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Amtlicher Feil.
Nr. 34 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 27. d. M., enthält:
Nr. 2608: Bekanntmachung des Textes des Jnvaliden- versicherungsgesetzeS vom 13. Juli 1899. Bom 19. Juli 1899.
Nr. 35 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 25. d. M., enthält:
Nr. 2609: Staatsvertrag zwischen dem Deutschen Reiche und Oesterreich-Ungarn wegen Herstellung der Eisenbahnverbindung von Tannwald nach Petersdorf. Vom 5. November 1898.
Nr. 36 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 28. d. M., enthält:
Nr. 2610: Allerhöchster Erlaß, betreffend die Erklärung des Schutzes über die Karolinen, Palau und Marianen. Vom 18. Juli 1899.
Nr. 2611: Verordnung, betreffend die Rechtsverhältnisse im Jnselgebiete der Karolinen, Palau und Marianen. Vom 18. Juli 1899.
Gießen, den 31. Juli 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Deutsches Keich.
Berlin, 30. Juli. Der Kaiser hat an den Hamburger Senat folgendes Telegramm gelangen lassen:
Bergen, 28. Juli 1899.
Ich spreche dem Senat Hamburgs Mein aufrichtiges Beileid zu dem Verlust des Bürgermeisters Dr. Versmann aus, dessen Verdienste ihm für alle Zeit einen ehrenvollen Platz in der Geschichte seiner schönen Vaterstadt sichern. Ich selbst betrauere in dem Dahingeschiedenen einen hochgeschätzten Bekannten, an dessen Verkehr Ich Mich stets erfreute. Bitte der Familie des Verstorbenen Meine herzlichste Teilnahme übermitteln zu wollen. Wilhelm I. R.
Der Präsident des Senats hat, zugleich im Namen der Familie des verewigten Bürgermeisters, in einem nach Bergen gerichteten Telegramm dem Kaiser für die bewiesene Teilnahme den Dank des Senats ausgesprochen.
Berlin, 31. Juli. Wie aus Berchtesgaden gemeldet wird, ist infolge der guten Besserung im Befinden der Kaiserin die ursprünglich auf den5. August festgesetzte Uebersiedelung der kaiserlichen Familie auf Schloß Wilhelmshöhe nunmehr auf Donnerstag den 3. August verlegt worden. Der Kaiser wird nach der Rückkehr von seiner Nordlandreise voraussichtlich schon am 2. August auf Wilhelmshöhe eintreffen. — Der Prinz-Regent hat auf besonderen Wunsch der Kaiserin auf den in Aussicht genommenen Besuch in Berchtesgaden jetzt endgiltig verzichtet.
Berlin, 31. Juli. Die Dienstboten-Bewegung wird nunmehr von sozialdemokratischer Seite in Angriff genommen. In den nächsten Tagen wird die Vertrauensperson der sozialistischen Frauen Deutschlands eine dahingehende Versammlung einberufen.
Berlin, 31. Juli. Dem Bundesrat ist ein Entwurf von Abänderungen und Ergänzungen des amtlichen Waren-Verzeichnisses zum Zolltarif zugegangen.
Berlin, 31. Juli. Die Berliner Kistenmacher haben eine allgemeine Lohnbewegung in Aussicht genommen. Dieselben wollen die Festlegung eines einheitlichen Lohn- tarifes erreichen. — Die Steinbildhauer Berlins haben sich mit den streikenden Steinmetzen solidarisch erklärt und beschlossen, keinerlei Arbeiten auf Bauten zu fertigen.
— Der Bund der „Industriellen" und andere interessierte Kreise hatten eine Masseneingabe an Den Bundesrat gerichtet, um über den amerikanischen Dingley-Tarif und unsere gegenwärtigen handelspolitischen Beziehungen zur Union Klage zu führen. Graf Posadowsky hat dem Bunde mitteilen lassen, daß er das reichliche Material zur Kenntnis der weiter beteiligten Reichsverwaltungen bringen und demnächst dem Bundesrate vorlegen werde. „Von den Wünschen der einzelnen Industrie-Zweige", so schließt das Schreiben des Staatssekretärs, „habe ich für die künftigen wirtschaftlichen und handelspolitischen Maßnahmen Vormerkung nehmen lassen."
-Zur Statistik der Genossenschaften. Infolge der Eintragung in das Genossenschaftsregister ist die Zahl der in Deutschland bestehenden Erwerbs- und Wirtschafts- genossenschasten ziemlich genau bekannt. Nach den von der Anwaltschaft des Allgemeinen Verbandes geführten Listen bestanden, wie sich aus dem Jahrbuch des Allgemeinen Ver
bandes für 1898 ergiebt, am 31. März 1899 10 850 Kreditgenossenschaften, 82 gewerbliche Rohstoffgenossenschaften, 1193 landwirtschaftliche Rohstoffgenossenschaften, 34 gewerbliche Werkgenossenschasten, 482 landwirtschaftliche Werkgenossenschaften, 67 gewerbliche Magazingenossenschaften, 106 landwirtschaftliche Magazingenossenschaften, 193 gewerbliche Produktivgenossenschaften, 2017 landwirtschaftliche Produktivgenossenschaften, 271 Genossenschaften verschiedener Art, 1373 Konsumvereine, 244 Bau-Genossenschaften. Gegen den 30. April 1898 hat sich die Zahl der Kreditgenossenschaften um 391, die Zahl der landwirtschaftlichen Produktivgenossenschaften um 86, die Zahl der landwirtschaftlichen Rohstoffgenossenschaften um 26, die Zahl der Baugenossenschaften um 50 vermehrt, wogegen die Zahl der Konsumvereine von 1409 auf 1373 zurückgegangen ist.
