Ausgabe 
25.12.1898 Drittes Blatt
 
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Zufriedenheit im Lande Hervorrufen. Li Hung Tschau- rheilt die Anfichim der Kaiserin Wittwe. B treffS bei Streites mit dem franzöfi'cheu öonful in Shau-hai besagt dal Ja. terview, el bandle sich lediglich um die Ausnützung del chinefischeu Termins durch fraozöfi'che Speeulauten. Die Franzosen hätten kein Recht zu irgendwelchen Ansprüchen. Hgchft-ns sei e<n ky i-n sch.s vorhanden._________

CocaRf ssn- PpsvinzieUe».

Butzbach, 21. December. Dal hiesige BahuhosS- gebäud e »st in der letzten Zeit derart umgeändert und neu hergerichtet worden, daß el wohl all dal schönste an der ganzen Main-Weser-Bahn gelten kann. Eine neue Bettuch- tun-, mitten Spiritulgal, wurde in verschiedenen Räumen des Stationsgebäude! eingesührt. An den Erweiterung!- anlagen del Schienenstrangel konnte ebeufalll seither flott gearbeitet werden, so daß die geschaffenen neuen Geleise eher wie erwartet ihrer Bestimmung übergeben werden können.

Münzenberg, 22. December. Ein hiesiger Oekonom wollte ein jungel Pferd einfahren und spannte el deshalb mit einem alten zusammen. Dal Thier ging aber durch, wobei der Mann vom Wagen geschleudert und so verletzt wurde, daß er starb. Ein anderer Mann, einer der ältesten hiesiger Gegend, der gerade vorüberging, wurde zu Boden ger ffen und kam so unglücklich unter den Wagen zu liegen, daß ihm beide Beine doppelt gebrochen wurden.

Saubach, 23. December. Heute Vormittag 9 Uhr wur- den bte hiesigen Bewohner bnrch Feuerwehrsignale in Schrecken versetzt. Es brannte in dem Wohnhause bei Lanbwirths Jäger (unweit bei Kriegerdenkmals). Dal Feuer war im Keller bei Hansel aulgebrochen, angeblich verursacht beim Aasthaueu der Wafferleitunglröhren. Da in dem Keller sich Strohbündel, Asche und Bretter befanden, hatte dos Feuer sich schnell aulbreiten können! Ein dichter Qualm erfüllte bald dal ganze HauS, so daß die Bewohner, darunter auch bte Familie bei Theaterdirectorl Henning, bte bte zweite Etage gemietet, flächtig gehen mußten. Die Feuerwehr war mit ihren Spritzen sofort zur Stelle unb gelang el ihr, das Feuer auf seinen Herb zu beschränken, so baß nur Kellervoreäthe ein Opfer beffelbeu würben. Der Llteste Bewohner Laubachs, Herr Meyer Strauß, geb. 12. März 1805, feiert nächsten Sonntag mit seiner Gattin dal seltene Fest der diamantenen (60 jährigen) Hochzeit. Der im 94. Lebensjahr stehende Jubilar erfreut sich noch großer Rüstigkeit, so daß er die zum Haushalte nöthigen Geschäfte noch selbst besorgt,- die 88 jährige Jubilarin kann, da sie nahezu erblindet ist, dal Zemmer nicht mehr verlaffeu.

Bad Rauhet«, 23. December. Mit Rücksicht auf den starken Post, und Telegraphenverkehr während der Saison war projrctirt, in der Billa Weitzel nächst dem Bahnhof ein Postamt I. Klasse zu errichten. Dal Reichspostamt hat ein Brdürsniß zur Errichtung einer derartigen zweiten Post- anstatt nicht anerkanm, aber angeordnet, daß mit Rückficht auf die Unzulänglichkeit der jetz gen Postdiensträume für die jedesmalige Badesaison der nächsten Jahre in nächster Nähe bei j tz'gen Posthausei einige Helflräume eingerichtet werden sollen. Geh. Oberbaurath Hofmann in Darmstadt hatte auf Ersuchen bei hiesigen Gemeinberaths einen der- änderten Bebauuuglp lau für den südlichen Stadttheil ausgearbeitet, der dem Gemeinderath vorgelegt wurde. Er betonte, daß die jetzige Bautechnik auf dem Standpunkt stehe, keine schnurgeraden Straßen, an denen sich dal Auge satt- sehe, za bauen, sondern Straßen in gefälliger Bogenform, unter möglichster Berücksichtigung der vollständigen Aus­nutzung der Grundstücke anzulegen. Der Gemeinderath genehmigte den mod'ficirteu Bauplan.Darmst. Ztg."

