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9.9.1899 Drittes Blatt
 
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4. Quartal 1899

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Nr. 213 Erstes Blatt. Sonntag den 10. September

1803

Meßmer Anzeiger

Keneral-AnMer

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Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Betr.: Den Viehmarkt zu Allendorf a. d. Lda.

Der Viehmarkt zu Allendorf a. d. Lda. am 13. Sep­tember d. Js. wird wegen der herrschenden Seuchengefahr verboten.

Gießen, den 9. September 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold.

Bekanntmachung.

In Niederkleen und Steindorf, Kreis Wetzlar, ist in je einem Gehöft die Maul- und Klauenseuche aus­gebrochen und Gehöftsperre angeordnet. In letzterem Orte ist außerdem über zwei Gehöfte wegen Maul- und Klauen- seuche-Verdacht die Sperre verhängt worden.

In Groß-Rechtenbach, Kreis Wetzlar, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.

Nachdem unter dem Viehbestand zu Ulfa, Kreis Schotten, die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden ist, ist über die verseuchte Gemarkung die Sperre angeordnet worden.

Wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche in Zeilbach, Kreis Alsfeld, ist Gehöftsperre verfügt worden.

Gießen, den 6. September 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Wegen Erbauung einer Brücke über die Wieseck im Znge der Goethestraße wird der Durchgangsverkehr für Fuhrwerke in der Löberstrafie zwischen Bismarck- und Bleichstraste, sowie in der Goethestraste zwischen Ludwig- und Löberstratze von Montag dem 11. l. M. an bis auf weiteres gesperrt.

Gießen, den 9. September 1899.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

_________________Muhl._________________

Gesunden: 1 Ring, Geld, 1 Taschenmesser, 1 Spa­zierstock, 2 Metermaße, 1 Stück Band (Schleife), 2 Hüte, Briefmarken und 1 Peitsche.

Gießen, den 9. September 1899. Großherzogliches Polizeiamt.

Muhl._________________

* Der Attentats-Prozeß in Belgrad.

Das serbische Standgericht hat, wie man aus Belgrad meldet, dort gestern (Freitag) seine Thätigkeit begonnen. An­geklagt sind 29 Personen. Die Anklage enthält außer den bereits bekannten Thatsachen nur wenig Positives; trotzdem wird behauptet, daß eine Verschwörung zwecks Sturzes der Dynastie bestanden hat. Die Verdachtsmomente gegen einen großen Teil der Angeklagten sind äußerst vage, doch gegen Kneszevic, sowie gegen den früheren, nunmehr verstorbenen, Präfekten Angelic sind schwere Verdachtsmomente vorhanden.

Der Berl. Lok.-Anz. erhält dazu folgende Telegramme:

Belgrad 8./9. Heute begann endlich, in einem für diese Zwecke aufgeführten Hallenbau, im Hofe des Polizeigerichtes, die so oft verschobene Verhandlung gegen die des Attentats auf den König Milan Beschuldigten. In der mit dem Bild des Königs Alexander und der serbischen Trikolore geschmückten Stirnseite der Halle ist ein teppichbelegtes Podium errichtet, wo sich der Gerichtshof, unter dem Präsidium Lazar Po­povics', versammelt. Neben ihm sitzen die Räte Alexa Stefanovic und Daza Kusmanovic, als Staatsanwalt fun­giert Wassil Simits. Bereits um sieben Uhr morgens be­gann ein Massenandrang des Publikums, das bald den weiten Raum füllte. Für die Preßvertreter sind vorzügliche Sitze reserviert, überall sind Plakate in serbischer und fran­zösischer Sprache angebracht, die den Verteidigern, den Be­richterstattern und den sonstigen Funktionären die Plätze crnweisen. Etwas nach 8 Uhr werden die Angeklagten herein geführt. Zuerst tritt Stesa Jura Kneszevic vor, den viele Gendarmen umgeben. Nach Feststellung der Personalien nimmt er Platz. Er sieht recht elend aus; sein blasses Gesicht umgiebt ein kurzer, schwarzer Vollbart. Es werden hierauf die Namen der übrigen Angeklagten verlesen, die btr Reihenfolge nach auf der Anklagebank Platz finden.

Es sind durchgehends intelligente Gesichter, Pafic, ein älterer Mann mit grauem Vollbart, verlangt das Wort, das ihm vor Eröffnung der Verhandlung nicht erteilt wird.

