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durchzusetzen. Im Juni 1850 kam er in Warschau mit dem Prinzen von Preußen zusammen, zeigte aber offen sein Mißtrauen gegen die Unionspolitik des preußischen Kabinetts und seine Sympathie für den reaktivierten Bundestag in der Eschenheimer Gasse. Friedrich Wilhelm IV. sandte den Ministerpräsidenten Grafen Brandenburg im Oktober 1850 zu Nikolaus nach Warschau, wohin Franz Joseph, der Prinz von Preußen und Schwarzenberg kamen; Nikolaus und der Reichskanzler Nesselrode waren gegen Brandenburg sehr gnädig, doch stützten sie sich auf die Verträge des Jahres 1815 und widersetzten sich Preußens Vergrößerungsplänen; Brandenburg mußte auf die Union verzichten, sich dem Schiedssprüche des Zaren unterwerfen und die „vorläusige" Uebereinkunft vom 28. Oktober mit Schwarzenberg eingehen, die seine Niederlage und Schwarzenbergs Sieg bedeutete.
Auch die Sendung Edwin von Manteuffels nach Warschau änderte die Lage nicht, Manteuffel brachte nur die Alternative nach Hause, Preußen müsse zum alten Bundestage zurückkehren oder es riskiere einen Krieg mit Rußland, Oesterreich und Großbritannien; der Zar ließ keineswegs in Zweifel, daß er im Kriegsfälle auf der Seite Oesterreichs stehen würde, und Brandenburgs Nachfolger, Otto Freiherr von Manteuffel, ging darum, der Not weichend, die Ol- mützer Punktationen mit Schwarzenberg ein. Nikolaus kehrte in bester Laune von Warschau nach St. Petersburg zurück, er sah in den Monarchen Oesterreichs und Preußens seine Vasallen und sagte zum britischen Gesandten, er sei Oesterreichs ganz sicher, und in Berlin gehorche man jedem seiner Winke.
Da machte Ludwig Napoleon seinen Staatsstreich. Kisselew, seit Mai 1851 Minister bei dem Prinz-Präsidenten, soll Kunde vom Bevorstehen eines Staatsstreiches gehabt haben, und Nikolaus überlegte, was er wohl thun sollte, wenn Ludwig Napoleon sich zum Kaiser erklären würde; er wollte ihm gern die oberste Gewalt, die Diktatur, das Konsulat zugestehen, nicht aber den Kaisertitel wegen der imperialistischen Erinnerungen der französischen Armee. In Wien und in Potsdam konferierte er im Mai 1852 mit seinen „Vasallen", wie man sich der Wiedererrichtung des Kaisertums in Paris gegenüber verhalten solle, erzielte aber keine volle Verständigung. Am 2. Dezember machte sich Napoleon III. zum Kaiser; er lehnte Nikolaus' Vorstellungen unbedingt ab und verbat sich als Repräsentant der Unabhängigkeit Frankreichs jede Einrede. Nikolaus erkannte ihn am 5. Januar 1853 als Kaiser an, akkreditierte Kisselew als Gesandten bei ihm, und die Fürstin Lieven ließ sich, was Napoleon hoch anrechnete, an seinem Hofe vorstellen, denn Nikolaus sah in Napoleons Kaisertum
GrsttsbeUsge«: Gießemr FsmMrMStter, |tr hrUche Kandwirt, Mtter für hessische UMskMde.
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den Sieg des monarchischen Prinzips über die Revolution^ nur verweigerte er ihm, weil er nicht „von Gottes Gnaden" ei, die Anrede „Monsieur mon frere“ und begnügte sich mit „Mon bon ami“. Obwohl die Regierung in Paris sich hierüber ärgerte, wurde Kisselew angenommen und mit Wohlwollen behandelt, Napoleons Rache bestand dann irr seinem Bündnisse mit den Briten.
