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«Deutsche» Wacht- das Postdebit in Oesterreich wieder gestattet.
Wien, 9. Dezember. Die Jungtschechen versuchten in der heutigen Sitzung de- Aus gle i chs A u Sschu sse s durch ihr Fernbleiben die Beratungen zu verhindern, was jedoch fchlichlug.
— Das Borgehe» der Jungtschechen im Ausgleichs Ausschüsse, sowie die geheime Unterstützung, welche die Rechte der Obstruktion der Jungtschechen an- gedeihen läßt, wird heute in sämtlichen liberalen Blättern »ufS schärfste verurteilt. Allgemein ist man der Ansicht, daß unter solchen Umständen an eine Erledigung der Aus gleichSgesetze nicht zu denken ist, und man in Oesterreich einer ernsten parlamentarischen Krisis entgegengeht. Wie in parlamentarischen Kreisen bei lautet, wird der Kaiser, falls daS Neberweisungsgesetz auf parlamentarischem Wege nicht zustande kommt, die Quote vorläufig auf drei Monate bestimmen.
Prag, 9. Dezember. Alle tschechischen Abgeordneten wurde», „Narodni Listy" zufolge, für DienStag zur Klubsitzung nach Wien geladen. Von jetzt ab sollen alle tschechischen Abgeordneten auf dem Kriegsschauplätze gegenwärtig sein, um d-n Kampf gegen die Regierung und die Deutschen, welche jede Genugthuung verweigern, zu führen.
No», 9. Dezember. Bei der Verhaftung des Deputierten Palizzolo ist eS zu einer dramatischen Szene gekommen. Palizzolo brach in Thrären auS, als er den mit der Verhaftung beauftragten Polizeikommissar erblickte. Er beteuerte fortwährend feine Unschuld, und bat, man möge ihn doch in Palermo aburteilen, wo seine Mitbürger ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen würden.
Londo», 9. Dezember. Im gestrigen Kabinetts- rate, bem bekanntlich Lord Salisbury präsidierte, machten Chamberlain und Balfour wichtige Mitteilungen über die Konferenzen in Windsor mit Kaiser Wilhelm und Graf Hatzfelbt. Lord Salisbury sprach feine lebhafte Befriedigung über das Ergebnis dieser Konferenzen aus.
Lokales.
Gießen, den 11. Dezember 1899.
P. Ksnzertverein. Mit dem gestrigen dritten Konzert dieser Saison hatte Herr Universitätsmusikdirektor Trautmann, so weit es sich um reine Orchestermusik handelte, de» Beweis geliefert, daß man keinesfalls immer Novitäten braucht, um ein Konzertprogramm interessant zu machen. Weber's Freischütz-Ouvertüre und Mozart's Jupiter-Sym- phonie sind so bekannte und beliebte Erscheinungen in den Konzertsälen, daß wir auf die einzelnen Werke hier nicht näher einzugehen brauchen. Daß die gestrige Wiedergabe beider Tonschöpfungen unter Herrn Trautmanns bewährter Leitung eine musterhafte und vollendete war, ist nach den bisherigen Erfahrungen, die wir mit diesem tüchtigen Künstler «achten, selbstverständlich, und wir zögern keinen Augenblick, ihm und unserer verstärkten Regimentsmusik das höchste Lob dafür znzuerkennen. Besonders angenehm fiel uns in der Ouvertüre das Zusammenwirken des gesamten Orchesterkörpers in den Porto-Stellen auf. Es wird hier besonders
