Ausgabe 
2.8.1899 Erstes Blatt
 
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in der Kuppel des Oranjesaales befindlichen Tribüne waren neben einem Kranz von Damen nur wenige Journalisten anwesend. Die Delegierten standen plaudernd in Gruppen zusammen oder waren damit beschäftigt, Fächer und Bilder, die herumgereicht wurden, mit ihren Namen zu versehen oder einen Spruch in Albums zu schreiben. Auf ein Glocken­zeichen nahmen sie ihre Plätze ein, die einige Lücken auf­wiesen. Zunächst wurde mitgeteilt, daß die Schlußakte von sämtlichen Staaten unterzeichnet sei. Sodann wurde ein Schreiben der Königin der Niederlande an den Papst ver­lesen, in welchem dieser um seine moralische Unterstützung des Werkes der Konferenz gebeten wird, sowie die in wohl­wollenden Ausdrücken gehaltene Antwort des Papstes, in welcher dieser nicht allein seine moralische Unterstützung, sondern auch seine werkthätige Mitarbeit gemäß der Auf­gabe seines hohen Amtes zusichert; der Papst weist dabei darauf hin, daß er mehrmals Schiedsrichter war und trotz der beständigen Hindernisic, die sich der Erfüllung seiner Aufgabe entgegenstellten, auf dem gleichen Wege für die Sache der christlichen Gesittung weiterschreiten werde. Da­nach ergriff der russische Vertreter Baron von Staal das Wort zu einer Abschieds- und Dankesrede. Er betonte, das vollbrachte Werk sei nicht vollkommen, aber aufrichtig, praktisch und weise. Es bemühe sich, die beiden Grundsätze, die die Grundlage des Völkerrechts sind, den Grundsatz der Suveränität der Staaten und den einer gerechten inter­nationalen Gemeinbürgschaft, in dem beide gewahrt blieben, mit einander zu vereinen. Das Werk der Konferenz be­kräftige, daß das, was in der neuen Zeit herrschen solle, jene Werke seien, die aus einem Bedürfnisse der Eintracht geboren und durch die Zusammenarbeit der Staaten be­fruchtet seien, welche die Verwirklichung ihrer berechtigten Interessen in einem durch die Gerechtigkeit fest geregelten Frieden verfolgten. Die Aufgabe der Konferenz sei wahr­haft verdienstlich und schön. (Lebhafter Beifall.) Hierauf sprach der deutsche Delegierte Graf Münster dem Präsi­denten Baron Staal warmen Dank für die Mitarbeit an dem Werk der Konferenz aus und widmete ihm, wie dem Vizepräsidenten Jonkheer van Karnebek Worte hoher An­erkennung. Der französische Vertreter d'Estournelles gab sodann dem Wunsche Ausdruck, daß diese Versammlung nicht ein Ende, sondern ein Anfang sein möge im Interesse der Gesittung und des Friedens. Der nieder­ländische Minister des Aeußern de Beaufort hielt die Schlußansprache: Wenn die Konferenz nicht das Sehnen der Utopisten habe verwirklichen können, so habe sie doch die düsteren Voraussagungen der Pessimisten Lügen gestraft. Die moralische Wirkung ihrer Beratungen sei schon offenbar; sie werde sich mehr und mehr fühlbar machen und nicht verfehlen, sich in der öffentlichen Meinung in augenfälliger Weise kund zu thun. Sie werde den Negierungen eine mächtige Unterstützung bei ihren Bestrebungen gewähren, die Frage der Begrenzung der Rüstungen zu lösen, die die ernste und gerechte Sorge der Staatsmänner aller Länder bleiben werde. Nachdem der Redner der Hoffnung Ausdruck verliehen hatte, der Kaiser von Rußland möge in dem Ein­setzen verdoppelter Thatkraft zur Fortführung des von ihm unternommenen großen Werkes den wirksamsten Trost für die schmerzliche Prüfung, die er durchgemacht habe, finden, wurde die Friedenskonferenz geschlossen. T. R.

