Ausgabe 
11.8.1899 Zweites Blatt
 
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uerbcn den Ministern direkt unterstellt werden, welchen sie ihre Vorschläge betreffend Organisation des Heeres, General­stabes. Ministeriums rc. zu machen haben. Wie verlautet, hat König Georg die Absicht, auf seiner Reise durch Europa persönlich einen höheren deutschen Ossizier für die Armee und einen englischen Offizier für die Flotte auszuwählen. Da die griechische Flotte im Jahre 1886 durch französische Offiziere unter dem Admiral Lejeune organisiert war, jetzt aber englische Offiziere hierzu berufen werden, glaubt man hieraus auf eine Annäherung an England schließen zu können.

M.P.C. Vereinigte Staaten. Nach den neuesten Ver­öffentlichungen umfaßt das Offizierkorps der Marinei Ad­miral (Dewey), 18 Kontreadmirale, 70 Kapitäns z. S., 112 Korvettenkapitäns, 170 Leutnants, 300 Fähnriche, 207 Kadetten. Erwähnenswert ist das hervorragende Avancement des Leutnants Hobson, welcher für seine kühne Thal vor Santiago einen derartigen Vorteil erhalten hat, daß er Anfang 1901 mit ungefähr 30 Lebensjahren Kapitän -nr See wird, während der jüngste Kapitän zur See jetzt 56 Jahre alt ist. . ,r E ,

M.P.C. Japan. Die in letzter Zett öfter cmftauchen- den Gerüchte von einer Annäherung Japans an China, welche nicht besonders überraschen dürften, lassen es in­teressant erscheinen, wieder einmal einen Blick auf die Ent­wickelung der japanischen Streitkräfte zur See zu richten, welche unglaubliche Fortschritte gemacht hat und die Auf­merksamkeit ganz Europas auf sich lenkt. Bereits 1897 besaß Japan 5 Kreuzer zu 3500 Tonnen vom Typ Akitsu Shima, 6 Kreuzer vom Typ Hashidate und Matsushima mit Torpedolanzierrohren und Kruppschen Geschützen ver­sehen, von 19 bis 20 Knoten, 8 minderwertigen Geschützen. NebendiesenKreuzern eine ansehnlicheTorpedobootsflottilleund die von China eroberten Schiffe. Seitdem sind bereits neu hinzugetreten: 2 Linienschiffe zu 13000, 4 zu 15000 Tonnen, letztere in England gebaut, und 3 zu 5000 Tonnen und 22 Knoten, in S. Francisco und Elswick gebaut. Der weitere Bauplan, welcher sich zunächst auf 10 Jahre aus- dehnen sollte, voraussichtlich aber schon in viel kürzerer Zeit durchgeführt sein dürfte, und den Fortschritten der Schiffs­baukunst entsprechend viele Aenderungen bereits erfahren hat und wohl noch erfahren wird sieht noch nachstehende Schiffe vor: 2 Linienschiffe l.Kl. vom Typ Asaki mit vier 305 Millimeter Geschützen und einer bedeutenden leichten Artillerie und 4 Torpedolanzierrohren zu 19 Knoten. Vier Kreuzer 1. Kl. zu 20 Knoten, 6 Kreuzer 2. Kl. zu 27 Knoten, wo n denen einer bereits in den Vereinigten Staaten fertig gestellt; 10 Torpedohootszerstörern zu 30 Knoten; 8 Torpedo­bootszerstörern zu 31 Knoten; 23 Torpedoboote 1. Kl; 31 2. Kl; 35 3. Klaffe. Der größte Teil dieser Schiffe wird im Auslande gebaut, viele dagegen auch im eigenen Lande, feitdem Japan Docks und Hellinge zum Bau größter Schiffe hergestellt hat. Unzweifelhaft wird Japan nach Durch­führung feines Flotten-Bauplanes und infolge seiner geo­graphischen Lage eine Seemacht in Ostasien repräsentieren, die den daselbst befindlichen Streitkräften aller anderen Nationen zusammengenommen überlegen sein dürfte.

Males Md MsvinMes.

