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10.6.1899 Zweites Blatt
 
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1899

Samstag den 10 Juni

Zweites Blatt

J34

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10

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Gießener Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblatt für den Äreis Giefzrn

Ans dem Jahresbericht

deS Grosth. Hessischen

der Gewerbe-Inspektion Gießen

für 189S

(die Provinz Oberhessen umsassend) (Fortsetzung).

Schutz der Arbeiter vor Gesahreu.

A. Unfälle.

cym Jahre 1898 wurden insgesamt 296 Unfallanzeigen eingesandt von denen 79 Anzeigen sich nicht °uf Betriebe beziehen, welche der G-w-rb-m,P-ktwn unterstehen. « kommen demnach nnr 217 Unfallanzeigen in Frage, gegen

Ausland.

letersbnrg, 7. Juni. Eine russische Anleihe von drti-Nillion-nPsund ist in Engl and abgeschlosien worden. Dlil d-deuter einen nur verschwindenden Betrag unler den ri.nsiM Massen auswärtiger Staatsschulden, welche all,ahr- >i(6in London Unterkunst finden. Dennoch hat diese kleine EMahn-Anleihe ein erhöhtes Interesse; sie bleutet eine | ximli Etappe in der vielfach verschlungenen Wanderung, täte die russische Staatsschuld durch d,e kapitalsreichen ä&itt Europas macht. Di- Werte jener Länder, welche m-ii kingland nicht in fr-undschastlich-m V-rha tnlffe stehen uw7 le een Politik vom englischen Volke moralisch verurteilt

werden vom englischen Kapital erbarmungslos äurüd= a«»i|CT. So hatte seinerzeit die Politik auch einen Sturm qrJ die russischen Werte hervorgerusen. Durch Jahrzehn e wii-kwqland der wichtigste Staatsgläubcr Rußlands. Viele ygjutexte von Millionen russischer Staatspapiere befanden Mim Besitze des englischen Kapitals. Die kriegerischen W-oiölungcn 1885 brachten aber Eine ,ähe Wendung. «|äe Truppen fielen in Afghanistan ein. Ganz Eng- lÄw -npfand diesen Uebersall als einen Angriff m die eigene Mki-Äensphäre. Der Krieg erschien nahezu unausweichlich, fgfiiit furchtbare Erbitterung gegen Rußland bemächtigte sich

und in kurzer Zeit war der früher so bederl ende B!ch des englischen Kapitals an russischen Staatspapieren maifim sehr kleines Maß verringert. Diese Efiektenwanderung

Unfälle von allgemeinem Interesse. Arbeiterinnen. .

5m ganzen wurden 6 erwachsene Arbeiterinnen durch Unfälle grossen. Arbeiterin einer Weberei reinigte eine Spülmaschine, ohne dieselbe auszurücken. Hierbei wurden zwei Finger der rechten Hand m nn Winkelräderpaar hinemgezogcn. Durch diese Verletzung wird jedensalls ein Finger steif bleiben.

2) Eine 26jährige Arbeiterin einer Mmeralwaffer- absüllunq glitt beim Entnehmen leerer Kruge aus einem Eisenbahnwagen aus, stürzte vom Wagon auf die Erde und verletzte sich das linke Smc er-

3) Eine ^21jährige Arbeiterin einer Tabakfabrik stieß sich beim Binden von Kautabak mit einem Mesier in das linke Handgelenk.

4) Eine 28jährige Arbeiterin emer Cigarrenfabrtt ver­stauchte sich durch Fehltritt an den letzten Stufen einer Treppe den rechten Fuß.

5) Eine 30jährige Arbeiterin einer Cigarrenfabrtt ver­letzte sich beim Wasierholen den linken Unterarm durch Glasscherben einer zerspringenden Wasserflasche.

