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6.4.1899 Erstes Blatt
 
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Donnerstag den 6 April

Erstes Blatt.

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Anrts- unfc Anzeigeblcitt für den Kreis Gietzen

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aöe Anzeigen-DermittlungSstellcn M In- und AuSlandrR nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.

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ft Siiihme von Anzeigen zu der nachmittag- für den folitgcldi Lag erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr.

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Fernsprecher Nr. 51.

Beschwerden darüber ist aber weder von London noch von Washington aus eine Rektifikation erfolgt; es bleibt nur die Annahme übrig, daß dieselben im vollen Einverständnisse mit ihren Regierungen gehandelt haben. Der ärgste Vor­gang dieser Art ist das Vorgehen des Admirals Kautz, von dem es schon bei seiner Abfahrt hieß, daß er -ort eingreifen werde. Darüber haben schon Verhandlungen in Washington durch den deutschen Botschafter v. Holleben und in Berlin mit dem Unions-Botschafter White stattgefunden. Der Ad­miral Kautz hat aber solche unklare Anweisungen erhalten, daß er im Vereine mit den beiden englischen Kriegsschiffen dort Apia und dessen Umgebung wochenlang beschossen hat. Davon aber, daß die amerikanischen und englischen Schiffs- Kommandanten zur Rechenschaft gezogen waren für ihr rechtswidriges Verhalten, oder daß man von London oder von Washington aus auch nur den Versuch einer Ent­schuldigung machte, verlautet nichts. In deutlicher Weise läßt sich daraus erkennen, daß die Kapitäne und Konsuln in ihrem deutschfeindlichen Verhalten der stillen Zustimmung ihrer Regierungen sicher sind. Der sichtliche Zweck der Engländer und Amerikaner ist, den deutschen Einfluß auf Samoa zu vernichten, Deutschland ganz aus seiner Stellung als Schutzmacht zu verdrängen. Mit Bezug auf Samoa dürfen wir uns gar keinen Hoffnungen mehr hingeben." Das Blatt selbst bemerkt dazu: Wir würden gern unserer Regierung so viel Vertrauen schenken, um mit dem Ausdruck der Stimmung zurückzuhalten, den diese schärfste Demütigung und Verletzung unserer Nationalehre, wie sie überhaupt seit 1870 bisher noch nicht versucht worden ist, in jedem lebhaft vaterländisch empfindenden Menschen Hervorrufen muß. Leider ist es unmöglich, über das Maß der uns angethanen Schmach noch irgend jemand zu täuschen. Die offiziösen Bemäntclungs- versuche sind völlig wirkungslos. Es zeigen sich jetzt die ersten Folgen der sogenannten Freundschaft mit England, vor der wir immer gewarnt haben. Es wird schwer sein, aus dieser Sackgasse überhaupt noch einen Ausweg zu finden. Die einzige Hoffnung bleibt, daß wir für die Zukunft wenigstens daraus lernen möchten. Vorläufig wiffen wir freilich nicht, wie die Folgen der Thatsache, daß der feierlich verkündete Schutz der deutschen Interessen jenseits des Meeres durch die Kanonen der Engländer und Amerikaner zum Spott und Hohn geworden ist, so bald gut gemacht werden könne.

Berlin, den 4. April. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Staatsminister v. Bülow, hat den ihm bewilligten Urlaub abgekürzt und ist gestern nach Berlin zurückgekehrt. Alsbald nach seiner Rückkunft hatte er eine längere Unterredung mit dem englischen Botschafter Sir Frank Lascelles.

Ueber den Militärdienst der Volksschul- lehrer hat das Kriegsministerium auf Anfragen aus Lehrerkreisen unterm 15. März folgende Auskunft erteilt: 1) Die in den Jahren 1898 oder 1899 zurückgestellten, in den Jahren 1900 oder 1901 zum aktiven Dienst eingestellten Volksschullehrer werden lediglich nach Maßgabe der in diesen Jahren allgemein geltenden Vorschriften behandelt. 2) Die nach § 32, 2f der Wehrordnung. Zurückgestellten dürfen nach § 89, 7 der Wehrordnung während der Dauer der Zurückstellung die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachttäglich nachsuchen. 3) Es besteht zur Zeit bei der preußischen und sächsischen Heeresverwaltung die Absicht, die endgiltige Einführung der einjährigen aktiven Dienstzeit an Stelle der zehnwöch'igen vom Jahre 1900 ab für die Volksschullehrer seiner Zeit durch entsprechende Aenderungen der Heeresordnung bekannt zu geben.

