Ausgabe 
12.11.1899 Zweites Blatt
 
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b versendet ein Flugblatt, usichrn Landwirtschast mit Diehyrvduttivn durch dar diesem Mgblatt wird die wirtschaft und Fleischerei lische Fleischeinfuhr, uft mit Hochdruck betrieben eichnet. Der Fleischerver- eichischen Fleischern ausge- tentalen Kongreß zur Be­legen die amerikanische ezeichnet dann das im Ent- haugesetz als das Feld, auf dem amerikanischen Fleisch-

funger Mädchen. Am 31. ter zahlreicher Beteiligung BnrinL der FrrMmm« srtz der Gräfin von Erdach- .er Nationalvorsteherin von chiedenen hessischen Städten anen Berichte erstattet über ch seinen GMdsätzen gemäß, lete Früchte auszuwersenhat.

,t der Frau Gräfin Blm- , in Neufchatel stattgehabte z Delegierte beigewohnt hat. hochherzigen UnterstüWg n ist es gelungen, rnDam « ein Ladnerinnechlm tt-t-

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utagb Katharina Rockel aus Eichelhain wegen Diebstahls, I Dienftknecht Ztarl Solzak aus Kowno in Rußland wegen I Diebstahls, Laglöhner Max Volk aus Weißenbrunn wegen Diebstahls und Taglöhner Johann Anton Walter aus Wisselsheim wegen Betrugs, sämtlich von Großh. Staats anwaltschaft Gießen; Kaufmann Heinrich de Fries aus Ruhrort wegen Unterschlagung vom Großh. Amtsanwalt zu Friedberg; Milchkutscher Emil Galle aus Hermsdorf wegen Unterschlagung von der Polizeiverwaltung Offenbach; Kauf­mann Friedrich Girr aus Ludwigsburg wegen Betrugs vom Großh. Polizeiamt Darmstadt; Taglöhner Philipp Henkel aus Ober Roden wegen Diebstahls, Maurergeselle Karl Martin Wilhelm Siebe aus Quedlinburg und Karl Jeschoneck aus Dibonen wegen Betrugs vom Großh. I Amtsanwalt zu Friedberg; Taglöhner Wilhelm Möbus I aus Borsdorf wegen Bettelns vom Großh. Amtsanwalt zu I Friedberg; Kommis Julius Schlösser aus Köngernheim wegen Betrugs vom Großh. Amtsanwalt I zu Darmstadt I und vom Großh. Amtsanwalt zu Offenbach; Knecht Anton I Arschauer aus Krems, Fabrikarbeiter Eugen Freund aus Gunzenbach, Arbeiter Heinrich Engelhardt aus Bils^ I hausen, Sattler Fritz Kayser aus Gotha und Kellner Jakob Schaaf aus Euskirchen, sämtlich wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Offenbach; Schiffer Johann Nießen aus Bacharach, Fuhrknecht Johann Heinrich I Schmitt aus Mainz und Zimmermann Leonhard Roter aus Bretzenheim, sämtlich wegen Strafvollstreckung vom I Großh. Amtsgericht Mainz.

Q Rodgen, 10. November. Unser Ort steht in be­sonderer Welse unter dem Zeichen der Wahlen und damit größerer Unruhe. Am 8. ds. Mts. wurde als Wahlmann der von der sozialdemokratischen Partei aufgestellte Ludwig Kraußhaar gewählt, und zwar mit 69 Stimmen, während der Gegenkandidat nur 19 erhielt. Heute fand die mit großer Begierde erwartete Wahl des neuen Bürger­meisters statt. Zwei Kandidaten waren aufgestellt, und jeder erhoffte den Sieg, welchen Jakob Stein mit 70 von | 118 abgegebenen Stimmen errang.

