1899
Sonntag den 3. December
M. 285 Fünftes Blatt
Melmer Anzeiger
Heneral-Anzeiger
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Aus dem Reichstage.
(Nachdruck verboten.)
nh. Berlin, 1. Dezember 1899.
Eine wunderliche Sitzung war das heu'e! Inhaltlich war sie aLnzlicd unfruchtbar, denn die Debatten galten nicht einem ernstm besetz'Svo'schlag, sondern einer bloßen Demonstration. Dafür kamen aber d e Tridünenbesucher, die sich sehr zahlreich eingestellt hatten, desto mehr auf ih-e Kosten. Eine Art Galgenhumor h rlschle aus allen Setten vor, und er trieb so kräftige Blüten, daß von Zeit zu Zett wahre Orkane von Gelächter das ganze HauS bis zu den fernsten Trtbünenplätz n hinauf du chtobten. c _
Obwohl die heuttze Sitzung noch unter der Firma der Ge- werbeoldnungsnovelle segelte, war sie doch nicht mehr und nicht weniger als ein Epilog zu der verunglückten Zuchlhausvorlage, und daß es ein vorwiegend lustiger Epilog wurde, dazu wurde von allen Seiten teils freiwillig, und teils unfreiwillig beigetragen.
Die sog. Zuchthausvorlage wollte bekanntlich die Bestimmungen über das K»a titonsrecht, die in den SS 152 und 153 der Gewerbeordnung niedergelegt sind, in schärferem Sinne abändern. Nachdem die Merrheil diesen Versuch in etwas rücksichtsloser Form zurückge- wtesen hat, haben die Sozialdemokraten eS für nötig befunden, der Welt zu zeigen, wie die betr. Bestimmungen nach ihrem Geschmack lauten müßten und haben nun ihre ursprünglich altz selbständigen Initiativantrag gedachten Vorschläge als Amendement zur Gewerbenovklle eingedracht, um die schleunige Bera'ung derselben zu erzwingen. Dem Kitzel, die gute Gelegenheit, die ihnen das zufällige Vorliegen dieser Novelle gab, auszunutzen, konnten sie nicht widerstehen. Unnötig zu sagen, daß diese Vorschläge die weitestgehende Koalitionsfreiheit gesichert wissen wollen, und zwar nicht nur für die Industriearbeiter, sondern auch für die der Landwirtschaft und selbst für die Reichs-, Staats- und Kommunalbcamtm; daneben sollte weitestgehende Vereins- und VersammmlungSfreiheit für wirtschaftliche Zwecke gewährt werben. Kurz gesagt, die Sozialdemokraten wollten, wie Abgeordneter Heine, der die Anträge begründete, sagte, der Regierung und den anderen Parteien einmal zeigen, wie das Koalitionsrecht wirklich aussehen müßte, wenn es den Arbeitern etwas nützen sollte. Herr Heine hielt in feiner ruhigen und sachlichen Weise eine lange und wohlgesetzte Rede, die aber natürlich ganz in den Wind gesprochen war. Dm sozialdemokratischen Demonstrations-Anträgen konnten die der Mehrheit angehörigm bürgerlichen Parteien natülich kein anständigeres Begräbnis angedeihen lassen, als der Regi^ rungSvorlage vor wenigen Tagen. Und so beschränkten sich denn auch die Herren Dr. Lieber (Centr.), Bassermann (nl), Dr. Pach- nicke (frs. Vgg.) und Fischbeck (fr. Vp.) auf kurze Erklärungen, in denen sie ein sachliches Eingehen auf die sozialdemokratrschen Anträge ablehnten, da sie auf Zustimmung im Bundesrat keinesfalls zu rechnen Hütten und bei ihrer etwaigen Annahme die ganze Novelle würde als gescheitert betrachtet werden müssen. Uebrigens war nachher Bebel objektiv genug, diese Stellungnahme als vom Standpunkt der Parteien aus geboten, anzuerkennen.
