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gleichfälls ohne Unfall von statten ging. Der Turm hat einerr Durchmesser von 8 Meier (die Mauern sind unten 2,36 Meter dick), sein Umfang beträgt mithin etwa 25 Meter.
Offenbach, 1. September. Mit Beginn dieser Woche sind die Maurer von hier und Umgegend in den Ausstand getreten. Die Strikenden fordern: An Stelle der bisher üblichen llstündigen Arbeitszeit eine solche von 10 Stunden, von 6 Uhr früh bis 6 Uhr abends einschließlich einer halben Stunde Frühstücks-, einer Stunde Mittagsund einer halben Stunde Vesperpause. 2) Einen Mindestlohn von 45 Pfg. für Maurer vom 19. Lebensjahre an und 40 Pfg. für solche unter 19 Jahren. 3) Abschaffung jeglicher Ueberstunden, Nacht- und Sonntagsarbeit, mit Ausnahme ganz dringender Fälle. 4) Für Ueberstunden in dringenden Fällen einen Lohnaufschlag von 10 Pfg., für Nacht- und Sonntagsarbeit nach Uebereinkunft. 5) Abschaffung der Akkordarbeit. 6) Handhabung der bestehenden Bau-Polizeiverordnungen. 7) An Stelle der 14tägigen die wöchentliche Lohnzahlung und Auszahlung des Lohnes auf der Baustelle vor Feierabend. 8) An Samstagen um 5 Uhr nachmittags und an den Tagen vor Ostern, Pfingsten und Weihnachten um 12 Uhr mittags Feierabend. 9) Bollständige Ausschließung der Kündigung. 10) Keine Maßregelung wegen Zugehörigkeit zur Organisation. Die Arbeitsniederlegung ist, wie das „Abendblatt" versichert, eine allgemeine. In den Strike sind eingetreten 524 Gesellen; 56 haben weiter gearbeitet, wovon 23 Mann in Akkord arbeiten. Drei Unternehmer haben die Forderung bewilligt, bei diesen arbeiten 20 Mann unter den neuen Bedingungen. Abgereist sind 64 Mann.
Mainz, 26. August. Eine Weinfälscherei en gros kam gestern in der Berufsinstanz vor der hiesigen Strafkammer zur Verhandlung. Der Weinhändler Jakob Krämer aus St. Johann, ein gelernter Küfer, betreibt seit mehreren Jahren dort einen recht schwungvollen „Wein"handel. Seine Kellereien enthalten ca. 70 Stückfässer, die jährlich sämtlich gefüllt werden, zum Teil zweimal. Aus eigenem Wachstum erntet der Angeschuldigte nur etwa 2l/2 Stück Wein, der Rest der von ihm hergestellten „Weine" setzt sich aus zehn bis zwölf Stück hinzugekaufter Most, Zucker, Wasser, Rosinen, Trestern und Hefe zusammen. So hatte er im vorigen J4hr 23 Stück Trestern (ausgepreßte Trauben) gebraucht, die Hälfte davon will er seinem Bruder überlassen haben. Im Dezember v. I. verkaufte er an den Weinhändler Janson in Kreuznach 70 Stück analysenfesten „Wein" zu dem Preise von 240 Mk. per Stück. Der Käufer bemerkte aber nach Bezug von 35 Stück, daß der „Wein" die Analyse nicht mehr hielt, und machte dieserhalb dem Krämer Vorstellungen. Dieser versprach durch Einguß von Naturwein den verkauften „Wein" wieder „analysenfest" zu machen. Inzwischen war aber die Staats-Anwaltschaft durch ein anonymes Schreiben auf die Massen-Fabrikation des Krämer aufmerksam gemacht worden und erhob bei einer Haussuchung Proben. Die Untersuchungen des chemischen Untersuchungsamtes der Provinz Rheinhessen und des Chemikers Dr. Stern in Kreuznach ergaben das Resultat, daß man es hier nicht mit Wein, sondern mit' vergohrenem Zuckerwasser zu thun hatte. Es wurde festgestellt, daß er die 70 Stück „Wein" aus 12y2 Stück Wein und IV/2 Stück Trestern hergestellt hatte. Zur „Streckung" dieser Brühe hatte er Zucker, Rosinen und hauptsächlich Wasser verwendet, das er direkt von der Wasserleitung in die Fässer laufen ließ. Um dem „Wein" die nötige Säure zu geben, setzte er Weinsteinsäure bei. Das Schöffengericht Wöllstein verurteilte ihn am •ßO, Mai zu 1000 Mk. Geldstrafe, wogegen er Berufung einlegte. Das Resultat war gestern Abweisung der Berufung; zugleich wurde durch neues Erkenntnis die Beschlagnahme der noch in seinen Kellern lagernden „Weine" Nr. 2, 12 und 25 ausgesprochen.