Friedberg, 22. December. Heute Mittag zwischen 12 unb 1 Uhr würben dem Händler GrÜuebaum aus Rendel in Groß Karben, während er Geschäfte erledigte, Pferd sammt Wagen mit Inhalt von bedeutendem Werthe gestohlen. Der Dieb, der Hausknecht bei Gastwirth Müller in Groß« Karben war, nahm feinen Weg über Ilbenstadt nach Fried« berg und passirte unsere Stadt kurz vor 3 Uhr. Dal Pferd, ein Hochtraber von gelber Farbe, war vor das Lauterbacher Wägelchen gespannt, welchel mit Kisten unb Säcken beladen war.

Worms, 21. December. Die Bürgermeisterei hat einen Plan verfaßt, nach welchem die Gehälter der hiesigen Bolklschullehrer geregelt werden. Der Gehalt steigt dauernd von drei zu drei Jahren bil zum 30. Dienstjahre, tu dem die elfte (höchste) Klaffe erreicht wird. Daß Auf. steigen geschieht folgendermaßen: a. bei den Lehrern: 1. Klaffe 1400, 2. Klaffe 1660, 3. Klaffe 1720, 4. Klaffe 1880, 6 Klaffe 2040, 6. K affe 2200, 7. Klaffe 2360, 8. K affe 2620, 9. Klaffe 2680, 10. Klaffe 2840, 11. Klaffe 3000 Mark- b. bei den Lehrerinnen: 1. Klaffe 1300, 2. Klaffe 1460, 3. Klaffe 1620, 4. Klaffe 1780, 5. Klaffe 1940, 6. Klaffe 2100 Mk.- c. bei den Schulverwaltern: 1. Klaffe 1160, 2. Klaffe 1275, 3. Klaffe 1400 Mark- d. bei den Schulverwalterinnen: 1. Klaffe 1100, 2. Klaffe 1200, 3. Klaffe 1300 Mark. Schulverwalter unb Schulverwalterinnen erhalten bei einer Verwendung vorzurückgelegter Schulprüfung einen Gehalt von 1000 Mark. Die Oberlehrer erhalten «och -int jährliche Functionszulage von 300 Mk. AuS den Gehalten der Schulverwalter soll der Beitrag der beitrag!, pflichtigen Stelle, welche sie bekleiden, zur Lehrer-Wittwen- und Waisenkaffe bestritten werden, auch wenn die betreffenden Verwalter nicht zur Theilnahme an der Wittweu« unb Wmseu- kaffe berechtigt find. An Miethentschädigungen werden ver­gütet: den verheiratheten und verwittweteu Lehrern für das Jahr 500 Mark, den nnverheiratheten Lehrern unb Lehrer- innen unb den verheiratheten Schulverwaltern für das Jahr 300 Mark, ben nnverheiratheten Schulverwaltern unb Schul- Verwalterinnen für ba! Jahr 200 Mark. Die Hand, urbeitllehrerinneu an ben städtischen Volksschulen steigen bei gewissenhafter unb tadelloser DienstsÜhrnng im Gehalte nach

folgenden Gebaltlklaffen auf: 1. Klaffe 1000, 2. Klaffe 1150, 3. Klaffe 1300, 4. Klaffe 1450, 5. Klaffe 1600 Mark. Wohnungsvergütung erhalten dieselben nicht. Die Auf« beffernug der Lehrer und Lehrerinnen, der Schulverwalter unb Schulverwalterinnen im Gehalt beträgt bei Anwendung ber vorstehenb vorgeschlagenen Skala unb einschließlich ber Wohnungsvergütung im Jahr 29,385 Maik oder 16,6 pEt. Die jährliche Mehrausgabe an G halt für Jodustrielehrerinnen noch der neuen Skala beziffert sich auf 630 Mark ober auf 10,47 P ocent.

