Ausgabe 
9.8.1899 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

5853

lös

M bitten

Meoeti, 5852

N» 10 falt.

wir hii

üolhtk.

sind spWenr bi# n.

c>P wegen größerer

August 1899

libliotfjetat;

>t.

IllSS

U4 Wien.

nber 60 Pfg-

, > Dbi

rfe#.)

n Tagen aus.

KBIIK :U5*

5 ^,nlt haltdol'

i*. fflW1

leitW"« ' M

Nr. 185 Zweites Blatt_______Mittwoch den 9. August

1899

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Alle Anjergen.BermiNlungSflellcn M In. nni Äu»l«mH4 nehmen Anzeigen für den Gießen« Anzeiger eat<<f*.

>»v»ch»e mr Anzeigen zu der nachmittag- für de» fetyulm Tm erscheinenden Nummer MB vor». 10 Uhr.

Bei Postbezug R Mark 50 Pf§. vierteljährlich

Nezugiprei»

vierteljährlich

2 Mark 20 Pf, monatlich 75 P>» mit Bringerlohn

OrfchrNN tt«Nch mit Ausnahme des »Btagi.

®k Gießener »ewm<»iHttct »erden dem Anzeiger »DcheuUNH viermal bnftkfL

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.

ÄMtten, Upredition und ®rud«d:

Ach»lßr»ße Nr. 7.

GrMsbeiiagrn: Gießener Famüienblätter, Der hrsslfche Kandwirt, Klätter für hessische UolKsKunde.

Adreffe für Depefchm: Anzeiger fritlflU Fernsprecher Rr. 51.

MB

*

tz

1»

M

W

MUUG

«di«

M

iS

U

I

SS

Der Riesen-Globus auf der Pariser Weltausstellung 1900.

(Nachdruck verboten.)

Zu den hervorragendsten Bauwerken auf der nächst­jährigen Weltausstellung wird der Riesen Globus gehören, der seinen Platz am historischen Quai d'Orsay erhält. Man hat es in diesem Globus nicht mit einem Spielzeug oder mit einem dem Vergnügen geweihten Bauwerk zu thun, sondern er wird wissenschaftlichen und belehrenden Zwecken dienen. Der von außen sichtbare Teil des Globus ist eine gewaltige Kugel von 46 Mtr. Durchmesser, die auf einer Terrasse ruht, welche sich 60 Mtr. über Straßenhöhe be­findet. Breite, bequeme Treppen und elektrische Aufzüge führen zu der Terrasse, deren Eckpfeiler mythologische und astronomische Figuren von ebenfalls riesenhaften Dimensionen bilden. Der große Globus zeigt den gesamten Sternen­himmel mit den allegorischen Figuren des Tierkreises und der übrigen Sternbilder. Im Innern dieser großen Kugel befindet sich eine zweite kleinere, deren Durchmesser aber immerhin noch 35 Mtr. beträgt. Auf ihr sind Mond und Planeten dargestellt, während die Innenseite des großen Globus die Sonne, Fixsterne und Kometen zeigt. In der zweiten Kugel ist wieder eine dritte, welche die Erde dar­stellen soll. Sie dreht sich von Westen nach Osten um die eigene Achse, und die 100 Zuschauer so viele Personen haben im Jnnenraum der Erdkugel Platz sehen Sterne aufgehen und verschwinden, mit einem Wort, dem Besucher wird die Bewegung der Erde zur Anschauung ge­bracht, da auch der Mond nicht fehlt, und sogar seine ver­schiedenen Phasen zur Darstellung kommen. Damit es den Besuchern auch an Unterhaltung nicht fehlt, werden auf der großen Terrasse, welche 2000 Besucher aufnehmen kann, täglich große Konzerte von einer aus 80 Personen bestehenden Kapelle unter Leitung des Meisters Saint-Saöns abgehalten. Von der Terrasse, die mit der ersten Plattform des Eiffel­turms in gleicher Höhe liegt, genießt man einen herrlichen Rundblick. Es ist kaum zu bezweifeln, daß der Riesen­globus auf die Besucher der Ausstellung große Anziehungs­kraft ausüben wird, das Komitee rechnet mit einer Gesamt­einnahme von 4700000 Frs., wovon für den Bau allein 2620000 Frs. abgehen. xx

Das Luftfahrzeug des Grafen Zeppelin.

Die neuesten Nachrichten vom Bodensee lauten dahin, daß trotz des Unfalls, der dem großen Wasserschuppen bei Manzell begegnet ist, der erste Probe-Aufstieg des lenkbaren Zeppelin'schen Luftfahrzeuges doch im September erfolgen könne. Die Konstruktionsarbeiten nehmen jetzt, da der große,

Feuilleton.

Die Heufessöosinen.

Eine heitere Ehestandsgeschichte von Alwin Römer.

(Nachdruck verboten.)

Jetzt thust Du Dir bereits zum drittenmale Salz in die Suppe, Eberhard!" sagte halb und halb entrüstet Frau Affeffor Rauch zu ihrem offenbar über Plänen brütenden Gatten, der sich, ohne auch nur gekostet zu haben, eine der­artige, schmählich beleidigende Nachwürze der vorzüglich ge­lungenen Hühnerbouillon erlaubt*.

