1890
Mittwoch den 5. April
Amts- und Airzeigeblatt für den Ureis <ßtef$en>
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Alle Anzeigen-BrrinittlungSstelle« btl In- und Hutlanbel nehmen Anzeigen für bat Gießener Anzeiger entgegen.
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Itbctlion, Expedition und Druckerei:
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««ihmr von Anzeigen zu der nachmittag» für den fnLfLteu rag erscheinenden Nummer bi» vorm. 10 Uhr.
Schiffsnachrichten.
Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten 6erl LooS und I. M. Schulhof.
Bremen, 1. April. (Per transatlantischen Telegraph.^| Der Schnell-Postdumpser Trave, Capttao H. Christoffers, vom Nordd. Lloyd in Bremen, ist am 30. März, lü Uhr vormittags, wohlbehalten in Newyork angekommen.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen.
Fernsprecher Nr. 51.
Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klütter für hessische Volkskunde.__
ernennen, sowie den Kreisamtmann bei dem Großh. Kreisamt Offenbach, Adalbert Freiherr v. Starck, zum Ministern alsekretär bei dem Großh. Ministerium des Innern zu ernennen. ... .
•• Ordensverleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem seitherigen Wachtmeister im Feld- Artillerie - Regiment Nr. 25 (Großherzoglichen Artillerie- Corps), Strauch, das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen geruht.
*• Das Verordnungsblatt für die evangelische Kirche des Großherzogtums Hegen, Nr. 5, ausgegeben Darmstadt, 29. März, hat folgenden Inhalt: Ausschreiben Nr. 9 vom 24. März 1899, betreffend die Erbauung der Gedächtniskirche der Protestation von 1529 zu Speyer; hier die Erhebung einer allgemeinen einmaligen Kirchenkollekte. — Konkurrenzeröffnungen.
*• Kirchliche Dienstnachrichten. Zur Wiederbesetzung werden ausgeschrieben: die neu errichtete zweite evangelische Pfarrstelle zu Bessungen, die evangelische Pfarrstelle zu Frei- Laubersheim.
•* Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung Donnerstag den 6. April 1 899, nachmittags 3'/, Uhr pünktliche 1. Prüfung der Rechnung der Gemeindekrankenversicherung pro 1898. 2. Gesuch des Martin Langsdorf wegen Anlage einer Feldscheuer ; hier: Dispens. 3. Baugesuch des Georg Balser für die Goethestraße; hier: Dispens. 4. Baugesuch des Gottlieb Nauheimer für die Goethestraße; hier: Dispens. 5. Baugesuch des Dachdeckermeisters Prang für die Privatstraße durch die Löber'sche Hofraithe; hier: Dispens. 6. Ge- such des Wilhelm Orbig wegen vorübergehender Ueber- brückung des Stadtbaches. 7. Gesuch des Schützenvereins wegen Beseitigung dreier Kirschbäume auf dem Trieb. 8. Gesuch des H- Benner II. dahier wegen Weiterverpachtung eines Theiles der städtischen Wiese an der Lahn. 9. Gesuch des Dr. Mettenheimer um käufliche Ueberlassung städtischen Geländes am Schiffenbergerweg. 10. Die Schüler'sche Be- sitzung; hier: Vergebung von Arbeiten. 11. Ausführung erhöhter Bürgersteige; hier: Herstellung von Asphallbelag. 12. Gesuch des Maurermeisters H. Keßler von Annerod um Erlaubnis zur Gewinnung von zirka 20 Cbm. Bruchsteinen in einem älteren Bruche an der Hochwarte. 13. Verpachtung der vormals Katzenstein'schen Ackerparzellen. 14. Gesuch der Georg Zörb Wwe. von Hörnsheim um Gestattung der Aufstellung eines Kreuzes an der Unglücksstätte ihres verstorbenen Ehemannes im Fernewald. 15. Wiederbelegung von Teilen des alten Friedhofes. 16. Gesuch des Franz Vahlert um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Klinikstraße 24. 17. Desgleichen des Johannes Sick im Hause Hamm- straße 7.
