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4.10.1899 Erstes Blatt
 
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grauem, weichen Filzhut. Die Ehrlichkeit eenes B e r l i n e r D r o s ch k e n k u t s ch e r s wurde vor einigen Tagen reich belohnt. Der biedere Rosselenker hatte von einem fremden Fahrgast zwei Zwanzigmarkstücke an Stelle von zwei Mark erhalten, und lieferte das Geld am nächsten Tage im Hotel, zu dem er seinen Passagier gefahren hatte, ab. Erstaunt über diese Ehrlichkeit, erkundigte sich der Fremde nach den Verhältnissen des Kutschers. Dieser klagte über schlechten Geschäftsgang, erzählte treuherzig von seiner Sehn­sucht, sich ein eigenes Pferd und einen Wagen zu kaufen, und war nicht toehig erstaunt, als der fremde Herr ihm am Schluß der Unterredung einen Check über 1400 Mk. so viel sollten Wagen und Pferd kosten unter freundlichen Worten überreichte. Der Polizeiberi ch t von Sams­tag und Sonntag meldet siebenSelb st morde und zwei Selbstmordversuche. -

* Breslau, 2. Oktober. Gestern abend warben hier, wie wir gestern meldeten, zwei Personen mit Namen Christoph Hein und Friedrich Wüsthof verhaftet; das Gerücht, sie seien die Mörder des Berliner Bildhauers Valentini, wird vom hiesigen Polizeipräsidium als unrichtig bezeichnet. Es handle sich vielmehr um zwei Hochstapler, welche in Haynau gesehen und hier ver­haftet wurden. Sie suchten unter der Angabe, Mitglieder einer verkrachten Sängergesellschaft zu fein, in Musiker- greisen Geld zu erlangen.

» Köln, 2. Oktober. Bei dem Hauseinsturz sind nach dem Befunde der Aerzte die Arbeiter im Mittags­schlafe vom Unglück erreicht worden. Der Tod trat ein infolge von Schädelbrüchen, schwerer innerer Ver­letzungen oder durch Erstickung. Schwer belastend für den leitenden Architekten ist die Aussage des Schacht­meisters, der dem Architekten gegenüber sich anfänglich ge- . weigert hatte, die schweren eisernen Pfeiler im Keller zu errichten, weil der an der Baustelle vorhandene Pf uff- Sand als Unterlage nicht sicher genug erschien. Trotzdem wurde der 23% Meter hohe Bau aufgesührt. Die Blätter verlangen eine umfassende Neuordnung der Baupolizei, nach­dem in 1% Jahren bereits drei Neubauten eingestürzt sind und zahlreiche Menschenleben vernichtet wurden.

* Weimar, 2. Oktober. Die hier verbreitete, auch von uns gestern registrierte Nachricht von dem Selbstmord des Oldislebener Raubmörders Hofsmann scheint nicht richtig zu fein, an zuständiger Stelle ist davon noch nichts bekannt.

* Eisenach, 1. Oktober. In Anwesenheit des Groß­herzogs, des Erbgroßherzogs und des Prinzen Bernhard Heinrich wurde heute das mit einem Kostenaufwand von 360000 Mk. erbaute Sophienbad feierlich eingeweiht. Die Weiherede hielt Medizinalrat Dr. Wedemann. Nach derselben sprach der Großherzog das Wort dem großen zeit­gemäßen Unternehmen, dessen sich in gleicher Vollendung nur wenige Städte Deutschlands und des Auslandes von der Größe Eisenachs rühmen können, seine Glückwünsche aus.

* Einfiedel, 2. Oktober. Ein gräßlicher Unglücks­fall ereignete sich in der sächsischen Korkstein- und Jsolier- mi'ielsabrik. Ein 17 jähriger Arbeiter aus Eibenberg kam beim Einrücken einer Maschine mit dem Kopfe zwischen die Riemenscheibe und den Riemen, sodaß ihm der Kopf zer­quetscht wurde und der Tod sofort eintrat.

* Lemberg. 2. Oktober. Nach Blättermeldungen sind in Lubaezow 360 Gebäude abgebrannt. Darunter

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Gietzen, 3. Oktober. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Bulter per Pfd. X ?-9^7o o per St. 7-8 H, 2 St. 14-15 H, Enteneier 1 St. 0-0^, ®än^ cier per St. 6-00 H, Käse 2 St. 5-8 Kasematte 2 St. 5-6 H, Erbsen per Liter 19 Linsen per Liter 80 -J, Tauben per Paar X o.7O0.80, Hühner per St. X 1.001.20, Hahnen per Stück X 0.600.90, Enten per St. X 1.802.00, Ganse PA. Aund X 0.000.00, Ochsenfleisch per Pfd. 68-74 § Kuh-und Rindfleisch per Pfd. 62-64 H, Schweinefleisch per Pfd. 66-74 ^, Schweine, fleisch, gesalzen, per Pfd. 78 Kalbfleisch p^ Md- 60-66 Hammelfleisch ver Pfd. 50-70 H, Kartoffeln per 100 Kiw 4M> bis 5.50 X, Weißkraut per St. 0000, Zwiebeln ver ®tt. X 5.506.50, Milch per Liter 16 H, Zwetschen per Ctr. 6,50-7,00.

Dauer der Marktzeit von 8 Uhr morgens biS 2 Uhr nach­mittags. Während der ersten 3 Stunden der Diarktzeu darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden.___________

befinden sich Rathaus, Kirche und die Schule«. Der an­gerichtete Schaden soll nahezu eine Million Gulden betragen.

Für die vom Hochwasser Beschädigten gingen weiter bei uns ein: Von L. S. 5 X L. in G. 10 X, Unaenennt 5 X, E. T. 2 X, K. K. 0.20 X. E. B. 3 X. ©tamov- fiärte im Aqua.tum 10 X. Frl B 3 X. A. SW 3 X. St-wmtttck «lau-Weiß-Rot im Einhorn 6 56 Summa 47.76 X Insgesamt 509*56 X

Weitere Gaben nimmt gerne entgegen

Die Expedition des »Gießener Anzeiger".

Neueste Meldungen.

2)epcfd:en des BureauHerold"

Berlin, 3. Oktober. Das Kaiserpaar trifft am Donnerstag Mittag von Rominten aus in Elbing zum Be­such Kadineus ein. Von dort erfolgt die Rückfahrt Freitag vormittag 10 Uhr nach Elbing.

Hamburg. 3. Oktober. Als der gestern abend von Norden kommende Zug mit Rekruten in den Klosterthor­bahnhof eingelaufen war, stiegen viele Rekruten gegen den Befehl des kommandierenden Offiziers aus und blieben auf dem ersten Geleise stehen. Gleich darauf lief em Zug von Blankenese ein und fuhr in die Menge hinein. 3 Rekruten wurden getötet, etwa 30 erlitten zum Teil, schwere Verletzungen.

Wien, 3. Oktober. Der Kaiser hat gestern die De­mission des Kabinetts Thun angenommen und die Minister­liste des Grafen Clary genehmigt

Prag, 3. Oktober. Das Exekutiv-Komitee der Jung­tschechen beschloß in einer gestern stattgehabten-Bersamm- lung die sofortige Einberufung des Landtages, der Neichs- rats-Abgeordneten und der Vertrauensmänner behufs be­stimmter Anträge auf Durchführung entschiedenster Opposition gegen die neue Negierung. Die Prager Stadtvertretung beschloß eine bombastische Re­solution gegen die Aufhebung der Sprachen- Verordnungen.

Paris, 3. Oktober. Der Besitzer der Werke von Creuzot, Schneider, scheint allem Drängen des Präfekten zu einiger Nachgiebigkeit zu widerstehen. Falls derselbe bei seiner schroffen Haltung verharrt, scheinen Ausschrei­tungen unvermeidlich.

Loudon, 3. Oktober.Daily Telegraph" meldet aus New-Jork: 6000 Mitglieder der holländischen Gesellschaft im Staate Jersey erklärten sich bereit, der Transvaal- Regierung Unterstützung zu senden und sich als Freiwillige an zu bieten.

Re« York, 3. Oktober. Admiral Dewey ist gestern nach Washington abgereist. Eine ungeheure Menschenmenge jatte sich am Bahnhofe eingefunden und,brachte dem,,Helden(!) von Manilla" begeisterte Ovationen dar.

Der Transvaalkrieg.

Madrid, 3. Oktober. Die englische Regierung hat zahlreiche Maultiere in den nördlichen Provinzen zur Verschickung nach Südafrika angekauft.

Loudon, 3. Oktober. Aus sicherer Quelle verlautet, daß die Buren in Natal eingedrungen und die Hauptplätze besetzt haben. Auch währenddes ganzen gestrigen Tages ist kein einziges Telegramm aus Transvaal an die englische Regierung einge­laufen. Man schließt daraus, daß die Transvaal- Regierung alle Verbindungsleitungen abge» schnitten hat.

Paris, 3. Oktober. In diplomatischen Kreisen ver­lautet, daß zwischen den Kanzleien Rußlands,Deutsch­lands und Frankreichs augenblicklich Unterhand- lungen über den südafrikanischen Krieg im Gange sind. Sobald die Feindseligkeiten begonnen und die Buren ihren ersten Sieg errungen haben, werden die Mächte Eng­land ihre Vermittelung aufdrängen.

Loudon, 3. Oktober.Daily Mail" meldet aus Kap­stadt, daß der Beginn der Feindseligkeiten für nächsten Freitag erwartet wird. Dagegen berichtet ein Telegramm des Bureau Dalziel, daß die Buren die Feindseligkeiten an der Grenze bereits be­gonnen hätten. Englische Truppen, welche an der Grenze von Natal ausgestellt waren, sollen in das Innere Natals zurückgedrängt worden sein. Die Engländer haben augen­blicklich nur 4500 Mann an der Grenze und erwarten Ver­stärkung von feiten des Generals White. Derselbe befindet sich an der Spitze von 8000 Mann. Bis dahin werden sich die Engländer defensiv verhalten.

Loudon, 3. Oktober. Heute ist wider Erwarten fern Ministerrat, auch ist keiner für diese Woche in Aussicht ge­nommen. Es verlautet, falls nicht die Buren die Feind­seligkeiten beginnen, (schlauerweise haben sie sie schon be­gonnen. D.Red.) werde von englischer Seite kein entscheidender Schritt erfolgen, bis eine genügend starke Truppenmacht an der Grenze von Natal versammelt sein werde. Das sei aber erst Mitte Oktober möglich.

Loudon, 3. Oktober.Pall Mall Gazette" veröffent­licht aus Johannesburg folgende pessimistische Meldung: Die Buren haben alles vorbereitet, um die nach Nhodesia führende Eisenbahn zu zerstören. Die Lage der eng­lischen Truppen ist sehr kritisch. Thatsächlich be­steht eine mangelhafte Organisation. Wenn nicht bald Ver­stärkung eintrifft, ist eine Niederlage unvermeidlich. In dem Telegramm wird noch hinzugefügt, daß m der ganzen Kap -Kolonie offenkundig Verrat ge­trieben wird.

Brüffel, 3. Oktober. Die beiden auf der hiesigen Universität studierenden Neffen des Präsi­denten Krüger wurden telegraphisch nach Prätoria berufen, um an dem Feldzuge gegen England teilzunehmen. Hunderte von Stu­denten gaben ihnen das Geleit. Im Volkshause sand ein großes Protestmeeting gegen den Krieg mit Trans­vaal statt.

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Submission.

Für die Großh. neuen Kliniken in Gießen soll die Lieferung nach­benannter Produkte auf dem öffent­lichen Submissionrwege vergeben werden und zwar:

20 Ctr. Aepfel, 600 gute Speisekartoffeln

(500 Ctr. magnum bonum, 100 Ctr. feine gelbe), 15 Mäuschenkartoffeln, 10 untererdige Kohlrabi, 2 obererdige Kohlrabi, 10 Zwiebeln, 2 rote Rüben, 2 Merrettig, 10 gelbe Rüben, 35 Weißkraut,

150 Stück Rotkraut,

400 N Wirsing,

200 Lauch, 8- 0 Sellerie.

Die Lieferungsbedingungen und der Mimsterialerlaß vom 16. Juni 1893 können auf dem Verwaltungs- bi'.reau der neuen Kliniken an den Wochentagen nachmittags von 3 bis 5 Uhr eingefeheu werden.

Offerten unter Beischluß von Diusterproben sind verschlossen, mit entsprechender Aufschrift versehen, bis zum Dienstag den 17. Ok­tober 1899, mittags 12 Uhr, aus dem oben erwähnten Bureau einzureichen.

Zuschlag erfolgt am 25. Oktober 1899. 7092

Gießen, den 1. Oktober 1899.

Großh. Verwaltungsdirektion der neuen Kliniken.

In der Generalversammlung vom 24. l. Mts. wurde an Stelle von Georg Äonrab Walther zu Langd Louis Henk daselbst zum Mitglied des Vorstandes der Spar- «nd Darlehnskaffe eingetragene Geuossenschast mit unbe­schränkter Haftpfticht zu Langd gewühlt. Eintrag in das Genoffcn- schaftsreg'ster ist erfolgt.

Hungen, am 28. Sept. 1899.

_______Großh. Amtsgericht. 7091 Dillenburg. | Montag den 9. Oktoberr

Vieh- und Krammarkt.

WtWMWil,

AepkrimstcherNg.

Freitag den 6. Oktober, von vormittags 10 Uhr an, sollen die Gemeiudeäpsel an Ort und Stelle versteigert werden. Der An­fang ift bei der Walkmühle an der Kreisstraße LauterWetterfeld.

Lauter, am 2. Oktober 1899.

Großh. Bürgermeisterei Lauter.

Feldmann. 7086

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