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9.4.1899 Zweites Blatt
 
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Sonntag den 9. April

Zweites Blatt

Amts- und Anzeigeblntt für den Ureis Gieren

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(4 Mark).

HUe Änjetyit-SmnittittngettfHen H 3°* Hnfc ÄuJtonW nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger tntgefm.

Ntetehwn, Lxpetzition und Druckerei:

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d.tz er nicht bloS alle heimischen, sondern auch alle fremden Neben­buhler weit überflügelt hat. Sein Ruhm ist in deS Wortes buch- stübltcher Bedeutung ein Weltruhm geworden. AuS seinem Namen hat man in der französischen und englischen Sprache, vielleicht noch in mehreren anderen, Worte wie Jdsönisme und Jbsenit gebildet. Kein anderer Dichter beschäftigt so wie er die Mitwelt; aus der Schwelle deS Greisenalters befindet er sich noch unter den getstigm Vorposten, sodah seine Werke, wie sonst nur die eineS jungnm ManneS, bekämpft, verspottet, geliebt und vergöttert roerbtn.* Eine neue Beobachtung, die wir zum Unterschiede von den anderen bisher erschienenen Ausgaben machen, ist, daß Lange seine feinstnnigm Uebersetzungen in Szenen einteilt, wodurch für den Lefer eine außer­ordentliche Erleichterung entsteht. WaS die Ausstattung betrifft, so ist dieselbe bei allen AuSgab. n eine vorzügliche. Die Volksausgabe (30 Pfg. pro Band) ist in Bezug auf Druck und Papier, das voll­ständig holzfrei, so beispiellos billig, wie es der deutsche Büchermarkt bisher nicht auf wies. Ebenso ist die befiere Ausgabe (1,20 Mk.), mit einem interefianten Porträt Ibsen« auS der Zeit der fünfziger Jahre, geeignet, bei diesem Preise selbst den verwöhntesten Geschmack zu befriedigen. Die Luxusausgabe, von welcher nur 150 numerierte Exemplare erscheinen, ist hochelegant und auf Büttenpapier gedruckt

Nora" wäre dieseJohanna" nie geschrieben worden. Dori handelt es sich um die Selbständigkeit der Fran in der Ehe, hier um die Befreiung der Frau oder, bester gesagt, des weiblichen Jndividualwillens im allgemeinen. Johanna" giebt für die Aussicht, eine Künstlerin zu werden, die Vernunft- und Versorgungsehe preis, zumal sie an den Bräutigam, einen ernsten, aber beschränkten Theologen, den ihr mehr der Vater als ihr eigener Sinn erwählt, keine tieferen seelischen Bande knüpfen. Daß dieser, aus grobem Holz geschnitzte Mensch jedoch Johanna aufrichtig und mit quälender Eifersucht liebt, daß er sie nicht nur an ihren Künstlerberuf, sondern auch an einen anderen Mann, einen liebenswürdigen und weltgewandten Schriftsteller, der ganz das Gegenteil von ihm selbst ist, verlieren wird ver­schärft natürlich den Konflikt und vermehrt die Gesichts­punkte, unter welchen das Björnson'sche Drama zu be­trachten ist.

Die Hauptrolle der TitelheldinJohanna" spielte Fräulein Polln er mit lobenswerter Klarheit. Für den Theologen" und denSchriftsteller" stand in den Herren Bauer und Barthel die richtige Verkörperung der ent­gegengesetzten Welten da.

Die Gestalt des stillen, humanenOnkels", die vom Dichter eingeschoben ward zu dem Zweck, daß sich in Johannas Seele durch ihn und seine Reden derEntschluß" schneller entwickle, geriet Herrn Diegelmann vorzüglich-

Gratisbeilagen: Gießener Famitienbtütter, Der heMhe Landwirt, Matter für hessische Volkskunde.

Adresse für Depeschen: Anzeiger frUfttS.

Fernsprecher Nr. 51.

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ber nach Sibirien gereist ist, um 1 v letzten Andree-Gerüchte zu untersuchen, ist folgende Depesche eingelaufen: Tomsk, 31. März: Habe Ljalin ausgefragt. Er versichert, mehrere Tungusen berichten, daß sie dret Leichen gefunden haben, sowie einen großen, stoffüberzogenen, ziemlich langen Gegenstand, woran ein Gestell mit Metall­stangen befestigt war. Die Leichen waren in helle ®e» wänder gekleidet, die der russischen Kleidung nicht ähnlich sind. Die Stiefel waren mit Fell gefüttert. Ich reffe nach Krasnojarsk und weiter nach Goldfeldern. Alles wohl.

