bei Rauschenberg niedergegangen. Da durch den vielen vorherigen Regen der Boden schon stark übersättigt war, so nahmen die Waffermafsen unvermindert ihren Lauf, das Alluathal, da» Ohmthal und da» Lahuthal vielfach überschwemmend und gar vielen Schaden anrichtend. Bei Kirchhain drang Vormittag» die Fluth schon tu die Stadt ein. Bon Goßfelden führten die anstürmenden Fluthen Cadaver von Schafen mit fich, das Vieh war vielfach nur unter großer Mühe zu retten. Ganze Thalstrecken gleichen See'u. Ohm und Lahn sind rapid gestiegen. Am Wehrdaer Weg riß die Strömung die Mögenburg'sche Badeanstalt in fünfter Morgenstunde fort, ebenso die Kähne mit sich. Ein Theil der Badeanstalt ward beim großen Wehr an» Land geworfen, da» Uebrige ist verloren, die Kähne suchte man bet Roth vergeben» aufzuhalten. — Vom oberen Lahnthal wird noch Folgende» gemeldet: Da» ganze Lahuthal bi» hinauf nach Laa-phe steht vollständig unter Wasser. Von LaaSPHe bis Leimstruth sieht e» noch viel schlimmer aus. In Feudingen kam die Hochfluth so schnell, daß e» den Leuten kaum mög- ltch war, da» Bteh au» den Ställen zu retten- die Wohnungen in den unteren Stockwerken mußten vollständig geräumt werden. In der Gegend von Erndtebrück ging ein schwerer Wolkenbruch nieder, tnfolgedeffen trat die Banfe bald aus ihren Ufern und überschwemmte den unteren Theil der Stadt. Die Einwohner konnten fich nur mit Mühe retten, da da» Waffer bis au den zweiten Stock reichte. Viel Bteh ist ertrunken. Wagen, Schlitten, Holz und Alles, wa» nicht sehr fest war, nahmen die Wafiermengeu mit- bei der Tele- grapheustangeu-ZubereituugSanstalt der Station Friedrichs- Hütte schwamm sämmtliche» Holz fort. In Laasphe soll ein Kind in den Wellen umgekommen sein. Der Schaden in den Feldern und Wiesen ist nicht zu berechnen- ganze bestellte Getreidefelder find weggeschwemmt. Die ältesten Leute erinnern fich nicht, je ein solches Hochwaffer erlebt zu haben. Oberh. Ztg.
• Bom Kaifeebesuch im Elsaß. Ueber den Besuch de- Kaisers im Masmünfterthal werden noch manche Einzelheiten bekannt und besprochen. Man erzählt der „Straßb. Post" u. A.: Vielfach aufgefallen ist e», wie ernst und gemessen der Kaiser bet der Hinfahrt aussah und wie freundlich und geradezu herzlich er bei der Rückfahrt war. Dazu mögen der über jeden Begriff begeisterte und herzliche Empfang, wie auch die herrliche Gegend und da» prachtvolle Wetter viel beigetrageu haben. Boa den wichtigsten Einzelheiten mögen noch folgende Erwähnung finden. Als der Kaiser am Stauweiher kein Publikum sah, sagte er gutgelaunt: „Aber laffen Sie die Leute doch herbei- sie sollen mich ja sehen!" Ein Bote theilte die» dem unten harrenden Volke mit, welche» sogleich herbetetlte, um den Kaiser zu begrüßen- Viele kamen leider zu spät. Einem hohen Würdenträger sagte der Kaiser scherzend: „Wie können Sie nur mit Ihrer Uniform die schöne Natur hier verschäuden?" Za einem Bürgermeister im Thale sagte der Kaiser, als einige vereinzelte Regentropfen fielen: „Diesen Regen muß ich Ihnen auf» Conto schreiben!" „Ja wohl, Herr Kaiser", entgegnete treuherzig der biedere Gemeindevorsteher. Eine ältere Jungfer, welche sonst durch „Sparsamkeit" bekannt ist, hatte fich einen theuereu Blumenstrauß verschafft, um ihn
dem Kaiser zu überreichen. Als bei der Rückfahrt der Kaiser in langsamstem Schritt durch die Straßen fuhr, gelang es ihr auch wirklich, den Strauß zu überreichen, welchen der Kaiser huldvollst anuahm. Die gute Dame weinte Freuden- thräneu. Wie wohlgelaunt der Kaiser infolge des herzlichen Empfanges war, zeigte fich, abgesehen von seinen lebhaften DaukeSbezeugungen, auch beim Besteigen de» Zuge». Nachdem der Kaiser den Wagen bestiegen hatte, reichte er unter allerlei Scherzworten den älteren Herren seines Gefolges die Hand, um ihnen den Aufstieg zu erleichtern.
