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Nr. 260 Zweites Blatt Samstag den 4 November __ LGÄS
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England und der Kaiser.
Die Erwartung, daß man in England Verständnis für die kühle Höflichkeit haben werde, mit der der Kaiser daS an ihn gerichtete Telegramm seines Regiments Royal Dragoons beantwortet hat, erfüllt sich leider nicht. Die konservative „St. James Gazette" bemüht sich nicht nur, diese Antwort als ein Zeichen der Freundschaft des Kaisers für England zu deuten, sondern fügt diesem Deutungsversuche noch etwas hinzu, für das sich nur schwer die rechte Bezeichnung finden läßt. Sie schreibt nämlich:
„Das Telegramm des Kaisers an sein Regiment ist mehr ein Akt der Höflichkeit als ein Akt persönlicher Teilnahme. Kein vernünftiger Mensch wird vermuten, daß Wilhelm II. unseren Waffen Erfolg wünscht, weil wir Engländer sind und er eine besondere Zu- veigung zu unB empfindet. Aber das Telegramm ist doch «icht ganz bedeutungslos. Ist eS nicht an ein Re- iiment geschickt worden, daS seinem Unwillen ber dieAbsendung einer anderen Depesche in so bezeichnender Weise Ausdruck gegeben hat, daß ber Kaiser jedenfalls auch davon gehört haben wird? Und doch nimmt er die Gelegenheit wahr, um die Welt daran zu erinnern, daß er Oberst der britischen Dragoner ist. Er h ätte daS Telegramm schwerlich abgesandt, wenn er es nicht als Zeichen von Freundschaft hätte «ufgefaßt wissen wollen. Die Botschaft des Kaisers, der bevorstehende Besuch — alles weist auf eine freundschaftliche Haltung Deutschlands uns gegenüber hin. In dieser Haltung steckt freilich nicht« von Sentimentalität. Das wünschen wir auch gar nicht. Deutschland — man steht eS wieder — ist ein praktisches Land, in dem närrische Leute immerhin Haß und Mißgunst gegen benachbarte Nationen säen können — die führenden Persönlichkeiten lassen sich ja doch nur von praktischen Erwägungen leiten."
Die „Voss. Ztg." bemerkt hierzu, daß unter der „andern Depesche", die den „Unwillen" des Regiments erweckt habe, die Depesche des Kaisers an den Präsidenten Krüger gemeint sei und daß die Kundgebung dieses Unwillens in der Besudelung des im Offizierkasino der Royal Dra- goons befindlichen Bildes des Kaisers bestanden habe. Wir erinnern uns nicht, von einem solchen Akte unerhörter Roheit etwas gehört zu haben, und noch weniger können wir glauben, daß dem Kaiser auch nur von irgend einer Kundgebung des „Unwillens" der Offiziere seines englischen Regiments etwas zur Kenntnis gekommen sei. Jedenfalls aber weiß man in England etwas von einer solchenAund- gebung. Dadurch, daß man sich nicht scheut, gerade jetzt auf sie hinzuweisen und sich den Anschein zu geben, als halte man die dem Kaiser abgenötigte Depesche an den Regimentskommandeur für eine Verzeihung jener Kundgebung nnd mithin für einen verschämten Widerruf des Telegramms an Krüger, zwingt man die maßgebende Stelle in Berlin förmlich, sich nach der Form jener Unwillens-Kundgebung genauer zu erkundigen. Ob das Resultat der Erkundigung die Neigung des Kaisers, sein Besuchsoersprechen zu erfüllen, verstärkt, lassen wir dahingestellt. Jedenfalls verstärkt die Auslassung dec „St. James Gazette" die Besorgnis weiter Kreise in Deutschland, daß der Monarch in England den gröbsten Insulten ausgesetzt sein werde, wenn seine Haltung und seine Kundgebungen den maßlosen Wünschen und Forderungen unserer „lieben Freunde und Vettern" enseits des Kanals nicht entsprechen.
* Vom Kriegsschauplatz.