Worms, 21. December. Aehnlich wie in Frankfurt, Darmstadt unb ueuerbingS auch in Mainz will auch unsere Stabtverwaltung fflrbie städtischen Arbeiter Ruhegehalte unb für ihre Hinterbliebenen Wittweu- unb Waisengelber einsühren. In bieser Angelegenheit ist von ber Bürger- meisteret an bie Skabtverordneteu eine Vorlage gelangt, in ber bie Grunbsätze festgesetzt finb. D e Versorgung wirb barnach allen bevjenigen Arbeitern zu Gute kommen, benen au» ben Gesetzen über die Unfallversicherung und bie Jnvali- biiatl« unb Altersversicherung ein Anspruch nicht erwächst. Ausgeschlossen sollen alle bie sein, bie einen Lohn oder Gehalt von mehr all 1600 Mk. jährlich beziehen. Der höchste Lohn, ber zur Zeit an städtische Arbeiter bezahlt wird, beträgt 4 Mk. 80 Psg. pro T-g. Es soll für den Ruhegehalt un« bedingt und für die Gewährung von Wittweu- und Waisen­gelb in der Regel eine mindestens 10jährige ununterbrochene unb tadellose Dienstzeit verlangt unb dieser Zeitraum erst vom 23. Lebensjahre au in Anrechnung gebracht werben, sodaß ber fragliche Bedienstete oder Arbeiter mit dem 33. Lebensjahre in ben Bezog bei Ruhegehaltes treten könnte. All Mindestbetrag deS Ruhegehaltes sind 25 pEt. des letzten DiensteiukommenS, mindestens aber der Betrag von 240 Mk. angenommen. Der Ruhegehalt soll mit jährlich l1/, pSt. bis zum Höchstbetrage von 75 pEt. steigen, sodaß der Höchstbetrag im 66. bis 67. L-bensjahre erreicht werden würde. DaS Wittwengeld ist auf 25 pLt. des letzten Dienst- einkommens des verstorbenen Ehemannes, mindesten! aber auf 180 Mk., baß ist/i des Mindestbetrages des Ruhegehaltes, angenommen. Die Regnlirung des Waiseugeldes ist ben Satzungen ber Wittweu- unb Waiseuanstalt ber Angestellten ber Stadt Worm! nachgebildet.

A Kastel, 23. December. Bei einer ganzen, aus fünf Köpfen bestehenden hiesigen Familie traten gestern alsbald nach genommenen Mittagsmahl heftige Symptome einer Vergiftung ein. Der Vater, bie Mutter unb die Kinder wurden unter Verfärbung ihrer Gesichtsfarbe von heftigem E brechen befallen und zwar trat die Erkrankunglerfcheinnng derart heftig auf, daß, bevor noch ärztliche Hülfe in Anspruch genommen werben konnte, ein siebenjähriges Kind von dem Tode hingerafft wurde. Bei ben Übrigen Familienmitgliebern konnte ber herbeigerufene Arzt, Br. Wallenstein, insoweit erfolgreich Gegenmittel anwenben, baß, bis auf ein zweites Kind, bei keinen weiteren Personen eine Lebensgefahr vor- Händen ist. Durch was bie Vergiftung geschehen, ist noch vollstänbig räthselhast. Die Familie hatte bei Tisch Erbsen- suppe mit Wurst genossen, welche Speisen in einem neuen emaillirten Topf hergestellt waren. In ber Wurst können bte Vergiftungsstoffe nicht enthalten gewesen sein, ba nach, weißlich auch andere Personen von derselben genoffen haben, die nicht erkrankt find. Auf Beranlaffung des Dr. Wallen- stein erschien noch am Nachmittag der Kreisarzt wie auch die richterliche Behörde.

