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24.2.1898 Zweites Blatt
 
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Donnerstag den 24 Februar

Nr. 46

Zweites Blatt

1S98

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Gissten

Gratisbeilage: Gießener Familienbiätter.

AezngsprelO vierteljährlich

2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn.

Bei Postbezug

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Alle Anzergen-BermiltluugSstellen de- In- und Ausland«» nehmen Anzeigen für dm Eießmcr Anzeiger mtgeg«.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für dm falgmdm Tag erfcheinmden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

ftf4rhif tägNch mit Ausnahme des Montag-.

Die Gießener Aamitienbtätter »erden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelcgt.

Adresse für Depeschen: Anzeiger -test««.

Femsprecher 9h. 51.

Redaction, Expedition und Druckerei:

Schukstrage Nr. 7.

Aurtlichev Tbril.

Bckamltmachmlg,

betr.: Maul« und Klauenseuche.

Jo Wetzlar und in Oberbiel, Kreis Wetzlar, ist in je einem Gehöft die Maul» und Klauenseuche arrsgebrocheu.

Ja Gontershausen, Kreis Alsfeld, Langeuberg- heim und Benudehof bet AltwiedermuS, Kreis Büdingen, Büdesheim und Ober Wöllstadt, Kreis Friedberg, Braunfels, Kreis Wetzlar, ist die Maul« und Klauenseuche erloschen und find die verfügten Sperrmatzregeln wieder aufgehoben worden.

Der Kreis Friedberg ist jetzt seucheusrei.

Tießen, den 22. Februar 1898.

Großherzogliches Kreisamt Gieße».

v. Gagern.

Kerstfehe» Seid?»

Berlin, 22. Februar. Die Budget-Commission beS Reichstages hat heute den Militäretat erledigt. Am vtontag gelangt der Marineetat in Verbindung mit der Alottenvorlage zur Erledigung.

Berlin, 22. Februar. Im Abgeordnetenhause wurde heute der Erat des Ministeriums des Innern erledigt. Bei« Capitel Landgendarmerie wurde ein Antrag einstimmig angenommen, welcher die Regierung ersucht, die Besoldung der Laudgeudarmerte und der Berliner Schutzleute vom nächsten Jahre an zu erhöhen. Ein Antrag Herold, betreffend Uebü- nahme der Kosten für rationelle polizeiliche Untersuchungen auf den Staat, gelaugt morgen zur Berathung. Ferner Petitionen.

Berlin, 22. Februar. Das RrichSpostamt hat mit dem Schiffsrheder Jebseu einen Vertrag wegen Einrichtung und Unterhaltung einer regelmäßigen P ostdampf erv er- btndung zwischen Shanghai und Kiaotschau ab­geschlossen. ES soll eine vterzehntägige Verbindung eintreten. Die Schiffe müssen 300 Zwischeudeckpaffagiere ausnehmeu nud führen die deutsche Reichspostflagge.

Berlin, 22. Februar. In der heutigen Sitzung der Budget-Commission des Reichstages wurde die Forderung für ein Dienst'WohnungSgebäude für die Militär-Geist­lichen in Straßburg (Elsaß) abgelehnt. Ferner wurde die geforderte erste Rare für den Umbau einer Infanterie-Kaserne trab den Neubau einer Cavollerie-Kaserue in Metz mit je

Feuilleton.

Csrnevsl.

Nooellette von Felix Sagen.

(Nachdruck verboten.)

K. 0. Prinz Carneval hatte einmal wieder feinen Einzug gehalten mit Schellengeläute und Huffageschrei.

Champagnerpfropfen knallten, filberneS Lachen er­tönte und alte und junge Ritter des Tanzes und der Liebe blickten feuriger und siegestrunkener umher in der Welt der Freude.

Auch in LolotteS kleines Sübchen drang etwa- von dieser berauschenden, ausregendrn Macht de- nnstrrbttchen Prinzen, aber nur in Gestalt ihrer einzigen Freundin Ilka, die am Theaterhimmel als allerliebste Balletense und viel umworbener Stern erglänzte.

Auch Lolotte hatte fröhlichere Tage gekannt nud selber getanzt und geflirtet.

O, wie war ihr da» Leben so schön erschienen und wie hatte auch ihr kleine- Herz gepocht, wenn feurige Blicke und ein Regen duftiger Blumen ihre graziösen PaS belohnten.

Da- ist nun Alles vorbei!

Seit langen, langen Wochen liegt das arme Mütterlein krank und Lolotte "flegr die Aermste.

Doch gern erfüllt sie auch die schwersten Pflichten, voll inniger Liebe wacht fie ganze Nächte am Bette der Kranken. Anstatt daß die niedlichen Füßchen über die Bretter schweben, fitzt Lolotte und stickt und stichelt Tag und Nacht. Und auch jetzt noch, im Dammerschein des finkenden Tage-, fitzt die Kleine am Fenster und stickt.

