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2.4.1899 Drittes Blatt
 
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Sonntag den 2. April

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ein unanfechtbarer, durch gerichtliche Erkenntnisse anerkannter Rechtsboden. Bis hierher handelt eS sich um die Sozial­demokratie. . . Des weiteren handelt es sich aber auch nur um die Sozialdemokratie. Das deutsche Kriegervereinswcsen kennt nur diesen einen Gegner. Wenn wir von denjenigen Kreisen absehen,! welche nach der Wiederherstellung des Königreichs Polen, Königreichs Hannover und der dänischen Herrschaft streben und dafür wirken, so sind die Angehörigen aller bürgerlichen Parteien, die auf dem Boden der Treue zu Kaiser und Reich stehen und die staatsrechtlichen Verhältnisse ihres engeren Bundesstaates anerkennen, gleichmäßig zum Eintritt in die Kriegervereine berechtigt. Wohl mögen in vereinzelten Fällen allzueifrige Politiker unter unseren Freunden diesen Grundsatz nicht beachtet haben. Ueberall aber, wo Fälle dieser Art zu unserer Kenntnis kamen, sind wir stets und mit aller Entschiedenheit eingeschritten; handelte es sich um falsche Schritte unserer Organe, so haben wir selbst für Abhilfe gesorgt und dem Betreffenden sein gutes Recht verschafft; handelte es sich um ein falsches Vorgehen einer Behörde, so haben wir an der maßgebenden Stelle Vorstellungen erhoben, und cs ist uns regelmäßig recht gegeben worden. Man wird auch nicht einen einzigen Fall uns nachweisen können, wo die berufene und allein maßgebende Vertretung unseres Bundes, der Abgeoronetentag und der Bundesvorstand, es gebilligt hätte, wenn die An­hänger irgend einer der bürgerlichen Parteien politisch be­einflußt worden wären . . . Wir wollen alle unsere Kraft einsetzen, daß das deutsche Kriegervereinswesen immer mehr an innerer und äußerer Kraft gewinnt, wir wollen der Mahnung des Allerhöchsten Protektors des Preußischen Landes-Kriegerverbandes eingedenk, immer mehr dafür sorgen, daß alle ehemaligen Soldaten in den Kriegerver­einen versammelt und in treuer Gesinnung zu Kaiser und Reich gestärkt und erhalten werden, damit das Krieger­vereinswesen immer mehr das wird, was es sein soll, ein starker Wall gegenüber der Sozialdemokratie.

MPC. Pariser-Weltausstellung. Man schreibt uns aus Paris: Hier ist man einigermaßen gespannt, ob der deutsche Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe seinen Aufenthalt in Baden-Baden dazu benutzen dürfte, um auf einige Tage auch nach Paris hinüberzufahren, um sich persönlich davon zu überzeugen, welche Fortschritte die Vor­bereitung der das nächste Jahr in Aussicht genommenen Weltausstellung seit dem vorigen Jahre gemacht hat. Da­mals nahm der Fürst von allen Plänen an Ort und Stelle Kenntnis, und das große Interesse, das er dabei zu Tage treten ließ, wurde nicht nur von der Pariser, sondern auch von der Provinzpresse als ein neues Unterpfand dafür be­trachtet, daß es sich der Fürst angelegen sein lasse vor wie nach, im Sinne der Erhaltung des Friedens und womöglich der immer weiteren Besserung der Beziehungen zwischen den beiden Nachbarmächten thätig zu sein. Unvergessen ist es hier, wie gelegentlich der Eröffnung der Pariser Weltausstellung im Jahre 1878 zum erstenmale wieder von herzlichen Beziehungen gesprochen werden konnte, welche zwischen Deutschland und Frankreich beständen. Zunächst hatte bekanntlich die deutsche Reichsregierung im Dezember 1876 auf die auch an sie ergangene Einladung Frankreichs zur Beschickung aus industriellen und politischen Gründen ablehnend geantwortet. Als später die französische Re­gierung den dringenden Wunsch aussprach, daß Deutschland sich wenigstens an der Ausstellung der Werke der Kunst beteiligen möchte, gab der Kaiser am 5. März 1878 seine Zustimmung, daß die deutschen Maler und Bildhauer ihre Werke in Paris ausstellten und beauftragte den Direktor der Akademie der bildenden Künste in Berlin, Anton von Werner mit der geschäftlichen Leitung der Sache. Fürst Hohenlohe eröffnete am 11. Mai die deutsche Ausstellung, bei welcher 155 Gemälde und 23 Skulpturwerke ausgestellt waren und sprach dem französischen Minister Teisserene de Bors den Dank Deutschlands aus für den Empfang, der den Deutschen in Paris zu Teil wurde. Der französische Minister bezeigte seine Freude über die Beteiligung Deutsch­lands und sah darin ein Unterpfand der herzlichen Be­ziehungen, die zwischen den beiden Ländern beständen.