Lich, 9. November. Die Pflanzung junger Obst­bäume wird besonders in diesem Herbst in sehr ausgiebiger Weise betrieben. Das beweist, daß der Vorrat an Bäum­chen in hiesiger fürstl. Gärtnerei stark abnimmt; namentlich von auswärts, aus Orten des Vogelsberges und der Wetterau, werden täglich Stämmchen in Ladungen abgeholt, deren Güte bekannt ist, besonders deshab, da sie auf anspruchs­losem Boden vorzüglich entwickelt sind. DieLandpost" schreibt: In diesem Blatte wurde unlängst die Mittelung gebracht, die hiesige Ziegelei sei an Herrn R. Weitzel in Hirzenhain verkauft und solle fortan, nach geschehener Einrichtung, dieVolksmacht" hier gedruckt werden. Der Kauf mit Herrn W. ist, wie vorauszusehen, zurückgegangen und neuerdings ist die Ziegelei an Herrn Dreschmaschinen- hesitzer Eise, zu 3000 Mk., verkauft worden. DieVolks- wacht" kommt also vorerst nicht nach Lich.

Hungen, 10. November. Das Calcium-Carbid hat den Uebelstand, daß es offen oder ungenügend verschlossen nicht aufbewahrt werden kann, es verwandelt sich in kurzer Zeit, sobald atmosphärische Luft Zutritt hatt, zu Staub. Namentlich für Radfahrer ist dies ein mißlicher Zustand. Diesem abzuhelfen ist nach langen Bemühungen Herrn Apotheker Leuchtweis dahier gelungen, indem derselbe das Carbid so präparierte, daß es auf Radtouren rc. mangel­haft verpackt (z. B. in Papier eingewickelt) mitgeführt werden kann, ohne seine ursprüngliche Beschaffenheit zu ver­ändern, resp. ohne von seiner Leuchtkraft einzubüßen. Dieser Umstand dürfte von Jntereffenten freudig begrüßt werden.

_|_ Nidda, 10. November. Soeben ist ein amtlicher Erlaß erschienen, wonach der auf nächsten Mittwoch anbe­raumte Viehmarkt dahier wegen starker Verseuchung unsres Kreises nicht stattfinden darf. Die Nidda ist in­folge der heftigen Regengüsse wieder im Steigen be-

E. Echzell. 10. November. Unser Nachbardorf Bisses, das kaum eine Viertelstunde von hier entfernt liegt, wird von der Glücksgöttin Fortuna förmlich mit Gaben überschüttet. Im vergangenen Frühjahre gewann ein Mann 50000 Mk. und gestern kam dre Nach­richt an, daß vier Einwohner 10000 Mk. in der preußischen Klaffenlotterie gewonnen haben. Den Leuten ist der Gewinn sehr zu gönnen, denn sie sind mit Glücksgütern wenig ge­segnet. Mit dem Bau des neuen Pfarrhauses (das alte ist bereits über 300 Jahre alt) soll demnächst begonnen werden In unseren Wäldern und an geschützten Hecken und Rainen finden sich blühende Erdbeer­stauden. Die Winterfrüchte Roggen und Wetzen gehen bei dem prächtigen, feuchtwarmen Wetter sehr schön auf und zeigen sich üppig und wüchsig wie selten.

Q Freienste nau, 10. November. Bezugnehmend auf den Arttkel in Nr. 264 drittes Blatt desGießener An­zeiger" mit Bermuthshain überschrieben, sei hier noch mit­geteilt, daß bereits eine Operation des Schwerverletzten in der Klinik in Gießen stattgefunden hat. Das verletzte Auge mußte herausgenommen werden, doch konnte die im Kopfe sitzende Kugel noch nicht entfernt werden.

§ Aus dem Vogelsberg, 10. November. Wenn im November des Waldes Dach zu Boden gesunken und hier einen weichen, braunen Teppich bildet, wenn die Wald- däume kahl zum Herbsthimmel ragen und das geheime, zaubervolle Waldesdunkel geschwunden, dann knallen im Walde die Flinten der Jäger, die großen Treibjagden werden abgehalten. Unsere Vogelsberger Waldungen sind ob thres Reichtums an Wild in Jägerkreisen wohlbekannt und wohl­geschätzt. Insonderheit ist der Rehstand in größeren Wald­bezirken ein ,Sea^Tf*

den Einladungen zu den größeren Treibjagden. Wie das

Ergebnis der Ernte draußen im Felde in den verschiedenen Jahrgängen verschieden, so sind auch die Jagdergebnisse

hinstellen.