• Die verkleinerte Nase. In der letzten Sitzung der „Berliner medictnischen Gesellschaft" zeigte Dr. Jaque» Joseph einen Fall, an dem zum ersten Mal die operative Verkleinerung der Nase zum Zwecke ihrer Verschönerung vorgenommen worden ist. ES handelt fich um einen Herrn, der unter der dauernden Mißstimmung, die ihm seine überaus große und unschön geformte Nase bereitete, fast schwermüthig geworden war. Da hatte er eines Tages gehört, daß es gelungen sei, zu große Ohren auf das normale Maß zu bringen, und nun dachte er fich, waS den Ohren recht, müsse der Nase billig sein. Die Operation gelang aufs Beste, der Operirte ward von seinem „abscheulichen Rüffel", wie er eS nannte, befreit und gelangte zu seiner größten Freude in den Besitz einer Nase, der man ihre Antecedentieu in keiner Weise anmerkt.
(tterahtt ernt Ar-mßt,
— Die Unternehmer-Cartelle und der Weg zum wirth- schaftlichen Frieden von W. Berdow. Verlag von Meuster, Messer & Co., Berlin W. 35. Die Frage der modernen Unternehmer- Cartelle in der Industrie, im Verkehr und Handel wird um so brennender, je größer die bereits bestehenden Verbände dieser Art werden. Der Verfasser der vorliegenden Broschüre möchte, wie das Vorwort ausspricht, ohne neueS Quellenmaterial erschließen zu wollen, nur die zuverlässigsten Resultate der vorhandenen, dem großen Publikum mehr oder weniger unzugänglichen Untersuchungen unserer Frage weitesten Kreisen bekannt geben. Nach einer kurzen Studie über die Entstehung der Cartelle oder Trusts, die überzeugend darlegt, daß Gründe wirthschaftlicher Nothwendtgkeit, nicht Uebermutb oder Profitsucht in den weitaus meisten Fällen die Bildung der Unternehmer- Coalition veranlaßt haben, wird die Erscheinung der Cartelle in ihren Hauptgebieten in einer Reihe einzelner, in sich abgeschlossener Essays an uns vorübergeführt. Außer Deutschland, Oesterreich, Frankreich, England sind es besonders die Vereinigten Staaten, in denen die hier bis zu einem scheinbar nicht mehr zu überbietenden Höhepunkt gediehme Cartellwtrtbschaft eingehend geschildert wird. Auf Grund dieses reichhaltigen Materials tritt Verf. dann in die Frage über die Nützlichkeit oder Schädlichkeit der Cartelle ein, und wenn auch sein Urtheil unter Berücksichtigung aller Gründe für und wider wesentlich anders ausfällt, als man in den breiten Volksschichten gewöhnlich über die Cartelle und ihre monopolistischen Tendenzen denkt, so ist doch die Objectivttät nach jeder Seite bin gewahrt. Gerade die Gefahren, die in der zunehmenden Machtentfaltung großer, kapitalistischer Interessengruppen für das Volk, für die Arbeiterschaft und die Industrie selbst schlummern oder zum Theil bereits hervortreten, find eingehend gewürdigt.
