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5.12.1899 Viertes Blatt
 
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Dienstag den 5. December

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* Der redselige Chamberlain.

Gießen, 4. Dezember 1899.

Die französischen Minister lassen sich bekanntlich gern öffentlich hören, aber sie werden darin noch übertrumpft durch ihre englische Kollegen, welche sich feine Gelegenheit entgehen lasten, um ihre eigene und der Regierung Meinung I zum Besten zu geben. Der gegenwärtig im Vordergründe des Interesses stehende britische Kolonialminister Chamber­lain huldigt auch nicht dem Grundsätze, daß Schweigen Gold sei, und er hat schon oft mehr oder minder wichtige I Reden in der Oeffentlichkeit gehalten, die aber meistens keine größere Beachtung gefunden haben. Wenn man seinen letzten Auslastungen in Leicester größere Aufmerksamkeit I schenkt, so liegt das darin begründet, daß eben erst die I Anwesenheit des deutschen Kaisers in England ihr Ende I erreicht hatte und daß Chamberlain so that, als ob ihm I von Deutschland ein Bündniß angetragen worden sei. Zu leugnen ist nicht, daß England, Deutschland und die Der» I einigten Staaten von Nordamerika viele gemeinsame In- I teressen haben, und daß eine Koalition dieser drei Mächte gar nicht von der Hand zu weisen ist, soweit es sich eben I um die gegenseitige Unterstützung und Förderung dieser I gemeinsamen Interessen handelt. Meint aber Chamber­lain, Deutschland werde sich auf eine Allianz mit England I einlasten, wie sie mit Oesterreich und Italien bestehl, so dürfte er sich doch geirrt haben. Wir führten bereits vor einiger Zeit des Längeren aus, daß Deutschland nie daran denkt, an allen möglichen Enden der Welt die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Von einer erfolgten Verstän­digung über verschiedene schwebende Fragen kann also wohl die Rede sein, niemals aber von einer Allianz.

Aus Anlaß der Chamberlain'schcn Rede ist wieder viel I gesprochen worden von neuen Mächtegruppierungen. Von letzteren haben bisher bekanntlich nur zwei allgemeines Ju- tereste: Der Dreibund und die Allianz zwischen Rußland und Frankreich. Die Ziele des ersteren sind aller Welt bekannt, wogegen diejenigen der letzter» noch in Dunkel gehüllt sind. Wir haben gesehen, daß der Dreibund den daran beteiligten Staaten völlige Freiheit läßt, auch mit anderen Mächten innigere Beziehungen zu pflegen. So hat der Vertrag zwischen dem deutschen Reiche und Rußland bestanden, und neuerdings hat wie noch vor einigen Tagen in den österreichisch-ungarischen Delegationen erwähnt wurde Oesterreich mit Rußland ein Übereinkommen ge­trogen wegen der Verhältnisse auf dem Balkan. Ob zwischen Deutschland und England wegen seiner gemeinsamen Jn- tereffen, Abmachungen erfolgt sind, ist noch nicht bekannt, jedenfalls würde dadurch unsere Stellung zum Dreibund nicht berührt werden. Ob für den letzteren der Beitritt Englands eine wertvolle Acquisiüon wäre, steht dahin; die Gründe, weshalb wir die« nicht glauben, haben wir kürzlich

genügend erörtert.

Fast in der gesamten Presse wird die Rede Chamber­lains ungünstig beurteilt, jedenfalls wird dem englischen Staatsmann das Recht aberkannt, von Bündnissen zu sprechen, die noch gar nicht abgeschlossen sind. Auch bezüglich der Auslassungen Chamberlains kann man sagen, daß der Wunsch der Vater des Gedankens war. Genützt hat er damit der Sache Englands gar nichts, im Gegenteil, das­selbe kann sich durch die mehr oder weniger offenen Ab­weisungen, die es nun erfahren hat, nur gedemütigt fühlen. Das hat der redselige Kolonialminister auf dem Gewissen!

sozialdemokratische Partei die Parole ausgegeben | sein, Volksversammlungen, in denen die Flotten- I Vorlage auf der Tagesordnung steht, zumeiden. I