Von dem engeren Ergebnisse der Friedens­konferenz wird noch bekannt, daß die drei von ihr be­schlossenen Konventionen über die Schiedsgerichte, die Kriegs­gebräuche im Landkrieg und die Anwendung der Genfer Konvention auf den Seekrieg nicht unterzeichnet sind von Deutschland, Oesterreich-Ungarn, China, Großbritannien, Italien, Japan, Luxemburg, Serbien, der Schweiz und der , Türkei. Die Vereinigten Staaten von Amerika unterzeich­neten nur die Konvention über Schiedsgerichte, jedoch unter Vorbehalt, Rumänien unterzeichnete die Konvention Über die Schiedsgerichte unter Vorbehalt. Die drei Erklärungen Über das Verbot, Sprengkörper aus Ballons zu schleudern, Stickgase verbreitende Geschoffe sowie Kugeln in der Art der Dum-Dum-Kugeln zu verwenden, wurden nicht unter­zeichnet von Deutschland, Oesterreich-Ungarn, China, Groß­britannien, Italien, Japan, Luxemburg, Serbien und der Schweiz, während Amerika nur die Erklärung über die Ballons unterzeichnete.

London, 31. Juli. Ein hiesiges Blatt meldet aus New-Iork: Die Beamten der Gesellschaft, welche die Finanzen der Neger-Republik San Domingo leiten, haben Schritte bei der nordamerikanischen Regierung unter­nommen, um diese zu ersuchen, die Angelegenheiten der Republik zu machen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Finanzleute einen Feldzug einleiten werden, um ein amerikanisches Protektorat oder die einfache Annexion dieser Republik zu erlangen. Der Konsul von San Domingo in New-Aork wird seine Kandidatur als Präsident der Republik aufstellen und dabei die Unterstützung der amerikanischen Regierung erhalten. Wenn derselbe gewählt wird, wird er die Interessen Amerikas nicht vergessen.

Petersburg, 30. Juli Das Tagesereignis in Rußland bildet die plötzliche Auflösung der an der Moskauer Universität bestandenen Juridischen Gesellschaft, deren Thätigkeit das Rechtsleben im Zarenreiche vieles verdankt, und welche die hervorragendsten Professoren der Moskauer Universität zu Mitgliedern zählte. Nun hatte die Gesellschaft anläßlich der Jahrhundertfeier Puschkins eine Adresse verfaßt, in welcher der Dichter als Befreier der russischen Individualität von der Bevormundung der Obrigkeit gepriesen wurde. Diese vom Präsidenten der Gesellschaft, Professor Muronczew, verlesene Adresse erregte im Lager der Reaktionären große Erbitterung gegen die Vereinsmitglieder, welche man beschuldigte, die russische Intelligenz zum Ungehorsam gegen die Regierung auf- zuwiegeln und Unzufriedenheit mit den Maßnahmen der Regierung zu erzeugen. Darauf hat sich nun der Kultus­minister Bogoljepow beeilt, die Juridische Gesellschaft auf.

zulösen und den Universitätsfonds zu beauftragen, eine neue Gesellschaft zu bilden. Die aus Petersburg kommende Nachricht, daß der Kaiser von Rußland der Notwendigkeit seine Aufmerksamkeit geschenkt habe, die f inländisch en Eisenbahnen mit dem allgemeinen russischen Eisenbahn­netz zu vereinigen, und daß in Zukunft bei der Errichtung neuer Verkehrswege hierauf Rücksicht genommen werden solle, bedeutet nichts weniger als die Ankündigung, daß die Selbständigkeit Finlands weiter um ein bedeutendes ge­schmälert werden soll. Das letzte Ziel ist die Verschmelzung Finlands mit Rußland. Wie das finländische Heer und die finländische Gesetzgebung durch den kaiserlichen Erlaß vom 15. Februar ihrer Selbständigkeit beraubt wurden, so nun auch der Verkehr, das Eisenbahnnetz. Auch die gleich­zeitig gemeldete Einzelmaßregel läßt diesen Zug deutlich erkennen: die Linie Uleaberg-Tornea, die eine Verbindung nach der schwedischen Grenze geschaffen hätte und für die der finländische Senat schon 123/4 Millionen Mark be­willigt hatte, wird verboten und der Bau einer Newabrücke angeordnet, damit die russischen Eisenbahnen den Weg nach Finland bequem finden. Man hätte das eine thun und das andere nicht lassen sollen, dann hätten alle Kultur­freunde Gefallen daran gehabt. So ist dieser Maßregel ein ganz eigenartiger Stempel aufgedrückt, mag sie auch immerhin für den Verkehr zwischen Finland und Rußland von Segen sein.