Frankfurt a. M., 8. November. Akademische Kurse fürjunge Kaufleute. Im Saal der Effektensozietät, neue Börse, erfolgte heute abend durch den Vorsitzenden der Handelskammer, Kommerzienrat v. Neufville, die Eröffnung der von der Handelskammer veranstalteten akademischen Kurse für junge Kaufleute. In seiner Ansprache betonte v. Neufville, daß die bisherigen Erfolge, die die Handels­kammer mit der Veranstaltung der Kurse gehabt, sie er­mutige, auf dem bisherigen Wege fortzuschreiten, umsomehr, als die Kurse dazu ins Leben gerufen worden seien, um zu erproben, wie weit in Frankfurt Boden für eine Handels­hochschule vorhanden sei. Der Redner dankte für die in früheren Jahren von den Hörern bewiesene Aufmerksamkeit und wünschte, daß die zahlreich erschienenen Hörer sich auch in diesem Jahre in gleicher Weise beteiligen möchten. Es seien für die Vorträge auch diesmal neben bisher bewährten Dozenten neue hervorragende Fachleute gewonnen worden. Die Anmeldungen zu den Kursen hätten bereits so ziemlich die vorjährige Höhe erreicht, ihre Zahl betrage bis jetzt 335. Vor Weihnachten werden Patentanwalt Dr. Wirth über Patentwesen, Muster- und Markenschutz, Bankdirektor Dr. Meißner über Handelsrecht, Prof Dr. van der Borght- Aachen über Grundzüge der Finanzwissenschaft, nach Weih­nachten Bankdirektor Thorwart über Finanzwiffenschaft, Prof. Dr. Ehrenberg über einige Kapitel aus der Handels­geschichte, Direktor Dr. Vosberg Rekow über handels- geograpische Betrachtungen, Dr. Bleicher über Frankfurter Statistik und Syndikus Dr. Hatschek über Eisenbahn- und nionoeryetr tjt utt ^1-- ... a.vP Schifffahrtsrecht sprechen. Patentanwalt vr. Wirth hält vorzüglicher. Gerne folgen deshalb die Jäger sodann feinen ersten Vortrag, dem noch zwet wettere Vor- ~ ' Wie das I träge folgen werde».

sehr unterschiedlich. Das richtet sich «ach dem Wildstand, i Der aber ist in diesem Jahre ein guter zu nennen. Die milden Winter der letzten Jahre beförderten die Vermehrung I des Wildes sehr. So waren die Hasen im Felde in der I That in diesem Jahre viel häufiger anzutreffen als in anderen Jahrgängen. Mit der Hasenjagd sind unsere Jäger des­halb im allgemeinen wohl recht zufrieden. Dabet tst der Preis für die Hasen ein hoher geblieben ut§ nicht von feiner normalen Taxe 3 Mk. das Stück wie sonst herab- I gegangen. Wie vortrefflich der Rehstand in größeren Wald- gebieten, geht daraus hervor, daß uns Treibjagden bekannt I geworden, bei denen 20 bis 40 Stück Rehe zur Strecke ge- I bracht worden sind. Seltener hört man von Meister Reinecke reden. Er figuriert nicht mehr unter der Jagdbeute in der Zahl wie früher. Seine Dezimierung rührt zweifellos aus dem Vergiftungsmodus her, der in den letzten Jahren von manchen Jägern ausgeübt wird. Wir halten eine solche Vernichtung des Fuchses nicht für echt waidmännisch. Der I Fuchs gehört zur Jagd, und welcher Jäger schießt ihn nicht gern? Mag ihm auch hie und da einmal ein I Glied der zahlreichen Familie von Freund Lampe zum Opfer I fallen oder gar ein schmächtiges Rehkitzchen, man kann I wohl seiner starken Vermehrung Herr werden, ohne durch I Gift eine Ausrottung des trotz gehaßten und doch gerne I gesehenen Pfiffigen zu befürchten. Ein andererRotfuchs" | tritt häufiger, ja sogar auffallend häufig in diesem Jahre in den Wäldern auf, das Eichhörnchen. Wenn es sehr zahlreich vorkommt, dann ist der Schaden, den es im Forste anrichtet, recht bedeutend. Daher dringt man auf seinen Abschuß. Seinen Winterschlaf hat derAffe unserer Wälder", wohl veranlaßt durch den Herbstsommer, noch nicht ange- treten. So kann der Jäger noch leicht seiner habhaft werden.