M.P.C. Wenn die Presse immer wieder darauf I zurückkommt, daß es doch vielleicht beabsichtigt sein möchte, einen päpstlichen Nuntius nach Berlin zu senden, so ist dies aus zwei Gründen absolut von der Hand zu I weisen. Bekanntlich residiert in München ein päpstlicher Gesandter, und die bayerische Regierung legt Wert darauf, I durch ihren Gesandten in Berlin diejenigen Sentiments und Wünsche zur Kenntnis zu bringen, die sich aus ihrem Ver- I kehr mit dem Nuntius in München ergeben. Sollte auch nach Berlin ein Nuntius kommen, so würde sich Bayern in seiner Stellung alskatholische Vormacht in Deutsch­land" beeinträchtigt fühlen. Es liegt aber den leitenden I Kreisen in Berlin nichts so fern, als Bayern irgendwie zu kränken. Ein weiterer Grund, der gegen die Errichtung einer I päpstlichen Nuntiatur in Berlin spricht, ist darin zu erkennen, daß durch eine solche die Kreise des Zentrums gestört I werden dürften. Es gehört zu den Traditionen der Zen­trumspartei, an welchen dieselbe absolut festhält, ihre Be­ziehungen zur Kurie auf den Wegen zu pflegen, die sie | selbst für die geeignetsten hält. Entweder würde die Hier­hersendung eines Nuntius in diese gewohnten Beziehungen des Zentrums zur Kurie nur eine Störung bringen oder aber der zukünftige Nuntius würde vollständig abhängig I vom Zentrum werden. . L f x ..

Wie aus Karlsruhe gemeldet wird, lehnte die badischeRegierung die Beantwortung derJnter- I pellation der Sozialdemokraten über die neuen I Flottenpläne ab.

I __ Wie an unterrichteter Stelle verlautet, unterbleibt

I die Einführung direkter Eifenbahntarife für die rumänische Fleischeinfuhr nach Deutschland, weil das I im Jahre 1892 erlassene Einfuhrverbot erneuert worden ist. I Die österreich ungarische Regierung ist ersucht worden, die I Durchfuhr rumänischen Fleisches nicht zu gestalten, weil es I an der deutschen Grenze doch zurückgewiesen werden würde.

anerkennen. t r, Ä .

Konstantinopel, 2. Dezember. Der deutsche Kaiser übermittelte dem Sultan telegraphisch seinen Dank für die Konzessionierung der Bagdadbahn. Der Sultan, beant­wortete die Depesche umgehend in herzlichen Worten.

Konstantinopel, 2. Dezember. Der französische Admiral Fournier wohnte gestern mit seiner Suite und dem Botschaftspersonal dem Selamlik bei und wurde darauf vom Sultan in Audienz empfangen.

New-York, 2. Dezember. Der Passus in der Rede des amerikanischen Botschafters in London, Choate, betreffs der Annäherung der amerikanischenStaaten an Eng­land berührte Mac Kinley unangenehm, da er zu weit­gehend ist. ___________________________

Rr. 286 Viertes Blatt

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Ausland.

Wien, 2. Dezember. Der Kaiser verlieh dem Prä- I sidenten des österreich'UNgarischen Hilfsvereins in München, I Ernst Czermak, das Ritterkreuz des Franz-Joseph- I Ordens. I

Wien, 2. Dezember.Sfaf Antrag Jaworskis beschloß die VerständigungSkonferenz ein aus drei Deutschen I und drei Czechen bestehendes Subkomitee einzusetzen, das I konkrete Anträge für die Konferenzen ausarbeiten soll.

Wien, 2. Dezember. Das Exposee Goluchowskis I dürfte, gleichwie die Thronrede, allseitig großes Aufsehen errgen; dasselbe ist eine Friedenskundgebung ersten Ranges. Mit besonderer Wärme wird des Drei­bundes erwähnt, der als ein unerschütterlicher Bau bezeichnet wird. Ebenso wird das sreundschaftliche Verhältnis zu Rußland betont. Schließlich wird für die stetige Vermehrung der Seemacht Oesterreichs eingetreten.