Afrika. In der südafrikanischen Frage spielt, so schreibt man derTägl. Rundsch.", Portugal eine Rolle. Der portugiesischeSeculo" schreibt:Was über die Befugnisse der Engländer, mit Truppen durch unsere Besitzungen in Südafrika zu ziehen, gesagt wird, ist durch­aus wahr; auch daß England ein großes Lager von Kriegsbedarf auf der Insel Jnyack hat. Das ist bereits der Anfang. DieVolksstern" behandelt diese Frage folgendermaßen:Von der ersten Berührung der Buren mit den Portugiesen an 1842 schloß Kommandant Pot- pilter den ersten Freundschafts-Vertrag waren die Be­ziehungen zwischen der Republik und der Provinz Mosambik befriedigend, ja selbst herzlich. Doch hat Portugal stets die Rolle des leidenden Faktors in Südafrika gespielt. In­zwischen ist es unzweifelhaft geworden, daß dynastische und andere Erwägungen die portugiesische Regierung in die Arme von Großbritannien treiben. Und obgleich, wie wir vernehmen, aus Laurenco Marques in amtlichen Berichten bestimmt behauptet wird, daß kein Vertrag mit England die portugiesische Regierung verpflichte, englische Truppen durch Mosambik ziehen zu lassen, so rechtfertigt der Ton der portugiesischen Zeitungen mögen sie nun auf Seiten der Negierung stehen oder oppositionell sein, daß zu Pretoria Zweifel entstehen über die Neutralität von Mosambik im Falle eines Krieges der Republik mit Groß­britannien.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, den 1. August 1899.

Großherzogs Dank. Wie uns von dem Präsidenten der israelitischen Religions - Gesellschaft, Herrn Bankier Grünewald hier, mitgeteilt wird, ging auf das Hul­digungstelegramm an Seine Königliche Hoheit den Groß­herzog folgendes Antwortstelegramm aus Jagdschloß Wolfsgarten ein:

Großherzog dankt der israelitischen Religions- Gesellschaft vielmals für Huldigungsgruß.

E. v. Röder, Flügeladjutant.

* Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuer« wehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Sr. König!. Hoheit des Großherzogs vom 28. Juni ds. Js. dem Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Osthofen, Friedrich Weber III.

* * Ordensverleihung. Seine Majestät der Kaiser haben dem Oberstleutnant a. D. Friese, bisher Kom­mandeur des Landwehrbezirks I Darmstadt, den König­lichen Kronenorden 3. Klaffe Allergnädigst zu verleihen geruht.

Münzenberg, 1. August. Wie wir hören, findet hier am nächsten Sonntag, nachmittags 5 Uhr, wieder ein großes Kirchenkonzert statt. Für die Solopartien ist eine aus­gebildete Oratoriensängerin gewonnen , welche eben zum Besuche hier weilt. Die Chöre wird der hiesige Kirchenchor übernehmen, sodaß eine ebenso interessante, wie genußreiche Darbietung zu erwarten ist. Das Programm ist mit be­sonderer Sorgfalt ausgewählt.