Seit Dienstag früh, wo der Kampf um Ladysmith noch fortdauerte, wartet man wieder vergeblich auf Nachrichten vom Kriegsschauplatz. Auch amtliche Meldungen sollen seit den letzten Depeschen des Generals White in London nicht eingetroffen sein, woraus man schließt, daß White vollständig zerniert und die gesamten Telegraphen- und Bahnverbindungen zerstört worden seien. Da gleichzeitig das Kabel zwischen der Delagoabai und Mozambique wahrscheinlich durch die Buren) unterbrochen, sei der Vermehr mit Transvaal abgeschnitten und nur auf das west- rfrikanische Kabel beschränkt. Zu den letzten Meldungen White's soll aber noch die gehören, daß er am Dienstag eilten vergeblichen Versuch gemacht habe, nach Pietermaritzburg durchzubrechen. Nach dem Eintreffen dieser wm Kriegsamt in London noch zurückgehaltenen Nachricht soll plötzlich ein außerordentlicher Kriegsrat berufen worden sein, welcher unter Salisbury's Vorsitz und dem Beisitze Wolseley's, sowie des Marine- und Kriegsministers die schleunigste Entsendung einer weiteren Division von 10000 Mann mit 54 Geschützen beschlossen habe. General White sen angewiesen worden, Ladysmith zu halten, bis die nächste Verstärkung von drei Regimentern in Kapstadt am ■6. November eintreffe. Die Frage ist nur, ob diese Ver- Mrkungen ihn noch erreichen werden, da, wie schon erwähnt, bi« Bahnverbindung zwischen Durban und Ladysmith aller Wahrscheinlichkeit nach unterbrochen ist. Die Aufgabe von
Ladysmith durch die Engländer wäre für diese ein schwerer Schlag. Der Ort wurde vor vier Jahren von den englischen Militärbehörden als ein strategisch wichtiger Punkt ausgewählt und dort ein befestigtes Militärlager angelegt, „das Aldershot von Südafrika", wie der „Daily Telegraph" sich ausdrückt. Ladysmith liegt in einem Thale, durch welches der Klip-Fluß, ein Nebenfluß des Tugela, fließt. Das Militärlager befindet sich am Klipfluß, 3t/2 Kilometer südlich von der Stadt. In den letzten zwei Jahren sind im Lager ausgedehnte Befestigungen und Gebäude aufgeführt worden, in denen 3000 Mann, 3 Batterien Artillerie und 1500 Pferde leicht untergebracht werden können. Ein Hospital und eine Kirche sind ebenfalls vorhanden. Die Lage des Militärlagers scheint sich aber als strategisch ungünstig erwiesen zu haben, denn es heißt, daß General White das Lager verlassen und auf den dasselbe hufeisenförmig umgebenden Hügeln neue Erdwerke aufgeführt hat. Ein felsiger Hügelrücken schützt die Stadt von Norden her. Die Stadt selbst, welche 3284 Fuß hoch liegt, hat eine Einwohnerschaft von 2000 Weißen und 3000 Schwarzen. Pietermaritzburg, wo sich die Regierung von Natal befindet, ist 125 Kilometer entfernt. — Nach den letzten Schätzungen befinden sich in Ladysmith jetzt noch etwa 10000 Mann mit 26 Geschützen, während auf der Linie Ladysmith-Durban etwa 3000 Mann stehen. Das Armeekorps, dessen eine Hälfte sich bereits auf See befindet, war ursprünglich nicht zur Verstärkung der Truppen in Natal bestimmt, sondern sollte in drei Abteilungen, von Kapstadt, Port Elizabeth und East London, auf den von diesen Orten ausgehenden Eisenbahnen gegen den Oranje-Freistaat vorgehen, von wo man eine Umgehung der in Natal kämpfenden Buren auszuführen und diese so zum Rückzug nach Transvaal zwingen zu können hoffte. Sir Nedvers Buller, der Oberbefehlshaber aller englischen Truppen in Südafrika, würde sein Hauptquartier zunächst in Kapstadt aufschlagen, wo auch die erste Division unter Generalleutnant Lord Methuen zwischen dem 6. und 13. November landen sollte, während die zweite Division unter Generalleutnant Sir C. F. Clery in Port Elizabeth zwischen dem 11. und 24. November und die dritte Division unter Generalleutnant Sir W. F. Gatacre in East London zwischen dem 10. und 29. November