soll die Mitglieder des Ministeriums von ihrer Pflicht zur Amtsverschwiegenheit entbunden haben. Von der Anklagebehörd^sind geladen die Herren Justizminister Dr. Dittmar, Exz., Oberstaatsanwalt Dr. Preetorius, General­staatsanwalt Geheimerat Dr. Schlippe. Die Verteidigung hat, wie schon gestern berichtet, ca. 40 Zeugen, zumeist Beamten, darunter den Herrn Staatsminister Rothe, Exz. geladen.

Berlin, 11. Oktober. Spieler-Prozeß. Bei Beginn der heutigen Verhandlung wurden verschiedene Zeugen vernommen, die nichts wesentliches auSsagen. Zeuge Graf Slofch bekundet, daß er in kurzer Zeit an Herrn v. Kröcher 25 000 Mark verloren habe. Die Begleichung dieser Schuld sei in zuvorkommendster Weife hinaus- geschoben worden. Zeuge hat sich bet seiner ersten Vernehmung dadurch beeinflussen lasten, daß ihm vom Untersuchungsrichter gesagt worden ist, es liege Falschspiel vor. Ein anderer Zeuge, ein Herr v. Andraeae, will an Herrn v. Kayser 10 000 Mark verloren haben. Der Angeklagte v. Kayser bestreitet das. Ein Zeuge Stern hat Dr. Kornblum einmal gesagt, daß v. Kayser ihm sehr verpflichtet sei. o. Kayser erklärt, daß Dr. Kornblum in seiner Phantafie sich dessen allerdings fälschlich gerühmt haben mag. Zeuge Leutnant a. D. v. Oetzel hat einmal 30000 Mark an v. Kayser und Schachtmeyer verloren. Er schuldet Herrn v. Kayser noch 4000 Mark. Nach der Mittagspause wird der Untersuchungsrichter LandgertchtSrat Herr über die von ihm angewandte Art der Vernehmung von einzelnen Zeugen befragt. Er bestreitet energisch, die Zeugen durch Behaupt­ungen wie die, baß bereits Falschsptel erwiesen sei, irgendwie beein­flußt zu haben. Unter den weiteren Zeugen befindet sich Graf Egloffstein, welcher vorgestern wegen Betruges zu 6 Monaten Ge­fängnis verurteilt worden. Er war Direkttons-Mitglied im Klub der Harmlosen. Zeuge schildert eingehend die Gründung deS Klubs und die bereits bekannten Vorgänge. Zeuge sagt, er sei sehr erstaunt gewesm, daß man die drei Angeklagten verhaftet habe, da, so lange er im Klub gewesen, sich nichts verdächtiges ereignet habe. Hierauf wird die Sitzung auf morgen früh vertagt.

München, 11. Oktober. Das oberste LandeSgericht hat in dem bekannten Waldprozetz d-S Frhrn. v. Thüngen gegen Vie Ge­

meinde Burgsinn in Unterfranken durch das heute publizierte Urteil dre Revision der Kläger Freiherren von Thüngcn gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Bamberg vom 15. Juni 1898 als unbegründet zurückgewiesen und die Kläger in die Kosten des Rechtsstreits ver« ^ieilt. Damit ist der strittige Waldbesitz der Gemeinde Burgsinn defimtrv zugesprochen und dieser 303jährige Prozeß endglltig beendet. Dre Familie v. Thüngen hat nun die enormen Kosten zu tragen.

