Ausgabe 
4.10.1899 Zweites Blatt
 
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Monatsbericht der chstein für den Monat aber 1899 befunben sich 7 verteilen sich: 1. Mch :n 3, Regierungsbezirk den 5, Provinz Rhein- :ovinz Branbenbnrg l, frechen 2, Königreich Arohherzogtum Baden 2, >erl)e: Arbeiter 11, Bar« r 1, Hutmacher 1, Kauf- Schneider 3, Schreiner 1, Kolonie zahlte im vep- lüe, 671 Arbeitstage, 54

Monat September f eigenen Wunsch *, «J* Der Kolonie wurden aus« L Bestand 28 Mann. Der hiesige Kneger- )iesjähriges letztes d re li» tt di-

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hieraus hervor, daß die Schweinezucht und -Mast in Grün- bcrg und Umgegend für einen rentablen landwirtschaftlichen Betriebszweig gehalten wird, und daß man bemüht ist, den­selben möglichst auszudehnen und zu fördern.

Meder-Ohmen, 2. Oktober. Auf derAllgemeinenAus- stellung für Haus und Küche, welche am 23. Sep­tember bis 1. Oktober l. I. zu Frankfurt a. Oder statt­fand, erhielt die Molkerei Genossenschaft Nieder-Ohmen für ausgestellte Bogelsberger-Süßrahm-Tafelbutter die silberne Medaille.

Q Vom nordwestlichen Vogelsberg, 2. Oktober. Trotz der regnerischen Witterung hat man nunmehr mit dem Aus­nehmen der Kartoffeln begonnen. Der Ertrag ist als eine Mittelernte zu bezeichnen. Bei der Nässe ist zu be­fürchten, daß die Knollen in dem Keller stark von der Fäul­nis befallen werden. Auf den Wiesen ist noch viel Grummet zu machen, und es wäre deshalb zu wünschen, daß bald beständiges, trockenes Herbstwetter eintreten würde. Gegen­wärtig ist man allerorts mit dem Abernten des Obstes beschäftigt. Da der Ertrag in den einzelnen Gemarkungen sehr verschieden ist, läßt sich der Preis nur schwer seststellen. Bei den Versteigerungen des Gemeindeobstes kam das ©immer Aepfel je nach Qualität auf 1 Mk. 20 Pfg. bis 2 Mk. 40 Pfg. zu stehen. Schüttelobst wird von den Händlern zu 5 bis 7 Mk. aufgekauft. Sehr gesucht sind heuer die Zwetschen, die sonst in der Regel hier sehr billig sind. Das ©immer kostet jetzt 2 Mk. 50 Pfg. bis 3 Mk. Reichen Ertrag liefern gegenwärtig die Brombeeren. Das Liter derselben wird mit 15 bis 20 Pfg. bezahlt.

Utphe, 1. Oktober. Der hiesige Gastwirt R., so­wie dessen Dienstmädchen wurden plötzlich verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis nach Gießen verbracht. Die Ursache soll Meineid, bezw. Verleitung hierzu sein.

Bad-Nauheim, 2. Oktober. Vom 22. bis 28. September sind 130 Badegäste angekommen, verabfolgt wurden an Bädern: 4203 bezahlte Bäder und 233 Freibäder. Die Zahl der vom 1. April bis 28. September angekommenen Badegäste beträgt 22 244, der verabfolgten Bäder: 287 530 bezahlte und 11 232 Freibäder.

A Seligenstadt, 1. Oktober. Der Rohstoffverein der hiesigen Schuhmacher, neben Darmstadt und Mainz das einzige derartige Genossenschafts-Institut im ganzen Großherzogtum Hessen, hatte in seinem letzten (25.) Geschäftsjahre 85077 Mk. in Einnahme und Ausgabe zu verzeichnen. Der Reingewinn in Waren betrug im Jubel­jahr 3946 Mk., wovon 3822 Mk. unter den 28 Mitgliedern zur Verteilung gelangen. Die Aktiven belaufen sich auf 57 800 Mk., die Passiven dagegen auf 53854 Mark. Die Generalversammlung des Vereins wird nächsten Sonntag imSchwan" dahier abgehalten.

Bingen, 2. Oktober. Die Dienstmagd des Medizinal­rates Dr. Mathias begleitete am Samstagabend eine Freundin nach dem Trajektboot. Sie ging mit auf das Schiff und achtete in ihrer Unterhaltung nicht auf das Abfahrtszeichen. Als sich das Schiff bereits in Be­wegung fetzte, versuchte das Mädchen noch, auf die Landungsbrücke zu springen; es sprang zu kurz, fiel in den Rhein und ertrank. Die Leiche konnte noch nicht gefunden werden.