landen würden. Infolge der Niederlagen auf dem Kriegsschauplatz in Natal dürften in diesen Dispositionen wesentliche Aenderungen vorgenommen werden. — Mittlerweile füllen englische Staatsmänner die Pause mit mehr oder weniger interessanten Reden aus. So meldet man: London, 1. November. Der Unterstaatssekretär für die Kolo- nieen Earl of Selborne hielt gestern in Dumfries eine Rede, in der er ausführte, seit langen Jahren habe Transvaal sein möglichstes gethan, um die Suprematie Englands in Südafrika zu zerstören. Es liege nicht an den Staatsmännern der Buren, wenn England seither in keine Schwierigkeiten mit irgend einer europäischen Macht verwickelt worden sei. Der Krieg sei unvermeidlich aewesen, und wenn er jetzt nicht ausgebrochen wäre, wäre er sicher später im Augenblick irgend einer nationalen Gefahr entbrannt. — Der Staatssekretär für Indien Lord Hamilton sprach gestern in Ealing und sagte, das Blatt werde sich in Südafrika bald wenden (?), und wenn England seine Bedingungen stellen werde, so würden die fremden Nationen sehen, daß es das Hauptziel Englands gewesen sei, ein großes Land zum Nutzen der Menschheit von einer unedlen, erniedrigenden Tyrannei zu befreien.
Eines Kommentars bedürfen diese dreisten heuchlerischen Phrasen, die man schon bald auswendig kann, nicht. Sie werden überall für das erkannt werden, was sie sind: Bemäntelungen der grenzen- und schamlosen englischen Beutegier, welche der Gold- und Diamantenreichtum der Burenrepubliken nicht ruhen läßt. Von weit größerem Interesse ist folgende Meldung:
Edinburgh, 1. November. Bei einem zu Ehren der nach Südafrika abgehenden Offiziere der Gordon Hochländer und der Scots Greys gegebenen Banket sagte Lord Rosebery im Hinblick auf die Niederlage bei Ladysmith, es sei wohl möglich, daß England in diesem Kriege noch andere Bataillone verliere, daß noch andere Offiziere ihr Leben opfern und Millionen aufgewendet werden müßten, von deren Zahl man sich nicht einmal eine Vorstellung mache; das eine aber sei sicher, England könne von dem Unternehmen, das es begonnen habe, nicht ablassen. Später würden die Verantwortlichkeiten f e st z u st e l l e n sein, für den Augenblick aber müsse sich die gesamte Nation auf diejenigen verlassen, die die Leitung der Angelegenheiten des Landes in der Hand haben.
Das heißt mit anderen Worten: der Führer der Liberalen, Lord Rosebery scheint überzeugt, daß der Krieg mit einer völligen Niederlage Englands endigen wird, er hütet sich aber wohl, das Kabinett Salisbury-Chamberlain auf der abschüssigen Ebene, auf die es sich begeben hat, aufzuhalten, er wartet vielmehr schadenfroh seinen Sturz ab, um dann selbst wieder als Retter der Situation gerufen zu werden. Daß er den ganzen Feldzugsplan wie die bisherige Art der
Kriegsführung für verkehrt und fehlerhaft hält, geht daraus hervor, daß er von der Feststellung der Verantwortlichkeiten spricht. DaS „Daily chronicle" spricht aus, was viele denken. Es schreibt:
In Anbetracht des Scheiterns der Kampagne und der schrecklichen Demütigung der britischen Armee durch eine Volksmiliz von Bauern können wir höchstens noch ein wenig Hoffer^ daß White in Ladysmith auszuharren vermöge. Das Reich stehe vor einer Niederlage, vergleichbar nur mit der Uebergabe Burgoynes im Jahre 1777 an die Farmer der nordamerikanischen Kolonieen. Um die militärische Situation wieder herzustellen, benutze England seine gesamte Kriegsmacht. Nicht ein Mann bleibe, um irgendwo anders hinzugehen. Die Zeit werde kommen, wo das britische Volk seine Legionen zurückverlangen und von demStaatsmann, welcher erklärte, der Krieg sei unvermeidlich gewesen, Auskunft fordern werde, warum die Regierung nicht früher eine überwältigende Uebermacht Englands sicherte.
