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Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle tu sich«
18. Woche. Vom SO. April bis 6. Mat 1896.
(Einwohnerzahl: angenommen -u 24 500 (tocl. 1600 Marm MEr) Sterblichkeit-Mer: 21,22, nach Abzug der Ortsfremde» K,88Q/co
Eine ganze Anzahl gemeinnütziger Unternehmungen verdankt ihm ihr Bestehen. Seine bekannteste Gründung ist in Stettin die Anstalt „Bethanien".
— Aus Sch antung. Aufsehen erregt die Meldung aus Peking, daß chinesische Truppenbewegungen gegen Schantung stattfinden. Nähere Nachrichten über Umfang und Zweck dieser Maßregeln liegen an Berliner amtlichen Stellen noch nicht vor, man ist aber keinesfalls geneigt, diesen militärischen Operationen irgend einen für die deutschen Interessen bedenklichen Charakter beizulegen. Man weiß uicht, ob die Chinesen einem etwaigen Vordringen ausländischer Truppen Widerstand leisten oder nur an der Grenze eine genügende Anzahl disziplinierter Regimenter konzentrieren wollen, um strenge Ordnung unter der Bevölkerung zu halten und so die Deutschen des Vorwandes der Ruhestörungen für eine weitere Vorschiebung der Truppen in das Innere des Landes zu berauben.
Saarbrücken, 10. Mai. Der Strike in Lothringen gewinnt an Ausdehnung. Die Belegschaft der der Saar- und Mosel-Bergwerksgesellschaft gehörenden Gruben in Spittel-Karlingen fordert Lohnerhöhungen. Falls dieselben nicht bewilligt werden, wird der Strike sofort erklärt. Die Delegierten des Sozialisten-Verbandes werden heute abend eine Versammlung in Spittel abhalten und in derselben für den Strike eintreten, zu dem die Arbeiter auch entschlossen i sind. Der durch den Strike in Klein-Rosseln eingetretene Kohlenmangel macht sich bereits in den Reichslanden bei der dortigen Industrie fühlbar.
Stuttgart, 9. Mai. Heute vormittag sand die Beerdigung des verstorbenen kommandierenden Generals des 15. Armee-Korps, Freiherrn v. Falken st ein, unter großer Teilnahme der Bevölkerung auf dem Pragfriedhofe statt. Die Leichenparade kommandierte Generalmajor v. Hiller. I Der König sowie sämtliche Prinzen und als Vertreter des Kaisers Generalleutnant Freiherr v. Falkenhausen wohnten I der Feier bei. Die Predigt hielt Feldprobst Blum.
Summa: 10 (2) 8 (2) — 2
31 nm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie vtela der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts vs« Gießen gebrachte Kranke komme».
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I der Sache vor die hiesig- Strafkammer verfügte Di- s finge gmg dahm, daß Hessemer in den letzten Jahren » Bevollmächtigter der Stadt Mainz de, ihm X Beamten und insbesondere seinem Sohne Vorteile in t schaffen suchte, indem er unbefugt und rechtswidria der V-i Aur Verfügung stehenden Kredite „für Unterhaltunaskot.'
I und Installation" Remunerationen zugewiesen habe
I . umfangreichen Zeugen-Vernehmungen, Beamten V' I Mainzer Gaswerks und Stadtverordneten von Mainz ait* hervor, daß Hessemer für die ihm unterstellten Beam^ deren Arbeitslast sich mit dem Wachsen des Mainzer Z Werks verdreifacht hatte, von der Stadt Geha^erhöbuno, für dieselben beantragt hatte, welche die Stadtverwalwy ludes abgelehnt hatte. Hessemer will daher die von itJ gewährten Remunerationen lediglich nur als Vergütung für die von betreffenden Beamten geleisteten außeraewöbn^ häuslichen Arbeiten gewährt haben. Das Reichenck hatte ebenfalls dahin entschieden, daß dieser Umstand der Mainzer Strafkammer bei seinem Urteil nicht qenita berücksichtigt worden sei. Der als Sachverständiger.7 wesende Direktor des Darmstädter Gaswerks Herr Frieds