6) Eine 54jährige Arbeiterin einer Cigarrenfabrtt ver­stauchte sich durch Fehltritt und Sturz das rechte

Die^Unfälle^vou welchen die 6 Arbeiterinnen betroffen wurden, sind im allgemeinen demnach nur geringer Natur.

leichtem Gefecht die Hügel von Antipolo überschritt. Nach dem Plane General Lawtons (der früher, ebenso wre Hall, im Norden vorwärts Malolos stand) sollte Hall die.Tagalen aTqen die Lagune treiben, und schließlich ihre Nachhut^an- areifen, während eine andere Abteilung unter Oberst Who Y von Pasig aus sie bei Taytay in Front angreifen sollte. Man hoffte damit, einen entscheidenden Schlag 8U Wrcn. Dieser ..glänzende" Plan mißlang, weil die Hauptko onne statt, wie berechnet, zwei Stunden, ganze sieben Stunden zur Zurücklegung des Weges brauchte. General Lawton

i leitete die Bewegungen von der Pumpstation aus. Als die Amerikaner sich zum Gefecht entwickeüen raum en bie ^a* aalen ihre Stellungen und zogen sich nach der Halvmf Moron oder Morung zurück. Lawton konnte nicht folgen, da seine Truppen zu erschöpft waren. Bo« der rechte«

I »alonne Wholly wurde Taytay nach halbstündiger Be I schießung genommen. Verstärkungen auf Booten konnten I nicht herangebracht werden, da sie im Schlamm stecken blieben. Am folgenden Morgen vereinigten sich'beide

I Kolonnen bei Taytay; die Verluste betrugen fünf Tote und I neun^Verwundete. Wichtig ist, daß das ganze Gefecht sich I 20 bis 24 Kilometer östlich Manila abspielte. Als' JU I stration zu den fünf Toten und neun Verwundeten des ofsi-

Men Berichts läßt sich dieEvening Post" ans Mansta I telearavbierm: Am 5. Juni abends trafen Hospttalschiffe I mit^bOO Mann von der Brigade Lawton hier em, welche verwundet oder vom Hitzsch age getroffen sind. Der Kampf der Brigade mit den Filipinos war fehr schwer. Es stellte

I sich als unmöglich heraus, den Truppenkordon über das ganze I Gebiet bestehen zu lassem____________________ -

wurde dadurch begünstigt, daß Deutschland eine Po tische Annäherung an Rußland suchte- und daß die Regierung des Fürsten Bismarck das deutsche Kapital zum «nkause russischer Papiere ermutigte. Berlin wurde zum Mittel. I tninfte deS russischen Kredits, die Anleihen der nächsten Jahre wurden ausschließlich in Deutschland begeben. Damit war jedoch die Wanderung der russischen Werte nicht Ibeendet. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland er I fahren ^1887 eine jähe Verschlechterung. Infolgedessen eröffneten maßgebende Berliner Stellen einen finanziellen Krieg gegen Rußland. Eine zweite Esftltenwanberun^ be- gam. diesmal Uber den Rhein, aber wesentlich g rtng r, da das französische Kapital nur m ziem ich bescheidenem Umsange die alten russischen P^'"e übernahm. Aber während der nächsten Jähre weckte die politische Annäherung I zwischen Rußland und Frankreich bet den französische" I Sparern eine Neigung zu russischen Anleihen, den Allianicfc I Anleihen. Nahezu fünf Milliarden Franken wurden vom französischen Kapital ausgenommen. Die Uebersattigung blieb aber auch beim französischen Publikum fftcht «US, die letzten russischen Anleihen konnten nur mehr mühsam unter gebracht werden. Deutschland zeigte sich spater 8«or «neber |

I williger, bot aber dennoch keinen guten Markt. Wohl oder Übel verstand sich so der russische Finanzminister unter Ber.

I mittlunq seiner Berliner Freunde zu dem Versuche, den reichen ^englischen Markt wieder für russische Papiere zu gewinnen. 9 Ein bescheidener Anfang ist also letzt Mit der Anleihe für die MoSkau-Windau Bahn gemacht, em Versuch dem aber, wenn das Geschäft gelingt, voraussichtlich die arotzen Anleihen für den Ausbau der sibirischen Bahn nach, folgen dürsten. Rußland ist also wieder zu seiner ur prüng.

