Nr. S57 Erstes Blatt.
Mittwoch den 1. November
1899
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' auch Heuer wieder die Bitte an men hiesigen Kindern ohne Ruch, bereiten, gütigst zu unterstützen, m mymrn gerne an unsere Lvr-. . Cendant Tonin-, BW« Otthatdl, Moä Or. tzru^rr, ldstckstz, Kaufmann 8. Roth IL
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Bekanntmachung.
Nachdem in einer Schafherde zu Alten-Buseck die Maul- und Klauenseuche in großem Umfang festgestellt worden ist, haben wir die Sperre der Weide und der Gemarkung Alten-Buseck angeordnet. Das Durchtreiben von Llauenvieh durch die Gemarkung ist danach verboten.
Gießen, den 30. Oktober 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Nachdem die Maul- und Klauenseuche in der Gemarkung Bill in gen erloschen ist und die Desinfektion der verseuchten Stallungen stattgefunden hat, ordnen wir im Einvernehmen mit Großh. Kreisveterinäramt Grünberg die Aufhebung der getroffenen Sperrmaßregeln an.
Gießen, den 31. Oktober 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 19. September 1899, Gießener Anzeiger Nr. 223, geben wir bekannt, daß wir wegen der im Kreise Gießen sowohl als auch in den angrenzenden Kreisen noch stark verbreiteten Maul- und Klauenseuche genötigt sind, das Verbot des Hausierhandels mit Rindvieh, Schafen, Schweinen und Ziegen auf die Dauer von 4 Wochen vom 1. November l. I. ab zu verlängern.
Gießen, den 31. Oktober 1899.
Großh. Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Unter dem Rindviehbestande des Karl Filsinger auf dem Rainhäuser Hofe bei Rabertshausen ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Gehöftsperre ist angeordnet.
Gießen, den 31. Oktober 1899.
Großh. Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Nachdem in einer Schafherde zu Rödgen die Maul- und Klauenseuche in großem Umfange festgestellt worden ist, haben wir die Sperre der Weide und der Gemarkung Rödgen angeordnet. Das Durchtreiben von Klauenvieh durch die Gemarkung ist danach verboten.
Gießen, den 30. Oktober 1899.
Großh. Kreis amt Gießen.
v. Bechtold.
Bekanntmachung,
betr.: Maul- und Klauenseuche.
In Grüuberg ist in vier Gehöften die Maul- und Klauenseuche festgestellt und Sperre dieser Gehöfte
sowie der Gemarkung verfügt worden. Danach unterliegt der Verkehr mit Rindvieh, Schweinen, Schufen und Ziegen folgenden Beschränkungen: Das Durchtreiben derselben von außerhalb durch Ort und Gemarkung ist verboten. Die Einfuhr von solchem Vieh über die Gemarkungsgrenze in dem gesperrten Ort ist nur zum Zweck sofortiger Abschlachtung gestattet oder für den Fall, daß es in der Gemarkung verbleibt. Die Ausfuhr ist ebenfalls nur zum Zwecke sofortiger Äbschlachtung mit schriftlicher Erlaubnis der Bürgermeisterei Grünberg auf Grund einer Aeußerung des Großh. Kreisveterinärarztes zulässig. Wer ein Stück Vieh an einen auswärtigen Metzger oder ein Schlachthaus liefern will, muß also zunächst die Untersuchung durch den Großh. Kreisveterinärarzt veranlassen, und wenn danach der Ausfuhr kein Hindernis im Wege steht, einen Erlaubnisschein der Großh. Bürgermeisterei lösen. Bei dem Transport muß er diesen Schein, der eine dreitägige Gültigkeit hat, mit sich führen und die vorgeschriebenen Transportbedingungen genau beobachten, auch der Polizeibehörde (Bürgermeisterei) des Empfangsorts Nachricht geben.
Auf Antrag der Bürgermeisterei wird von uns im Bedürfnisfalle angeordnet, daß der Großh. Kreisveterinärarzt sich wegen Ausstellung solcher Bescheinigungen an einem bestimmten Lag wöchentlich, der ortsüblich bekannt zu machen ist, dienstlich einfindet.
Die Sperrmaßregeln bezüglich verseuchter Gehöfte oder Weiden bleiben daneben bestehen. Im übrigen können Klauentiere aus nicht verseuchten Gehöften innerhalb der gesperrten Gemarkung zur Feldarbeit benutzt oder auf die Weide getrieben werden, nicht aber über die Gemarkungs- grenze hinaus.