I stellte fest, daß es im allgemeinen geübt werde, daß I amten für außergewöhnliche Thätigkeit Renumerationrn u I währt, und daß diese aus gemachten Ersparnissen in tii | seinen Positionen des Budgets entnommen würden. Dv I Rechtsanwälten vr Schmidt und Goldschmidt war es nach diät
Sachlage nicht mehr schwer, den Gerichtshof von der Nichts^ des Direktor Hessemer zu überzeugen. Nach kurzer Berats verkündete der Vorsitzende der Strafkammer Landgericht Direktor Herzberger das Urteil dahingehend, daß der Sn geklagte von der Anklage der Untreue vollständig freiu sprechen sei und daß die Gerichtskosten der Staatskasse w Last fallen. Die Verteidigungskosten muß Direktor Hessenm tragen. Bei der Urteilsfällung war das Gericht von da Erwägung ausgegangen, daß heute nicht zu entscheiden sei ob der Angeklagte vollständig korrekt gehandelt hatte, sondern e§ sei nur zu entscheiden, ob eine strafbare Handlung, i«j- besondere Untreue, vorliege. Daß der Angeklagte all
। Direktor des Gaswerks und als Bevollmächtigter der Stabt Mainz berechtigt und rechtlich befugt gewesen sei, Mr anzuweisen, sei außer Zweifel. Weiter sei noch zu erwägen, ob durch die betreffende Handlung der Stadt Mainz ei, Schaden erwachsen sei und ob der Angeklagte diesen Nachteil wollte. Aus der Zeugenvernehmung gehe hervor, daß die Remunerationen für der Stadt Mainz geleistete außer ordentliche Dienste gezahlt worden seien, wenn auch bei Angeklagte versäumt habe, eine genaue Kontrolle über diese Arbeiten zu führen. Weiter falle ins Gewicht, daß der Angeklagte vollständig offen gehandelt habe, und es könne auch nicht zu seinen Ungunsten entschieden werden, daß ei die Remunerationen auf ein anderes Konto anwies. Weiter spreche noch, daß, Hessemer lange Jahre bei einer Gesell- ichaft thätig war, wo er vollkommen selbständig handelte und dieses bei der Stadt sortsetzte. Der Verhandlung, welche den ganzen Vormittag in Anspruch nahm, wohnte ein zahlreiches Publikum bei.
Mainz, 8. Mai. Sportsnotiz. Im Vorgabefahren für Berufsfahrer entwickelte sich gestern beim Ent- scheidungslauf ein interessanter Kampf, aus dem JörnS auf „Kayser"-Rad als Sieger hervorgmg gegen den Frankfurter F. Verhetzen und gegen C. Camp, London-Mainz. - Auch aus Oldenburg wird ein „Kayser"-Sieg gemeldet, idi im Mehrsitzer-Vorgabefahren ein „Kayser»"Tandem in Überlegener Weise den 1. Preis gewinnt.
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Wien, 10. Mai. Trotz fortgesetzten Regens- wird aus den oberen Donau-Gegenden ein Sinken der Donau und ihrer Nebenflüsse gemeldet, sodaß die Überschwemmungsgefahr für Wien als beseitigt gelten kann. Die Meldungen aus Nieder-Oesterreich lauten trostlos. Viele Ortschaften sind überschwemmt, und die Bewohner konnten sich nur durch schleunige Flucht vor dem Ertrinken retten. Der Schaden auf den Feldern ist ein enormer. Die Ernte-Aussichten sind beinahe vollständig geschwunden,
Rom, 10. Mai. In Pelloux nahestehenden Kreisen wird versichert, das neue Kabinett sei gebildet. Pelloux übernehme Präsidium und Inneres, Visconti Venosta Aeußeres, Salandra Schatz.
Paris, 11. Mai. Gestern abend fand in dem großen Saale der Loge des französischen Groß-Ordens eine Haupt- Versammlung statt, in welcher mehrere Mitglieder der Akademie, Professoren, Politiker und Journalisten auftraten, um in heftigen Reden, manche auch unter Drohungen, die sofortige Freilassung Picquarts zu fordern. Die meisten Redner stellten fest, daß die Revision des Dreyfus- Prozeffes bei der öffentlichen Meinung bereits eine vollzogene Thatsache fei. Auch wurde die Regierung darauf aufmerksam gemacht, daß nach der Revision des Prozesses eine revolutionäre Bewegung ins Leben gerufen werde, um die wirklich Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen.
