Ausgabe 
1.1.1899 Drittes Blatt
 
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Anfangsgeschwindigkeit sehr rasch abnimmt und schon

600 Meter nur noch die Hälfte beträgt.

Er kommt zu

der die als die auf

dem Schlüsse: die Bleispitzgeschosse sind auf nahe Ent­fernungen eine übermäßig grausame, auf weite Entfern­ungen aber weniger wirksame Waffe als die Vollmantel­geschosse.

Die Verwendung solcher Geschosse mag vielleicht ent­schuldbar sein im Kampfe gegen fanatische Barbaren, die, unbekannt mit den Regeln des Völkerrechts, keine Schonung üben und keine erwarten, die, wie jüngst in Aegypten, selbst verwundet und scheinbar hilflos am Boden liegend, den Feind noch hinterrücks angreifen; es wäre aufs Tiefste zu beklagen, wenn so grausame Zerstörungsmittel in euro­päischen Kriegen jemals zur Anwendung kommen sollten.

Es mag bisweilen vorkommen, daß ein von einem Mantelgeschoß getroffener Soldat trotzdem noch weiter vorwärtsstürmt, während er, von einem Bleispitzgeschoß ge­troffen, allerdings zusammengebrochen sein würde. Solche Fälle können nicht ausreichen, ein Geschoß, das den Zweck, den Gegner kampfunfähig zu machen, in der weit über­wiegenden Mehrzahl der Fälle erreicht, aufzugeben gegen ein anderes, das ihn regelmäßig verstümmelt. Es würde dies auch wahrlich nicht den Traditionen dieses Jahrhunderts entsprechen, das in dem Kampfe der Humanität gegen die

Schrecken des Krieges so Großes im Vergleich zu allen früheren Jahrhunderten erreicht hat. ......

Schon einmal, im Jahre 1868, hat eine m Petersburg tagende internationale Konferenz die Menschheit geehrt, als sie durch internationale Konvention die Verwendung von Explosivgeschossen unter 400 Gramm Gewicht verbot. Und diese Konvention ist von den betheiligten Nationen unver­brüchlich gehalten worden. r r . ,

Wenn die Friedenskonferenz von 1899 ebenfalls durch internationale Konvention festsetzte, daß nur solche klein­kalibrige Bleigeschosse verwendet werden dürfen, welche ent­weder ganz oder mindestens an der Spitze mit einem Mantel aus hartem Metall versehen sind, so würde, deucht uns, eine solche Festsetzung ganz den edlen Absichten des erhabenen Ein- berufers und ganz den einmüthigen Sympathien entsprechen, denen der Gedanke des Zaren in der ganzen zivilisirten Welt begegnet ist. Und wenn die Vertreter der Mächte, der größeren wie der kleineren, in deren Hand es gelegt ist, unsrer Stimme Gehör leihen, wenn sie dahin wirken wollten, daß der verwundete Soldat in jedem Falle sogleich einen schützenden Verband erhält, wenn sie ferner dahin wirken wollten, daß die Unverletzlichkeit des Rothen Kreuzes jedem Soldaten in Fleisch und Blut übergehe, dann wird vielleicht die Konferenz des Jahres 1899 nicht den Erfolg haben, die Kriege überhaupt zu verhüten, aber trotzdem einen wichtigen Markstein bilden in der Geschichte der Humanitären Bestrebungen der Völker.

Kiel, 10. Dezember 1898.

Bruns weist dann darauf hin, daß die Wirkung der Bleispitzgeschosse sich sofort im Ziel erschöpft, infolge ' Deformirung und Zerteilung des Geschosses, daß also Durchschlagskraft der Bleispitzgeschosse weit geringer ist die der Vollmantelgeschosse, während andererseits

Vermischtes.