im Blech leicht die Grenze des Erlaubten überschritten und man konnte um so erfreuter über den Vortrag sein, als überall weise Mäßigung die Overhand bedielt. Die Aufführung beider Werke hat den besten Eindruck hinterlassen. Als Solisten führten sich die Sängerin Frl. Adele Herrmann (Sopran) aus Heidelberg und der Cellist Herr Heinrich Kiefer aus Berlin mit günstigem Erfolge ein. Fräulein Hermann halte nach dem Austieten verschiedener allererster Größen — wir erinnern nur an Emma Hiller und Marie W'ttich — hier einen schweren Stand. Wenn es ihr gestern dennoch gelang, sich beim hiesigen Publikum einen Erfolg zu sichern, so verdankte sie dies wohl in erster Linie der angenehmen Klangfarbe ihres, wenn auch nicht sehr großen, so doch ziemlich umfangreichen Organs. Die Ltederspenden von Rubinstein, Cornelius, v. Fielitz. Franz und Jensen, zu denen sich auf stürmisches Verlangen noch eine uns leider nicht bekannt gewordene Zugabe gesellte, fanden ehrenden Beifall und legten Zeugnis davon ab, daß die Künstlerin eifrig bemüht ist, bei ihren Darbietungen das Beste zu leisten. Herr Heinrich Kiefer, der das D-moll- Konzert für Cello mit Oichesterbegleitung von Volkmann und Solostücke mit Klavierbegleitung von Godard, Popper und Paganini vortrug, zeigte sich als ein Künstler allerersten Ranges, den man unseres Erachtens den bedeutendsten Koryphäen unter den Cellisten unbedenklich an die Seite stellen kann. Das Konzert von Volkmann verlangt wirklich einen vollendeten Virtuosen, denn es enthält an technischen Schwierigkeiten wohl ziemlich alles, was für Cello geschrieben werden kann, und kann darum so recht als P-üf- stein für das Können eines Künstlers gelten. Herr Kiefer entledigte sich seiner Aufgabe glänzend ; nicht nur technisch leistete er vollkommenes, sondern auch in der Auffassung zeigte er sich als durchaus gediegener Musiker, der allen Anforderungen dcS schwierigen Werkes, dessen musikalischen Wert wir nicht einmal so besonders hoch schätzen möchten, gerecht wurde. Der Vortrag des Konzerts sowohl wie der Solostücke entfesselte wahre Beifallsstürme und es wird jeder bedauert haben, daß sich der Künstler zu keiner Zugabe erweichen ließ. Erwähnt sei noch, daß der an Jn- strumentationseffekten reiche Orchesterpart von der Kapelle unter Herrn Trautmanns Leitung gut durchgesührt wurde, wie auch die gediegene Klavierbegleitung unseres Univer- sitätsmusikdirektors lobend hervorgehoben werden muß. Zum Schluß möchten wir einen schon oft gehörten Wunsch aussprechen: Es ist vielfach in Konzerten eingeführt worden, die Titel von Zugaben öffentlich bekannt zu geben. Die Leitung unseres Konzertvereins würde vielen Dank ernten, wenn sie auch in Gießen diese löbliche Sitte einführen wollte.
Ärmste Meldungen.
Depeftbtit des Bureau .Herold'.
Berlin, 11. Dezember. Gestern morgen begab sich das Kaiserpaar zum Gottesdienst nach der Garnisonkirche zu Potsdam.
Berlin, 11. Dezember. Zu dem Rücktritt desFürsten Hohenlohe - Oehringen von seiner Stellung als Oberst-Kämmerer wird dem „Kleinen Journal" von durchaus zuverlässiger Seite mitgeteilt, daß dieser Rück
tritt mit der Haltung ÄeS Fürste» in der Kanalfrage in der That nicht zusammenhängt, vielmehr liegt der Grund i» einer rein persönlichen Angelegenheit. Der Fürst beabsichtigt, eine Heirat einzugehen, die seinem Hofrang nicht entspricht, und er hat sich da* her zu dem vielfach kommentierten Schritt entschloffen.
Berlin, 11. Dezember. Freiherr v. Rheinbaben, der neue Minister des Innern, hat, wie „Die Welt am Montag" hört, bem Bürg er meist er Kirschner einen Besuch gemacht.
Wie», 11. Dezember. Der ungarische Minister- Präsident Szell wurde gestern vom Kaiser in Audienz empfangen. Er konferierte dann längere Zeit mit dem Grafen Clary. Abends reifte Szell wieder »ach Budapest zurück.