♦f Der Deutsche Verein für Knabenhandarbeit veranstaltet nach den günstigen Erfahrungen des Vorjahres auch
für dies Jahr vom 16. bis 25. Oktober an seinem Lehrerseminar zu Leipzig einen Jnformationskursus für Schulleiter und Schulverwaltungsbeamte, insbesondere für Seminar- Direktoren, Leiter von öffentlichen Schulen und Privatanstalten, für Schulaufsichtsbeamte, städtische Schuldecer- nenten, sowie Regierungs- und Schulräte. Aus den Vorträgen des Kursus seien hervorgehoben. 1. lieber die Entwickelung und die Aufgaben des deutschen Vereins für Knabenhandarbeit, 2. die menschliche Hand als allgemeinstes Werkzeug, 3. über die Wirkung der Knabenhandarbeit in erziehlicher, volkswirtschaftlich sozialer, und hygienischer Hinsicht, sowie hinsichtlich der künstlerischen Geschmacksbildung, 4. über die Methode der Knabenhandarbeit, (vier Vorträge), 5. über Einrichtungen für den Betrieb der Knabenhandarbeit, (drei Vorträge), 6. die Ausbildung der Lehrer im Seminar für Knabenhandarbeit und 7. über den gegenwärtigen Bestand der Bestrebungen in Deutschland und im Auslande. Diese Vorträge werden von den ersten und berufensten Kräften gehalten werden, die schon Jahre lang inmitten der Arbeit für diese Bestrebungen stehen. Besuche der Leipziger und auswärtiger Schülerwerkstätten, Probelektionen, und Diskussionen über methodische und Fragen der Organisation reihen sich den Vorträgen an. Die Teilnahme am Jnformationskursus ist kostenfrei. Ausführliche Programme sind zu beziehen von dem Seminar-Direktor Dr. Pabst in Leipzig, Scharnhorststraße 19, an welchen auch die Anmeldungen thunlichst bis zum 20. September zu richten sind. _____
Vermischtes.
* Heidelberg, 1. September. Ein hiesiges Blatt schreibt, Prof. Uhlig halte sich zurzeit in Norddeutschland auf, wo er sich um die Direktorstelle in Schulpf or ta, die ihm früher einmal angeboten war, bemühen soll. Die „Straßburger Post" bemerkt hierzu, das scheine doch ganz unglaublich und gänzlich ausgeschlossen.
• Neues aus Alt-Paris. Eine interessante Entdeckung wurde soeben in Paris gemacht. Die berühmte Schauspielerin Adrienne Lecouvreur, die sich 1730 vergiftete, nach andern vergiftet worden, wurde im geheimen an den Ufern der Seine begraben. Die Stelle, an der sich das Grab befindet, war bisher unbekannt. Nun ist in dem Keller eines Hauses in der Rue de Grenelle ein quadratischer Grabstein mit einer Inschrift gefunden worden, die es zweifellos erscheinen läßt, daß man das Grab der unglücklichen Schauspielerin gefunden hat.
* Eine Vereinigung gegen den Straßeulürm hat sich nun auch in New-Iork gebildet. In Amerika wird die Sache vom pathologischen Gesichtspunkte betrachtet. An der Spitze der Bewegung gegen das Straßengeräusch steht ein Arzt, der auf das bestimmteste erklärt, daß die Zahl der Selbstmorde in New-Aork stark zunehmen wird, wenn nicht bald Schritte unternommen werden, um den Lärm abzuschaffen.
* 80,000 Personen zum Katholizismus bekehrt. Unter dieser Spitzmarke berichtet die „Germania" aus Mesopotamien, Erzbischof Altmayr aus Bagdad, hat den Papst benachrichtigt, daß infolge der Bemühungen zweier Dominikaner von Mossul innerhalb 3 Monaten 50,000 christliche Nestorianer sich zum katholischen Glauben bekehrt, und in den benachbarten Gegenden weitere 30,000 gregorianischer Armenier den Katholizismus angenommen haben.