-e. Neu Ulrichstein, 1. August. Monatsbericht der Arbeiter-Kolonie Neu-Ulrichstein für den Monat Juli 1899. Am 31. Juli 1899 befanden sich in der Kolonie 21 Mann. Dieselben verteilen sich: 1. Nach der Geburt: Großherzogtum Hessen 4, Großherzogtum Baden 2, Königreich Bayern 1, Regierungsbezirk Kassel 2, Negierungs- Bezirk Wiesbaden 4, Provinz Rheinland 1, Provinz Ost­preußen 2, Königreich Sachsen 2, Provinz Schlesien 1, Thüringen 1, Schweiz 1. 2. Nach dem Gewerbe: Ar­beiter 7, Gärtner 1, Kaufleute 2, Baumwollspinner 1, Kürschner 1, Photograph 1, Schreiner 1, Schuster 3, Schneider 2, Vermessungsgehilfe 1, Weißgerber 1. Ge­arbeitet wurde 685 Tage. Verpflegt wurde' 796 Tage. Die Kolonie zählte im Monat Juli 38 Krankentage, 70 Sonntage und 3 Beurlaubte. Im Monat Juli wurden entlassen 15 Mann, und zwar in Stellung durch eigenes Bemühen 1, auf eigenen Wunsch 7, Requisition der Be­hörde 1, Trunk und schlechtes Betragen 4, arbeitsunfähig 2. Seit Bestehen der Kolonie wurden ausgenommen 3600, ent­lassen 3579, bleibt Bestand 21 Mann.

Ulrichstein, 31. Juli. Ein Bild militärischen Lebens, wie es in unserem Vogelsberg noch nicht vor­gekommen ist, wird sich in der Zeit vom kommenden 1. bis

7. September in unserer nächsten Umgebung abspielen. Das- hessische Artillerie-Regiment Nr. 25 wird in dieser Zeit eim Geländeschießen mit scharfer Munition abhalten. Der Scheibenstand soll am sogen. Köppel errichtet werden, die Aufstellung der Geschütze wird am Oberwald bei demFrüh­feld- stattfinden. Wer da weiß, welch mächtiges Echo der Kanonendonner weckt und wie die ausgedehnten Waldbezirke des Oberwaldes hierzu eine selten günstige Gelegenheit geben, der kann sich ausmalen, welch imposante Schall­wirkung unsere Vogelsberger Wälder wiedergeben werden. Da für den 14. September mit einiger Sicherheit die An­wesenheit des Divisions-Kommandeurs der in Oberhessen stattfindenden Manöver zu erwarten steht, so darf wohl daraus der Schluß gezogen werden, daß ein Teil der diesjährigen Manöver im oberen Vogelsberg und namentlich auch in unserer Gegend stattfinden wird. Unser Vogelsberg ist kein Feind,, sondern ein Freund militärischen Lebens und Treibens. Man. freut sich darum schon jetzt auf den Krieg int Frieden.

§ Aus dem vorderen Vogelsberg, 31. Juli. Die Korn­ernte ist in vollem Gang. Im Feld reihen sich in langen Zeilen dieHausten." Ihre Zahl gibt ein klares Bild der reichen Roggenernte. In der Wetterau, ja selbst in unserem Vogelsberg noch künden die Strohhaufen das vorjährige Ergebnis. Damals allerdings war der Strohertrag in erster Linie überreich, in diesem Jahre läßt sich neben diesem auch noch ein viel besserer Körnerertrag erwarten. Dem Land­mann wird nicht selten der Vorwurf gemacht, daß es ihm niemals schicke, sondern er immer zu klagen habe. In diesem Jahre hört man derlei Klagen wirklich nicht, vielmehr aber alle Bewunderung über den vollkommenen Stand aller Kultur­gewächse. Es ist aber auch in der That ein seltener Segen des Feldes, daß die Hackfrüchte wie das Getreide und dieses wie das Grünfutter in gleicher Vollkommenheit wachsen und gedeihen. Die Dreschmaschinen werden jetzt schon gerüstet^ denn jedenfalls werden sie, wie im vorigen Jahre, noch vor Vollendung der Ernte in Thätigkeit gesetzt, damit der reiche Erntesegen geborgen werden kann. Die Drescher ziehen bereits in zahlreichen Trupps ins Unterland, um lohnende Arbeit und Verdienst, der heute keinem tüchtigen Arbeiter zu mangeln braucht, zu suchen und zu finden.

K. Büdingen, 29. Juli. Zu der vom 6. bis inkl, 11. d. M. stattgehabten schriftlichen Reifeprüfung, am hiesigen Gymnasium waren sechs Abiturienten zu­gelassen, von denen heute in der mündlichen Prüfung vier bestanden; zwei waren vor der Prüfung zurück, resp. aus­getreten. Die Namen der bestandenen Prüflinge sind: 1. Bausch, Georg, Büdingen; 2. Clemm, Wilhelm, Büdingen; 3. Schaaf, Hugo, Gießen; 4. Schwind, Fritz, Cronan (Preußen).