Mühsam Stich um Srich zieht fie den Goldfaden durch die feurig rothe Seide. Ein mühselige-, doch gut bezahltes Werk, und durch diese ihre Kunst hat fie bis jetzt der Noih den Einlaß verwehrt.

10.000 resp. 25,000 Mk. genehmigt. Beim Etat für Württemberg wurden von der Forderung:Zur Errichtung eine- Remonte-DepotS erste Rate von 25,000 M." 71,500 M. für Straßen-Herstellung und Wohngebäude gestrichen.

Berlin, 22. Februar. Finanzmiuister Miquel erhielt anläßlich seine» Geburt-tage- auch von der Stadt O-nabrück, deren Ehrenbürger er ist, ein Glückwunsch-Tele­gramm, auf das der Minister sofort telegraphisch seinen Dank abstattete. In derNordd. Allgem. Ztg." veröffentlicht der Minister heute eine Danksagung an Alle, die ihn an seinem Geburtstage durch Glückwünsche und andere Aufmerksam­keiten erfreut haben.

Arr-laird.

Wien, 22. Februar. Die Meldung von der bevor­stehenden Abberufung des österreich-ungarisch en Geschwader- und Trupprndetachement- von Kreta wird von kompetenter Seite bestätigt. Die AbberufuugSordrr bezieht sich aber nur auf die Commandanten der großen Schiffe. Einige kleinere Fahrzeuge verbleiben in den kretenfi- schen Gewässern.

Lemberg, 22. Februar. Der Landtag beschloß, daß der galizischen .Huldigungödeputation, welche fich anläßlich deS RegieruugSjubilänmS Kaiser Franz Josephs nach Wien begibt, auch der ehemalige Ministerpräsident Graf Baden! fich anschließeu wird.

Pari-, 22. Februar. Im Zola-Prozeß setzte heute Advokat Labori sein Plaidoyer fort. Er begann bei der Verhaftung DreyfuS' im October 1894 und eonstatirte dabei, daß die Verhaftung zwei Blättern, derLibre Parole" und demEclair" bekannt war. Mit großem Tact bespricht Labori die haltlose Verdächtigung de» Einverständnisses fremder Attaches mit DreyfuS. Er nannte keinen Namen, als er aber Bülow» Erklärung verlesen wollte, sagte der Präsident:Lassen wir daS".

Havana, 22. Februar. Während eine» Balles im hiesigen Theater platzte eine 'Petarde, vier Personen wurden schwer verletzt.

totale» rrnd prwhjieöw.

Ridda, 22. Februar. Auch hier ist als Frühlings­bote Freund Klapperstorch einzctroffrn und hat sein altes Nest auf dem Haase deS Herrn Löd wieder als Wohnung bezogen.

Laubach, 19. Februar. Am gestrigen Tage starb im

Doch Thränen fallen hernieder aus ihren Augen und beinahe auf die rothe Seide, ble noch heute in ihrer gold­strotzenden Schönheit die üppigen Glieder Miß EllinorS schmücken soll.

Da ertönt ganz heiser, blechern die verrostete Thürkiingel, dann rin flüchtiger Klopsen und herein schlüpft die schöne Ilka, einen Hauch der halbverpaffenen Lebensfreude und Liebe-lust in Lolotte- Stübchen tragend.

Leise, um die schlafende, kranke Frau nicht zu wecken, huscht die schwarze Ilka aus Fenster und bald wispert uvd tuschelt e» und ein ganz verstohlenes, leises Grkicher dringt bis an da- Schmerzenslager der todtkranken Frau.

Wie Lolotte» Wangen glühen, wie die dunklen Augen blitzen und leise wehrt sich ihr guter Engel gegen die schöne Versucherin

Carneval! I

Du mußt kommen," flüstern die rothen Lippen JlkaS bestimmt,sür alles sorge ich bei mir findest Du da» Zigeunergewand und Fred erwartet Dich mit Sehnsucht."

Fred! All die süßen Stunden tauchen vor ihr auf, die fie in seinen Armen durchlebt.

Dann streicht Lolotte mit der fiebernden kleinen Hand da» rothe Gelock au6 der weißen Stirne und flüstert mit verhaltener Glnth:

.Ich komme, sag ihm, ich komme, wenn auch nur ein Stündchen."

Lächelnd nickend geht Ilka von dannen, dann erhebt fich auch Lolotte, der letzte Stich am rothen Gewand ist vollendet.

