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10.2.1899 Erstes Blatt
 
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Nr. 35 Erstes Blatt. Freitag den 10. Februar

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Gießener Anzeiger

General-Unzeiger

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Die Gießener

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Fernsprecher Nr. 51.

Amtlicher Ml.

Gießen, den 7. Februar 1899.

3tetr.: Artikel 21 des Volksschulgesetzes.

Die

Grotzh. Kreis-Schulcommisfion Gießen

au die Schulvorstände des Kreises.

Wir beauftragen Sie, eine Schulvorstandssitzung zu bt rufen und zu beraten, ob in den Ihnen unterstellten Schulen SchUler oder Schülerinnen vorhanden sind, auf die rn br. Artikel in Anwendung gebracht werden soll. Dies­bezügliche Anträge sind alsbald an uns einzureichen. Fehl­berichte sind nicht zu erstatten.

v. Bechtold.

Gießen, den 7. Februar 1899.

Betr : Die Aufsicht über das dienstliche und außerdienstliche Verhalten der Schulverwalter und Schulgehilfen.

Die

Großh. Kreis-Schulcommission Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Zufolge Weisung der obersten Schulbehörde beauftragen ivn Sie, im Laufe des Monats Februar, spätestens aber bis zum 1. März d. I. uns über die in Ihren Ge­meinden verwendeten Schulverwalter und Schulgehilfen sollendes zu berichten:

1. Vor- und Familiennamen.

2. Ort und Zeit der Geburt, Name, Stand und Wohn­ort des Vaters.

3. Konfession.

4. Ob verheiratet und seit wann? und mit wessen Tochter?

5. Zeit und Ergebnis der Seminarprüfung.

6. Zeit und Ergebnis der Staatsprüfung.

7. Befähigung für den Organistendienst.

8. Welche Stelle er vor seiner gegenwärtigen versehen hat und feit wann?

9. Gegenwärtige Verwendung, seit wann?

10. Würdigung der dienstlichen, moralischen und persön­lichen Eigenschaften nach dem Urteil des Gesamtschul­vorstandes.

11. Etwaige Anträge.

Das Protokoll des Gesamtschulvorstandes ist beizulegen, v. Bechtold.

Bekanntmachung,

betreffend: Die Abhaltung von Körterminen.

Nachdem in die Znchtregister des landw. Provinzial- veceins für das Simmenthaler Vieh im Laufe des letzten Wahres, nach Veröffentlichung des ersten Bandes des Herd­

buches für Oberhessische Simmenthaler, eine so große Zahl von Tieren eingetragen worden ist, daß die Herausgabe des zweiten Bandes dessclben-im Laufe des Mai notwendig erscheint, mache ich diejenigen Landwirte, welche noch auf­nahmefähige Tiere besitzen und dieselben in diesem zweiten Bande ausgenommen zu sehen wünschen, darauf aufmerksam, daß sie die bezügl. Körungen möglichst bald beantragen müssen. Die betr. Körtermine werden spätestens im April d. Js. abgehalten werden. Um unnötige Reisen der Kör- kommissionen zu vermeiden, werden die Anmeldungen am besten durch Vermittelung der landw. Bezirksvereine oder Zuchtvereine bewirkt, sodaß diese die Ansetzung der Kör­termine für die einzelnen Gebiete in die Hand nehmen können.

Laubach, den 4. Februar 1899.

Der Präsident des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen.

Friedrich Graf zu Solms-Laubach.

Deutscher Reichstag.

28. Sitzung vom 8. Februar. 1 Uhr.

Abgeordneter Kreitling (frs. Vp.) hat sein Mandat niedergelegt, weil seine Wahl in der Wahlprüfungskommission für ungiltig erklärt worden ist.

Tagesordnung: Fortsetzung der ersten Lesung der Novelle zum Bankgesetz.

Abg. S ch ö n l a n k (Soz.) gedenkt in seinen Ausführungen der großen Aufgaben Erhaltung der Währung und Zahlungsausgleich welche der Rcichsbank gestellt seien. Die Bank habe diese Aufgaben durchaus korrekt gelöst. Die Angriffe gegen die Diskontopolitik der Reichsbank seien ebenso verfehlt, wie die agrarische Idee, durch Erhöhung des Grundkapitals der Bank einen niedrigeren Diskont zu erzwinge«. Die Agrarier sprächen hier von einer Liebes­gabenpolitik zugunsten von Handel und Industrie. Wie könnten die Herren so reden, die doch selber die größten Liebesgabenempfänger seien. Die Agrarier sollten doch ihre ostelbischen Arbeiter so hoch löhnen, daß sie nicht mehr als Sachsengänger fortzuwandern brauchten. (Ruf rechts: Ge­schieht auch!) Dann brauchten die Agrarier auch nicht mehr nach Kulis aus Polen und Italien zu schreien.

