M. 83
Erstes Blatt.
SoMag den 9. April
ISO»
Gießener Anzeiger
General-Un^eiger
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Amtlicher M.
ttr. 13 des Reichsgesetzblattes, ausgegeben den 4. d. M., ««lhSlt:
Nr. 2564. Verordnung, betreffend die Hauptmängel währfristen beim Viehhandel. Vom 27. März 1899.
T ießen, den 8. April 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Äm Donnerstag, den 13. April ds. Js. nachmittags l.'s>Msir findet im Saale des CafL Ebel dahier eine General- oMsirnrnlung des Vereins zur Züchtung des Vogelsberger ^Mvirchs im Kreise Gießen statt, zu welcher alle Mitglieder tyinmü eingeladen werden. Dazu gehören auch die Mit- des Grünberger, Lauterer, Großen-Lindener und sytchÜheimer Zuchtvereins.
Tagesordnung:
1 Einrichtung von Tummelplätzen für Vogelsberger Vieh.
2 Gründung einer Vermittlungsstelle für An- und Verkauf von Zuchtvieh.
3 Prüfung der Rechnung für 1898/99.
4 Verschiedenes.
g ießen, am 7. April 1899.
Der Direktor des Zuchtvereins.
_____Boeckmann._______________
Gießen, 6. April 1899.
^iktrtfjetnb: Errichtung und Einrichtung der Fortbildungsschulen ; hier: Darstellung des Zustandes derselben.
Die
18rchh. Kreis-Schulcommisfion Gießen
au die Tchulvorstäude des Kreises.
d iejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 7 ..Februar l. Js. (Gießener Anzeiger Nr. 36) noch nicht nunjge! ommcn find, werden an deren sofortige Erledigung e-mert.
v. Bechtold.
Gießen, 6. April 1899.
Statistische Nachweisungen über das Volksschulwesen. =Eit Großh.Kreisschulkommisfion Gießen am die Schulvorstände des Kreises und die Vorsteher von Privatschulen.
Wit sehen Ihren Berichten in rubr. Betreff innerhalb 1 tagen entgegen über:
l §:tand der einfachen Volksschulen nach Beginn des Schuljahres 1899/1900.
i. ohne Schulgeld, b. mit Schulgeld.
gchl der Schulkinder:
1, »ach Klassen (nicht Abteilungen) getrennt.
l im ganzen, b. Knaben, c. Mädchen.
I r.ach dem Bekenntnis:
a. evangel., b. röm. kath., c. ist., d. anderer Konfession.
. H Stand der Fortbildungsschulen nach Beginn der Schul- Triode 1898/99.
jalll der Fortbildungsschulen:
i. einklassig, b. zweiklassig, c. dreiklassig u. s. w.
Ml der Schüler nach dem Bekenntnis:
i. evang., b. röm. kath., c. isr., d. anderer Konfession, e. im ganzen.
ON Stand der höheren Bürgerschulen nach Beginn des Schuljahres 1899/1900 (wie unter I.)
I'KStand der Privatschulen nach Beginn des Schul- ,0lhres 1899/1900.
Üie Berichte sind genau nach vorstehendem Schema ixuitir Beibehaltung derselben Bezeichnungen abzufaffen.
v. Bechtold.
Gießen, den 1. April 1899. öte: Die Anstellung der Kreisstraßenwarte.
IN Großherzogliche Kreisamt Gießen aoabiie Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
&ie wollen, soweit aus Ihren Gemeindekaffen Gehalte rrm Ztliraßeuwarte bezahlt worden find, die Gemeindeein
nehmer veranlaffen, sofort mit der Kreiskaffe abzurechnen, damit diese in den Besitz sämtlicher Hauptquittungen gelangt.
Binnen 14 Tagen sehen wir Ihrem Bericht entgegen, daß diese Abrechnung stattgefunden hat.
v. Bechtold.___________________
Bekanntmachung.
Die erledigte Stelle eines Kreisftrastevwarts mit dem Sitz in Wieseck oder Trohe soll demnächst wieder besetzt werden.
Bewerber wollen ihre Meldungen unter Angabe von Alter und seitheriger Beschäftigung, sowie unter Anschluß von Zeugnissen bei dem Kreisstraßenmeister Senßfelder dahier bis spätestens 15. April l. I. einreichen.
Gießen, am 4. April 1899.