Budapest, 11. Dezember. Wie verlautet, soll der Direktor des Wiener Augustinums, Dr. Fischer zum Bischof von Waitze» ernannt worden sein.
Sa» Re«o, 11. Dezember. Im Tunnel von Albenga fand ein Zusammenstoß zweier Personenzüge statt. Bier Personen wurden gelobtet, 12 schwer unb 40 leicht verletzt.
Paris, 11. Dezember. Die Sozialisten unb Rabikalen, unterstützt von einigen Progessionisten, haben seit einigen Tagen einen heftigen Feldzug gegen den Kammerpräsidenten Deschanel begonnen. Der Zweck desselben ist, Deschanel zu zwingen, daß er seine Demission giebt und Brisson an seiner Stelle zum Kammerpräsidenten gewählt wird.
Lublin, 11. Dezember. Aus Jamoch wird gemeldet, daß eine Infanterie-Kaserne vollständig nieder- gebrannt ist. 5 Soldaten sollen dabei ums Leben gekommen sein. Die Ursache des Feuers ist unbekannt.
Petersburg, 11. Dezember. Vor dem Militär-Bezirksgericht begannen am Samstag die Verhandlungen wegen der Mißbräuche im Nikolas-Hospital. Die beiden Angeklagten, der Chef-Arzt der Anstalt und ein Aufseher wurden für schuldig befunden und mit Verlust aller Rechte zur Verschickung in das Gouvernement Tobolsk verurteilt.
Nikolajew, 11. Dezember. Ein entsetzlicher Mord ist hier verübt worden. Das Ehepaar Kasimirow mit fünf Kindern unb Dienstmäbchen würbe nachts von unbekannten Thätern überfallen unb ermorbet. Die Eheleute Kasimirow waren im ganzen Gouvernement Cherson als Wucherer berüchtigt unb es bürfte baher ein Racheakt vorliegen.
Kirchliche Nachrichten.
Kvaugelifche Gemeinde.
Montag den 11. Dezember, abends 8 Uhr: Bibelstunde im Konfirmandensaal der JohanneSkirche. Text: Ap.-Gesch. Kap. 8 Pfarrer Euler.
Giessen
Kirchenplatz H, »«yenftber der SladtWrehe.
Konfektion» Weihnächte-Ausverkauf. Anfertigung nach Mast»
Bekanntmachung.
Rachstehenbe» Octsst -tut wirb hiermit öffentlich bekannt gemacht.
Gießen, den 11. Dezember 1899.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
G n a u t h.
Ortsstatut.
Nach B sch'uß der ©tabtöeroibnet<n»23ecfammhmg vom 9. November 1899 wirb mit Genehmigung Großh. Ministeriums bei Intern vom 5. Dezember 1899 zu Nc. M. I. 35481 für die Provmztalhauptstadt Gießen auf Grund des § 33 der Relchszewerbeorb >ung und der Groß- herzoglichen Veroibnung vom 10. November 1886, betr.: d n Betrieb von Wirtschaften und den Kleinhanbel mit Branntwein und Spiritus für bie Dauer von drei Jahren nachstehend.» Ortsstatut erlaßen.
S 1.
In der Gemarkung Gießen soll die Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwutichast, sowie zum nicht nur vorübergehenden Ausschänken von Wein, Bur oder anderen geistigen G.tränken nur dann erteilt werben, wenn ein Bedürfnis hierfür vorhanden und nachgewiesen ist.
8 2.
Da» Ortsstatut tritt mit dem Tage feiner Bekanntmachung in Kraft. Gießen, den 1). Dezember 1899.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
8624_____________________ Gn auth.__________________________
Bekanntmachung.
In da» Firmenregister des unterfert gten Gerichts wurde eingetragen:
1. Fabrikmt Theodor Budde zu Kaffel, alleiniger Inhaber der Finna „Kasseler Schirmfabrik Ty. Budde & Comp. zu Marburg" hat mit Wir km g vom 18. v. Mts. ab zu Gießen eine Zweigniederlassung gegründet.
