Ausgabe 
8.12.1899 Drittes Blatt
 
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Freitag den 8. December

Nr. 289 Drittes Blatt.

Kichener Anzeiger

General-Anzeiger

Bei Postbezug 2 Mark 50 Psg vierteljährlich.

Bezugspreis vierteljährlich

2 Mark 20 Psg. monatlich 75 Psg mit Bcingerlohn.

Alle Anzelgen-Berm''lungSflellen deS In« und Ausländer nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen

Annahme von Anzeigen zu dec nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi« vorm. 10 Uhr

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags

Die Gießener

AamilieuVkälter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal betgrlegt.

Aints- und Anzeigeblutt für den Ttreis Gieszen.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Zchukstraße Ar. 7.

ragender Schulmann als Ober-Stndiendirektor an­gestellt werden, der den Kommandeur des Kadettenkorps in der Leitung und Beaufsichtigung des wissenschaftlichen Unterrichts und bei der Beratung und Erledigung wichtiger Fragen auf dem Gebiete des Unterrichts in größerem Maße unterstützen kann, als dies bisher durch die Mitglieder der Studien-Kommission des Kadettenkorps hat geschehen können.

Burenpatroneu. Der englische Artillerieleutnant Kwenoth

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Dlätter für hessische Volkskunde._________________

Deutschlands, und auch aus dem Auslande eingegangen, ein Beweis, daß man auch anderwärts an die Abstellung der mit der seitherigen Art der Kadaverbeseitigung ver­bundenen Mißstände und Gefahren denkt. Schließlich teilte Herr May mit, daß jährlich im Durchschnitt die Kadaver von 425 Stück Großvieh und 1503 Stück Klein­vieh in die Anstalt eingeliefert werden; im letzten Jahre fielen der Anstalt zu die Kadaver von 102 Pferden, 10 Fohlen, 7 Ochsen, 1 Faselochsen, 236 Kühen, 54 Rindern, 2 Stieren, 512 Kälbern, 582 Schweinen, 181 Schafen, 156 Ziegen, 107 Hunden, 7 Katzen, ferner 1 Esel und 1 Bär. Diese Kadaver hatten ein Gewicht von 4385 Gentner, und wurden daraus gewonnen 180 Gentner Fett, 1050 Gtr. Dungstoffe. Der Bau der Anstalt erforderte Kosten im Betrag von 47 000 Mk. einschließlich der 18000 Mk. betragenden Kosten der Maschinen- und Kesselanlagen. Die Anstalt ist an einen Unternehmer für jährlich 1500 Mk. verpachtet; ein Geschäft

eidenstoffe, Sammle von Elten & Keussen

und Velvets M«

Heer und Marine.

Bei dem Kommando des Kadettenkorps soll ein hervor

wendet für die Sektion der Tierleichen, Ueberwachung usw.

Großen-Liuben, 7. Dezember. Wieder dürfen wir I von einer hochherzigen Spende berichten, die in unsrer Gemeinde mit Freuden begrüßt und dankbar anerkannt | wird. Herr Rentier Größer in Gießen, ein geborener Großen Lindener, hat in diesen Tagen unserer im Segen wirkenden Kinderschule eine Stiftung von 350 Mk. zugedacht und bereits die Summe dem Vorstand übermittelt. Die Zinsen des Kapitals sollen alljährlich zur Weihnachtsbe­scherung der Kinderschüler verwendet werden. Der freund­liche Geber hat sich so ein dauerndes Andenken in seiner Heimatgemeinde gesichert. Die wohlthätige Gesinnung ver­dient auch öffentlich anerkannt zu werden.

= Sich, 5. Dezember. Im nächsten Frühjahr wird in unserer Stadt ein Fernsprechanschluß eingerichtet. 10 Teilnehmer haben sich bereits dazu gemeldet. Heute bewilligte der Stadtvorstand einstimmig den jährlich zu stellenden Garantiefond, der jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach nie in Anspruch genommen wird. I

Nidda, 6. Dezember. Mit dem 1. Januar 1900 wird in hiesiger Stadt ein Etablissement seiner Be­stimmung übergeben werden, wie Nidda bisher ein gleiches nicht auszuweisen hatte der Saalbau der Brauerei ! Kraft. Er übertrifft die Räume der bekannten geräumigen LudwigShalle der Brauerei Gambrinus um ein bedeutendes und ist mit allem Komfort der Neuzeit ausgestattet, so u. a. mit Parkettboden versehen. Liegt er auch nicht, wie der GambrinuS, im Gentrum der Stadt, so kommt ihm die Lage an der Gabelung der Schottener und Friedberger Straße, sowie der vor ihm belesene Garten zustatten. An der Feierlichkeit der Einweihung, bei der der aus­führende Architekt, Herr Hauptlehrer Höhn von der hiesigen Gewerbeschule, die Rede halten wird, werden voraussichtlich

I alle hiesigen Vereine sich beteiligen.