Marburg, 1. Oktober. Da im letzten Jahre die Ein­lagen bei der hiesigen städtischen Sparkasse gegen das Vorjahr um 30000 Mk. zurückgegangen sind, so beschloß man in einer gestern abend eiligst einberufenen Stadtverordnetensitzung, von jetzt ab anstatt 3 3>/z Prozent Zinsen zu geben. Für Darlehen gegen Hypotheken gibt es jetzt 4 Prozent und für solche gegen Faustpfand 4i/, Prozent.

Kirchhasel, 2. Oktober. Auf dem hiesigen Kirchhofe wird das Grab der im Jahre 1866 gefallenen bayerischen Kürassiere auf Kosten des Regiments in würdiger Weife wieder hergestellt.

Aus der Rhön, 29. September. In Vacha wird eine Ringofenziegelei für eine Jahresproduktion von 7 Mill. Ziegelsteinen errichtet.___________________________________________

' Gerichtssaal.

DieHarmlosen" vor Gericht.

Berlin, 2. Oktober. -

An einem grauen Oktobermorgen begann heute im großen Saal zu Moabit die Gerichtsverhandlung, die während des Verlaufs dieser Woche für Berlin allem An­scheine nach alle anderen Sensationen in den Hintergrund drängen wird. Es war heute früh zwischen 8 und 9 im Potsdamer Viertel thatsächlich schwer, eine Droschke zu bekommen, da alle nach Moabit unterwegs waren, und um die Löwen-Schlangengruppe vor dem Kriminalgericht ging es viertelstundenlang wie ein ununterbrochener Korso; die Vorhalle, die Gänge wimmelten von Menschen, im Zimmer 32, wo die Kartenausgabe stattfand, war ein ununterbrochenes Kommen und Gehen, und die Diener hatten nicht Hände genug für alle die Visitenkarten, die an Herrn Landgerichts­direktor Denso ins Nichterzimmer hineingeschickt wurden. Die Thür zum Zuschauerraum mußte eine Belagerung aus­halten.Rufen Sie die Zeugen herein!" mit diesen Worten eröffnete der Vorsitzende die Verhandlung und ein end­loser Menschenstrom schien sich in den Mittelraum des großen Schwurgerichtssaales ergießen zu wollen. Welche Fülle der Typen, welche Mannigfaltigkeit der Erscheinungen! Das Ofsizierkorps eines ganzen Regiments scheint hier aufzumarschieren so viele graue Mäntel mit bunten Aufschlägen sind versammelt. Alle' Bevölkerungsklassen scheinen vertreten: Neben den frischen, schneidigen, offenen Offiziersgesichtern mit den durchgezogenen Schnurrbärten die korrekten Physiognomieen eleganter Regierungsasfefforen, die glattrasierten Gesichter von Oberkellnern und Kammer­dienern Studenten, Hotelwirte, Journalisten, alles bunt durcheinander. Das ewig Weibliche ist in der Minderheit,

aber auch in allen Nüaneen schillernd, von der bleichen, in tiefes Schwarz nach dem neuesten Schnitt gekleideten Lebe­dame bis zur behäbigen Zimmervermieterin und zum schüchternen Dienstmädchen. Der Vorsitzende verliest die Zeugenliste: Kaum ein großer und geschichtsberühmter Name des preußischen Adels fehlt darunter: Die Kanitz, die Eulenburg, die Puttkamer und zahlreiche andere sind durch mindestens einen Sprößling vertreten, und jeder fünfte oder sechste Zeuge führt den Grafen­titel , adlig ist die Mehrzahl. Ein sympathischer,

menschlicher Zug kommt von vornherein in die Ver­handlung; aber der Vorsitzende konstatiert, es sei über­flüssig, die Vorgesetzten des Angeklagten von Kayser zu ver­nehmen, da er selbst dessen wissenschaftliche Arbeiten gelesen und aus ihnen den besten Eindruck von seinem Fleiß, seinem echt wissenschaftlichen Streben gewonnen habe. Durch diese autoritative Aeußerung wird der ganzen Verhandlung von vornherein jeder Zug von Bitterkeit genommen. Eine lange Debatte entspinnt sich bezüglich der fortgebliebenen oder nicht aufzufindenden Zeugen, unter denen die geheimnisvolle Ge­stalt des Dr. Kornblum einen vielleicht entscheidenden Schatten über die Verhandlung wirft.

