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Hannover
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Freitag den 11. August
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Nr. 187
Zweites Matt
Gießener Anzeiger
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Rußland und Frankreich.
Die Reise des französischen Ministers des Aeußern nach Petersburg läßt viele Leute nicht schlafen, und sie sinnen und grübeln über den Beweggrund, welcher Delcaffä veranlaßt hat, seine Schritte nach der russischen Hauptstadt zu lenken. Ergötzlich ist jedenfalls die Meldung, daß der Minister den Auftrag habe, den Zaren von seiner Rück- triltssehnsucht zu heilen, und an dieser Mitteilung ersieht man wieder, wessen die Sensationsmache fähig ist. Einmal dürfte beim Kaiser Nikolaus schwerlich schon jetzt der Wunsch rege geworden sein, sich von der Regierung zurückzuziehen, wenn er auch vielleicht mancherlei Enttäuschungen erfahren hat. Aber man sollte annehmen, daß der Zar schon beim Antritt des Regiments sich der Schwierigkeiten seiner Mission bewußt gewesen ist und daß er sich keinen Zweifel darüber hingegeben hat, wie lange Jahre es in Anspruch nehmen würde, wollte er reformatorisch auf die inneren Zustände seines gewaltigen Reiches einwirken. Und nur bezüglich der inneren Politik kann man von Enttäuschungen sprechen, die dem Zaren geworden sein können, denn auf dem Gebiete der äußeren Politik hat Rußland auch seit dem Regierungsantritt Nikolaus II. nur Erfolge zu verzeichnen, die die Machtstellung Rußlands nach außen hin nicht unwesentlich vermehrt haben. Also mit dem Zarenrücktritt ist es nichts! Andererseits aber würden die maßgebenden Petersburger Kreise sich schwerlich in ihre Angelegenheiten dreinreden lassen — selbst nicht von dem alliierten Frankreich.
Daß die Reise Delcasses immerhin Beachtung verdient, wollen wir gar nicht ableugnen, denn es ist kaum anzu- nehmen, daß der französische Staatsmann etwa seine Urlaubs zeit an der Newa zu verbringen gedacht; aber ist es denn so absonderlich, daß der Leiter der auswärtigen Politik eines Landes Veranlassung nimmt, mit dem Kollegen des ihm durch feierlich verkündete Allianz eng verbündeten Reiches persönlich Rücksprache zu nehmen über schwebende Fragen? Heute, wo die Interessen der einzelnen Staaten auf dem Gebiete der internationalen Politik so sehr in ein- ävdergreifen, ist das gar nicht weiter verwunderlich.
Bei dem Diner, welches der russische Minister des Aeußern Graf Murawjew seinem Kollegen von der Seine --ab, sind Trinksprüche ausgetauscht worden, welche aber ganz farblos waren und über die Mission Delcasses nichts »errieten. Daß das herzliche Verhältnis zwischen Rußland Md Frankreich in warmen Worten gepriesen wurde, verdient kaum hervorgehoben zu werden, aber den französischen leitenden Staatsmännern dürfte es doch Genugthuung bereiten. So, wie man sich vielleicht früher in Paris eine Allianz
Fürst Münster, deutscher Botschafter in Paris.
Berlin, 9. August. Die Verleihung der Würde eines preußischen Fürsten an den deutschen Botschafter in Paris, Grafen Münster, ist im Hinblick auf dessen gesamte Thätigkeit erfolgt. In dieser Beziehung wird darauf hingewiesen, daß es dem Botschafter nicht nur gelungen ist, während seiner amtlichen Thätigkeit in der französischen Hauptstadt das gute Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich aufrecht zu erhalten, sondern diese Beziehungen unter schwierigen Verhältnissen noch zu verbessern. Auch wird hervorgehoben, daß auf der Friedens-Konferenz im Haag der deutsche Botschafter alle Friktionen zwischen den deutschen und französischen Delegierten zu verhüten verstanden hat.
mit dem Zarenreiche gedacht hat, ist sie nicht ausgefallen; denn allen chauvinistischen Wünschen gegenüber ist der Zar bisher kalt geblieben, und seine korrekte Haltung hat jeden-
Feuilleton.
Die Teufelsbohnen.
Eine heitere Ehestandsgesckichte von Alwin Römer.
(Nachdruck verboten.) (Schluß.)
„Es ist doch kaum glaublich, was so eine Frau eigen- innig sein kann," sagte auf der Straße der Assessor zu Iturern Freunde. „Weil sie sich mit zehn Pfund Kaffee ver- zaloppiert hat, soll ich es abbüßett."
„Du trinkst ihn einfach nicht," riet der Doktor, der -ein kleiner Tyrann' daheim war.
„Dann ist ewiger Unfriede im Hause!" klagte kopf- Mttelnd der nachgiebige Ehemann.
„Na, dann will ich Dir etwas sagen. Geh' zu Ehwenckert auf dem Alten Markt und kauf' Dir heimlich zehn Pfund vom besten, und wenn sie nicht zu Hause ist, vertausche ihn mit dem Teufelszeug. Das läßt sich sehr gut machen."
„Wahrhaftig!" erklärte erfreut der Assessor. „Das gcht!"
Noch am Abend desselben Tages betrat er, nachdem er seiner Frau das Geleit bis ans Theater gegeben hatte, bin Laden des renommierten Kaffeegeschäfts, erstand zum Erstaunen der rothändigen Ladenjünglinge das stattliche Säcklein mit den duftenden braunen Bohnen und fuhr dann ml der Pferdebahn vergnügt heimwärts. Das Mädchen schickte er nach der Post mit dem Auftrage, Marken zu kaufen, und gleich, wie sie fort war, durchstöberte er die Vvrnatskammer nach dem schlimmen Bremer Beutel. Die Openation des Umschüttens war freilich nicht ganz so einfach, M »er sich das vorgestellt hatte. Aber da die Säcke gar $u \dyc voneinander verschieden waren, hätte er sich doch
dazu entschließen müssen. Schließlich wurde er auch damit fertig. Der neugefüllte Bremer stand an Ort und Stelle; die böse Sorte nahm er mit sich und vertraute sie einem Schränkchen seines Schreibtisches an.
Mit sichtlichem Wohlgefallen schlürfte er am anderen Morgen seinen' Frühtrunk.
„Siehst Du, heute schmeckt er Dir schon bester," sagte mit unverkennbarer Genugthuung Frau Klara, die ihn heimlich beobachtet hatte. „Du kannst es ruhig zugeben!" bohrte sie weiter. „Ich habe es an Deinem Gesichtsausdruck doch einmal gemerkt."
„Ja, ja," heuchelte er, innerlich überaus belustigt, „mir ist wirklich so, als ob er heute besser mundete! Aber früh hat man nicht den richtigen Kaffeegeschmack!"
Dann ging er seinem Amte nach. Er hatte eine voraussichtlich lange Sitzung vor sich und pflegte an solchen Tagen in einem Restaurant in der Nähe des Gerichts zu speisen. Erst am Abend kam er wieder nach Hause.
Mit einem Siegerantlitz trat ihm seine Frau entgegen.
„Ich sehe schon," sagte er lächelnd, „Dein Kaffeekränzchen ist brillant verlaufen. Du siehst aus wie ein Feldherr, der eine Schlacht gewonnen hat."
„Habe ich auch," sagte sie stolz. „Es war alles vorzüglich: Eis und Torte und Schlagsahne. Am allerbesten aber der Kaffee! ... Du lächelst! Du denkst, sie haben mir blos Komplimente geschnitten und hinterher über mich gesprochen? . . Nichts da! Ich habe die Beweise, daß sie es ehrlich gemeint haben. Der Kaffee ist wirklich vorzüglich!"
„Ja, ja, ich glaube es Dir!" unterbrach er sie schmunzelnd.
„Nein, Du glaubst es nicht. Du thust wieder nur so. Aber wenn selbst Frau Direktor Holst erklärt, so guten Kaffee noch nicht zu so fabelhaft billigem Preise gekauft zu haben, so wird wohl etwas Wahres dran sein. Denn die
falls in der Seinestadt anfangs stark enttäuscht. Auch sonst sind die Erwartungen der Franzosen, aus der Allianz Kapital zu schlagen, nicht in Erfüllung gegangen, und die Stimmung in Paris gegen den großen Freund war eine Zeit lang nicht die beste. Die Ereignisse in Frankreich haben die Aufmerksamkeit wohl von der äußeren Politik abgelenkt, aber es ist nicht unwahrscheinlich, daß die jetzige französische Regierung es für gut hält, mit dem Alliierten wieder festere Fühlung zu nehmen; wenigstens den Franzosen zu zeigen, daß der Bund mit dem Zarenreiche noch immer besteht. Und wie sie frohlockten, als im August 1897 der Zar das Wörtchen „alliance“ aussprach, so werden sie vielleicht heute befriedigt sein, wenn das herzliche Einvernehmen zwischen beiden Staaten aufs neue konstatiert wird, heute, wo eine ganz anders gefärbte Regierung in Paris am Ruder ist als vor zwei Jahren. Dem europäischem Frieden kann der Zweibund nicht gefährlich werden, daran kann auch die Reise Delcasses nichts ändern, (xx)
Deutsches Keich.
Berlin, 9. August. Zum Kaiserbesuch in Dortmund wird weiter gemeldet, daß die Einweihung des neuem Dortmund-Ems-Kanals nach dem ursprünglich für dem 3. August festgesetzten Programm in Gegenwart des Kaisers sofort nach der am Freitag früh 9 Uhr 40 Min. erfolgendem Ankunft stattsinden wird. Nach Beendigung der Feierlichkeiten besichtigt der Kaiser die Fabrik-Anlagen der „Union" und begiebt sich alsdann nach dem Rathause, wo ihm durch den Oberbürgermeister der Stadt Dortmund der Ehrentrunk kredenzt wird. Nach der Besichtigung einiger Sehenswürdigkeiten erfolgt die Abfahrt um Uhr nachmittags nach Essen, woselbst der Kaiser dem Geheimrat Krupp einem Besuch abstattet. Am Samstagvormittag trifft der Kaiser in Remscheid ein, besichtigt dort die Müngstener Brücke und das Schloß Burg. Nach abermaliger Uebernachtung in der Villa Hügel und einem Rundgang durch die Kruppschen Werke kehrt der Kaiser nach Schloß Wilhelmshöhe zurück. — Die städtischen Behörden von Dortmund haben sämtliche Minister telegraphisch zur Teilnahme an der Eröffnungsfeier eingeladen, aus welchem Grunde auch der Reichskanzler Fürst Hohenlohe in Dortmund eingetroffen ist.
Berlin, 9. August. Der Kaiser hat am 6. August, als am Tage der Schlacht von Wörth, einen Kranz am Sarkophag Kaiser Friedrichs im Mausoleum zu Potsdam niederlegen lassen.
Berlin, 9. August. Das Reichsversicherungs- arnt hat beschlossen, auf der Pariser Weltausstellung die
versteht sich entschieden darauf, und geniert sich nicht, einem das Gegenteil zu sagen."
„Ich bin vollständig überzeugt," erklärte er, nichtswürdig vergnügt über seine Täuschung, aber die Siegerin ließ sich nicht beirren. Offenbar hatte sie noch einen Trumpf in Händen, den sie erst ausspielen mußte, ehe sie das Thema abbrach.
„Das bist Du nicht!" erklärte sie kategorisch. „Aber damit Du es wirst und zugleich siehst, wie ich auf jede Deiner Launen Rücksicht nehme, auch wenn sie keine Berechtigung haben, so erfahre denn, daß mir die Damen die ganzen zehn Pfund Kaffee abgekauft haben, weil er ihnen so vortrefflich geschmeckt hat. Nun kannst Du mir nichts mehr nörgeln, und ich habe mein Geld wieder. Sogar für jedes Pfund fünf Pfennig mehr!"
„Abgekauft?" stöhnte er.
„Abgekauft!" triumphierte sie. „Und sogleich mitgenommen. Es war ein ordentlicher Kramladen in unserem Salon! Wir haben uns halb tot gelacht dabei! . . . Außerdem habe ich hier noch fünfzehn Pfund Nachbestellungen, darunter fünf Pfund für Frau Doktor Reiser, die einfach baff war ü"ber den Unverstand ihres Mannes. Gleich morgen schreibe ich nach Bremen."
„Immer schreib drauf los!" sagte er resigniert. „Aber wenn Deine Kaffeeschwestern die neue Sendung mit demselben Wohlgefallen verbrauchen, will ich Petroleum trinken."
„Wieso?"
„Weil Du Ihnen Schwenckerts beste Sorte verkauft hast, Du . . Du . . kleines . . Patentschäfchen Du! Gestern abend, wie Du im Theater warst, habe ich ihn gekauft und dann heimlich mit dem Schundzeug vertauscht. Das Pfund zwei Mark zwanzig! Und Du hast ihn heute mit einer Mark Profit losgeschlagen! Es ist geradezu einzig!"
Sie war ganz bleich geworden vor Bestürzung.