Wien, 3. Dezember. Die gesamte Presse drückt | dem Exposö Goluchowskis in längeren Artikeln ihre Zustimmung aus und ist besonders von den Erklärungen befriedigt, daß der europäische Friede gesicherter sei denn je, daß ferner der Dreibund als das unerschütterliche Fun­dament unserer äußeren Politik zu gelten habe und daß i sich endlich die Beziehungen zu Rußland und den Balkan- staaten fortdauernd freundlicher gestalten.

Lemberg, 2. Dezember. Der bekannte Parlamentarier Dr. Smolka ist sehr schwer erkrankt.

Pans, 3. Dezember. Anläßlich der Eröffnung des Sozialistenkongresses bringt diePetite Republique", das Hauptorgan der Sozialisten, einen Begrüßungsartikel, worin die Delegierten des Arbeiterkongresses mit warmen Worten willkommen geheißen werden. Das Blatt schließt I seinen Artikel mit den Worten: Es wird dem Kongresse gelingen, Beschlüsse zu fassen, welche von den gesamten I Sozialisten gut geheißen werden. Es lebe der Kongreß!

Es leben die Delegierten der Arbeiter!

Paris, 3. Dezember. DasAmtsblatt" berichtet, daß I der Senatspräsident den Senat für morgen nachmittag 2 Uhr einberufen hat. Die Versammlung wird sich mit I der Gutheißung einer Anzahl Gesetze, welche die Kammer I bereits vor einiger Zeit erledigt hat, zu beschäftigen haben.

Paris, 3. Dezember. Der Minister des Innern hat I Befehl gegeben, die letzte Nummer des BlattesCarricatur" I zu beschlagnahmen, weil sich darin ein Bild befindet, welches

als eine Beleidigung der Königin von England ausqefaßt werden kann.

London, 3. Dezember. Der deutsche Botschafter in Washington, der englische Botschafter und Staatssekretär Hay halten einer Reutermeldung zufolge gestern mehrere Besprechungen betreffend Samoa. Die Verhandlungen sollen heute ihren endgiltigen Abschluß finden.

London,2. Dezember. Mehrere englische Firmen zogen ihre Anmeldung zur Pariser Weltaus­stellung zurück infolge Beleidigung der Königin Viktoria durch die französische Presse.

Loudon, 3. Dezember. Der hiesige französische Botschafter reifte nach Paris ab. Man bringt diese Reise mit der Rede Chamberlains in Zusammenhang.

Madrid, 2. Dezember. Telegramme aus Tanger be­richten haarsträubende Details Über die Unter- j drückung der Revolution. So wird z. B. gemeldet: Die Truppen des Sultans, welche gegen die Rebellen des Akasgebietes ausgeschickt wurden, begingen große Scheuß­lichkeiten. Sie plünderten beim Rückzug ganze Dörfer und führten Weiber, Greise und Kinder, mit Ketten beladen, fort. In Jamazzit, wo zwanzig jüdische Familien wohnen, beging die Soldateska unnennbare Ausschreitungen. Sie I brachte die Juden nach Marrakesch, wo sie als Sieges­trophäen vor den Thoren aufgespießt wurden. Dort sind auch 40 in Salz konservierte Rebellenköpfe ausgestellt.

Konstantinopel, 3. Dezember. Der Generalgouverneur I von Tripolis telegraphierte an das Palais, daß die besonderen I Missionen nach dem Sultanat von Madai und Bornu wohl­behalten nach Tripolis zurückgekehrt seien. Die Herrscher der beiden genannten Reiche übergaben den Missionen zahl- I reiche Gegengeschenke für den Sultan, den sie als Khalisen

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Mehener Anzeiger

Heneral -Anzeiger

Amts- und Anzeig-blatt für den Areis Giefzen

Erscheint täglich mit Ausnahme deS MonlagS.

Dt» Gießener Aamilienölätt-r werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigetegt.