** Zwei sehr gut besuchte Vorstellungen fanden gestern in Benoit Ahlers Affentheater und Zirkus am Oswaldsgarten statt. Die wirklich großartigen Dressuren der verschiedenartigsten Tiere erregten berechtigtes Staunen bei den Erwachsenen und hellen Jubel bei der Kinderwelt. Es würde zu weit führen, wollten wir hier die einzelnen Nummern des unterhaltenden, stets wechselnden Programms aufführen. Wir können aber jedem, der sich ein paar Stunden harmlos amüsieren will, raten, das Affentheater zu besuchen.
•* Verein Hessischer Zahnärzte. Am 22. und 23. April dss. Js. wird der Verein Hessischer Zahnärzte sein 5. Stiftungsfest im Saale des „Darmstädter Hof" zu D a rm st a d t begehen. Eine große Reihe hochinteressanter Vorträge und Demonstrationen sind bis jetzt angemeldet, sodaß die wissenschaftlichen Sitzungen auf zwei Tage ausgedehnt werden müssen. Am Freitag, 21. April, ist eine Begrüßungsfeier der Gäste des Vereins im „Kaisersaal" geplant. ____________
§§ Ober Seemen, 1. April. Eine unerwartete Osterfreude wurde der Familie des hiesigen Landwirts Peppel bereitet, indem derselben Drillinge beschert wurden (drei Knaben), welche sich sehr wohl fühlen.
△ Mainz, 3. April. In der zweiten Hälfte dieses Monats kommt vor der Strafkammer in Darmstadt der Prozeß gegen den früheren Leiter des hiesigen städtischen Gaswerks, Direktor Hessemer zur Verhandlung. Bekanntlich hat das Reichsgericht das Revifionsgesuch des zu einer mehrwöchentlichen Gefängnißstrafe verurteilten Direktors Heffemer für begründet erklärt, und unter Aushebung des Urteils der hiesigen Strasiammer die Sache zur nochmaligen Verhand- lung an die Strafkammer nach Darmstadt verwiesen.
». 79 Drittes Blatt
Aus der Beit für die Zeit.
Vor 115 Jahren, am 5. April 1784, wurde zu Braunschweig der König der Violinspieler und vielseitige Komponist Ludwig Spohr geboren, der auch als Dirigent und Lehrer ausgezeichnet. Wiederholte Wanderungen rurch Italien, die Schweiz und die Niederlande glichen Triumphzügen; am großartigsten gestaltete sich die Aufnahme 1820 in London, wo ihn sogar das königliche Haus empfing. Im hohen Alter hatte er das Unglück, den linken Arm zu brechen, sodaß er sein geliebtes Instrument ganz bei Seite legen mußte. Spohr starb am 22. Oktober 1859 zu Kassel.
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LktugspretL vierteljährlich 2 Mark 20 Psg. Bwnütlidj 75 Psg. mit Bringerloh«.
Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich
Vermischtes.
» In dem in Schreiberhau i. Riesengeb. seit 2 Jahren bestehenden Deutschen Lehrerheim, welches sich wegen seiner vorzüglichen Lage und guten Verpflegung eines sehr günstigen Rufes erfreut, werden in der Zeit vor dem 1. Juli und nach dem 15. August auch andere Angehörige des Beamtenstandes unter den gleichen Bedingungen jederzeit ausgenommen. Ausgeschloffen sind bettlägerigkranke, sowie mit ansteckenden, tuberkulösen oder ekelerregenden Hebeln behastete Personen. Mietspreis pro Woche 4 bis 6 Mk., Pension pro Tag 2 Mk. Das Mitbringen der Betten ist erwünscht. Aus alle Anfragen erteilt der Hauptverwalter Borrmann, bei dem kurz vorher die Ankunft anzumelden ist, bereitwilligst Auskunft. Eingehendere Mitteilung über das Lehrerheim wie über den Ort enthält das Buch: „Schreiberhau, seine Geschichte u. s. w." (1,20 Mk.).