— Auf Cuba, die heiß umstrittene Perle der Antillen, richtet sich gegenwärtig das allgemeine Augenmerk, ebenso auf die Streitkräfte, welche die kämpfenden Parteien einander entgegenstellen können. Nach beiden Richtungen bieten darum die neuesten Nummern von „Ueber Land und Meer" (vierteljährlich 3,50 Mk., jedes vierzehn- lägtge Heft 60 Pfg.) ein hohes Interesse. In einer stattlichen Reihe von Darstellungen führt Adolf Wald, der rühmlichst bekannte Milttär- maler, die Typen der spanischen und nordamerikanischen Land- und Seetruppen vor Augen, und zwar nicht in steifen Figuren, sondern
in Form lebhaft bewegter Genrebilder. Eine weitere Reihenfolge von Illustrationen bringt Ansichten von den vielgenannten Hauptstädten der Insel: Havanna, Santiago und MatanzaS, auf welch letztere Stadl zuerst das Feuer der nordamerikanischen Panzer sich richtete. Ein Artikel aus fachkundiger Feder schildert des Näheren die auf Cuba bestehenden Verhältnisse.
— Don Griebens Retsebüchern, Verlag von Albert Goldschmidt, Berlin erschien soeben Band II „Baden-Baden und Umgebungen" in neuer Auflage zum Preise von 1 Mk. Zuverlässige Angaben, Übersichtliche Anordnung, handliches Format, gefällige Ausstattung bet wohlfeilem Preise, machen die Grieben'schm Reisebücher mit Recht empfehlenswerth.
UttbcrfUäb - Nachrichten.
— Der bisherige Prtoatdocent Dr. Adtckes zu Kiel wurde zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der dortigen Universität ernannt.
— Der bisherige Prosector am Anatomischen Institut der Universität zu Tübingen Dr. Disselhorst ist zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Facultät der Universität Halle-Wittenberg ernannt worden.
Landwirthschaftliches.
Der Stall, in dem junge Pferde eingestellt sind, soll hell sein. Ist der Stall zu dunkel, Dann ist der Uebergang, wenn die Pferde ins Freie kommen, von dem dunklen Stalle zu dem Hellen Tageslicht viel zu schroff, und die Pferde erkranken dann gerne an Augenentzündungen. Man soll aber auch dafür sorgen, daß das Licht nicht dtrect den Kopf oder die Augen des Pferdes trifft. Man sollte deßhalb immer die Fenster im Rücken der Pferde anbringen. Sollte das Licht von der Seite einfallen und den Kopf der Pferde treffen, bann könnte man auch die betr. Fensterscheiben mit Kalk oder einer weißen Oelfarbe anstretchen. Es kann dann wohl noch it-vaS Licht einfallen, es blendet aber nicht mehr.
Sind die Hufe spröde oder brüchig, wachsen sie schlecht, und ragt die Sohle fast über den Tragrand vor, wie es bet dem Flachhuf der Fall tst, dann reibe man sie in der Woche dreimal mit Lorbeeröl, etwa in Menge einer Bohne oder Haselnuß, ein. Dadurch wird ein größerer Blutreichthum an der Krone und eine energische Production von Horn heroorgerufen. Das neu gebildete Horn erscheint auch viel dunkler als das alte. In 4—6 Wochen kann ein ganz neuer Huf d. b. eine neue Hornwand nachwachsen.
Das ? ngenschlagen des Rindviehes läßt sich nicht mehr oder nur ' mer abgewöhnen. Manchmal hilft ein engmaschiger MauU ,as Einschmieren des Maules mit Kreolin. Unsinnig tst s eiben bes Bändchens unter ber Zunge, denn die Thtere oen Wurm unter derselben, wie viele Leute irrthümltch ibern bas Zungenwetzen ist vielmehr eine recht üble An- . fit. Pract. Wrgw. Würzburg.
