Ausgabe 
25.1.1898 Zweites Blatt
 
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anbesohlenen Feierlichkeiten die Vermahlung des nachmaligen Kaisers Friedrich mit der Prinzeß Royal statt und zwar in der kleinen königlichen Capelle de- historischen St. James- Palastes. Der Bräutigam trug heute zum ersten Male die große preußische GeneralSuntform, da er am Morgen dieses wichtigen Tages erst zum General-Major ernannt worden war. Seine Erscheinung gewann ihm die Herzen aller An­wesenden. Die Prinzeß Royal war weiß gekleidet, daS blonde Haar mit dem Myrthenkrauz und dem wallenden Schleier geschmückt. Alle Brantjuugfraueu waren weiß ge- kleidet, mit Kränzen von rothen Rosen im Haar und Sträußen von rothen Rosen in den Händen. Die Begleiter deS Bräu­tigams trugen preußische Uniformen, die der Braut englische FeldmarschallS-Untformen. Die Trauung wurde vollzogen durch den Erzbischof von Canterbury, unterstützt durch die Bischöfe von London, Oxford und Chester. Nachdem der Erzbischof nach dem Ritual die einleitenden Worte gelesen hatte, richtete er au den hohen Bräutigam die Frage, ob, er die anwesende Braut zu seinem ehelichen Weibe nach GotteS Gebot nehmen wolle, und der Prinz antwortete mit klang­voller Stimme:Ich will." Ebenso antwortete die hohe Braut. Dann frug der Erzbischof:Wer giebt diese» Weib, daß fie mit diesem Marine verheirathet werde?"

Da führte der Prinz Gemahl seine Tochter dem Priester zu, und dieser legte die rechte Hand des Bräutigams in die rechte Hand der Braut- dann nahm er erst jenem, dann jener

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Nr. 20 Zweites Blatt. Dienstag den 25. Januar

Gießener Anzeiger

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Fernsprecher Nr. 51.

Amtlicher Theil.

Gießen, den 22. Januar 1898.

Betr.: Die Ausführung des Reichsgesetzes vom 1. Juni 1891, die Abänderung der Gewerbeordnung; insbesondere die Sonntagsruhe im Gewerbebetrieb.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« die Grostherzoglichen Bürgermeistereien und Ortspolizeibehördeu des Kreises.

Wir erinnern Sie daran, daß nach unsere« Amtsblatt Nr. 8 vom 7. August 1896 die von Ihnen über die auf Grund der 105 c Abs. 4 und 105 f der Gewerbeordnung gestatteten Ausnahmen von dem Verbote der SonntagSarbeit geführten beiden Verzeichnisse bis längstens 15. Januar jeden Jahre- in Urschrift oder beglaubigter Abschrift bei unS ein- zureichen find. Falls keine Ausnahmen gestattet worden find, ist dies zu berichten.

v. Gagern.

Deutscher Reich.

Darmstadt. 22. Januar. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin werden sich am 26. d. MtS. zur Thetlnahme an der Feier de» Allerhöchsten GeburrSfesteS Seiner Majestät des Kaisers nach Berlin begeben.

Berlin, 22. Januar. Die große Cour beim Kaiser- Paar findet am 1. Februar Abend» statt.

Berlin, 22. Januar. Das StaatSmiuisterium hielt heute im ReichStagSgebäude eine Sitzung ab.

Berlin, 22. Januar. Die Budget-Commission des Reichstages erledigte heute den Postetat. Am Montag wird der Etat der Au»wärtigen Amtes berathev.

Berlin, 22. Januar. Zu Ehren des .gegenwärtig hier weilenden deutschen Botschafters in Parts, Graf Münster, hatte der französische Botschafter, Mar gut» de Noatlles, gestern Abend eine Festtafel veranstaltet.

Berlin, 22. Januar. Gegenüber den sensationellen Meldungen aus Japan über die Entsendung japanischer Kriegsschiffe nach den chinesischen Gewäffern bemerkt die Post", daß jedes Bemühen einer solchen kriegerischen Maß­regel als gegen Deutschland gerichtet hinzustellen, angeficht» der Niemand verborgenen friedlichen Besetzung von Kiao-Tschau in sich selbst zurückfalle.

Berlin, 22. Januar. Die Mandate der Abgeordneten Win term eh er-Wiesbaden (Bolksp.) und O er tel-Nürn­berg (Soc.) wurden von den Abtheiluugen des Reichstages für gültig erklärt.

daß diese Maßregel lediglich im Jutereffe der Deutschen verfügt worden sei, da man befürchtete, daß eS zu Unruhen kommen würde. DaS Verbot werde nicht lauge dauern. Hierauf hielt der Jungtscheche Dr. ColdiuSki eine förmliche Brandrede gegen die Deutschen. Allseitig wird angenommen, daß die deutschen Abgeordneten noch heute den Landtag verlaffeu.