Frankreich. Allmählich nähert sich endlich der Zeitpunkt, wo der Beschluß des Kassationshofes über die Frage der Wiederaufnahme des Dreyfus -Verfahrens gefällt werden soll. In der Sitzung, die der neugebildete Ausschuß jenes Gerichtshofs am Dienstag abhielt, teilte Ballot- Beaupr6 mit, daß fein Bericht abgeschlossen sei und er denselben nur noch durchzusehen habe. Nach Beginn der öffent- , lichen Verhandlung würden die Sitzungen ununterbrochen I andauern, einschließlich Sonntag, den 4. Juni, falls dies notig fei. — Der „Figaro" seinerseits will mit einer neuen Veröffentlichung herausrücken. Er teilt nämlich mit, daß er neben seinen eigenen, die Akten des Kassationshofes vervollständigenden Schriftstücken eine zusammenfaffende Ueber- ffcht zum Abdruck bringen werde, welche sich auf die durch die Untersuchung des Kassationshofcs enthüllten Tatsachen stützen werde. Diese Arbeit, sagt der „Figaro", werde ganz sicher große Aehnlichkeit mit dem Bericht Ballot-Beanpres ^aben, da sie sich auf die gleichen Urkunden stütze. In I dieser Veröffentlichung fänden alle diejenigen Schriftstücke und geheimen Akten des Kriegsministeriums und des I Ministeriums des Aeußeren Platz, die ohne Verletzung der Interessen der nationalen Verteidigung mitgeteilt werden I könnten, ferner eine Anzahl Urkunden aus den Untersuchung^ aften der Kriminalkammer, die noch nicht veröffentlicht worden feien. — Derjenige Teil des französischen Publikums, der an der Dreyfussache noch nicht allen Geschmack verloren hat, kann sich also auch noch die Pfingsttage durch die da- witt verknüpften Skandalgeschichten würzen lassen.
— Einer Pariser Blättermeldung gegenüber, daß I Marchand auf dem Wege von Harr ar nach Dschibuti er- I abC-n CrlIärt .bic "Agence Havas", daß auf bem Ministerium der Kolonien keine Nachricht hierüber ein- I getroffen sei. * |
c m Mai- In dem gestrigen Kronrate unter
dem Vorsitz Salisburys wurde beschlossen, aeaenüber Transvaal auf dem bisherigen Standpunkte unb^ngt zu "Karren, da nur auf diese Weise für die Glauber »L gestandmsse zu erwarten sind. ° I
Hessischer Landtag.
Zweite Kammer der Stände.
nn. Darmstadt, 10. Mai 1899.
Die Sitzung wird um «/,10 Uhr durch Präsident Haas eröffnet. Am Ministertisch das gesamte Justizministerium
I Die Beratungen über das Ausführungsgesetz Murn Bürgerlichen Gesetzbuch werden fortgesetzt. I In Abwesenheit des Berichterstatters Abg. Schmitt wird mit dem Art. 135 fortgefahren. Dieser, sowie die Art. 136 bis ly? werden ohne wesentliche Debatten nach den Ausschußanträgen angenommen. Für die Artikel 198—253 I ist Abg. Schmitt ebenfalls Berichterstatter. Doch wird zur Beratung derselben geschritten, nachdem sich Abg. Schmeel I bereit erklärt hat, erforderlichen Falls in die Debatte einzugreifen. Sämtliche Artikel von 198—253 werden einstimmig genehmigt. — Ebenso die Art. 254—262, welche I die -Abänderungen von Landesgesetzen, insbesondere der I Landeskulturgenossenschaften, Gesindeordnung, Gebäudever- I sicherung, Wildschaden, Familienfideikomisse, Bauordnung- I Enteignung, Weideberechtigungen, Dammbaugesetz, Bachgesetz, I Berggesetz und Zwangserziehung enthalten, die neben dem Bürgerlichen Gesetzbuch in Kraft bleiben. Die sämtlichen I Artikel werden fast debattelos nach den Ausschußanträqen angenommen und wird hier die Weiterberatung wegen Abwesenheit des Berichterstatters Schmitt ausgesetzt.
I Abg. Friedrich stellt an die Kammer noch folgende Anfrage betr. die Interpellation des Abg. Dr. David, die Vorkommnisse am Ludwigs-Georg-Gymnasium betr.
I Es sei in den letzten Tagen eine so hochgradige Erregung in den beteiligten Kreisen erfolgt, daß es das Hans natürlich
I finden werde, wenn Wahrheit und Klarheit in die Sache | gebracht werde. Im Interesse der Schule und Lehrer, und I im Interesse des gesamten Schulwesens des Großherzogtums sei es daher erwünscht, wenn eine rasche Beantwortung der
I Interpellation stattfinde, damit die Sache möglichst rasch von der Tagesordnung verschwinde. Er bittet das verehrliche
I Präsidium des Hauses, Großherzogliche Regierung zu ver- I anlassen, daß eine vollständige Klarstellung der Angelegenheit I raschestens erfolgen möge.
Nach Bekanntgabe eines Gesuches des Altstadt-Vereins | zu Darmstadt, um Errichtung einer Schloßfr eih eits- Lotterie, wird um 11 Uhr die Sitzung geschlossen. — j Nächste Sitzung am Freitag 10 Uhr vormittags.
Males und UrsvinMrs.
Gießen, den 12. Mai 1899.