Abg. Payer (südd. Vp.) erklärt sich mit dem Grund­gedanken der Vorlage einverstanden, mit dem Hinzufügeu, er wolle sich hauptsächlich nur gegen diejenigen Bestimmungen wenden, welche sich gegen die privaten Zettelbanken richten. Der Gedanke, die neuen Anteilscheine nicht den alten Aktionären zur Verfügung zu stellen, sondern sie auf dem Wege einer allgemeinen Subskription dem ganzen Publikum zugängig zu machen, scheine ihm der Erwägung wert zu sein. Wie aber wolle man es rechtfertigen, den kleineren privaten Zettelbanken ihr Privileg zu kündigen, falls sie sich nicht verpflichten, in ihrem Diskont nicht unter den offiziellen Bankdiskont herunterzugehen? Wie komme man überhaupt

Feuilleton.

Mlipp Fangmanns Aartel Turaser.

Zur sechsten Vorstellung des Theatervereins.

Bei uns im Reich ist der östreichische Dichter Philipp Lamgmann noch nicht allzu bekannt geworden. Er wird es über noch werden und verdient es; denn er ist ein wirklicher lichter, von dem man noch etwas erwarten darf, was unter Jtr Masse der modernen Hervorbringungen bleibenden Wert galten wird. Die feinfühligere Kritik erkannte den tüch- ligsn Kern feifier Dichtung schon, als er etwa in der Mitte der neunziger Jahre mit seinen ersten Novellen hervortrat. Weit größeres. Aufsehen erregte aber sein DramaBartel linafer" (1897), das im vergangenen Jahre von dem Wiener Lollkstheater mit durchschlagendem Erfolge aufgeführt wurde; ein Erfolg, der für den Dichter um so wichtiger war, als er ihn aus schwierigen, seiner Entwicklung hinderlichen Ver- Wnissen befreite.

Bartel Turaser" ist ein Proletarierdrama; es zeigt «euillich den Einfluß des modernen Naturalismus. Lang- kEn hat von Zola und Gerhart Hauptmann gelernt; aber merkt doch auch wieder, daß die naturalistische Be- >vMng über die Jahre des Sturmes und Dranges hinaus- Machsen rst. Wir finden hier keine überflüssigen Roheiten Mjr; es fällt dem Dichter auch gar nicht bei, in der

Schilderung der Arbeiterverhältnisse allzu sehr ins einzelne zu gehen. Im Vordergrund steht auch keineswegs wie in den Webern die Not der Masse; sondern Langmann interessiert wieder die Seelennot seines Helden Turaser, die allerdings mit der sozialen Notlage zusammenhängt.

B. Turaser ist ein Arbeiter, dessen Vorfahren einst als wohlhabende Bauern bessere Tage gesehen haben, und mit ihrem Blut hat er sich noch genug von ihrem rechtlichen Sinn in sein verändertes Leben gerettet. Von einer tiefer­gehenden Entartung im Gefolge der proletarischen Knechtung kann bei ihm noch nicht die Rede sein. Er erliegt zwar der Versuchung und läßt sich von dem schändlichen Färber­meister der Fabrik, der seine früheren Standesgenossen schlimmer schindet als irgend ein Fabrikherr, durch die lockende Aussicht auf eine Besserung seiner sozialen Lage besonders im Hinblick auf seine kranken Kinder verleiten, einen Meineid zu schwören. Als ihm aber das Geld keinen Segen bringt und eher den Tod seiner Kinder beschleunigt, da erwacht das Gewissen in Turaser, und er übergibt sich dem Gerichte.

Gerade diese inneren Kämpfe hat der Dichter mit packender Kraft dargestellt. In der Seelenschilderung des einfachen Mannes, den äußere Not und innere Schwäche schuldig gemacht haben, liegt die Bedeutung des Stückes.

Die Sozialdemokratie hat für dieses Arbeiterdrama eine besondere Teilnahme gezeigt. Das ist ja wohl begreiflich, aber es ist doch hauptsächlich das stoffliche Interesse, das

auf den Gedanken eines solchen Zwangsdiskonts? Er, Redner, habe den Eindruck, als gehe man darauf aus, den kleinen Zettelbanken das Lebenslicht überhaupt auszublasen. Er würde das sowohl rechtlich, wie politisch und moralisch für unzulässig halten, und er glaube nicht, daß der Bundesrat von einer solchen Ermächtigung Gebrauch machen dürfe. Der Zwang, sich an den offiziellen Diskont zu halten, sei der Ruin für die kleinen Notenbanken. Ein blutiger Akt sei das nicht, es sei aber die sogenannte trockene Guillotine. Auch die politische Bedeutung dieser Angelegenheit sei keine geringe. Die Vorteile der Notenemission würden für Süd­deutschland ganz verloren gehen, falls man die dortigen Interessenten auf Berlin verweise.