Nikolaus war durch seine autoritative Stellung m Europa geblendet. Sein herrischer Sinn, sein persönliches, fürstliches und nationales Selbstbewußtsein bluteten unter den Schlägen, welche seine Truppen und Diplomaten in dem von ihm 1855 begonnenen Eroberungskrieg gegen die Türkei erlitten; der Sturz aus der Höhe war zu jäh. Seine Gesundheit hatte einen Bruch erlitten, die majestätischen Züge verlängerten sich, und er war nur noch der Schatten des einstigen Herkules; eilte er im Schlitten vorüber, so bekreuzigten sich die Muschiks und flüsterten einander zu: „Wie hat sich unser armer Kaiser verändert!" trotz aller Leiden aber arbeitete er mit dcr alten Gewissenhaftigkeit, Pünktlichkeit und Pflichttreue von sechs Uhr morgens 618 tief in die Nacht hinein. Bei eisiger Kälte hielt er ohne Pelz eine Revue über Baschkiren ab, obwohl ihm fein Leibarzt Dr. Karell abgeraten hatte; er wies ihn nut den Worten zurück: „Ihr habt Eure Pflicht gethan, Doktor, nun laßt mich die meine thun." Kaum wieder zu Hause, wurde er von der Grippe überfallen, nahm aber trotz aller Bitten keine Medizin; der stolze Besiegte wollte sterben: erst am fünften Tage, als das Fieber zu heftig auftrat (22. Februar), legte er sich zu Bett, eine Lungenentzündung brach aus; er nahm das Abendmahl und fragte die Aerzte, wann er gelähmt sein, wann er ersticken würde.
Er gab dem Thronfolger einige Anweisungen und sagte: „Die Last wird schwer für Dich fein!"; er ließ nach den Hauptplätzen Rußlands die Nachricht senden: „Der Kaiser liegt im Sterben!"; er versicherte in einem letzten Manifeste, er habe den Krieg völlig uneigennützig, lediglich zum Zwecke der Befreiung der orthodoxen Kirche eröffnet. Seine letzten deutlichen Worte richteten sich an seinen königlichen Schwager in Berlin, dem sie die Kaiserin bestellte: „Sagt Fritz, er solle stets derselbe für Rußland bleiben und Papas Worte nicht vergessen." Er nahm Abschied von seiner Familie, von Adlerberg, Orlow und anderen Freunden und starb kurz nach Mittag des 2. März 1855 am Lungenschlage.
Auf den Verlauf des Krieges übte Nikolaus' Tod nicht den geringsten Einfluß aus, der Krieg ging seinen Weg weiter. Tief erschütterte das Ende Nikolaus' I. den Berliner Hof; laut weinend teilte Friedrich Wilhelm IV. ihm die Botschaft mit, dann telegraphierte er der verwittweten
Straße, die vom kaiserlichen Bahnhofe nach dem Parkemgang zum neuen Palais führt, so rührend vorsichtig abgesperrt, daß wirklich so gut wie nichts zu sehen war. Ein Drängen und Stoßen, ein permanentes Hälserccken, Plötzlich ein Rollen und Pferdetrappeln, ein schnell verhallendes Hurra — und aus ist die denkwürdige Begebenheit. — «Haben Sie ihn gesehen?" — „Ich glaube." — Na, und der Glaube macht selig! . . .
