Ausgabe 
13.8.1899 Zweites Blatt
 
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Es war nachmittags, zur Vesperstunde, als ich nach etwa neunstündiger Fahrt in Wyborg anlangte. Ich suchte zunächst dasSocietetshus" auf und ließ mich deshalb vom Bahnhof durch die neuen Anlagen und die breiten, hübschen Straßen der Neustadt in die Altstadt fahren. DasSo­cietetshus" war indes besetzt, und ich mußte wieder zurück, um inBelvedere", dem in einem wohl gepflegten Parke an der Bucht von Wyborg belegenen Hauptvergnügungsorte der Wyborger, wo das stattliche Gebäude eine Restauration mit einem Logierhaus vereinigt, eine Unterkunft zu suchen. Ich that es nicht mehr wie gern, denn die Altstadt Wyborz, die allein von der alten Hanse- und Handelsstadt übrig geblieben ist, ist durchaus nicht anheimelnd: kleine, düstere Häuser, enge, schmutzige Straßen, russische Kirchen und jenerDunst aus der Tiefe", den ein Ort erzeugen muß, der außer mit Bauhölzern nur noch mit Theer, Talg, Fett, Butter, Eisen und Fischen handelt, all das treibt den Fremdling zurück. Hier hatte das Russentum unverkennbar schon Fuß gefaßt; das verriet der Geruch und das Aus­sehen der Altstadt und der Anblick breiter russischer Last­wagen mit den Krummhölzern über den Pferdeköpfen; das verrieten die russischen Trachten und Physiognomien. Und ich hatte die Einkehr inBelvedere" nicht zu bereuen. Freilich, teuer war es hier, sehr teuer, aber aus dem Gehege der Zähne des Wirtes, dessen spärliches Grauhaar ein gesticktes Mützchen, einCalottchen", bedeckte, tönten deutsche Laute, breite, sächsische Laute, und deutsch war die behagliche Einrichtung, deutsch die Gründlichkeit der Be­dienung und Schröpfung des Gastes. O Segen der deutschen Kultur! Ueberallhin sendet sie ihre Pioniere, die Gastwirte, aus, auf daß das im Mutterlande erworbene Geld der reisenden Stammesgenossen nicht in fremde Taschen fließe und heimatliche Laute, Eisbein mit Sauerkohl und echtes Bier den in die weite Welt Verschlagenen an das Vaterland erinnerten.

Von den Türmchen, dieBelvedere" zieren, genießt man einen hübschen Ueberblick über Wyborg; vor dem Be­schauer liegt die weite, klare Bucht von Wyborg mit ihrem regen Verkehr, im Hintergrund tauchen Felsen und Wälder auf; links erhebt sich auf einer Insel der Turm mit den Befestigungen des alten Schlosses von Wyborg, jetzt von Kasernen, Gefängnissen und russischen Soldaten besetzt; dahinter lassen blaue Hügel und laubbedeckte Anlagen

der Bürgerstand mit 36 und der Bauernstand mit 55 Mit­gliedern vertreten sind, und in der die Abstimmung nach Kammern geschieht, während in diesen letzteren selbst nach Köpfen abgestimmt wird; von dem Senate und den ihm unterstellten Behörden, die aus der Wahl der Kammern hervorgehen und die Executive im Lande bilden; von der Kontrolle der russischen Regierung durch den vom Zaren ernannten General-Gouverneur rc. Auch hier ward mir bestätigt, was ich schon in Helsingfors erfahren hatte, daß die Gleichberechtigung aller dem Nationalitätenkampfe zwischen Schweden und Finnen ein Ende gemacht habe, und daß das Land und seine Einwohner auch nicht daran dächten, ihre Verfasiung, ihr selbständiges nationales Schulwesen, ihre eigenen Einrichtungen im Post-, Münz-, Zoll- und Militärwesen, ihre auf altes schwedisches Recht begründete und zweckmäßig ausgestattete Rechtspflege den russischen Forderungen freiwillig zu opfern. Zwangsweise haben die Finnländer freilich schon manches von diesen Regalen auf­geben müssen, aber um so zäher halten sie am Reste fest, welcher ihnen immerhin noch eine gewisse Unabhängigkeit verbürgt. In der That, die von den russischen Zaren selbst auf den zwei berühmten Landtagen von Borgo (1809) und von Helsingfors (1863) dem Großsürstentum Finnland ver­liehene und gemeinsam mit den Ständen ausgearbeitete Verfassung mit dem periodisch wiederkehrenden Landtage hat den Einwohnern eine derartige Selbständigkeit und ein der­artiges nationales Empfinden eingeimpft, daß par ordre du Tsar hieran schwerlich etwas geändert werden wird. Und wenn ich der Mitteilungen des alten Landpfarrers, der kurz vor Wyborg von mir mit einem freundlichen Händedrucke Abschied nahm und des Liedes gedenke, das mir allenthalben im Lande entgegengeklungen ist, des Liedes:

O Land, du Tausend-Seen-Land, Wo Sang und Treue wohnt, Du unsres Lebens sichrer Strand, Du Land der Väter, Zukunftsland, Vor deiner Armut dich nicht scheu, Sei frisch und froh, fei frei!"

so hege ich die Zuversicht, daß an den finnländischen Granit­felsen alle russisch-tatarischen Gelüste trotz aller Drangsale, die sie Den Einwohnern bereits gebracht haben und gerade jetzt aufs neue bringen, schließlich doch zu schänden werden müssen ....

daß sich gelegentlich der Reserve- und Landwehrübungen in diesem Frühjahre das bestätigt habe, was seiner Zeit das Kriegsministerium zu ernstem Widerstande gegen die Einführung der zweijährigen Dienstzeit bei der Infanterie veranlaßt hat. Die unter denselben Garnison- und sonstigen Dienstverhältnissen übenden Landwehrmannschaften, welche im allgemeinen noch eine dreijährige Ausbildung genossen hatten, überragten nicht nur in ihren Einzelleistungen, sondern besonders in denen im größeren Verbände bei weitem die Reservisten, die nur zwei Jahre gedient haben. Wenn hierbei auch nicht verkannt werden darf, daß für diese Ueberlegenheit der Landwehr moralische Gesichtspunkte insofern einen sehr großen Einfluß üben, als der meist selbständige, ältere, fast durchgängig verheiratete Landwehr­mann an seinen Dienst mit größerem Pflichtgefühl und Ernst wieder herantritt, als der meist noch unselbständige, unverheiratete, vor allem aber jüngere und leichtlebigere Reservist, so sind diese Einflüsse doch nicht so bedeutend (?), um allein die Mehrleistungen der Landwehrleute erklärlich zu machen. Man muß daher wohl zu der Ueberzeugung kommen, daß die Hauptschuld an dieser Erscheinung auf die verkürzte Dienstzeit allein zurückzuführen ist. Ist diese Er­fahrung bei allen Regimentern in gleicher Weise gemacht worden, so folgt daraus die zwingende Notwendigkeit, schon jetzt Vorsorge zu treffen, um das bei den Reservisten noch fehlende nachzuholen. Damit würde dann gleichzeitig er­reicht werden, daß die später zur Landwehr übertretenden Reservisten mit besserer Vorbildung zu den Landwehrübungen kommen. Dieses zu erreichen stehen drei Wege offen, nämlich: 1) Wiedereinführung der dreijährigen ' Dienstzeit. 2) Nachdienen derjenigen Mannschaften, welche in der ersten Reserveübung hinter dem Durchschnitt zurückstehen, 3) längere Dauer der einzelnen Reserve- bezw. nötigen Landwehr­übungen.

Ein Gericht in Mannheim sprach drei Zimmerleute, die angeklagt waren, sich bei Gelegenheit des dortigen Zimmerstreiks gegen § 153 der Gewerbeordnung vergangen zu haben, mit der Begründung frei, daß in dem Verhalten der Angeklagten keine Drohung im Sinne des Gesetzes sei. In dem Urteil wurde hervorgehoben, daß der Gesetzgeber durch die hohe Strafe, die für ein verhältnis­mäßig geringes Vergehen in der Gewerbeordnung vorge- sehen sei, den Gerichten die Pflicht auferlegt habe, derartige Fälle besonders genau zu prüfen und sich bei der Aburteil­ung in scharfen Grenzen zu halten.