Darmstadt, 9. August. Fürst Ferdinand von Bul­garien trifft heute in Bad-Nauheim ein, um sich daselbst einer mehrwöchigen Kur zu unterziehen. Behandelnder Arzt ist Medizinalrat Dr. Grödel. Der Fürst hat die Villa Thielemann gemietet.

f* Aus dem Kreise Offenbach, 7. August. Die furcht­bare Hitze, welche nun schon einige Wochen ohne Unter­brechung herrscht, zeigt nach allen Richtungen ganz bedenk­liche Folgen. In erster Linie tritt der Mangel an Grünfutter sehr hart auf. Der zweite Klee ist ganz ousgeblieben und das Grummet dürfte recht schmal aus­fallen. Trockene Wiesen braucht man gar nicht zu mähen. Die Dickwnrzeln haben sich bisher sehr langsam entwickelt, ks fehlte eben die nötige Feuchtigkeit und sie können nicht mehr einholen, was sie in andern Jahren um diese Zeit bereits aufweisen. Eine rapide Steigerung der Heupreise ist die natürliche Folge von diesen Verhältnissen. Die Kartoffeln sind gelb und zeigen ein abgestorbenes Aussehen; ein baldiger Regen würde nur den sogenannten Nachwuchs schaffen, der jedoch immer nachteilig ist. Unsere Landwirte jögern daher sehr in dem Verkaufe der Frühkartoffeln, welche sehr gut geraten und daher billig sind. Obst gibt u bekanntlich im ganzen Kreise sehr wenig; nur einzelne Orte, z. B. Sprendlingen, machen eine gute Aepfel-Emte.

Vermischtes.

Hanau, im August. In unseren Mauern wurde am ti. d. das 8. Verbandsfest mittelrheinischer evan­gelischer Arbeitervereine gefeiert, das, von fast sämt­lichen Verbandsvereinen besucht, einen erhebenden Verlauf nahm. Am Vormittag fand zunächst eine Delegiertensitzung ftatt. Nach Kenntnisnahme des Standes der Verbands- Sterbekasse, die am 7. Juni d. I. gegründet wurde und bereits 1360 Mitglieder zählt, wurde der Antrag Frankfurt, einen Agitationsausschuß zu bilden, beraten und angenommen. 6in weiterer Antrag Frankfurt, nachstehender Resolution beizutreten:Die evangelischen Arbeitervereine des Mittel­cheinischen Verbandes halten die bestehenden Bestimmungen ier Gewerbeordnung und des Strafgesetzbuches zum Schutze der Arbeitswilligen, besonders bei gleichmäßiger Anwendung nach beiden Seiten, für vollständig genügend. Dieselben verurteilen zwar entschieden jeden Terrorismus von Arbeit- ncchmern wie von Arbeitgebern, erblicken aber in der Ver­schärfung der betreffenden Bestimmungen der Gewerbeordnung, »i« solche in der Gesetzvorlage zum Schutz der Arbeits- »ikigen jetzt vorliegt, eine bedenkliche Bedrohung der frei- heutlichen Rechte der Arbeiter und eine Gefahr für unser 5el ilmtes Volksleben,insofern dadurch die Liebe zu Vaterland und

Monarchie für weite Volkskreise erschwert wird. Deshalb er­klären die evangelischen Arbeitervereine des Mittelrheinischen Verbandes sich entschieden gegen die sogenannte Zuchthausvor­lage und fordern dagegen volle Koalitionsfreiheit der Arbeiter" wurde gleichfalls angenommen. Einige weitere Punkte der Tagesordnung betrafen die innere Organisation der Ver­bandssterbekasse. Der Verein Butzbach wurde einstimmig in den Verband ausgenommen. Am Nachmittag fand in der Johanniskirche Festgottesdienst statt, wobei Pfarrer Lambert von Hanau die Festpredigt hielt. Dann gings in gemeinschaftlichem Zuge unter Vorantritt der Musikkapelle des Jnf.-Regts. 116 nach dem Gartenetablissement zum Bürgerbräu, wo eine Nachfeier bei Ansprachen, Gesangs­und Musikvorträgen abgehalten wurde. Namens des ver­hinderten Verbandsvorsitzenden sprach Werkführer Bärrn von Frankfurt die Begrüßungsworte. Sodann folgten noch Ansprachen von Vertretern aus Höchst, Wiesbaden, Bocken- heim. Vom Regierungspräsidenten v. Oerzen aus Sig­maringen, der mit an der Wiege des Hanauer Vereins ge­standen, war ein in treffliche Worte gekleidetes Begrüßungs­schreiben eingelaufen, auch der Kasseler Verein sandte ein Begrüßungstelegramm. Der Hanauer Verein feierte zu­gleich das Fest seiner Fahnenweihe. Dem Verband ge­hören nunmehr an die Vereine Höchst, Griesheim, Sind­lingen, Unterliederbach, Wiesbaden, Mainz, Frankfurt, Darmstadt, Oberrad, Niederrad, Bockenheim, Homburg v. d. H., Friedberg, Gießen, Butzbach, Oberursel, Limburg, Offenbach.