Während der langen Vordebatte hatte man genügend Zeit, sich die drei Angeklagten gut anzusehen. Der erste Eindruck ist bei allen Dreien der einer ziemlich grünen Jugendlichkeit. Am vollsten und männlichsten sieht v. Schacht- meyer mit feinem strammen, aufgedrehten Schnurrbart aus, er ist der nervöseste, zupft fortwährend am Bart, an der Kravatte, an den Fingern; v. Kayser, ein mittelgroßer, dürrer Jüngling mit kleinem Schnurrbart, sieht bleich und angegriffen aus; am meisten gewinnt vielleicht auf den ersten Anblick v. Kröcher mit seinem offenen, wenn auch ernsten Gesicht. Herr v. Kayser spricht über seine Spielabenteuer, als wären sie die natürlichste Sache von der Welt und die eigent­liche und bestimmungsgemäße Thätigkeit der Menschheit. Er erzählt von seinen Gewinnen, seinen Schulden, seinen Räuschen mit einer Naivetät, als verstände er nicht, wie sich irgend ein Mensch der Welt darüber wundern könnte, er erklärt es für selbstverständlich, daß in Spielklubs der Oberkellner der Geldleiher fei, sobald der Spieler in Verlust sitze. Er bringt alle diese Intimitäten, diese Geschichten von Kom­plicen, die, wenn sie gewinnen, auf Zahlung dringen, und wenn sie verlieren, nicht zum Zahlen zu bewegen sind, mit einer Selbstverständlichkeit vor, die ganz eigentümlich an­mutet. Seine Briefe lassen uns einen tiefen Blick in den Zustand eines Spielers thun, der auf einer ewigen Hetzjagd begriffen ist, um von feinen Schuldnern Geld aufzutreiben, um feine Gläubiger zu befriedigen, und der in der schmutzigsten Angelegenheit der Welt unablässig an Ehrenhaftigkeit, guten Willen und Treue und Glauben denkt.

Die Verhandlungen unter Vorsitz des Landgcrichtsdirektor Denso finden im großen Schwurgerichtssaale statt. Zutritt zum Zuhörerraum ist nur gegen besondere Einlaßkarten gestattet. Unter den zahlreichen Zeugen, die bei Ausruf der Sache in den Saal treten (es sind weit Über 100 Zeugen geladen), befinden sich viele Offiziere, die zumeist Kavallerie-Regimentern angehören. Die drei Angeklagten v. Kayser, v. Kröcher und v. Schachtmeyer werden aus der Untersuchungshaft vor­geführt. Ihnen stehen Dr. Schachtel, Iustizrat Dr. Sello, Dr. Schwindt und Pincus I. als Verteidiger zur Seite. Die Anklage wird durch den Ersten Staatsanwalt Dr. Jsenbiel und den Staatsanwalt Keller vertreten. Wie der Vorsitzende mitteilt, wird die Verhandlung mehrere Tage in Anspruch nehmen, doch ist noch nicht vorherzusehen, wie weit sie sich ausdehnen wird. Eine große Anzahl der vorgeladenen Zeugen meldet sich beim Ausruf nicht. Der Grund ihres Ausbleibens ist sehr verschieden. Der Zeuge Dr. phil. Kornblum istnicht auffindbar" gewesen, Zeuge Graf Münster ist auf ein Jahr nach Afrika beurlaubt, ein anderer Zeuge be­findet sichin Norwegen auf der Jagd", ein dritter in Amerika, mehrere haben Kranlheitsatteste eingeschickt. Die Schauspielerin Lona Kusfinger hat ihr Wegbleiben damit entschuldigt, daß sie bei Nichtwahrnehmung ihrer Berufspflichten eine Konventionalstrafe von 500 Mk. würde zahlen müssen. Sie erklärt sich bereit, sich in Hannover vernehmen zu lassen. Ein Zeuge, Prinz Thurn und Taxis, ist vorläufig abbestellt worden, d»r Verteidiger erklärt jedoch, bei allem Entgegenkommen, auf die Durch­laucht nicht verzichten zu können. Als Zeugen sind u. a. auch die Kriminalkommissare v. Manteuffel und Damm zur Stelle, ferner als Sachverständige der Bücherrevisor Reuter und der Taschenspieler Her­mann. Von der Verteidigung war noch ein Herr v. Oertzen vom Unionklub als Sachverständiger geladen worden, derselbe hat aber abge- lehnt, als Sachverständiger zu fungieren. R.-A. Dr. Schachtel giebt anheim, an seiner Stelle einen anderen Herrn zu laben, der weder Kriminalkommissar, noch Taschenspieler ist. Er glaube, daß die Mit­glieder des Unionklubs, die als solche ohne weiteres GenUemen seien, sich zur Abgabe eines Gutachtens besonders eigneten. Er beantrage, den Rittmeister o Arnim als Sachverständigen zu laben. Dies wirb beschlossen. Dr. Schachtel verweist barauf, daß die Verteidigung Wert darauf lege, daß ein Zeuge aus Frankfurt a. O. über die Arbeitsamkeit und den Leumund des Angeklagten v. Kayser vernommen werde. Der Vorsitzende erklärte, daß der Gerichtshof durchaus nicht bezweifle, daß der Angeklagte v. Kayser fleißig gearbeitet habe. Der Vorsitzende habe sich sogar die Mühe genommen, die schriftliche Prüfungsarbeit des Herrn v. Kayser dnrchznsehen und habe den Eindruck gewonnen, daß es sich um eine fleißige und wertvolle Arbeit handle. Rechtsanwalt Dr. Schachtel: Nachdem dies vom Gerichtshof anerkannt ist, erübrigt sich die Vorladung des Leumundszeugen; bisher waren Über Herrn v. Kayser andere Ansichten verbreitet worden.

