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Rt, 238 Drittes Blatt. Dieilstaa dm 10 Oktober ISO»
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Gießener Anzeiger
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Lbreffe für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51.
Anthony Pollok-Gedächtnis-Preis
für
bie beste Vorrichtung zur Rettung von Menschen- leben bei Geenufälleu.
Die Erben des bei dem Untergange des Dampfers Dvurgogne am 4. Juli 1898 verunglückten Herrn Anthony Pollok aus Washington, D. C., haben beschlossen, zu seinem Gedächtnis einen Preis zu stiften, welcher die Bezeichnung „Anthony Pollok-Gedächtnis-Preis" führen soll.
Der Preis besteht in einer Schenkung von 100000 Francs, welche dem Erfinder der besten Vorrichtung zur Rettung von Menschenleben bei Seeunfällen zugesprochen werden soll. Zur Bewerbung um den Preis ist jedermann zugelafsen. Die gedachte Summe ist gegenwärtig bei der American Security and Trust Company zu Washington, D. C., hinterlegt, deren Zuverlässigkeit außer Frage steht, und wird an den erfolgreichen Bewerber ausgezahlt werden, nachdem die Entscheidung von einer zu dem Zwecke ernannten Jury gefällt und dem Staatssekretär der Bereinigten Staaten durch den Generalkommisiar der Vereinigten Staaten für die Weltausstellung von 1900 förmlich mitgeteilt sein wird.
Der seitens der Regierung der Vereinigten Staaten erwählte Preisrichter ist Leutnant William S. Sims von der Flotte der Bereinigten Staaten, Marine-Attache bei der amerikanischen Botschaft zu Paris.
Bei der Fällung der Entscheidung wird sich die Jury von folgenden Gesichtspunkten leiten lasten:
1. Es kann der ganze Betrag des Preises einer einzelnen Person zuerkannt werden, wenn deren Erfindung hinreichenden praktischen Wert und genügende Bedeutung hat, um die ausgesetzte Belohnung zu rechtfertigen.
2. Sollten mehrere Personen Erfindungen von gleichem Werte vorgelegt haben, so kann die Jury, falls sie es für recht und billig erachtet, jeder dieser Personen einen Teil des Preises zuerkennen.
3. Sollte keine der vorgelegten Erfindungen derartigen Wert besitzen, daß sie des Preises würdig ist, so kann die Jury jede und alle verwerfen; aber gleichzeitig soll sie ermächtigt sein, die konkurrierenden Erfinder durch solche Beiträge zu entschädigen, wie dies für ratsam erachtet wird.
Die wesentlichen Einzelheiten bezüglich dieser Preisbewerbung sind zwischen dem Generalkommissar der Ver- einigten Staaten für die Weltausstellung zu Paris 1900 Herrn Ferdinand W. Peck und dem französischen General- kommistar der Weltausstellung von 1900 Herrn Alfred Picard vereinbart worden.
Die Instruktionen für die Preisbewerber werden von
der Jury mit der Sanktion und Genehmigung der Behörden der französischen Ausstellung rechtzeitig ausgegeben und auf Ansuchen mitgcteilt wrrden. Zuschriften sind an die Mitglieder der Jury zu Paris oder an Mr. Charles J. Bell, President ot the American Security and Trust Company, Nr. 1405 G Street, Washington, District of Columbia, Ver. St. v. A., zu richten.
Auszug aus -en Kirchenvücheru der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
LukaSgemeinde.
Den 30. September. Johann JustuS Reimherr, Großberzogl. RegierungSaffeffor zu Darmstadt, und Anna Elisabeth Haller, Tochter des verstorbenen Landgerichtsrats Maximilian Joseph August Friedrich Haller zu Gießen. _
Denselben. Georg Meininger, WagenwSrter zu Gießen, und Franziska Keßler, Tochter des verstorbenen ZteglermetsterS Peter Kaspar Keßler zu Wieseck.
JohanneSgemeinde.
