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Nr. 263 Drittes Blatt. Mittwoch denW November 1809
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Fernsprecher Nr. 51.
Ein Panzer-Zug.
Im südafrikanischen Kriege spielen namentlich auf dem westlichen Kriegsschauplatz die Panzerzüge eine bedeutende Rolle, da durch sie die Engländer gegen die Buren vor-
rücken können, weil die Geschütze der Buren zu schwach sind, um den Panzer der Züge zu durchdringen. Auf unserer Abbildung ist oben eine Lokomotive eines Panzerzuges, unten der Wagen abgebildet.
Bilder aus Rhodefia.
Die TranSvaal-Republik wird im Norden durch den mächtigen Limpopo vom englischen Matabeleland oder Rhodesia getrennt. Die Engländer glaubten, die Buren würden sich durch die Vorgänge auf dem südöstlichen und
Fort Tuli.
jRhodes' Drift, Furt im Limpopo, westlichen Kriegsschauplatz von einer Bewachung der Nordgrenze abhalten lassen. Aber auch hier sind die Buren vorgegangen und stehen augenblicklich vor dem englischen Fort Tuli, wo Hauptmann Phumer seine Macht zusammen- gezogen hat.____________________________________
Astrales und Vrooiusielles.
X Von der Rabenau, 5. November. In Odenhausen brach am heutigen Nachmittag, als die Leute zur Kirche gehen wollten, in einem Holzschuppen plötzlich Feuer aus, das so sehr um sich griff, daß drei Scheuern und ein Stall vollständig niederbrannten. Nur mit großer Mühe gelang es den rasch herbeigeeilten Feuerwehren, die in der Nähe befindlichen Wohnhäuser zu retten. Die beiden Geschädigten sind die Herren Peter Krug und Bürgermeister Lang. Wie das Feuer entstanden ist, weiß man bis jetzt noch nicht.
♦* Aus Oberhefsen, 5. November. Man schreibt uns zum Burenkrieg: Die letzten Siegesnachrichten der Buren haben Jubel und Freude erregt überall, wo man noch Sinn für Recht und Gerechtigkeit hat. Der elementare Ausdruck der Freude thut sich kund fast durch alle civilisierten Länder. Nur in England ist man niedergeschlagen, die Politiker, daß
ihre Rechnung ohne den Wirt gemacht war, die Börsenmänner, daß ihre Aktien sinken, am meisten aber die Eltern, Frauen, Bräute, die auf die Ausgabe der offiziellen Verlustlisten warten. Da schweigt der Jubel, da erhebt sich laute Klage. Ob Herr Chamberlain oder andere Ehrenmänner auch einmal ihren Fuß an diesen Ort setzen, um diese Szenen zu belauschen, die sich dort abspielen? Ich glaube nicht, da müßten sie doch kein Gewissen haben. Wahrlich, es will etwas heißen: Kaum 14 Tage Krieg und schon an 3000 Mann tot geschossen oder gefangen, soviel Lücken gerissen in friedliche Familien. Und in ähnlicher, wenn auch weniger zahlreicher Weise beim Feinde, den Buren. Ich erinnere mich unwillkürlich einer Szene aus dem Kriege 1870/71. Da war in dem Lazarett zu Birkenfeld gerade ein Einjährig-Freiwilliger, namens Cyriax aus Oldenburg, seinen bei Gravelotte beim 91. Regiment erhaltenen Verletzungen erlegen. Eben hatte er die Augen geschlossen, da traten Vater und Mutter ein, die den weiten Weg von Oldenburg gemacht und nur auf inständiges Bitten von einem Militärzug von Bingen aus mitgenommen worden waren. Es war ein herzbrechender Anblick, die Mutter an der noch warmen Leiche ihres Sohnes liegen zu sehen. Der Vater aber hob seine Hand zum Himmel und rief: „Wie will der es verantworten vor Gott, was er einem Vater- und Mutterherzen zugefügt, der diesen frevelhaften Krieg mit all seinen Schrecken heraufbeschworen hat!" So wird auch manches Herz in England und Transvaal denken und fühlen.