Nachdem festgestellt worden, welche Zeugen fehlen und welche Schritte zu thun find, um die nicht erschienenen zur Stelle zu schaffen, werden fast sämtliche Zeugen für heute, einige sogar bis Freitag ent­lassen. Nachträglich meldet sich Vizekonsul Moos als Zeuge.

Vor Entlassung der Zeugen spricht der Vorsitzende die Zuversicht ans, daß sämtliche Zeugen bei Abgabe ihres Zeugnisses recht gewissenhaft verfahren werden. Sollte der eine oder der andere auch ein leidenschaft­licher Spieler sein und vielleicht das Gefühl haben, daß auch er etwas gewerbsmäßig gespielt hat, so sei er berechtigt, in letzterer Beziehung die Aussage zu verweigern.

Rechtsanwalt Dr. Schachtel giebt anheim, ob es nicht noch Mittel gebe, den Dr. phil. Kornblum als Zeugen herbeizuschaffen. Dr. Korn- blum sei die Seele der ganzen Belastung, er habe die Zeitungsartikel inspiriert, er habe Herr v. Manteuffel instruiert, und es würde für die Verteidigung eine wahre Freude fein, diesen Herrn per­sönlich zur Stelle zu haben, um von ihm zu hören, aus welchem Grunde er die Angeklagten für schuldig hält. Es wäre in­teressant, zu erfahren, welche Recherchen die Staatsanwaltschaft zur Er­mittelung des Dr. Kornblum angestellt hat Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel: Die Staatsanwaltschaft hat alle Mittel angewandt, die ihr zu Gebote stehen, um den Aufenthalt des Dr. Kornblum zu ermitteln, dies sei aber nicht möglich gewesen. Dr. Schachtel: D,e Verteidigung hat alle Veranlassung, anzuiiehmen, daß dieser Hauptbelastiingszeuge sich von dem Zeugnis drücken möchte, und sie hat lebhaftes Jntereffe daran, diesen Zeugen hier an Gerichtsstelle zu haben. Nach Zeitungsberichten soll er sich in Brüssel befinden. Oberstaatsanwalt Dr. Jsenbiel giebt anheim, die gerichtliche Aussage des Dr. Kornblum vorznlesen. Dr.

Schachtel widerspricht diesem Vorschläge ganz entschieden und behält sich weitere Anträge für später vor. Die Verteidigung wünsche um keinen Preis eine Vertagung. Iustizrat Dr. Sello: Bei dem erheblichen Interesse, welches die Verteidigung an der Vernehmung des Herrn Dr. Arthur Somblum hat, erbittet sie Auskunft, welche Schritte zur Er­mittelung dieses verschwundenen Zeugen gethan sind. Ans den Akten wird festgestellt, daß die verschiedensten Schritte vergeblich gethan sind; Dr. Kornblum istzu einer Reise nach Italien" abgemeldet. Rechts- anw. Dr. Schachtel macht darauf aufmerksam, daß das Zeugnis des Dr. Kvrnblum nicht werde verlesen werden können..- Er habe dies Zeugnis seiner Zeit nicht als Zeuge, sondern noch als Angeklagter abgegeben. Das Verfahren gegen ihn sei erst später eingestellt worden. Ober­staatsanwalt: Nach der Rechtsprechung sei dies ganz gleichgiltig.