2. Die F rma „Schulhof & Comp." zu Gießen ist nach beendigter Liquidation erloschen.
Gießen, am 6. Dezember 1899.
Großherzogl ches Amtsgericht.
_____________Reuenhagen.__________________8602
Bekanntmachung.
Der Voranschlag der Gemeinde Nieder-Besfiugen für das Jahr 1900/1901 liegt vom 14. Dezember 1899 auf dem Burgermeistereibureau znc Einsicht der Interessenten 8 Tage lang offen.
Nieder-Befsingen, den 11. Dezember 1899.
Großherzogliche Bürgermeisterei Rieder-Bessingen
Horst. 8628
Bekanntmachung.
machen hi rmit noch besonder« darauf aufmerksam, daß unge- acht t des von Großh. Kreisamt ergangenen Verbotes de» für 12. und 13. Dezember vorgesehenen ViehmarkleS der für Mittwoch, den IS. Dezemberl899 vorgesehene Krämermarkt (Christmarkt) stattfindet.
Gießen, den 9. Dezember 1899.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
8615 Gnauth.
Bekanntmachung
Die Benutzung des Schweinemarktplatzes und verschiedener anderer Plätze zur Förderung des in der Lahn gewonnenen Eises soll für den laufenden Winter
Mittwoch, 13. Dezember 1899, vormittags 11 Uhr an Ort und Stelle öffentlich meistbictend versteigert werden.
Gießen, den 11. Dezember 1899.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
8616 Gnauth.
lleillfttirrnniuir
Mittwoch bru 13. pqfinbft 1.1.,
nachmittags 2 Uhr,
werden im Bieker'ichen Saale gegen Barzahlung versteigert: Sofas, Kommoden, Schränke, 1 vollst. Bett, 1 Hobelbank, 1 Nähmaschine, 6 Malter Kartoffeln, eine Partie Schuhwaren, mehrere Fahrräder u. a. m.
Ferner fünf große Kannen Lack.
Die Versteigerung des Lackes findet bestimmt statt.
8608 Geißler, Gerichtsvollzieher.
Stähl. SlhlchlhMs.
Freibank. 8626
Heute:
fastloUküflkisih 45 M
Zur Bacheit empfehle säfflil. MsUa, Knrks MtkNUtthl. Bei Abnahme von 5 Pfund per Pfd. 18 Pfg. 8622 Emil Bender. Christbaumschmuck,
Baumlichte
empfiehlt in großer Auswahl zu billigsten Preisen M11 Emil Bender.
Der Rest des Mllmann'»,, Lagers bestehend in: 8606
Bier» und LikSrgläsern, Bterkannen und Krügen, Wasser«, Likör» und Weinkaraffen, Blumenvasen, verschiedenen NippeS, und anderen, für Geschenke geeigneten Gegenständen, soll im Laufe dieser Woche, vormittag- von 10 bis 1 Uhr, nachmittags von 3 biS 5 Uhr, «irchstraße 2, 1 Tr., im Hause des Herrn Lecb, zu sehr billige», aber festen Preisen ausoerkauft werden.
ZN der rohesten Weise werden bei Herstellung von Kognak au» Essenzen Geruch und Geschmack deS Kognaks nachgeabmt, und zwar ohne Rücksicht auf das Wesen des Kognaks als Windestillal und unter Vernachlässigung der in der chemischen Zusammensetzung begründeten Wohlbekömmlichkeit des Kognaks.
Die Herstellung von Kognak auS der Essenz von Dr. F. W. Melltnghoff in Bückeburg gewährleistet die richtige Zusammensetzung eines selbstbereiteten Kognaks.
Originalflaschen dieser Essenz zu 75 Pfg. erhält man in Gießen bei 8295
Emil Fischbach und O. Schaaf.
Mlstustüchtk, Sauttäraul^uthennfm. empfiehlt 04374 .£>. Wallcrch, Arltcrsmg 62.