Franks. Journ."

Heidelberg, 6. August. Dieser Tage promovierte an der Heidelberger Universität Fräulein Bertha Kipf- müller aus Nürnberg, früher Lehrerin dort. Sie erlangte nach einem Studium von sechs Semestern den Doktortitel cum laude in Germanistik, Sanskrit und vergleichender Sprachwissenschaft. Ihre Dissertation behandeltJffland und seine Lustspieltechnik". Die Nähe Mannheims, das zum Quellenstudium dafür reiche Gelegenheit bot, mag die Wahl dieses Stoffes mit veranlaßt haben.

* Ein Großfeuer in Brandenburg a. H. entstand in der Gebr. Reich steinschen Fahrrad-Fabrik (Brennabvr- Werke), welche gegen 3000 Arbeiter beschäftigt. Die Ent­stehungsursache ist noch nicht aufgeklärt. Das Feuer brach in der Nacht vom Montag zu Dienstag 2 Uhr früh aus, ergriff das Maschinenhaus, die Lackiererei und die gesamte elektrische Anlage. Gegen 2% Uhr erfolgte eine Benzin- Explosion, wobei zwei Feuerwehrleute verletzt und einer getöbtet wurde, leider war ärztliche Hilfe nicht sofort am Platze. Der Schaden läßt sich noch nicht übersehen, dürfte jedoch sehr bedeutend fein. Die allgemein befürchtete Dampf­kessel-Explosion trat glücklicherweise nicht ein.

Ein Dreyfus Kinematograph. Im Londoner Palace- Theater wird allabendlich unter ungeheurem Andrang und großem Jubel des Publikums ein Kinematograph vor­geführt, welcher den Kapitän Dreyfus zeigt, wie er sich auf dem Gefängnishofe in Rennes ergeht. Man schreibt darüber aus London: Ein englischer Geschäftsmann hatte das Dach eines dem Gefängnisse benachbarten Hauses gemietet, von wo man den Gefängnishof bequem überschauen konnte. Auf diesem Dache errichtete er ein Gerüst zur Aufstellung seines Apparates. Aber sofort ließ der Gefängnisdirektor eine große Segelleinwand ausspannen, welche die Aussicht auf den Hof vollständig benahm. Da kam ein Engländer auf einen glücklichen Gedanken. Um der Sache einen möglichst harmlosen Anstrich zu geben, beklebte er das Gerüst mit riesigen Plakaten. Der Direktor war beruhigt und ließ die Leinwand wieder fortnehmen. Doch in der Mitte dieser Plakate befand sich ein kleines, kaum sichtbares Loch, durch welches das Objektiv des Apparates die regel­mäßigen Promenaden von Dreyfus festhalten konnte, ohne daß der Gefangene von der Teufelsinsel, sowie fein Wächter eine Ahnung davon hatten.