Vermischtes.

* Straßburg, 23. December. DerStraßb. Post" wird geschrieben: Wie lebhaft ber Antheil ist, ben die DreyfuS- fache auch außerhalb Frankreichs gefunden hat, geht wohl daraus hervor, daß einzelne Namen, welche während bei Proceffel allgemein bekannt geworden find, von deutschen B altern nahezu im Sinne geflügelter Worte gebraucht wer­den. Ich habe mir folgende Redewendungen auf gezeichnet: DaS Schriftstück erwie! sich all plumpe! Henrhficat". Er briffonirte hin und her, ohne zu einem Entschluß zu kommen". ist jetzt in einer ordentlichen Paih de Elämmr".Er hat seine Rolle außßccabaignact". »Eine Zeit gelang ihm, sich durchzuesterhaziren, aber schließlich ereilte ihn doch dal verdiente Gesch ck".

* Sin gestrandetes Schiff. Mittwoch Morgen strandete bei Weichselmünoe der schwedische SchoonerAron" in hoher Brandung. Die Besatzung flüchtete in bie Mastspitzen unb wurde vormittag! nach mehrstündiger schwerer Arbeit gerettet. Da! Schiff, das eine Holzladung führte, wollte Neufahrwaffer all Nothhafen anlaufen, verfehlte aber in ber Dunkelheit bie Hafeneinfahrt unb wurde auf ben Strand getrieben und dort zerschlagen. Drei Mann ber Besatzung, welche im eigenen Boot baß Ufer erreichen wollten, kenterten in ber Branbung unb wurden von einem Offizier ber Weichselmünder Garnison mit Hilfe von Fischern gerettet. Der Raketeuapparat der Rettungsstation versagte, doch gelang es dem Rettungsboot der Looifenstation ba» Wrack zu er­reichen unb ben Eapitäu mit den übrigen sechs Mann in halberstarrtem Zustanbe zu bergen.

* Straßburger Deutsch.französisch. ES handelt fich dabei um ben Einkauf eines Stoffe! für ein Kleib. Dir Käuferinnen werden folgendermaßen angefprochen:Bon jour bifamme. Wal hatte Sie gern ? Que desirez-vous, mes dames? Zeug vor e Röcke!? ah, mer hau netii titoffele, voyez par exemple, do de! ifd) schön, un gar nel fragil. Sie derfe sicher fin, bei isch e Stoffe, wo !en taohe annehmt, bcouleur isch hell, aber nit difficile, du tout, e! macht ne sicher e güter uaage, ua gris sich Mode, mit wiß garnirt, vous verrez, b,ß isch chic. Ou bien grin, isch au nett, 1 isch schau ntmme so ganz comme il faut, 'S tragt e jed'l Maibel grin; plutöt nehmt Sie do des. De! gibt e schöne! coßtume, un sich nouveautS. Bien merci, e ander! Mol wieder. Adieu mea dames, au e compliment d'rheim, wenn! beliebt.*

«nsgrabuugtn. vor Kurzem wurden in Sparta auf einem von ber griechischen archäologischen Gesellschaft ge­kauften Grundstück Ausgrabungen vorgeuommen unb hierbei ein werthvolle! antike! Mosaik entdrckt, daS eine Scene aus dem Trojanischen Krieg barstellt, wobei den Mittelpunkt bei Ganzen Achilleus bildet. Da! Mosaik, da! vorzüglich er­halten ist, besitzt einen großen künstlerischen unb archäologische« Werth.