Dm 30. September. Georg J-kob Reichwein, Taglöhner zu Gießen, und Margarete LaunSpach, Tochter des verstorbmen Dtenst- manneS Heinrich LaunSpach zu Gießen.
Den 3. Oktober. Christian Melchior Martin Rain, Bahnarbeiter zu Gießen, und Bertha Marie Friederike Lewerenz, Tochter deS Arbeiters Johann Lewerenz zu Gützkow.
Denselben. Wilhelm Georg Karl Adols Albert Wagner, «po- thekenbesttzer zu Beuthen i. Schl, und Charlotte MyliuS, Tochter deS Zigarrensabrikaoten Heinrich Ludwig MyliuS zu Gießen.
Getaufte.
MatthüuSgemeindr.
Dm 30. September. Dem Kaufmann LouiS Schäfer ein Sohn, Karl Eduard Paul, geboren den 30. August.
Den 1. Oktober. Dem Fuhrknecht Johannes Hofmann ein Sohu, Georg Heinrich, geboren dm S. September.
MarkuSgemetnde.
Den 1. Oktober. Dem Bahnarbeiter August Fourier eine Tochter, Ottilie Anna Minna Juliane, geboren dm 16. August.
Denselben. Dem Milchkutscher Karl Vogel eine Tochter, Emmy, geboren dm 3. September.
LukaSgemeinde.
Dm 1. Oktober. Dem Hilssbremser Wilhelm Schneider eine Tochter, Elisabeth, geboren den 26. August.
Denselben. Dem Schreiner Heinrich Freihöfer eine Tochter, Helene Johanna, geborm den 15. August.
Denselben. Dem Hilssbihnwärter Heinrich Albach ein Sohn, Karl Philipp, geborm dcn 25. August.
JohanneSgemeinde.
Den 1. Oktober. Dem Bildhauer Jakob Atzbach eine Tochter, Luise Katharine Eltsabgth Margarethe, geborm den 8. September.
Den 3. Oktober. Dem Schutzmann Heinrich Schnabel eine Tochter, Luise Henriette Elisabeth Johanna, geboren den 13. Siptbr.
Den 5. Oktober. Dem Gastwirt Johannes Marker ein Sohn, Emil Karl, geboren den 7. September.
Beerdigte.
MatthäuSgemeiude.
Den 30. September. August Schleuning, Weißbinder, Sohn des verstorbmm Oekonomen Johannes Sch euning, 27 Jahre alt, starb den 28. September.
MarkuSgemeinde.
Den 1. Oktober Karoltne Laudon, geb. Kleinbenn, Ehefrau deS Schreiners Adolf Laudon, 48 Jahre alt, starb den 29. September.
Jobanuevacmewdr
Den 1. Oktober. Johanna Ottilie Möbiud, geb. Pfersdorf, Witwe des DekanS Johann Wilhelm Ludwig MöbtuS, 72 Jahre alt, starb den 29. S-ptemder.
Den 4. Oktober. Friederike Rüger, geb. Schmidt, Ehefrau deS SckubmacherS Emil Rüaer. 66 Jahre alt, starb den 30. September.
Meratur.