Ebenso können der Ansteckung verdächtige Tiere zur Feldarbeit innerhalb der Gemarkung benutzt werden; das sind solche Tiere, bei denen wegen des Zusammenstehens mit kranken Tieren im selben Gehöft oder Stall oder wegen Berührung mit krankem Vieh in irgend einer Weise die Vermutung besteht, daß sie angesteckt worden sind.
Wer Grundstücke oder Anlagen in einer anderen Gemarkung besitzt, muß dieselben entweder durch Pferdegespanne oder aber durch Rindviehgespanne aus dieser anderen Gemarkung besorgen.
Jede Weggabe von Milch aus der gesperrten Gemarkung darf nur nach vorheriger Abkochung erfolgen; ausgenommen, wenn die Abgabe an eine Molkerei erfolgt, welcher das Verbot der Abgabe ungekochter Milch zugegangen ist.
Ausfuhr von Dünger, Rauhfutter und Stroh aus den Seucheställen des Sperrgebiets ist verboten.
Gießen, den 30. Oktober 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
* Bom Kriegsschauplatz.
In Südafrika drängen auf beiden Kriegsschauplätzen die Ereignisse zur Entscheidung. Ladysmith, wo die Generäle White und Aule sich vereinigt haben, wird von den Buren, nachdem die Oranjeleute den TranSvaalern die Hand gereicht, hart bedrängt. Die ersten Kämpfe um den Besitz der Stadt haben bereits stattgefunden, und die Engländer haben sich dabei nicht mit Ruhm bedeckt. Bald dürfte ihnen der Boden in Ladysmith zu heiß werden, zumal wenn es gelingt, ihnen die Wasserzufuhr abzuschneiden. Man berichtet uns:
London, 29. Oktober. General Joubert stellte die Vereinigung mit den Oranjeburen her und bot Donnerstag den Engländern eine Schlacht an. Das Ergebnis ist unbekannt.
Durban, 29. Oktober. Nach einer Depesche des „Natal Mercury" aus Ladysmith war dort gestern alles ruhig. Die Truppen halten Rast. Es wurde eine Abteilung Buren bemerkt, die schwere Geschütze bergaufwärts brachte. Nach einem heute in Durban eingegangenen späteren Telegramm sind die Buren näher auf Ladysmith vorgerückt und haben auf einem Kopje, das 2i/e englische Meilen gegen El and s- laagte zu von Ladysmith entfernt liegt, zwei schwere Geschütze aufgepflanzt. Ein Angriff wird stündlich erwartet; die Einwohnerschaft verhält sich ruhig. .
London, 30. Oktober Den „Times" wird aus Ladysmith vom 29. d. M. gemeldet: Die Ballonabteilung hat einen Fesselballon über der Stadt aussteigen lassen, der die Stellung des Feindes und die Lage der Verschanzungen festgestellt hat. — Den „Times" wird aus Kapstadt vom 29. d. M. gemeldet: Nachrichten, die hier aus Ladysmith eingetroffen sind, zufolge, sind heute die britischen Vorposten mrt den Buren ins Gefecht geraten. General Joubert hat mit den Kommandos des Oranje-Freistaats Fühlung gewonnen. Die Gesamtmacht der Buren beträgt 16000 Mann, wenn nicht mehr, und hat nördlich von Ladysmith in einem Halbkreis mit einem Radius von 10 Meilen Aufstellung genommen. Eine Burenabteilung marschiert auch um die hintere Seite der Stadt, wahrscheinlich mit der Absicht, die Eisenbahn zwischen Ladysmith und Colenco abzuschneiden. Präsident Krüger soll jetzt in Glencoe sein.
Kapstadt, 28. Oktober. (Meldung des Reutei'schen Bureaus.) Fünf Balatllone Jnfanlerte, drei Regimenter Kavalleite, eine Balterte Gebirgsartillerie, vier Feldbatterien und die Natal-Freiwilligen rückten aus Ladysmith gegen den Lombardfkop vor; eine Schwadron Husaren stellte d n Feind, welcher ein heftige» Geschütz- und Gewehrfeuer eröffnete. Zwei Pferde wurden getötet, ein Netter verwundet. Der Feind hatte eine starke Stellung bei DewalS Farm inne, der berittenen Infanterie gelang es nicht, ihn daraus zu vertreiben, und da durch einen Angriff am Nachmittag nichts erreicht werden konnte, bezog die Truppe ein Biwak. Bet Tagesanbiuch zog der Feind sich nach Rtelfontein zuiück.
Ladysmith, 29. Oktober. (Reuters Bureau.) Die Buren schließen Ladysmith immer enger ein. Die nicht ortsansässigen Ctvtlpersonen erhielten Befehl, die Stadt zu oerlaffen.