I lichen Geldquelle zurückgekehrt, der Kreislauf der russischen I Staatsschuld ist vollendet. Schlecht genug freilich beibt es I um den Kredit Rußlands bestellt. Zur Erklärung der I Finanzklemme genügt schon d-r Umstand, daß die Mn b r I letzten Mißernte betroffenen dreißig Millionen Bauern I weder Steuern zahlen, noch Kauf- und Verbrauchskraft I darstellen, sondern im Gegenteil aus dem allgemeinen Säck^ I I notdürftig genug ernährt werden muffen. Es laßt sich I I darnach gar nicht abschätzen, 'N welchen Bebrängmffen das

Reich zum kommenden Herbst sich finden wird. DuJe- I I klaqenSwerte wirtschaftliche Lage, trotz welcher beständig I ' I neue Militärbahnen, Kriegsschiffe und KnegShäsen gebaut werden, kann sich jedenfalls in Zukunft nur verschlecht rn, und niemand weiß, ob und wann eine entscheidende Wendung I rum Besseren eintritt. . lT-R.) . I

Der Krieg auf den Philippen. Die unten I wiedergegebenen neuesten Nachrichten lassen die Lage- der Amerikaner nicht unbedenklich erscheinen. Trotz aller großen I Worte ist die Einstellung der Operationen wah^nd der I Regenzeit dem General Otis auf Grundlage ärztlicher Gut- I achten befohlen worden. Es scheint, daß er$t ungeui I die Verantwortung dafür anderen überläßt. Damit durfte I in der Kriegführung wenigstens von amerikanischer Sette eine Pause eintreten, und es ist die Frage, welche Absichten I die Führer der Tagalen haben, denen dadmch die IuUmtive I zufällt. Am 7. Januar erhielt Otis den Befehl zur Aktion, I Anfang Mai standen die Amerikaner auf der Lime Balmag- I Calumpit, etwa 60 Kilometer nördlich Manila. Das neueste I Gefecht zeigt, daß die Generale der Mc Arthur schen Divi- sion, deren siegreiches Vordringen unter steten Gefechten | etwa 80 Kilometer nördlich Manila zuletzt gemeldet worden war eilig zurückgerufen worden sind, anscheinend um emer im Osten von Manila vordringenden starken Tagalen-A^ teilunq in der Nähe der Stadt entgegen zu treten. Durch | den Angriff erscheint der Besitz von Manila vorläufig wieder gesichert ; inwieweit das in nördlicher Richtung gewonnene Land zu diesem Zweck hat aufgegeben werden muffen, bleibt I unbestimmt. Die Amerikaner sprechen mit Achtung von ihren I Gegnern, zumal von deren Leistungen im Trrailleurgefecht, I während auf der eigenen Sette die Unzufriedenheit emes großen Teiles der Freiwilligen somit Nicht in Abrede gestellt wird. Daß man der Regenzeit mit Sorge e^gegensieht I ist begründet. Die Wirkungen des Klima, die Maßnahmen I des als ebenbürtig erkannten Gegners, die Art und Weise, I in der die Armee die nötigen Verstärkungen erhalten soll, das alles giebt zu Bedenken Veranlassung. ememRuck- I blick auf die Ereigniffe wird man das Urteil dahm zu- I sammenfaffen können, daß die Tagalen sehr viel mehr ge- I leistet haben, als man von ihnen erwartet hatte, die Ameri- I kaner dagegen entschieden weniger. Em amerikanischer I Siegesbericht desNew York Herald" vom 5. Mm besagt I daß General Hall mit einer starken Abteilung aller Waffen I von der Pumpstation von Manila abmarschierte und unter