Ein Zeitgenosse Goethes ist letzter Tage in Ilmenau bei Jena gestorben. Dieser letzte Mann, der Goethe noch persönlich gekannt hat, war der Geh. Hof- und Justizrat Dr. jur. et phil. Karl Gille. Nun ist der würdige Greis, 86 Jahre alt", selber hinübergegangen, und allseitig wird das Bedauern sein, daß es ihm nicht vergönnt gewesen, den 150. Geburtstag des Großen, an den sich die köstlichsten Erinnerungen seines Lebens knüpften, noch mit zu erleben. Gille war der Sohn eines Weimarischen Polizeisekretärs; er kam als junger Mensch wiederholt in Goethes Haus und hat als Primaner an seiner Beerdigung teilgenommen. In den früheren Versammlungen der Goethe-Gesellschaft erschien der alte, gütige Herr wiederholt und wurde nicht müde, feine kleinen interessanten Erinnerungen an den Weimari­schen Olympier den wiederholt fragenden und aufhorchenden Jüngeren mitzuteilen. In seiner Jugend muß Gille ein ziemlicher Brausekopf gewesen sein, der manchen tollen Streich in dem kleinen Weimar verübt hat. So wurde be­richtet, er habe eines Tages den Markt in Weimar mit mehreren Stricken überzogen, in denen sich dann zahlreiche Hunde verfingen, die naturgemäß einen Höllenlärm begannen. Gille wurde trotz seiner polizeilichen Herkunft vernommen, und ihm eine Buße auferlegt. Da soll er sich damit aus­geredet haben, der junge Goethe habe mit dem Herzog Karl August zusammen in seiner Weimarischen Frühzeit denselben Scherz getrieben, ohne bestraft zu werden. Die Sache zog sich weiter, und Gille soll darauf mit der Weimarischen Regierung in einen starken Zwist geraten sein. Seit Jahr­zehnten lebte Gille in Jena, wo er sich besonders um das Musikleben verdient gemacht hat. Gille war ein liebens­würdiger, gemütvoller Mensch, der sich in Jena allgemeiner Verehrung und der Gunst des ganzen Weimarischen Fürsten­hauses erfreute; Großherzog Karl Alexander und andere thüringische Fürsten bezeugten dem ehrwürdigen Manne oft ihr Wohlwollen. Mit ihm ist eine der interessantesten Er­scheinungen aus dem Leben geschieden. Der Großherzog hat seinem Wohlwollen für den Verstorbenen in folgendem Telegramm an Fräulein Anna Spiering-Gille, die Pflege­

tochter des Dahingeschiedenen, Ausdruck gegeben:Tief be< kümmert spreche ich Ihnen meinen allerherzlichsten Anteil an dem Verluste aus, den Sie erlitten. Es ist ein großer für die Universität, die zahllosen Freunde Ihres Pflege­vaters und für mich. Wann und wo ist das Begräbnis? Gott stärke Sie in Ihrem Kummer. Karl Alexander." Zu den Mitteilungen über sein Leben und Wirken sei noch h,n- zugefügt, daß die philosophische Fakultät der Universität Jena ihn schon vor längerer Zeit durch Ernennung zu ihrem Ehrendoktor ausgezeichnet hatte.

Eine Versuchsanstalt für elektrische Schleppschiffahrt ist mit staatlicher Unterstützung von Siemens & Halske in der Nähe von Eberswalde am Finowkanal errichtet worden. Die Versuche werden mit zwei verschiedenen Systemen durch­geführt ; einmal mit dem von Lamb, sodann mit einem neuen System, das der Oberingenieur von Siemens & Halske, Herr Köttgen, ausgebildet hat.

* Das Gebäude der Mariuekadcttenschule zu Peters­burg ist Dienstag von einem großen Brande heimgesucht worden. Nach einstündiger Thätigkeit gelang es der Feuer­wehr unter Mitwirkung von Militär den Brand auf seinen Herd zu beschränken. Der Dachstuhl des Gebäudes ist vollständig niedergebrannt, das letztere selbst zum größten Teil vernichtet.

* Der Feldwebel Spratte ist in K i a u t s ch o u an Ruhr gestorben. Er war zum zweiten Male nach Kiautschon gesandt worden, um bei der Ausbildung der chinesischen Schutztruppe unter Major v. Falkenhayn thätig zu fein.