Lokales und Provinzielles.
Gießen, den 4. April 1899.
Neueste Meldungen.
Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 4. April. Professor Scheibler, der Erfinder des Strontianit und des rauchlosen Pulvers ist gestern gestorben.
Berlin, 4. April. Am Ostersonntage starb nach Meldungen aus Dresden in Coswig im 89. Lebensjahre die Dichterin und Novellistin Karoline Pier st ein, Witwe des Komponisten und Universitäts-Professors Pierstein.
Berlin, 4. April. Das „Berl. Tagebl." meldet aus London: Der Vorschlag Deutschlands, eine gemischte Kommission nach Samoa zu entsenden, erhielt die Zustimmung der Washingtoner Regierung, soll aber nur nach vorheriger Einwilligung Englands definitiv angenommen werden.
Brüssel, 4. April. „Petit bleu" meldet: Die Rückkehr der Prinzessin Louise nach Belgien wird jetzt definitiv als aufgegeben bezeichnet.
Paris, 4. April. Der „Figaro" setzt seine Veröffentlichungen über die Verhandlungen der Kriminalkammer heute fort. Er publiziert heute die Verhöre Poincaros, des früheren Ministers des Auswärtigen Develle und des Generals Roget.
London, 4. April. Aus Honkong wird gemeldet, daß in der Provinz Kow-Loon Unruhen ausgebrochen sind. Einige englische Beamte, welche mit der Gebietsabsteckung beschäftigt waren, haben chinesische Maueranschläge aufgefunden, worin alle Eingeborenen zum Aufstande gegen die Fremden aufgefordert werden. Sie haben infolge des aufrührerischen Gebührens der Bevölkerung ihre Arbeiten unterbrochen und sind nach Hongkong zurückgekehrt. Auf ihre Beschwerden hin hat der Vizekönig Truppen nach den bedrohten Gebieten abgesandt.
Petersburg, 4. April. Aus den Gouvernements, in welchen Notstand herrscht, laufen fast täglich traurigere Nachrichten ein. Besonders groß ist die Hungersnot unter der Bevölkerung des Gouvernements Wjatka. In mehreren Ortschaften dieses Gouvernements wütet der Hungertyphus und breitet sich immer weiter aus. Auf Befehl des Zaren wurden 20 000 Pferde für die Notstandgebiete an» gekauft.
Athen, 4. April. Der König hat Zaimis ersucht, die laufenden Geschäfte bis nächsten Donnerstag, dem Tage der Unabhängigkeitserklärung zu übernehmen.
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dem Anzeiger «ich viermal beigelegt.
Anstand.
Nie«, 3. April. Gelegentlich wedelt der böhmische V jiroc a.uch halb oder ganz germanische Nationen an, wenn itu glau bt, aus den Gegensätzen zwischen den verschiedenen gtzManischen Stämmen etwas für sich herausschlagen zu töieiM. So gehen die Tschechen den Dänen um den Bart, Tced diese Nordschleswigs wegen mit den Deutschen hadern. Dtiitser Tage wurden die Oxforder Studenten, die zu FMaHspielspielen nach Prag gekommen waren und jetzt iri tßieii weilen, vom Bürgermeister Dr. Podlipny ins Rat- Qtftuuf geladen, dort bewirtet und von ihm mit einer politi- sch.tii -jede in französischer Sprache beglückt, in welcher aiLnhaltd von dem einst selbständigen Königreiche Böhmen ergtylt und zuletzt die Bitte gestellt wurde, die englischen Wftc mögen sich nach ihrer Rückkehr in die Heimat „des ts^tchi' chen Volkes als einer Nation erinnern, die, wenn üLich unterdrückt, nicht aufhört, für die Rechte der Mensch-
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Düsseldorf
diititlimkischen Ministers.