Nochmals verbessert.
Durch Zusatz von wirkungsvollen Ingredienzien, wie sie unS von ersten mebicintschen Autoritäten neuerbtnos an bie Hanb gegeben worben sind, ist bte Doerings Seife mit der Eule, bekannt unter ber Devise: „Die beste der Welt“, abermals verbessert und durch diese Verbesserung in ihrem Einflüsse auf die Erhaltung der Schönheit der Haut wesentlich erhöht worden, so daß sich keine Seife zur Toilette mehr eignen dürfte als die in ihrer Art unübertreffliche Doerings Seife mit der Eule. Wir ersuchen alle Damen, Mütter, wie Jedermann, dem die Pflege ber Haut ernst ist, um erneute Versuche. Der Preis ist nicht erhöht worben, für 40 Pfg. überall erhältlich. 2532
WAWirÄfiAK r- Notiz, daß m. Kuren g. Zwangs- JN gedanken, Angst, Schlafiosigk., Asthma,
Herzerreg.,Schwäche, Magenverstimm- ung, Darmträgh., des Gicht rc. wieder v. April—Oct. in Auerbach, Hess. Bergstr., stattfinden. Prospecte üb. Eigenart u. Wirkung gratis. 2133 Dr. Borcherdt.
tlcliinuitiiuiiljiniijen
Verdingung von Schlosserarbeit.
Das Anfertigen, Liefern und Befestigen von 263 Stück Bauw- schuykörben aus Flacheisen soll Freitag dea 27. Mai d. I.,
Borm. 11 Uhr, öffentlich verdungen werden.
Die Bedingungen, sowie ein Musterkorb liegen während der Dienststunden zur Einsicht der Interessenten bei uns offen. Angebote auf Vordruck können sowohl auf sämmtliche Schutzkörbe, wie auch nur für einzelne Straßen erfolgen und sind bis zum genannten Termin einzureichen.
Zuschlagsfrist 10 Tage.
Gießen, 21. Mai 1898.
Das Stadtbauamt.
Schmandt. 5320 Gutsverkauf Das zur Zeit im Concurse befindliche Oeconomiegut des Chr. Nebe in Gießen, bestehend aus 84 Normal- Morgen Acker und Wiesen nebst Hofraithe und Feldscheuer, soll mit vollständiger Ernte freihändig verkauft werden. Anzahlung 20000 Mk. Auf dem Gute, mit dem noch 40 Morgen Pachtland verbunden sind, wurde seither Milchwirthschaft mit 25 Kühen betrieben, ebenso durch Vermiethen entbehrlicher Theile der sehr geräumigen Hofraithe und durch Latrinenfuhrwerk ansehnliche Nebeneinnahmen erzielt.
Angebote sind bis zum 15. Juni l. I. an den Concursverwalter F. Helfrich hier einzusenden, der auf Wunsch auch nähere Auskunft ertheilt. 5345
-Vrrstelgl'rmliunl
Mittwoch den 8. Ami, Nachmittags 2 Uhr, soll auf dem hiesigen Ortsgericht bie ber Thomas Moser Wittwe und ihres Sohnes Otto Max Armin Hebstreit in Gießen gemeinschaftlich gehörige Hofraithe:
Flur 1 Nr. 826 — 44 qm in ber Schloßgasse
öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 26. April 1898.
Großh. Ortsgericht Gießen.
___________I. A.: Vogt._______4394 Lomstog Len 28. Mai I. I., Nachmittags 2 Uhr,
soll auf dem hiesigen Ortsgericht das vor den Namen des Fritz Lony nnb Ehefrau geb. Löber stehende Grundstück der Gemarkung Gießen
Flur l/984*i/io — 427 qm Hofraithe in der Wallthorstraße
nochmals öffentlich meistbietend versteigert werden.
Gießen, 20. Mai 1898.
Großh. Ortsgericht Gießen 5266 Gros.
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