Ausgabe 
6.7.1899 Erstes Blatt
 
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Aus der Zeit für die Zeit.

Vor 253 Jahren, am 6. Juli 1646, wurde zu Leipzig einer der vielseitigsten und geistreichsten Gelehrten des 17. Jahrhunderts, Gottfried Wilhelm von Leibniz, geboren. Besonders hervorragend als Mathematiker und durch Erfindung der Differentialrechnung und als Philosoph durch eine Lehre, welche noch heute im Herbartianismus sich geltend macht. Er starb am 14. November 1716 zu Hannover.

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Präsident Graf Ballestrem es abgelehnt habe, Anfragen von Mitgliedern des Reichstages über die Urheberschaft der Korrektur im stenographischen Bericht zu beantworten, da er alles, was zu sagen ist, bereits in seiner amtlichen Berichtigung festgestellt habe.

St. Ingbert (Rheinpfalz), 5. Juli. Hier sind infolge des Genusses verdorbener Wurst etwa 50 Personen er­krankt. Der Bürgermeister Heinrich Sonntag ist bereits gestorben. Seine Familie befindet sich auf dem Wege der Besserung. Zwei seiner Kinder, die von der Wurst nicht gegessen haben, sind gesund geblieben.

Paris, 5. Juli. Wie verlautet, hat die Negierung den ozialistischen Abgeordneten, bevor die Kammer gestern vertagt wurde, die Entlassung des Generals Zurlinden zu bewerkstelligen, versprochen.

Paris, 5. Juli. Gestern abend vereinigten sich die sozialistischen Abgeordneten und ernannten einen Ausschuß, welcher während der Parlamentsferien in perma­nenter Thätigkeit bleiben soll.

Paris, 5. Juli. Ueber den Eindruck, welchen die Fälschungen auf Dreyfus gemacht haben, die im Laufe seines Prozesses zu Tage traten, drückte er sich folgender­maßen aus: Alles das ist schmerzlich und bedauernswert, alles das ist fürchterlich, für Frankreich, für die Armee und für mich. Ich hätte mit ganzem Herzen meine ganze Person zur Ehre und zum Ruhme des Landes geopfert. Aber heute, mehr denn je, sehe ich ein, daß ich nicht das Recht habe, meine Ehre und die Ehre meiner Kinder aufzuopfern.

Paris, 5. Juli. Dreyfus übergab dem Regierungs- Kommissar Carrivre einen ausführlichen Bericht über die Martern, welche der Kolonieen-Minister Lebon chm un­gesetzlicher Weise in den Jahren 1896 bis 1898 auferlegt habe. Dreyfus wurde zwei Monate lang wie ein Hund angekettet. Man gab ihm ungenügende Nahrung und isolierte ihn vollständig. Dreyfus erklärt, er habe darin die Absicht erkannt, ihn dem Tode zu überantworten. Der Bericht wird der Regierung vorgelegt.

Paris, 5. Juli. Der Nationalist Barry mußte von seiner Interpellation wegen des Schreibens des Fürsten von Monaco absehen, da der Konseilspräsident aus Gründen der internationalen Höflichkeit die Antwort ablehnte. Der Graf Castellane richtete ein offenes Schreiben an den Fürsten von Monaco, worin er sagt, der Brief des Fürsten rufe die Entrüstung aller guten Franzosen hervor. Er frage ihn, ob er glaube, als fremder Souverän oder als Protektor des Spielhauses die französischen Offiziere beem- flussen zu können. , _ ..

London, 5. Juli. Aus Apia wird gemeldet, daß die Spezialkommission auf Samoa am 15. d. von dort ab­reisen werde.

London, 5. Juli. DieDigger-News" melden, Präsident Krüger habe einem Jnterviever gesagt, die Transvaal- Regierung stehe im Begriff, der Welt zu beweisen, daß sie alles gethan habe, was innerhalb der Grenzen der Vernunft und der Gerechtigkeit billig sei und diePrätoria-NewS" erklären, daßwir am Vorabend der Veröffentlichung liberaler Modifikationen stehen, die die britische Regierung annehme." Diese Meldungen scheinen das Gerücht zu be­stätigen, daß das Fremden- und Bürgerrecht-Gesetz genau auf Grund der Gesetzgebung in England reguliert werden soll.

Barcelona, 5. Juli. General Rios ist kürzlich von Manila hierher zurückgekehrt und hat sich über die Lage dortselbst dahin ausgesprochen, daß das Leben auf ber Insel unmöglich geworden sei. Bei Eintreten der Nacht schießen die Amerikaner auf alle Vorübergehenden. Die Disziplin im amerikanischen Heere lasse sehr viel zu wünschen übrig. .

Petersburg, o. Juli. Der zwischen Rußland und Japan geschlossene und unterzeichnete Handelsvertrag wird am 15. d. M. in Kraft treten.

Neueste Meldungen.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 5. Juli. Aus Abgeordnetenkreisen wird dem Berliner Börsen-Kurier" mitgeteilt, daß der Reichstags-

Temperatur der Lahn und Luft nich Reaumur gemessen am 5. Juli, zwischen 11 u. 12 Uhr mittags: Wasser 12°, Luft 14«/,°.