Zur Eisenbahn-Dienst zeit schreibt dieT. R.": Die Eisenbahndirektion Halle a. S. macht bekannt:Nach­dem neuerdings auch in Halle und Kottbus der Dienst für das Rangierpersonal auf 12 Stunden ausgedehnt worden ist, setzen wir voraus, daß diese Anordnung nunmehr für sämtliche Bahnhöfe, auf denen bisher ein achtstündiger Rangierdienst eingerichtet war, durchgeführt ist. Sollten trotzdem noch Abweichungen bestehen, so sind diese sogleich zu beseitigen oder etwaige Hinderungsgründe einzuberichten. Weiter machen wir darauf aufmerksam, daß eine demnächst etwa für notwendig zu erachtende Abkürzung der Dienst­dauer nur im Rahmen der vorgesehenen Kopfzahl und nur nach diesseitiger vorheriger Genehmigung geschehen darf." Sollten Staatsbetriebe nicht soziale Musteranstallen sein?

Auf das Treiben der gewerbsmäßigen Streikagitatoren wirft neuerdings ein in den Ber­liner Bauarbeiterkreisen großes Aufsehen erregender Fall ein grelles Licht. Alserster Vertrauensmann der Maurer

drückte er seine Sympathie für den Adel und das Volk Hannovers aus und versicherte, daß alles geschehen werde, um die Anhänglichkeit an die Dynastie, die man in Preußen sehr zu achten wisse, zu respektieren; es sei schlimm, daß der König Georg so schwer zugänglich sei und sich voraus­sichtlich auf kein Arrangement hinsichtlich seines Vermögens sowohl, als auch hinsichtlich des Entbindens vom Huldigungs­eide einlassen würde.

Pastor D. theol. v. Bodelschwingh hat der Hilfe" aus Bad Gastein folgende Mitteilungen gemacht: Ihre Anfrage in betreff des Kaiserbesuchs in Bielefeld vor zwei Jahren ist mir hierher nachgefolgt, und ich stelle aus meiner Erinnerung folgendes so gut ich kann sest: In der That tobte in jenem Frühling in Bielefeld eine heftige Strikebewegung unter den Bauhandwerkern, die insofern auch speziell gegen uns gerichtet war, als in einer öffent­lichen Strikeversammlung der Beschluß gefaßt wurde, es dürfe unter keinen Umständen ein Vereinshaussaal, den wir für unsere Kranken bauten, fertig gestellt werden, weil wir in demselben unser Kaiserpaar empfangen wollten. Dennoch wurde durch wenige treue Leute, die zu uns hielten, der Saal fertig. Ich gebe zu, daß die Tyrannei seitens der Strikcnden härter war, als der gesetzliche Schutz, der den Arbeitswilligen gewährt wurde oder auch vielleicht gewährt werden konnte. Doch habe ich darüber beim Kaiser keine Klage geführt. Vielleicht ist es aber von anderer Seite geschehen. In Wilhelmsdorf gab es dann vor der Thür des Desinfektionsofens zur Reinigung der Kleider der Arbeiter ein etwas lebhaftes Gespräch, das ungefähr so verlief. Einer der anwesenden Herren äußerte sich dahin, daß der richtige Strolch sein Ungeziefer wohl gar nicht los werden will.' Der Kaiser ergriff die Gegenpartei und sprach sich durchaus freundlich im Sinn der arbeitslosen Wanderer aus. Ich stimmte ihm bei und ließ hierbei in Erinnerung der schweren Not, die wir die letzten Wochen durchgemacht hatten, die Bemerkung fallen, daß viele Arbeiter von Herzen gern arbeiten möchten, wenn ihnen nur der nötige Schutz gewährt würde. Es ist wohl zweifellos, daß aus diesen Worten der Kaiser seinen Anlaß zu der Sparrenburger Rede genommen hat, die übrigens in ihrem Zusammenhang viel arbeiterfreundlicher geklungen hat, als sie später ausgedeutet ist. Er verlangte Schutz für volle nationale Arbeit und strenge Bestrafung aller derer, die solche Arbeit störten. Daß aus diesen meinen hingeworfenen Worten das sogen. Zuchthausgesetz" entstanden sein soll, muß ich entschieden bezweifeln. Hier müssen andere Faktoren mitgewirkt haben. Das Wort des Kaisers konnte ebenso gut für und wider Arbeitgeber wie Arbeitnehmer gedeutet werden. Ich würde für meine Person, wenn eine neue Gesetzvorlage kommt, am allermeisten dafür sein, daß bei Strikes ein Zwangs­verfahren aufgerichtet wird, welches Arbeitgeber und Arbeit­nehmer gleichzeitig nötigt, vor einem Schiedsgericht zu er­scheinen und Frieden zu machen. Die jetzigen halbierten Maßregeln halte ich in der That für unbarmherzig, aber das Gesetz darf nicht einmal den Schein haben, als ob es einseitig gegen die Arbeiter gerichtet wäre. Auf welcher Seite das größere Unrecht liegt, ist in vielen Fällen schwer zu entscheiden; und darum sind jene unparteiischen Schieds­gerichte durchaus nötig.