* Einer der größten schottischen Wälder, der Bergwald von Rothiernurchus, ist in der Nacht von Donnerstag auf Freitag total abgebrannt. Die Entstehungsursache des Brandes ist nicht bekannt. Das Feuer breitete sich mit rasender Schnelligkeit über den ganzen Wald aus, und obwohl 200 Leute damit beschäftigt waren, es zu lokalisieren, gelang es ihnen doch nicht, den Wald zu reiten. Die rotglühenden Berge gaben, wie Augenzeugen erzählen, einen wundervollen Anblick. Ein Berg, der als der „Heilige
Ida" bekannt ist, glich einem Vulkan. Ungeheure Rauchwolken stiegen von seinem Gipfel auf.
Mteralur, Wissenschaft und Kunst.
— Neueste Erfindungen und Erfahrungen" auf den Gebieten der praküfchen Technik, der Elektrotechnik, der Gewerbe, Industrie, Chemie, der Land- und Hauswirtschaft rc. 26. Jahrgang (A. Hartlebens Verlaa in Wien). Pränumerationspreis ganzjährig für 13 Hefte franko 7,50 Mk. Einzelne H fte für 60 Pfg. in Briefmarken. Diese Zeitschrift dient ausschließlich nur der Praxis. Ihre Mitteilungen, bie sich über alle BecufLarten verbreiten, bestehen in praktischen, zuverlässigen und leicht ausführbaren Anweisungen, Arbeitsverdesfeiungen und Neuerungen auf t.chnischem und industriellem Gebiete. Besonders wertvoll sind die zahlreichen Anweisungen zu neuen, lohnenden Erwerbsarten. Die „Neuesten Erfindungen und Erfahrungen", im 26. Jahrgange erscheinend, bieten jedermann, insbesondere dem Techniker und Industriellen, die Mittel, alle neuen Erscheinungen und alle wertvollen praktischen Errungenschaften kennen zu lernen und so zu verstehen, daß er sie in feinem Geschäfte sofort verwerten kann und demzufolge immer auf der Höhe der Zeit steht. Hunderte von Fragen aus allen Berufs- fächern finden in dieser Zeitschrift praktische und kostenlose Beantwortung.
— Allen denjenigen, welche sich auf leichte und de. queme Art die Kenntnis der französischen, englischen und italienischen Sprache anetgnen wollen, seien dteZ-ttfchrtflen „Le Rtipetiteur“, .The Repeater“, „J1 ripetitore“ zum Abonnement warm empfohlen. (Berlin, Verlag von Rosenbaum & Hart). Es läßt sich kaum ein besseres Mittel, diese wichtigsten fremden Sprachen, deren Kenntnis in allen Berufszweigen äußerst wertvoll ist, ausfindig machen, al» die Methode der genannten Zeitschriften. Unter jedem fremden Wort steht das entsprechende deuifche, sodaß dem Leser das unbekannte sofort aussällt und bei der Wiederholung in Erinnerung gebracht wird, wodurch der Wortschatz sich beständig vergrößert. Der Inhalt der Journale ist interessant und unterhrltend, eS wechseln in bunter Reihe Poesie und Prosa, Ernst und Sche.z, allcs im modernen Stil und äußerst praktisch gehalten. Für die weiter Fortgeschrittenen ist ebenfalls gesorgt, indem die 14tägig etscheinendcn Blätter allmonatlich eine Beilage mit nur französischem, englischem und italienischem Texte enthalten, dem zum Zweck besseren Verständnisses am Fuße jeder Seite die nötigen Anmerkungen beigegeben sind. Es dürften daher diese Zeitschriften, deren Abonnementkpreis pro Quartal nur je 1 Mk. beträgt, vielen unserer Leser willkommen sein. Abonnements auf diese Journale können zu jederzeit bei allm Postanstalten und Buchhandlungen gemacht werden.
— Berlin, 1. September. Der in weiten Kreisen bekannte frühere nattonalliberale Reichstag»- und Landtagsabgeordnete F. Kalle-Wiesbaden wurde von Sr. Majestät dem Kaiser zum Professor ernennt und zwar in Anerkennung der erfolgreichen, inS- befondere auch schriftstellerischen Wirksamkeit auf dem Gebiete der Volks- und Jugenderziehung.