Mutterle," rüst sie leise,schläfst Du?" Und auf da» schüttelnde, blasse Gesicht einen Kuß hauchend, sagt Lolotte erröthend:Brauchst Du noch etwa», Liebste, ich muß jetzt schnell eilen, Miß Elltnor ihr Kleid hintragen. Hier ist die Klingel, lirbcS Mutterle, Frau Sommer wird bei Dir

hiesigen Krankeuhause der auf der Friedrich-Hütte verun­glückte Arbeiter Stöhr au« Gonter»kirchen. Nachdem ihm am vorhergehenden Tage unter Zuziehung des Herrn Professor Fuhr au« Gießen noch ein Bein amputirt worden war, erlag er heute dem Wundstarrkrämpfe. Der Fall ist um so beklagen-werther, al» der Verstorbene eine Wtttwe mit vier unerzogenen Kindern hinterläßt.

Ilbeshausen, 21. Februar. Unser Dorf scheint ein nam­hafter Industrie- und Verkehrsart werden zu sollen. Bor etwa einem Jahr hat die hiesige Firma Gabriel L Etting in der Nahe des Ortes ein Dampssägewerk errichtet und be- schäftigt darin etwa 20 Arbeiter - fie fabricirt buchene Faß­dauben, Treppenstufen n. dgl. Diese» Jahr wird nun hier noch ein Dampfsägewerk errichtet, indem der hiesige Holz- Händler Heinrich Georg IV. dieser Tage die sog. SttermÜhle de» Sebastian Löffler HI. für 3600 Mk. käuflich erworben hat. Diese Mühle war seither eine Mahl- und Schneidemühle und wird von Herrn Georg zu einem größeren Dampfsäge- werk umgebaut werden. Für die Geschäfte wird die geplante Bahn LauterbachGrebenhain, wenn au-geführt, von großem Vortheil sein. Darmst. Ztg.

-r- Bidingen, 22. Februar. Der heutige Petrimarkt war mit Vieh sehr stark befahren, insbesondere wurde viel Rindvieh der Stmrnenthaler Raffe, darunter sehr schöne Exem­plare, aufgetrieben. Der Handel war nicht so lebhaft, wie man erwartete, und wurde wohl durch die heutigen Bieh- märkte an anderen größeren Orten beeinträchtigt. Die Preise betrugen sür Rinder 70 bi» 115 Mk, frischmelkende Kühe 800 Mk. und mehr, trächtige Kühe 380 bis 400 Mk.- für da» Paar Ferkel wurden 35 bis 40 Mk., für Läufer bi» 50 Mk. und für Einlegschweiue 90 bis 100 Mk. bezahlt. Während be» Markte» erfolgte eine Prämiirung der schönsten Exemplare und der Ankauf de» Biehe» für die morgige Ver- loosung. Da» schöne Wetter hatte sehr viele Markldesucher angelockt.

H. AuS dem Horlossthale, 21. Februar. ES dürfte sür manchen Freund der Fischzucht nicht uninteressant sein, zu erfahren, daß fich die Fischerei auch tn diesem Jahre ge­bessert hat. Hechte und Karpfen wurden wieder reichlich gefangen und Weißfische find massenhaft vorhanden.

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wachen, wenn Du rufst. Ich will gleich hinüber und ihrs sagen." --

Hei, wie lustig schmettern die Trompeten und wie sehn­süchtig jauchzt die Fiedel. Höher schlagen junge Herzen in wilder, schäumender Jugendlust. Wild reißt der schöne Manu daS schlanke Zigeunerkind an seine Brust und stürmt mit ihr dahin, bi» da« Herz zu springen droht und stürmisch gegen da» krachende, fl'tterbesetzte Mieder pocht. Lustig flattern Lolotte» schwarze Locken im Winde, heiß athmet der rothe Mund.

Komm, süße Lolotte, nur eia Stündchen gehöre mir, komm, Geliebte."

Und Lolotte» schöner, roiher Mund trinkt süßen Sect und noch süßere Küsse ihr Ohr hört Liebe»geflüster und seine bethvrenden Worte.

Da verhüllt ihr guter Engel fein Haupt und weint, weint bittere, bittere Thränen.--

Matt leuchten die Sterne am Firmament und Dämmer­licht herrscht daheim in Lolotte» Stübchen.

Dieses dämmernde Licht wirft kalte, weiße Lichter über da» bleiche, stille Antlitz der tobten Mutter.

Da nahen fich langsam schleppenbe Schritte wieber ertönt die Hauiithürkltngel heiser, blechern und herein tritt ein blasse», elende» Menschenkind. Brennende, schuld­bewußte Augen richten fich auf da» Bett der stillen Schläferin. Und leise schleicht Lolotte an Mütterchen» Bett und berührt zaghaft drn blaffen, ach, so kalten Mund.

Aufschreiend vor Entsetzen finkt baß bebende Mädchen am Todtenbette ihrer Mutter nieder.

Leise glucksen und gu"geln im Morgengrauen die Wellen am Ufer, umspülen den Brückenpfeiler und kosen mit dem goldigen Gelock Lolotte».