Zu den Vorgängen auf Samoa schreibt die Deutsche Warte": Eine offizielle Bestätigung der Gerüchte liegt nicht vor, daß die Deutschen Apia verließen, daß eine Granate ins deutsche Konsulat eingeschlagen hätte. So be­dauerlich die Feindseligkeiten gegen den provisorisch be­stätigten König Mataafa von englischer und amerikanischer Seite auch sind, so sind diese Feindseligkeiten doch nicht gegen Deutsche gerichtet und werden deshalb die deutsche Regierung in ihren Bemühungen nicht beeinträchtigen, ihre

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Berlin, 30. März. Wie aus Kiel gemeldet wird, tritt Prinz Adalbert, der dritte Sohn des Kaiserpaares, Ende Juni eine Reise um die Welt an, welche etwa zehn Monate dauern wird. Die Fahrt, welche mit dem Schul­schiff Charlotte ausgesührt wird, soll sich über Süd-Europa, Egypten, Ost-Afrika, Südwest-Afrika, Süd-Amerika und Westindien erstrecken.

Berlin, 30. März. DerReichsanzeiger" veröffentlicht die allerhöchste Verordnung betreffend die Uebernahme der Landeshoheit über das Schutzgebiet von Neu- Guinea durch das Reich.

Berlin, 30. März. Der an einem Halsübel nicht un­bedenklich erkrankte deutsche Gesandte am Hofe zu Peking, Freiherr v. Heyking, wird, wie diePost" erfährt, voraussichtlich nach seiner Wiederherstellung einen längeren Urlaub antreten.

Berlin, 30. März. Amtlich wird mitgeteilt, daß am 1. April der Fernsprechverkehr zwischen Berlin einer­seits sowie Antwerpen und Brüssel andererseits eröffnet wird. Die Gebühr für ein gewöhnliches Gespräch bis zur Dauer von drei Minuten beträgt 3 Mark.

Berlin, 30. März. Wie derKreuzzeitung" aus R o m berichtet wird, hat man daselbst Nachrichten aus Peking erhalten, denen zufolge der dortige englische Gesandte Macdonald, dem ursprünglich nach der Abberufung Martinos auch die provisorische Leitung der italienischen Gesandtschaft übertragen werden sollte, von dem Urlaub, den er unterdessen angetreten hat, nicht mehr auf seinen Posten zurückkehren werde.

Berliu, 30. März. Deutschland und Marokko. Es bestätigt sich, daß die marokkanische Regierung gegenüber dem von Deutschland auflgeübten Drucke nachgegeben hat. Die deutschen Ansprüche werden binnen wenigen Tagen erledigt werden.

Koloniales. Der Oberführer der deutsch-ost­afrikanischen Schutztruppe Major von Natzmer hat den Rückmarsch von seiner Expedition nach dem Nyaffa-See angetreten, nachdem er mit dem Bezirksamtmann von Elpons von Langenburg aus das Seengebiet bereist hat. In seinen Berichten spricht Herr von Natzmer sein Erstaunen über die schnelle kulturelle Entwicklung jener Gegend aus, es sei ihr eine glänzende Zukunft sicher, sowohl was den Kaffee- und den Tabak- als auch den Baumwoll-Bau anbetrifft. Ein glänzendes Zeugnis stellt er namentlich den am Nord- westende des Sees ansässigen Wakonde aus. Diese mit für einen Neger höchst selten gutem Charakter aus­gestatteten Leute zählen wenige Männer unter sich, die nicht würdig wären, in die Leibkompagnie des ersten Garde- Regiments einrangiert zu werden. Wenn die sehr wohl­habenden Wakonde nicht zu stolz und selbstbewußt (im guten Sinne) wären, gäben sie das vorzüglichste Material für eine Musterschutztruppe. Ihnen ist aber ein solch ein­gefleischter Widerwillen gegen jede dienende Stellung eigen, daß es wohl schwer halten dürfte, sie zu regulärem Militär­dienst heranzuziehen. Major von Natzmer hat auch Uhenge und Uhehe besucht und die politische Lage daselbst den Um­ständen angemessen befriedigend gefunden.

Berlin, 31. März. Die Kriegervereine und der Reichstag. Der Vorstand des Deutschen Kriegerbundes erläßt einen kräftigen Protest gegen die Steuerungen des Abg. Dr. Müller-Sagan im Reichstage. Letzterer hatte bekanntlich vonKriechervereinen" gesprochen und sich wegen dieses Ausdrucks damit entschuldigt, er habe voneiner gewissen Sorte von Kriegervereinen" gesprochen. Dagegen erhebt der Vorstand des Deutschen Kriegerbundes zunächst Einspruch, da alle Kriegervereine in ganz Deutschland nach einheitlichen Grundsätzen handeln. Weiter heißt es in der Erklärung u. a.: Mehr als 20000 deutsche Kriegervereine sehen es als ihre vornehmste Aufgabe an, die Liebe und Treue für Kaiser und Reich, Landesfürst und Vaterland bei den Mitgliedern zu pflegen, zu betätigen und zu stärken; das Nationalbewußtsein zu beleben und zu stärken. Das schließt die Anhänger der Sozialdemokratie von vornherein aus. Der Eintritt in unsere Vereine ist ein freiwilliger. Niemand ist gezwungen, ihnen beizutreten. Wer aber einem Kriegerverein beitritt, der verpflichtet sich auf die Satzungen und ihre Zweckbestimmungen. Wer also Anhänger der Sozialdemokratie ist und dies verheimlichend, Mitglied eines Kriegervereins wird, oder wer später zur Sozialdemokratie übertritt, oder wer deren Bestrebungen unterstützt und dennoch im Kriegerverein bleibt, der muß es sich gefallen lassen, daß man ihn als einen Heuchler, als einen Mann ohne Ehre ansieht, und daß man ihn ausschließt, wenn man ihn seiner sozialdemokratischen Gesinnung überführen kann. Das ist

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» lxint täglich pa Ausnahme des ÄtontagS.

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Konfirmation.

«er die Jugend hat, der hat die Zukunft." Das w«i lange Zeit ein vielgebrauchtes Schlagwort. Man hört e«I |ut Zeit seltener; es ist abgebraucht. Das was man braut hat sagen wollen hat sich in sehr geringem Maße eaffiüt Wer hat die Jugend, die in diesen Tagen vor ver- sawMltl! er Christengemeinde ihr Glaubensbekenntnis ablegt? JWi hat sie das Elternhaus, noch hat sie die Schule, noch birtfit die Kirche. Das sind die drei Mächte, die bisher >ll.»s unsere Kinder die größte Einwirkung ausgeübt haben: Ffeuilx. Schule und Kirche. Werden diese drei Mächte sie .nix} in Zukunft haben? Wer in der Seele der Kinder le|'en bi rfte und könnte, der würde heute lesen können, ob bi n |'t br ei Mächte einheitlich und einig ihre Wirksamkeit berichtig» haben, ober ob sie sich gegenseitig bekämpfenb bie frwMidp Entwicklung bcs Kinbes gestört haben.

MlS heute unsere Kinber bekennen und geloben, ist in Worten nichts anderes, als daß sie Menschen Gottes fe rn uni bleiben wollen, geschickt zu allem guten Werk. Ist zairS wirklich das Ziel unserer erziehlichen Arbeit gewesen? iw in it öchte bie Kinder glücklich Preisen, die Kirche, Schule Ul.'d H.lus gleichmäßig diesem Ziele zuzuführen bemüht wsie werden vom heutigen Tage den größten Eindruck m: l ivczinehmen; sie werden mit kindlich reinem Gernüte, milbcn Segen Gottes begnadet, ihren Weg weiterziehen *irbim stände sein, sich ihr kindlich reines Herz bewahren; ftd ml en auch ferner noch willig und gerne sich leiten lassen vct« »t: che. Schule und Haus. Wie ists aber mit denen, beetnüt ben emporwuchs unter einer zwiespältigen Erziehung? ki jenen der Gegensatz, der in ihr junges Herz hineinge- dnM wurde, immer stärker sich entfaltet? Aus ihren Reihen foi r®t >ie große Zahl derer, deren Fortentwicklung wir mit Skchki wahrnehmen müssen. Sie hält weder Schule noch RHtyt n och Haus. Sie treiben der Masse zu, die im Strudel bec Welt untergeht, wenn sie sich nicht unter schweren M.vpsem durch besondere Lebensführungen zu neuem Leben cmiporrimgen. , ,. .

Dm- neue Faktor, der in das Leben der Heranwachsenden Jl1d.«end wirksam eingreift, ist die menschliche Gesellschaft. MGkm darum alle, denen das Heranwachsen einer gesunden, goMfi rchtigen, leistungsfähigen Jugend am Herzen liegt, fktyauj die Verantwortung besinnen, die sie der Jugend gehinüber haben. Gewissenlos handelt der, der den Kindes- qlMiibm mit Füßen zertritt, denn er bringt solch' junges W.&i mm seine sittliche Kraft. Gewissenlos handelt der, beerbet heraiireifenden Jugend den Lebensgenuß als höchste MÄHei l preist; denn er bringt solch' junges Leben um seine phjyM Kraft, und macht das Herz wüste raubt ihm den fitrl:i:k:.i Halt!

Mr bie Jugenb wirklich lieb hat, wer sie fest unb ftcM eichen will für den Kampf des Lebens, dessen heiligstes yWjen muß es sein, die jugendlichen Herzen zu bewahren imi glauben der Kirche, die idealen Ziele des Lebens mit Wu nd That ihnen vor Augen zu stellen und durch ein we-iP Vorbild der Selbstzucht und Mäßigung ihnen diese 3M:li ^reichen zu helfen. Mochten solcher Jugendfreunde sickh ucht viele finden, möchten aber alle, die mit der Jugend zu-, im haben, sich merken: Zerstören ist leichter als auf- Lcckm! Wer aber nicht bauen kann, der lasse das Zerstören.

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Deutsches Reich.

Kttlin, 30. März. Der 1. April war diesmal ein hier überall, wo deutsche Herzen schlagen, wehmutvolle unuvlchmerzliche Erinnerungen weckte, während wir uns sonst an ihii»n>it anderen in froher, festlicher Stimmung vereint haben, uniAtm Fürsten Bismarck zu seinem Geburtstage zu hinein und ihm unsere Verehrung und unfern Dank zu bcdirkn. Auch diesmal sanden vieler Orten Feiern statt, abriii über denselben lagerten die Schatten der Trauer um beii:nlritenen unersetzlichen Verlust des unvergeßlichen, großen MüM-s. Der Tag der Freude und des Jubels ist zu etmsr. Tag des Schmerzes und der Klage geworden. Aber niflijtbex Trauer allein soll er fortan geweiht sein, er soll umSvie-lmehr im Sinne des Heimgegangenen mahnen, an de ^Grundsätzen und Lehren, die er dem deutschen Volk alar-bst bares Erbteil hinterlassen, festzuhalten. Möge alle­zeit drs Fürsten Bismarck Geist weiter wirken in unserem V'kllk, Daß alle, die deutsch empfinden, in Liebe und Treue, in n Uftferfeit und starkem Pflichtbewußtsein sein Werk bettutitsn unb in unwandelbarer, über Partei und Einzel- intnrnifc: hinausgehobener Hingabe feststehen zu Kaiser und Stetig im Dienste des Vaterlandes.

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Gießener Anzeiger

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