Zu den Unruhen in Schantung. Aus Jtschau sind in Peking noch keine Nachrichten eingettoffen, da nach dorthin keine telegraphische Verbindung ist. DieGefion" ist bei Antung-wei, welches eine gute Rhede hat, stationiert. Die chinesische Regierung hat Truppen in die Nähe von Kiautschou beordert zum Zwecke des Schutzes der Ausländer. Das Vorgehen der deutschen Regierung wird in Peking allgemein gebilligt, als einzige Methode, den Chinesen die Notwendigkeit des Schutzes des Lebens und Eigentums der Ausländer einzuprägen; im übrigen wird dem Vorfälle geringe politische Bedeutung beigelegt.

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Atzugsprei» vieNtljährUch 2 Mark 20 Psg. monatlich 75 Pfz. mit Brmgtrlohn.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich

Ausland.

Arco, 4. April. Der Erzherzog Ernst ist heute Nacht 121/« Uhr gestorben.

Paris, 4. April. Aus den Enthüllungen des Figaro" ist besonders hervorzuheben die Erklärung Poin- carös, wonach General Billot an Eidesstatt gesagt habe, er

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Lr Gießener ^'itteuvtätter nwtlr dem Anzeiger wtiMrilich viermal btigekgt.

Meßmer Anzeiger

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sei von der Schuld Dreyfus überzeugt, sei aber keineswegs überrascht, wenn auch Esterhazy ebenfalls ein Verräter und wenn außer Esterhazy und Dreyfus noch ein Dritter schuldig wäre. Die Aussagen Develles bieten insofern Interesse, als derselbe erklärte, daß nach seiner Ansicht nicht nur DreyftiS durch den Buchstaben D des Schriftstücks des Canaille ge­meint sei, sondern zwei französische Offiziere durch den Buch­staben D verdächtigt feien. Weiter hatte General Billot gesagt, die Schuld Dreyfus fei durch die Schriftstücke zwischen Panizzardi und Schwartzkoppen festgestellt, da in einem dieser Briefe der Name Dreyfus ganz geschrieben sei. General Billot habe erklärt: Zweifeln sie nicht an der Schuld Dreyfus, wir brauchten mehr als einen Monat, um diese Schriftstücke, welche das geheime Dossier bildeten, zusammen­zustellen. Mein Nachfolger wird sie innerhalb zwei Stunden von der Schuld Dreyfus' überzeugen. Auch glaube ich, daß Esterhazy ebenfalls schuldig ist. Bon hohem Jntereffe war das Verhör Rogets. Der General erklärte, in dem Dossier des Kriegs-Ministeriums befinde sich ein Schriftstück vom Jahre 1895, worin der Name Dreyfus genannt wird. General Roget gab weiter feiner Ueberzeugung von der Schuld Dreyfus Ausdruck nach den Aussagen, welche DreyfuS selber gemacht habe. Wie ein Schuldiger habe auch DreyfuS sich geweigert, eine Aufklärung zu geben.