Auch in Ladysmith selbst herrscht große Ver stimm ung gegen die englische Regierung, welche, obwohl sie wußte, was bevorstand, versäumte, genügende Truppen nach Südafrika zu schicken. Ueberall in der Stadt und im Lager hört man (englischen Blättern zufolge) Bemerkungen wie diese: Hundert Meilen britischen Territoriums und ein Dutzend britischer Städte sind im vollen Besitz der Buren. Gewöhnliche Vorsicht würde solche Demütigung verhindert haben.
London, 2. November. Die Blätter stellen fest, daß die Haltung des Generals White bei Ladysmith nicht zu sehr getadelt wird. Es verlautet, daß auch der Kriegsminister diesem Offizier gegenüber nicht so scharf vorgehen wird, da man überzeugt ist, daß General White nicht über genügende Kavallerie verfügte, um seinen Angriff erfolgreich unterstützen zu können.
London, 2. November. Nach hier eingetroffener Meldung aus Kapstadt soll General Buller mit einem Teile seines Stabes bereits nach Durban unterwegs sein. — „Daily News" melden aus Durban, daß der Weg nach der Delagoabai den Buren noch völlig offen steht. Die Kolonie Natal beabsichtige die Aushebung eines weiteren Freiwilligen-Korps von 1000 Mann. — Aus Südafrika wird jetzt so gut wie nichts gemeldet. Das schwere Geschütz der Buren sandte, einer Depesche aus Durban zufolge, 13 Granaten nach Ladysmith, welche jedoch nur wenig Schaden anrichteten, da sie nicht explodierten. Es wurde von den britischen Marinegeschützen sehr bald zum Schweigen gebracht. — Aus Pietermaritzburg liegt eine Meldung von Dienstag vor, wonach Flüchtlinge vom Gloucester-Regiment, sowie eine Anzahl Maulesel mit einem Teile der Bergbatterie daselbst eingetroffen sind.
London, 2. November. Die Blätter stellen fest, daß die Engländer seit Beginn der Feindseligkeiten bis heute 2952 Tote, Verwundete und Gefangene zu verzeichnen haben.
London, 2. November. Aus Ladysmith sind bis jetzt keine weiteren Meldungen eingetroffen. Man hofft immer noch, daß General White bis zur Ankunft der Verstärkungstruppen sich werde halten können. Er werde jedenfalls den Versuch machen müssen, die Eisenbahnlinie nach Durban freizuhalten.
Loudon, 2. November. Große Detachements von Marinetruppen mit Artillerie sollen von den in Südafrika stationierten Schiffen zur Unterstützung des Generals White ausgeschifft werdeu.
London, 2. November. Die Blätter beklagen sich sehr über die Zensur, welche täglich noch strenger werde. Anfangs hätte man sich damit begnügt, die Nachrichten aus Südafrika wesentlich abzuändern, jetzt aber lasse man dieselben gar nicht mehr durch. „Daily Mail" giebt noch immer der Zuversicht Ausdruck, daß der endgiltige Sieg den Engländern gewiß sei. Die letzte Niederlage habe nur den Zeitpunkt des Sieges etwas hinausgeschoben.
Loudon, 2. November. Obgleich bis jetzt über die Taktik des Generals Buller in Südafrika nichts bekannt ist, wird trotzdem in Kreisen, welche mit dem Kriegs- ministerium in Verbindung stehen, versichert, daß Buller es damit bewendet sein lassen werde, dem General White größere Verstärkungen zuzusenden, um die Buren hi Respekt zu halten. An der Spitze der übrigen Truppen werde Buller dann sofort in westlicher Richtung gegen den Oranjefreistaat vorgehen. Nur von dieser Seite aus sei freies Gelände zum Vordringen vorhanden. Von Bloemfontein werde er alsdann nach Prätoria weitermarschieren.
London, 2. November. Aus Ladysmith wird von Dienstagnacht berichtet: Die Geschütze der Buren wurden im Laufe des Tages zweimal zuuc Schweigen gebracht. Die Truppenmacht der Buren bewegt sich südwärts offenbar zum Angriff auf die nach