Pari», 22.Januar.Aurora" veröffentlicht den Brief ZolaS an den Kriegsmiuister, in dem Zola auf dir tu der ihm zugegaugenen Vorladung erhobene Anklage ant­wortet. Er wiederholt, daß zwei Kriegsgerichte w fscntltch einen Unschuldtgen verurtheilt haben und sagt: Ich habe meine Anklage gegen die Kriegsgerichte dadurch vervollständigt, daß ich auch die Generale Mercier und BoiSdeffre, sowie Ravary und de Clam augrklagt habe. Ich habe mit offenem Vtfir angegriffen. Mau antwortet mir mit Injurien und gehässigen Kundgebungen. Ich nehme an, daß diese Herren Finsteruiß walten laffen wollen, aber sie haben vergeffev, daß der Asstseuhof mir erlaubte, sämmtliche Franzosen als Richter anzurufen und ihnen Beweise meiner Anklage zu machen. Diese Beweise fordert daS Gesetz von mir und ich we«de fie beibringen.

Prag, 23. Januar. Rector und akademischer Senat, sowie die Deeave aller vier Facnltäten der hiesigen deutschen Untverfirät haben heute in corpore refignirt, da fie ^durch daSTragen von BereiuSabszeichen ver Studenten­schaft, die fich auf ihre Intervention den geforderten Gin- fchränkangen willig gefügt hatten, in der schmählichsten Weise bloSgestellt werden. Die Studentenschaft Hat den Beschloß gefaßt, bis auf Weitere» die Eollegleu nicht mehr zu besuchen.

total«» uti» proeiniien«».

»letzen, den 24. Januar.

«esäugnitzarbeit. Ju Hessen soll, wie derFranks. Zig." mitgetheilt wird, dir Gesäugnißarbeit nun eben­falls reformtrt werden und zwar derart, daß dir Jutereffen de» PrioatgewerbeS möglichst geschont werden. Insbesondere soll darauf Bedacht genommen werden, daß die Zutheiluog von Arbeitskraft an die einzelnen Arbeitgeber möglichst ein- geschränkt werde. Der ArbettSbetrieb soll auf zahlretche Ge- werbSzwetge vertheilt werden und fich auf Lieferungen für die Staatsverwaltung erstrecken. Unter allen Umständen soll eine Unterbietung der freien Arbeit vermieden werden.

** In Amerika verstorbene Hesien. Albany, N. Y., Philipp Schäfer, 66 Jahre alr, aus Hungen. Lake Mills, Wt»., Georg Joeckel, 76 Jahre alt, aus Lanzen- Hain. Crab Creek, Ohio, Margaretha Gerwtg, geb. Lappe, 77 Jahre alt, aus Groß-Umstadt. Newyork, John Roßboch, 43 Jahre alt, aus Wimpfen.

Prag, .22. Januar. In der heutigen Landtags- fttzung beantwortete der Statthalter die Interpellation betreffend daS polizeiliche Verbot deS FarbeutragenS dahin, I

A Dauernheim, 19. Januar. Ein sehr geachteter Land- Wirth von hier ist von einer WirthShauStreppe abgestürz't. Die Verletzungen, die er hierbei erlitten, haben seinen Tod zur Folge gehabt.

4- Büdingen, 23. Januar. Anläßlich der Verlobungs­feier in der htefigeu Fürstlichen Familie wurde gestern Abend Seitens der Stadtvertrrtuvg, der sämmlicheu Vereine und der Schüler des Gymnasiums ein Lampionzug ver­anstaltet. Die Thetluehmer nahmen vor dem Gymnaftum Aufstellung und zogen sodann unter Vorantritt der Musik tu den Schloßhof. Dort angekommeo, trug ber Gesangverein ein Lied vor, worauf Namens der Stadt Herr Stadtraih Hinkel in einer Ansprache die Glückwünsche der Einwohner der fürstlichen Familie darbrachte, dabet der Anhänglichkeit und Verehrung der Büdinger zum Fürstenhause AuSdrvck verlieh und mit einem Hoch auf das hohe Brautpaar schloß. NamenS des Letzteren dankte der Bräutigam, S. E. Erbgraf Otto von Laubach, und drückte seine große Freude Über die Ovation aus. S. D. Fürst Bruno schloß sich dem Davke in schlichten Worten an. Nach der Veranstaltung begaben fich die einzelnen Vereine in die WirthSlocale, wo ihnen auf Rechnung des Fürstenhauses einFreitrunk" verabreicht wurde. Die htefige Bürgerschaft hatte vor einiger Zeit in einer Versammlung beschloffen, an der maßgebenden Stelle Schritte thun zu laffen, daß der Regierungsvorlage wegen Umwandlung de» Progymnosiurns zuFriedberg in ein Bollgymnafium die Genehmigung versagt werde. Eine gewählte Deputation sollte dieserhalb bei dem Lande-Herrn mündlich vorstellig werden. Dem vernehmen nach ist nun der hiesigen Bürgermeisterei auf eine diesbezügliche Anfrage von der CabinetSdireetion die Mittheilung zugegangen, daß die Audienz bei Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog nicht eher gewährt werden könne, bi» die Anträge, welche die Deputation vorzutragen beabsichtige, schriftlich formulirt nud eingereicht seien. Die Stadtvertretung glaubt, daß bei Genehmigung der oben erwähnten Regierungsvorlage die Frequenz de- hiesigen Gymnasiums geringer und die Sladt dadurch geschädigt würde. Zum Vorsteher der hiesigen israelitischen Reltgion-gemeinde wurde Herr Gumb Gumb, der schon eine Reihe von Jahren in diesem Amte segen-reich gewirkt hat, wiedergewählt.