Deutschlands neue Kolonien. I

Ankündigung in der Thronrede, mit welcher die I spanL Kortes Eröffnet wurden, daß die den Spamern nochis mlliebenen Inseln in der Sudsee an das Deutsche Reichm!»auft worden seien, ist am Dienstag eme bezügliche amtlliiche Erklärung im Reichstage gefolgt, und an der ^-barife läßt sich nun nichts mehr ändern, daß wir nun I in den Besitz jener Inselgruppe gelangen, die vor etwc! 15 Jahren ein Streitobjekt zwischen Deutschland und I 5paaien bildete und durch Schiedsspruch des Paktes dem lettt.vm Reiche zugeteilt wurde. Jetzt, wo Spaniens I Koloiniialli acht zertrümmert ist, wurde die Beibehaltung der I Rar »(inen rc. mit unverhältnismaßigen Kosten verknüpft I sein.i und es war deshalb fchon lange die Rede davon, I . z die Inseln aufgegeben werden würden, auch daß DeuÄarib voraussichtlich der Käufer sei. Die ganze I heit ist so natürlich und erklärlich, daß sie wirklich I nM Diel. Aufhebens wert ist, und wenn auch im Reichs- I iiüu die Opposition gegen den neuen Kolomalerwerb nicht I - m i? schweigen wird, so dürfte doch eine ganz erhebliche I Mechheil die Maßnahme der Regierung gulheißen, Deutsch­en w den Besitz jener Inseln rechtzeitig gesichert zu haben.

Zn den letzten Tagen ist viel darüber geschrieben .no*, cob denn auch der Wert der Karolinen dem dasür ,u «toben Betrage entsprechend sei. Neuerdings führen die i.Solonialgcgner einen Ausspruch Bismarcks an, daß die | rnsschruPpe nicht den geringsten Wert besitze. Ob nun die : WsSchlich gefallene Erklärung des ersten Miri^ich in dem wahren Sinne der gebrauchten Worte ibOTt6em worden ist, erscheint mindestens zweifelhaft. SoE sie damals waren, mögen die Inseln r^ml^ wert' los; znre'sen sein, aber es bleibt zu b/denker^ daß Spanien r 5-tm I'etzten Jahrzehnt manches gut Semacht hat was es früitzn versäumte, und daß der neue Besitz voraussichtlich einr ->aM anderes Aussehen erhalten wird, wenn dort eme muMo ste Verwaltung Platz greift und das deutsche Kapital Acfc mehr für die Sache interessiert. Denn im allgemeinen ist t tf ein fruchtbares Land, welches wir zu erwerben im Be-iuG stehen, das die angewandte Arbeit gut lohnen dm I Unter der spanischen Herrschaft, bei den geringen nnwHen Mitteln, die Spanien für eine durchgreifende KuMrairbeit zur Verfügung standen, konnten sich die Inseln nic-hii in dem Maße entwickeln, deffen sie unter anderen Un*ben fähig gewesen wären. Dem deutschen Fleiße un den- deutschen Intelligenz bieten sich m Sudsee dua.ch den Neuerwerb Aufgaben von hohem kulturellem «4, und wir sind davon überzeugt, daß die E^üllung divis-'n Aufgaben um so leichter gelingen wird, als Deutsch- laiad,a. bereits in jenen Gegenden festen Fuß gefaßt hat »n^seine Kulturarbeit nur fortzusetzen braucht.

Da, allem Anscheine nach die Abtretung der Inseln an DüB'-HIand bald perfekt sein wird, so thate das deutsche Kamal aut, schon jetzt seine Vorbereitungen zu treffen, um softm zur wirtschaftlichen Ausnützung des neuen Kolomal- gelM mit der Regierung Hand m Hand gehen ru^nen.

GralisbeilägeinGießener Familiendlätter, Der hessische Landwirt, Dtätter für hessische Volkskunde.

UnfMe1 mit löblichem AuSgang sind 3 zu verzeichnen.

Im ganzen finb im Berichtsjahre 24 Emlabungen zu nnfaminterfu^ungen, zum größten Teil aus ber Stabt Gießen, ergangen, von welchen ber Gewerbeuffpektor Untersuchungen beiwohnte.

Die Unfälle betreffen:

204 erwachsene männliche Arbeiter,

6 Arbeiterinnen und

7 junae Burschen von 1416 Jahren.

Im Mittel kommen auf 1000 Arbeiter 19 Unfälle; 1897 waren es 22.