Ausgabe 
1.1.1899 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt.

Bnmtag den 1. Januar

1899

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Ueujahr!

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1. Januar in allen seinen Konsequenzen eintreten wird.

Annahme von Anzeigen zu der nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- eerm. 10 Uhr.

Bezugspreis vicvti-ijäbvlirfj 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn.

Bei Postbezilg 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich

«Ä» Anzeigen-Bermittlung-stellen de- In- und Au-lande- uechmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.

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Redaktion, Expedition und Dritckerei:

Schnkftraße Ar. 7.

Gottes Güte läßt uns ein neues Jahr erleben. An einem solchen Wendepunkt im Laufe der Zett drängt sich auch dem Gedankenlosen der Gedanke auf an die Vergänglichkeit seine« Daseins, an die Schwachheit seiner Kraft, und er wird sich darüber klar, daß er und alles, was auf Erden lebt, in einer höheren Hand steht und von der Fügung eines allmächtigen Gölte« abhängt. Ihm dürfen wir mit Dank nahen, weil wir es wissen, daß sein Wille gegen uns ein guter und gnädiger Wille ist, und weil rote erfahren haben, daß er bisher in allen Wendungen unseres Geschicke« es gut und treu mit uns xemcint hat. Wir preisen ihn über die Langmut, mit der er unsere Schwachheiten getragen und unsere Fehler wieder xut gemacht hat. Wir rühmen ihn für die Gnade, mit der er über unserem Vaterlande gewacht, ihm den Frieden erhalten, rmserm Kaiser in seinem schweren Amte beigestanden und ihm schönes Gelingen in seinem Wirken für Deutschlands Blüte «ad Kraft geschenkt hat. Wir flehen ihn an, daß er im neuen Jahre mit feinem Segen bei uns bleiben, uns in unserem persönlichen Leben geben möge, seiner Liebe uns zu getrösten unb in Glück und Leid seine Nähe zu erfahren. Wir erbitten seinen Segen für unser Volk und Vaterland, für Kaiser und Reich, für das Wachstum der Kirche Christi, für die Aus« -reitung de- Evangeliums, für da« Kommen seines Reiches mid die Bekehrung der Menschen von den vergänglichen ... T.,ov.Vfc bV|lllll4mvM Dingen dieser Welt zu dem ewigen, wahren Gut. Unsere | Opposition gegen Baron Banffy über einen Kompromiß

Budapest, 30. Dezember. Wie verlautet, beabsichtigt der Präsident Szilagyi als Vertrauensmann der gesammten

Die Opposition ist dieserhalb höchst aufgeregt und gedenkt nunmehr im ganzen Lande eine große Protestkundgebung wegen des von der Regierung beabsichtigten Verfassungs­bruches zu inszenieren. Im Abgeordnetenhause will die Opposition einen Antrag auf Versetzung der Regierung in den Anklagezustand einzubringen.

Gerücht, daß Graf Goluchowsky in der gestrigen Audienz beim Kaiser seine Demission gegeben habe, ist vollständig unbegründet.

Wien, 30. Dezember. In der heutigen Landtagssitzung stellte I)r. Philippowitsch und Konsorten einen Dringlich­keitsantrag,, die Regierung sei aufzufordern, unverzüglich mit Ungarn Verhandlungen einzuleiten, um eine Herab­setzung der Zölle auf Roheisen zu erlangen.

Budapest, 30. Dezember. Es gilt nunmehr als fest­stehend, daß der außergesetzliche Zustand am

Wien, 30. Dezember. Die ungarischen Minister Fe j er- vary und Graf Szechenyi sind hier eingetroffen, wie verlautet, in wichtigen Angelegenheiten. Sie werden noch heute vom Kaiser in Audienz empfangen werden. Das

* Stadtthcater. Am Neujahrstage sind zwei Auf- führilngen: Nachmittags das MärchenspielAschenbrödel" oderDer gläserne Pantoffel", abends 8 UhrMein Leopold", Volksstück mit Gesang von A. L'Arronge. Montag den 2. Januar wird Philippis sensationelles SchauspielDas Erbe" zum dritten Male aufgeführt. Die Direktion ersucht uns, mitzuteilen, daß sie, um den Abonnenten in jeder Weise entgegenzukommen, die noch aus­stehenden Abonnementsbillets des Billetblocks I auch für die weiteren Vorstellungen gelten läßt.

** Kaiser Panorama. Eine äußerst interessante Serie von Bildern, ausgenommen an Ort und Stelle, ist

Verhandlungen einzuleilen. Die Opposition ist geneigt, der Regierung wertvolle Konzessionen unter der Bedingung zu machen, daß Banffy im geeigneten Moment demissioniert.