* Oberstlieutenant a. D. v. Egidy ist, wie bereits gemeldet, am 29. Dezember in Potsdam gestorben. Christof Moritz v. Egidy ist am 29. August 1847 in Mainz geboren und verfolgte eine militärische Laufbahn theils in preußischen, theils in sächsischen Diensten; er hat als preußischer Offizier den Feldzug von 1866, als sächsischer den von 1870/71 mitge­macht. Verabschiedet im Jahre 1890 widmete er sich der Schriftstelleret, und erregte sogleich durch sein erstes Werk, dieErnsten Gedanken" ein ungewöhnliches Aufsehen. Eine beinahe leidenschaftliche Ueberzeugungstreue und eine von der edelsten Gesinnung getragene Neigung, eine sittliche und materielle Besierung der Menschen anzubahnen, lag seiner ganzen späteren Thätigkeit, die vielfach die Oeffentlichkett be­schäftigte, zu Grunde. Leider wurden seine wohlmeinenden Bestrebungen beeinträchtigt durch eine gewisse Unklarheit und Verschwommenheit des Denkens; die Jrrthümer und Unge nauigkeiten seiner ersten Broschüre wurden am schlagendsten nachgewiesen in der vom Lio. W. Bornemann verfaßten GegenschriftBittere Wahrheiten" (Göttingen 1891). In den letzten Jahren seines Lebens entfaltete Egidy eine sehr rege schriftstellerische und agitatorische Thätigkeit, der jedoch äußere und insbesondere auch tiefergehende innere Erfolge versagt geblieben find. Mit ihm scheidet ein Mann von lauterem, ehrlichem Charakter, ernstem Wollen und echter Menschenliebe, eine in dem geistigen Ringen und Kämpfen res ausgehenden Jahrhunderts vielgenannte Persönlichkeit, ein tapferer und unermüdlicher, wenn auch nicht erfolgreicher Streiter aus dem Leben.

* Eine Zusammenkunft auf dem Brocken veranstalten alle Jahre am 1. Weihnachtsfeiertage verschiedene Herren aus Berlin, Potsdam, Magdeburg u. s. w., die sich dort zu einemVerein zur Beschaffung von Liederbüchern auf dem Brocken" zusammengethau haben. Vor einigen Jahren hatten sie sich zufällig am 1. Weihnachtstage auf dem Brocken, wohin sie der eigenartige Reiz der Winter- andschast lockte, zusammengefunden. Bald herrschte die röhlichste Stimmung, aber es fehlte an Liederbüchern, und o wurde dann der erwähnteVerein" begründet, der seit- ;em mehrfachen Zuwachs erfahren hat. Eine Anzahl von Liederbüchern, die der Vorsitzende, Direktor der meteoro­logischen Anstalt auf dem Brocken, Dr. Stade, in Ver­wahrung hat, ist beschafft worden. Zum ersten Weihnachts­tage spendet ein Brauereibesitzer aus Potsdam gewöhnlich ;as edle Naß. Diesmal hatten sich 18 Mitglieder einge­funden, darunter sogar ein Herr aus München. DerAuf­stieg" war diesmal bequemer, als sonst, da am ersten Weih­nachts-Feiertage schon die neue Brockenbahn von Wernigerode jer eröffnet war. Mit ihr fuhren im Ganzen etwa 200 Personen auf den Brocken, kehrten aber meistens an dem- elben Tage schon mit der Bahn zurück. Die Temperatur auf dem Brocken war 7 Grad unter 0, das Bild der Schnee- andschaft großartig.

* Die deutsche Schule in Johannesburg steht seit 1. August . Js. unter der Leuung eines früheren Hamburger Lehrers, des Herrn Dr. G. Weidner. Sie wird von der deutschen Gemeinde unterhalten, der Staat zihlt aber, da Holländisch vorgeschriebener Unterrichtsgegenstand ist, für jeden Schüler 80 Mk. Zuschuß. DieSüdafrikan. Ztg." berichtet über sie olgendes: Nachdem vom 26. bis 28. September die erste Besichtigung durch den Inspektor Neuwenhuize stattgefunden hatte, ist vor kurzem der amtliche Bericht darüber eingegangen. Er äußert sich folgendermaßen:Das Schulgebäude, in einem der gesundesten und schönsten Theile der Stadt gelegen, kann als ein Muster für Schulanlagen dienen. Die Schulmöbel sind gut, die Lehrmittel vortrefflich. Lesemaschin-n, verbesserte Rechenmaschinen, vollständige Sammlungen von Bildern für den Anschauungsunterricht die biblische und die Weltgeschichte, die neueren Karten, anatomische und naturkundliche Präparate sowie physikalische und chemische Apparate, alles zeugt von der Sorgfalt und der Kenntnis, mit welcher die Hilfsmittel zusammengebracht sind, um den Unterricht so gründlich als möglich zu machen." Von den 165 Kindern der Anstalt waren zur Zeit dec Inspektion 16 abwesend, 25 waren weniger als drei Monate auf der Schule, zwölf waren Kinder von holländisch sprechenden Eltern, sodaß 102 für die Zulassung zu dem von btin Staat gewährten Zuschuß in Betracht kamen. Die Leistungen sämmtlicher Schüler im Holländischen waren

einen guten Verlauf nehmen, wenn sie rechtzeitig und zweck­mäßig verbunden werden.