Verzeih, Klärchen," entgegnete er aufschreckend, und fuhr sich mit der Linken über Augen und Stirn eine ausgedehnte, vollgiltige Assessorstirnich war in Gedanken!"

Das habe ich gemerkt, Eberhard. Du sollst aber während des Essens nicht grübeln. Dazu hast Du nachher noch Zeit genug!" wies die hübsche, kleine, leider ein wenig eigenwillige Frau ihn zurecht, und führte dabei einige ver- nächtende Schnitte in das etwas zähe Fleisch des Suppen- hilhnchens aus, als wären das seine obstinaten Gedanken.

Nachher kommt mein Freund Reiser und holt mich a.b. Dann ist es zu spät. Die Sache hat nämlich Eile, u-ud da sie Dich mitbetrifft, ja, schließlich von Dir ent­schieden werden muß, so denke ich, wir reden gleich bei Tisch d «rüber!"

Du machst mich neugierig, Schatz! Es ist doch nichts schlimmes?"

Im Gegenteil! . . . Das heißt nach meiner Auf­astung ... Du hast ja etwas andere Ansichten darüber."

Aber so rede doch! Ich vergehe ja vor Ungeduld!" drängte sie, und gab den Kampf mit dem Hühnchen auf.

Du weißt doch," begann er zögernd,daß mir unsere augenblickliche Lage im höchsten Grunde zuwider ist . ."

Ah, ist es das!" bemerkte Frau Klara bestimmt.

Ja, das ist es!" erklärte er ein wenig heftig.

Darum sollten wir uns die Suppe nicht kalt werden lassen, Eberhard!"

Du kannst ja ruhig essen. Ich setze Dir währenddessen auseinander, was ich vorhabe. Damals, als ich die Ver­tretung für den Justizrat in Meppen übernehmen sollte, habe ich Dir nachgegeben und bin nicht hingegangen. Und wie ich im Frühjahre nach Krotoschin hätte kommen können, habe ich nochmals verzichtet. Jetzt aber sind wir so weit, daß mein kleines Vermögen ziemlich aufgebraucht ist, jetzt muß ich Dich ernstlich bitten, Deine Aversion gegen die Klein­städte zu überwinden."

Wer Dich reden hört, muß wahrhaftig denken, wir nagten am Hungertuche! Was Du von Deinem aufge­brauchten Vermögen sagst, ist Spiegelfechterei. Du weißt ganz genau, daß die Zinsen meiner Mitgift das, was wir verbrauchen, reichlich decken . . ."

Ich mag aber nicht von den Zinsen meiner Frau leben!" donnerte er erregt.

Du hast doch aber Mama versprochen, mich nicht in die Hundetürkei da oben zu schleppen," trumpfte sie dagegen.

Wenn ich es vermeiden kann! Das habe ich damals ausdrücklich hinzugefügt."

Und Du kannst es vermeiden!" blitzte sie ihn an.

Ja, wenn ich ewig Assessor bleiben will!"

Affeffor ist ein sehr hübscher Titel!"

Natürlich; viers" und nichts zu essen!" stöhnte er. Siehst Du denn nicht ein, daß mich das erniedrigt, als vierunddreißigjähriger Mensch von der Gnade meiner Frau leben zu müssen?"

Wenn Du mich aus Liebe geheiratet hast: nein!"

Dann fehlt Dir eben die nötige geistige Klarheit, das richtig beurteilen zu können."

Darüber tröstet mich der Besitz einer anderen mensch­lichen Eigenschaft, die Dir langsam abhanden zu kommen scheint. Ich meine die Höflichkeit!"

Bei Deinem Eigensinn bleibe der Teufel höflich! . . Kläre, wenn Du wüßtest, wie mich das mitnimmt, hier so herumzulungern und von Deinem Gelde . . ." Er schob den Teller von sich.

Sie ließ ihn nicht ausreden. Seine Abkürzung ihres Namens inKläre" war ihrin den Tod zuwider" und brachte sie allemal in Zorn.

Einbildung, nichts als Einbildung!" sagte sie erbost. Ueber kurz oder lang kommst Du hier ebenso gut an. Aber Du liebst mich eben, nicht mehr. Du sehnst Dich fort von mir. Sag' es nur gerade heraus, daß Du ohne mich gehst, wenn ich mich lange sträube. Dann weiß ich wenigstens, woran ich bin!"

Natürlich wurden ihr die Aug^n dabei naß. Wenn einen niemand anders bedauert, darf man schon ein bischen Mitleid mit sich selbst haben.

Woran Du bist?" entgegnete bitter der Assessor.Das kann ich Dir ganz genau sagen. Du bist beinahe daran, eine kleine Xantippe zu werden!"

O Pfui, Eberhard!"

Beweise mir das Gegenteil, indem' Du Dich meinen Entschließungen fügst. Morgen abend muß ich Nachricht geben; das ist der letzte Termin."

Und wie heißt das Nest, wo.Du mich versauern lassen willst?" , .

Osterode!" sagte er, empört über ihre Halsstarrigkeit.