Nachdem beschlossen worden, den Versuch zu machen, einige sehr wichtige Zeugen durch Depeschen nach Italien, Montreux rc. hcrbeizn- holen, wird in die materielle Verhandlung eingetreten. Der Anklage­beschluß sowohl als auch der Beschluß, durch welchen die Eröffnung des Verfahrens wegen Betruges abgelehnt wird, wird verlesen. Das Kammer­gericht hat die hiergegen eingelegte Beschwerde der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen, da die Strafkammer selbst zu prüfen haben werde, ob in einheitlichem Zusammenhänge mit dem gewerbsmäßigen Glücks­spiel etwa auch Betrug vorliege. Der Vorsitzende erklärt daher, daß der Gerichtshof nun also in der Lage sei, zu erwägen, ob neben dem 'Vcr- gehen des gewerbsmäßigen Glückspiels in Jdealkonkurrenz noch Betrug vorliege. Das sei gegenüber irrtümlichen Auffassungen in Preßorganen hervorzuheben. Der Vorsitzende macht daher die Angeklagten mit dem Inhalte des § 263 St.-G.-B. bekannt.

Bei der hierauf folgenden Vernehmung erklärt der Angekl. von Kayser: Er sei der Sohn des verstorbenen Oberst z. D. Edwin von Kayser, seine Mutter sei mit dem Oberlandforstmeister Ministerialdirektor Donner eine zweite Ehe eingegangen. Ain Tage nach seiner Ver­haftung sei er durch Verfügung des Bezirkskommandos zur Garde- Landwehr-Cavallerie übergeführt worden. Zwei jüngere Brüder seien Offiziere, der eine sei sehr reich verheiratet. Seine Mutter habe in den letzten Jahren etwa 70 000 Mk. für ihn bezahlt, darunter befanden sich im Jahre 1894 17 000 Mk. Spielschulden, dann sei ihm, als er als Referendar in Berlin in das große Leben eintrat, ein Kapital von 12 000 Mk. überwiesen, durch Vermittelung seiner Mutter sei ihm ein Legat von 4000 Mk. überwiesen worden außerdem habe er durch seine Brüder und andere Personen Darlehen erhalten. Seine Mutter sei jederzeit in der Lage und bereit gewesen, Schulden in bedeutender Höhe zu bezahlen. Er habe im Jahre 1895 große Spielverlitste gehabt, die teilweise auch darauf zurückzuführen seien, daß er einmal in großer Trunkenheit sich auf Spiele eingelassen habe, in die er in nüchternem Zustande nicht hineingegangen wäre. Er sei im Winter 1894/95 nach anfänglichen Verlusten im Glücke gewesen, so daß er über 30 000 Mk. besessen habe, die aber im nächsten Winter wieder verloren gegangen seien. Schon im Oktober 1896 habe er seiner Mutter einen großen Posten Spielschulden beichten müssen. Jetzt habe er 14 000 Mk. Spiel­schulden, dagegen stehen ihm etwa 15 300 Mk. von anderen Herren zu. Auf Befragen des Vorsitzenden gibt der Angeklagte zu, den Oberkellner Kotz manchmal an Spielabenden angeborgt zu haben. Der Angeklagte meint, daß dies mit feiner Behauptung, zur Regulierung seiner Spiel­schulden fähig gewesen zu fein, nicht im Widerspruch stehe. Auch cm Bleichröder würde, wenn ihm während des Spieles einmal das Geld ausginge, auch Geld sich borgen, da er des Nachts doch nicht auf die Bank gehen könne. Vors.: Sie haben aber doch manchmal recht be­denkliche Aeußerungen gethan, die mit Ihren jetzigen Angaben in Wider- spruch stehen. So haben Sie dem Leutnant von Neymann gesagt: Sie sind Offizier, Sie bekommen nichts, ich bin zudem gänzlich mittellos. Angekl.: Ich bestreite das. Vors.: Herr von Neymann hat aber diese Aeußerung beschworen. Angekl. v. Kayser: Wenn ich etwas Derartiges gesagt habe, kann es nur in der Trunkenheit geschehen fein. Ich habe auch schließlich Herrn von Neymann einen Teil meiner Schulden abge­zahlt, er hat also dadurch den besten Gegenbeweis von meiner Ver­mögenslage bekommen.

(Fortsetzung folgt).