Auffallend ist ein Artikel derSchlesischen Ztg." über diebisherigen Erfahrungen mit den Ue- bungen des Beurlaubtenstandes" ausmilitärischer Quelle". Es heißt da, es unterliege wohl keinem Zweifel,

Monrepos" und seine Schönheiten ahnen; und wendet man sich, so fliegt der Blick über die schmale, felsige Halbinsel hinweg, auf der die Altstadt liegt, hinaus in das Jnsel- gewirr und die Kanäle der Wyborger Skären bis zum hellen, blauen Wasser der Rhede von Trangsund, dem Außenhafen Wyborgs ein malerischer Anblick! . Meines Bleibens in dieser Stadt war trotzdem nicht lange: Handel und Wandel kleiner Hafenstädte, die noch dazu den Mittelpunkt einer russischen Militärverwaltung bilden, sind nicht nach meinem Geschmacke, und ich beschloß, als mich abends die Töne der Militärkapelle, die inBelvedere" konzertierte, einlullten, nur noch des MorgensMonrepos" zu besuchen und gegen Mittag des folgendes Tages fortzudampfen weg von Wyborg, hinaus in den Saima-Kanal. Aber fast hätte ich am nächsten Tage meinen Plan geändert, überwältigt von den ZauberreizenMonrepos", des schönsten Fleckens Erde, den mein Fuß je betreten.

Glutrot tauchte die Sonne aus dem finnischen Meer­busen auf, als ich mich auf den Weg nach SchloßMon­repos" machte. Die Chaussee führte an dem finsteren Wyborger Schlosse vorüber, das mit seinen auf den Wällen wandelnden russischen Schildwachen wie eine Zwingburg von der Insel herüberschaute, einem kleinen Wäldchen zu. Nach einer Wanderung von etwa 20 Minuten überschritt ich eine Brücke und geriet in kühlen Waldesschatten, aus dem eine schöne Lindenallee zu den Thoren und weiter ms Innere des auf einer langgestreckten Felseninsel liegenden, dem Baron Nikolai gehörigen Schlosses führte. Ein kleines Eintrittsgeld hatte mir am Thore den Zugang eröffnet, und ich fühlte mich bald wie in einen Zaubergarten versetzt. Aus Baumgruppen und Blumenbeeten schaute das stattliche SchloßMonrepos" hervor, rechts aber schnitt eine Bucht tief in den Schloßpark hinein und gewährte einen herrlichen Ausblick auf klares, spiegelglattes Wasser und waldbekränzte Granitinseln. Ich stand vor einem stolzen Obelisken, den bei Austerlitz und Kulm gefallenen Herzögen von Broglw, Verwandten des Besitzers, errichtet; links und rechts er­hoben sich Felsengruppen, schattige Gebüsche, lauschige Gänge und Lauben, tiefe Grotten mit murmelnden Quellen, aus denen winzige Bächlein wie Silberschlangen durch das Gestein und den grünen Rasen rieselten, ausgedehnte Walo- partien, in denen das dunkele Grün der Nadelbäume und Eypressen mit dem hellen Laube gewaltiger Eichen, Linden,