Paris, 4. April. Auch nach Ostern fetzt derFigaro" feine Veröffentlichung der Unterfuchungsakten in der Drey fus- Sache fort. Der Ministerpräsident Dupuy erzählte vor dem Kassationshofe, wie der General Mercier den Fall Dreyfus zur Kenntnis der übrigen Minister brachte, welche im Ministerrat vom 1. November 1894 beschlossen, eine Untersuchung einzuleiten, obwohl Hanotaux mit Rücksicht auf die Herkunft des Bordereaus dagegen Bedenken äußerte. Er (Dupuy) habe von dem Geheimaktenstück persönlich erst Kenntnis genommen, als dasselbe dem Kaffationshofe mit­geteilt wurde, und habe von demselben früher nur mittelbar sprechen hören. Er gebe zu, daß er im Laufe eines Ge­spräches mit Poincarö und Lanessan geäußert habe:Ich frage mich, ob wir im Jahre 1894 nicht * Opfer einer Täuschung waren." Cavaignac suchte nachzuweisen, daß nur Dreyfus von den in dem Bordereau aufgezählten Schriftstücken Kenntnis haben konnte. Poincaro erklärte, Mercier habe das Bordereau in das Ministerium des Aeußern gebracht und erklärt, daß das Stück von Dreyfus geschrieben zu sein scheine und daß es Dokumente anführe, die nur von Dreyfus ausgeliefert fein könnten. Mercier habe auch von der Beweiskraft des Dittats gesprochen, welches Pay de Clam habe ausführen lassen. Mercier habe kein anderes Beweisstück gezeigt, auch kein anderes in Aussicht gestellt und auch nicht von der Mitteilung eines geheimen Schriftstückes gesprochen; der General, den er Poincarä mehrere Male gesprochen, habe ihm nichts von der Mitteilung eines geheimen Dossiers im Beratungszimmer des Kriegsgerichts gesagt, er habe ihm nur mitgeteilt, daß im Kriegsministerium Beweise für die Schuld des Dreyfus vorhanden feien, die nach dem Prozeß von 1894 dorthin gelangt feien. Poincarv fügt hinzu, er habe in Gegenwart mehrerer Kollegen Cavaignac gefragt, ob die geheimen Akten­stücke aus der Zeit vor oder nach der Verurteilung her­rührten; Cavaignac fei die Antwort schuldig geblieben. Dupuy habe ihm (Poincars) und Lanessan gesagt, er be­ginne zu glauben, daß die Regierung im Jahre 1894 das Opfer einer ungeheuren Mystifikation geworden fei. General Roget führte in seiner Bekundung aus, die in dem Bordereau angeführten Schriftstücke seien nur einem Ge neralstabsoffizier zugänglich gewesen.

Toulon, 4. April. Infolge des Beschlusses der franzö­sischen Regierung, ein Geschwader nach Sardinien zu entsenden anläßlich der Ankunft des italienischen Königs­paares, erhielt der Admiral Fourniere Befehl, die unter feinem Kommando stehenden Kriegsschiffe bereit zu halten, um jeden Augenblick nach Sardinien abdampfen zu können. Die Schiffe haben infolgedessen bereits Munition und Kohlen an Bord genommen.

London, 4. April. DerStandard" meldet heute aus Washington, die Aktion Mataafas sei das direkte Resultat der Proklamation, welche der deutsche Konsul im Einverständnis mit seiner Regierung erlassen habe.

Von den Philippinen liegt ein interessanter Bericht über die Stärke und Bewaffnung der Tagalen wie über die Taktik Aguinaldos vor, der mancherlei Aufschlüsse giebt. Der Bericht geht von einem amerikanischen Offizier aus, der sich unter den Tagalen aufgehalten hat._ Aguinaldo verfügt über 40,000 Gewehre neuesten und 25,000 älteren Systems. Zu jedem Gewehr gehören fünf Soldaten, die

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Amtlicher Ml.

Rr. 10 des Reichsgesetzblattes, ausgegeben den 28. v. Mts., --NAH!!!:

(Nr. 2556.) Gesetz, betreffend die Feststellung des Xe» ^Haushalts-Etats für das Rechnungsjahr 1899. Vom 25 ö, Micz 1899.

(ftr. 2557.) Gesetz, betreffend die Aufnahme einer AMtiht für Zwecke der Verwaltungen des Reichsheeres, der MÜikikk und der Reichseifenbahnen. Vom 25. März 1899.

(Ki. 2558.) Gesetz wegen Verwendung überschüssiger R«i Teilnahmen zur Schuldentilgung. Vom 25. März 1899.

(Ni 2559.) Gesetz, betreffend die Feststellung des Haarthalls-EtatS für die Schutzgebiete auf das Rechnungs- oh!» 189»9. Vom 25. März 1899.

Nr. 12 des Reichsgefetzblattes, ausgegeben den 29. v. M., enteilt:

(Nr. 2563.) Bekanntmachung, betreffend die Anzeige- pfüfijt fit die Geflügel-Cholera. Vom 28. März 1899.

