Ausgabe 
9.8.1899 Erstes Blatt
 
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Mittwoch den 9. August

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Erstes Blatt.

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Rtfrrftien, Lxpediüon und Druckerei:

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a*ne**e Anzeigen zu der nachmittags für ke MfOibm t«f erscheinenden Nummer Hi vor«. 10 Uhr.

Die Revisionsverhandlungen zu den vorhergehenden Voranschlägen sind bei Aufstellung des neuen Voranschlags

von der im Bordereau die Rede ist, erklärt Dreyfus, von derselben keine Kenntnis gehabt zu haben. Der Präsident fordert den Angeklagten auf, zu erzählen, welcher Art die Arbeit der verschiedenen Bureaus des Generalstabes war,

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde.__

Oktober, Anzeige erstatten.

v. Bechtold.

-3 Nähr- und Hel. Zum täg. ich vorzüglich teile von Thee namentlich bei hsncht, leseenz.

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Rennes, 7. August. Ueber das Aussehen Dreyfus' bei der heutigen Verhandlung wird telegraphiert: Dreyfus trägt beim Betreten des Sitzungssaales den Tschako in der Hand; er ist bis auf den kurzen Schnurrbart glatt rasiert. Die schmalen Schultern sind hochgezogen, der Rücken ist etwas gebeugt, das Gesicht gelblich und mager, das kurz geschorene Haupthaar fast ganz ergraut, der Scheitel völlig kahl. Die Lippen sind fest geschlossen, die Augen blicken hart und fest.

Rennes, 7. August. Aus der heutigen Verhandlung ist noch zu bemerken, daß der Präsident Jouaust in seiner Fragestellung häufig das Material Merciers benutzte, näm­lich dessen Angaben vor dem Kassationshofe. Als der Prä­sident Dreyfus frug, ob er direkte Beziehungen zu den Militärattachees gehabt habe, antwortete der Angeklagte: ..Niemals, absolut keine."____________________ .

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«drkffe für Depeschen: Anzeiger Kietz«.

Fernsprecher Nr. 51.

Prozeß Dreyfus.

Rennes, 7. August.

Vor dem hiesigen Kriegsgericht begann heute früh auf Grund des Beschlußes des Kassationshofes das Wiederauf­nahmeverfahren gegen den Kapitän Dreyfus. Die Vorbe­reitungen zum Prozesse wurden gestern beendet. Seit den frühesten Morgenstunden herrscht vor dem Lyceum, in welchem die Verhandlungen stattsinden, das regste Leben. Ein zahl­reiches Publikum hat vor demselben Aufstellung genommen, um die Ankunft Dreyfus zu erwarten. Um 6i/4 Uhr schreitet Dreyfus in strammem Schritt, von zwei Gendarmerie- Offizieren begleitet, aus dem Proviantmagazinsthor. Das Publikum ruft:Da kommt er!" Dreyfus blickt weder rechts noch links. Inzwischen hat sich der Sitzungssaal vollständig gefüllt. Die Verteidiger Dreyfus, Labori und Demange erscheinen mit ihren Sekretären. Casimir Perier, Billot und Chanoine, ferner Mercier, Cavaignac und Zurlinden nehmen ihre Plätze ein. Esterhazy, du Paty de Clam und Madame Pays fehlen. Die Wittwe Henrys be­findet sich im Saale. Beim Eintritt Dreyfus' zeigt sich eine anhaltende Bewegung. Um 7 Uhr erscheint der Präsident des Kriegsgerichts Jouaust mit den Mitgliedern des Kriegs­gerichts und erklärte alsbald die Sitzung für eröffnet. Nun­mehr richtete der Präsident an Dreyfus, der eine neue Uniform trägt, die üblichen Fragen nach Namen und Alter. Dreyfus antwortet mit fester und klarer Stimme:Alfred Dreyfus, 39 Jahre alt, in Mülhausen geboren, Stand Kapitän". Es folgt die Verlesung der amtlichen Schrift­stücke. Nach Beendigung derselben fordert der Vorsitzende Dreyfus auf, sich zu erheben. Dieser erhebt sich. Der Vorsitzende sagt zu ihm:Sie sind angeklagt, einer fremden Macht Schriftstücke ausgeliefert zu haben, welche im Interesse des Staates geheim gehalten werden mußten". Dreyfus antwortet:Ich bin unschuldig, vollkommen unschuldig, Herr Präsident!" ~ . .. .

Dreyfus erhebt die rechte Hand.Ich bin unschuldig, ich schwöre es beim Glück meiner Frau und meiner Kinder". Diese Worte rufen große Bewegung im Saale hervor. Es sind dieselben Worte, die Dreyfus nach der Degradation gebraucht hat. Der Präsident fordert energisch, aber nicht unfreundlich den Angeklagten auf, seine Verteidigung maß­voller vorzubringen. Bezüglich der Note über Madagaskar,

zrezng.prH» ptertrijährliH 2 Mart 20 Pf,, monatlich 75 Pftz mit Bringerloh«.