Er repliziert, denn er will seinen Verteidiger kennen lernen. Der Präsident weist ihn abermals zurück und er­teilt dem Staatsanwalt das Wort zur Verlesung der Anklage. Diese richtet sich in erster Reihe gegen Kneszevic, der das Attentat auf Milan ausgeführt hat. Die Anklage erzählt den Vorfall, wie er aus den damaligen Mitteilungen wohl­bekannt ist. Es geht auch daraus das Geständnis des Attentäters hervor, daß er für das Attentat gedungen sei, um die Dynastie Karageorgievic auf den Thron zu bringen. Es wird ferner festgestellt, daß das Attentat nicht der Aus­fluß eines augenblicklichen Entschlusses, sondern wohldurch­dachter Ueberlegung und einer langen vorbereiteten Ver­schwörung sei. Die weitere Verlesung der endlosen Anklage ist interesselos. Unter den Angeklagten befinden sich einige interessante Charakterköpfe hochgebildeter Männer, aller­dings auch ausdruckslose, gleichgiltige Bauerngesichter. Auf­fallende Erscheinungen sind ein graubärtiger Pope und ein Offizier in Uniform, dazu eine Zahl ehemaliger Minister und Professoren. Von der deutschen Gesandtschaft war Dragoman Hermann Joseforic anwesend.

* * *

Belgrad, 8. September. Der im Attentats Prozeß an­geklagte Kreispräsekt Zivio Angjelic wurde heute morgen in seiner Kerkerzelle erhängt aufgefunden. Er hinterließ einen Brief.

Belgrad, 8. September. Angjelic benützte zum Er­hängen die dicken Leinwandstressen, mit denen er seine Fesseln umwickelt hatte, damit sie ihn nicht wund scheuern. Er stellte sich auf den ... . topf, nm bie Schlinge am Gitter seines Fensters zu befestigen, und stieß dann wahr­scheinlich mit den Füßen den Topf um. Angjelic hinterließ vier Briefe, die mit einem spitzen Holz und mit seinem Blut geschrieben sind. Einer war an den Präfekten, sodann einer an seine Frau gerichtet, worin er sagte, er müsse sterben, um für sie zu so sorgen und seine Pflicht zu er­füllen. Er bestritt die Anklage. Man glaubt, Angjelic habe diesen Schritt gethan, um seiner Frau die Pension zu retten, die ihr im Falle seiner gewiß erwarteten Verurteilung verloren wäre, nach serbischem Gesetz aber, wenn der Tod vor der Verhandlung erfolge, gewährt werde.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. September. DerReichsanzeiger" schreibt im amtlichen Teil:Wir sind ermächtigt, nachstehend die Erklärungen zu wiederholen, welche hinsichtlich des fran­zösischen Hauptmanns Dreyfus die kaiserliche Regierung bei loyaler Beobachtung der, fremden inneren Angelegen­heiten gegenüber gebotenen Zurückhaltung zur Wahrung ihrer eigenen Würde und zur Erfüllung einer Pflicht der Menschlichkeit abgegeben hat:Botschafter Fürst Münster gab nach Einholung des Befehls des Kaisers im Dezember 1894 im Januar 1895 dem Minister des Auswärtigen, H a n o t a u x, dem Ministerpräsidenten Dupuy und dem Präsidenten der Republik, Casimir Perier, wiederholt Erklärungen dahin ab, daß die kaiserliche Botschaft in Frank­reich niemals, weder direkt noch indirekt, irgendwelche Be- Ziehungen zum HauMann Dreyfus unterhalten hat. Staats­sekretär Graf Bulow gab am 24. Januar 1898 in der Budgetkommission des Reichstags folgende Erklärung ab: Ich erkäre auf das Allerbestimmteste, daß zwischen dem gegenwärtig auf der Teufelsinsel befindlichen französischen Exkapitän Dreyfus und irgendwelchen deutschen Organen Beziehungen oder Verbindungen irgend welcher Art niemals bestanden haben." (Vgl. Neueste Meldungen.)

Wie derB. L. A." aus zuverlässiger Quelle er­fährt, ist der bisherige Minister des Innern Freiherr v. d. Recke v. d. H o r st an Stelle des neuen Kultusmini­sters Dr. Studt zum Oberpräsidenten der Pro­vinz Westfalen ernannt worden.

Aus Posen wird gemeldet, daß auch der General­landschafts-Direktor v. Staudy in denRuhe- stand zu treten beabsichtige. Herr v. Staudy hat er­klärt, daß er schon in nächster Zeit Posen verlassen, und die Bewirtschaftung eines Gutes in der Provinz über­nehmen werde. Herr v. Staudy ist der Schwiegervater des bisherigen Landrats des Kreises Rawitsch, Dr. Lewald, der als Gegner der Kanalvorlage jetzt auf Wartegeld gesetzt worden ist.