Die Parteien der Rechten konnten sich zu dteser Zurückhaltung nicht für verpflichtet erachten. Und ihre Redner beobachteten sie auch nicht. Abg. v. Tiedemann (Rp. bezeichnete die Antrüge als eine übermütige Demonstration, als ein Zeichen des Triumphs und machte den bürgerlichen Parteien der Mehrheit bittere Vorwürfe über ihre Haltung gegenüber der Zuchthausvorlage, bei der sie den Sozialdemokraten Heerfolge geleistet hätten. Diese Aeußerung provozierte.eine scharfe Erwiderung seitens des Abg. Dr. Lieber (C.), der sogar so wett ging, daß er sich eine Rüge des Präsidenten zuzog. Dr. Lieber bezetchnete das sog. Zuchthausgesetz von neuem als ein durchaus ungeeignetes Mittel zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, da es die Rechte der gesamten Arbeiterklasse zu beschränken versucht habe; und bei der weiteren erregten Auseinandersetzung sprang Herr Abg. Frhr. Heyl zu Herrnsheim energisch bei, indem er die schnelle und gründliche Beseitigung der Zuchthausvorlage als gerade im Interesse der Sozialistenbekämpfung liegend ^^einen besonders glücklichen Tag hatte heute der Vorführer der äußersten Rechten, Graf Klinkowström. Er improvtsierte einen sozialdemokratischen Leitartikel nach Ablehnung der Anträge, und das mit einem solchen Geschick, daß die Heiterkeitsausbrüche das ganze Haus erschütterten. Zuerst riefen die Sozialdemokraten em paar Mal mit dem Brustton der Ueberzeugung: Sehr richtig I Dann aber schickten auch sie ihre Würde zum Teufel und stimmten in die allgemeine Heiterkeit mit ein. Es war das eine der lustigsten Viertelstunden, die der Reichstag in seiner Geschichte aufzuweisen hat. Auch die Antwort Bebels war auf einen lustigen Ton gestimmt, und er verstand es, dabei einige wohlge- lielte und auch gut sitzende Hiebe auszuteilen. Freilich kostete ihn das zwei Ordnungsrufe.
Zum Schluß gab noch wider Erwarten der mecklenburgische Gesandte v. Oertzen Anlaß zu einigen recht intereffanten Szenen, die freilich bei der herrschenden Stimmung ganz verulkt wurden. Er erklärte nümlich unumwunden aus einige Angriffe der äußersten Linken in Bezug auf die Handhabung des Vereins- und Versammlungsrechts m Mecklenburg, daß die Regierung prinzipiell keine sozialdemokratischen Vereine »der Versammlungen gestatte. Das nahmen nach einander Dr. Pachnicke (frs Vg), Büsing, der Führer des zuchthausgesetzfreundlichen Flügels der Nationalliberalen, und Dr. Lieber (Ztr) zum Anlaß ihre Mißbillig- auszusprechen und gleiches Recht für alle zu fordern, am besten durch ein Reichsvereinsgesetz. - Die Anträge werden glatt abgelehnt.
Uermischtes.
• Duisburg, 1. Dezember. Eingebrochen wurde in »ergangener nacht in das Uhren- und Goldwaren- -eschäft Meyer. Von einem Schaufenster wurden die Jalousien aufgebrochen und alsdann in die beiden unteren Ecken der Scheibe Löcher geschnitten, durch welche die Diebe sich fast der ganzen Auslage bemächtigten. Einige wertvolle Gegenstände wurden heute früh nebst einer Anzahl Schachteln «uf der Straße zerstreut aufgesunden. Meyer wurden über
100 goldene Uhren, eine große Anzahl silberne Uhren, goldene Ketten, Ringe, Brillanten usw. gestohlen; er gibt seinen Gesamtverlust auf 30—35000 Mark an. Der Bestohlene ist übrigens gegen Diebstahl versichert und so zum größten Teil gedeckt.
* Köln, 1. Dezember. Die Präkonisierung des neu gewählten Erzbischofs von Köln erfolgt nach der „Köln. Volksztg." im nächsten Konsistorium in Rom am 11. Dezember.
* Schwelm, 1. Dezember. Der Remscheider Personenzug stieß bei Recklinghausen auf einen Güterzug. Die Zahl der Verunglückten ist nicht bekannt.
* Hildeshe'm, 1. Dezember. Hier starb heute General der Infanterie z. D. Freiherr v. Roes sing.
• Braunschweig, 1. Dezember. Der General- und Stadtsuperintendent Pastor Bertram, ein bekannter Botaniker, ist gestorben.
* Weimar, 1. Dezember. Der Großherzog hat dem Vernehmen nach das Todesurteil gegen den Raubmörder Hoffmann aus Oldisleben unterzeichnet.
* tzislebeu, 1. Dezember. Der vor wenigen Tagen in Halle verstorbene Justizrat Niemand, Sohn des früheren Deputierten der Mannsfelder kupferschieferbauenden Gewerkschaft, vermachte zwei Millionen Mark zu Wohlfahrtseinrichtungen für die Bergleute dieser Gewerkschaft. Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit erwies eine Abordnung von 90 Bergleuten dem Verstorbenen bei seinem Begräbnis in Berlin bergmännische Ehren.
» Arnstadt, 1. Dezember. Beider Neuverpachtung der hiesigen Bahnhofswirtschaft betrug das Höchstgebot 7000 Mark Jahrespacht. Die bisherige Pächterin bezahlte 1500 Mark.
