Ausgabe 
1.11.1899 Zweites Blatt
 
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zu schreien, er blieb aber im Saal ganz unverständlich, er drohte dem Redner Wolf, worauf ein ohrenbetäubender Lärm mit dem fortwährenden Rufe: Hinaus, hinaus, ent­stand. Ein Polizeirevierkommissär mit mehreren Schutz­leuten mußte sich auf die Gallerie begeben und diese setzten dann den Schreier, der sich als ein Tscheche entpuppte, an die Luft. Als sich die Aufregung wieder gelegt hatte, fuhr der Redner fort und bemerkte, daß derartige Vorfälle auch in Oesterreich nichts Neues seien. DaS deutsche Volk habe stets in Oesterreich alles über sich ergehen lassen, er habe stets bittend am Wege gestanden, das sei aber, Gott sei Dank, anders geworden, jetzt forderten die Deutschen, ihnen das zu geben, was ihnen gebühre; die Zeiten der Knechtung seien jetzt vorbei, man fühle sich einig mit All­deutschland und mit den großen Fragen, welche die Nation bewege. DaS deutsche Volk sei in Oesterreich immer ebenso tüchtig und arbeitsam gewesen, es habe ihm aber an Kräften gefehlt, an Kräften, welche die Leitung des Volkes über­nommen hätten, damit es hätte aufwärts streben können. Das schöne, herrliche, deutsche Volk in Oesterreich, das dürfe nicht verloren gehen, der Riesenkampf gegen Tschechen und Klerikalen müsse in Oesterreich ausgekämpftwerden, bisdieDeutschen zu ihrem vollen Recht gelangten und wieder ihre Selb­ständigkeit errungen hätten. Redner verbreitete sich nun über Tschechentum in Deuschland, entschuldigt sich, wenn seine Sprache manchesmal erregt sei, das käme aber daher, weil er direkt vom österreichischen Kampfplatz komme, er habe den Harnisch noch nicht abgelegt, und dann sei er auch Vertreter des österreichischen Radikalismus. Daß die Deutschen in Oesterreich wieder sich selbst gefunden hätten, das hatte man nur den Ministern Taaffe, Badeni usw. zu verdanken, die Deutschen hätten sich immer nur geduckt, aber die Sprachen­verordnung habe endlich dem Faß den Boden ausgeschlagen, das habe die Deutschen endlich zur Besinnung gebracht, und nun habe sich auch ein Kampf auf Leben und Tod zwischen Deutschtum und Slaventum entspannen, und dieser Kampf werde so lange dauern, bis einer der beiden Gegner auf dem Boden liegen bleibe; wenn dies aber so sein müsse, so soll es wenigstens der Tscheche sein. Weiter verbreitete sich der Redner über den Dreibund, dessen größter Gegner das Slaventum sei. Mit diesem sei ein Zusammenwirken gar nicht möglich, und mit einer Armee von Slaven und Slowaken würde selbst ein Moltke nichts fertig bringen, und wenn in Oesterreich nicht reichstreue Politik getrieben würde, sei auf den Dreibund kein Verlaß. Redner schildert nun die Kämpfe der Deutschen in Oesterreich, in einem Staat, in welchem die Verfassung gebrochen und der Rechtsboden ihnen unter den Füßen weggezogen worden sei. Die nationale Bewegung habe in Deutschland einen ungeheueren Aufschwung ge­nommen und man brauche kein Prophet zu sein, um zu sagen, daß bei der nächsten Wahl die Zahl der Abgeord­neten auf 40 steigen werde. Auch in Oesterreich seien die Deutschen wie im Reich in einzelne Parteien gespalten, aber die Zeit werde noch kommen, wo es in Deutschland wie in Oesterreich nur eine Reichspartei gäbe. Er schließe mit den Worten und dem Wahlspruch der Deutschradikalen:

Uns macht man nicht irre, Uns macht man nicht kirre, Trotz Adel, Pfaffen und Polacken Geballt die Faust, Steif den Nacken.

Stürmisches, lang anhaltende/ Heil und Bravo. Von Seiten des Vorsitzenden wurde nun noch eine Depesche an die Deutschnationale Partei in Oesterreich abgefaßt, in welcher derselben Glück und Sieg gewunschen wird. Mit dem Absingen des Liedes:Deutschland, Deutschland über Alles" wird die erregte Versammlung geschlossen. Abends fand noch eine Nachversammlung inter pocula imKöther Hof" statt, bei welcher Rechtsanwalt Claß dem Reichsrats­abgeordneten Wolf nochmals den Dank des Verbandes für sein Erscheinen und seine Thätigkeit, sowie die Versicherung Unverbrüchlicher Treue aussprach. Reichsratsabgeordneter Wolf dankte in längeren humoristisch gefärbten Worten, worauf Prof. Nover auf die alldeutsche Sache ein begeistert aufgenommenes Hoch ausbrachte. Ein Chargierter der Darmstädter Burschenschaften feierte Wolf als alten Burschen­schafter, worauf Wolf in herzlichen Worten erwiderte. Der. Unermüdliche Vorkämpfer des Deutschtums in Oesterreich reiste Nachts noch nach Wien zurück, um bereits gestern Mittag seinen Sitz im Parlament wieder einnehmen zu können.

Vermischtes.

* Köln, 30. Oktober. In der verflossenen Nacht wurde ein 17jähriger Bursche im Streite mit vier Personen bei> «rt mißhandelt, daß der Tod alsbald eintrat. Sämt­liche am Morde beteiligten Burschen wurden heute morgen verhaftet.

Würzburg, 29. Oktober. In Krautheim, Bez. A. Gerolshofen, stürzte vorgestern ein neu gegrabener Eis­keller der Düll'schen Brauerei ein. Fünf Arbeiter wurden verschüttet. Zwei Arbeiter, beide unverheiratet, waren sofort tot, einer ist schwer, die zwei übrigen leichter verletzt.

Heidelberg 29. Oktober. Heute abend erschoß sich ein dem Arbeiterstande angehöriger 30jähriger Mann im Keller eines Eckhauses an der Plöckstraße. Er hatte vorher intProkoner" eine Zechschuld von 1,65 Mk. kontrahiert und entfernte sich, ohne zu zahlen. Von zwei Kellnerinnen und einem Schutzmanne verfolgt, flüchtete er in das be­zeichnete Haus und erschoß sich. Vorher soll er mehrere Schüsse auf seine Verfolger abgegeben haben, ohne zu treffen.

Berlin, 30. Oktober. Die Mitteilung Berliner Blätter über eine Revolte in der städtischen Irren anstatt in Dalldorf, und zwar in der Abteilung für irrsinnige

Verbrecher, find derNational-Zeitung" zufolge völlig un­begründet.

M. Gladbach, 30. Oktober. Der in Konkurs geratene Seidenfarikant Schiffers in Viersen ist auf Antrag des eigenen Vaters wegen schwerer Urkundenfälschung ver­haftet worden.

Schweidnitz, 30. Oktober. Hier fand die Ent­hüllung des von dem Bildhauer Seger geschaffenen Moltke-Denkmals statt. Der Feier wohnten bei: der Oberpräsident Fürst von Hatzfeldt-Trachenberg, die Mit­glieder der Familie Moltke, Abordnungen des Großen Generalstabes, sowie des Füsilier-Regiments General-Feld­marschall Graf Moltke (Schlesischen) Nr. 38, die Spitzen der Behörden, das Offizierkorps der hiesigen Garnison und zahlreiche Vereine.

* Dachau, 30. Oktober. In dem nahe gelegenen Schönbrunn brach heute nacht zwischen 12 und 1 Uhr Feuer aus, welches mit rapider Schnelligkeit um sich griff und in kurzer Zeit sieben Gebäude, darunter zwei Wohn­häuser, vollständig einäscherte. Der Kirchturm ist aus­gebrannt und die Kirche selbst erheblich beschädigt. 20 Feuer­wehren, darunter eine Münchener Abteilung, waren am Brandplatze erschienen. 13 Stück Vieh fanden den Tod in den Flammen. Es liegt Brandstiftung vor.

Gingesandt.

Gießen, den 28. Oktober 1899. Geehrter Herr Redakteur!

Durch die Jubiläumsfeierlichkeiten der technischen Hoch­schule in Berlin ist die Titelfrage der akademischen Techniker auch außerhalb der Fachpresse Gegenstand leb­hafter Erörterungen geworden und auch Sie haben vor einiger Zeit in dankenswerter Würdigung dieser Frage die Ansicht eines in der Praxis stehenden Akademikers in Ihrem geschätzten Blatte veröffentlicht. Es scheint allerdings Ihrer Aufforderung an die akademischen Kreise unserer Stadt, sich über das Thema öffentlich auszusprechen, bisher keine Folge geleistet worden zu sein. Auch der Unterzeichnete hätte keine Veranlassung genommen, in der Sache um's Wort zu bitten, wenn nicht dieser Tage eine Notiz des Berliner Lokalanzeigers Aufnahme gefunden hätte, die seinen und seiner Standesgenoffen Interessen direkt zuwiderläuft.

Ein Direktor einer der größtenAktiengesellschaften" stellt da fest, daß nur dienächstbeteiligten Kreise" sich mit dem Promotionsrecht der technischen Hochschulen gefreut hätten, während die Kenner der Praxiskühl bis an's Herz hinan" blieben. Das mag bis zu einem gewissen Grade stimmen, aber es dürste doch notwendig sein, das Publikum über die Größe diesernächstbeteiligten Kreise" etwas aufzuklären. Sie bestehen in erster Linie aus der gesamten Studentenschaft der deutschen tech­nischen Hochschulen und Bergakademien, welche im verflossenen Semester sich auf weit über 11 000 Köpfe belief. Die Universitäten wurden während derselben Epoche von etwa 33000 Leuten besucht; also stellen die technischen Hochschulen gerade */, der gesamten Studentenkontingents. Das Verhältnis verschiebt sich aber seit etwa 10 Jahren andauernd zu Ungunsten des Universitäten, und es ist kein Grund einzuseheu, daß sich dies in absehbarer Zeit ändern sollte. Die Ursache dieser Entwicklung liegt in der enormen kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung, welche die tech­nischen Hochschulen in immer größerem Maße gewinnen. Nur ein Blinder, oder einer, der nicht sehen will, kann sich der Erkenntnis verschließen, daß die Fortschritte der Technik' in den letzten Jahrzehnten es gewesen sind, welche Deutsch­land immer mehr zu einem Industriestaat gemacht haben und so unsere ganze innere und äußere Politik, unsere ganze verbesserte Lebenshaltung beeinflussen. Ein Faktor von solchem Gewicht erfordert aber naturgemäß die sorg­samste Pflege und ist ein würdiges Objekt für die gesamte Intelligenz. Mit der rapiden Entwickelung der Technik ist die Schwierigkeit ihres Studiums beständig gewachsen. Es kassiert heute auf einer eingehenden Kenntnis der Natur­wissenschaften und Mathematik, und hat auf dieser Grund­lage schon die schönsten Früchte gezeitigt. Alle Fortschritte dieses Jahrhunderts sind dadurch gemacht worden, daß man die Erkenntnisse der Studierstube und des Laboratoriums praktisch zu verwerten suchte. Theorie und Praxis mußten sich vereinen, um das Wunder des neunzehnten Jahrhunderts zu zeitigen. Wenn der HerrDirektor einer der größten Aktiengesellschaften" stolz behauptet, weder Siemens noch Krupp hätten eine technische Hochschule besucht, so braucht man ihm nur zu sagen, daß es damals leider noch keine solchen Anstalten gab. Wenn eine dagewesen wäre, hätten sie sicher studiert, denn sowohl Siemens wie Krupp er­kannten die Bedeutung desselben dadurch an, daß sie in ihrem späteren Leben viel positives für sie gethan haben. Jeden­falls aber haben beide durch eingehendes Studium auf privatem Wege sich erst die theoretischen Kenntnisse verschafft, ehe sie Früchte geerntet haben. Gerade Werner v. Siemens liefert hier das schönste Beispiel eines Autodidakten. Es wird absolut nicht bestritten, daß ein geweckter Mechaniker durch fleißiges Studium ein tüchtiger Ingenieur werden kann, ebensowenig wie man daran zweifelt, daß ein tüchtiger Jurist sich aus einem Gerichtsschreiber entpuppen kann. Aber lernen muß der Mechaniker und der Gerichtsschreiber noch sehr viel, bis er dieses Ziel erreicht. Manuelle Fertig­keit genügt heute nicht, um eine Dampfmaschine zu bauen, elektrische Energie von Lauffen nach Frankfurt zu trans­portieren oder das Schiffshebewerk in Henrichenburg zu entwerfen. Dazu gehören nun einmal eingehende theoretische Kenntnisse! Der Herr Direktor einer .... mag ein sehr tüchtiger Mann sein und man kann die größte Achtung vor seinen Leistungen haben, ebenso wie vor denen der so­genannten Mittelschultechniker, welche durch zweijährigen Besuch einer technischen Mittelschule, wie Mittweida, Bingen

usw. sich eine gewisse Fertigkeit im Konstruieren angeeignet haben der diplomierte Ingenieur, der nach Absolvierung einer humanistischen oder realen Mittelschule 4 bis 5 Jahre eine Hochschule besucht hat, ist zweifellos eher dazu berufen, die deutsche Industrie konkurrenzfähig zu erhalten durch fortwährende Anwendung neuer naturwissenschaftlicher Er­kenntnisse ! Hinter die Behauptung, bei Krupp sei kein diplomierter Ingenieur beschäftigt, wollen wir doch ein großes Fragezeichen machen!

Gestatten Sie nun noch einiges über dieMänner der Praxis", die der Doktor-Ingenieur so kühl gelassen hat: es sind zweifellos eben diese Mittelschultechniker, die an die Trauben nicht heran können. Der akademische Techniker, selbst derjenige, der schon längst in Praxis ist, wird sich mit dem jüngsten Füchslein freuen, daß seiner Bildung die längst ersehnte Anerkennung zuteil geworden ist und fein Stand mit den übrigen akademischen Berufsarten gleichgestellt ist. Ob der Titel nun Dr. ing. heißt oder sonstwie, thut nichts zur Sache; die Hauptsache bleibt, daß der Kaiser die kulturelle Bedeutung des Standes anerkannt hat. Dafür muß ihm jeder denkende Mensch Dank wissen! S.

Kunst und Wissenschaft.

Eine neue Version über den Untergang AndrLes. Man schreibt aus London vom 27. Oktober: In der heutigenTimes" veröffentlicht der Kontreadmiral H. Campion einen Abschnitt aus einem Briefe aus Fort Churchill, dem nördlichsten Posten der Hudson Bai- Gesellschaft, worin vielleicht Nachricht vom Schicksale Andröe s enthalten ist. Der Brief ist vom 1. August datiert und von einem Neffen des Admiral Campion, A. D. Alston, der Fort Churchill seit fünf Jahren verwaltet und die Sprache der Eskimos versieht, verfaßt. Die mit­geteilte Stelle lautet:Sie werden vielleicht sehr erstaunt sein, zu hören, daß die Andröe'sche Expedition im hiesigen Norden untergegangen ist. Zu Anfang dieses Frühjahrs kam ein Eskimo Namens Old Donalds Son mit einigen anderen Eskimos in unser Magazin, um Einkäufe zu machen. Nachdem sie damit fertig waren, gingen sie alle aus dem Magazin hinaus mit Ausnahme von Old Donalds Son, welcher fragte, ob der Ballon aufgestiegen sei, da letzten Sommer im Norden zwei weiße Männer getötet worden seien, und man glaubte, daß diese von dem Ballon kämen. Ich schenkte dieser Geschichte nicht viel Beachtung, berichtete sie aber pflichtgemäß an Dr. Milne im Fort Dork. Später jedoch kamen zwei andere Eskimos, Stockby und sein Bruder, und diese brachten Nachrichten, welche sehr wenig Zweifel darüber obwalten lassen, daß die Andrse'sche Expedition hier im Norden zugrunde gegangen ist. Stockbys Bruder begegnete, als er vergangenen Sommer auf Moschus­ochsen jagte, vier weißen Männern, welche Hirsche schossen. Einige Eskimos, welche hinzukamen, sahen die Hirsche nicht und glaubten, die weißen Männer schössen auf sie. Darauf nahmen sie ihre Pfeile und Bogen und erschaffen zwei der Weißen, wobei sie den einen sofort töteten. Die anderen beiden liefen fort und wurden von den Eskimos verfolgt, ob sie entkommen sind, oder nicht, weiß man nicht. Stockbys Bruder sah die beiden armen Menschen daliegen, die Pfeile steckten in ihnen. Der eine war ein Mann in mittlerem Lebensalter, der kurz, breit und stämmig war. Dcr andere war ein junger Mann. Der ältere trug einen Knickerboker-Anzug mit gestreiften Strümpfen, der andere hatte einen Tuchanzug an, und beide trugen Mützen mit Blech­marken. Die Eskimos wollten haben, daß Stockbys Bruder mit ihnen zurückgehe, da ein großes rundes Ding, voll von Tabak, Kleidungsstücken, Munition u. s. w. im Norden läge, er ging aber nicht mit. Er brachte jedoch zwei Wolssfell-Teppiche mit und einen Teil eines Eskimoanzuges, wie er im hohen Norden getragen wird, nur um zu zeigen, daß er so­weit gewesen war, wie er sagte. Ich habe dies dem Kommissar gemeldet.