* Eine Genie ist der Orthopäde Hessing, welcher der Kaiserin jüngst den festen Verband anlegte, der das Gehen ermöglicht. Aus dem Leben dieses Mannes teilen wir nach demBerl. Tgbl." einiges mit, das jeder mit Interesse lesen wird. Friedrich Hessing wurde 1838 in Schönborn bei Rothenburg a. d. Tauber (Baiern) als das neunte Kind eines armen Töpfers geboren. Er schreibt selbst von sich, wenn er als Knabe jemand mit einem krummen Bein oder auf Krücken gestützt einhergehen sah, so drängte sich ihm die Frage auf:Ist es nicht möglich, das Bein gerade und die Krücken entbehrlich zu machen?" So regten sich in ihm schon früh künstlerische und mechanische Triebe. Im Laufe der Jahre wurde es ihm immer klarer, daß die Orthopädie im alten Sinne nichts leisten könne, er suchte ein Heiltech­niker zu werden, und endlich kam ihm der entscheidende Gedanke, Maschinen herzustellen, die einen verletzten oder erkrankten Körperteil so entlasten, daß er, im Schweben ruhend, bei freier Bewegung des Körpers heilt. Ein gebrochenes Bein, ein entzündetes Gelenk beim Umhergehen des Kranken zur Heilung zu bringen, welcher Gewinn für den Kranken, wie ein gesunder Mensch zu leben, ohne die Qualen des Krankenbettes, in freier Luft, in heilsamer Thätigkeit! Dem Gedanken folgte die Thctt. Hessing erfand den Hüftenschienen-Verband, der es dem Kranken ermöglicht, sei nun ein Gelenk krank ober der Knochen gebrochen, sofort zu stehen und zu gehen. Er geht aber nicht auf dem kranken Gliede, sondern auf dem Apparat. Die Fußsohle berührt nicht die Sohle des Apparates, sondern die ganze Extremität schwebt in dem Apparat, ist gleichsam in ihm eingehängt, und die Körperlast ruht nicht auf dem kranken Gliede, sondern wird unmittelbar von dem Becken auf den Apparat übertragen, und so erfolgt die Heilung schnell und ohne Schmerzen. Hessing ging dann immer weiter, er führte seinen Gedanken aus, das Krumme gerade zu machen, und durch kunstreiche Maschinen jeder Art und jeder Anpassung macht er verkrümmte Rückgrate noch wachsender Körper gerade, bringt er völlig verdrehte Gliedmaßen in die richtige Lage, ja es gelingt ihm, Rückenmark-Erkrank­ungen dadurch aufzuhalten, daß er durch ein Korsett, welches den einzelnen Körperformen auf das Genaueste nachgebildet ist, die Wirbelsäule Tag und Nacht Jahre hindurch stützt. Daneben stärkt er den Körper durch kräftige, nach bestimmten Regeln zubereitete, leicht verdauliche Nahrung, durch langen Aufenthalt in frischer Luft, durch Uebuug der gelähmten Glieder, durch Passende Körperhaltung beim Sitzen und beim Liegen. Das Genialste an diesem Heilkünstler ist, daß er nicht schematisch behandelt, sondern individualisiert und seine Maschinen so baut, wie sie für den Einzelfall nötig sind. Im Jahre 1866 erhielt Hessing vorn baierischen Ministerium die Erlaubnis zur Errichtung einer Heilanstalt in Göggingen bei Augsburg, und so entstand nach seinen eignen Zeichnungen und Angaben sein erstes Sanatorium, dem bald zwei andere folgten. Hessing kennt weder Gips- noch Wasserglasver­bände, er legt vielmehr einen Leimverband an, zu dem er gewöhnlichen Tischlerleim benutzt. Zu gleicher Zeit wird die gerade Stellung der Extremitäten hergestellt. Die Hülsen schließen sich streng den Körperformen an und werden für jeden einzelnen Fall nach dem Modell des kranken Glie­des aus Pappe, Leinwand und Leder, zuweilen mit einge­legter Stahlschiene, gefertigt; sie sind an einer Seite je nach der Lage der Wunde oder der Verletzung offen und werden nach ihrer Anlegung zugeschnürt. Zur Hebung von Mißbildung dient außerdem die Anbringung kräftiger Gummi­bänder. Vor der Anlegung des Hülsenapparates werden etwaige Wunden, für dieFenster" offen bleiben, antisep­tisch verbunden. Die meisten der in Göggingen verbrauchten Nahrungsmittel werden auf eigenem Grund und Boden gewonnen. Hessing, der unter seinen Patienten viele hohe und höchste Personen zählte, so zum Beispiel vor einiger Zeit den Großherzog von Luxemburg, besitzt ein großes Rittergut, zu dessen vernünftiger Bewirtschaftung dieser geniale Mann auch noch Zeit findet.

Unwersitats-Uachrichten.

Marburg. 'Der Direktor beS pharmazeutisch-chemischen Institut-, Geh.-Rat Pros. Dr. Ernst Schmidt, hat einen erneuten Rus an die Universität Berlin abgelehnt.

Innsbruck. Der außerordentliche Professor der gericht- lichtlichen Medizin an der hiesigen Universität Dr. Karl Jpsen wurde zum ordentlichen Pcofeffor ernannt.