** Eine Reform des Postquittungswesens strebt der Verein Zum Schutz für Handel und Gewerbe in Barmen an. Da der Posteinlieferungsschein gesetzlich nicht als Quittung gilt und die Post für die eingelieferten Beträge nur sechs Monate haftet, kann es in den Fällen, in denen der Empfänger I während dieser Zeit keine Empfangsbescheinigung dem Absender einsendet, vorkommen, daß der letztere den Betrag I noch einmal zahlen muß. Um dies zu vermeiden, schlägt I ! der Verein vor, die Postanweisung statt mit einem mit zwei I Koupons zu versehen. Einen davon soll wie bisher der Empfänger erhalten, der andere soll dagegen mit der Quit- I tung des Empfängers an den Absender zurückgehen, bezw. I gegen Zahlung eines Portozuschlages von 5 Pfennig. Der Verein beschloß, alle verwandten Vereine zu veranlassen, I in gleichem Sinne vorzugehen. I
* Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: I
Taglöhner Jakob Assian aus Ober-Roden wegen Diebstahls vom Amtsanwalt Friedberg; Gelbgießergehilfe Max Bachmann aus Lucka wegen Betrugs von der Staatsanwaltschaft I Darmstadt; Heinrich Eichenauer Ehefrau, geb. Lenz, aus I Gießen wegen Diebstahls von der Staatsanwaltschaft Gießen; Dienstknecht Georg Hohl aus Freinsheim wegen Unter- I schlagung von der Staatsanwaltschaft Mainz; Konrad I
Kirchner aus Wernges wegen Diebstahls von der Staats- I anwaltschaft Gießen; Schlosset Friedrich Nicklaus aus Weisenau wegen Urkundenfälschung von der Staatsanwalt- | schuft Mainz; Taglöhner Albert Kister aus Heidelberg wegen I Diebstahls und Taglöhner Heinrich Konrad wegen Diebstahls, I beide vom Amtsanwalt Gießen; Dienstknecht Wilhelm Schäfer I uns Hasselbach wegen Diebstahls vom Polizeiamt Gießen; I ferner wegen Strafverbüßung: Fabrikarbeiter Valentin Ahl au§ Groß-Rohrheim, Knecht Friedrich Läufer aus Hafenhof I und Knecht Johann Theobald aus Osthofen, sämtlich vom I Amtsgericht Worms; Fabrikarbeiter Sebastian Braun aus I Dieburg vom Amtsgericht Ober-Ingelheim; Dienstknecht I Karl Philipp Martin aus Gundheim vom Amtsgericht I Pfeddersheim; Friedrich Müller aus Köln vom Amtsgericht I Mainz.
§§ Hercheuhaiu, 9. Mai. Der heute hier abgehaltene I erste V i eh markt, sogen. Walpurgismarkt war in ] Rindvieh wenig, dagegen in Schweinen stark befahren. An I Rindvieh waren aufgetrieben etwa 50 Stück Kühe; dieselben I kosteten das Stück 250 bis 300 Mk., bessere frischmelkende Kühe 300 bis 400 Mk. Rinder wurden verkauft mit 160 I bis 180 Mk. das Stück, trächtige Rinder das Stück 250 I bis 300 Mk. Abgewöhnte Kälber */2 bis s/g jährig kosteten I 100 bis 120 Mk. Der Handel war allgemein gut, die I Preise waren mittelmäßige. Fettes Vieh war nicht auf- I getrieben. An Schweinen waren ca. 900 Stück, meistens I Frühjahrsferkel vorhanden, welche auch meistens verkauft I wurden: das Paar (6 bis 8 Wochen alt) zu 35 bis 40 Mk., | 8 bis 10 Wochen alt 45 bis 50 Mk., 10 bis 13 Wochen alt 50 bis 60 Mk. Am gesuchtesten waren die jüngsten I 1 Ferkel, welche verhältnismäßig sehr gut bezahlt wurden. I Zuchtschweine kosteten 70 bis 85 Mk. Fette Schweine I waren nicht aufgetrieben.
nn. Darmstadt, 10. Mai. Bor der zweiten Straf- 1 i kammer des Großh. Landgerichts Darmstadt fand heute in I ! ber Revisionsin stanz die Verhandlung gegen den ! . früheren Direktor des Mainzer Gaswerks Joh. Peter ‘ Hessemer statt. Derselbe war seinerzeit in dem Mainzer I i Gaswerksprozeß wegen Untreue von der Mainzer Straf- I j kammer zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er I < batte aber beim Reichsgericht die Revision des Urteils durch- I j gesetzt, welches unter Aufhebung des Urteils die Verweisung |
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