Es wäre deshalb zu wünschen, daß alle Soldaten so­wohl Unterricht in der ersten Hilfe erhielten, als auch mit dem notwendigsten, aber ausreichenden Verbandsmaterial aus­gerüstet würden. . ~ L . . . . ,

Ebenso wichtig ist aber die Forderung, daß jeder Sol­dat über die Bedeutung des Roten Kreuzes unterrichtet werde. Es sollte sich nicht wieder ereignen, wie es zum Beispiel im letzten französischen Kriege nach der Räumung von Orleans geschehen ist, daß deutsche Aerzte und Ver­wundete, die im Vertrauen auf die Genfer Konvention zurückgeblieben waren, als Kriegsgefangene behandelt, fort­geführt und mißhandelt wurden.

Wir Aerzte in erster Linie haben ferner im Namen der Humanität unsere Stimme zu erheben, wenn die zur Anwendung kommenden Waffen und Geschosse über den Zweck hinaus, den Gegner kampfunfähig zu machen, daraus ausgehen, ihn zu verstümmeln.

Die Befürchtung, daß letzteres geschehen könne, ist durch die neue Handfeuerwaffe nahe gerückt. Die jetzt bei fast allen europäischen Nationen eingeführten kleinkalibrigen 'Gewehre haben eine sehr hohe Anfangsgeschwindigkeit (640 Meter). Das dazu gehörige Projektil ist ein mit einem harten Metallmantel versehenes Bleigeschoß. Bei Verwen­dung solcher Projektile ist die Durchschlagskraft des Ge­schosses eine bedeutende; noch auf 3000 Meter Entfernung können drei bis vier hintereinander befindliche menschliche Körper glatt davon durchbohrt werden. Anders, wenn der Metallmantel an der Spitze entfernt wird. Dann wirkt die hochgesteigerte lebendige Kraft und die Deformierung des kleinkalibrigen Bleispitzgeschosses zusammen, und das Resultat ist eine furchtbare Sprengwirkung in den harten und ganz besonders in den weichen Körpergeweben. Solche Geschosse, die sogenannten Dum Dum-Kugeln (nach der Staatsfabrik Dum Dum bei Kalkutta), haben die englischen Truppen in ihrem jüngsten Kriege in Tschitral gegen die indischen Grenz­stämme angewandt undwahrhaft grausame Wunden" da­mit erzeugt, so daß die Geschosse, wie der englische Chirurg Davis meint,in einem europäischen Kriege höchst wahr­scheinlich verboten würden". Die englischen Soldaten hatten nämlich vorher die Erfahrung gemacht, daß mancher von einem Vollmantelgeschoß durchbohrte Feind noch im Stande war, weiterzustürmen. Auch in Egypten wurden nach Hamilton ähnliche Projektile hergestellt.

Angeregt durch diese Berichte, hat Professor Bruns in Tübingen zahlreiche Versuche an Leichen mit dem Bleispitz­geschoß gemacht. Die auf diese Weise hervorgerufenen Ver­letzungen übertrafen die schlimmsten Erwartungen.

Bruns fand, daß die aus kleinkalibrigem Gewehre ge­schleuderten Bleispitzgeschoffe bei Nahschüssen bis auf 200 Meter Entfernung Verletzungen machten, die schwerer sind, als alle bisherigen Gewehrschußwunden: immer war eine abnorm große, unregelmäßige Ausschußöffnung vorhanden, immer eine ausgedehnte Zertrümmerungshöhle in den Muskeln bis zu Faustgröße und eine Zersplitterung des Knochens in zahllose kleine Splitter, so daß oft ein beträchtlicher Defekt des Knochens bestand. Auf ganz nahe Entfernungen (25 bis 50 Meter) beschossen, zeigten sich Weichtheile und Knochen in weiter Strecke zerrissen, zertrümmert und zer­splittert; dazu waren große Gewebspartien herausgeschlagen mib nach außen geschleudert, so daß die Glieder oft nur noch durch Hautstreifen und einzelne Sehnen zusammen­hingen. Die Ausschußwunde stellte sich als enormer Defekt in der Haut und den Muskeln dar. Die Muskeln fanden sich namentlich in der Ausschußstrecke zertrümmert, zerfetzt und in großen Stücken defekt, die Gefäßstämme meist zer­rissen. Noch auf eine Entfernung von 400 Metern war eine spezifische Wirkung des Bleispitzgeschosses zu erkennen; die hervorgebrachten Verletzungen waren entschieden schwerer als die der Mantelgeschosse bei gleicher Entfernung. Bei 600 Metern war die spezifische Wirkung nicht mehr konstant. Die Grenze würde also etwa bei 500 Meter anzunehmen fein.

Es liegt auf der Hand, daß die konservative Chirurgie, so erfolgreich in den letzten fünfzig Jahren gerade bei Schußwunden, bei solchen Verletzungen machtlos sein würde. Es würde nichts übrig bleiben, als den Verwundeten, wenn er nicht infolge der ausgedehnten Weichteilverletzungen vorher verblutet sein sollte, zu amputiren.

so, daß ihnen der Zuschuß zuerkannt wurde. Erwähnt fei noch, daß durch die Freigebigkeit eine» Bürgers der Grund zu einer Schulbibliothek gelegt worden ist. Es wäre höchst wünschenswert, daß Gönner der Schule diesem Beispiele folgten und wissenschaftliche und literarische Werke der Anstalt überwiesen, damit die deutsche Schule auch nach dieser Seite hin den Anforderungen gerecht werden kann, die man an eine höhere Unterrichtranftalt zu stellen berechtigt ist. Auch die Schülerbibliothek befindet sich noch in den ersten Anfängen und harrt ihrer Erweiterung sowohl durch deutsche wie holländische und englische Juaendsch,iften.

* In China geht die Fürsorge der Regierung so weit, daß sogar das Anlegen der Winterkleider befohlen wird. Vor einigen Wochen hat der Kaiser das Edikt er­lassen, daß er die Anlegung der Winterkleider befiehlt. Für das ganze Reich, das alle Arten des Klimas, vom hoch­nordischen bis zum tropischen, umfaßt, wird es Winter an dem Tage, der dem Kaiser beliebt. Sobald Seine Majestät in Peking findet, daß der Nordwind ihm frisch um die er­lauchte Nasenspitze streicht, haben alle 400 Millionen Unter» thanen gleichfalls zu frieren und sich in warme Gewänder zu hüllen. Auch die Leute im Süden, in Kanton beispiels­weise, müssen, obgleich die Sommerhitze fortdauert, in Winterkleidung einhergehen, weil der Kaiser befohlen hat, daß es kalt ist. In derselben Weise wird durch kaiserliche Verordnung der Anfang des Sommers festgesetzt.

* Ein weiblicher Blaubart. Die 60 Jahre alte Frau Luka Johnston in Percy, Oklahoma-Territorium (Ver­einigte Staaten), ist angeklagt, die sechs Ehemänner, die sie gehabt hat, ermordet zu haben. Die Leichen der beiden letzten Ehemänner wurden ausgegraben und obduziert. Bei beiden war die Leber so mit Arsenik angefüllt, daß sie voll­ständig erhalten war.

Landwirtschaftliche Winke u. Ratschläge.

Aus Oberhefferr. Ende Dezember.

Landwirtschaftliche Rückschau aus das Jahr 1898.

Ein Jahr und mehr ist vergangen, fett wir uns auf dem Gebiete der Landwirtschaft nicht mehr geüh.n und uns über wichtige Fragen unterhalten und gesprochen haben. Zett urb Umstände batten alle.lei Hindernisse gebracht. Diese sind veseittgt, wtr wollen darum von Zett zu Zen wieder einige Mitteilungen bringen. Der Raum, der heute zur Verfügung steht, möge einem Rückblick auf daS zu Ende gehende Jahr 1898 gewidmet sein.

Kein Mensch konnte ahnen, daß daS Jahr 1898 so seltsame Sprünge machen würde, wie es tbatsächttch oorkam. Im Wnter- monat Januar fanden wir Schlüsselblumen und Veilchen tm Freien und mußten dasür im Wonnemonat Mat dte Deien Heizen. Vom 1. Januar bis 15. Jult hatten wtr mit geringen Pausen Regen und alle Welt klagte und sprach die Befürchtung aus: Wtr werden etn Mthjohr bekommen. Statt dessen brfamen wtr eine Ernte an Getreide, Klee, Heu und Wurzelgewächsen, wie sie seit Menschen­gedenken noch nicht gesehen worden war und was weiter das schöne dabet war: wir bekamen immer zur rechten Zett gute Witterung, so daß wtr den Segen auch gut unter Dach und in Keller bringen konnten. Zwei Sachen mißrieten in Oberh>ssen: Obst und Grün- düngungSpflanzen, aber sie sind nicht von großer Wichtigkeit.

Für den Bauer ist aber noch besonders werlhooll, wenn er seine Aussaaten richtig beft-llen fann. Diese Bedingung hat der vergangene Herbst in glänzender Weise erfüllt. Vom 21. September bis zum 20. Dezember batten wir teils warm und trocken, teils mild und feucht. Dte Herbstarbeiten konnten gut gethan werden, dte Körnerfrüchte gingen schön auf und stehen fast überall vortrefflich, nur da, wo dte Schnecken schadeten, sind Lücken. Dte Pflugardeiten sind in manchen Gemarkungen bis auf dte letzte Furche geleistet worden, am 20. Dezember fab Schreiber dieser Zeilen noch Stoppeln stürzen. Bis in den hohen Vogelsberg hinauf gab es eine treffliche Ernte und ebenso konnten die Herbstbestellungen gut besorgt werden.

Das Jahr 1898 brachte uns das silberne Jubiläum der hessischen landwirtschaftlichen Genofsenfchaften. Was in dieser Branche bet uns geleistet wird, hat uns bis jetzt kein anderes Land, weder in Deutschland, noch in Europa nachgemacht. Dte Segnungen und Vortetle des Genossenschaftswesens sind so offen­sichtlich, daß man sie mit der Hand greifen kann, doch der Bauer von altem Zuschnitt steht der ausg-zeichneten Einrichtung halsstarrig und stetfnackig gegenüber. Man höit k'agen und lamentieren, dte Leute schimpfen und räsonnteren über schlechte Zetten, über zu hohe Steuern, vermögen aber nicht etnzusehen, daß es vorzugsweise an ihnen selbst liegt, wenn es nicht besser wird. Wtr haben schon vor 10 Jahren an dieser Stelle darauf hingewtesen, daß das beste dte Selbsthtlfe beim Bauer und beim Handwerker ist. Hilf dir selbst, o hilft dir Gott! sagt ein gut deutsches Sprichwort und wenn dieses beachtet wird, gelangt das andere zur vollen Geltung: Bet und arbeit, so hilft Gott allezeit!

Seit mehr als 20 Jahren wiikt der Einsender durch Schrift und Wort für dte soeben ausgesprochenen Ideen, er findet aber nach- wie vor, daß dte Kleinbauern und Handwerker, denen das Gtnossen- schaflswesen zu unendlichem Vorteile gereichen müßte, der Sache am lässigsten und trägsten gegenüberstehen. Wenn Vorträge gehalten werden, gehen sie nicht herbei, sondern drücken sich lieber anderwärts herum, oder, wenn sie doch herbeigehen, stellen ste Behauptungen auf, die den Erfahrungen widersprechen. Bei dem Handwerkerstände sieht es noch ungünstiger In genossenschaftlicher Hinsicht aus, als bei den Landwirten. Erst seit vorigem Jahre hat man das gewerbliche Genossenschaftswesen unter die Vorträge ausgenommen, die im Wintersemester in den Gewerbeveretnen gehalten werden. Landwirt- chaft und Handwerk berühren sich auf dem Lande tagtäglich und darum sollte in diesen Kreisen ganz besor ders für Selbsthilfe gewirkt werden. Erst wenn es noch schlechter wird, als seither, weiden den Leuten die Augen aufgehen.

Auch für dte berufliche Ausbildung der jungen Landwirte und Handwerker muß noch viel mehr gethan werden, als seither geschehen ist. Wenn man diej ntgen Landbewohner hört, die in btt ersten Hälfte des zu Ende gehenden Jahrhunderts die Volksschule besuchten, o begegnet man eigenartigen Ansichten: sie glauben, die Wett sei »ereits so ge cheidt geworden, daß ste überschnappen müßte, wenn das o weiter ginge und doch stehen wir erst am Anfang aller Erkenntnisse und Wlffenschaften. Dem Schreiber dieser Zeilen kam kürzlich der Fall vor, daß ein Vater seinen Jungen hauen wollte, weil letzterer agte: es gebe jetzt 60 und mehr Elemente, während der Vater behauptete: Feuer, Waffer, Lust und Erde wären die vier richtigen Elemente, alles andere wäre Schwindel und Faselei. Allenfalls könne man noch ein Hektoliter Zehnmarkstücke als gutes Element gelten lassen und wer das nicht glaube, der sei ein Eulensoiegell

Wer einigermaßen etwas von unserer jetzigen W ltlage versteht, der ist der Ansicht, daß wir großen Aenderungen in Kunst, Wissen­schaft, Landwirischaft und Industrie entgegen gehen. Das muß sich auch der Bauer klar machen und sein Teil dazu beitragen, daß er in einem Berufe nicht als beschränkter Kopf dasteht. Er ist es feinen Kindern schuldig, sie richtig vor- und auSbilden zu lassen, daS ist in vielen Fällen mehr wert, als etliche Morgen Aecker und Wiesen. Hiermit wollen wir für diesmal schließen und dem freundlichen Leser noch ein glückliches, fröhliches Neujahr wünfchen!