Bad-Nauheim, 29. Juli. Vom 21. bis 27. Juli 1899 angekommen 1180 Badegäste und verabfolgt 18307 bezahlte und 506 Freibäder. Vom 1. April bis 27. Juli 1899 angekommen 16119 Badegäste und verabfolgt 183133 bezahlte und 6963 Freibäder.

Darmstadt, 31. Juli. Der Landes-Ausschuß der nationalliberalen Partei für das Großherzog­tum Hessen trat gestern mittag 11 Uhr hier zu einer Sitzung zusammen, die bis gegen 3 Uhr dauerte. AuK allen Teilen des Großherzogtums waren Vertreter erschienen^ Zur Beratung kamen die bevorstehenden Landtagswahlen und andere Parteifragen.

Offenbach, 29. Juli. Die ehemalige Haack'sche Eis­fabrik, die von der Frankfurter Firma S. B. Goldschmidt als Fettlagerhalle verwendet wurde, ist gestern abgebrannt. Der Schaden beträgt etwa 60000 Mk. Der Brand wurde durch einige mit Zündhölzern spielende Jungen verursacht,

A Mainz, 31. Juli. Die zweite Trajekt-Ver­bindung, die versuchsweise zwischen hier und Kastel unter­halb der Straßenbrücke errichtet wurde, stellte nach drei­monatlicher Probezeit in den besten Verkehrs- und Festes­monaten mit dem heutigen Abend ihre Fahrten wieder ein. Ein Fahrtausfall wegen Nebel ober Niederwasser, die auf der Kasteler Anfahrtsseite ohne ständige Baggerungen die Aufrechterhaltung der Fahrt fraglich machen, fand nicht statt. Das Defizit beträgt über 7500 Mk., die Einrichtungs- kosten nicht einbegriffen.

A Mainz, 31. Juli. In der demnächst ftattfinbenberr Auss chu ß sitzung ber beutschen Turnerschaft wirb bie vereinigte Mainzer Turnerschaft in Uebereinftimmung mit ber Oberbürgermeisterei den Antrag stellen, bas nächste beutsche Turnfest im Jahre 1902 hier in Mainz abzuhalten. Der verflossene Woche in ber Oelmühle ber Firma Vossen hier stattgehabte Brand hat allein einen Jmmobilar- Schaben von weit über 100000 Mark verursacht. Der Schaben an Del, Rohprobukten unb Maschinen übersteigt biegen Betrag um bas Doppelte. Ein fahnenflüchtiger Solbat bes 87. Regiments ist am Samstag aus Furcht vor ber Strafe in den Rhein gesprungen. Obwohl sofort Schiffer zu seiner Rettung bei ber Stelle waren, ver- schwand berselbe alsbalb spurlos in ben Wellen. Gestern würbe bie Leiche bes Selbstmörders bei Kastel gelanbet. In ber letzten Zeit würben hier wieder mehrfach falsche Einmarkstücke angehalten. Die Fälschung ist eine dem ächten Gelde täuschend ähnliche, und nur das leichtere Ge­wicht unb ber etwas matte Glanz lassen erkennen, baß man es mit Falsifikaten zu thun hat.

Worms, 29. Juli. Beim Funbamentgraben eines Baues auf bem Wormatia-Platze würbe heute vormittag ein alter­tümlicher Stein burch Arbeiter bes Herrn Philipp Schmibt Sohn aufgefunben, ber etwa 2 Meter hoch, 70 Ctm. breit unb 30 Ctm. bick ist unb aus bem Jahre 75 n. Chr. stammt. Die obere Hälfte des Steines füllt ein Relief aus, dar­stellend einen zu Pferde sitzenden römischen Krieger, mit seiner Lanze einen auf dem Boden liegenden Feind bedrohend, der sich mit einem Schilde gegen den Stich zu decken sucht. Die untere Hälfte des Steines füllt lautW. T." folgende Inschrift aus: