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10.9.1899 Zweites Blatt
 
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Nr. 213 Drittes Blatt.Sonntag den 10. September LGVÄ

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5>as Schriststelker-Keim in Jena.

Es gelangen jetzt überall hübsch ausgestattete Baustein- Karten zur Ausgabe, die das Bild eines stattlichen Hauses im Renaissance-Stile ausweisen. Ein solches Haus soll dem­nächst als Schriststeller-Heim in Jena errichtet werden, und mit den Karten richtet das Heim-Komitee an alle Freunde unserer Litteratur einen Appell, zur Erbauung des Hauses je nach Kräften ein Scherflein beizutragen.

Das Komitee besteht aus den Schriftstellern: Victor Blüthgen, Martin Greif, Joseph Kürschner, Otto v. Leixner, Julius Lohmeyer, Adolf Pichler, Ferdinand von Saar, Ludwig Salomon, Timon Schroeter, Ernst Wichert und Ernst von Wildenbruch, sowie dem Jenaer Oberbürgermeister H. Singer.

Jeden, der Antheil an der Entwickelung unserer Litte­ratur nimmt, wird es gewiß mit Freuden erfüllen, daß endlich auch den Förderern des deutschen Schrifttums für die Tage des Alters eine behaglich trauliche Heimstätte er­richtet werden soll. Alte Krieger, alte Lehrer, alte Schau­spieler usw. besitzen längst derartige Feierabendhäuser wahrlich, die deutschen Schriftsteller haben ein solches nicht minder verdient. Gleich Fackelträgern sind sie als Erleuchter unserer Nation jederzeit vorangeschritten; als Herolde haben sie in trüber Zeit das Volk wieder aus tiefer Nieder­geschlagenheit aufgeweckt und zu neuen Thaten begeistert. Man denke nur an Arndt, Theodor Körner und Max von Schenkendorf! DieWacht am Rhein", so hat ein sach­verständiger Mund versichert, habe mehr geleistet, als ein ganzes Armeekorps.

Wohl ist es auch früher schon anerkannt worden, welche gewaltigen Impulse unser Schrifttum und unser National­geist durch unsere Dichter und Denker erfahren hat. Aus dankbarem Herzen erstand nach den unvergeßlichen Schiller­festen 1859 die Schillerstiftung, die nun schon Jahrzehnte lang segensreich wirkt. Allein diese Stiftung gewährt, ihrer Natur entsprechend, nur Geldunterstützungen. In Jena soll ein Schritt weitergegangen, ein eigenes Haus soll den Schriftstellern zur Verfügung gestellt werden. Wie jetzt die Reichsboten unter der hohen Kuppel des Neichtagsgebäudes,

so sollen künftig auch die deutschen Schriftsteller und Jour­nalisten ihre genossenschaftlichen und wirtschaftlichen Ange­legenheiten im eigenen Hause in Jena beraten, und außerdem soll der Bau den Männern und Frauen von der Feder in den Zeiten der Not und des Alters eine Zufluchtsstätte bieten. Denn:

Seltsam spielt der Erfolg! er belohnt oft den Macher mit Schätzen, Und an dem vortreff tLen Mann fliegt er oerächtltcht vorbei."

Ein sehr wichtiger Anfang zur Verwirklichung des Planes ist bereits gemacht worden. Ein Mitglied des deutschen Schriftsteller-Verbandes in Jena hat in hochherziger Weise den reizend gelegenen Bauplatz gestiftet, der einen Wert von 25,000 Mk. repräsentiert, die Stadt Jena ist dem Projekte durch verschiedene Vergünstigungen entgegen­gekommen und der Großherzog von Sachsen, der erlauchte Förderer aller litterarischen und künstlerischen Bestrebungen, hat das Protektorat über das Heim übernommen. Möchten daher die warmherzigen Verse Otto v. Leixners in allen Herzen ein Echo finden:

Liede, sie rufi Euch zum Werk, Ihr deutschen Männer und Frauen, Denen begeistertes Wort jemals das Herz hat gelabt

Oder beflügelt den Geist, daß in Stunden tnnrer Erhebung Er des umnebelten Thals Mühen und Sorgen vergaß.

Dann wird der freundliche Bau einst sprechen zu Söhnen und Enkckn: Liebe, sie rief: und daS Volk fügte zum Steine den Stein!"

Die Baustein Karten sind in der Preislage von 1 Mk., 10 Mk., 20 Mk., 50 Mk., 100 Mk., 500 Mk. und 1000 Mk. überall zu haben. Wo dies noch nicht der Fall sein sollte, wolle man sich direkt mit demOrtsausschuß für das Schriftsteller-Heim in Jena" in Verbindung setzen. Der Bilderschmuck wurde von Künstlerhand ausgeführt und stellt insbesondere in den höher bewerteten Exemplaren ein äußerst geschmackvolles Kunstwerk dar.

Dr. Ludwig Salomon -Elberfeld.

Vermischtes.