Der Kreis-Ausschuß des Kreises Gießen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Wegen Chaussierung der Fahrbahn wird die Plockstraße vom 10. bis einschließlich 19. l. Mts. für den Personen- sowie für den Fuhrwerksverkehr polizeilich gesperrt.
Gießen, am 7. April 1899.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Muhl.
Gesunden: 2 Armbänder, 1 Schirm 1 Taschenmesser, 1 Herrnhut, 2 Paar und 1 einzelner Handschuh, 1 Schürze, 6 Tücher und 1 Pinsel.
Gießen, den 8. April 1899.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Muhl.
Politische Wochenschau.
Die Ereignisse auf Samoa und die deutsche Strafexpedition gegen die Chinesen nehmen das allgemeine Interesse hervorragend in Anspruch. Angeblich ist ja der Vorschlag der deutschen Regierung, Spezialkommiffare nach Apia zu entsenden, von England und den Vereinigten Staaten gebilligt worden, so daß der Ausbruch ernster Konflikte wohl vermieden werden dürfte. Aber immerhin muß Deutschland gegenüber seinen Konkurrenten stark auf der Hut sein, da die Interessen, welche es auf Samoa zu vertreten hat, einer Kraftanstrengung wert sind. Unser Vorgehen hat bisher keinerlei Mißbilligung erregt, und selbst die Pekinger Regierung scheint die deutsche Expedition als etwas unabwendbares hinzunehmen. Jedenfalls sind dadurch unsere Beziehungen zu keiner Macht irgendwie getrübt worden.
In möglichster Stille hat Fürst Hohenlohe seinen 80. Geburtstag gefeiert. Trotzdem aus dem Glückwunschtelegramme des Kaisers nichts auf den baldigen Rücktritt des Reichskanzlers schließen läßt, so ist in diesen Tagen doch oft die Frage des Nachfolgers ventiliert worden. Ob mit Recht, müssen wir dahingestellt sein lasten.
Endlich! Die Einladungen zur Friedens- und Abrüstungskonferenz sind ergangen, und es unterliegt kaum einem Zweifel, daß irgend ein Staat der Einladung der jungen holländischen Königin nicht Folge leisten wird. Aber vielleicht sind sich schon heute alle klar, daß das Ergebnis der Verhandlungen ein befriedigendes Resultat nicht haben wird. Da aber immerhin die vom Zaren gegebene Anregung recht lobenswert ist, so hat jedermann Ursache, der Konferenz viele Glückwünsche mit auf den Weg zu geben.
In Frankreich erregen die Veröffentlichungen des „Figaro" das größte Aufsehen; sie dürften auf die weitere Behandlung des Prozesses Dreyfus von ganz erheblichem Einflüsse sein. Jedenfalls hat die öffentliche Meinung Anregung erhalten, dem Revifionsprozeste mit anderer Beurteilung entgegenzusehen. Präsident Loubet ist den Erörterungen über die Publikationen aus dem Wege gegangen, indem er nach seiner Heimat abgereist ist.
Eine Ministerkrisis giebt es in Griechenland, was steilich bei den dortigen parteizerklüfteten Zuständen nicht weiter verwunderlich ist. Befriedigung gewährt es, daß die europäische Finanzkontrolle unabhängig von jedem Kabinet ist, so daß eine finanzielle Mißwirtschaft nicht befürchtet zu werden braucht.
Die Königin-Regentin von Spanien soll wieder einmal regierungsmüde, dafür aber heiratslustig sein. Was an den Gerüchten wahres ist, läßt sich natürlich nicht kontrollieren; jedenfalls darf aber erwartet werde«.
Ibreffe für Depeschen: Anzeiger frUtcs.
Fernsprecher Nr. 51.
daß Königin Christine ihren Posten nicht verläßt, ehe nicht der junge König seine Volljährigkeit erlangt hat.
Vor Wien-Prag nichts Neues! Die Ansichten über das Schicksal des Kabinetts Thun gehen derart ausein- ander daß man gut thut, nicht davon Notiz zu nehmen. Charakteristisch ist das Uebergreifen des nationalen Streits auf das religiöse Gebiet, und der Ruf „Los von Rom" ist die neueste Phase in den innerpolitischen Wirren Oesterreichs.
(xx)
Deutsches Keich.
Berlin, 7. April. Zu dem Samoa-Streit wird der „T. R." geschrieben: In die Samoa-Streitigkeiten wird voraussichtlich bald eine Klärung kommen, da die deutsche Regierung dem Vernehmen nach jetzt zu einem entschiedenen Auftreten entschlossen ist. Dadurch würden die Absichten der Regierungen in London und Washington festgestellt werden können; doch liegen schon bestimmte Aeußerungen vor, daß man weder in der Union noch in England jetzt die Sache auf die Spitze treiben, sondern vielmehr Zeit gewinnen will. Die Erklärung, daß die Vertragsmächte an der Samoa-Akte festhalten wollen, weist deutlich darauf hin. Auch soll dieser Vertrag nur durch einstimmige Be- schlußfastung abgeändert werden können. Diese Absicht macht einen fast komischen Eindruck gegenüber der Thatsache, daß die amtlichen Vertreter Englands und der Union dort stets das Gegenteil von dem thun, was der deutsche Konsul für richtig hält und daß sie ihren Willen mit Gewalt, d. h. durch das Eingreifen der Kriegsschiffe durchzusetzen versuchen, ohne auch nur von ihren Regierungen einen Tadel zu erfahren. Wenn die Reichsregierung nunmehr ihre Rechte mit Kraft wahren will, so wird man mit der Personenfrage anfangen müssen. Schon vor einigen Tagen hieß es, der deutsche Botschafter habe dem Staatssekretär in Washington eine Note überreicht, worin die Abberufung des Oberrichters Chambers verlangt wurde. Ob überhaupt darauf eine Antwort erfolgte, ist nicht bekannt. Jetzt wird man die gleiche Forderung auch auf andere englische wie amerikanische Beamte und Marine-Offiziere ausdehnen müssen. Dadurch würde man feststellen können, ob das vertragswidrige Verhalten dieser Herren durch ihre Regierungen Unterstützung findet. Darin läge auch schon ein Fortschritt. Die Annahme des deutschen Vorschlages, drei Kommistarien zur Untersuchung des Wirrwarrs einzusetzen, läßt vermuten, daß die Regierungen in London und Washington über diese heikle Personenfrage Hinwegzukommen hoffen, ohne sich bestimmt erklären zu müssen. Gut wäre es, wenn ihnen das Ausweichen abgeschnitten würde. Als sich die Samoa- Streitigkeiten schon einmal im vorigen Jahrzehnt unentwirrbar verschlungen hatten, wurde schon eine gleiche Kommission von drei Delegierten eingesetzt, von deutscher Seite wurde dazu der Generalkonsul in Sydney, Travers, und von englischer Seite der Gouverneur der Fidschi-Inseln, Thurston, ernannt. Einen dauernden Erfolg hatte diese Untersuchung aber nicht, denn die amerikanischen Konsuln, Greenbaum, Sewall u. s. w. setzten ihre Bemühungen, Unruhen und Streitigkeiten hervorzurufen, ununterbrochen fort und fanden regelmäßig Unterstützung bei den englischen Konsuln. Da die Untersuchung infolge der großen Entfernungen lange Zeit in Anspruch nimmt, so wird man nun eine große Frist gewinnen, vielleicht mehrere Jahre, und die eigentliche Lösung der Samoafrage bleibt in der Schwebe. Deshalb wird auch jetzt betont, man wolle an der Berliner Samoa-Akte festhalten.
— Sozialdemokratische Arbeitgeber. Die am 3. April abgehaltene Generalversammlung des Verbandes deutscher Lagerhalter hat überaus lehrreiche Beittäge geliefert zu dem Thema: was wird aus der sozialdemokratischen Theorie in der sozialdemokratischen Praxis? Bekanntlich ist der harte Druck, unter dem die Lagerhalter-Genosten zu leiden haben, der Grund gewesen, weshalb diese „Genosten" sich gegen die Verwaltungs-„Genossen" in einem Verbände organisierten. Wie wenig Erfolge aber trotz der Organisation bisher erzielt wurden, ist jetzt wieder auf der Altenburger General-Versammlung zu Tage getreten. Wieder sind die alten Klagen laut geworden über die Ausbeutung der Lagerhalter durch die Verwaltungen, über rigoroses Vorgehen, über fehlende Mittagspause u. s. w. Eine drastische Beleuchtung erfahren diese Verhältniste durch eine Statistik, die in Bezug auf 62 Konsumvereine mit 296 Lagerhaltern und 14 Lagerhalterinnen ausgenommen wurde. Danach betrug die Arbeitszeit 60 bis 100 Stunden pro Woche; eine Mittags-