Einwirkung vorläufig ausschließe, und eine ständige Ueber- wachung des neuen Betriebes angeordnet.

Äu8 der Pfalz, 6. April. In Tunis wurde vor einigen Tagen ein Fremdenlegionär aus Deutschland Namens Meißner kriegsgerichtlich zum Tode verurteilt. Wie sich herausstellt, handelt es sich um einen aus Pfedders­heim bei Worms gebürtigen Nähmaschinenagenten, der wegen Unterschlagungen vor etwa einem Jahr aus Zwei­brücken unter Zurücklastung seiner aus Frau und sechs Kindern bestehenden Familie flüchtig ging und sich dann zur Fremdenlegion anwerben ließ. ,

Andree. Aus Stockholm, 2. April, wird den M. N. N." telegraphirt: Bon dem Assistenten Martin,

Äeeiefet »en A»»«bge, ju der «achmtttag» ftr de» erscheinenden Rümmer dir varrn. 10 Uhr.

Mezugrprei» vierteljährlich

2 Mark 20 W monatlich 75 Pf>. mit vrmgerloh».

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Vermischtes.

' Ems, 5. April. Ueber einen neuen Silbererzfund bei M-Ems wird geschrieben : Der neue Schürf ist 150 Meter yonmMheren Neuhoffnungsstvllen, etwa 20 Meter über der THEde. Das Thal ist ein Querthal zum Lahnthal und Ä-'tt lin dieses am unteren Ende von EmS. In den 80er Ja'-hM .erachtete man die Emser Mineralquellen für bedroht, MltC0 t« erfolgte durch Kabinettsordre die Schließung des Netrchifmungsstollens. Auch 1899 nahmen die Stadtver- ordlMikn zu Ems gegen den Plan eines neuen Stollens StiMLng, Das Oberbcrgamt Bonn hat jedoch auf eine Eim«be ausgesprochen, daß die Höhenlage des neuen Stollens undv jtinit Entfernung vom Quellenschutzbezirk die befürchtete

Feuilleton.

Arankfurler Aries.

Originalbericht für den(Siebener Anzeiger*.

(Nachdruck verboten.)

«Rette! fcjinbßemaibe. Palmengarten. DjonffonsJohanna".

Dr. M. In die Stimmung der Kar- und Osterwoche paftflst vorzüglich das Rundgemälde derKreuzigung C hl, list i", das für eine kurze Spanne Zeit den üblichen SMch'lbildern und Seestücken und sonstigen der Zeit- aesDtt?. angehörenden Darstellungen den Platz räumen milch Wenn so und so vielZeitereignisse" vorübergerauscht fcun-itnben, wird im Bewußtsein der Völker, mögen diese »U'HMh so viele religiöse Niedergangsperioden durchlaufen, historische Ereignis in Jerusalem vor bald zweitausend «tzaMil in unverwischbaren Farben leuchten!

1i« bildende Kunst bevorzugt in den letzten zehn Jahren biei i!li.giösen Motive. Diese Tendenz wirkt bis in die Vajbiramenmalerei hinein.

Lentdem Bruno Piglheims Kreuzigungs - Rnnd- gerMe verbrannte, hat freilich kein zweites die Stufe seines kück'.jlin'.lchen Wertes erreicht. Auch das gegenwärtige, tn fcrtnlbmt befindliche, erfüllt nicht alle unsere Erwartungen;

cs große Vorzüge. Diese sind vor allem die treue BeHMung des Landschaftsbilde- und die Verbindung des-

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* Von dem Brande des Windsor-Hotels in New-York wird noch berichtet: Die Zahl der bei der Brandkatastrophe am 18. März umgekommenen Personen wird sich schwerlich jemals feststellen laffen. Bis zum 21. März sind in dem Schutt Leichenreste gefunden worden, die man als von 5 verschiedenen Personen stammend erachtet, an deren Rekog­noszierung aber gar nicht zu denken ist. Dagegen ist die Persönlichkeit der 14 durch Sturz aus den Fenstern Um- gekommenen festgestellt. Als vermißt werden noch 53 Per­sonen angegeben. Das Aufräumen der Brandstätte wird

Helene Gould (die bekannte Wohlthäterm aus dem letzten ' naHa -- ' - - - - -- -

Kriege) gespendet. Die junge Millionärin stellte ihr dem Windsor-Hotel gegenüber gelegenes und eine Zeit lang selbst gefährdetes Palais zur Aufnahme aller Verletzten zur Ver­fügung und bekümmerte sich selbst um die Pflege derselben. In den kalten Nächten läßt sie die Arbeiter der Brand­stätte in ihrer großen herrschaftlichen Küche mit heißem Kaffee und Speisen bewirten. Der städtische Brandkom- missar hat der jungen Dame die Übersendung eines gol­denen Abzeichens zugesagt, welches ihr das Privilegium ge­währen soll, in Zukunft bei jedem Brande in New-York die Feuerlinie zu überschreiten.

Elektrische Druckerei ohne Druckerschwärze ist eine Er­findung, die unter den Druckern einige Unruhe erregen wird.

i Dieser Tage hat W. F. Green seine Ersindung in Croyden | in England einem Kreise von Sachverständigen vorgeführt, die über das Gesehene geradezu verblüfft gewesen sein sollen. Leider ist es nicht möglich, ohne Zeichnungen und

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selben mit den verschiedenen Haupt- und" Nebengruppen. Das epische Nacheinander der biblischen Vorgänge ist vom Maler sehr glücklich zu einem räumlichen Nebeneinander umgestaltet worden.

Ungeachtet des Sonnenscheins an den zwei ersten Oster- feiertagen ist die Natur in Frankfurt auch nicht erheblich über die der Lahngegend vorgerückt. Wenn man die Eschen­heimer und Bockenheimer Anlagen abschrertet, wird man fortwährend an den Schiller'schen Vers aus derKlage der Ceres" erinnert:Traurig steht der nackte Strauch." Wir haben zwar keineweißen" Ostern bekommen, aber die richtigengrünen" waren uns doch mcht vergönnt. Um Floras Kinder begrüßen zu können, muß man sich jetzt wirklich in denPal men gart en" verfügen, wo die Blumensaison in vollem Gange ist. Ganz reizend macht sich das Arrangement, das eben dort mit den großblumigen Cmerarien, in welchen die zarten Anilintöne vorwiegen, die einzige Blüte, welche die Farbe des Mode-Lila, hat ben prachtvollen Dolden der alle Farbentöne durchlaufenden Livarinthen und den süßduftenden, zarten Tazetten erzielt worden ist. Auch Ihre Majestät dieRose" haben sich bereits in einigen Grund- und Spielarten eingestellt und halten große Cour ab.

Im Schauspiel heißt das gegenwärtige Zugstuck Johanna" von BjörnBjörnson. Der junge Björnson hat weniger vom alten als von Henrik Ibsen gelernt. Wir können getrost die Behauptung aufstellen: ohne die

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Meratur, Wissenschaft und Kunst.

Ibsen- dramatische Werke, herauSgegeben mit) überfetzt von Wilhelm Lenge. Band 1. Gefpenster. Berlin 1899. Verlag von Hugo Brrmühler. Drei Ausgaben: Luxusausgabe (4 Mark gebd.), befiere Ausgabe (1,20 Mk. brofch.), Volksausgabe (0.30 Mk. brofch.). Motto: Man kann Ibsen verehren oder befehden, aber eine« ist auSgeichlofien: Kalt läßt er niemanden. (Neue Freie Prefie, 4 Februar 1896. Wien.) Der unS vorliegende Prospekt der Ver- lagShandlung läßt unS diese« Unternehmen al« eine der vollkommen­sten und besten Sammelauögaden der Jbsen'fcken Werke oermuten. Wenn die Uebersetzungen alle dieselbe meisterhafte Sprache, wie die der Gespenster bieten, so werden wir endlich einen wirklich deutsch« Ibsen erhalten. Wer deS nordischen Dichter« Sprache tennt, weiß, daß kein Dramatiker mit solcher Meisterschaft, wie er, seine GestaUm durch die Sprache zu charakterisieren versteht, und diese Eigentüm­lichkeiten deS Jbsen'schen Stils nachzubilden war eine SchwierigkM, die fast ohne Ausnahme nur in unzulänglicher Weise gelöst wurde. Der Herausgeber und Uebersetzer dieser Ausgabe, dessen frühere Verdeutschungen der Jbsen'schen Dramen: »Nora, Stutzen der Ge- sellschaft, Volksfeind" rc. von der gesamten Kritik al« vorzüglich anerkannt worden find, leitet feineGespenster" mit einem höchst- interessanten Vorwort von dem berühmten Aesthettker Georg Brande« ein, au« welchem wir un« nicht versagen können, den Schluß mit-