-r Lauterbach, 4. November. Der laut unserer Korrespondenz vom 28. Oktober, Kreisblatt Nr. 256, auf der Straße nach Wernges verunglückte Landwirt aus Wernges, ist gestern seinen Verletzungen, zu denen sich eine Lungenentzündung gesellt hatte, erlegen.
D Mainz, 6. November. Der Kommandeur des elften Armeekorps, General der Infanterie v. Lindequist weilte heute zur Besichtigung der militärischen Gebäude hier, welche nach Vereinbarung zwischen der städtischen Verwaltung und dem Militärfiskus in den Besitz der Stadt Mainz übergehen. Nach geschehener eingehender Information über alle Bau-^und Platzverhältnisse nahm General Lindequist, in dessen Begleitung sich der Gouverneur und mehrere höhere Offiziere befanden, eine Besichtigung des Terrains vor, welches die Stadt Mainz zur Erbauung einer neuen Jn- fanteriekaserne zur Verfügung gestellt hat, die als Ersatz für die in Wegfall kommende Schloßkaserne dienen soll. Nach Mitteilungen, die General Lindequist seiner Umgebung gemacht hat, dürften die militärischen Gebäude noch früher in den Besitz der Stadt übergehen, als vereinbart worden ist. — Gegen den von den sozialistischen Gewerkschaften hier in das Leben gerufenen Konsumverein nehmen die Kleinkaufleute und Innungen geschlossen Stellung. So hat die Metzgerinnung in ihrer letzten Sitzung einstimmig beschlossen, den Mitgliedern des gewerklichen Konsumvereins weder Rabatt zu gewähren noch in irgend welche Geschäftsverbindung mit den Gewerkschaften einzutreten. In der Innung wurde die Befürchtung ausgesprochen, daß man durch das Rabattgeben allmählich selbst das Geld zusammen- steure mit welchem in einigen Jahren vielleicht eine sozialistische Genossenschaftsschlächterei gegründet werde.
Aus dem Rheingau, 5. November. Laut offizieller Mitteilung des Amtsblattes der Regierung zu Wiesbaden ist in Lorch auf nicht weniger als 11 Grundstücken das Vorhandensein der Reblaus durch die berufenen Sachverständigen festgestellt worden. Die Entfernung der Weintrauben aus dem verseuchten Gebiete ist nur mit polizeilicher Erlaubnis und unter genauer Beobachtung der behördlicherseits festgesetzten Vorsichtsmaßregeln gestattet.
Q Vom Rhein, 6. November. Die vor einigen Jahren in Gernsheim gegründete „Rheinische Zuckerfabrik" hatte am verflossenen Samstag drei Unfälle zu verzeichnen. Zwei Arbeiter stürzten beim Rübentragen aus einem Schiff in den Rhein und ertranken. Ein dritter Arbeüer geriet in die Maschine und wurde buchstäblich zermalmt.
Fulda, 6. November. Eine katholischeScheidung erregt in hiesiger Gegend Aufsehen. Eine hiesige Bürqers- tochter heiratete auf geschwisterliches Zureden einen Gastwirt vom Lande. Schon am Abend des Hochzeitstages wandelte die junge Frau eine unüberwindliche Abneigung gegen ihren Mann an; sie sperrte sich die ersten Tage ein, und nach kurzer Zeit verließ sie ihren Mann und fand, gemütskrank, in einer hessischen Nervenheilanstalt Aufnahme. Inzwischen wurde von ihrem Rechtsbeistand die Ehescheidungsklage anhängig gemacht, ohne Schwierigkeit hatte
diese vor Gericht den gewünschten Erfolg. Nicht so leicht ging es bei dem kirchlichen Ehegericht; mehrere Jahre schon läuft dort dieser Scheidungsprozeß, und erst vorgestern wurde das Urteil gefällt. Das Ehegericht des Bistums Fulda erklärte den angefochtenen Ehebund für null und nichtig! Die gegen dies Urteil eingelegte Berufung wurde vom Konsistorium zu Freiburg i. Br. verworfen. — Dem Lehrer Ferdinand Joseph Weber zu Flieden (Kreis Fulda) ist aus Anlaß des Uebertritts in den Ruhestand der Königliche Kronenorden 4. Klasse verliehen worden. — Das 3jährige Söhnchen des Kutschers Gaßmann fiel gestern in denSöhergraben, trieb in verdecktem Lauf zirka 100 Meter und blieb als Leiche am Rechen bei der Wirtschaft „Zum Karpfen" (Fischloch) hängen.