+ Hartmauashain (Kreis Schotten), 6. Dezember. Der hiesige Versicherungs-Agent Sebastian Kaiser, welcher, wie bereits früher imGießener Anzeiger" be- I richtet, wegen Betrug, Urkundenfälschung angeklagt, infolge- I dessen auch verhaftet wurde, ist von derStrafkammer in Gießen I zu zehn Monaten Gefängnis, sowie zwei Jahren I Ehrverlust verurteilt worden.

Vom höheren Vogelsberg, 6. Dezember. Die Nähe I des Weihnachlsfestes rückt immer mehr heran. Wie seither I in den letzten Jahren, so sind auch diesmal wieder mehrere Händler von Frankfurt a. Main in unserer I Gegend, um Ehristbäume zu kaufen. Es sind schon I Waggons in Gedern verladen worden. Die Händler zahlen I durchschnittlich 17 bis 20 Pfg. pro Stück, und machen sv- I mit einen ganz netten Verdienst. Obwohl ja mancher Land- I wirt sich sagt, er will keine Ehristbäumchen aus seinem I Fichtenbestand verkaufen, so ist es doch immerhin sür die I jenigen, welche diese Bäumchen ohne Schaden herausgeben I können, ein schöner Verdienst resp Erlös._________________

Lokales und UrsviiyieUes.

Gießen, 7. Dezember 1899.

* Die Generalversammlung der Sterbetaffe deS Deutschen Kriegerbundes hat am 15. Juli 1899 in Osnabrück neue Satzungen angenommen, die gegen die alten wesentliche Verbesserungen und günstigere Bedingungen enthalten. D^fe Satzungen haben unterm 8. September die staatliche Ge­nehmigung des Herrn Ministers des Innern erhalten, treten mit dem 1. Januar 1900 in Kraft und enthalten folgende neue Bestimmungen: a) bei Einzelversicherungen werden die Kameraden bis zum 55. Lebensjahre ausgenommen (früher 50); b) jeder Kri gerverein kann mit Vermögen und dadurch mit ermäßigten Beiträgen geschlossen der Kasse beitreten, wenn er die Rechtsfähigkeit nach § 21 des Bürger­lichen Gesetzbuches erlangt hat, d. h. sich in das Vereins- wüliger UuMrittaufbem'»««mJät'au" di-MÜgli-d,chaft I macht, wie der Redner darlegte der Kreis allerdmgr dabei der Kasse keinen Einfluh; d) Wiederherstellung erloschener I nicht denn die Pachtsumme wird zum großen Teile ver. Versicherungen innerhalb Jahresfrist ist znliissig; e) Um. * 1 * * * **-* k" «..... T,erl<k,n ll^mnnAuna uiw.

Wandlung in beitragsfreie Versicherungen; f) im Kriegsfall bleibt die Versicherung in Kraft, ohne eine andere Gegen- leistung als die gewöhnlichen tarifmäßigen Beiträge; g) wenn bei der Aufnahme ein ärztliches Gesundheitszeugnis ausge­stellt worden ist, fallen die Karenzzeiten fort, d. h. im Todesfälle wird das Sterbegeld ohne Rücksicht auf die Dauer der Versicherung in voller Höhe ausgezahlt; h) die Verteilung der Dividende findet von 2 zu 2 Jahren statt (früher 3). Die Kasse wächst stetig, die laufende Mitglieder­zahl beträgt 50000. Das Vermögen der Kasse beziffert sich aus über eine Million Mark. General-Bevollmächtigter für den hiesigen Krieger-Bezirk ist G. Mayer, Postsekretär

i. P. zu Gießen, der Anträge vermittelt.