Natürlich grollt der Berliner über dieses Mißtrauen. „Bei uns hält' er das nicht nötig! Wir sind doch nicht in Rußland!" Aber ein höflicher Herr, sicherlich ein Polizei- Beamter in Zivil, belehrte uns in einem kleinen Vortrag, daß man in Rußland mit dem armen Publikum noch ganz anders verfährt. Wenn Zar Nikolaus' Vater, der schließlich doch von Mördern ereilte Alexander, durch die Straßen Petersburgs fuhr, war vorher duich ein kollossales Aufgebot von Polizei jeder andere Verkehr inhibiert. Die betreffenden Straßen waren wie ausg storben, niemand durfte aus seiner Ladenthür treten, niemand ein Fenster öffnen. Sämtliche Mitglieder wurden gezwungen, sich m einem Wohnraum zu versammeln, um eine strenge Überwachung zu ermöglichen, und wer an's Fenster treten wollte, mußte die Hände auf dem Rücken haben. In der Zimmerthür aber stand, wie aus Eisen gegossen, ein Polizist mit geladenen Revolver, bereit, jeden nieder zu schießen, der Miene machen würde, sich gegen die Vorschriften aufzulehnen. Und das Haus bei Haus, Wohnung bei Wohnung, bis der „Mächtigste" aller Fürsten vorüber war! Heiliges Rußland ! — . , ,
Man vergegenwärtige sich, wie Berlin aussehen würde, wenn man aus ähnlichen Veranlassungen den Verkehr Unter den Linden, Friedrichstraße, Leipziger Straße bis hm zum Potsdamer Bahnhof unterbinden wollte! Welch unabsehbare
Russisch-preußische Beziehungen.*)
Noch mehr als seinem Schwiegervater imponierte Niko« laus seinem Schwager, dem König von Preußen; Friedrich Wilhelm IV. bezeugte ihm die ausgesprochenste Willfährigkeit und fürchtete ihn; die reaktionär-pietistische Hofkamarilla in Berlin sah in dem weißen Zaren den Hort der Legitimität und ihren Heiland noch über das Grab hinaus. Nikolaus betrachtete sich als Gottes auserlesenen Streiter zur Vernichtung der Revolution und schaute mit Mißtrauen auf seines Schwagers unberechenbare Neuerungslust und schwankende Denkart. In den Revolutionstagen von 1848 und 1849 hielt er sich anfänglich ganz im Hintergründe, lehnte auch die ihm von Dänemark angebotene Intervention ab, freilich um nachher Dänemark gegenüber den deutschen Mächten zu begünstigen. Auf der Monarchenkonferenz in Warschau unterzeichnete Rußland am 5. Juli 1851 mit Dänemark ein Protokoll über die Kandidatur des Prinzen Christian von Glücksburg zum dänischen Throne, und Nikolaus verzichtete auf sein Vorrecht an denselben als Haupt des Gottorper Hauses. Am 8. Mai 1852 unterzeichnete Brun- now in London das endgiltige Protokoll in dieser Sache und wahrte in einem Geheimvertrage mit Dänemark das eventuelle Erbrecht des russischen Kaiserhauses an die dänische Gesamtmonarchie. Nikolaus' Mißachtung über die klägliche Rolle, die Friedrich Wilhelm bei der Berliner Revolution spielte, war offen und unverblümt, Nikolaus war Soldat, was Friedrich Wilhelm nie war, und betrachtete die Revolution als den gemeinsamen Feind aller Fürsten, wie er dem Grafen Vitzthum sagte: „Wir alle sind solidarisch, hier fürchte ich augenblicklich nichts; solange ich lebe, wird man sich nicht rühren." Während die Kaiserin Alexandra über btc schimpflichen Nachrichten aus Berlin weinte, war Nikolaus in der gereiztesten Stimmung; er bestürmte Friedrich Wilhelm, die deutsche Krone nicht aus den Händen der Nevo- Lution anzunehmen, litt aber auch nicht, daß Preußen sich an Stelle Oesterreichs in Deutschland erhob, sondern schützte den zerrütteten Kaiserstaat. ,
Voll Ingrimm sah Nikolaus, daß Preußen em konstitutioneller Staat wurde und Verhandlungen anknüpfte, um das Projekt der deutschen Union durchzuführen; er dachte an eine Intervention zu Gunsten der Politik des Fürsten Felix Schwarzenberg, ja an einen Krieg gegen Preußen, da es ihm nicht gelang, ein Kabinett G^lach in Berlin
*Hus dem neu erschienenen Buche: Drei Jahrhunderte russischer Geschichte (1598-1898). Von Dr. A. Kletnschm dt, Unwerstlats Professor in Heidelberg. Mit 2 »emalogtschm Tasein, 1 Portiaittaf l und 1 Karte (Entwickelung Rußlands). Geheftet Mk. 9,—, elegant gebunden Mk 10,50.