* Der Manöver-Wagen des Kaisers. Für den Manöver­dienst des Kaisers besitzt der königliche Marstall in Berlin zwei besondere Wagen, die ausschließlich für diesen Zweck

bestimmt sind. Beide sind ganz gleich gebaut. Es sind zwei Viktoria-Wagen mit aufzuklappendem Verdeck. Abgesehen von ihrer Leichtigkeit unterscheiden sich die Wagen von anderen ihrer Gattung dadurch, daß unter dem Kutscherbock eine Lade angebracht ist, die herausgezogen werden kann, um die Platte eines Schreibtisches zu bilden. Papier, Umschläge, Siegellack, kurz alles Notwendige zum Erledigen von Briefschaften vervollständigen die Einrichtung und machen es dem Kaiser möglich, an jeder beliebigen Stelle mit Be­quemlichkeit zu schreiben. Plätze hat der Wagen, abgesehen von denen für den Kutscher und den Leibjäger auf dem Bock, nur zwei im Vordersitz. Der Anstrich ist hellbraun. Einer der Wagen begleitet den Kaiser auf größeren Reisen und wurde selbst schon nach Schweden mitgenommen.

* Eine waschecht gefärbte Schönheit. In dem hübschen englischen Badeort Margate erzählt man sich folgendes nette Geschichtchen, das bezeichnend ist für die selbstlosen Gefühle, die oft in jugendlichen Mädchenherzen schlummern. Zu einem kleinen Kreise übermütiger junger Damen, die für die Dauer des Strandaufenthaltes treue Freundschaft ge­schlossen hatten, gesellte sich unlängst noch das anmutige, vertrauensselige Töchterchen eines in derCity" sehr be­kannten Börsenmannes. In ihrer Harmlosigkeit erwähnte dieNeue", daß sie zu dem nahe bevorstehenden Tanzfest eine dekolletierte Toilette anziehen werde. Unter den andern jungen Mädchen befand sich keines, das sich diesen Luxus gestatten konnte. Sie waren alle zu sehr verbrannt und hatten zum Ueberfluß jene sogenannte Salzuäpschen aufzu­weisen. Der Gedanke, daß die Neugekommene ihren thur­sächlich schönen Hals zur Schau tragen würde, war daher allen sehr unangenehm. Es gab da mehrere junge Herren, die dann ganz sicher nur Augen für die zarthalsige Beautö in dem duftigen ausgeschnittenen Gewände haben dürften, während sie selbst in ihren geschlossenen Kleidern wie Pro­vinzlerinnen aussehen und unbeachtet als Mauerblümchen paradieren würden. Das mußte auf jeden Fall verhindert werden. Am Vormittag des wichtigen Tages, als die jungen Damen wie gewöhnlich gemeinsam baden wollten, machte die Neue die Wahrnehmung, daß ihr Badeanzug

Feuilleton.

5>ie Wosen von la Malmaison.

Von Johannes Pasig.

(Nachdruck verboten.) (Schluß.)

Die beiden näherten sich bereits wieder dem Schlosse, und Alexander, dem daran lag, dem Gespräche bald eine andere Wendung zu geben, sagte:Ew. Majestät sind in der Lage einer Witwe, die, wenn die Tage der ersten herben Trauer vergangen sind, auch die heilige Pflicht hat, an die eigene Zukunft und die ihrer Kinder zu denken."

Es ist wahr," seufzte Josephine.Man hat mir wieder und wieder gesagt, daß Ew. Majestät der einzige sind, der in den Verhandlungen der Verbündeten mit Frank­reich unsere Sache mit Kraft und Eifer vertritt, der sich bemüht, Bonapartes und der ©einigen Zukunft günstiger zu gestalten. Ich habe es nicht glauben wollen, aber Hortense hat sich verbürgt für die Aufrichtigkeit Ihrer Freundschaft, und einem solchen Bürgen kann ich nicht mißtrauen."

Freudig erwiderte Alexander:Ich danke der Königin von Herzen für dieses Vertrauen, und da die Tochter meine Bundesgenossin ist, werde ich das Vertrauen der Mutter bald ganz erobern."

Vertrauen gegen Vertrauen!" sagte Josephine, indem sie dem Kaiser frei ins Angesicht blickte,wie steht es um die Anerkennung des Königs Eugen, um diese Haupt­bedingung, unter welcher der Kaiser in seine Abdankung gewilligt hat? Ist es wahr, daß man in den Tuilerien diese Bedingung als nicht vorhanden betrachtet? Mas haben Sie ausgerichtet für meinen Sohn, für meine Tochter und Mr deren Kinder?"

Was den König betrifft," antwortete der Kaiser,so ist es so, wie Ew. Majestät sagen. Ich bin allein lebhaft eingetreten für seinen Thron, aber ohne Erfolg. Aber ich habe wenigstens das erreicht, daß Saint-Lou zum Herzog­tum erklärt ist und Eigentum der Prinzessin Hortense bleibt. Somit ist deren Verbleiben in Frankreich und in der Ge­meinschaft Ew. Majestät gesichert. Ich habe erreicht, daß für Ew. Majestät eine Rente von einer Million Franks auf

die Staatskasse angewiesen wurde, da Sie sonst aller Ein­künfte verlustig sind. Mehr zu erlangen, stand nicht in meiner Macht."