— Der bereits erwähnte Brief des Geheimen Kommerzienrats Krupp an das Hofmarschallamt lautet: „Ich bitte Ew. Exzellenz berichten zu dürfen, eine wie große Bedeutung der von Sr. Majestät geplante Besuch des bergischen Landes haben würde. Ich habe mich durch eigenen Augenschein überzeugen können, mit welchem Enthusiasmus man den bevorstehenden Besuch erwartete und welche tiefe Niedergeschlagenheit die Absage Sr. Majestät Besuchs hervorgerufen hat. Wenn es in meiner Macht liegt, durch Verzichtleistung auf die Freude des kaiserlichen Besuches bei mir auf Villa Hügel den Besuch des bergischen Landes zu ermöglichen, so bin ich gern bereit, das schwere Opfer zu bringen. Mil der Andeutung dieser Möglichkeit möchte ich den Beweis liefern, welches Interesse es hätte, wenn dieser Teil unseres Vaterlandes, in dem seit einem halben Jahrhundert kein Landesherr gewesen, des Kaisers Majestät die Ehre Sr. Allerhöchsten Anwesenheit und Damit dem vorzüglichen Geiste der Bevölkerung eine verdiente Anerkennung zu teil werden ließe. Ich wäre Ew. Exzellenz zu großem Danke verpflichtet, wenn der Inhalt dieses Briefes zur Kenntnis Sr. Majestät gelangen würde."
Berlin,31. Juli. Gestern hat hier der 40. Genossenschaftstag des allgemeinen Verbandes der auf Selbsthilfe beruhenden deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften begonnen. Am Dienstag nehmen die Hauptverhandlungen ihren Anfang und steht hierzu sehr umfangreiches Material zur Verfügung.
Berlin, 31. Juli. Der Zwischenfall mit Guatemala ist beigelegt, nachdem die dortige Regierung sich bereit erklärt hat, den deutschen Gläubigern gerecht zu werden. Der Kreuzer „Geier" ist bereits von San Joss weiter gegangen und hat einen zweiten Hafen in Guatemala angelaufen.
Berlin, 31. Juli. Wie dem „Lokal-Anzeiger" aus Paris gemeldet wird, soll die Freilassung Paty de Elams unmittelbar bevorstehen.
Berlin, 31. Juli, lieber die plötzliche Absage des Besuches des Kaisers in Westfalen wird dem „Lokal-Anzeiger" von geschätzter Seite geschrieben: Die eigentliche und einzige Ursache der Absage sei die tiefgehende Verstimmung über die Aufnahme gewesen, welche das gutgemeinte Bielefelder Telegramm des Kaisers in einem Teile der Presse gefunden habe. Der Kaiser habe auf hoher See den Wortlaut dieser Depesche festgestellt, der lediglich die Kanalvorlage und keineswegs das Zuchthausgesetz im Auge hatte.
Berlin, 31. Juli. Wie die „Kreuzzeitung" mitteilt, ist gestern in Arolsen der Regierungs-Präsident a. D. v. Hepp e im Alter von 63 Jahren gestorben. Derselbe war bis Ende vorigen Jahres Negierungs-Präsident zu Trier.
Berlin, 31. Juli. Wie dem „Lokal-Anzeiger" aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, hat die französische Regierung bezüglich der Zeugenschaft des Herrn Paleologue vom Ministerium der Auswärtigen Angelegenheiten und des der Botschaft in Berlin zugeteilten Botschafts-Sekretärs de la Roche- Vernet in dem Dreyfus-Prozeß angeordnet, daß sich letzterer unverzüglich nach Rennes zu begeben hat, wo er vor dem dortigen Kriegsgericht seine Aussage deponieren soll.
Kiel, 31. Juli, Die Ausreise des großen Kreuzers „Hansa" nach Ostasien ist auf den 15. August verschoben worden, da die Ausrüstung nicht früher beendet ist. Voraussichtlich wird der Kaiser das Schiff auf Seeklarheit prüfen.