Bei Postbezu- 2 Mark 50 Psz vierteljährlich.

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gaben Dreyfus' waren. Die vom Präsidenten oft unter­brochene Antwort Dreyfus ist meist unverständlich. Hierauf befragt der Präsident den Angeklagten über seine Gespräche mit du Paty de Clam. Dreyfus erklärt, er habe Paty gegenüber immer seine Unschuld beteuert und ihn angefleht, er möge die Untersuchung fortsetzen; es sei unmöglich, daß die französische Negierung einen Unschuldigen opfere, die Regierung besitze die Mittel, die Wahrheit aufzudecken. Der Präsident sagt weiter:Wir kommen jetzt zum Tage der Degradation. Haben Sie nicht Lebrun-Renault gestanden: Wenn ich Schriftstücke geliefert habe, so geschah es, um wichtigere zu erlangen". Dreyfus antwortet:Nein, ich hatte mit Lebrun-Renault nur ein kurzes Gespräch, in welchem ich ihm erklärte, ich wollte vor dem Volke meine Unschuld beteuern". Der Präsident fragt:Sagten Sie nicht, daß nach 3 Jahren der Beweis Ihrer Unschuld erbracht werde? Dreyfus:Ja. Ich habe diese Frist vorausgesetzt, weil man mich versicherte, meine Umschuld werde von dieser Frist wegen diplomatischer Gründe nicht bekannt werden können." Das Verhör des Angeklagten ist damit beendet. Dreyfus setzt sich. Der Advokat De­mange ersucht den Präsidenten, Akt davon zu nehmen, daß man über die Schlußphrase des Bordereaus, die Zeit der Reise zu den Manövern, später diskutieren werde. Der Regierungskommissar Carriöre beantragt die Vertagung der weiteren Debatte nm 4 Tage, damit erst in geheimer Sitzung das geheime Dossier geprüft werden könne. Die Richter ziehen sich zur Beratung zurück und beschließen, den Prozeß auf morgen zu vertagen und bis auf weiteres unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit das geheime Dossier zu prüfen.

I Wahrscheinlich wird dies vier Tage in Anspruch nehmen. I Hierauf wurde die Sitzung geschlossen.

zu beachten. L,

Von der Ablieferung der Voranschläge an die Großh. , ......... ... ß.

Dekanate wollen Sic uns demnächst und jedenfalls bis Mitte denen er angehort habe, und welcher Art die-Studl nauf-

Bekanntmachung.

Nachdem die Maul- und Klauenseuche in je einer Hof- raite zu Kestrich und Merlau sowie in zwei Hofraiten zu Nieder-Ohmen, Kreis Alsfeld, ausgebrochen, ist Gehöftsperre angeordnet worden.

In mehreren Gehöften zu Oberkleen und in einem Gehöfte zu Daubhausen, Kreis Wetzlar, ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden. In dem ersteren Falle ist Gemarkungssperre, in letzterem Gehöftsperre an­geordnet.

Die wegen Verdachts der Maul- und Klauenseuche angeordnete Sperre zweier Gehöfte in Kröffelbach, Kreis Wetzlar, ist wieder aufgehoben.

Unter dem Rindvieh des Johann Freitag und I. Simon zu Hermannstein, Kreis Biedenkopf, ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgeftellt und Gehöftsperre angeordnet worden.

Gießen, den 8. August 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

, Angestellte und Se­ien bequemen Aeteu- aaben durch gelegent- Tetnng. bezw. Aach- re Killern einer erst- Schre'imaschine.

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Bekanntmachung.

Da die Maul- und Klauenseuche im,j Kreise Biedenkopf in größerem Umfange aufgetreten ist und dringender Verdacht vorliegt, daß sie sich in nächster Zeit weiter ausbreitet, ist die Abhaltung des auf Donnerstag, den 10. d. Mts, zu Biedenkopf anstehenden Biehmarktes verboten worden.

Gießen, am 8. August 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

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Bekanntmachung.

Unter der Schafherde zu Königsberg, Kreis Bieden­kopf, und unter dem Rindvieh eines Gehöfts daselbst ist die I Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Ortssperre an- I geordnet worden. I

Unter dem Rindvieh zu Günterod, Kreis Biedenkopf, ist in einigen weiteren Gehöften die Maul- und Klauenseuche I ausgebrochen. Ortssperre ist angeordnet worden. I

In Nieder-Eschbach, Kreis Friedberg, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftesperre verfügt I worben. I

Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Nieder-Weisel, I Kreis Friedberg, festgestellt worden ist, ist Gemarkungssperre I verfügt worden.

Gießen, den 5. August 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold. I

Gießen, den 4. August 1899.

Betreffend: Die Aufstellung der Voranschläge der Land- I gemeinden des Kreises Gießen pro 1900/1901. |

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Sie wollen nunmehr mit der Aufstellung der Gemeinde- I Voranschläge für 1900/1901 beginnen. Es ist dafür Sorge zu tragen, daß die Einsendung derselben zum vorgeschriebenen Termin 15. November bestimmt erfolgt.