* Dem eben erschienenen amtlichen Verzeichniß des Seminars für orientalische Sprachen in Berlin entnehmen wir, baß bte Anstalt in bem gegenwärtigen Winterhalbjahr 179 Besucher zählt, bie von 26 Lehrkräften unterrichtet werben. Unter ben Schülern befioben fich 107 Angehörige der juristischen Fakultät (zum größten Theil DragornanaiS- A Plrauten), 21 Angehörige der philosophischen Fakultät, 24 Kaufleute und andere Privatpersonen, 14 Offiziere, 3 Aerzte, 3 Theologen unb 7 Techniker und Landwirthe. Den stärksten Besuch weisen bie Uuterrichtlstunben in ber chinefischen, russischen und türkischen Sprache, sowie im Suaheli auf, bann folgen Arabisch unb Japanisch. Auch bte Vor­lesungen über Tropenhhgiene sind stark besucht. Au den nichtamtlichen Lehrgängen für Kaufleute nehmen 149 Personen Theil: 89 lernen russisch, 60 spanisch. Mit weiteren 5 Hospitanten beträgt bie Gesammtzahl ber Serniuarbesucher 333 Personen.

* Wahrhaft grauenhafte Zustande herrschen im Mabri* ber Finoeihaus, tote kürzlich entbrckt würbe. Es fittd bort, um durchschnittlich 120130 Kinder zu säugen, nur 30 Ammen vorhanden. Beständig hört man ba! Weinen ber nach Nahrung verlangeuben Kinder, bte lavgfam Hnngerv sterben müffen. In einem Monat gingen allein 68 zu Grunbe. Unb was ist ber ®runb zu diesem Mangel an Ammen? Mau schuldet ihnen daS Gehalt für 28 Monate, welche! 766 000 Peseta! beträgt. In ihrem schr.ckttchen Elend nehmen bie Ammen ihre Zoflacht zu gewissenlosen Agenten, welche bie Rückstände einzutreiben versuchen gegen eine Anftragsgebühr von mehr al! 60 v. H. Jetzt endlich will man die Ammen bezahlen in Madrider Stadtobli- gationen, die höchsten! einen Werth von 60 v. H. besitzen»

Literatur uub Kuttft

EinKürschner" darf auf keinem WethnachtSttsche fehlen, das ist fett Jahren ein unumstößliches Axiom der deutfchen Familie. Wir begrüßen deshalb mit besonderer Freude bie neue Ausgabe vonFrau Musika", denn Jofevh Kürschner, der unS bereits daSMusikalische ConseroationS-Lrxtkon" bescheerte, diesem alS ebenso erwünschteWeltsprachen Lexikon", daS herrliche PrachtwerkDa! ist des deutfchen Vaterland" folgen läßt unb in feinem einstimmig anerkanntemKürschners Jahrbuch" für billigsten Preis, ein Jedem willkommenes Geschenkswerk schuf, entspricht mit der rasch fort­schreitenden Lieferungsausgabe vonFrau Mustka" die Erwerbung dieses auch dem wenigst Bemittelten. Sorben erschien Lieferung 6, welche die reichste Auswahl bester Klaviermusik enthält soweit fie namentlich für den Vortrag im geselligen Kreise in Betracht kommt. Die Kunst der Concentration eines ungeheuren Stoffs, die schwerlich einem Andern je so zu eigen geworden ist, wie Kürschner, zeigt fich hier wieder in glänzender Weise. Wir können nur immer von Neuem die Erwerbung des Buche» gerade für die Weihnachtszeit empfehlm. ES giebt auf bem Gebiete der Hausmusik nicht! Besseres und Zweckentsprechendes als KürschnersFrau Mufika" (Berlin, Hermann Hillger Verlag, 20 Lieferungen ä 1 Mk., Ein» banddccke gratis).