Brüssel, 30. Dezember. Auf der Eisenbahnlinie zwischen Brüssel und Antwerpen wurde in der letzten Nacht ein Zug von unbekannten Individuen an geh alt en. Dieselben er­brachen den Gepäckwagen und raubten daraus Gegenstände im Werte von 30 000 Franken.

Zeit stehet in seinen Händen. Er wolle geben, daß es im kommenden Jahre für uns alle heiße:Sehet, jetzt ist die angenehme Zeit, jetzt ist das Jahr de« Heils!"

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der beMsche Landwirt _____________Mütter für hessische Volkskunde.

Zum Bezug desGießener Anzeiger" für das 1. Vierteljahr 1899 laden wir hiermit ergeLenst ein. Wie bisher, wird derGießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer, den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntnis seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten zuverlässiger telegraphischer Nachrichten- Bureaus sowie zahlreiche Mitteilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben auf dem Laufenden. Unterstützt durch umsichttge Berichterstatter in allen Orten Oberhessens und in den bedeutenden Städten der anderen hessischen Provinzen, ist der »Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge innerhalb unseres engeren Vaterlandes und der Nachbargebiete so frühzeittg wie möglich zur Kenntnis seiner Leser zu bringen, des­gleichen wird den Begebenhetten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im lokalen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Den Interessen der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirt­schaft wird der Anzeiger in Zukunft durch eine landwirtschaftliche Beilage Rechnung tragen, daneben aber auch Die Beobachtungen und Erfahr­ungen in Kunst und Wissenschaft, Litteratur, Hauswirthschaft, Handel, Gewerbe und In­dustrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. ! Als weitere Beigabe erhalten die Leser die Blätter für Hessische Volkskunde. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und hetteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungs­stoff bieten. DieGießener Familiendlätter" werden dem Anzeiger wöchentlich 4mal (Dienstags, Donnerstags, Samstags und Sonntags) deigelegt und neben den Erzählungen, Romanen und Novellen beliebter Schriftsteller anziehenden Umer­haltungsstoff aus dem Gebiete des Familienlebens und der Hauswirtschaft bringen, und somit namentlich I im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.

Hochachtungsvoll

Verlag desGießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch- u. Steindruckerei I (Pietsch Erben).

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen.

Fernsprecher Nr. 51.

Lokales und Provinzielles.

Gießen, den 31. Dezember 1898.

Au unsere verehrt. Leser!

Einem langjährigen Brauche folgend, lege» wir der heutige» Nummer des Gießener Anzeigers einen in zeitgemäßer Ausstattung gehaltenen Wandkalender bei. Mit dem Wunsche, daß derselbe für unsere Gönner und Freunde des Blattes recht viel glückliche Tage enthalten möge, verbinden wir die Bitte um Erhaltung JhreS geschätzten Wohlwollens und rusen Ihnen allen ein herzlichesProsit Neujahr" zu.

Hochachtungsvoll

Verlag und Redaktion des Gießener Anzeigers.

Für Liebhaber haben wir eine größere Anzahl Kalender auf Japan - Papier hergestellt, davon wir Exemplare in der Expedition abzufordern bitten.

** Kirchliche Dieustnachrichtcn. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädigst geruht,'am 21. De­zember dem Pfarrverwalter Edmund Licht zu Angersbach, Dekanat Lauterbach, die evangelische Pfarrstelle daselbst zu übertragen.

** Vortragskurs für praktische Landwirte. Der Hessische Landwirtschaftsrat macht bekannt, daß, nachdem die Teil­nehmerzahl Freitag bereits auf 132 gestiegen ist, als Lokal <C für die Abhaltung des Kurses Steins Garten in^«"- Gießen eudgiltig gewählt worden ist.