Rübsamen'sche Badeanstalt.

Vermischtes.

* Internationaler Frauenkongreß in London. Am Samstag wurden wieder in einem halben Dutzend gesonderter Versammlungen die Arbeiten fortgesetzt und der offizielle Teil der gesamten Veranstaltung abgeschlossen. Einem Vor­trage von Mrs. Wright Sewell überDie Organisation als Faktor der sozialen Entwicklung" folgte das wichtigste Ereignis des Schlußtages, der Vortrag von Gilbert Parker überDie Wohnungsfrage der gebildeten arbeitenden Frau". Durch plötzliche Erkrankung verhindert, selbst zu erscheinen, ließ Mr. Parker seine Ausarbeitung doch durch einen Freund verlesen. Sie verbreitete sich Über die verschiedenartigen Verhältnisse, unter denen sich das Berufsleben der Frau in den verschiedenen Staaten gestaltet, und kam dann auf den Einfluß der äußerlichen Umgebung, auf die leibliche Gesundheit der arbeitenden Frau und ihre geistige Leistungsfähigkeit, sowie deren Einfluß auf das Ge­samtwohl der Gesellschaft und auf die gesunde Entwickelung der menschlichen Rasse zu reden. Mr. Parker meint, daß mit der Wohnung die Frau, die sich einer höheren Berufs­art widmet, aber zu den niedrigsten Sätzen entlohnt wird, am allerschlimmsten von allen Mitgliedern der arbeitenden Gesellschaft daran sei, weil der Erfolg der Arbeit in um so

niedergingen, desto intensiver wurde die Fidelität, die auf die mannigfachste Weise mächtig zum Ausbruch kam.

Bad-Nauheim, 3. Juli. In der vorigen Woche sind 973 Personen, im ganzen jetzt 10529 Kurgäste hier an- gekommen.

Heppenheim, 3. Juli. Unter überaus zahlreicher Be­teiligung von Leidtragenden aus allen Schichten hiesiger Bevölkerung wurden gestern die beiden vorn Blitz erschlagenen jungen Männer zur letzten Ruhe bestattet. Die sehr schwer heimgesuchte Familie Eberhardt, welche ihren einzigen Ernährer verloren, wird von der Landwirtschaftlichen Berufs­genossenschaft eine entsprechende Entschädigung erhalten.

Unterstützung alter Soldaten. DieN. H. V." er­halten nachstehende Mitteilung: Während bisher die Ent­scheidung über Unter st ützungsgesuche ehemaliger Unter­offiziere und Mannschaften des Landheeres, der Marrne, sowie der Heeresverwaltung bezw. ihrer Hinterbliebenen dem preußischen Kriegsministerium zustand, ist eine Aenderung dahin eingetreten, daß seit 1. April eine diesbezügliche Ent­scheidung von den Generalkommandos der Provinzialarmee­korps (für das Großherzogtum: das Generalkommando des 18. Armeekorps in Frankfurt) zu fällen ist. Ebenso ist seit diesem Tage auf letztgenannte Behörde in Vorbereitung der Anträge auf Gnadenbewilligungen aus dem Kaiserlichen Dispositionsfonds übergegangen. Es haben sonach die Generalkommandos in Zukunft zu prüfen, ob an die Hinter­bliebenen der infolge des Feldzuges 1870/71 verstorbenen Militärpersonen bei vorhandener Hilfsbedürftigkeit und Würdigkeit auch in solchen Fällen, in denen die an die Zu­wendungen des Reichsmilitärpensionsgesetzes geknüpften Be­dingungen nicht zutreffen, andererseits aber dringende Billigkeitsgründe für eine außerordentliche Berücksichtigung sprechen, Bewilligungen aus dem sogenannten Kaiserlichen Dispositionsfonds bis zur Höhe der gesetzlichen Beträge stattfinden können.

Summa: 4 (3) 2 (2) 1

Lungenschwindsucht 1 (1)

Lungenkatarrh 1

Empyem 1 (1)

Verunglückung 1 (1)

L(1) T

i di

höherem Maße von dem Vorhandensein einer gewissen not­dürftigen Behaglichkeit abhängig sei, je mehr das Gehirn angestrengt werde. Die durch Abkunft und Bildung an eine höhere Lebenshaltung gewöhnte Frau leide schrecklich unter der Unvereinbarkeit von engem, schlecht gelüftetem, düsterem Quartier und angestrengter Gehirnarbeit. Mr. Parker schlägt vor, an Mittelpunkten Londons große Wohn­häuser zu errichten, die je etwa für 400 Frauen gebaut wären und für jede Insassin ein besonderes Schlafzimmer, aber gemeinsame Lese-, Speise- und Badezimmer und auch einzelne Wohnzimmer zur gelegentlichen Miete enthalten würden. Das Unternehmen wäre als Hotel garni zu be­treiben, und ähnliche Unternehmungen für Männer haben bereits bewiesen, daß sich ein verhältnismäßig hohes Maß von Behaglichkeit mit außerordentlich niedrigem Tarif und angemessener Verzinsung des Kapitals vereinbaren läßt. Die Anregung wurde höchst beifällig ausgenommen und soll aus Antrag der Vorsitzenden, Lady Aberdeen, unverzüglich der Verwirklichung entgegengeführt werden._______________

Wöchentliche Nebersicht der Todesfälle in Gießen.