Abg. Siemens (frs. Vg.) stellt sich als Jntereffent vor und bemerkt, daß große Kreise von Handel und Industrie unbedingt mit der Vorlage einverstanden seien und große Vorteile für sich darin erblickten. Die Differenz zwischen unserem und dem Diskont der Bank von Frankreich werde vom Abg. Gamp übertrieben. Preußen habe ein National­vermögen von 95 - 100 Milliarden, per Kopf also 3600 Mk. bei durchschnittlich 500 Mk. Schulden. So seße jeder Preuße aus. (Heiterkeit.) Demgegenüber habe jeder Franzose 6200 Mk.! Der Besitz von ausländischen Werten fei für uns vom größten Wert zur Aufrechterhaltung unserer Währung, zumal für den Fall des Rückganges unseres Ex­ports, vielleicht infolge derglänzenden" Handelsverträge, die ja wohl in Aussicht stehen. Reder verteidigt weiter die vom Abg. Payer angefochtene Bestimmung bezüglich des Diskonts der privaten Zettelbanken, lieber allem, auch über den politischen Gesichtspunkten, stehe aber die Erhaltung der Währung. Eine übermäßige Vermehrung des Notenaus­gaberechts sei nicht ratsam, denn die Zirkulationsmittel müßten überhaupt in einem angemessenen Verhältnis stehen zu dem vorhandenen Kapital. Redner plaidirt weiter für Verlängerung des Vertrages mit der Reichsbank gleich auf 20 Jahre und für Annahme der Vorlage.

Abg. Müller-Fulda (Centr.) tritt warm für die Vorlage ein, dabei der Verwaltung der Reichsbank rückhalt­los Anerkennung spendend.

Präsident der Reichsbank Koch dankt allen heutigen Rednern für die den Leistungen der Reichsbank gespendete Anerkennung. Sodann betont er ausdrücklich, daß die Ab­sicht ganz fern liege, die Privatzettelbanken zu beseitigen.

Abg. Heiligen stadt (nl.), zweiter Direktor der "Zentralgenossenschaftskasse, tritt im Prinzip für die Vorlage ein, wünscht aber Erhöhung des Grundkapitals gleich um 80 Millionen. Auch halte er die Kontingentierung der steuer­freien Notenausgabe für einen unnützen Ballast.

Abg. Schrempf (kons.) wendet sich gegen die Dar­legungen des Abg. Siemens.

Nunmehr vertagt sich das Haus auf Freitag. Tages­ordnung: Fortsetzung der heutigen Beratung und Inter­pellation Kanitz.

Schluß 5«/4 Uhr.

sich hier geltend macht. Denn naturgemäß wird der nervige Arbeiter an seinem Standort von den hier geschilderten Verhältnissen lebhafter ergriffen werden als der behäbige Bürger in seiner Loge. Trotzdem ist aber das Drama Langmanns kein Parteistück. Einmal und das ist eine Schwäche des Stückes geht die Schuld Turasers nicht mit zwingender Notwendigkeit aus den sozialen Verhältniffeu des Arbeiterstandes hervor. Was ihm widerfährt, kann ebenso gut mit entsprechender Aenderung der Motive einem anderen als gerade einem Arbeiter begegnen. Dann fällt es dem Dichter durchaus nicht ein, etwa den großen Kampf des Proletariats mit dem Kapital zu behandeln. Die Ver­treter der letzteren bleiben im Gegensatz zu Hauptmanns Webern im Hindergrunde; wir begegnen auch keinem ziel- bewußten Agitator und hören keine tönenden Worte gegen die Bedrücker. Der Dichter behandelt nur einen einzelnen Fall, gibt keineswegs ein typisches Bild allgemeiner Arbeiter­not. Das Drama geht allerdings von einem Streik aus; aber er verläuft bald im Sande und dient im Grunde nur dazu, dem Versucher Turasers seine Aufgabe zu erleichtern.

Doch genug der Andeutungen. Das Stück wird besser durch sich selbst sprechen. Wir zweifeln nicht, besonders da die Hauptrolle in den besten Händen ist, daß es auch auf unserer Bühne eine tiefgehende und nachhaltige Wirkung ausüben wird. Niemand wird es bereuen, dadurch mit einem Dichter wie Ph. Langmann bekannt zu werden, -n.