ohne lange wissenschaftliche Vorbemerkungen von seinem Druckverfahren ein deutliches Bild zu geben; aber es läßt sich vielleicht doch zeigen, worauf es dabei ankommt. Das Papier wird, bevor es in die Preffe geht, in besonderer Weise chemisch behandelt; sobald es nun über den Satz läuft, wird ein elektrischer Strom ausgelöst, der den chemi­schen Stoff, mit dem das Papier zubereitet ist, zersetzt und sogleich Worte, Zeilen, kurz, den ganzen Satz schwarz erscheinen läßt. Der Druck kommt dabei ebenso klar zum Vorschein, als wenn das Papier mit Typen und Drucker­schwärze bedruckt worden wäre. Auch die Schnelligkeit der Druckarbeit erleidet keinen Abbruch. Nach dem Urteil der m .......... , S-chv-rständig-n ist der Fortfall der F°rber°llen nut all

die Fuv-rlMgk-Ü der ihren lästigen Beigaben schon em wertvoller Vorteil de« . I neuen Verfahrens, das zudem billiger sein soll. T. R.

Deutsches Keich.

HP.O, Berlin, 8. April. Außer den Fragen der )et SlletitiK; Po scheinen werden die der Reform des Fl eischb eschau- len. We ,1'inS demnächst immer mehr in den Vordergrund des I t btr rücken. Auf agrarischer Seite liebt man es, die

des Fleichbeschau-Gesetzes als sehr fraglich zu ti: (ipie intiu. Wir glauben im Gegenteil, daß das letztere zu I n au(? hin! nannr kommen wird. Sind in ihm auch nicht alle Wünsche berWditigt, die man den Bereinigten Staaten von Nord- ametda gegenüber auf dem Herzen hat, so wird doch auch in fcHÄfet Beziehung der Stand unserer Gesetzgebung ver- befiehl. Für die Wirkung des Gesetzes nach innen wird sehr. Diel won den nach seiner Verabschiedung zu erlaffenden Aus^Hr>lsigsbestimmungen abhängen.

I.p.0. Berlin, 8. April. Baron von Heyking, !

k. April, i un l r »n bi sheriger Gesandter in Peking, wird voraussichtlich .eh^nc Lahre pausieren müssen, ehe er wieder vollen Dienst huvb hnn. Auch die englischen Beamten, welche in heißen {ur'itn funktionieren, pflegen von Zeit zu Zeit ein oder ntetzlmt Jahre in anderen Klimaten zuzubringen um sich >oni neuen gegen die gefundheitsgefährlichen Einflüffe an­derem Himmelsstriche stark zu machen.

- Liautschon, der jüngsten deutschen Kolonie wird jom ben verschiedensten Seiten reges Interesse entgegen« jeb teedjt ES zeigt sich dies besonders in unzähligen Ge­such:-:. bi-e zur Erlangung von Auskunft über AnsiedelungS- >erl!Mlkri se, Fahrtgelegenheit u. s. w. an amtliche Stellen icriioiitl nverden. Vielfach sind die angegangenen Behörden mditt in der Lage, aus eigener Wissenschaft die erbetene Aucrlkrfft zu erteilen, und müssen darum das Gesuch an ine -tzr dk Verwaltung des Kiauffchou-Gebiets zuständige Be- hörio-t. düs Reichs-Marine-Ami weitergeben. Cs kann da- >)tr i oDtu,. die Auskunft über Kiautschou wünschen, nur werden, sich mit ihren Gesuchen unmittel^r an ^ast Rli chs-Marine-Amt zu wenden. Der Bedarf ui iWair.ten und Angestellten der Kaiserlichen Behörden ist gebihtdl; eine unentgeltliche Beförderung von Privatpersonen nackyi Aiamtschou findet nicht statt.