Gi eßen, am 4. April 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. April. Der Kaiser hörte heute die Vor- i < jgt öt?8 Chefs des Militär-KabinettS v. Hahnke, des Gt-ni-rul Inspekteurs des Ingenieur- und Pionier-Korps, FriÄhernn v. d. Goltz und des Chefs des Admiralstabes oei: Marine, Kontre-Admiral Bendemann. Zur heutigen FrnLMLstafel beim Kaiserpaar war Graf Görtz geladen.

Veillin, 4. April. Wie diePost" von unterrichteter (51:20t eu fährt, entbehrt die durch die Blätter gehende Nach- ndeil, dnß die Kaiserin im Laufe des Sommers einen fraMzasiüchen Badeort besuchen werde, der Begründung.

Berlin, 4. April. Der Kaiser hat, rote diePoft" ;r:t, nmnmehr die Ordre vollzogen, durch welche der Getnml Major z. D. Freiherr v. Buddenbrock an Stelle de« tnbr vorigen Jahres zurückgetretenen Herrn v. Senden iunrMtanb des Hofstaates der Prinzessin Louise von Pn-r-ißkn in Wiesbaden ernannt worden ist.

Berlin, 4. April. Der Vizepräsident des preußischen Sttmsministeriums, Finanzminister Or. Miquel hatte am zro«M Osterfeierlage dem Geheimen Oberjusttzrat i)r0..Al ancq, dem Mitarbeiter am bürgerlichen Gesetzbuch in . Wringen einen Besuch abgestattet und mit diesem über bien OuS'sührungsgesetze zum bürgerlichen Gesetzbuch, welche tckiäbeim Landtage schon zugegangen sind, teils noch zugehen foldan, Rücksprache. Der Minister ist heute von dieser Reise wi««vtl in Berlin eingetroffen.

Berlin, 4. April. DerPost" zufolge ist vom Londoner SaiNttl noch keine definitive Zustimmung zu dem von DeOatiibanb gemachten Vorschläge, zur Regelung der Sc-mo-mischen Streitfrage eine Kommission einzu- setz^i, eingegangen.

Berlin, 4. April. Zur Samoafrage schreibt man beaI. R ":Die Samoafrage geht jetzt offenbar ihrem ünihiibi.um entgegen; zu einem vollen Verständnisse der Saö^ag« kommt man allein, wenn man die Streitigkeiten £>er< Mächte darüber von ihrem Anfang an betrachtet. Die betitletri Weißbücher über Samoa geben dazu den besten AuW»:.ß. Zu Anfang 1889 brachte die ZeitschriftNine- tce^r «Century" einen Artikel über die Geschichte der samrvm scheu Wirren bis zu der Zeit, als Bismarckver- häiLi.-isvollerweife" feine Aufmerksamkeit den damals glück- lickosv Inselbewohnern zugewendet habe. DieSamoa- SLirjin1" knüpfte daran Betrachtungen, in denen es hieß: ®iri cdles Volk ist der Unverschämtheit einer Großmacht unl'i'Jic Zaghaftigkeit (?) von zwei anderen geopfert worden. DeürMand hat hier einfach die Rolle des Straßenräubers gcfipuih. Die Vereinigten Staaten haben nicht immer die rhOailhitft entwickelt, ihren Ansichten nachdrücklich Geltung zu, mscchaffen." Schließlich fordert das Blatt die ameri- kamichni KriegsschiffeAdams" undTrenton" auf, das beleih KanonenbootAdler" wegzufegen. In diesen fteirfmrngen liegt schon ein Programm. So oft vor Apia StÄnligkeiten entstanden, haben englische und amerikanische fiaibiiünc von Kriegsschiffen sich Eingriffe erlaubt, die gegen aMv.internationalen Brauch und Herkommen verstießen. (Sri: selbständige Schreiben an die deutschen Konsuln,

wiei tu die Kommandanten der deutschen Kriegsschiffe ge- richM (In ganz eigenmächtiger Weise sind auch die Konsuln En.it' MrZ und der Union dort vorgegangen. Trotz aller