26. Woche. Vom 25. Juni bis 1. Juli 1899. (Einwohnerzahl: angenommen zu 24 500 (incl. 1600 Mann Militär). SterbltchkeitSziffer: 8,48, nach Abzug der Ortsfremden 2,12%°.

Kinder

ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom

1.Lebensjahr: 215.Jahr

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.__

Ipttlplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater.

Die beiden städtischen Theater in Frankfurt a. M. rüsten sich zur Feier des 150. Geburtstages Goethes und ist hierfür das nachfolgende Festprogramm entworfen worden: 21. August: Goethefeter, erster Abend, im Schaufptelhause: Prometheus, fcenische Einrichtung in einem Akt. Dekorative Ausstattung ent­worfen und ausgeführt von Professor Lütkemeyer in Koburg. Hierauf: Claoigo. Dekorative Ausstattung von Professor Lütkemeyer in Koburg. 23. August, zweiter Abend', im Schauspteihause: Iphigenie auf Tauris. Dekorative Ausstattung von Max Walther in Frankfurt -. M. - 25. August, im Schaufptelhause, Wiederholung des ersten Abends: Prometheus, Claoigo, für die inzwischen eingetroffenen geladenen answärtigen Gaste. 26. August, dritter Abend, im Schauspteihause: Frstoorstellung zur Vorfeier von Goethes 150.Geburtstage: Torquato Tasso. Dekora- ttve Ausstattung nach Entwürfen von Waldemar Knoll, ausgeführt von Max Walther in Frankfurt a.M. - 28. August, vierter Abend, im Opernhause: Zu Goethes 150. Geburtstage. Prolog, lebendes Bild. Egmont. Dekorative Ausstattung entworfen undausgeführt vom K. K. Hoftheatermaler Burghardt in Wien. 1. September, fünfter Abend, im Opernhause: Faust, erster Teil, als Volks- vorstellung bei ermäßigten Preisen. Dekorative Ausstattung von Waldemar Knoll und Max Walther in Frankfurt a.M. - 4. Sep­tember, sechster abend, im Opernhause: Gotz von Berlichingen, als Freitheater für Schulen und Arbeitervereine. Dekorative Aus­stattung von Waldemar Knoll und Max Walther ln Frankfurt a. M. Sämtliche Vorstellungen des Goethe-EykluS werden lediglich durch da« einheimische Personal des Schauspielhauses, uuter der Regie des Intendanten Emil Claar, sowie der Regisseure Roll und Quinte zur Darstellung gebracht. Sämtliche Kostüme, Möbel, Waffen und sonstige Requisiten sind teils in Frankfurt a. M., teils in Berlin für diesen CvkluS neu anaefertigt worden.________

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Konkursverfahren.

Ueber das Vermögen des Uhr­machers Karl . Ramstock in Gießen wird heute, am 4. Juli 1899, nachmittags 5/2 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet.

Der Kaufmann Emil Fischbach inGietzeuwirdzumKonkursverwalter ernannt.

Konkursforderungen sind bis zum 31. Juli 1899 bei dem Gerichte anzumelden.

Es wird zur Befchlußfaffung über die Beibehaltung des ernannten ober die Wahl eines anberen Verwalters, sowie über biß Bestellung eines Gläu­biger ausschuffes unb eintretenden Falls über die in § 120 der Konkurs­ordnung bezeichneten Gegenständesowie zur Prüfung der angemeldeten Forde­rungen auf Dienstag, den 8. August 1899, vormittags IO Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte Termin anberaumt.

Allen Personen, welche eine zur Konkursmaffe gehörige Sache in Be­sitz haben oder zur Konkursmaffe etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen, oder zu leisten, auch die Verpflichtung auserlegt, von dem Besitze der Sache und von den

Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkurs vermalter bis zum 31. Juli 1899 Anzeige zu machen.

Großherzogl. Amtsgericht Gießen, gez. Neuenhagen.

Bekannt gemacht: 5128

Neid hart, Gerichtsschreiber.

Nfr4 Heute frische Schellfische, Kabliau, Zander, Schollen, Fluß« hechte, lebende Karpfen, Schleie, Forellen eingetroffen. _ 310

Prompter Versandt nach auswärts. mTr- I. M. Kchulhsf, znr Kolonialwaren- und Delikatessengeschäft.

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Bekanntmachung.

Donnerstag den 6. d. M., nach­mittags S Uhr, sollen im Bleker'fchen Saale Neustadt dahier: Haus­geräte aller Art, mehrere Waren= schränke, eine Ladentheke und ein größerer Posten Schuhwaren, sowie ein Hand­karren zwangsweise gegen Barzahlung versteigert werden.

Gießen, 4. Juli 1899.

5137 Seipel, Gerichtsvollzieher.

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