Deutsches Reich-

Berlin, 2. Dezember. Der Kaiser nahm gestern vor der Frühstückstafel die Meldung deS aus Spanien zurück- gekehrten Prinzen Albrecht von Preußen entgegen. Nach Dem Frühstück hatte der Kaiser längere Besprechungen mit dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe und dem Staats­sekretär Tirpitz. Im Laufe des Nachmittags und Abends erledigte der Kaiser Negierungs-Angelegenheiten. Heute vormittag empfing der Kaiser zum Vortrag den Che des Generalstabes Grafen Schlieffen und den Chef deS Mckitär- kabinettS v. Hahnke. ,

Von der Kaiserin wurde heute mittag im Neuen Palais die zweite Expedition vom Roten Kreuz empfangen, die heute abend Berlin verläßt, um sich im Dienste der Humanität nach dem fernen Transvaal zu begeben. , , .

Wie die9iorbb. Allg. Ztg." hdit, soll seilens bet in Parteifragen als maßgebend erachteten Stellen für dte

Universität und Hochschule.

Ernannt: Zu Professoren an der technischen Hochschule zu Char- lottenburg Dr. Strecker, Dr. Brand und Reglerungsbaumeifier

Berufen: Der a.-o. Professor der alten Geschichte Dr. Walther Iudeich in Marburg hat einen Ruf an die Universität Ezemowitz er­halten und angenommen. An Stelle des kürzlich in den Ehestand getretenen Archivrats am Weimarischen Staatsarchiv Paul M. zachke Dr. phil. Treffs, bisher an der Leipziger Umversitäts-Bibl>oihek angesteM^ Errichtung einer technischen Hochschule in den Reichslanden wird im Interesse des D-Michtums von verschiedenen Seiten neuerdings besürwoitet. In Elsaß Lothringen sind verschiedene Industriezweige hoch entwickelt; trotzd.m besitzt es außer der Gewerbe­schule zu Mülhausen keine höhere technische L.hranstalt D>e Folge ist, daß bei der in manchen Kreisen noch vorhandenen Hinneigung zu Frank- reich viele Industrielle ihre Kinder zur technisch.n Ausbildung nach Frankreich schicken Wie groß das Bedürfnis nach einer techn-schen Lehranstalt ist, läßt sich aus der Zahl der Elsaß Lolhimger ermessen, die aegenwä'tig an deutschen technischen Hochschulen studieren. Es sind im ganzen 111 unb 14 Hospitanten: in Karlsruhe studieren 44, Dorm- fiabt 27 Münch-n 21, Stuttgart 15 und in den technischen Hoa schmui ganz Preußens nur fünf Elsaß-Lothringer, die Zahl derjenige, die tech­nischer Studien wegen nach Frankreich geh-n, darf nicht gering ange­schlagen werden Eine technische Hochschule in den Reichslanden wurde also schon stark genug besucht werden - ganz abgesehen von dem Zuzug aus dem R.ich- Eine Universität besitzen die R-ich^lande bereits in Siraßburq. Mülhausen wäre wegen seiner hoch entwickelten Industrie neben Straßburg der geeignetste Sitz einer technischen Unt rr'chtSanstalt.

Verschiedenes r Man schreibt aus Gens: D r Große Rat des Kantons Gens hat die von dem Staatsrate geforderte Jahresinsoldung für den Prosesfor der medizinischen Kl.nik in Höhe von 15,000 Franken bewilligt Der Direktor der Spitäler in Lyon vr. Bärd, der, wie bereits berichtet, von dem Staatsrate für d'e Besetzung der Prof.stur in Aussicht genommen war, wird nunmehr die Lesung der medizinischen Klinik übernehmen. - An Baseler Umoers at ist die venia legendi für Geburtshilfe und Gynäkologie an Pr- Dtlo Bur«. Hardt aus Basel erteilt worden. - Die Orientalische Li'^turzeltung vom 15. November meldet, daß nach Gizeh kommen soll, woselbst eine vollständige L^chb'b othek geschaffen witt>. Als neuer Generaldirektor des Museums von Gizeh sollMas psro in Aussicht genommen sein, da Viktor Loret seine Entlastung gegeben hat.

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