Homberg a. d. O., 18. Januar. Letzten Sonntag er« öffnete der hiesige Gewerbeverein einen neuen Cursu- in der SonntagSzeichenschule. Der Vorsitzende deS Berein- hielt eine Ansprache, in der er zunächst dem seitherigen Leiter der Schule, Herrn Clemm, den Dank deS Vereins aus­sprach, daun aber die Schüler aufforderte, durch Fleiß und Arbeit fich eine gute Grundlage für die Berufsbildung zu legen. Mit dem Wunsche, daß die Schule immer mehr ge­deihen möge, übergab er fie dem nunmehrigen Leiter, Herrn Schaffner. An dem Unterricht nehmen bis jetzt 21 Schüler Theil. Die Mitgliederzahl des Vereins ist auf 29 gestiegen. Gewiß ein gutes Zeichen.

Gründers, 22.Jan. Fruchtpreise. WeizenX 19,2400,00, Korn X 14,8015,00, Gerste X 16,68-17,00, Hafers 14,2014,30, Erbsen X 15-00, Linsen X 28,00, Wicken X 00,00, Lein X 00,00, Kartoffeln X 0.00, Samen X, 00,00.

Feuilleton.

Kaiser Friedrichs Vermählung

am 25. Januar 1858.

Ein Gedächtnißblatt von Dr. Emil Schott.

K. 0. Am 19. Januar 1858 meldete derRegie-* rungSanzriger" lakonisch:Seine Königliche Hoheit der Prinz von Preußen ist heute in London eiugetroffen." Be­scheiden und ohne großen Empfang fuhr der nachmalige Kaiser Wilhelm I. zum Refidenzschloß der englischen Könige, dem düsteren St. James Palast, um wenige Tage später seinen Erstgeborenen, den Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, mit der erstgeborenen Tochter der englischen Königin, mit der Prinzeß Royal, zu vermählen. So düster der König­liche Palast von außen, so hochzeitlich sah er innen au-: Tischler, Maler und Vergolder hatten ihr Möglichstes gethan. Am Abend de» 19. Januar begannen die Feierlichkeiten und -war mit einer glänzenden Aufführung im Königlichen Theater, in welchem fich die vornehmsten Vertreter Großbritanniens versammelt hatten. SS herrschte eine gehobene, festliche Stimmung, und als die Nationalhymne ertönte, erhob fich da» ganze HanS und mit ihm die fürstliche Versammlung in der großen Königlichen Loge und Alle sangen stehend die schönen Worte deS Liedes mit. Am 20. Januar war Hof­ball in den StaatSzimmern de» Buckingham Palaste», zu

welchem glänzenden Feste mehr als tausend Einladungen ergangen waren. Der Gegenstand der allgemeinen Auf­merksamkeit war daS hohe Brautpaar. Die reizende Frische der Prinzeß Royal, ihre anmuthige und geistig belebte Er­scheinung war für Alle ein lieblicher Anblick, während der hohe Bräutigam durch sein leutseliges Wesen, seine ritter­liche Erscheinung die Bewunderung aller Anwesenden erregte. ES war ein herrliches Bild, welches der große Festsaal bot. Die preußischen Uniformen, die in reicher Auswahl vertreten waren, trugen dazu bei, daS Bild des Reichthnm» und der Mannigfaltigkeit noch mehr zu beleben, das gerade am eng­lischen KönigShofe durch daS Element nationaler Tracht, in welcher die Edelleute der schottischen Hochlande je in den Farben und der besonderen Kleidung ihrer Clan» erschienen waren, einen ganz besonderen Reiz erhielt. Bon den vier Quadrillen tanzte die Königin Victoria die erste mit dem Prinzen von Preußen, dir zweite mit dem Prinzen Friedrich Carl und die vierte mit dem Prinzen Albrecht von Preußen.

AlS am Vorabend des Hochzeitstages Prinz Friedrich Wilhelm mit seiner Braut im Theater fichtbar wurde, erhob fich während der Vorstellung ein solcher Jubel, daß der Vor­hang fallen und das hohe Paar wiederholt fich an der Brüstung der Königlichen Loge zeigen mußte.

Am anderen Tage, am 25. Januar 1858, 121/, Uhr Nachmittag», fand unter den von Ihrer Majestät der Königin