— Auf Deutschlands hohen Schulen. Eine illustrierte kulturgeschichtliche Darstellung deutschen Hochschul- und Studentenwesens. Herausgegeben von Dr. R. Fick in Verbindung mit anderen. 10 Lieferungen L 1 Mk. Vollständig geb. 12 Mk. Luxusausgabe in Leder geb. 20 Mk „Auf Deutschlands hohen Schulen" — welche reiche Fülle schönster Erinnerungen weckt dieses Wort in den jung gebliebenen Herzen der Alten, die einst auf Deutschlands hohen Schulen akademischer Freiheit sich erfreut, an den studentischen Idealen sich begeistert haben; welche Fülle vollkräftigen Lebens und geistigen Aufschwungs in den Herzen aller akademischen Bürger, die mitten drinn in der Burschenherrlichkeit stehm und die Zeit noch nicht absehen wollen, da die mutatio reram sie wehmutvoll in das Philistertum hinüberführt; welche Fülle gespannter Erwartungen, kühnster Lebenshoffnungen in der hochgeschwellten Brust des von engendem Schulzwang befreiten Mulus! Diese eigene Welt, die allen die Erfüllung jugendfroher Ideale bedeutet, soll in diesem Buche kulturgeschichtlich gewürdigt, und es soll nicht all-in gezeigt werden, wie diese Welt jetzt ist, wie die erträumte in Wirklichkeit aussieht, sondern vor allem auch, wie sie geworden ist, wie sie sich aus den mittelalterlichen Anfängen der Klofierschulen und des Vagantentums durch die Jahrhunderte zu der heutigen Universitas entwickelt hat, in der gleichwohl eine Menge alter und nur studentischem Wesen eigner Sitten und Gebräuche geblieben ist. Dem Werden und Wesen dieser merkwürdigen Gebräuche in Scherz und Ernst, beim Kneiptisch und bei pomphafter Feierlichkeit, auf dem Fechtboden und der forschen Mensur, ist ein ebenso großer Abschnitt des Buches gewidmet, rote dem Studium selbst, den Kollegien und dem ganzen Apparat des Examens- und Promotion!- wesens. So wird der junge Fuchs, der sich bei seinem Abgang auf die Universität einer ihm noch mehr oder weniger fremden Welt gegenübersieht, in dem Buche einen treuen und zuverlässigen Berater finden, der ihm zugleich ein anschauliches Bild der einzelnen Universität und deS dort herrschenden Lebens und Treibens entrollt, und der älteren Generation wird die von frischem studentischen Geist und von wertvollem Bilderschmuck belebte Darstellung fröhliches Burschenleben wieder vor die Seele zaubern und die Erinnerung an vergang ne, aber unvergeßliche Tage von neuem wachrufen. So wird mit dieser Geschichte nicht nur der deutschen Hochschule, der Pflanzstätte höchster geistiger Kultur, der Pflegestätte deutscher Art, ein Denkmal gesetzt, sondern zugleich ein Werk geschaffen, das sich als ein praktisches Hand- und Nachschlagebuch in allen akademischen Dingen erweisen wird.
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Hirr tritt dann auch der „Kartenstecher" in Thätigkeit, welcher in Gestalt eines gewöhnlichen Ringes an der linken Hand getragen wird und es dem Falschspieler ermöglicht, die Ecken der Karten mit feinen Nadelstichen zu versehen. Beim Austeilen der Karten fühlt er dann den Wert derselben heraus. In neuerer Zeit wird in gleicher Weise auch der Nagel des linken Daumen benutzt, der sich bei» Zusammenraffen der Karten in das betreffende Blatt hineinpreßt. Die von den Falschspielern angewendeten Manipulationen, das Kartenblatt von der Rückseite aus zu erkennen, sind von mannigfaltiger Art und werden in unzähligen Variationen ausgeführt.
Eine der sensationellsten Entdeckungen wurde im Jahre 1896 in Budapest gemacht. Es handelte sich um die Entschleierung eines Falschspieler-Geheimnisses, welches zu den raffiniertesten Methoden gehörte, mit denen jemals Karte« gezeichnet wurden. Das in Ungarn 'gebräuchlichste Rückenmuster der Karten weist punktierte Wellenlinien auf, die durch kleine, geöffnete Ringe unterbrochen werden. Verfolgt der aufmerksame Beobachter die Linien scharf mit den Augen, so wird er überall den Buchstaben „E® zu bilden vermögen. Hier setzte nun der Trick der Falschspieler ein. Mit gleiche» Farbstoff wurden die Punkte miteinander verbunden, und der Buchstabe E an den verschiedensten Stellen der Rückseite bezeichnete mit Präzision Farbe und Wert der Karte. Was uns auch Spielerprozesse Neues bieten mögen, welche FalschspielerGeheimniffe auch an die Oeffentlichkeit gezogen werden, in ihren Grundzügen werden sie stets den hier angegebenen Methoden ähnlich sein und nur den Beweis erbringen, daß jeder Riccaut das Glück im Grunde nach alte» Verfahren korrigiert.