't Ueber die Verwertung von Thierkadavern im In- I

teteffe der Landwirtschaft sprach in der Hauptversammlung

des Landwirtschaftlichen Vereins von Oberheffen Herr Kreis- I

veterinärarzt M a Y-Friedberg. Redner bezeichnete als wich­tiges Mittel zur Verhütung von Tierseuchen zunächst die Vernichtung der Kadaver gefallener Tiere, beurteilte treffend I die Mängel des bisherigen Abdeckereiwesens, tote sie sowohl I da zu Tage treten, wo die Abdeckerei von durch die Ge- I meinbe beauftragte Personen geübt wird, wie da, wo be­sondere konzessionierte Abdeckereien bestehen. Besonders scharf wendete sich der Vortragende gegen dte in vielen Ge- I meinben bestehenbe Sitte, mit der Beseitigung der Tier- kadaver die Gemeindehirten, bezw. Schäfer zu betrauen, ba durch diese infolge steter Berührung mit Viehherden der Ansteckungsstoff auf dieselben übertragen werbe. Ferner wies er auf bie mangelhafte Beschaffenheit der meist auf ungeeignetem Boden angelegten Wasenplätze und der

Transportmittel hin. Die zum Transport der Tter-

kadaver benutzten Karren seien undicht, die daraus auf die Wege sickernden Flüssigkeiten enthielten Ansteckungs- ftoffe und gefährdeten die auf demselben Wege gehenden Tiere- ba, wo der Hoben zu leicht, würden die Kadaver | durch' Füchse und Hunde ausgescharrt, wodurch die Luft verpestet und Krankheiten auf Viehherden und auf das Wild übertragen würden. Die sog. konzessionierten Abdeckereien könnten wegen der Anhäufung von Tierleichen-Teilen, Häuten, Dörnern und Klauen als wahre Schlupfwinkel von Vieh- seuchen bezeichnet werden. In richtiger Erkenntnis der Thatsache, daß durch die Art der jetzt gebräuchlichen Be­seitigung der Tierkadaver auch ein erheblicher Teil des Nationalvermögens verloren geht, wurde bei Friedberg eine Anstalt errichtet, welche die Verwertung der Tierkadaver in rationeller Weise betreibt. Herr May gab über den Betrieb und die innere Einrichtung dieser Anstalt ein anschauliches Bild. Füllt in einer Gemeinde ein Stück Vieh, so benach­richtigt die Bürgermeisterei die Anstalt auf dem schnellsten Weae. Das gefallene Tier wird durch ein besonderes dafür bestimmtes Fuhrwerk abgeholt, dessen Letter mit einem Transportausweis versehen ist. Nach Ankunft in der Anstalt wird der Kadaver behufs Feststellung der Todesursache untersucht und dann unter Beobachtung aller erdenklichen Vorsichtsmaßregeln zerlegt, und alles, einschließ­lich der Flüssigkeit, Knochen u. s. w. in einen 12 Zentner fassenden Apparat gebracht und darin drei Stunden lang einer Hitze von 150« Eelsius ausgesetzt. Danach wird das Fett von den übrigen Bestandteilen gesondert, letztere aber in demselben Apparat unter großer Hitzeentwickelung ge­trocknet, um als Dungstoffe verwendet zu werden. Wie der Derr Vortragende mitteilte, find über die Friedberger , -------- ~ , r

Anstalt Anfragen von Interessenten aus allen Teilen | zeigte dem Reuter - Korrespondenten m Kimberley eine

Mauserkugel, welche auf 1000 Meter Abstand durch den hölzernen MunitionSkaften eines Maximgeschützes, quer durch 5 Maximpatronen gedrungen und schließlich auf der Kugel der 6. Patrone sitzen geblieben war, in welcher sie einen tiefen Eindruck hinterlassen hatte. Jede Patrone war in ein Futteral von starkem Leder eingeschlossen. Merkwürdigerweise waren an der Kugel keine Veränderungen wahrzunehmen. Die Patronen der Buren sind von der vereinigten Rottweiler Patronenfabrik angefertigt. Obiges spricht dafür, daß die Buren ausgezeichnet bewaffnet sind.