— Momentan steht da« Unterseeboot im Brennpunkt des Interesses. Offenbar ist die Zeit nicht mehr fern, in der man es im Seekamps als gefährlichen Gegner, in FriedenSzeiten aber als em Beförderungsmittel benutzen wird, das vor den Schrecken der See- kra rkheit verschont. Die „Umschau" (Frankfurt a. M.) bringt eine» höchst interessante» Artikel über die Entwickelung des Unterseeboots von seinen ersten Anfängen biS zu den letzten Errungenschaften der französischen Schiff^bautechnik. Wir lernen in einer Abbildung daS erste praktisch brauchbare Seeboot Bushnell» aus dem Jahre 1773 kennen, welches noch mit Rudern betrieben wurde und in seiner ganzen Konstruktion das einfachste ist, was man sich denken kann; dem gegenüber die komplizierte und raffinierte Technik von „Le Morse“, dem Unterseeboot des Franzosen Romazotti, das in seinen Leistungen sogar den hochgepriesenen „Gustave Z6d6“ übertreff n soll.
Verkehr, Land- und Volkswirtschaft.
— Pommersche Hypothekeu-Aktieu-Bauk. Wie aus de» Inseratenteile unserer hemrgen Zeitung ersichtlich, werden die am 1. Oktober er. fälligen Pfandbrief KouponS bereits vom 15. September ct. ab kostenlos eingelöst.
- Mecklenburg-Strelitzsche Hypothekenbank. Wie aus dem Inseratenteile u:iserer heutigen Zerrung ersichtlich, werden die am 1. Oktober er. fälligen Pfandbrief Koupons bereits vom 15. September er. ab kostenlos eingelöst.
Meyei's Konversalions - Lexikon
| (auch ia Umtausch gegen altertiWerke) sowie alle andern Bücher I liefert gegen Teilzahlungen von monatl. 3 M. an Ipi» H. 0. Sperling, Buchhandlnng, Stuttgart VIL *
ftranb, während erst in 3 Tagen wieder ein Dampfer denselben Weg einschlug, ich aber so lange nicht auf diesen Teil Finnlands verwenden konnte.*)
Kuopio ist eine nüchterne, moderne kleine Stadt mit breiten, geraden Straßen, ohne besondere Sehenswürdigkeiten, und auch die nächste Umgebung bietet sehr geringe landschaftliche Reize — gering zum mindesten im Vergleiche zu dem, was ich in den letzten Tagen gesehen hatte. Ich begnügte mich, nachdem ich die Büste Snellmanns, des bekannten finnischen Politikers und Gelehrten, in den Anlagen vor der Kirche bewundert hatte, damit, an die Ufer des Kallavesi, den die Halbinsel mit Kuopio in zwei Fjorde teilt, hinabzusteigen und die rege Thätigkeit zu beobachten, die der schwedisch finnische Handelsgeist gerade hier entwickelt. Kuopio ist nämlich der Stapelplatz für den gesamten Handel und Verkehr Nordost-Finnlands, und was die Industrie, die sich auch in diesen Gegenden in den letzten Jahrzehnten ungemein entwickelt hat, von den einfachen Theeröfen bis zu den kompliziertesten Sägewerken und Holzpapierfabriken schuf, traf hier zusammen, um nach Süden weiter verladen zu werden. Ich saß im Hafen auf einem Bretterhaufen und sah den Arbeitern zu, die Fässer und große Ballen in die zahlreich vorhandenen Dampfer und Segelschiffe schafften, und ich ärgerte mich, daß es keine regelmäßige Verbindung gab, die von Kuopio durch den Norden des Landes nach Westen führte. Am liebsten wäre ich quer durchs Land nach Uleaborg am Bosnischen Meerbusen gefahren, aber man riet mir in dem kleinen, sauberen Restaurant, in dem ich zu Mittag speiste, von dieser Tour ab, weil die Verbindungen schlecht wären und die Reise nicht ganz ungefährlich sein sollte. Das mag sich inzwischen geändert haben, mir aber blieb nichts übrig, als mit den
*) Neuerdings kann man von Kuopio aus nach Süden auch die 'Sisenbahn benutzen, um über St. Michel die Eisenbahnlinie Wyborg- H'elsingsors-Hangö zu erreichen.
