Leipzig, 9. Mai. Die ausgetretenen Flüsse in der Umgebung Leipzigs haben große Verheerungen angerichtet. Auch der neue Palmengarten ist stark überflutet.
Ausland.
Paris, 9. Mai. Hier eingetroffene Privat-Depeschen aus Transvaal lauten sehr beruhigend. Ein Arrangement zur Erfüllung der Hauptforderungen des ausländischen Kapitals steht bevor.
Paris, 9. Mai. Der „Figaro" veröffentlicht heute einen Brief des Obersten Picquart, den er an den ersten Präsidenten des Kafsationshofes als Antwort auf die Aussage des Generals Gonse gerichtet hat.
Paris, 9. Mai. Hier verlautet bestimmt, daß Freh- cinet seine Entlassung genommen habe, um nicht genötigt zu sein, gegen Boisdeffre vorgehen zu muffen. Seit vierundzwanzig Stunden koursieren Gerüchte über die Beziehungen des früheren Generalstabschef Boisdeffre zu Esterhazy, Henry und Dupaty de Clam. Aus den neuesten gemachten Entdeckungen schließt man, daß Boisdeffre dem Spruche des Kassationshofes mit Bangen entgegensehe.
Loudon, 9. Mai. In hiesigen Regierungskreisen herrscht die Ansicht vor, daß Präsident Krüger es nicht bis zu einem offenen Bruche mit England kommen lassen werde und sich zur friedlichen Beilegung der Differenzen entschließen dürfte.
Londou, 9. Mai. Aus Peking wird gemeldet, daß im Norden der Provinz Shantung eine bedeutende Truppenbewegung stattsindet, welche dem Vertreter des Deutschen Reiches zu großen Besorgnissen Anlaß geben sollen.
Washington, 9. Mai. Der Präsident Mae Kinley ist erkrankt. Die Aerzte schreiben die Erkrankung dem übermäßigen Genuß von Tabak zu.
Vermischtes.
* Man schreibt der „Tägl. Rundschau" aus Bouu vom 3. d. Mts.: Die Ansprachen, die der derzeitige Universitäts- Rektor Geh. Medizinalrat Koester bei den diesmaligen Studenten-Jmmatrikulationen hält, finden allgemeine Beachtung, da man ein so freies, offenes Wort an dieser Stelle nicht immer zu hören bekommt. Heute unterzog er den „Saufkomment der Studenten" einer kritischen Betrachtung. Die Deutschen hätten, so führt Se. Magnifizenz u. a. aus, schon nach Regeln gesoffen, bevor es Tacitus gemerkt habe. Nach des Redners persönlichen, recht traurigen Erfahrungen sei ein großer Teil von Studenten, die durch das Saufen völlig verkommen, nicht das Opfer des Saufkomments, sondern fie seien ohne alle Regeln durch Suff nach eigener Wahl und Qual zu Grunde gegangen. In den letzten Jahrzehnten sei aber ein Saufkomment ausgestaltet und für viele studentische Korporationen als obligates Gesetzbuch gedruckt worden, der eine solche Fülle von unflätigem Zeug ohne Sinn und Verstand enthalte, daß er als ein Produkt des reinen Blödsinns erscheine. Es sei kaum begreiflich, daß der Student, der so stolz und eifersüchtig auf seine akademische Freiheit ist, sich zum Sklaven eines solchen sinn- und inhaltlosen Saufzwanges machen lasse. Nicht bloß seine Standesehre, die er sich nicht leicht von einem andern antasten lasse, gebe er preis, seine leibliche und geistige Gesundheit opfere er geschmacklosen Formen, die ihm selbst den Geschmack am Trinken verdürben. Man könne es nicht mehr zweckmäßig nennen, wenn durch Zwangs- maßregeln sich das Kneipleben zu einer rohen Saufschlacht gestalte, aus welcher die Füchse als Bierleichen hinausgetragen würden, und allabendlich der biersichere Fuchsmajor als Siegesheld hervorgehe, um wegen seiner Tyrannei von den Burschen belobt oder belallt zu werden. Er wisse, daß viele Korporationen den wüsten Saufzwang nie ein- geführt, und einige, die Abgeschmacktheit desselben einsehend, ihn in den letzten Jahren wieder abgeschafft hätten. Er hoffe, daß das gute Beispiel allseitige Nachahmung finde, denn unsere Nation brauche Männer, keine Biergreise!
’• Freunde der Arbeiterkolonien wird es interessieren, zu hören, daß eben jetzt in der Pfalz eine neue Arbeiterkolonie zu entstehen im Begriff ist. Nachdem die Gründung einer solchen schon im Jahre 1882 durch den damaligen Vorsitzenden des pfälzischen Zweiges der Südwestdeutschen Konferenz für innere Mission, Kirchenrat Lyncker in Speyer angeregt worden war, nahm der jetzige Vorsitzende der südwestdeutschen Konferenz, Prof. Krieg in Kaiserslautern, in Verbindung mit dem Schutzverein für Hilflose
das damals aus Mangel an Verständnis dafür wieder fallen gelassene Projekt erneut auf, und diesmal mit mehr Glück. Auf sein Betreiben konstituierte sich am 14. März 1898 in Neustadt der „Pfälzer Arbeiterkolonie-Verein". Am 12. April desselben Jahres erhielt derselbe die Körperschaftsrechte und Anfang dieses Jahres kaufte er in der Gemeinde Ramstein ca. 12 Hektar Land und legte damit den Grund zu der Kolonie, die nach dem Namen der Gemarkung „Schernau" heißen soll und wahrscheinlich in einer kürzlich noch hinzuerworbenen ehemaligen Mühle noch im Laufe dieses Jahres eröffnet werden kann.
* Die Bauarbeiten der Zweiten Acetylen-Fachausstellung in Cannstatt schreiten rüstig vorwärts und wird die Ausstellung am Eröffnungstage — den 11. Mai — fix und fertig fein. In der großen Halle, welche eine Länge von 60 Mtr. und eine Breite von 20 Mir. hat, sowie den zwei Nebenhallen ist von den diversen Firmen bereits mit der Aufstellung der verschiedenen Ausstellungsgegenstände begonnen worden und verspricht die Ausstellung schon heute, ein interessantes Bild der mächttig aufstrebenden Acetylen- Industrie zu bieten; wird solche doch von ca. 150 Ausstellern beschickt, darunter neben den bedeutendsten deutschen Firmen solche aus der Schweiz, England, Frankreich und dem sonstigen Ausland. Verschiedene Kioske, ein im altdeutschen Stile gehaltenes Bauernhaus geben dem ganzen Bilde etwas Abwechslung. — Da die Eintrittspreise billig normiert sind — Werktags 50 Pfg., Sonntags 30 Psg., Dauerkarten 3 Mk. — so ist ein reger Besuch der Ausstellung zu erwarten, umsomehr als auch ohne Erhöhung des Eintrittsgeldes jede Woche mehrmals Militär-Konzerte stattfinden sollen. — Die Zweite Acetylen-Fachausstellung dauert vom 11. bis 30. Mai er.
* Die Anwendung von Wayergas als Ersatz des Steinkohlengases gewinnt immer mehr an Bedeutung. So hat der Senat der Stadt Hamburg der Bürgerschaft eine Vorlage zugestellt, worin dieselbe um Genehmigung zum Bau einer Wassergasanstalt für 50000 Kubikmeter Tagesleistung ersucht wird. Die Kosten sind auf 600000 Mk. veranschlagt. Von allgemeinem Interesse sind die Gründe, die für diesen Beschluß maßgebend waren. Die Produktionsfähigkeit der Hamburger Gaswerke genügt für die Zukunft nicht mehr. In erster Linie wurde als zweckmäßiges Hilfsmittel die Erzeugung von WassergaS ins Auge gefaßt, dessen praktische Verwendbarkeit heute, nachdem in Amerika bereits zwei Drittel aller Gasanstalten Wassergas Herstellen, nicht mehr bezweifelt werden kann. Unter deutschen Städten gehen als erste mit dieser Neuerung Königsberg und Bremen mit dem Bau einer Anlage für 14000 Kubikmeter tägliche Leistung voran. Die Wassergasanlagen bieten den großen Vorteil, daß die Anlagekosten nur etwa ein Fünftel der Kosten der Kohlengasfabriken betragen. Der Koks findet bei der Erzeugung von Wassergas eine bessere Verwertung. Der Betrieb erfordert nur den fünften Teil der sonst notwendigen Arbeitskräfte. Die Hamburger Deputation ist auf einer in England, Holland und Belgien unternommenen Jnstruktionsreise zu einem einstimmigen Lob über die Einfachheit, Sauberkeit und Schnelligkeit des Betriebes der Wassergasanstalten gekommen. Man glaubt daher, dem Lichtbedürfniß der Stadt Hamburg durch den Bau einer Wassergasanstalt von 50000 Kubikmeter täglicher Leistung am besten und billigsten entsprechen zu können.____________
Auszug aus den Standesamtsregistern
der Gemeinde Mieseck.
Vom 10. April bis 7. Mai 1899.
Eheschließungen*
April: 30. Gepäckträger Heinrich Sommerlad mit Anna Elisabeth Deibel dahier. 30. Etsenbahnarbeiter Heinrich Philipp Schnabel mit Katharine Marie Luise Spuck dahier. Mai: 6. Der praktische Arzt Karl Ludwig Julius Schaaf mit Ottllie Rau dahier.
Geborene.
April: 10. Dem Handelsmann Julius Stern eine Tochter, Hertha. 11. Dem Taglöhner Heinrich Balthasar Schneider eine Tochter, Luise. 14. Dem Wagner Wilhelm Forbach ein Sohn, Otto. 15. Dem Metzger Julius Katz ein Sohn, Stegsried. 15. Dem Landwirt Philipp Kreiling ein Sohn, Ludwig.
™ Gestorbene.
Avril: 29. Landwirt Philipp Lotz III., alt 55 Jahre. Mai: 7. Heinrich Erb, Sohn von Bahnarbetter Johannes Erb, 7 Wochen alt. _____________________________________________
Kunst-Ausstellung. ausstellüng im Turmhaus am Brand ist täglich von 11 bis 1 Uhr mittags mit Ausnahme des Samstags geöffnet, Mittwochs auch noch von 3 bis 5 Uhr nachmittags, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 8 Uhr ununterbrochen. Eintritt für Nichtmitglieder an Werktagen 60 Pfg. an Sona- und Feiertagen 20 Pfg.
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1899
General-Anzeiger
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Die Gießener
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Die südafrikanische Frage.
Die Samoa-Streitigkeiten treten jetzt in zweite Linie Mrijck hinter die südafrikanischen Ereignisse, denn die englische Regierung hat jetzt Forderungen an die Südafrikanische Republik gestellt, welche einen bewaffneten Zusammenstoß aischt inend fast unvermeidlich machen müssen. Man schreibt dkl,A. R." darüber: In diesem Augenblicke befindet sich Mr. «Chamberlain in Paris, und zwar soll er dort mit den srmMschen Staatslenkern über die südafrikanischen Ver- hiltuiisse verhandeln. Das ist schon an sich recht auffällig, ti mind aber noch hinzugefügt, der englische Kolonialsekretär wolle Frankreich von Deutschland abziehen. Hierin liegt eine urrtiMiliche Auffassung, denn zwischen Deutschland und Frankreich hat keine Annäherung stattgefunden. Nicht einmal Ker Kuschodafall hat es vermocht, die französische Regierung jn einem Zusammengehen mit Deutschland in kolonialen KngM anzuregen. Ferner hat Deutschland sich in dem 1897)98 abgeschlossenen deutsch-englischen Abkommen mehr 1 Englcmd als Transvaal genähert.
Gerade weil dies lauter bekannte Thatsachen sind, ist Hk obige Erklärung recht bemerkenswert; aus derselben : !krichl das tiefe Mißtrauen, welches man in England gegen 'Deutschland hegt, überall glaubt man die Deutschen als 'Gegner zu finden. Wenn Chamberlain wirklich nach Paris megen Verhandlungen über Südafrika gekommen ist, so führt ri ikse Absicht zu verschiedenen Schlüssen. England hat mit ' Deutschland vor anderthalb Jahren einen Vertrag abge- f flössen, der das Reich in Gegensatz zu der Südafrikanischen Republik bringen sollte, jetzt sucht man eine Verständigung rnit Frankreich in derselben Richtung. Darin liegt ein X WetoeiS für die Absicht der Briten, mit Gewalt gegen Lümsvaal einzuschreiten. Mr. Chamberlain möchte inter- i itdioHiiIen Einsprüchen begegnen und setzt sich im voraus ruil den Regierungen in Verbindung, die in Transvaal starke ^Zpltrr ffen haben.
Die Gesamtverhältnisse in Südafrika haben sich seit 111896 bedeutend verändert; die Buren wurden von dem Cönfaffle Jamesons vollkommen überrascht; sie konnten in t le Eile nur 400 Mann zusammenbringen und der doppelt so» starken Räubertruppe entgegenstellen. Außerdem hatten illu Suren eine durchaus veraltete Bewaffnung. Seitdem
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fr heb die Burghers mit den neuzeitlichsten Hinterladern be- »mstnrt und haben mehrere Jahre Zeit gehabt, sich mit dÜechlben vertraut zu machen. Die Artillerie ist mehr als v «doppelt worden durch Ankauf von deutschen und französi- s chn Geschützen. Weiter bringt das Schutz- und Trutz- A8ind»is mit dem Orange-Freistaat den Transvaalern eine Mmnrhrung von 15 000 waffenfähigen Männern. Wesentlich f;1 kirnt in Betracht, daß die Buren jetzt äußerst mißtrauisch u M wachsam sind, sie werden nicht wieder überrascht werden, fionbtm M auf alle Möglichkeiten vorbereitet. Sollten d >ia Suren in dem bevorstehenden Kampfe wieder siegreich sssiih, sv sind weitgehende Folgen zu erwarten. Die Buren rrsabcn sich nicht noch einmal begnügen, den Feind zu schlagen uLi dcmn ruhig ihren häuslichen Arbeiten nachzugehen, sie ntititbeic über ihre bisherigen Grenzen hinausgehen. Schon diiielHatsache, daß seit 1896 das holländische Element im KLchfimrlament die Mehrheit hat, zeigt deutlich, . wie sich diiich Strömung verstärken muß. Die englische Herrschaft inn Südafrika ist dann innerlich bedroht und kann durch äiHllllche Machtmittel nicht erhalten und gekräftigt werden.
Deutsches Reich.
Lterlin, 9. Mai. Die „Dossische Ztg." meldet aus 953im: Die Berufung Visconti Venostas nach Rom wurde Wiswgs allgemein nur durch den Wunsch des Königs er» tWüt, über die Einleitung der chinesischen Unteruehmung bidxni) Las vorige Kabinett, die so stark angefochten wurde, mWnichtet zu werden. Die gestrigen langen Unterredungen nmUMoux, Sonnino, Luzzatti lassen es aber wahrschein- liih erscheinen, daß Visconti Venosta sich zum Eintritt in bcciS Jtabinett verstehen wird. Rudini und Luzzatti sollen ihtzll der wohlwollenden Haltung der Rechten versichert haben, fanite d.as Kabinett seine Grundlagen in dem rechten Centrum urBdenn gemäßigten Teile der Linken findet. In diesem FH 1k voürden vielleicht nur Canevaro und Palumbo aus- trnttm Nach einer Mitteilung der „Jtalie" wäre der Ein- tr7Ä Viisconti Venostas in das neue Kabinett gesichert.
23(11, 9. Mai. Die Trauerfeierlichkeiten für hu i »ar bin al Krementz haben gestern mit der Auf- bachmog und Einbalsamierung der Leiche begonnen. Dieser AMMzog sich in dem Empfangs-Salon des erzbischöflichen PMste«,