Kassel, 6. November. In Bezug auf die bei Hedemünden erfolgte Landung des französischen Luftballons ist der Magistrat zu Hedemünden von dem Landrat des Kreises Münden zur Verantwortung gezogen, weil er es versäumt hat, die Personalien der Insassen des Ballons, in denen man französische Offiziere vermutet, näher festzu- stellen. Es ist fraglich, ob die Luftschiffer Offiziere waren; der Korb des Ballons trug die Aufschrift „AERO-CLUB“.
Hedemunden, 6. November. Auf originelle Art wußte sich im benachbarten Mensen ein biederer Familienvater zu helfen, um die Angesichts der bevorstehenden Nach- kirmeß sich doppelt fühlbar machende Ebbe im Portemonnaie zu beseitigen. Er kam auf die Idee, sich für Geld verprügeln zu lassen, L Hieb 10 Pfg., ein Vorschlag, auf den seine Freunde mit Wonne eingingen. Ein Gummischlauch war gleich zur Stelle, ^der spekulative Herr beugte sich vornüber in die nötige Positur, und die Freunde zählten ihm mit Sorgfalt und Behagen auf die Hemisphäre eins, zwei, drei bis 15 Hiebe auf, da hatte der Bearbeitete genug. Flugs strich er seine 1.50 Mk. ein, die die Freunde als Entgelt für den Spaß zahlten, und konnte sich nun wieder den Freuden der Kirmeß widmen. Sein Bier soll er jedoch den ganzen Abend über im Stehen getrunken haben. („W. Krbl.")
Bodenfelde, 6. November. EinseltenerFund wurde in unserem Nachbardorfe Gieselwerder zu Tage befördert. Ein Bauunternehmer aus Cölbe bei Marburg stieß beim AuSschachten des Fundaments zur Brücke über die Weser, welche an dieser Stelle gebaut wird, auf mehrere alte Geschütze und Hellebarden, welche wohl mehrere 100 Jahre in der Erde gelegen haben mögen.
Tann (Rhön), 6. November. Herrn Apotheker Adlung dahier ist es gelungen, ein fast unerschöpfliches Lager des zur Cementfabrikation erforderlichen Rohmaterials in der Nähe von Tann zu entdecken. Es hat sich ein Konsortium gebildet, welches mit einer Berliner Finanzgruppe in Verbindung getreten ist und sind die zur Gewinnung des Rohmaterials in Betracht kommenden Grundstücke zum Erwerb gesichert.
Scherfede, 6. November. In unserm Nachbarorte O. hatte der dreijährige Knabe des Gastwirts O. daselbst sich mit einer Futterschneidmaschine zu thun gemacht, war an derselben hinaufgeklettert und hatte den Kopf gerade durch eine Oeffnung des Rades gesteckt, in deren Nähe sich die Messer befanden. Unglücklicher Weise schlug die Maschine um, das Rad kam in Bewegung und schnitt dem Kinde die Hintere Partie des Halses so tief ein, daß der Tod alsbald eintrat.__
Arbeiterbewegung.
Köln, 6. November. In einer gestrigen Versammlung der streikenden Formstecher wurde mitgeteilt, daß der Ausstand in ganz Deutschland fortdauert. Ein von dem Kölner Gewerbegericht unternommener Einigungsversuch scheiterte, weil die Prinzipalität eS ablehnte, mit den Ausständigen in Verhandlungen einzutreten.
Breslau, 6. November. Die Direktion der fKönigsHütte lehnte die Forderung streikender Arbeiter auf eine Lohnerhöhung von 25 Proz. ab und erklärte, alle Ausständigen würden entlassen werden, wenn binnen 24 Stunden die Arbeit nicht wieder eufgenomtren werde.
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