Thatsachen zu rechnen. So mußte ich denn wieder auf dem schon einmal zurückgelegten Wege nach Willmanstrand reisen, und das kostet jeden Reisenden, der in kurzer Zeit viel sehen will, nicht wenig Ueberwindung.
Deshalb war meine Stimmung nicht allzu rosig, als ich abends mit dem „Elias Lönnrolt" den Kalavesi wieder entlang dampfte und zuhören mußte, wie die neu hinzugekommenen Passagiere begeistert von den Wundern Jdens- almis, woher sie kamen, erzählten. Indes, nach den körperlichen Anstrengungen und seelischen Eindrücken der letzten Tage that eine gewisse Erholung not, und die fast 24stündige Rückfahrt von Kuopio nach Willmanstrand gewährte sie in vollstem Maße. Da alles müde war, ging man schlafen, und am nächsten Tage vertieften wir männlichen Reisenden uns in eine höchst profane Whistpartie.
Der Dampfer verfolgte mit ganz geringen Abweichungen denselben Kurs, den wir auf der Hinfahrt zurückgelegt hatten; es gab also wenig neues zu sehen, und das mag uns als Entschuldigung dafür dienen, daß wir selbst auf den sagenumwobenen Fluten des Saima-Sees von deutscher Art nicht ließen und uns die Zeit mit Becher und Karte vertrieben. Und als uns der Kapitän auf der Höhe der „Olofsburg", unser Spiel unterbrechend, von den heftigen Kämpfen zu erzählen begann, die einst um Nyslott gewütet, als Schweden und Russen um den Besitz der festen Häuser und Plätze rangen, da verbaten wir uns ernstlich diese Störung und setzten unseren Robber fort, als säßen wir nicht auf schwankenden Brettern, sondern im heimatlichen Klub. Hatten wir durch diese Gefühllosigkeit gegenüber dem geschichtlichen Ruhme des Saima-Sees bie Geister des Wassers beleidigt? Oder war der alte Gott des finnischen Meeres über uns ungehalten, weil wir die Karte bogen, statt ihm und seinem Reiche zu huldigen? Wer kann das wissen? Thatsache war es, daß der Himmel sich plötzlich zu verfinstern begann, als wir in den Lappvesi einfuhren;
von Norden her pfiff stoßweise ein starker Wind; vor ihm her jagten dunkle Wolken auf uns zu, und es schien, als ob sie sich in der Ferne hinter uns mit den aufgewühlten Wogen vereinigt hätten; es sah wenigstens so aus, als ob eine riesige Wasserwand drohend hinter uns einher geeilt kam; der Himmel versinsterte sich, und unser Schiff begann noch lauter zu stöhnen, als bisher, und heftig hin und her zu rollen.
An's Weiterspielen war nicht mehr zu denken, ich ergriff die Karten und warf sie lachend über Bord in die kurzen schäumenden Wellen. „Es rast der See und will sein Opier haben!" deklamierte dabei pathetisch der erste Held und Liebhaber vom Revaler Stadttheater, der mit zu den Ferienreisenden von Jdensalmi und zur Whistpartie gehört hatte, und der Kapitän meinte schmunzelnd, daß wir ein wundervolles Gewitter und einen tüchtigen Regen bekommen würden, und daß das außerordentlich gut wäre, denn die Lust bedürfe einer kräftigen Abkühlung von der andauernden Hitze der letzten vier Wochen. Und der Kapitän hatte recht, denn plötzlich erleuchtete ein greller Blitz die hereinbrechende Finsternis und ein gewaltiger Donner kündigte an, daß es ernst würde. Und nun folgten Blitz auf Blitz und Donnerschlag auf Donnerschlag, Himmel und Erde schienen eins zu fein, es war, als ob der Saima und der lachende blaue Himmel über ihm sich in einen Schwefelpfuhl verwandelt hätten, in dem wir in einer Nußschale auf' und abtanzten, - ein Schauspiel, bei dem einem das Herz vor banger Erwartung still stand und die Augen vor Entzücken übergingen.
Nach einer halben Stunde war alles vorüber, aber der blaue Himmel kehrte nicht wieder; mit der Abenddämmerung wurden auch die Wolken am Himmel dichter, der Regen, der einige Zeit aufgehört hatte, begann wieder herabzurieseln, und als wir am Holzquai von Willmanstrand anlegten, da regnete es Bindfaden.