Neckarhausen (Hessen), 9. November.Versunken und vergessen" liegen auf steiler Bergcshöhe, direkt über dem I hiesigen Bahnhofe, in schönem Hochwald versteckt die Heber-- refte der Stammburg des alten Reichsadelsgeschlechtes derer von Hundheim. Diesen alten Rittersitz samt seinen Sagen wieder mehr in Erinnerung gebracht zu haben, ist das Verdienst des hiesigen Gastwirts und Odenwald- klubisten Herrn Schweitzer zur Lanzenbach. Indem derselbe seine neuerbauten, freundlichen NestaurationsräumeZur Burg Hundheim" benennt, mit Wappen rc. derer zu Hundheim ziert, will er sich die Ausgabe stellen, dem alten Ritternamen auf seine Weise zu neuem Klange zu ver­helfen und in stofflicher Hinsicht ihm besonders Ehre zu machen. Geht doch bei uns die launige Sage, daß die prächtigen Rotsandsteinbrüche am Fuße des Schloßberges ihre besondere Würdigung in letzter Zeit hauptsächlich dem Umstand verdankten, daß ein gewisser Herr Ingenieur als I tüchtiger Kenner zufällig dorten Wind aus dem Schloß teilet der alten, trinkfesten Hundheim unter die Nase be­kommen habe. Die neue Restauration wird nächsten Sonn-

I tag dem V erkehr übergeben.D. T. A."

* Marburg, 10. November. In der Absicht, die Oberhessische Zeitung" auf den Leim zu locken, hatte das

I hiesige nationalsoziale Blatt in zwei Exemplaren ihrer I Nummer vom 4. März d. I. eine Nachricht eingeschoben, I in welcher von einem angeblichen Morde auf der Mühle I bei Bottenhorn Mitteilung gemacht wurde. Die Folge I davon war eine Klage des' Müllers Saenger gegen den Be­richterstatter I. Becker, der die Verantwortung für die betr.

I Notiz übernommen hatte. Gestern wurde Becker der ver- I lemnderischen Beleidigung schuldig gesprochen und zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. In der Urteilsbegründung wurde ausgeführt, daß das Gericht dem Angeklagten mil-

I dernde Umstände versagt habe, da ihm jeglicher Milderungs­grund fehle, sogar derjenige der Unbescholtenheit der An­geklagte fei bereits mit 30 Mark Geldstrafe vorbestraft da ferner die von dem Angeklagten erfundenen Behaupt­ungen den Privatkläger des schweren Verbrechens des Mordes sowie des Selbstmordes bezichtigen und dazu die I Vermögens - Verhältnisse desselben als völlig zerrüttet

Kunst Md Wissenschaft.

Berlin, 10. November. Im Etat beS Reichsamts des Innern werden 15,000 Mk zur Beteiligung des Reiches an der intet» nationalen Biblioqraphie der Naturw tisenschaften ge­fordert. Als zweite Rate zur Errichtung eines Standbildes für Kat'tr F tedrich sind im Eiat für 190t 200,000 Mk. angesetzt. Im PoNetat für das Jahr 1900 werden eine Reihe trftet Raten zu Post >auten gesoidert, und zwar u. a. für Düsseldorf (am Havpt- babnbof) 120,000 Mk., Essen a. b R. 200 000 Mk. Frankfurt a. M. 150 00<» Mk , Fre-.burg i. B. 100,000 Mk., Hagenau i. Elsaß 90 000 Mk Mannheim 297,000 Mk-, Münchm-Giaddach 80,000 Mk., Barmen 735 652 Mk., Wiesbaden 132,000 Mk.