"* dt. Stadttheater. Clara Druckers drittes und leider letztes Gastspiel brachte uns gestern Abend bei voll­besetztem Hause Carl Blums dreiaktiges Lustspiel:Der Vieomte von ßetoriered." Die Titelrolle gab der verehrte Gast mit vollendeter Anmut wahrhaft bezaubernd, der lebenslustige, liebenswürdige, weltkluge neunzehnjährige Vicomte verstand es, ungeachtet aller Widerwärtigkeiten, stets der Lage Herr zu werden und bis auf den beschränkten Baron Tibull, den er gründlich abführt, alle für sich zu gewinnen und mit dem glücklichen Ausgange des Prozesses auch die Braut heimzuführen. Mit viel Verständnis und Geschick spielte Herr Walter den treuherzigen Hausmeister Pomponms, desgleichen waren Herr Wilhelmi als Grevin und Fräulein Schuhmann als dessen Gattin ein köstliches Paar. Für eine resolute Schneidersgattin trat Fräulein Schuhmann anfangs etwas zaghaft auf, fand sich aber dann immer besser in ihre Rolle hinein. Fräulein Isenburg fiel als Hermine gegen ihren Geliebten, den Vicomte, er­heblich ab, was indes bei dessen unbestrittenen Vorzügen nicht Wunder nehmen kann. Geradezu zum Kugeln war Herrn Liebschers glänzende Erscheinung als Parlaments­rat Desperriöres, dessen spiritistische Bibliothek ihn in die Hände des Vicomte liefert. Frau Kruse flößte uns als Schwesterchen Veronica alle Achtung ein. Herr Köhler durfte in der Person des Baron Tibull als Muster der Beschränkheit gelten. Herr Dietz sch gab den Marschall Soubise täuschend, und Fräulein Würdig suchte als Ge- mahlin ihm ebenbürtig zu sein. Reicher Beifall der Zu­schauer lohnte die trefflichen Leistungen der Darsteller. Clara Drucker aber darf mit dem Bewußtsein von Gießen scheiden, daß sie jederzeit mit offenen Armen hier empfangen werden wird.

Kichmer Anzeiger

Heneral-UnMger

Amts- und Anzeigeblatt für freit Areis Metzen

Erscheint tügfick mit Ausnahrnc des Montag«.

Dir Gießener M.mikienötätler »erden dem Anzeiger wöchentlich viermal deigelegt.

Deutsches Keich.

I . Berlin, 30. Dezember. Zur Ne u j ah rs fei er treffen I die kommandirenden Generale der sämtlichen Armeekorps I sowie die Kommandanten der Leibregimenter hier ein.

I Der Großherzog von Baden und die I Sozialdemokratie. Eine bis jetzt nicht bekannte Aeußer- ung des Großherzogs von Baden über die soziale Frage und die Bekämpfung der Sozialdemokratie findet sich in einer kürzlich erschienenen Schrift:Das Skizzenbuch meines Lebens" von Dagobert von Gerhardt. Dem ehemaligen Offizier und Schriftsteller schrieb der Großherzog am 15. Dezember 1887:Sie haben auch des öfteren die soziale Frage berührt. Die Art und Weise, wie Sie dies thaten, hat mich durchaus angesprochen: Man muß bei Besprechung dieser Frage auch den Neichen und Vornehmen derb die Wahrheit sagen. Nichts ist verkehrter, als den Sozialdemokraten bei Bekämpfung der Doktrinen nur als em hochmütiger und leidenschaftlicher Feind gegenüber zu treten. Man muß als ihr wohlwollender Helfer auftreten und kann dann um so wirksamer das verkehrte ihrer Forder­ungen bekämpfen. Es sind Menschen, wie wir, und sie

I wollen, tote wir, als Menschen leben, nur die Mittel, die sie zur Erreichung auch ihrer diskutierbaren Forderungen anwenden wollen, sind thöricht und verwerflich. Am ver­kehrtesten ist es aber, ihnen darin tmchzuahmen, daß man tm Kampfe gegen sie auch jene Art von Agitation betreibt, die nur Haß und Feindschaft säet und in der ihre Wort­führer geradezu Meister sind: ich begreife die Leute hier in Berlin nicht, die von solchem Vorgehen das Heil er­warten. Die soziale Frage wird auch nur durch die freiesten Köpfe und die reinsten Herzen aus dem Volke selbst zu lösen sein. Und da werden sich freilich auch unsere oberen Stände gewaltig ändern müssen."

Gegen die Fahnenflucht. Um den Deutschen, die sich der Fahnenflucht oder der Verletzung der Wehrpflicht schuldig machen, den Aufenthalt im Auslande zn erschweren, und sie dadurch zur Rückkehr zu bewegen, ist schon früher angeordnet worden, daß die Gemeindebehörden sich der Be­kanntmachung des Aufgebots zum Zwecke der Eheschließung für die bezeichneten Personen zu enthalten haben. Nunmehr sollen auch noch der Minister des Innern und der Kriegs­minister, wie dieHamb. Nachr." erfahren, bestimmt haben, daß Auszüge ans dem Standesregister, welche früher im Auslande sich aufhaltenden Fahnenflüchtigen und ausgetre­tenen Militärpflichtigen nachgeliefert wurden, nur dann durch die zuständige Gemeinde- und Aufsichtsbehörde die vorge­schriebene Beglaubigung erhalten dürfen, wenn der Nachweis geführt wird, daß die Auszüge nicht zur Förderung eines persönlichen Interesses gewöhnlicher Art der in Rede stehenden Personen nachgesucht worden sind, sondern zu anderen Zwecken, insbesondere zum amtlichen Gebrauch des ausländischen Staates verwendet werden sollen.