Frankfurt a. M., 31. Juli. Ein Kabeltelegramm der „Frkftr. Ztg." meldet aus New-York: Der Bericht der Samoa-Kommission empfiehlt Abschaffung der Königswürde und die Einteilung in administrative Distrikte mit einzelnen Häuptlingen, die sich jährlich versammeln sollen. An der Spitze der Verwaltung soll ein von einer auswärtigen
Macht, vorzugsweise dem Könige von Schweden, zu ernennender Administrator stehen. Ferner empfiehlt man die Abschaffung der Konsulargerichtsbarkeit. Der Oberrichter soll die absolute Jurisdiktion besitzen, dem Berliner Vertrag eine größere Elastizität zu verleihen. Weiter wünscht man schärfere Zollbestimmungen, hauptsächlich für die Einführung von Waffen.
— lieber die Friedenskonferenz macht ein Wort des schweizerischen Obersten Künzli die Runde. Die schweizerische Regierung hat das Wort ableugnen lassen. Es soll gelautet haben: Der größte und dümmste Schwindel des Jahrhunderts!
— Die Mikronesischen Inseln. S. M. S. „Jaguar" ist angewiesen, am 15. September in Matupi zu sein, dann mit dem Gouverneur von Kaiser-Wilhelmsland die Reise zur Uebernahme der Karolinen, Palaos-Jnseln und Marianen zu machen und sich dann nach Schanghai zu begeben.
— Nach einem der „Kol. Korr." zur Verfügung gestellten Privatbriefe aus Ki aut schon herrscht in Tsintau und in Kiautschou, am schlimmsten aber in Tapatau der Flecktyphus. Der Gouverneur riet dem Briefschreiber dringend, diese Orte zu meiden und überhaupt mit den Chinesen so wenig wie möglich in Berührung zu kommen, kein Wasser zu trinken u. s. w. Ein Unteroffizier, der die Aufräumungsarbeiten in Tapatau zu beaufsichtigen hatte, ist bereits angesteckt und liegt schwerkrank darnieder. Die Chinesen sind vom Gouvernement außerhalb in Baracken untergebracht worden und diese Baracken sollen, sobald die Krankheit erloschen ist, niedergebrannt werden.
Ausland.
Wien, 31. Juli. In der Nähe von Klagenfurt ist der Triester Schnellzug entgleist. Eine Person wurde getötet, fünf schwer, sechs leichter verletzt.
Wien, 31. Juli. Unter den Leichtverwundeten beim Klagenfurter Eisenbahnunglück befinden sich die Kaufleute Oskar Schulze und Hermann Mankiewicz aus Berlin.
Wien, 31. Juli. Die Protestbewegung in Oesterreich geht unaufhaltsam weiter, in die Breite und in die Tiefe, und ohnmächtig sind alle Nittel, sie zum Stillstände zu bringen. Und diese Mittel? Lange Spalten der amtlichen „Wiener Zeitung", gefüllt mit Beschlagnahmen, Erkenntnissen gegen Zeitungen, die Sistierung von Gemeinderatsbeschlüssen, Versammlungsverbote, Auflösung von Ver« einen und Versammlungen, Straßentumulte, bei denen das Einschreiten, Einhauen und Einreiten der Polizei in Wien eine Hauptrolle spielt, in der Provinz das Aufgebot von Gendarmen bei jeder politischen Veranstaltung — dies sind die Regierungskünste eines Systems, das vom § 14 lebt. Wie verschwenderisch diese österreichischen Hausmittel jetzt angewendet werden, zeigt schon der Umstand, daß die „Wiener Zeitung" in den drei letzten Tagen huudertvierzehn Beschlagnahme Erkenntnisse gegen Zeitungen veröffentlichte!! — Nun bemerkt ein Wiener Drahtbericht vom Sonntage: „Die Voraussetzung eines Blattes, die Wiener Polizei und die Behörden in der Provinz hätten den Auftrag erhalten, gegen alle Kundgebungen auf das Schärfste vorzugehen, wird von zuständiger Seite als durchaus willkürlich bezeichnet. Der Ministerpräsident habe im Gegenteil erst kürzlich erklärt, er lege prinzipiell Wert darauf, daß die Behörden in ihrem gesetzlichen Wirkungskreise selbständig und unter eigener instanzenmäßiger Verantwortlichkeit vorgehen." Nun, daß diese Behörden mit ihrem Vorgehen ganz im Sinne des Herrn Ministerpräsidenten zu handeln glauben, werden dessen Halbamtliche aber doch wohl nicht leugnen wollen.
Prag, 31. Juli. Der von den Zuckerbäckern gegen die geplante Erhöhung der Zuckersteuer beabsichtigte Demonstrations-Umzug sowie das Meeting wurden von der Polizei verboten.
Budapest, 31. Juli. Der „Pester Lloyd" bezeichnet die bevorstehende Entrevue zwischen dem Grafen Golu- chowsky und dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe, trotzdem dieselbe keinen besonderen politischen Zweck verfolge, doch als ein Zeichen des ungeschwächten Fortbestehens des Dreibundes, was von der österreich-ungarischen Monarchie freudig begrüßt werde. Gleichzeitig teilt das Blatt mit, Hohenlohe und Goluchowsky hätten im Juli in Paris eine Zusammenkunft gehabt.
Haag, 31. Juli. Der Schluß der Friedenskonferenz ist ohne viele Feierlichkeit erfolgt. Auf der