• Erfurt, 1. Dezember. Daß Dienstmädchen ihren Wortbruch unter Umständen theuer bezahlen müssen, beweist folgender Fall: Die Dienstmagd Klara Linse aus Hochstedt, welche sich an eine Herrschaft vermietete, Mietgeld genommen, aber den Dienst nicht angetreten hatte, wurde von der hiesigen Strafkammer wegen Betrugs in strafschärfendem Rückfalle zu einem Jahre Gefängnis verurteilt.
* München, 1. Dezember. Nach dem „Münch. Boten" haben die Gemeindebevollmächtigten heute in geheimer Sitzung das Gehalt des ersten Bürgermeisters jährlich um 5000 Mk., des zweiten Bürgermeisters um 3000 Mk., der Rechtsräte und technischen Mitglieder des Magistrats um je 1000 Mk. erhöht. Es sind das gewissermaßen Teuerungszulagen. Der erste Bürgermeister hat nun 21,000 Mk. Vor einigen Wochen haben sämtliche magistratische Beamte einen beträchtl chen Wohnungsgeldzuschuß erhalten. Gestern hat der Magistrat die Löhne der städtischen Arbeiter um 2 Pfg. per Stunde aufge- beffert. Diese Aufbesserung beziffert sich jährlich auf 118,000 Mk.
" Würzburg, 1. Dezember. Der 24jährige Pharmazeut Walter Zschoke aus Dresden erschoß sich. Das Motiv der Thal war Mittellosigkeit.
* Bern, 1. Dezember. In Zürich wurde der Franzose Bernard, welcher am 10. Juli mit mehreren Gehilfen 120,000 Fr. gestohlen, verhaftet.
* Brüssel, 1. Dezember. Auf einem Bahnübergänge bei Berchem wurden gestern morgen zwei Bäuerinnen, die mit Milchkarren zur Stadt wollten, von einem Zuge zermalmt. Das Unglück ereignete sich gegen 5*/a Uhr bei dichtem Nebel.
» Antwerpen, 1. Dezember. Bonden beiden „naturalisierten Amerikanern", die es sich hier als Burenfreunde fast einen Monat gut sein ließen, werden immer weitere Schwindeleien bekannt. Der eine von ihnen, „Ingenieur" V., hatte sofort nach seiner Ankunft in Antwerpen sich mit einem hiesigen Metzgermeister P. in Ver> bindung gesetzt und diesem vorgeschwindelt, er sei von Dr. Leyds in Brüssel mit dem Ankauf von Kriegsbedarf und der Werbung von Freiwilligen für Transvaal betraut. Als Beweis zeigte er ein jetzt in den Händen der Polizei befindliches Schreiben mit der gefälschten Unterschrift „Lyde" vor. Die Eheleute P. erwiesen ihrem Gast alle Ehren, kauften ihm in Erwartung der großartigen Geldsendungen, was er wollte, gingen jeden abend mit ihm zum Theater und verlobten ihn schließlich mit ihrer Tochter. Bei der Verlobung wurde ihnen auch der zweite Schwindler R. — derselbe ist 35 Jahre alt und aus Greenock (Schottland) — vorgestellt, und zwar als der zukünftige Kapitän des Schiffes, daS V. bereits für 32 000 Pfd. Sterling erworben haben wollte. In Gegenwart der ganzen Familie P. be
auftragte V. den R. mit dem Ankauf von 10000 kg Schiffs- zwieback, 250 000 kg Kartoffeln und 4000 kg Butter. Das Fleisch und die Konserven für den Dampfer sollte der Schlächtermeister P. liefern. Zwei Tage später telegraphierte R. aus London, der Zwieback sei bestellt, die Kartoffeln befänden sich unterwegs, aber für die Butter müsse er noch Geld haben. P. ließ sich durch die Vorspiegelungen D's., der fortwährend auf seine baldige Heirat und die zu erwartenden Gelder hinwies, bewegen, seinem künftigen Schwiegersöhne auch in diesem Falle auszuhelfen.
• Paris, 1. Dezember. Ein seltsamer Anschlag hat in medizinischen Kreisen große Aufregung hcrvorgerufen. In der verflossenen Nacht drangen bisher unbekannt gebliebene Missethäter in das Arbeitskabinett des Direktor« des hiesigen Beaujou-Spitals ein, öffneten gewaltsam eiuen Schrank, in dem die schriftlichen Arbeiten von etwa 60 Bewerbern für Assistenzarztstellen sich befanden und zerstörten diese Papiere mit Salpetersäure. Man glaubt, daß die Thal von einigen durchgefallenen PrüsungSkandidaten verübt worden ist.
* London, 1. Dezember. Der Krieg. Der „Daily Mail"-Korrespondent veröffentlicht sein Tagebuch vom 16. bis 20. vorigen Monats, welches schon bekannte Thatsachen enthält. Unter dem 19. November schreibt er: Herr Stark, ein Naturkundiger, der eben ein Buch über die Insekten in Natal veröffentlichen wollte, stand vor seiner Thür, als ihn Plötzlich eine Granate niederschmetterte und ihm beide Beine vom Leibe riß. Er rief aus: „Sorgt für meine Katze \"- und verschied sodann.
* Tiflis, 1. Dezember. Auf der Kurabrücke in der Nähe von Tiflis verunglückte ein Militärzug. Die Schienen waren wegen Reparaturen entfernt worden, und der Lokomotivführer bemerkte das Signal zu spät. Die Lokomotive, der Tender, sowie zwei Waggons blieben hängen und stürzten erst den anderen Tag herab. Der Lokomotivführer und derHeizer sind tot, mehrere Personen verwundet. 196 Rekruten, welche im letzten Waggon untergebracht waren, kamen unverletzt davon.
Heer und Marine.
]:[ Der Sitz des 3. bayerischen Armeekorps wird Nurn = berg werben. Damit ist die schon seit längerer Zeit schwebende Frage, ob Nürnberg ober Landau gewählt wird, entschieden. DaS neue 3. Armeekorps wird aus der überschüssigen Division des 1. Armeekorps und einer neuen Division gebildet werben. Eine Vermehrung der Infanterie tritt nicht ein. Die Hauptveränderung erfährt die Artillerie. AuS den oorhanbenen 6 Regimentern werden 12 Regimenter. Bisher gibt es 54 Batterien, btS 1902 sollen 62 Batterien geschaffen werden, 4 reitende Batterien werden ausgelöst. Die SanitätSkompagnien werden aufg.löst, dafür wird ein neue« Trainbataillon gebildet. Der Standort der neuen 6. Division wird Regensburg. Von den Artillerie Regimentern weiten liegen: 3 in München, 1 in Freising-Landsberg, 2 in Würzburg, 1 in Augsburg, 1 in Fürtb, 1 in Nürnberg, 2 in Landau, 1 in Erlangen.
)+( Beabsichtigte Garnisonsverändernngerr in Pommern. Nach der „Pommrr'schen Reichspost" sollen verschi bene Gar- nisonsveränderungen des 2 Armeekorps geplant fein. So soll daS Füsilier-Regiment Nr. 34 von Bromberg nach Stettin, das Infanterie-Regiment Nr. 148 von Stettin nach Stralsund und das Infanterie Regiment Nr. 42 von Stralsund nach Bromberg verlegt werbOL Wahrscheinlich soll auch daS neue Feld-Artillerie-Rrgimeat Nr. 38 von Stettin nach Kolberg übersiedeln.
Kandwirtschast.
Darmstadt, 1. Dezember. Am 19. Dezember d. I., von nachmittags 1 Uhr ab, findet auf dem Eintrachtsplatz in Michelstadt ein Geflügelmarkt verbunden mit Prämiierung statt. Zum Wettbewerb sind mit Ausschluß von Händlern zugelassen die Verkäufer von Hühnern, Gänsen und Enten. Die Verkäufer, die das meiste Geflügel zu Markt gebracht haben, gehen vor. An Preisen sind vorgesehen: für Hühner: ein 1. Preis mit 10 Mark, ein 2. Preis mit 7 Mark, ein 8. Preis mit 5 Mk., ein 4. Preis mit 3 Mk.; für Gänse: ein 1. Preis mit 10 Mk., ein 2. Preis mit 5 Mk.; für Enten: ein 1. Preis mit 7 Mk. und ein 2. Preis mit 3 Mk. Nach Ermessen der Prämiierungskommission können aus diesen Preisen auch Preise herausaegriffen werden, die für preiswerte Einzelzuchtstämme zuerkannt werden.
(?) Aus dem Vogelsberg, 1. Dezember. Die Zeit der Hausschlachtungen ist gekommen. Der hohe Preis der Schweine im vorigen Jahre, das Pfund Lebendgewicht kostete 45 Pfennig, hat manchen Freund der Hausschlachtungen in Stadt und Land, der nicht selbst Schweinezüchter ist, damals von einer Hausschlachtung abgehalten. Heuer dürfte ein solcher Grund der Abhaltung nicht vorliegen; denn der Preis für die fetten Schweine bleibt andauernd auf niedriger Stufe stehen. Die Händler zahlen nur bis 38 Pfennig das Pfund Lebendgewicht. Daß der Ladenpreis für Schweinefleisch hierzu in keinem Verhältnis steht, ist — nun eine gewohnte Thatsache. Mancher Landwirt schlachtet deshalb fein verkaufbares Schwein und verkauft das Fleisch. Das ist aber nur so lange angängig, als die Landleute nicht selbst geschlachtet haben. Sicherlich dürfte in diesem Jahre wieder mehr Hausschlachtungen auf Bestellung von dem Landmanne befreundeten oder verwandten Stadtbewohnern ausgeführt werden, lind wer daS haben kann, thut nicht Übel dran.