Zum Präsidenten d es Landgerichts in Naumburg ist der Landgerichtsdirektor Dr. Dahl­mann in Berlin ernannt worden.

lieber die deutsche Abteilung der Welt­ausstellung bringt derFigaro" nach Angaben des Reichs­kommissärs Richter einige Einzelheiten. Deutschland, das bereits seine Souveränetät in der chemischen Industrie be­wiesen hat, wolle diesmal den Sieg davontragen auf dem Gebiet des Kunsthandwerks und der Maschinen-Jndustrie. Auf den Wunsch des deutschen Kaisers werde auch eine Sammlung preußischer und deutscher Armee-Uniformen seit dem Großen Kurfürsten ausgestellt werden.

Sämtliche Posamentierarbeiter Berlins wollen morgen die Arbeit niederlegen.

M.P.C. In politischen Kreis en, in welchen unlängst die Frage aufgeworfen wurde, ob der Kaiser die von ihm bei besonderen Veranlassungen gehaltenen Reden selbst mache, fand dieselbe eine Beantwortung dahin, daß der hohe Herr seine Reden von Anfang bis zu Ende selbst auf­baue. In der ersten Zeit seiner Regierung arbeitete der Chef des Geheimen Zivilkabinetts Erzellenz von Lucanus Ent­würfe für die Reden Sr. Majestät aus. Seit langem aber wird davon Abstand genommen. Etwas anderes ist es selbst­verständlich mit den Thronreden. Diese werden, soweit Preußen in Betracht kommt, in der Regel vom Vicepräfi- denten des Staatsministeriums oder wenn es sich um Reden für den Reichstag handelt, vom Stellvertreter des Reichs­kanzlers ausgearbeitet. Als noch Herr v. Bötticher Staats­sekretär des Innern und Vicekanzler sowie Vicepräsident des Staatsministeriums war, betraute er wiederholt den damaligen Direktor im Reichsamt des Innern, späteren Unterstaatssekretär'm demselben Amte, den nachherigen und bisherigen Kultusminister D. Dr. Bosse mit dieser Aufgabe.

Es scheint sich zu bestätigen, daß den politischen Beamten verboten werden wird, dem Bunde der Landwirte anzugehören. Die Erklärung liegt nahe; es ist Thatsache, daß eine ganze Reihe von Landräten in der Wahlbewegung nicht etwa von der Mehrheit ihrer Kreiseingeseffenen und Wähler, sondern von den Agitatoren des Bundes der Landwirte resp. deren wenigen Vertrauens­männern desselben im Kreise gezwungen worden sind, ein Versprechen dahin abzugeben, daß sie gegen den Kanal stimmen wollten.

Personen, welche dem Oberst v. Schwartz- ko pp en nahe stehen, meinen, dieser würde sehr gern nach Rennes gegangen sein, um sein Zeugnis dahin abzulegen, daß er mit Dreyfus in keiner Verbindung gestanden habe. Wenn dieser Zug des Herzens den Menschen wie den Militär v. Schwartzkoppen ehrt, so hatte die deutsche Diplomatie die Verpflichtung, unentwegt darauf hinzuweisen, daß sie bereits in so umfassendem Maße für die Schuldlosigkeit Dreyfus' eingetreten sei, daß ein Mehr von deutscher Seite zu verlangen, unbillig gewesen wäre.

Kiel, 8. September. Die italienischen Kriegs­schiffeFlaavo Gioja" undCurtatone" trafen hier ein wechselten mit den anwesenden deutschen Kriegsschiffen Salut.

Ausland.

Teplitz, 8. September. Gestern abend versammelten sich gegen 1500 Personen, darunter meist Passanten und Neu­gierige, auf dem Marktplatz und zogen von da auf den Schulplatz, wo die Führer der Sozialdemokraten und Deutschnationalen sie aufforderten, sich zu zerstreuen. Später sammelten sich auf dem Marktplatz wieder etwa 500 Personen, die unter Geschrei gegen das Stadthaus zogen. Die Polizei schritt ein und räumte den Platz. Vier Verhaftungen wurden vorgenommen.

Lüttich, 8. September. Gestern abend fand eine sozialistische Volks-Versammlung statt, in welcher heftige Auseinandersetzungen unter den Hauptführern der Sozialisten bezüglich der Wahl-Borlage ftattfanden. Es wurde eine Tagesordnung angenommen, worin die Abge­ordneten beauftragt werden, gegen die Verhältniswahlen und für das allgemeine Stimmrecht einzutreten.

Alexandrien, 8. September. Seit gestern ist k e i n neuer Pestkranker in das Krankenhaus gekommen. In den letzten 13 Tagen ist nur ein Pestfall festgestellt worden. Man glaubt, daß die Epidemie erloschen ist.

Bombay, 8. September. Das 1 9. Husarenregiment und die 21. Feldbatterie wird sich am 18. ds. mit einem Feldlazarett von Sekunderabad nach Südafrika begeben.