Die Doma* aarea Neronie. Eine sehr fesselnde, gefällige Darstellung mit wissenschaftlicher Gründlichkeit verbindende Monographie über daS Goldene Haus des Nero hat Gräfin Erstli« Lovatelli, Ehrendoctor der Universität Halle, im zweiten November­heft der Nuova Antologia veröffentlicht. Anknüpfend an den sogen. Neronischen Brand Roms vom 19. Juli 64, der auch deS Kaisers eigene Palastanlage beschädigte, erzählt die Verfafferin auf Grund der Quellen, wie Nero, diesen Anlaß benutzend, seine Domas aarea von Neuem aufbaute, sie räumlich erweiterte, sodaß sie von dem Hügel deS Palatin über den CaeliuS und Esquilin sich bi» zum Vtminal erstreckte, und wie er sie mit märchenhafter Pracht ausstatten ließ. Die Baumeister Seiet und SeveruS leiteten diese Erneuerung, der Maler Famulus schmückte die Jnnenräume mit feinen Malereien, von denen heute noch in dem Untergeschoß der sogenannten Titus- thermen Proben erhalten find. Der von ServiuS TulliuS erbaute Tempel der Fortuna Seja wurde in den Neronischen Palastbau etn- bezogen und mit dem kostbarsten Marmor neu bekleidet. Die Co- lossalstatue des kaiserlichen Bauherrn, ein Werk deS berühmten Zenodor, wurde in der Vorhalle ausgestellt; unter den späteren Kaisern wurde sie mehrfach verpflanzt und umgestaltet, von Com- modus mit seinem eigenen Bildniß versehen, bis fie schließlich auf noch unbekannte Weise unterging. Nero erlebte die Vollendung seines RiesenpalastbaueS nicht. Otho suchte ihn weiterzuführen und warf 50 Millionen Sesterzien dafür auS, DitelltuS verließ die un­fertige Arbeit, und Vespastan folgte seinem Beispiel, indem er dem Publikum die theils vollendeten tbeils unfertigen Gebäulichkeiten überließ. TituS n hm einen Theil davon in Anspruch, insbesondere die Piscina NeroS, um seine Therrnen-Anlage daran anzuschließen. Nach einem noch nicht veröffentlichten, aber von der V rfafferin be­nutzten, topographischen Plane Professor Hülsens ist dieser Rest deS Neronischen Baues tu den Sette Sale auf dem Esquilin zu suchen^ wo die herrliche Laokoon-Gruppe aufgefunden wurde. Andere TheUe der Neronischen Anlage dienten dem Kaiser Vespastan als Grund­lage für seine mächtigen Bauten, von denen da« Ampditheatrum Flavium die Stelle des ehemaligen künstlichen SeeS des Nero ein* nahm. Unzweifelhafte Reste der Domas aarea sind zu verschiedenen Zeiten aufgefunden worden, zum Theil unter dem Tempel der Venu! und Roma, theilS bei S. Pietro in Vincoli, neuerdings bei Gelegen­heit des Straßendurchbruchs von 1895 unweit des Colosseum! in einem mit Muschel- und Schrnelzrnosatk geschmückten zierlichen Nym- phäum. Die von Giovanni da Udine zum ersten Male studirten und ausgebeuteten Wandmalereien (GrotteSken) in den unterirdischen Räumen unter den TituSthermen, die dem Raffael Sanzio die An­regung zu seinen Ornamenten der Loggien des Vaticans gaben, ge- hörten auch zu dem künstlerischen Schmuck der Domus aurea. Der Haupttheil dieser prunkvollen Anlage Neros liegt aber heute noch unaufgedeckt unter den Gärten und Weinbergen deS Esquilin.

Preußische PfaudvriefSbank. Nach der im Jnseratmtheile veröffentlichien Bekanntmachung werden die am 2. Januar 1899 fälligen ZinSscheine der Hypotheken Pfandbriefe, Communal-Obliga- ttonen und Kleinbahnen Obligationen bereits vom 15. December er. ab an der Kasse der Bank in Berlin und Auswärts bei sämmtlichen VerkaufSstellm kostenfrei eingelöst. Den Verkauf hat die Mehrzahl der deutschen Banken und Banksirmen übernommen, und könnm Dort Stücke bezogen, sowie ausführliche Vrospecte über die verschiedmeW Papiere in Empfang genommen werden.