London, 29. Oktober. Eine Depesche de« Reutcr'schen Bureaus aus Ladysmith von heute abend 6 Uhr besagt: Heute war alles ruhig. Die W a s s e r z u f u h r, die unterbrochen worden ist, wird jetzt eben wiederhergestellt.
Immer klarer wird es jetzt, daß der Rückzug des Generals Aule von Glencoe und Dundee in wilder Flucht sich vollzog, wie wir die Sache gleich von vornherein angesehen hatten. Es ist eine Mitteilung aus englischer Quelle, die besagt: General Aule ließ auf seinem nächtlichen Parforcemarsch in überstürzter Eile durch unwegsame Thäler fast seinen ganzen Train zurück, die Munitionswagen und alles schwereGe- schütz. Die Mannschaften warfen das Gepäck fort. Hunderte blieben zurück und wurden von den nachdringenden Buren gefangen.
Aus einem von Samstag den 21. Oktober datierten „Central-News" Bericht aus Dundee geht hervor, daß dieser Ort schon in der Nacht vom (vorletzten) Freitag zum Samstag durch schwere Kanonenschüsse alarmiert wurde. Das Schießen hörte auf, fing aber um, 4 Uhr morgens wieder an, und um V25 Uhr fiel das erste Geschoß in das Lager und platzte in der Nähe des Lazaretts. Langsam und als ob nicht die geringste Eile erforderlich wäre, schossen die Buren ein Geschoß nach dem anderen hinüber, von denen verschiedene in der Nähe des Lazaretts einschlugen, andere in der Stadt und ihrer Umgebung. Als der Tag anbrach, sah man auf dem 3 engl. Meilen nördlich der Stadt gelegenen Umpati-Hügel eine große Zahl Buren, die auf dieser das Lager beherrschenden Anhöhe eine Batterie schwerer Geschütze aufgestellt hatten. Da die BurewKanoniere die Schußweite zum englischen Lager festgestellt hatten, mußte dasselbe etwas nach Süden, mehr in die Nähe des Jndumeni-Hügels verlegt werden. Gleich darauf ergoß sich ein schwerer Gewitterregen über Dundee, und das Schießen der Buren hörte infolgedessen eine zeitlang auf. Die britischen Truppen änderten dann wieder ihre Stellung, machten aber keinen Versuch, das Feuer der Buren zu erwidern. Sämtliche Truppen standen unter den Waffen bereit. Um halb sechs Uhr feuerten die englischen Geschütze einige Runden ab, aber ohne Resultat. Dann wartete man den ganzen Morgen hindurch ängstlich auf einen Angriff der ganzen Masse der Buren. In den ersten Nachmittagsstunden hörte man ein entferntes Schießen, wußte aber nicht, was es bedeutete. (Es muß der Kampf bei Elandslaagte gewesen sein.) Inzwischen hatte die Civilbevölkerung Befehl erhalten, Dundee zu verlassen. Später zog sich auch das Militär nach Glencoe zurück und nahm alles mit, was mitzunehmen war. Doch blieb genug für die Buren zurück. Die Kranken und Verwundeten wurden ebenfalls zurückgelassen, und einige englische Acrzte blieben bei ihnen. Der „Daily Mail" zufolge hatten die Einwohner von Dundee 40 englische Meilen weit bis zur nächsten Stadt zu Fuß zu gehen, woselbst sie in höchst bedauernswertem Zustande ankamen. Sie hatten außer der Kleidung, die sie an sich trugen, alles eingebüßt. Unter diesen Flüchtlingen befand sich auch der ehemalige Premierminister von Natal, Escombe. Einige dreißig Geschosse sollen die Buren in die Stadt und das Lager von Dundee geworfen haben. — Ueber die Verluste der Buren in der (ersten) Schlacht bei Glencoe am 20. d. M. meldet ein amtliches Telegramm des Generals Whites dieselben hätten 500 Tote und Verwundete betragen; auf dem Gipfel des Telanca-Hügels sind drei von den Buren in unbrauchbarem Zustände zurückgelassene Geschütze gefunden worden. Das letztere wird richtig sein; ob aber die englischen Angaben über die Verluste der Buren stimmen, entzieht sich noch ganz der Kontrolle. Selbstverständlich sind sie vorläufig stets bedeutend größer als die der Engländer! — Die Belagerung Mafekings auf dem westlichen Kriegsschauplatz scheint nach wiederholter Beschießung durch die Buren die Verteidiger doch nach und nach mürbe zu machen. Ein vierstündiges Bombardement am 21. Oktober soll resultatlos verlaufen sein, am 23. richteten dagegen die Geschosse