Keßener Anzeiger
Heimat-Anzeiger
Stockung im Handel und Wandel! Und welche Sturzflut hinterher! Es geschehen so schon Unglücksfälle genug, bei derartigen Intermezzi wäre es gar nicht auszudenken, was die Hochflut von elektrischen Straßenbahnwagen, Droschken, Automobils, Dreirädern, Eselskarren, Frachtfuhrwerken rc. für Unheil anrichten würde. Denn wer nicht ganz gute Nerven hat, hält es nicht lange aus, an einem der Brennpunkte des Berliner Verkehrs zu stehn, ohne daß ihm „blümerant" würde. Die Passage für Fußgänger am Potsdamer Platz, an der Kreuzung der Leipziger und Friedrichstraße, am Spittelmarkt und am Alexanderplatz wird immer bedenklicher, und es giebt nicht wenige, zumal unter bett älteren Frauen, die diese Plätze nur im Omnibus oder Straßenbahnwagen passieren mögen. Die rapid zunehmende Steigerung des elektrischen Betriebes hat das Betreten des Fahrdammes der belebteren Straßen auch geradezu unheimlich gemacht. Die Wagen kommen so leise, „wie auf Socken" und so schnell dabei angefahren, daß es einem ordentlich einen Ruck giebt, wenn man plötzlich eines der Ungetüme auf sich zusteuern sieht. Und der zäheste Hypochonder vergißt seinen Rheumatismus und fängt an zu laufen, bis er auf dem sicheren Fußsteige ist, wenn er nicht noch das Unglück hat, einem der noch viel schneller rasenden Elektromobile vor die Räder zu kommen. Auch elektrisch getriebene Omnibusse sind schon in Gebrauch, und ich glaube, die armen Pferde gehen einer trüben Zukunft entgegen. Neulich marschierten halbwüchsige Jungen durch die Straßen, mit Plakaten, auf denen Roßbraten die Portion zu 15, 20 und 30 Pfennig angezeigt war, und ich sing den Buck eine- alten Droschkengauls auf, dem die Ankündigung lewer nicht entgangen war. Die Wehmut des bekannten „letzten Postillons" ist sicher nicht schmerzlicher gewesen! A. R.
Feuilleton.
Berliner Brief.
(Plaudereien aus der Kaiserstadt.)
(Nachdruck verboten.)
Der Zar kommt. — Verlorene Liebesmüh. — Petersburger Reminiszenzen. — Au den Brennpunkten des Verkehrs. — Pferdeperspektiven.
„Fahren Sie mit nach Potsdam? Der Zar kommt!" — „Ja, aber wann?" — „Soviel ich weiß, am Dienstag „Bitte, hier steht, am Mittwoch, und hier am Donnerstag! Hier können Sie lesen, daß er früh um sieben Uhr einlnfft; hier heißts: um acht; hier um neun; hier um elf!" — „Scheußlich, diese Irrlichtern! Welche Stunde stimmt nun? Das beste ist schon: wir knobeln es ans, und lesen nachher in der Zeitung, ob wir Recht gehabt haben!"
Und es wäre wirklich das beste gewesen! Aber die liebe Neugier! Und das stolze Gefühl, dabei gewesen zu jein! Station Wildpark war schon von früh an das Ziel einer erklecklichen Anzahl jener glücklichen Berliner, deren einzige Lebensaufgabe darin besteht, überall „dabei zu jein". Galt es doch, den vornehmsten Vertreter der Friedensidee zu begrüßen, einen Blick auf das von leiser Melancholie überhauchte, schwarzumbartete Fürstenantlitz zu thun, und der schönen Zarin zu huldigen, die aus der lieben deutschen Heimat wieder in das kalte Rußland hinein, fährt, wo man ihr den noch immer fehlenden Thronfolger heimlich als Mangel an Patriotismus anrechnet! — Aber das schmucke Militär und die fieberhaft thätige russische Polizei hatten den Bahnhof so ausgiebig besetzt, und die kurze
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«trefft für Depeschen: Jk«jci«et Fernsprecher Nr. 51.