Kirche und Schule.

Koburg, 30. September. Die Einführung des Steno- graphieiinterrichts in den Schulen macht stete Fortschritte. Mit Beginn des kommenden Winterhalbjahres wird auch unser Herzogtum Koburg den stenographischen Unterricht als wahlfreien Lehrgegenstand einführen und zwar zunächst an der Oberrealschule in Koburg. Der Landtag hat die dazu erforderlichen Mittel auf Antrag der Regierung vor wenigen Wochen bewilligt. Die Auswahl des Systems hatte der­selbe der Regierung anheimgestellt. Es ist nunmehr das System Gabels­berger gewählt worden, welches bereits in Bayern, Sachsen, Weimar, Oldenburg und Gotha, und ebenso auch in Oesterreich, unter Ausschluß aller anderen Systeme staatlicherseits in den Schulen eingeführt ist.

Landwirtschaft.

H. Aus dem Horloffthal, 2. Oktober. Mt den Obfipreisen ging es in her abgelaufenen Woche etwas auf und nieder und es hatte fast den Anschein, als wenn hier ein bischenMache" dabei wäre. Bald sprach man von 7 Mk., bann von 8 und 8L, Mk. für Schüttelobst, worauf ein rascher Rückfall auf sogar 6 Alk. gemeldet wurde, weil starke Zufuhren nach Frankfurt erfolgten. Heute spricht man allgemein von 8 Mk., womit wohl das richtige getroffen sein dürfte. Diejenigen Hitzköpfe, welche bereits vor vier Wochen Kartoffeln 'ausmachten, schauen jetzt schon nach ihren Vorräten, denn damals war die Hitze noch sehr groß und man bringt die Kartoffeln nicht gerne heiß in die Keller. Die Knollen hatten aber auch dazumal noch keine rechte Schale, weil sie noch nicht genügend reif waren, wodurch die Kartoffeln unhaltbar werden. Das Regenwetter hat aber bis jetzt fast keinen Schaden gethan und die Knollen konnten ausreifen. Blinder Eifer schadet nur!

Die Wirkung der Kräuter!

Was packst Du denn da für ein Packetchen in Deinen Koffer, liebe Bertha?"Das ist mein Zaubertränklein, nicht allein aus Reisen, sondern auch im täglichen Gebrauch. Es ist mein steter treuer Begleiter und hat mir schon unzählige Dienste geleistet, liebe Anna."So, so, das klingt ja ganz märchenhaft, darf man denn wissen, was für ein Marschall Dein steter Begleiter ist?"Von Herzen gern. Du weißt, baß ich leicht an Lungenspitzen-Affektionen leibe. Im vorigen Sommer litt ich besonders schwer baran, unb selbst Lippspringe schien mir keine Linberung verschaffen zu wollen. Beinahe am Schluß meiner Kur wurde ich dort mit einer Leidensgenossin bekannt, die mir als Mittel gegen diese heimtückische Krankheit Kräuter-Thee anriet. Sie selber hatte von demselben gebraucht unb lobte ihn über alle Maßen. Ich selber muß bekennen, baß mir gleich nach ben ersten Tassen, die die liebenswürbige Dame für mich mit bereitete, besser würbe. Ich trinke seitdem jeden Morgen ein Täßchen von diesem Kräuter-Thee, der aus dem russischen Kraut-Knöterich (Poligon) gewonnen wird. Dies seltene Kraut gedeiht nur in einzelnen Ländereien Rußlands, wo es ungefähr einen Meter hoch wird. Aber nicht allein für mich wende ich diesen Thee an, sondern auch mein Mann, der oft an Heiserkeit und Husten leidet, trinkt ihn gern, weil er stets hilft. Meinem Jungen, der recht oft an Bronchialkatarrh leidet, thut er stets Wunder. Kurz unb gut, ber Thee ist von unbezahlbarem Wert. Ich weiß nicht, ob er in Spezialgeschäften zu beziehen ist. Echt bezieht man ihn von Ernst Weibemann, Liebenburg a. H. Viele ärztliche Aeußerungen unb Empfehlungen, sowie bie mannigfaltigsten Atteste beweisen hmreichenb bie vorzügliche Güte bieses Getränks, benn ber Thee hilft nicht nur bei den oben erwähnten Leiden, sondern heilt auch noch Asthma, Kehlkopfleiden, Atemnot, Brustbeklemmung, Blut­husten usw. Ein Universalmittel gegen alle Erkrankungen der Luftwege. Frau Dr. K. in R.