Ein neues Infanterie-Gewehr. Die Frage, ob Deutsch­land demnächst ein neues Gewehr für seine Infanterie em- führen werde, beschäftigt fortgesetzt einen großen Teil der französischen Presse und hat schon wiederholt den Weg auch in die militärischen Fachschriften anderer Länder genommen. So berichtet neuerdings auchLe progrös militaire", im Anschluß an deutsche Zeitungsnachrichten, über ein bei unferm Gardekorps erprobtes neues Gewehr, das in jeder Hinsicht befriedigt haben soll.Der hauptsächlichste Unterschied deS neuen Gewehres Modell 98 gegen das Gewehr Modell 88 besteht im Fortfall des Laufmantels, der den Gewehrlauf bisher umgab und der durchaus nicht den Erwartungen ent­sprochen hat, die man auf ihn gesetzt hatte. Statt die Hand des Schützen gegen die Erwärmung des Laufes zu schützen, trug er dazu bei, diese Erhitzung zu vermehren und war so die unmittelbare Ursache zu allerlei anderen Unzuträglich- feiten. Außerdem wird durch den Mantel zwischen diesem i und dem Lauf ein Raum verursacht, der zu reinigen un­möglich ist: Staub und alle möglichen Ueberreste bleiben hier liegen. Man hat deshalb den Mantel durch einen Schaft ersetzt, welcher den Lauf an den Stellen, an denen er von der Hand ergriffen werden muß, umfaßt und so einen wirksamen Schutz bildet. Auch das Magazin der Waffe ist geändert worden. An Stelle des bisherigen, welches von unten offen war und das Eindringen von Erde und Staub gestattete, hat man ein geschlossenes Magazin angebracht. Die Anbringung desselben ist der eigenartigen Gruppierung der Patronen zu verdanken. Man hat diese zu zwei ober zu drei statt wie bisher zu fünf zusammen­gefaßt. Die Handhabung der Waffe ist viel einfacher. Namentlich ist die Handhabung des Verschlusses sehr er- leichtert. Durch besondere Anordnungen an demselben ist das Ausströmen von GaS nach rückwärts zur Unmöglichkeit

geworden." ____________________________________________.

Kunst und Wissenschaft.

*s* Eine Journattsten-Hochschule wird nun auch in Deutsch­land ins Leben geiuun. Dem langjährigen Vorkämpfer dieser Idee, dem Berliner Schitflstell r und Verlier Dr. jur. Richard Wrede tft eS gelungen, seinen Plan unter Mitwirkung von heivorragend.n Fachleuten zu verwi kttchrn. Die E.öffoung der reuen Hochschule, die Damen und Her« en, weiche sich dem journalistischen Berufe widmen ober darin vervollkommnen wollen, b.suLen können, ist für den 4. Januar 1900 oorg.fiben. Anfraoen und Anmeldung-n sind an de Kanzet der Journattsten-Hochschule, SBerlinSW. 47, Möckern- ftraße 79, zu rtctte».

Meratur.

4- Kunstwart. Herausgeber Ferd. AvenariuS, Dresden. Verlag Georg D. W Callwey, München (viert, ljährlich Mk. 8., das einzelne Heft 60 Pfg.) Das Tagblatt der Stadt St. Gallen urteilt über dieses Blatt:Noch reicher als bisher ist mit dem neuen Jahr­gang der Inhalt der hefte des Kunstworts geworden. Ihn in Stunden der Muße und der Sammlung nachdenklich aufzunehmen, ist eines der erlesensten Vergnügen, welche der moderne Zeirschriftenmarkt überhaupt vermittelt; allerorten ist es ein p rsönlicher, lebendiger und fein-r Geist, der aus dieser Halbmonatsschrift zum Leser spricht. In G oßern und Kleinem waltet eine kluge und mutige Kritik und eme Vielse tigkeit der Teilnahme, die alles ins Auge saßt, was für das echte künstlerische Empfinden in Betracht kommen kann. Der Kunstwart spricht nicht blos über Kunst, er bietet auch solche, und lehrt Hest für Heft, wie die Werke der Kunst durchdringend zu erkennen und zu erfassen sind. So wünschen wir dem vortrefflichen Organ einen immer mehr sich erwei­ternden Abonnentenkreis, int Interesse der Förderung des Kunstsinnes und Kunstverständniffes in weiten Kreisen".

o Ein nationales Prachtwerk »Die Rheinlande von Mainz bis K o b l e n z, die T h ä l e r der L a h n und N a h e von Dr. M. Schwann Mit ca. 150 Illustrationen. Vollständig in ca. zehn Heften ä Mk. 1.50. Elegant gebunden ca. Mk. 20. Von diesem mit so groß.m Beifall aufgenommenen und musterhaft ausg.statteten Pracht- werke sind schon eine Anzahl Hefte erschienen und M der Band vor Schluß des Jahres komplet vorliegen. In keinem deutschen Hause sollte dieses Buch fehlen. Em zweiter Tell des WerkesDie Rhemlande von Koblenz bis Köln" ist in Vorbereitung. Verlag von Th. Schroter m Leipzig. Zu b-ziehen durch jede Buchhandlung.

~E.fcK.