iTfluhPllil Washington, 1. April. Hier verlautet, die Regierung bifcxlfidfitige, nachdem den amerikanischen Waffen durch die leig!!;: Siege Genugthuung geschaffen, mit den Filipinos Mnirden zu schließen
ht:it, filr die Gedanken der Menschlichkeit und des Fort- ftWtes zu kämpfen". Einer der englischen Studenten b tredjle den Dank der Gefeierten zum Ausdrucke, wobei c-! vkifsicherle, daß dieselben der Freundschaft, welche iühtn in Prag und namentlich im Rathause ent» Apzkngc-bracht wurde, stets eingedenk bleiben werden. — Kür glauben nicht, so bemerkt die „Ostdeutsche Mtindsch.", daß England auf diese Weise zum Bundesgenossen dt» Tschechen gemacht wird; aber es wird gut thun, den (M* oern gelegentlich zu erzählen, wie die Tschechen zu
ab, zu Königinhof und im November und Dezember 1IB97 in Prag „für die Rechte der Menschheit, für die Gltdaiffen der Menschlichkeit und des Fortschrittes" gekämpft htzakn.
Nrahlaud. Daß freiheitliche Maßnahmen, vorübergehend wmchfi ens, von wirtschaftlichem Schaden sein können, geht, wmtmmi der „T. R." schreibt, erneut aus dem kürzlich in d!l»i ru-sischen Presse veröffentlichten zahlreichen, statistischen Störten al hervor, wonach der immer wachsende Notstand d!l-i L andbevölkerung seit Aufhebung der Leibeigen- svchajt im Jahre 1863 ganz besonders zugenommen hat. Mit Erscheinung erklärt sich, abgesehen von den kulturellen wieb wirtschaftlichen Ursachen, durch die nun eingetretene aiichrordentlich starke Zunahme der Landbevölkerung (bis 11891 um 50 v. H.) und der damit Hand in Hand gehenden Bkmn»gerung des Besitzstandes des einzelnen. — Allerdings b'iiii niicht übersehen werden, daß zu Anfang des Jahr- h!^crls der Notstand noch bedeutender, als jetzt am Ende bUtijdben war, während in der späteren Zeit der Leibeigen- svW die geringe Zunahme der Landbevölkerung und die Sselling des Zufluffes derselben nach einzelnen Gebieten w«rtschaftlich beffere Zustände bedingte. — Am besten wird d i* derzeitige wirtschaftliche Sage der Bauern durch die DWoche gekennzeichnet, daß es in Rußland zur Zeit kein Gimvernement ohne rückständige Steuern gibt. Vom Jahre ILBtfl bis 1890 war der allgemeine Rückstand um das Acht- fciak gestiegen und betrug im Jahre 1895 108 Mill. Rubel {21135 Mill. Mk.). Daß der allgemeine Notstand der Land- bi'tatilfcrung auch auf die Gesundheit und die körperliche GiNmckelung der Bauern eine dauernd nachhaltige Wirkung aitifibt., will man aus einer Statistik schließen, wonach die Zjchl der zurückgestellten Rekruten während der letzten fünf IM,: 37 v. H. auf etwa 46 v, H. und der als untauglich zxMgewiesenen von 64 v. H. auf 78 v. H. gestiegen ist.
Sofia, 3. April. Bei Kuaul-Agatsch fand wegen eines wviLwcchtlichen Versuches, bulgarisches Gebiet zu besetzen, z^Dv-he-n bulgarischen und türkischen Truppen ein ernstes viMiikmdiges Gefecht statt, wobei es auf beiden Seiten mrebii e Tote und Verwundete gab. Die Türken wurden scWÜich zurückgeworfen. Die Regierung protestierte techiaphisch energisch bei der Pforte gegen das Vorgehen
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— Aus dem Grohh. Muisterium. Seine Königliche fititit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, dem * ft " MÄsiarialsekretär bei dem Großh. Ministerium des Innern, *7 Dflu. Jesrbinanb Rohde, den Charakter als ^Regierungs- je M* tat!1 zur erteilen und ihn zum ständigen jurifftschen Hilfs- aiÄüi bei dem Großh. Ministerium der Finanzen zu