. München, 10. Oktober. (Militärbezirksge richt.) Unter der Anklage militärische Aktenstücke und Urkunden be- schädrgt, beseitigt und vernichtet, sowie seine Dienstge­walt mißbraucht zu haben, hatte sich der Leutnant im königl. bayer. 11. Infanterie-Regiment und vormalige Adjutant beim königl. Bezirkskommando Straubing Heinr. Kellner vor den Militärgeschwo­renen zu verantworten. In den letzten drei Jahren war Kellner beim genannten Bezirkskommando als Adjutant zugeteilt, und hatte unter anderem auch die einlaufenden Unterstützungsgesuche zu bearbeiten. Am 27. Oktober 1898 war ein wiederholtes' Unterstützungsgesuch für den kaiserlichen Dispositionsfonds eingelaufen von der Maurerswitwe Gold- schmid von Furth. Sie bezog berei's eine laufende Unterstützung. Kellner behandelte das neuerliche Gesuch als ein erstmaliges. Als er darauf kam, nahm er das bereits von seinem Vorgesetzten, Oberstleut­nant Sternecker unterzeichnete Schriftstück aus dem Akt und verbrachte es in seine Wohnung, schnitt einen Teil des Schriftstückes ab samt der Unterschrift des Oberstleutnants und schrieb es bann um. Ein ab­schlägig beschiedenes Gesuch trug er erst später in den betreffenden Mili­tärpaß ein und zwar unter unrichtigem Datum. Die weitere Anschul­digung geht dahin, daß Kellner ohne hierzu berechtigt zu sein, über die ihm unterstellten Mannschaften Disziplinarstrafen verhängte; die Ein­träge im Strafbuche unterließ er. Auch ehrverletzende Beschimpfungen gegen seine Untergebenen soll Kellner sich zu Schulden haben kommen lassen. Kellner giebt die ihm zur Last gelegten Handlungen zu, ver­teidigt sich mit Ueberhäufung von Arbeiten; zur Verhängung von Strafen habe er sich in Abwesenheit des Kommandeurs für berechtigt geglaubt. Auf Grund des Wahrspruchs der Geschworenen wurde Kellner lediglich wegen Beschimpfung eines Untergebenen zu zehn Tagen Stuben­arrest verurteilt, im übrigen aber freigesprochen.

Halle a. S., 10. Oktober. Der Gutsbesitzer Hochheim- Schafstädt, der den Landwirt Bezold durch polnische Arbeiter in rohester Weise mißhandeln ließ, ist zu 6 Monaten Gefängnis ver­urteilt worden.

Breslau, 10. Oktober. Der gesamte Vorstand der hiesigen Weberinnung hatte sich wegen Untreue, begangen durch widerrecht­liche Verteilung von Jnnungsvermögen an die Mitglieder, vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten. Obermeister Brauner und Jnnungs- meister Werner erhielten je V/a Jahre, Werkmeister Hillebrand und Jnnungsmeister Breuer je 1 Jahr Gefängnis. Alle vier Beteiligten wurden sofort verhaftet. ___________________________________

Heer und Marine.

1870 Aufruf 1900« Der über ganz Deutschland ver­breitete Verband der Kriegsfreiwilligen von 18701871 (Sitz Berlin) läßt es sich angelegen sein, die Namen und näheren Adressen aller jener noch lebenden und bereits toten Mitkämpfer von 1870 71 (auch der Seelsorger, der Mitglieder der Sanitäts-Korps, der männ­lichen wie weiblichen Mitglieder der Johanniter-Kolonnen usw.) festzu­stellen, welche einst in hoher Zeit dem Triebe ihres Herzens folgend, nicht der Pflicht gehorchend, kriegsfreiwillig den großen Krieg mitgemacht haben. Der Schatzmeister des obigen Verbandes (Adresse Herrn Banquier Ernst Zeeden, Berlin W., Derflinger Str. 19a) nimmt, um allseitige Unterstützung dieses Vorhabens bittend, diesbezügliche, nähere Angaben dankend entgegen.____________________

Arbeiterbewegung.