O, Sie haben mehr erreicht, als ich zu hoffen wagte," sagte Josephine, dem Kaiser die Hand reichend.Sie haben auch erreicht, daß mein Dank und meine Gebete Sie nach Hause begleiten. Und wenn Sie dort ankommen werden, dann werde auch ich in der Heimat sein."

Die Spaziergänger standen vor dem Schlosse, auch die anderen Damen des Hofstaates traten herzu. Die scheidende Sonne beleuchtete in zauberischem Glanze die Blumenpracht vor dem Schlosse.

Ist das nicht herrlich?" sagte Josephine zum Kaiser.

Ich habe nie etwas Schöneres gesehen, als diese Rosen," sagte Alexander, indem er auf den Teppich mit dem Namen der Kaiserin zeigte.

Also sind Sie auch ein Freund der Rosen?" fragte Josephine erfreut. Und sie bückte sich nieder, pflückte eine der schönsten Knospen, und überreichte sie dem Kaiser, indem sie mit unbeschreiblicher Anmut und Wehmut sagte: Nehmen Sie das als ein Andenken an la Malmaison."

Dies geschah am 22. Mai 1814.

Es war die letzte Rose, die Josephine pflückte. Am folgenden Tage empfing sie den König von Preußen nebst dem Kronprinzen Friedrich Wilhelm und dem Prinzen Wilhelm, dem nachmaligen Kaiser: sie waren bei der Kaiserin in la Malmaison zum Diner. Am 25. Mai begrüßte sie noch auf einige Augenblicke die russischen Prinzen Nikolaus und Michael, die dem Kaiser Alexander bereits von ihrem leidenden Zustand berichteten. Der Zar schickte sofort seinen Leibarzt nach la Malmaison, der sie ernstlich krank fand. Die besten Aerzte aus Paris wurden herbeigeholt; sie alle aber erklärten, daß eine Bräune der gefährlichsten Art vorliege und ihre Hilfe zu spät komme.

Am Morgen des ersten Pfingsttages, am 29. Mai 1814 ist sie in den Armen ihres Sohnes Eugen entschlafen. Ihre letzten Worte waren:Marie Luise, Elba, Bonaparte!" Während dreier Tage war ihr Sarg mit vielen tausend Rosen geschmückt im Vestibüle des Schlosses ausgestellt, und wohl 20000 Menschen kamen aus allen Städten von nah und fern herbei, die Dulderin noch einmal zu sehen. Auf dem Friedhöfe an der Kirche zu Rueil in einem von ihr

hergestellten Gewölbe sollten ihre sterblichen Reste beigesetzt werden, ein unermeßliches Gefolge, darunter die Vertreter der verbündeten Monarchen, gab ihr die letzte Ehre.

Als Napoleon in seiner Verbannung ihren Tod erfuhr, rief er aus:Dieser Tag ist einer der unglücklichsten meines Lebens!" Eine seiner ersten Fragen war:Hat man Josephine sehr betrauert?". Und als sein Geheimschreiber ihm antwortete:Ew. Majestät weiß, wie sehr sie von den Franzosen geliebt und geehrt war", antwortete Napoleon: Sie verdiente es auch, sie war eine außerordentliche Frau, sie hatte einen hohen, edlen Charakter".

Er hatte recht. Noch heute lebt im Munde des ganzen französischen Volkes die Kaiserin fort unter dem Namen: la bonne Josephine.

Es giebt eine Rose, deren Namen an alle die berich­teten Ereignisse erinnert, Souvenir de la Malmaison. Es giebt wohl kaum eine schönere als diese; sie ist das herr­lichste Gebilde, das die Erde trägt. Sie strahlt nicht durch Pracht, sie prahlt nicht durch Farbenglanz, aber was jedes Herz ihr gewinnt, ist der Zauber vollendeter Anmut.

Unsere Rose kleidet sich in Weiß. Nicht das blendende Weiß des Schnees, auch nicht das malte Milchweiß; es ist ein frisches Weiß von einem ganz leichten Rosa überhaucht; und dieses schwer beschreibliche Kolorit erglänzt von einem ganz matten Atlasschimmer. Wie bei der vollsten Centifolie fügen sich hundert und mehr große Kronenblätter eng zu­sammen, so dicht und voll, als wollten sie in jedem Augen­blicke die Knospe zersprengen; und über dieser Knospe breitet sich ein seiner milder Duft. In der That, wie die Rose die Königin der Blumen ist, so kann die Rose von la Mal­maison uns erinnern an jene Kaiserin, zu deren Erinnerung sie auch den Namen trägt, an Josephine. Gewiß ist es gerade die Geschichte des Namens dieser Rose, die ihre Schönheit in den Augen dessen noch erhöht, der jene Ge­schichte kennt. Aber nur wenige Gärtner kennen la Mal­maison und seine Geschichte; und als im Sommer 1880 ein deutscher Gartenbauverein die Urteile aller Rosenkenner und Gartenbauvereine einholte über die zwanzig schönsten Rosen unter den mehr als 6000 bekannten Sorten, da war Souvenir de la Malmaison unter jenen, die einstimmig mit dem Preise gekrönt wurden.