Unioersttät und Hochschule.

Ernannt: Dr. Albano Brand von der Technischen Hochschule in Charlottenburg zum Professor daselbst. Sein Arbeitsgebiet ist die Metallurgie und Eisenhüttenkunde. Der bisherige außerordentliche Prof. Dr. Krehl in Jena zum ordentlichen Professor der medizinischen Fakultät an der Universität Marburg.

Verschiedenes: An Stelle des verstorbenen Dr. jur. A. Gille, der bisher die Präsidentschaft über das akademische Konzertinstitut in Jena innehatte, ist jetzt in gleicher Eigenschaft der bisherige Dirigent der akademischen Konzerte in Jena Dr. V. Naumann, getreten. Einer Anregung des Kultusministers folgend, hat die philosophische Fakultät der Berliner Universität beschlossen, den Chemikern die Semester an preußischen technischen Hochschulen bei der Doktorpromotion künftig auf das akademische Triennium anzurechnen; doch sollen mindestens zwei Semester an einer deutschen Universität nachgewiesen werden. Der neue Rektor der Berliner Universität, Professor Fuchs, hat einen Vortrag verboten, den die bekannte Sozialistin Frau Braun-Gizycki im sozial-wissenschaftlichen Studentenverein über das Thema:Frauen­arbeit in Deutschland" halten wollte. Nach der Begründung ist das Ver­bot erfolgt, weil die litterarischen Leistungen der Frau Braun einen mehr agitatorischen Charakter tragen und keinen wissenschaftlichen Wert besitzen. Die Universität Marburg, bezw. ihre philosophische Fakultät, hat Sr. Excellenz Professor Dr. Eduard Zeller zu seinem 50jährigen Professorenjubiläum ofsizrell nicht gratuliert. Sie durste diesmal von einer Kundgebung dieser Art absehen, nachdem sie bei früheren Gelegen­heiten wiederholt ihre Verehrung und tiefe Dankbarkeit dem ausgezeich­neten Gelehrten bezeugt hatte; es fei hier nur an die Ernennung Zellers zum Ehrendoktor seitens der Marburger medizinischen Fakultät erinnert. Aber zu wünschen wäre, daß die Erinnerung an Eduard Zellers Marburger Wirken, das seine wissenschaftliche Bedeutung ein­leitete, auch in der Stadt festgehalten würde. Wir sind stolz auf unsere Sybelstraße. Eine Zellerstraße würde die Stadt mehr nach als den einstigen Marburger Gelehrten und Universitätslehrer ehren. (Oberh. Ztg.) In der Aula der Marburger Universität führte man am Sonntag mittag in feierlicher Weise den neuen Rektor der Universität, Prof. Hans Meyer, ein. Nachdem die Chargierten der einzelnen Korporationen mit ihren Fahnen an den Seiten Ausstellung genommen, sang ein akademischer Chor, worauf der seitherige Rektor, Prof. Frhr. von der Ropp, einen Bericht über das velfiossene Jahr gab. Entsprechend der zunehmenden Zahl der Studierenden seien auch die Institute ver­größert und neue Lehrkräfte herangezogen worden. Hiernach sprach der neue Rektor über das Thema:Entwickelung der Pharmakologie, wie sie früher war und wie sie sich jetzt gestaltet hat." Frau K. ß. v. Schwartz in London vermachte der Regierung des Kantons Zürich ein Legat von 100 Pfund St. (2500 Fr.) zugunsten der Profesiorschast für internationales Privatrecht an der Universität Zürich Professor Dr. Mendel, der ausgezeichnete Forscher und Universitätslehrer auf dem Gebiete der Psychiatrie und Nervenkrankheiten, feierte am 27. Ok­tober den 60. Geburtstag. In Gent findet am 1 November eine große Versammlung der Vlamenführer statt, um die Umgestaltung der Staatsuniversität Gent in eine vlämische Universität einzrüeiten.

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