Feuilleton.
Jalschspieler Heheimnifle.
Der Prozeß gegen die „Harmlosen" hat, wenn auch die Angeklagten von dem Verdacht des Falschspiels end- giltig gereinigt erscheinen, doch das Interesse für die Geheimtechnik solcher Spieler, die keine Kavaliere sind, neu belebt. Es wird diesen Riccauts eine größere Kunstfertigkeit in der Manipulation mit Karten zugeschrieben, als sie in Wahrheit besitzen. Alle Kunstgriffe eines gewandten Zauberkünstlers, wie Volteschlagen, Changieren, Palrniren, Filiren und Falschmischen der Karten, die beim Spiel zum Zwecke deS „corriger la fortune“ in Anwendung gebracht werden, find am Spieltisch, wo aller Augen auf dem Kartengebenden ruhen, so gut wie unausführbar, und der glänzendste Kartenkünstler würde mit ihnen nur einen zweifelhaften Erfolg haben. Die einem Zauberkünstler zuerteilte Rolle, als Sachverständiger in einem Spielerprozeß zu fungieren, konnte also von vornherein nur sehr bescheidene Ergebnisse haben, da auch er nur zu konstatieren vermag, daß seine in höchster Vollendung zur Ausführung gebrachten Kartenkunststücke am Spieltisch sofort durchschaut werden würden. Es ist ein^großer Irrtum, zu glauben, daß ein Falschspieler die Fertigkeit eines Prestidigitateurs besitzt. Die zur Darstellung von Taschenspielerkünsten erforderliche Nebung be- ruht auf einem feinen, bei scharfer Beobachtung aber sichtbaren Mechanismus der Hände, welcher sich nicht zum Zwecke des Falschspiels ausnutzen läßt.
Der beste und zuverlässigste Gehilfe des Falschspielers ist und bleibt der „Kibitz", welcher ihm durch Zeichen und
verabredete Michworte die Karten des „Gimpels" verrät. Es ist dies zugleich das sicherste System, eine Präparation der Karten unnötig zu machen, ein Wagnis, das ja bekanntlich dem Falschspieler leicht verhängnisvoll wird. „Arbeitet" der Falschspieler dennoch mit „gezinkten" Karten, so kommen vielerlei „Methoden" in Anwendung, um die Karten in unauffälliger Weise zu markieren. Die beste Gelegenheit bietet hierzu das von einer Frankfurter Firma in den Handel gebrachte Kartenspiel, dessen Rückseite von einem mit kleinen Ringen verzierten Rande umgeben ist. Die Langseiten weisen 9 Ringe auf, die je nach dem Werte der Karten ausgefüllt werden und 6, 7, 8, 9, 10, Bube, Dame, König, Aß bedeuten. Die Farbe wird durch die Schmalseiten bestimmt, wo vier Ringe erkenntlich sind, die zur Bezeichnung für Coeur, Pique, Carreau und Trefle dienen. In vornehmen Kreisen ist es aber Sitte, nur unbenutzte Karten zum Spiel zu verwenden und diese erst unmittelbar vor dem Spiel aus ihrer schützenden Hülle zu befreien. Hier ist der Falschspieler vor eine weit schwierigere Aufgabe gestellt. Es gilt für ihn zunächst, das Rückenmuster der Karten zu studieren. _ . .
Weisen diese das schottifch-schraffierte Linienfeld auf, so ist dem Glücksritter ein großer Vorteil geboten. Denn so gleichmäßig eine Rückseite mit der anderen zu korrespondieren scheint, so laufen die Linien doch an den Ecken der Karten in verschiedenartiger Weise aus, und schon nach wenigen Minuten haftet das Rückenmuster der markantesten Karten in seinem Gedächtnis. Eine in Paris beliebte Methode besteht auch darin, die Ecke einer Karte ,e nach ihrem Wert in unauffälliger Weise auf- oder abwärts zu biegen. Diese Methode wird am besten dort angewandt, wo das Rückenmuster keine Gelegenheit zur Orientierung bietet.


