Ausgabe 
10.9.1899 Zweites Blatt
 
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vollkommen durchnäßt war. Sofort wurde ein für derartige Fälle" in Bereitschaft gehaltenes Kostüm herbeigeholt. Es war ein hübscher schwarzer Anzug mit hochrotem Kragen und schien noch ganz neu zu sein. Da das Wetter ungewöhnlich warm war, blieb man sehr lange im Wasser. Als die übermütigen Nymphen endlich den Wellen entstiegen und sich lachend und plaudernd anzukleiden begannen, zeigte es sich, daß die zarthalsige Miß über und über mit roten und schwarzen Streifen bedeckt war. Der Reserve-Badeanzug" hatte abgefärbt und zwar vollkommen echt. Am Abend erschien dieNeue" ebenso wie ihre heim­lich sich anstoßenden Gefährtinnen in einer bis zu den zier­lichen Ohren hinaufreichenden Toilette.

* Ein Nachkomme Mohameds. Nach Mitteilungen eines Deutschen, die derT. R." aus Sansibar zugehen, weilte dort bei Abgang der Post seit einiger Zeit ein gewisser Aga Khan. Er wird für einen geraden Nachkommen der Tochter Mohameds gehalten und als solcher von einer in Sansibar ziemlich zahlreich vertretenen Sekte der Mohame- daner, den sogenannten Khojas, als Gott verehrt. Seine Anwesenheit hat die Leute zum Teil wie berauscht gemacht. Von allen Seiten fließen ihm Geschenke zu; der Eine schenkt 50000 Rupien, der Andere 20000 und so fort. Man nimmt an, daß die Summe, welche Aga Khan von Sansibar mit hinwegnimmt, sich auf eine halbe Million belaufen wird. Unter dieser Freigebigkeit leidet das Geschäft natürlich er­heblich. Die Leute sind zum Teil so fanatisch, daß sie sich geradezu arm schenken, um hernach vielleicht ihren Zusammen­bruch anzumelden. Aga Khan kommt von Europa, wo er

mehrere Monate sich aufgehalten hat. Später geht er nach der Küste Deutsch-Ostafrikas, um auch dort seinen Anhängern sich zu zeigen. Sein eigentlicher Sitz ist Bombay. Dort hat er auch seine meisten Anhänger. Er ist noch ganz jung, spricht fließend englisch und französisch und führt den TitelHis Highness (Se. Hoheit). Die englische Regierung kommt ihm seiner Macht und seines Ansehens wegen mit der größten Zuvorkommenheit entgegen; von den Europäern in Sansibar dagegen wird er völlig übersehen.

* Ein interessantes Erlebnis mit einem Rehbock, das die Aufmerksamkeit der Jagdfreunde erregen dürfte, wird aus der Umgegend von Hildesheim erzählt. Vor einiger Zeit war ein Soldat des dort garnisonierenden 79. Infanterie- Regiments fahnenflüchtig geworden, und konnte lange nicht entdeckt werden, bis kürzlich beim Regiment die Nachricht einlief, der Ausreißer halte sich vermutlich in den umfang­reichen Waldungen bei dem nahen Soolbade Salzdetfurth auf. Um nun den Flüchtling einzufangen, nahm das Re­giment gelegentlich einer Fel'ddienstübung in der dortigen Gegend eine Absuchung der betreffenden Waldreviere vor, wobei der Gesuchte auch aufgefunden wurde. Er befand sich in einem kläglichen, dem Hungertode nahen Zustande. Nicht wenig aber erstaunt waren die Soldaten, die den entwichenen Kameraden aufgesunden, in seiner unmittelbaren Nähe einen kräftigen Rehbock anzutreffen, der sich bei ihrer Annäherung anschickte, den Deserteur, mit dem er anscheinend Freundschaft geschlossen hatte, zu verteidigen. Es stellte sich denn auch heraus, daß dem hilflosen Flüchtling die

vollständige Zähmung des Tieres gelungen war. Leider mußte es seine Anhänglichkeit an den Soldaten mit dem Tode bezahlen. Als der Rehbock verscheucht wurde, setzte er in der Angst über unebenes Gelände, kam zu Fall und brach das Genick.______________________________________

Universitäts-Nachrichten.

Berlin. In Groß-Lichterfelde ist der königliche Landes« geologe Professor Dr. Theodor Ebert im 43. Lebensjahre gestorben.

Halle. Die hiesige Universität verlieh zum erstenmal den Doktortitel Honoris causa an eine Dame, Miß Smith Lewis in Cambridge, für die Entdeckung und Herausgabe von Grundtexten der Bibel.

Freiburg 1. Br. An der hiesigen Universität ist die ordentliche Professur der Moral dem bisherigen Direktor des theo­logischen Konvikts Dr. Karl JuliuS Mayer übertragen worden.

Wien. Der außerordentliche Profesior der Physiologie an der hiesigen Universität Dr. Sigmund Fuchs wurde zum ordentlichen Profesior der Anatomie und Physiologie der Haustiere an der Hoch- fchu e für Bodenkultur ernannt.

Wien. Zum Professor der Elektrotechnik an der technischen Hochschule wurde der Ober-Ingenieur und bisherige Leiter der Ab« teilung für elektrotechnische Centralstationen und elektrische Bahnen der Firma Siemens und Halske in Wien, Karl Hocheneeg ernannt. Wie offiziös mitgetetlt wird, ist ihm der größte Gehalt unter allen österreichischen Hochschulprofessoren zuerkannt worden.

Zürich. Der Regierungrat hat hinsichtlich der Teilnahme der sog. er" an bei: Vorlesungen der hiesigen Hochschule den Beschluß gefaßt, daß diese in der Regel nicht mehr als acht ein« stündige Vorlesungen in der Woche besuchen dürfen. Die Er­laubnis, mehr Vorlesungen zu besuchen, soll im allgemeinen nur an Hörer schweizerischer Nationalität und an solche, die sich für züricherisches Fachexamcn (neuere Sp.ache und Geschichte, Notariat- und R-chtsanwaltschaft) vorberetten, erteilt werden.

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