Deutschlands" (lokaler Richtung) fungierte seit einiger Zeit ein radikaler Sozialdemokrat. Dieser Genosse hat das Kunststück fertig gebracht, Steikhetzer und Streikbrecher in einer Person zu sein. Er war es, der die Fliesenleger, seine engeren Berufskollegen, aufwiegelte und in den Streik trieb, der bekanntlich für die Ausstündischen ohne jeden Er­folg endete. In einer der Streikversammlungen drang der Betreffende darauf, daß die Forderungen unter allen Um­ständen durchgesetzt würden, eine ablehnende Antwort müßte mit Sofortiger Arbeitsniederlegung beantwortet werden. Die Forderungen wurden als unberechtigt abgewiesen, die ver­hetzten Fliesenleger traten in Streik, während der ©treib apostel selbst zu den alten Bedingungen weiter arbeitete und ruhig zusah, wie seine Kollegen auf sein Betreiben Lohn und Brod verloren. Als die Sache ruchbar wurde, mußte der arbeitswillige Aufwiegler ^sein Amt niederlegen, und in einer Versammlung, die über ihn zu Gericht saß, sich wenig schmeichelhafte Bezeichnungen gefallen lassen. Es handelt sich dabei durchaus um keinen Einzelfall, die Sache erscheint vielmehr typisch für eine gewisse Sorte sozialdemokratischer Agitatoren. So wurde vor einiger Zeit festgestellt, daß der Referent in einer sogen. Maiversammlung, der fürvoll­ständige Arbeitsruhe am 1. Mai, als die einzige würdige Demonstration", eingetreten war und jeden, der anderer Meinung war und nutzlose Maßregelungen vermeiden wollte, alsVerräter an der Arbeitersache" bezeichnete, selbst am Weltfeiertag" ganz ungeniert durchgearbeitet hatte.

lieber einen Aerztestrike in Sachsen weiß derVorwärts" zu berichten: Bekanntlich hat Sachsen vor einiger Zeit Aerzte-Zwangsinnungen geschaffenzur Hebung des Standesbewußtseins". In Uebereinstimmung mit ihren Kollegen im Reiche streben sie danach, auch von den Kranken­kassen Gebührensätze nach den Mindestsätzen der ärztlichen Gebührentaxe, das ist 1 Mk. für die einfache Konsultation, zu erlangen, Sätze, von denen die Kassen-Verwaltungen behaupten, daß sie dabei mit den bisherigen Beiträgen nicht existieren könnten. Als seinerzeit bei Schaffung des Ge­setzes über die ärztlichen Bezirksvereine von Vertretern der Krankenkasse darauf hingewiesen wurde, daß die Vereine ihre durch das Gesetz ihnen gewährte Macht dazu benützen würden, den Krankenkassen unerfüllbare Bedingungen auf­zuerlegen, gab die sächsische Regierung die Versicherung, daß sie das keineswegs wünsche, und daß sie solchen Be­strebungen entgegentreten würde. Nach Votierung des Ge­setzes wurde dann im Verordnungswege noch eineStandes- ordnung", dazu erlassen und diese benützen jetzt die Aerzte in der That in der befürchteten Weise gegen Krankenkassen. Sie verbieten ihren Mitgliedern, mit einer gewissen Kasse Verträge abzuschließen, weil sie die erwähnten Forderungen nicht erfüllen will. Der Bezirksverein Dresden-Land droht Zuwiderhandelnden Mitgliedern sogar mit der Einleitung des ehrengerichtlichen Verfahrens. Das Interessante an dem Falle ist nun die Thasache, daß es sich um die Kasse eines großen Staatsbetriebes handelt, nämlich um die ge­meinschaftliche Betriebs-Krankenkasse der sächsischen Staats- eisenbahnen, in Deren Vorstand die Verwaltung der sächsischen Staatseisenbahnen maßgebend ist. Ein Blatt, das tag­täglich gegen Ausbeutung und für anständige Bezahlung der Industriearbeiter auftritt, das den Vorteil vereinter Kräfte, wenn diese sozialistischen Zwecken dienen, nicht hoch genug anzuschlagen weiß, sollte sich doch nicht scheuen zu sagen, daß ein Preis, der nicht selten der Leistung eines Be­dienten gewährt wird, kein angemessenes ärztliches Honorar

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