Straßburg, 10 November. Die Sammlungen für das ©tra fibuiflet Goethe-Denkmal haben bis j tzt etwas über 110,000 Mk. ergeben. Sobald der Ei trag mehrerer auswärts noch im Gange b findlicher Sammlungen bekannt tst, wird das PretS- ausicbreiben für die Künstler, welch« sich am Wettbewerb beteiligen wollen, veröffentlicht werden. Ueber die von dem Abgeordneten Prinz-n Saönaich-Earolath beantragte NeichSbeihilfe von 50 000 Mk^ zum Goethe-Denkmal wird im Reichstage demnächst abgestimmt werden.

Milch leichter verdaulich.

Oft können Kinder und Kranke die nahrhafte Milch nicht ver­tragen, weil sie tm Magen gerinnt. Diese werden es mit Freuden erfahren, daß, wenn Milch mit ein wenig Mondamin ^kocht wird, dieselbe bedeutend leichter verdaulich und selbst schwachen Magen zuträglich wird. Säuglingen ist nur Milch zu geben, aber.nach Durchbruch d-r Zähne, wenn Zusatz »ur ^.ich erwünscht wird ist Mondamin in hohem Grade dazu geeignet. Mtt Milch gekocht, bietet Mondamin eine wirklich nahrhmte Kost, "^che all« Bestand' teile zum Aufbau des Körpers besitzt. Die alleinigen Fabrikanten für Mondamin sind Brown & Palson, welche einen M'hr denn Mjährigm Weltruf besitzen. Es ist erhältlich in Paketen * 60, 30 u. 15 Pfg.

Kirche und Schule.

Aus Oberyeffen wird dem DarmstädterT. A." geschrieben: Mit Beginn dieses Monats hat allerorts der Unterricht in der obki- gatorischen Fortbildungsschule seinen Anfang genommen. Da in fast allen Gemeinden der Unterricht in den Abendstunden, m der Regel von 7 bis 9 Uhr, manchmal sogar von 8 bis 10 Uhr, erteilt werden muß, bleibt der Erfolg desselben oft hinter den Erwartungen zurück und steht nicht im richtigen Verhältnis zu der mühevollen Arbeit, die dem Lehrer durch die Thätigkeit in der Fortbildungsschule erwächst. Die Kreis Schulkommission Gießen hat denn auch bereits im vorigen Jahre die Verlegung des Unterrichts auf eine frühere Tageszeit angeregt und auch in diesem Herbste wieder die Schulvorstände i1* einem enifts lichen Verbuch aufgefordert. Leider verhalten sich aber die Ortsschul­behörden in vielen Landaemeinden ablehnend. In anderen Orten da­gegen wird jetzt der Unterricht in der Fortbildungsschule von 5 bis 7 Uhr erteilt, wodurch bewiesen ist, daß die Verlegung auf eine geeignetere Tageszeit bei einigem guten Willen wohl durchzuführen ist. Es wäre dringend zu wünschen, daß auch anderwärts mit derselben Energie m dieser Angelegenheit vorgegangen würde; Lehrer und Schülern wurde dadurch die Arbeit bedeutend erleichtert.

Darmstadt, 10. November. Der neue preußische Kultus­minister Dr. Studt hat betreffs der Lehrerinnen-Ver­wendung an den höheren Töchterschulen an bte Regierungen und Provinzialschulkollegien folgendes, auch außerhalb Preußens beachtenswerte Rundschreiben erlassen:

Den Wunsch der Lehrerinnen, auch am Unterricht in den oberen Klaffen der öffentlichen höheren Mädchenschulen in weiterem Umfang beteiligt zu werden, habe ich als berechtigt anerkannt und dem Bedürfnis des Nachweises einer vertieften und erweiterte« Bildung durch Einrichtung der wiffenschaftllcken Prüfung der Lehrerinnen entsprochen. Augenscheinlich besteht indeffen an manchen Stellen noch ein durch die Erfahrung kaum gerechtfertigtes Be­denken, den Lehrerinnen den ihnen zukommenden Anteil an der Erziehung der Mädchen auch in den öffentlichen Schulen emzu- räumen. Unbestreitbar aber ist, daß namentlich in den Jahren der Entwickelung der Einfluß der Lehrerinnen nicht zu entbehren und nicht zu ersetzen ist. Die Erziehung der Mädchen wahrend dieser Jahre ausschließlich ober auch nur überwiegend in die Hände von Männern zu legen, wäre unnatüdid). Unterricht und ! Erziehung sind aber in unseren Schulen, die durch den Unterricht i erziehlich wirken sollen, untrennbar verbunden. |2)ie Lehrerinnen werden ihren Einfluß auf die Heranwachsenden Schülerinnen nur dann in dem wünschenswerten Maße geltend machen können, wem» sie mehr noch, als heute durchschnittlich der Fall ist, mit Unterricht auf der Oberstufe betraut werben. Auch die sogenannten ethischen Fächer können denjenigen Lehrerinnen unbedenklich übertragen werden, die bewiesen haben, daß sie nach der erziehlichen Seite hm ihrer Aufgabe gewachsen sind. Zu meiner Befriedigung haben bte Ergebnisse ber wissenschaftlichen Prüfung gezeigt, daß nicht nur in den fremden Sprocken, sondern auck im Deutscken, in der Gesckichte und in der evangeliscken Religionslehre bereits eine größere Anzahl tüchtiger Lehrerinnen für den Unterriebt auf der Oberstufe wohl vorbereitet ist. Es ist anzunehmen, daß die in reger Arbeit stehenden Fortbildungskurse in Bersin, Göttingen, Königsberg, Münster und Bonn in Zukunft den nock fehlenden Ersatz wiffensckaftlich vor­gebildeter Lehrerinnen werden stellen können. Die Gewinnung I geeigneter weiblicher Lehrkräfte für den Unterrickt auf der Oberstufe I dürfte demnach den größeren Städten nickt mehr sckwiertg fein. Bei dem ernsten Streben der Lehrerinnen vertraue ick, daß sie durch I tüchtige Leistungen die gegen ihre Verwendung im wiffenschaftllchen I Unterricht an einzelnen Orten noch bestehenden Vorurteile und I Bedenken zu beseitigen hülfen werden. Ick hoffe auck, daß immer I mehr Patronate sich im Interesse ihrer Schulen bereit finden werden, I begabte Lehrerinnen behufs Teilnahme an den Fortbildungskursen I zu beurlauben und zu unterstützen; ick werde ihnen hierbei tm Bedarfsfall gern nach dem Maß der verfügbaren Mittel entgegen« | kommen". ______________

Universität und Hochschule.

Ernanntr Privatdozent Dr. jur. et oec. publ. K Wasserrad I zum Honorarprofessor in der fiaatswirtschastlichen Fakultät der Um- I versität München, die Privatdozenten in der medizinischen Fakultät der Umverfität München, Dr. Karl Kopp und Dr. Hans Schmaus, sowie I der Privatdozent in der philosophischen Fakultät dieser Universität, | Dr. Hans Solereder, zu außerordenllichen Professoren.

Habilitiert r Der bisherige Assistent am Heidelberger germanisch- romanischen Seminar, Dr. Karl Boßler, bei der philosophischen Fakultät der dortigen Hochschule. Seine Probevorlesung handelte überDie Lynk des Angelo Poliziano". An der techmfchen Hochlchule zu Stuttgart I Dr. Karl Weller als Privatdozent für Geschichte, insbesondere für I württembergische Geschichte.

Verschiedenesr Die Frequenz des laufenden Semesters an I der Universität Gießen ist zwar noch nicht genau zu übersehm, doch läßt sich jetzt bereits sagen, daß sie die des vorigen Wintersemesters mit I 717 Immatrikulierten erheblich übersteigen und nur ganz wenig unter der des vecgangenen Sommersemesters, das mit 814 immatrikulierten Studenten bisher die höchste Frequenzziffer erreicht hatte, zuruckbleibm wird - Am 30. November begeht der berühmte Pdilo'oph Prokeffor Moritz Lazarus in Meran in voller Frische fein bOjähriges Doktor- I jubiläum. Der kürzlich in Heidelberg gestorbene Professor Dr. K H. I Schaible hat seine durch alte Drucke besonders wertvolle Bibliothek | der dortigen Uniorrsitätsbibliothek vermacht. Professor Dr. Arthur I Kleinschmidt (Heidelberg) ist für einige Zeit nach Marburg über- I gesiedelt. Er behält seine Professur in Heidelberg bei.