Hanau, 11. Oktober. Auf Veranlassung der im Ausstand be­findlichen Maurer war für gestern abend eine Versammlung der Zimmerer einberufen, um letztere zu bewegen, mit den Maurern gemein­same Sache zu machen, also die Arbeit gleichfalls niederzulegen. Auf Seiten der Zimmerer war jedoch anscheinend keine Geneigtheit hierfür vorhanden. Eine von dem Referenten, einem Zimmerer aus Helden­bergen, eingebrachte Resolution, die das gemeinsame Vorgehen in sich schloß, fand nur wenige Anhänger, verschiedene Versammlungsteilnehmer hatten sich vor der Abstimmung entfernt, andere wieder enthielten sich der Abstimmung überhaupt.

. Leipzig, 11. Oktober. Die hier tagende Konferenz deutscher Stcinmetzgeschäfte beschloß, falls die Gehilfen bis Montag den neuen Lohntarif nicht anerkennen, eine Maffenaussperrung sämtlicher Stein­metzen in Sachsen und Thüringen vorzunehmen. Die Zahl der in Frage kommenden Steinmetzen wird über 20 000 betragen.

Hamburg, 11. Oktober. Die hiesige sozialdemokratische Partei beschloß, fernerhin keine Beiträge an die Centralkaffe in Berlin abzuliefern, bis das aus dem Hafenarbeiterstreik stammende Darlehen von 35 000 Mk. bei Auer u. Co. in Hamburg gedeckt sein wird.

Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in Gießen.

40. Woche. Vom 1. bis 7. Oktober 1899.

(Einwohnerzahl: angenommen zu 24 500 (tncl. 1600 Mann Militär).

SterblichkeitSziffer: 14,86, nach Abzug der Ortsfremden 6,36°/«.

Kinder

ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom

DiphtheritiS

1.Lebensjahr: 2.Ib.Jahrr

1 (1)

1 (1)

Influenza

1

1

Bruchleiden

1 (1)

1 (1)

_

Nierenentzündung

1

1

Krebs

1 (1)

1 (1)

- -

Diarrhöe

1

1

Ertrinken

1 (1)

1 (1)

Summa

7 (4)

5 (3)

1 1 (1)

Monat September

1899.

Keuchhusten

1

1

Unterleibstyphus

1 (1)

1 (1)

Wochenbettfieber

1 (1)

1 (1)

Lungenschwindsucht

Tuberkulose anderer

3 (2)

3 (2)

Organe

3

3

"

Lungenentzündung

1 (1)

1 (1)

Lungenkatarrh

2 (1)

2 (1)

Gehirnschlagfluß

2

2

Darmkatarrh

5

5 -

Atrophie

2

2

Bösart.Neubildungen 6 (5)

6 (5)

_

Verunglückung

11$

3 (3)

- 1

Andere Krankheiten

13 (5)

2 (1)

Summa:

46 (20)

35 (19)

10 (1) 1

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viels

der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach

Gießen gebrachte Kranke kommen.

Die Lose der 3. Wohlfahrts-Lotterie zu Zwecken der Deutschen Schutzgebiete sind erschienen. Selten hat eine Lotterie sich so rasch ein« geführt, wie eben die Wohlfahrts-Lotterie. Die edle Sache, für die der Ueberschuß aus der Lotterie dient, machen die Wohlfahrts-Lose zu einem beliebten Kaufartikel, zumal dabei auch recht ansehnliche Gewinne, wie 100,000 Mkark, 50,000 Mark, 25,000 Mark, 15,000 Mark, zweimal 10,000 Mark u. s. w., im ganzen 16,870 Geldgewinne mit 575,000 Mk. zur Verlosung gelangen. Bei letzter Lotterie war rasch ausverkauft, und es mußten schon mehrere Tage vor der Ziehung recht viele Bestell­ungen auf Lose unberücksichtigt bleiben Es ist deshalb zu empfehlen, Bestellungen auf Wohlfahrtslose ä Mk. 3,30 zur dritten Lotterie baldigst bei dem General-Debit Ludw. Müller u. Co., Bankgeschäft in Nürnberg und München, einzureichen, oder bei einer der bekannten LoSverkaufs- stellen am hiesigen Platze zu machen.