Wir beziehen uns auf unser gedrucktes Ausschreiben I vom 21. August 1895 und empfehlen Ihnen, dasselbe bei Aufstellung der Voranschläge zur Hand zu nehmen.

Die Beilage 2 ist diesmal zergliedert aufzustellen. Die Mobilien sind nach dem Inventar aufzunehmen. Bei den Feldgütern ist zu beachten, daß die Einträge von Flur, Nummer, Flächeninhalt rc., sowie die Dauer der Pachtzeit und der Pachterlös mit dem Vortrag der letzten Rechnung genau übereinstimmen. Ab- und Zugänge von Grundstücken find genau zu wahren. , |

Besonders machen wir noch auf die richtige Einhaltung der achttägigen OffenlegungSfristen aufmerksam. Die Be- I scheinigung über die stattgehabte Offenlegung hat am 9ten | Tage zu erfolgen.

v. Bechtold.

Gießen, den 4. August 1899.

Betreffend: Die Aufstellung der Voranschläge der evang. Kirchenfonds für 1900/1901.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die evangelischen Kirchenvorstände des Kreises.

Unter Hinweis auf § 4 Der Instruktion zur Fertigung her Voranschläge über die Vermögensverwaltung der evan­gelischen Kirchen vom 31. August 1885 beauftragen wir Sie, die rubrizierten Voranschläge nach Anhörung des Kirchen­rechners so zeitig aufzustellen, daß die Beratung derselben im Gesamt-Kirchenvorstand und in der Kirchengemeinde­vertretung im Monat September stattfinden und die Vorlage an das betreffende Großh. Dekanat bis spätestens Mitte Oktober erfolgen kann.

Insofern ein Beitrag der Civilgemeinde zur Deckung des kirchlichen Defizits in Anspruch genommen werden muß, ist nach § 24 Ord.-Nr. 10 der Kirchenvoranschlags In­struktion alsbald nach der Beratung des Voranschlags im Kirchenvorstand und Gemeindevertretung, der Bürgermeisterei unter Mitteilung eines Auszugs aus dem Voranschläge, von der Höhe des notwendigen Zuschusses Nachricht zu geben, damit der erforderliche Kredit im Gemeindevoranschlage ordnungsmäßig gewahrt werden kann.

Mit Bezug auf das Ministerialausschreiben vom 16. Juni 1893 abgedruckt in Nr. 8 des Verordnungsblattes von 1893 wird bemerkt, daß vollständige Verzeichnisse der Aktiv-Kapitalien (vergl. pos..V. 2.) diesmal deu Vor auschlägen beizufügeu sind.

Die Kapitalien müssen für den I. Teil und II. Teil des Voranschlags getrennt in das Verzeichnis ausgenommen und für jeden Teil besonders summiert werden.

Wir verweisen noch auf das Ausschreiben Großh. Ober- Üonsistoriums vom 12. Oktober 1894 (Verordnungsblatt Nr. 14) und empfehlen Ihnen, zur Vermeidung von Revisions- Lemerkungen genaue Befolgung dieser Vorschrift.

Deutsches Reich.

Berlin, 7. August. Der Kaiser nahm heute vor­mittag im Schloß zu Wilhelmshöhe den Vortrag des Ver­treters des Chefs des Civilkabinetts, v. Valentins, und denjenigen des Finanzministers v. Miquel entgegen.

Berlin, 7. August. Die Aelteften der Kaufmannschaft von Berlin haben an den Reichskanzler eine Eingabe ge­richtet, in welcher beantragt wird, bei der russischen Re­gierung nach Möglichkeit dahin wirken zu wollen, daß die von dieser neuerdings den ausländischen Handlungs­reisenden auferlegte Gewerbesteuer beseitigt oder wenigstens auf ein billiges Maß herabgesetzt werde.

Berlin, 7. August. Bei der großen Wichtigkeit der ost amerikanischen Station glaubt die Mariuever- waltung, daß sie mit dem gegenwärtig dort befindlichen kleinen KreuzerGeier" nicht auskommen könne, weshalb wahrscheinlich im Herbst ein zweiter Kreuzer nach der ost- amerikanischen Station abgeschickt werden dürfte.

Berlin, 7. August. Dem Herrn Geheimen Kommer­zienrat I. van der Zypen in Köln ist vom Bergischen Fabrikanten-Verein zu Remscheid folgendes Schreiben zu- qegangen:Von Ihrer Antwort auf die Einladung des Handels-Museums in Philadelphia hat man in den Kreisen von Industrie und Handel Hierselbst mit der größten Be­friedigung Kenntnis genommen. Der unterzeichnete Verein pricht Ihnen daher für Ihre Auffassung und Ihr energi­sches Vertreten der deutschen Interessen volle Anerkennung und herzlichen Dank aus.

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